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Tierparkgedanken

Neulich habe ich wieder einmal einen Rundgang durch unseren schönen Tierpark gemacht. Er wurde am 1. Juni 1954 eröffnet, 1968 kam dann ein Raubtierhaus dazu und bereits 1969 zog ein Elefant in den Tierpark ein. Später kamen Gänse, Enten, Störche und andere Wasservögel hinzu und mittlerweile beherbergt er über 1200 Tiere und ist der größte Tierpark im Land Brandenburg.

Auch wenn ich schon oft diesen kleinen Zoo besucht habe, lohnt sich ein Vorbeischauen  immer wieder. Besonders interessant ist es bei Neuzugängen oder wenn Tierkinder angekommen sind. Auf jeden Fall gibt es viel zu sehen und zu bestaunen.

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Seltsamerweise hatte es mich diesmal zu den Dickhäutern gezogen, wo auch gerade Kameraleute zugange waren. Leider waren sie schon am Zusammenpacken. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Treiben und die Dickhäuter.

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Elefanten gelten als schlaue und sensible Tiere, die auch soziale Kompetenz aufweisen. Sie zeigen Emotionen und können u.a. Beziehungen zu ihren Betreuern aufbauen.Ich denke, diese Bindungen an Menschen sind besonders wichtig, wenn diese Tiere in Gefangenschaft leben, wie zum Beispiel hier im Tierpark. Ich habe gelesen, dass diese gewaltigen Tiere trauern, wenn sie von ihrer Bezugsperson verlassen werden bzw. wenn diese stirbt. Manche Elefanten verwahrlosen dann, bei anderen führt dieser Verlust sogar zum eigenen Tod.
Forscher beobachteten diese gewaltigen Tiere in der freien Wildbahn über viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte hinweg. Was sie herausfanden lässt den Elefanten näher an den Mensch heran rücken, als man dies ursprünglich vermutete. Stirbt beispielsweise ein Elefant, so wird dieser von seiner Familie gewissermaßen beerdigt. Sie bedecken den Leichnam mit Ästen, Zweigen und Erde. Somit erweisen sie ihrem Familienmitglied im Grunde genommen noch die letzte Ehre.
Es mag gar manchen seltsam anmuten, wenn ich an dieser Stelle von Familienangehörigen spreche, aber Elefanten leben tatsächlich in einem Familienverband.

In der Tierwelt gibt es dies relativ selten. Lediglich Vögel und Säuger ziehen ihre Jungen groß.1200px-Spatz

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Während bei Vögeln die Kleinen relativ schnell flügge sind (beim Haussperling beträgt dies 11-19 Tage), säugt die Ziegenmama nach der Geburt ihrer Zicklein diese noch drei Monate. Eine Gepardin allerdings kümmert sich länger als ein Jahr um ihre Jungen und bringt ihrem Nachwuchs alles Wichtige bei. Doch die Elefanten übertrumpfen alle:

Bei diesen gewaltigen Dickhäutern leben gleich mehrere Generationen zusammen und diese kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs. Somit werden Wissen und Erfahrungen über Generationen hinweg weiter gegeben. Forscher behaupten sogar, dass in der Evolution „Familienähnliche Strukturen … ein wichtiger Faktor für die Ausbildung tierischer Intelligenz“ waren ( GEOkompakt Nr.33, S.120)*. Elefanten, die zu den intelligentesten Tieren zählen, entwickeln in dieser Gemeinschaft auch starke emotionale Beziehungen. Eine Elefantenmutter trägt 22 Monate lang ihr Junges aus, bevor dieses geboren wird. Bei diesem enormen Aufwand wird die Mutter alles tun, damit ihr Nachwuchs auch am Leben bleibt. Hierin wird sie von den anderen weiblichen erwachsenen Elefanten tatkräftig unterstützt, aber auch von den zwei bis elfjährigen weiblichen Jungtieren. Während sie ihr Junges die ersten 12 Monate ausschließlich mit Muttermilch ernährt, vergehen noch weitere Jahre bis der junge Elefant vollständig von der Muttermilch entwöhnt ist. Das können insgesamt vier bis neun Jahre sein. Ist das Junge männlich, so wird es mit ungefähr zwölf Jahren die Gruppe verlassen.
Durch ihren Zusammenhalt in der Gruppe entsteht auch eine Art von Arbeitsteilung bei der Aufzucht der Jungen. Die Gruppe bietet jedoch auch Schutz vor feindlichen Tieren. Umreihen die erwachsenen Elefanten ihre Jungtiere bei Gefahr, so bilden sie gewissermaßen einen Schutz zum Beispiel vor Hyänen.
„Tiere, die bis ins erwachsene Alter hinein auf engstem Raum miteinander leben, können untereinander starke emotionale Bindungen entwickeln. Elefanten erkennen sich gegenseitig wieder, auch wenn sie sich lange Zeit nicht gesehen haben: Sie begrüßen sich herzlich, schlingen ihre Rüssel umeinander, trompeten und sondern eine Flüssigkeit aus ihren Schläfendrüsen ab – ähnlich wie Menschen, die bei tiefer emotionaler Regung zu weinen beginnen.“ (GEOkompakt,Nr.33, S. 124)*
Wer hätte dieses Denken, diese Emotionen und diese Intelligenz hinter der Stirn des Dickhäuters vermutet?!

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Zitate aus: * Tilmann Botzenhardt, Die Erfindung der Familie, in GEOkompakt, Nr. 33, S.116ff

Unser persönliches Spiel mit dem Gedächtnis

In unserem Gedächtnis sind Informationen der verschiedensten Art abgespeichert. Wir unterscheiden zwischen Kurzeit- und Langzeitgedächtnis und sprechen sogar noch vom Ultrakurzzeitgedächtnis. Diese Einteilung betrifft die Dauer der jeweiligen abgespeicherten Information, denn nicht alles wird für immer und ewig benötigt. Unsere Speicher sollen nicht mit unnötigen Informationen überfüllt sein, deshalb ist u. a. auch das Vergessen ganz wichtig.

Die „Grundlage bewusster Informationsverarbeitung ist das Kurzzeitgedächtnis (in einigen Modellen auch Arbeitsgedächtnis). Das Kurzzeitgedächtnis ist ein Speicher, der eine eng begrenzte Menge von Information in einem unmittelbar verfügbaren Zustand bereithält.“* Und hierum geht es heute an dieser Stelle.
Das Gedächtnis will auch trainiert werden und das von Anfang an. Schon Neugeborene erkennen den Herzschlag der eigenen Mutter wieder, denn sie haben ihn schließlich im Mutterleib gehört. Für Kinder, aber auch für Erwachsene gibt es verschiedene Arten des Gedächtnistrainings und Gedächtnisübungen. Neulich erst habe ich mit meiner Mutter ein Spiel gespielt, das ich mit unserem Sohn auch im Kindesalter relativ häufig gespielt habe Memory.

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Allerdings habe ich beim Spiel mit meiner Mutter nicht das typische Memory von Ravensburg benutzt, sondern ein selbst gestaltetes Memory mit Motiven aus unserem Garten.

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Hierbei sind nicht nur Pflanzen abgebildet,

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sondern auch Tiere,

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Gegenstände,

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Situationsaufnahmen,

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lauschige Plätzchen,

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diverse Figuren

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oder andere Motive, die sich mir in unserem Garten geboten haben.

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Dieses persönliche Memoryspiel (von dem ich an dieser Stelle nur einige Beispiele gezeigt habe) wurde aus meinen eigenen Fotoaufnahmen gestaltet. Ich habe es meinem Mann vor ein paar Jahren zum Geburtstag geschenkt.

Erst neulich habe ich einfach mal nachgeforscht, welche Informationen es zu diesem bekannten Spiel gibt. So stieß ich auf die Namen Heinrich Hurter und William Hurter. Der Schweizer Heinrich Hurter reiste einst nach London und brachte von dort seinen Enkeln ein Geschenk mit. Er hatte aus Zeitschriften Bildchen ausgeschnitten und diese auf Pappkärtchen aufgeklebt. „Hurters Kinder mochten das Spiel und die englischen Freunde tauften es rasch „memory-game“. Sein Sohn William Hurter, ein Schweizer Diplomat, stellte das Spiel dann dem Ravensburger Spieleverlag – damals noch Otto Maier Verlag – vor. Dort erkannte man das Potential der simplen aber faszinierenden Pärchensuche: Das erste offizielle Memory präsentierte der Verlag im Frühjahr 1959 auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Ab dem 15. April 1959 erschien es im Handel und kostete 4,80 DM.“**
Noch heute ist dieses Pärchensuchspiel überaus beliebt und wird in allen Herren Ländern (über 80 Länder) mit Begeisterung von jung und alt gespielt.
Bis heute verkaufte sich dieses Spiel „75 Millionen Mal. Alle Kärtchen aneinander gelegt würden acht Mal den Erdball umrunden!“***

Dieses Spiel macht einfach nur Spaß. Spielen Erwachsene und Kinder gemeinsam, so sind es meist sogar die Kinder, die dieses Spiel gewinnen. Man könnte denken, dies liege daran, dass die Erwachsenen sich zu Gunsten der Kinder absichtlich zurückhalten. Weit gefehlt!
Die Psychologieprofessorin Susanne Wilpers von der Hochschule in Heilbronn hat sich intensiv mit diesem Phänomen beschäftigt und einige überraschende Fakten geliefert. So sind die Gehirnzellen von Kindern mit 200 Billionen Synapsen um das Doppelte besser vernetzt als die der Erwachsenen. „Mit dieser ungebändigten Rechenkapazität erfassen Kinder sämtliche Details der Kärtchen und deren Position. Doch mit jedem Jahr schmilzt der Vorteil beim Memory dahin: Ab der Pubertät nimmt die Zahl der Synapsen deutlich ab nicht weil wir dümmer, sondern weil wir klüger werden, erklärt Wilpers. Mit dem Lernen weiß das Gehirn immer besser, auf welcher Synapsen-Autobahn es am schnellsten vorankommt und nutzt mit der Zeit weniger Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Nicht gebrauchte Synapsen baut das Hirn ab. Aber die sind nötig, um mit der vollen mentalen Kraft die Kartenpaare beim Memory zu finden.“****
Also mal ran an die Kärtchen und fleißig üben, damit wir Erwachsenen zumindest mit den Kindern einigermaßen mithalten können.

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* aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Gedächtnis

** aus: http://www.gofeminin.de/familie/memory-spielen-d6655c140388.html (Stand 29.4.15)

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*** aus: http://www.gofeminin.de/familie/memory-spielen-d6655x30486.html (Stand 29.4.15)

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****aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Memory_(Spiel) /Stand 29.4.15
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Tatort Friedhof

Es ist ein ganz normaler Tag. Oder vielleicht doch nicht. Dieser Tag verspricht keinen Stress, sondern scheint eher einer von der geruhsamen Sorte zu sein. So begrüßt er uns am Morgen, doch als er sich um Mitternacht verabschiedet, kann man nicht anders als von einem aufregenden Tag zu sprechen.

Das kleine über 1200 Jahre alte Städtchen wirkt ein bisschen verschlafen und verspricht dem Besucher als Luftkurort Ruhe und Erholung. Wälder, ein Stausee und viele Wanderwege wirken im Sommer ebenso einladend wie das kleine und nahgelegene Skigebiet im Winter. Idylle pur, in der die Welt noch heil ist. Hier kennt jeder jeden und am Gartenzaun gibt es ebenso ein kleines Schwätzchen wie beim Einkauf. So war es immer, – auch in meiner Kindheit und Jugend. Warum sollte es jetzt anders sein?
Und trotzdem sitze ich jetzt gerade auf der Polizeistation dieses Städtchens und bin völlig aufgeregt. Im Gegensatz zu mir ist der Hauptkommissar die Ruhe in Person. Ich würde am liebsten gleich mit meiner Berichterstattung loslegen, damit die Ermittlungen beginnen können. Und überhaupt, warum sitze ich hier und warum ist die Polizei nicht am Tatort? Was ist mit der Spurensicherung? In Krimis sind die Ermittler immer vor Ort. Hier aber geht es um meinen Namen, meine Anschrift, mein Geburtsdatum. Ich habe das Verbrechen nicht begangen. Also warum schreitet man nicht endlich zur Tat?
„Nur ruhig, liebe Frau!“, versucht mich der Hauptkommissar zu beruhigen. „Jetzt nehmen wir erst einmal alle wichtigen Daten auf und dann berichten Sie schön der Reihe nach.“
„Wichtige Daten?“, überlege ich. „So löst der den Fall nie. Das ist doch alles nur für die Akten. Dann kommen zwei Löcher rein und das Formular wird abgeheftet. Punkt. Fertig.“
Nun gut, endlich geht es zur Sache und ich soll erzählen.
„Meine Mutter und ich sind mit dem Auto zum Friedhof gefahren. In den Kofferraum hatten wir die Gießkanne, ein kleines Häkchen, Blumenerde und natürlich Pflanzen gelegt, denn wir wollten das Grab neu bepflanzen. Wir haben gegenüber den Schrebergärten, direkt an der Friedhofsecke geparkt.“
„Können Sie sich noch an die Uhrzeit erinnern?“
„Ich denke“, sage ich. „es muss so gegen halb drei Uhr nachmittags gewesen sein.“
„Und die Tatzeit?“, möchte er wissen.
„Irgendwann zwischen unserem Eintreffen am Friedhof und meinem Anruf bei Ihnen auf der Polizeistation. Aber das müssen Sie doch wissen, das wird doch vermutlich protokolliert“, antworte ich leicht irritiert.
„Hm!“ Der Polizeibeamte blättert in einigen Unterlagen und blickt mich dann wieder aufmunternd an.
„Hatten Sie von ihrem Standort aus einen Einblick auf den Tatort?“, fragt mich der Polizist weiter aus.
„Das nicht, aber ich kam noch einmal kurz am Tatort vorbei, weil ich etwas aus dem Auto geholt habe. Da ist mir nichts aufgefallen.“
„Haben Sie eventuell eine verdächtige Person gesehen?“
„Nein!“, erkläre ich ihm kurz und bündig. Mittlerweile würde ich gerne selbst auf die Suche nach dem unbekannten Täter gehen oder zumindest noch einmal an den Tatort fahren. Wer weiß, vielleicht findet sich doch noch ein Hinweis. Aber der Polizeibeamte macht weder Anstalten mich aus diesem Verhör zu entlassen, noch sich selbst zum Tatort zu begeben. Stattdessen hat er wieder eine neue Aufforderung für mich parat.
„Überlegen Sie einmal, vielleicht war noch jemand auf dem Friedhof, der als Täter in Frage käme!“, fordert er mich erneut zum Nachdenken auf.
„Nein“, wiederhole ich meine Aussage. „Nur noch eine alte Frau, aber ich nehme an, dass diese alte Frau mit Krücken, die nach uns auf den Friedhof kam, nicht zum Kreise der Verdächtigen zählt. Sonst war keine Menschenseele auf dem Friedhof zu sehen.“
Anscheinend bringt ihn die Erwähnung der Krücke auf eine neue Idee und damit auf die nächste Frage:
„Haben sie irgendwo etwas entdeckt, das als Tatwaffe in Frage käme?“
„Ist das meine Aufgabe?“, frage ich mich insgeheim und schüttele dabei den Kopf.
„Steine vielleicht!“, sage ich. „Die liegen doch massenhaft da rum!“
„Möglich“, brummelt sich der Polizeibeamte in den Bart, den er nicht besitzt.
Endlich ist er mit seinem Protokoll fertig und schreitet endgültig zur Tat.
„Jetzt machen wir noch Fotos, dann ist die Aktenlage komplett“, bekundet er, greift sich eine kleine Digitalkamera und marschiert nach draußen. Selbstverständlich gefolgt von mir. Nachdem er seine Fotos gemacht und diese auf dem Display als einigermaßen brauchbar befunden hat, erklärt er offiziell die „Vernehmung“ als beendet: „Wir melden uns, wenn es Neuigkeiten gibt. Aber in einem solchen Fall fürchte ich,…“ Er zuckt mit den Schultern und reicht mir zum Abschied die Hand.
„Tja“, denke ich. „Das war’s dann wohl!“
Von den Geschehnissen des Tages erschöpft, setze ich mich in mein Auto und fahre zum Haus meiner Mutter. Kaum habe ich in der Einfahrt geparkt, klingelt das Handy in meiner Handtasche. Etwas umständlich angele ich es zwischen verschiedenen Utensilien heraus und melde mich.
„Hier ist noch einmal Hauptkommissar B.“, tönt es aus dem Handy in mein Ohr hinein. „Wir haben sie!“
Mir bleibt der Mund offen stehen, so überrascht bin ich.
„Das ging ja fix!“
„Ja, ich habe sogleich eine Streife zum Tatort geschickt. Und stellen Sie sich vor: Keine 30 Meter vom Tatort entfernt, haben wir sie entdeckt.“
Sprachlos lausche ich seinen weiteren Ausführungen: „Kommen Sie am Besten gleich noch einmal zurück zur Wache. Sie müssen sie doch identifizieren und dann können Sie auch gleich…“
Ich habe gar nicht erst abgewartet bis er ausgesprochen hat, sondern habe mein Handy zurück in die Tasche geworfen und mich ins Auto geschwungen.
„Sie haben sie! Ich bin gleich wieder zurück!“, rufe ich noch schnell aus dem offenen Seitenfenster und schon bin ich weg.
Als ich das Büro des Hauptkommissars betrete, sehe ich sie schon liegen. „Äußerlich scheint sie unversehrt!“, begrüßt er mich. „Sie lehnte an einem Zaun eines Schrebergartens wenige Meter vom Tatort entfernt.“

Tatsächlich das ist unsere Aktentasche und der Inhalt ist auch noch da!
„Der oder die Täter hatten wohl einen Laptop darin vermutet, mit den darin befindlichen Dokumenten konnten sie jedoch nichts anfangen und haben sie gleich wieder abgelegt. Gut, dass alles wieder da ist. Nur leider bleibt der Schaden an Ihrem Auto“, sagt der Polizeibeamte und hat uns wieder einmal bewiesen, dass es stimmt, wenn es heißt:

Die Polizei, – Dein Freund und Helfer.

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Leider handelt es sich hier nur um eine Handyaufnahme, allerdings habe ich bei der ganzen Aufregung nicht auf die Qualität geachtet.

* Anmerkung: Das Beitragsbild ist rein zufällig gewählt und zeigt einen fremden Friedhof in Griechenland, die abgebildeten Gräber  stehen in keinem Zusammenhang mit der Geschichte.

Ein himmlisches Erlebnis

Am 1. Mai haben wir einen Ausflug unternommen. Eigentlich waren wir schon mehrmals an diesem Ort, aber es zieht uns immer wieder hin. Wir wollten unserem Besuch ein besonderes Erlebnis bescheren, was uns auch gelungen ist. Es war überaus beeindruckend, göttlich und himmlisch zugleich. Wir fuhren in einen kleinen Ort im Nordosten der Niederlausitz, der ein staatlich anerkannter Erholungsort ist und ein besonderes Kulturerlebnis aufzuweisen hat.

Ich spreche hier von dem kleinen Städtchen Neuzelle und seiner Sehenswürdigkeit, nämlich der ehemaligen Zisterzienserabtei, der Klosterkirche Neuzelle. Diese katholische Stiftskirche St. Marien bildet den Mittelpunkt der Klosteranlage und lässt dem Besucher schon beim Betreten den Atem stocken.

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Ursprünglich handelte es sich hierbei um eine gotische Kirche. Ihre Überarbeitung im 17. und 18. Jahrhundert war barocker Natur und dieses Kunstwerk, an dem böhmische Künstler beteiligt waren, übertrifft alle von mir bisher besichtigten Gotteshäuser. Nicht nur ich bleibe staunend und ehrfürchtig stehen und wage angesichts der überaus reichhaltigen barocken Ausstattung kaum zu atmen. Nicht umsonst gehört dieses Gotteshaus laut einer Broschüre der Besucherinformation Neuzelle zu den bedeutendsten Kirchen Mitteleuropas.

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Um ehrlich zu sein, man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.

Schon bei den Bänken und der Holzvertäfelung fängt die reichhaltige Verzierung an.

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Die Figuren im Kirchenraum sind prachtvoll und künstlerisch wertvoll.

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Ebenso bewundernswert sind die Gemälde an den Wänden.

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Aber auch ein Blick zur Decke mit Ihrem Stuck und ihrer Malerei ist außerordentlich lohnenswert.

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In eine solch prunkvolle Kirche gehört natürlich auch eine prachtvolle Orgel. „Der große Orgelprospekt wurde 1806 von Klosterbruder Andreas Hesse geschaffen, Das dahinter befindliche Orgelwerk wurde 1906 von der Firma Sauer, Frankfurt / Oder, fast völlig neu gebaut …“ *

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Ich kann gar nicht aufhören, Elemente aus dieser Klosterkirche zu zeigen.

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Da ich glaube, dass Euch der Eindruck ebenso überwältigt hat wie mich, möchte ich an dieser Stelle die nahe Klosterbrauerei und den Klostergarten nur noch erwähnen. Ich werde später irgendwann einmal auch darüber berichten, zumal im Jahre 2018 das Kloster Neuzelle sein 750 jähriges Bestehen feiert (1268-2018).

 

www.neuzelle.de

* Zitat aus der Broschüre „Ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Neuzelle,  S. 18, Verlag SCHNELL+STEINER

WER, WIE, WAS, WIESO, WESHALB, WARUM?

Ich glaube, es gibt kaum jemand der diese Art der Aneinanderreihung der genannten Fragewörtern nicht kennt. Und das nicht nur auf der Mattscheibe, sondern auch in der Realität. In meiner Geschichte, die wieder einmal das Leben schrieb, beantworte ich alle diese Fragen und natürlich an erster Stelle steht die Antwort auf das WER:

WIR, nämlich Astrid, Peter und Timo, hatten unseren chaotischen Umzug nach Cottbus einigermaßen gut überstanden und nach zwei freien Wochen, hatte uns der Alltag eingeholt und alles sollte wieder seinen zwar neuen, aber geregelten Gang gehen. So kam Peter nach dem ersten Arbeitstag abends nach Hause und fragte mich fast nebenbei:
WIE war dein Tag?“
Ich musste bei dieser Frage plötzlich lachen und mein Peter schob sofort neugierig geworden die zweite und dritte Frage nach:
WAS hast du denn angestellt oder WIESO kringelst du dich fast vor Lachen?“
„Eigentlich habe ich mir vorgenommen, das keinem Menschen zu erzählen.“
WESHALB?“
„Na, weil ich heute selten dämlich, aber auch wieder schlau war!“, erklärte ich.
WARUM?“
Wie auf Kommando erklang aus dem Wohnzimmer, wo Timo gerade vor dem Fernseher saß, das Sesamstraßenlied:
„Wer, Wie, Was, Wieso, Weshalb, Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“
„Genau, und aus diesem Grund erzählst du mir jetzt alles schön der Reihe nach!“, forderte mich Peter auf.
Ich ließ mich erweichen und erstattete Bericht, obwohl mir die ganze Sache doch etwas peinlich war und ich mir Peters abschließenden Kommentar schon wortwörtlich vorstellen konnte:
„Kennst Du noch das Lied von Rolf Zuckowski, das Timo immer gehört hat? Du weißt schon, das mit ….“
„Meinst du Timos Geburtstagslied?“, fiel mir Peter ins Wort.
„Nein, das mit der Postbotin!“
„Kann mich jetzt nicht erinnern. Mach es nicht so spannend, erzähl halt einfach!“
Und dann legte ich los:
„Ich dachte mir, dass ich es heute doch mal wagen könnte ganz alleine auf Tour zu gehen. Ich wollte einkaufen und wollte versuchen zu dem Einkaufszentrum zu fahren, das du mir neulich gezeigt hast.“
Wir hatten schon nichts mehr im Kühlschrank und irgendwann musste ich es wagen, mich auf diese neue Stadt und diese fremde Umgebung einzulassen. Wohlgemerkt ohne Navi, denn vor fast 20 Jahren besaßen wir dieses Wunderding noch nicht. Mein Orientierungsvermögen ist jedoch nicht gerade das Beste. Um ehrlich zu sein, wenn man mich in der Fremde dreimal um die eigene Achse dreht, weiß ich nicht mehr woher ich gekommen bin, wohin ich will und wo ich überhaupt bin. Irgendwann fragte ich einmal in einem Einkaufszentrum die Kassiererin: „Wo geht es hier zur Nordsee!“ Ihr verdutzter Blick verriet mir sofort, dass sie nicht wusste, was ich wollte. Ich hatte mich in den Gängen des Einkaufszentrums so verheddert, dass ich nicht mehr den Weg zu dem besagten Fischrestaurant fand, in welchem ich mit Peter verabredet gewesen war.
Aber nun zurück zu meinem ersten kleinen Ausflug in Cottbus. Ich hatte mir alles exakt eingeprägt, so dass ich mit meinem Auto doch tatsächlich den Weg in das angepeilte Einkaufszentrum fand. Ich war überglücklich, kaufte ein und machte mir weiter keine Gedanken. Wer so gut wie ich, seinen Weg hin findet, der findet auch ohne Probleme wieder zurück. Dachte ich mir zumindest so, doch das Leben sucht sich nicht immer den einfachsten Weg aus und schon gar nicht, wenn ich mit meinem Orientierungsvermögen am Steuer sitze. Ich fuhr also den Weg, den ich gekommen war, zielstrebig wieder zurück. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Ich konnte mich an nichts mehr richtig erinnern. Manche Dinge kamen mir zwar bekannt vor, aber ich hatte keine Ahnung, ob ich irgendwann mit Peter mal da entlang gefahren war oder erst vor gut zwei Stunden. Also drehte ich wieder um und versuchte noch einmal mein Glück. Jetzt stand ich in einem Dorf und war völlig ratlos, welchen Weg ich einschlagen sollte. Straßenkarte hatte ich auch keine dabei. Und jetzt kann es mir jemand glauben oder auch nicht: Mir fiel plötzlich ein Kinderlied von Rolf Zuckowski ein und ging mir nicht mehr aus dem Sinn:

Fremde Straßen, fremde Häuser, fremde Leute,
was ist denn hier nur los?
Meine Freunde sind zu Hause, aber ich bin hier allein,
was mach ich bloß?
Ich hab mich verlaufen und find nicht nach Haus. Wer kann mir nur helfen? Wer kennt sich hier aus? Ich hab mich verlaufen, doch mit etwas Glück zeigt mir irgendjemand den Weg zurück.
Mama hat gesagt:
„Frag ’nen Polizist“,
doch was nützt mir der, wenn hier keiner ist.
Mama hat gesagt:
„Geh in ein Geschäft“,
doch davor sitzt ein Hund, der mich anknurrt und kläfft. Ich hab ’ne Idee:
Die Briefträgerin.
Die zeigt mir den Weg
und hilft mir bestimmt… *
Und wer kam mir da auf einmal in einem gelben Auto entgegen gefahren? Man glaubt es kaum: Es war die Briefträgerin. Sie kam direkt auf mich zu, parkte ihr Auto am Straßenrand und wollte gerade die Post in einen Briefkasten stecken. Also, so schlau wie ich bin, ging ich hin zu ihr und fragte sie:
„Entschuldigen Sie bitte, aber ich bin fremd hier und habe mich irgendwie verfahren. Wie komme ich nach ABC? Können Sie mir vielleicht den Weg beschreiben?“
„Ja natürlich, denn ich kenne mich hier doch aus!“, antwortete sie mir freundlich. Sie stehen schon in der richtigen Richtung. Wenn sie jetzt hier durch das Dorf fahren, dann kommen Sie nach einer Weile an Bungalows vorbei. Die lassen Sie rechts liegen und…“
Genauso war ich vorhin gefahren, allerdings Bungalows hatte ich keine gesehen. Diese eingeschossigen Häuser wären mir doch aufgefallen. Bevor ich jedoch nachfragen konnte, was sie damit meinte, erzählte sie weiter:
„Sie fahren dann immer die Staße entlang und irgendwann stehen sie automatisch vor der Kirche von ABC.“
„Ja“, sagte ich. „Die Kirche von ABC kenne ich und dann kenne ich mich auch wieder aus. Von dort finde ich wieder nach Hause.“
Überglücklich startete ich wieder mein Auto und fuhr los. Ich hielt die Augen offen, um die besagten Bungalows nicht zu verpassen, denn dann wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Bungalows, so wie ich sie mir vorgestellt hatte, fand ich nicht, aber rechts von mir lagen Schrebergärten. Ja, und in diesen Schrebergärten standen tatsächlich eingeschossige kleine Häuschen. Wieso die Briefträgerin diese sogenannten Datschen als Bungalows bezeichnet hatte, leuchtete mir zwar nicht ganz ein. Aber mir blieb nichts anderes übrig, als dies zu glauben und weiter den Weg entlang zu fahren. Tatsächlich nach ungefähr fünf Minuten kam ich bei unserer Dorfkirche an. Tja und jetzt ging es mir wie dem Kind in dem Lied von Rolf Zuckowski:

„…doch jetzt hab ich Glück
und finde ganz einfach
den Weg zurück.
Unsre Straße, unsre Häuser, meine Freunde,
ja, hier kenn ich mich aus,…“ *

„Das war ja wieder einmal typisch Astrid! Wie kann man nur so ein mangelndes Orientierungsvermögen haben?! Und weshalb nimmst du keine Straßenkarte mit, wenn du dich noch nicht auskennst?“
Die Frage, warum ich keinen anderen Kommentar von meinem Peter erwartet hatte, stellte ich mir gar nicht erst und warum ich keine Straßenkarte mitgenommen hatte, wusste ich selbst nicht.  So zuckte ich nur mit meinen Schultern und grinste ihn unschuldig an.
Inzwischen kenne ich mich hier prima aus, verfahre mich auch nicht mehr und kann sogar anderen, die orientierungslos durch die Gegend fahren, helfen ihren richtigen Weg zu finden. Und für deren Fragen habe ich vollstes Verständnis, denn wer nicht fragt, bleibt dumm!

 

 

* Lied von Rolf Zuckowski: http://www.songtexte.com/songtext/rolf-zuckowski/ich-hab-mich-verlaufen-6bc206c2.html (Stand: 30.4.15)

 

Zeitreise

Am Wochenende haben wir wieder einmal einen Ausflug in den Spreewald gemacht. Und zwar führte uns unser Weg nach Burg und dort marschierten wir gezielt zum alten Spreewaldbahnhof, der sich mitten im Ort befindet. Nein, wir wollten nicht mit dem Zug verreisen. Dieser Bahnhof ist schon längst stillgelegt und seit 1995 befindet sich in dem historischen Gebäude ein Gasthaus und eine Pension. Aber unser Ziel war ein anderes:

Wir steuerten direkt auf ein Café der besonderen Art zu, um uns hier auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu begeben und zwar innerhalb von Reklame und Verpackung. Dieses „Reclamecafé“, wie es vom Inhaber genannt wird, zeichnet sich durch eine Ladenstraße aus, die sich im oberen Stockwerk des Gebäudes direkt vor dem Spreewaldbahnhof befindet.

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Diese Art eines Cafés ist einmalig in Deutschland. Werner Motzek, wie der Inhaber heißt, hat 45 Jahre gesammelt und zusammengetragen, um dieses einzigartige Reclamecafé mit alter Ladenstraße entstehen zu lassen. Er hat Schilder, Dosen, Behältnisse,

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alte Ladeneinrichtungen, Möbel, Fenster, Türen etc. von alten Geschäften aufgekauft und restauriert, die sonst nach der jeweiligen Geschäftsaufgabe vergessen und von der Bildfläche verschwunden wären.
Er hat ihnen und ihren früheren Besitzern damit eigentlich ein Denkmal gesetzt. Seine Rekonstruktion einer alten Ladenstraße beinhaltet 17 Ladengeschäfte, wie man sie früher kannte. Ich würde sie in die Zeit nach dem Krieg, Ende der 50er, 60er und Anfang der 70er Jahre einordnen.

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Die Straße ist mit Pflastersteinen versehen und Laternen säumen den Weg. Es lassen sich Geschäfte verschiedener Art finden, die in der älteren Generation Erinnerungen und in der jüngeren Generation Staunen und Interesse am Vergangenen hervorrufen.

Hier finden sich z.B. verschiedene Schokoladengeschäfte,

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eine alte Apotheke,

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eine Drogerie,

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eine Milchhandlung,

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ein Tabakwarenladen,

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ein Geschäft für Kurz- und Miederwaren,

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sogenannte Tante Emma Läden,

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ein Uhrengeschäft und vieles mehr.

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Zu diesem Geschäft erzählte uns der Inhaber des Reclamecafés folgende Geschichte:
Während des 2. Weltkrieges riss ein russischer Soldat die Wohnzimmertür einer deutschen Bewohnerin auf. Genau in dem Moment, in welchem er diese Tür ruckartig öffnete, schlug die an der Wand hängende Uhr zwölfmal. Sofort und ohne zu zögern, schoss der Soldat in die Richtung, aus welcher die 12 Schläge erklangen und traf zielgenau die Uhr direkt bei der Zahl 12.
Irgendwann nach dem Krieg brachte die damalige Besitzerin die Uhr zu einem Uhrmacher, um das Ziffernblatt auswechseln zu lassen. Dieser tat ihr den Gefallen, behielt aber das alte Ziffernblatt. Bei der späteren Auflösung seines Geschäftes verkaufte er dem Sammler und heutigem Inhaber des Reclamecafés Werner Motzek unter anderem auch dieses besagte Ziffernblatt mit dem Einschussloch. Er bat jedoch darum, diese Geschichte des Ziffernblattes zu bewahren und weiter zu erzählen.

Nach der Besichtigung der Ladenstraße gingen wir wieder die Treppen hinunter in das Erdgeschoss, wo sich das Café und noch weitere Geschäfte, wie zum Beispiel eine Bäckerei befinden.

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Aber auch eine Kaffeerösterei zeigte uns der Inhaber, mit dem wir noch ein langes und interessantes Gespräch führten. So berichtete er uns, dass in der eigenen kleinen Rösterei  die Bohnen für den hier ausgeschenkten Kaffee geröstet werden.

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Wir hatten einen schönen und interessanten Nachmittag und bemerkten erst beim Verlassen des Reclamecafés, dass es zwischenzeitlich geregnet hatte.

Wenn es dem Esel zu wohl ist…

Ihr kennt sicherlich alle diesen Ausspruch: 

„Wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er auf das Eis tanzen.“

Nein, heute kommen keine Redewendungen dran, sondern die nackte Wahrheit. Und dann will ich auch gleich weiterhin offen und ehrlich sein: Der Esel bin ich!
Ich hatte die Wahl: Fahre ich mit nach Berlin oder…? Ich habe mich für das ODER entschieden. Leider!
Der Tag vor fast zwei Wochen war schön, es ging mir gut und ich freute mich auf ein Päckchen, das die Postbotin an diesem Tag bringen würde.

Ich war echt glücklich, als ich sie auspackte. Inlineskater besitze ich schon lange, aber ich wollte wie früher mal wieder Rollschuhe haben, also mit 4 Rollen, jeweils 2 nebeneinander. Super!

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Stimmt, super! Aber irgendwie waren dann doch die Rollen schneller als ich und so saß ich irgendwann auf meinem Allerwertesten.
„Super dämlich!“, dachte ich, bis ich auf einmal den Schmerz im ungeschützten Handgelenk verspürte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Heute schreibe ich über den Gipsverband:

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Dieser wurde vor 134 Jahren, also 1851 von Antonius Mathijsen erfunden. Er war der Sohn eines Chirurgen und wurde dann wohl selbst auch Arzt, der später im Dienste der niederländischen Schiffsmarine stand. Bei der Verarztung der Soldaten musste er immer wieder als Chirurg Arm- und Beinbrüche behandeln, was ihn auf die Idee mit dem Gipsverband brachte. Dieser Verband hatte eine größere Belastbarkeit und damit auch Haltbarkeit als die bis dato üblichen Schienenverbände, die mit Ton und Lehm hergestellt wurden.
Laut meinen Internetrecherchen* hatte der belgische Militärarzt Louis Seutin bereits einen sogenannten Kleisterverband erprobt, der aus Schienen, Stärke und Leinenbinden bestand. Allerdings hatte er den Nachteil der zweitägigen Trocknungszeit. Der Verband aus Gips und Baumwolle von Mathijsen trocknete jedoch schneller. Ich konnte mich selbst überzeugen, wie schnell er trocknet. Allerdings braucht er zum Durchhärten ca. 24 Stunden, so wurde es mir von meinem Chirurgen berichtet.
Als Mathijsen dann ein Jahr später damit an die Öffentlichkeit ging, begann der Siegeszug des Gipsverbandes.
Der Vorteil und damit verbunden auch das Leidwesen dieses Verbandes für dessen Träger ist jedoch die Unbeweglichkeit und Starrheit. Nachteile des Gipsverbandes und der damit einhergehenden Ruhigstellung sind die Thrombosegefahr, die mögliche Versteifung des Gelenks, Abbau der Muskelmasse und eventuelle Beeinflussung der Durchblutung.
Der gut am Arm oder Bein haftende Gips ist schnell angelegt und wie ich in einigen Wochen merken werde, auch schnell wieder abgenommen. Heutzutage geht das Anlegen des Gipsverbandes noch schneller, da das Umwickeln der entsprechenden Gliedmaßen mit Gipsbinden relativ unkompliziert ist. Anschließend wird alles noch befeuchtet und fertig ist das chice Teil.
Während über ein Jahrhundert dieser Gipsverband die gängige Behandlungsart für Knochenbrüche war, wird diese konservative Methode heutzutage nur noch bei kurzzeitigen Fixationen wie z. B. bei Zerrungen, Prellungen unkomplizierten und nicht verschobenen Knochenbrüchen angewandt. Auch Sehnen- und Bänderrisse werden mit dem Gipsverband behandelt, der zur Schmerzlinderung und Ruhigstellung beiträgt. Meist entschließt man sich bei Frakturen für die operative Methode. Hierbei werden die Knochenteile mithilfe von Metallteilen fixiert.
Ich hoffe, dass mir eine Operation erspart bleibt. Laut meinem behandelnden Chirurgen darf ich mich in drei Wochen  auf einen gipslosen Arm freuen. Das kommt insgesamt einer Ruhigstellung mittels Gips von 5 Wochen gleich, da ich schon knappe 2 Wochen eine Gipsschiene hatte. Die war notwendig, da mein Arm ja in Folge des Bruches erst angeschwollen war und dann wieder abschwellen musste.  Leider war mein Chirurg ein sehr schlechter Verhandlungspartner, als ich bezüglich der Tragedauer meines Gipsverbandes einen Vorstoß wagte.
Zu sagen bleibt nur noch, dass dies der erste Gipsverband meines Lebens ist und ich hoffe, auch der letzte.
Ich habe außerdem Glück im Unglück, denn es betrifft mein linkes Handgelenk und ich bin Rechtshänder. Aber man kann es fast nicht glauben, wofür man alles die linke Hand benutzt. Das merkt man erst, wenn man sie nicht benutzen kann.
Als Erstes habe ich ausprobiert, ob ich noch meinen Laptop bedienen kann. Es klappt! Ich tippe inzwischen ganz fix mit dem Mittelfinger der rechten Hand und die Hochstelltaste kann ich einwandfrei mit dem Mittelfinger der linken Hand betätigen. Alles gut, alles super! Ich hoffe nur, dass ich das Zehnfingersystem nicht verlerne! Auf jeden Fall geht mein Blog ungehindert weiter.

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Außer Autofahren klappt alles! Und ansonsten muss ich mir jetzt eben von Peter oder von Timos Freundin die Fingernägel lackieren lassen. Meine gute Laune lasse ich mir jedenfalls nicht verderben. Ich bin ja selbst schuld und wie schon gesagt: „Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf das Eis tanzen“ oder er geht Skaten.

 

 

 

* vgl. auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Gipsverband (Stand: 15.4.15)

Wir haben noch alle Tassen im Schrank

Männer gehen zur Jagd und Frauen sammeln. Spätestens nach dem Einmannstück „Caveman“ weiß dies jeder. Irgendetwas gesammelt habe ich eigentlich immer. Als Kind waren es Briefmarken, Autogrammkarten, Muscheln, Perlen und, und, und. Aber ich habe noch etwas im Wohnzimmerschrank bei meiner Mutter entdeckt, das viele von meinen Lesern vielleicht ebenfalls besitzen oder zumindest etwas Ähnliches. Es sind keine Kostbarkeiten, aber auf jeden Fall immer noch schöne Andenken, die man sogar benutzen kann -Tassen.

Sammeltassen gab es schon im frühen 19. Jahrhundert, so entwickelte sich im Biedermeier dieser Brauch des Sammelns von einzelnen Tassen. Sie wurden zu besonderen Anlässen oder als eine Art Freundschaftsgabe verschenkt. Oftmals waren diese Tassen reich verziert und individualisiert. In vielen Fällen waren sie sogar mit dem Namen des Beschenkten oder mit individuellen Dekoren versehen. Immer waren es nur Einzelstücke, niemals hatte man sie als komplettes Service. Und es handelte sich dabei auch nicht um Alltagsgeschirr. Diese Tassen gehörten in den Schrank, in die Glasvitrine und dienten der Zurschaustellung.
Die Dekore erstreckten sich über Blüten, Blumen und Vögel bis hin zu Landschaftsgemälden und befanden sich auf der dem Henkel gegenüberliegenden Seite. Der Henkel sollte weder das Motiv durchbrechen, noch sollte er beim ungehinderten Betrachten störend wirken. *
Ich würde mich glücklich schätzen solche Tassen aus der Biedermeierzeit zu besitzen, aber meine Tassen stammen aus einer anderen Zeit. Laut Wikipedia sammelte man diese Tassen bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein und auch nach dem 2. Weltkrieg ging diese Sammelleidenschaft weiter. Erst in den 70er Jahren ließ das Interesse wieder nach. Ich glaube allerdings, dass auf Flohmärkten bestimmt noch einige schöne Stücke zu finden sind. Ich werde demnächst mal meine Augen offen halten.

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Meine Sammeltassen stammen wohl aus den 60er und 70er Jahren, denn ich kann mich erinnern von meiner Patentante sozusagen für die Aussteuer solche Sammelstücke bekommen zu haben. Meine Freundin kam auch einmal zu meinem Geburtstag mit einem derartigen Geschenk vorbei, aber ich weiß nicht mehr wer mir welche Tasse geschenkt hat. Einige Tassen sind wohl auch noch von meiner Mutter.

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Meine Tassen haben ihr Dekor auf der Innenseite, welches meistens aus einem Blümchenmotiv besteht. Diese Porzellantassen wurden von Fürstenberg, Bavaria oder Hutschenreuther hergestellt ( vielleicht sind sie somit auch nicht mehr ganz so individualisiert wie im Biedermeier). Es sind keine Kostbarkeiten, aber schöne Erinnerungsstücke, die noch niemals mit Kaffee oder anderen Heißgetränken gefüllt waren, weil man befürchtete, diese hübschen und zarten Tassen könnten zu Bruch gehen. Immerhin sind sie doch irgendwie unersetzlich, man kann sie nicht einfach nachbestellen wie beim heutigen Kaffeeservice.

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Vielleicht sollte man aber trotzdem irgendwann einmal die Kaffeetafel mit diesen unterschiedlichen Tassen decken. Wahrscheinlich wird mich jedoch eine gewisse Faulheit davon abhalten, denn diese Tassen und deren Dekore sind nicht spülmaschinenfest. Also sind sie dann doch vielleicht nur für eine kleine persönliche Kostprobe geeignet?!

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Im Unterschied zum Biedermeier gab es zu meiner Sammlerzeit diese Tassen mit Kuchenteller. Zur Biedermeierzeit war dies nicht der Fall, da man keinen Kuchen zur Kaffeezeit servierte.

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Bestimmt habt ihr ebenfalls solche Tassen im Schrank, vielleicht noch viel schönere und ältere, aber wichtig ist bei diesen Tassen, wie bei einer Anzahl von anderen Dingen auch, allein der Erinnerungswert oder ganz einfach auch der Sentimentalitätsfaktor.

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*vgl. auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sammeltasse
(Stand: 16.4.15)

http://www.kuchenkult.de/kaffee-kuchen-torte-sammeltassen/
(Stand 16.4.15)

Einen Augenblick mal, bitte!

Das Wort „Augenblick“ besteht aus zwei zusammen gesetzten Wörtern: AUGEN und BLICK. Beides gehört zusammen, denn durch unsere Augen blicken wir in die Welt. Auf die Idee heute bei DIES UND DAS UND SONST NOCH WAS über die Augen oder genauer gesagt über Blicke zu schreiben, liegt daran, dass mir meine Tagebücher in die Hand gefallen sind.

Über was man so alles als junger Mensch nachgedacht und geschrieben hat!?

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Im Grunde meist über die Liebe und da spielt der Blick eine große und bedeutende Rolle. Man versucht dann nämlich Blicke des Angehimmelten zu deuten. Klar, man sucht doch nach Anhaltspunkten, dass der Auserwählte Interesse zeigt. So fand ich beispielsweise eine handgeschriebene Notiz, dass „lange und tief in die Augen sehen“, bedeutet: „Ich habe Sehnsucht nach dir!“ Oder: „Du bist mein großes Glück!“ Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass ich auf Wolke sieben schwebte, wenn der von mir auserwählte Junge sich in meine Augen versenkte. Manchmal jedoch war es auch unangenehm und eher abschreckend, wenn mich ein Junge sehr intensiv fixierte und anstarrte. Dann trafen sich unsere Blicke sicherlich nicht, denn ich wich dem seinen aus.

Blicke können aber noch soviel mehr sagen. Wenn wir in die Augen unseres Gegenübers schauen, können wir hierin Gefühle ablesen. Die Augen sind Verräter, auch wenn wir hinter einem Lächeln versuchen unsere wahren Gefühle zu verstecken. Sie zeigen, wenn wir ängstlich oder erschrocken sind, dann weiten sich nämlich unsere Pupillen.
Augen sprechen eine eigene Sprache oder wie man so schön sagt: „Blicke sprechen Bände“. So gibt es den stechenden, fast mordenden, bösen Blick, bei dem die Wut des Gegenübers deutlich an seinen Augen und der damit verbundenen Mimik abzulesen ist. Dies steht im Gegensatz zu dem weichen Augenausdruck, der Zuneigung, Zärtlichkeit und damit verbunden selbstverständlich Sympathie hervorruft.
Die Polizei nutzt den Blick in die Pupillen, um erste Anhaltspunkte für Drogenkonsum zu erhalten. Aber auch Neurologen, Augenärzte und andere Ärzte können durch den Blick in die Augen gesundheitlichen Problemen auf die Spur kommen. So fragte ein Augenarzt meine Mutter vor vielen Jahrzehnten einmal, ob sie eine schwere Allergie gehabt hätte. Tatsächlich hatte sie gerade eine sehr schwere und lebensgefährliche Penizillinallergie überstanden.

Der Ausspruch „Schau mir in die Augen, Kleines!“ ging mit Humphrey Bogart in dem Film Casablanca um die Welt und wird oft und gerne zitiert, wenn es um eine Aufforderung zum Blickkontakt geht.
Wenn ich mich mit jemand unterhalte, suche ich immer diesen Blickkontakt, schon allein aus Höflichkeit und Achtung meines Gesprächspartners gegenüber. Fehlt dieser, so frage ich mich, ob der Sprecher auch meint oder denkt, was er sagt.

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Wenn er jedoch immer wieder nur kurzen Blickkontakt aufnimmt und dann kurz wieder den Blick senkt, um ihn erneut wieder aufzunehmen, dann kann dies auch ein Hinweis auf Schüchternheit sein.

Nervosität spiegelt sich ebenfalls im Blick wieder, dann blinzelt man beispielsweise ungewollt. Woher diese Nervosität stammt, mag unterschiedlich sein. Der Grund hierfür könnte die genannte Schüchternheit sein, aber auch in einer Lüge begründet sein.

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Was ich gar nicht mag, ist die Tatsache, wenn ich die Augen meines Gesprächspartners nicht sehen kann, weil er sie durch eine dunkle Sonnenbrille oder gar mithilfe einer Brille mit verspiegelten Gläsern verbirgt. Dadurch kann ich nicht sehen, was mir seine Augen sagen. Vielleicht macht es dieser Mensch  ja aus eigener Unsicherheit heraus, aber vielleicht auch, weil er absichtlich seinen beobachtenden Blick verbergen will. Es ruft in mir negative Gefühle hervor und lässt mich bei ihm somit auch negative Charaktereigenschaften vermuten.

Bezüglich der Augen und des Blickes gibt es verschiedene Redewendungen:

Wenn ich davon rede, dass ich „noch einmal ein Auge zudrücken“ will, dann möchte ich damit beispielsweise meinem Gegenüber sagen, dass sein Fehlverhalten dieses Mal ohne Konsequenzen bleibt.

„Blauäugig sein“, bedeutet, dass der Betreffende naiv und in allzu großem Vertrauen gehandelt hat.

„Das kann ins Augen gehen“ hingegen deutet auf eine gefährliche Situation hin.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ meint, dass man jemand oder eine Sache vergessen hat oder wird.

„Augen zu und durch“ deutet eher auf eine Situation oder einen Zustand hin, die oder den man zu bewältigen hat und einfach in Angriff nehmen muss.

Wenn ich sagen will, dass etwas genau zueinander passt, dann benutze ich die Redewendung:„Das passt wie die Faust aufs Auge“.

Manchmal sind Dinge unausweichlich, dann muss man „den Tatsachen ins Auge sehen“ oder sich „Auge um Auge gegenüberstehen“

Manche junge Frau ist beispielsweise „eine Augenweide“, das heißt, dass sich die Augen an deren Anblick erfreuen. Wobei allerdings die Schönheit immer „im Auge des Betrachters“ liegt.

Gar manchem ist der Erfolg seines Konkurrenten „ein Dorn im Auge“.

Wahrscheinlich beobachtet er diesen dann auch ganz genau, nämlich „mit Argusaugen“.

Auch kennt man das Auge des Gesetzes oder das Auge des Sturms, rennt hoffentlich nicht mit offenen Augen ins Verderben, sieht etwas vor seinem geistigen Auge  und, und ….

 

Wenn jemand zu uns sagt: „Einen Augenblick mal, bitte!“, so fordert er uns meist auf ein kleines Weilchen zu warten bis er oder sie uns die Aufmerksamkeit schenken kann, die wir wünschen. Eine andere Möglichkeit hingegen ist es, wenn dies als Bitte betrachtet und an uns herangetragen wird, beispielsweise einen kurzen Moment im eigenen Tun innezuhalten und demjenigen die ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

So danke auch ich jetzt, für diesen kleinen Augenblick, den ihr mit Eurer Aufmerksamkeit mir und meinem kurzen Artikel geopfert habt.

Und frage Euch zum Schluss:

 Welche Redewendungen diesbezüglich kennt ihr noch?

Meine Mutter und die Zugspitze

Urlaub ist etwas Schönes. Man kann viel erleben und hat hinterher einiges zu erzählen. So eine Auszeit vom Alltag muss nicht immer lang sein. Manchmal reichen schon ein paar Tage, um die Hektik und den Stress hinter sich zu lassen. Unser Sizilienurlaub hat uns wieder Kraft und Energie gegeben, um die kommenden Herausforderungen zu bewältigen. 

Als wir von Sizilien aus zu Hause anriefen, berichtete uns unser Sohn, dass er einen Städtetrip plane.
„Ich fahre mit meiner Freundin drei Tage nach München!“
Und von dort schrieb er mir an einem Sonntag, dass sie gerade auf dem Weg zur Zugspitze seien. Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt noch auf Sizilien waren, verspürte ich ebenfalls die Lust wieder einmal in die Berge zu fahren. Mit meinen Eltern war ich als Kind oft in Rottach-Egern am Tegernsee gewesen und ein Ausflug auf den Walberg gehörte immer auch dazu. Auf der Zugspitze waren mein Mann und ich hingegen noch nie, was wir aber sicherlich bald einmal nachholen werden. Die Fotos, die unser Sohn uns zeigte, machen es zu einem unbedingten Muss.
Als ich jetzt gerade bei einem Telefonat mit meiner Mutter davon schwärme, erzählt sie mir eine kleine Geschichte:
„Ach“, meint sie „da war ich vor vielen Jahrzehnten auch schon einmal! Es war im Jahre 1954, jedenfalls steht dies auf den Fotos hinten drauf.“
Und dann berichtet meine Mutter weiter und ich lausche gespannt diesen Ausführungen:
„Es war wunderschön dort oben. Wir sind mit der Zugspitzbahn hochgefahren. Oben lag Schnee und es schneite, aber die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Blauer Himmel, Sonne und Schnee es war einfach nur traumhaft. Und dann dieser Ausblick!“, schwärmt meine Mutter.
„Ja!“, bestätige ich. „Timo hat uns Bilder gezeigt und das sieht alles genauso aus, wie du es eben beschrieben hast. Er ist allerdings mit der Seilbahn hoch gefahren.“
„Aber“, beginne ich meine Frage: „Mit wem warst du eigentlich auf der Zugspitze?“
„Wir waren damals eine ganze Gruppe. Es war ein Betriebsausflug!“
„Dass du dich noch so genau daran erinnern kannst!“, lobe ich meine Mutter. „Das war doch etliche Jahre vor meiner Geburt. Und die ist ja inzwischen auch schon ein Weilchen her“, muss ich mir selbst eingestehen.
Meist kann man sich an so weit zurückliegende Ereignisse nur erinnern, wenn mit ihnen noch ein besonderes Erlebnis verknüpft ist, also bin ich gespannt, was jetzt folgen wird.
„Wir kamen oben an der ersten Bahnstation an, stiegen aus und hatten schon etwas wackelige Knie, aber der traumhafte Blick entschädigte uns dafür. Auf einem der Fotos steht noch der Stationsname ‚Riffelriß‘ .Ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern, aber ich glaube, dann ging es mit der Bahn noch weiter nach oben und ob dann der letzte Rest noch mit der Seilbahn zurückgelegt wurde, weiß ich nicht mehr. Es ist einfach alles schon so lange her.“
„Trotzdem scheint es etwas zu geben, was dir anscheinend noch gut im Gedächtnis geblieben ist“, forsche ich weiter nach.
„Ja!“, stimmt mir meine Mutter zu. „Wir fuhren also später wieder nach unten und stellten uns etwas abseits des Treibens.“
„Wer ist denn wir?“, erkundige ich mich.
„Na, die Frauen aus der Firma“,erklärt mir meine Mutter. „wir waren alles junge Frauen, standen im Grüppchen da und warteten auf die männlichen Betriebsangehörigen. Sie waren erst nach uns in die Zugspitzbahn gestiegen. Wir standen da, alberten ein bisschen herum, denn wir waren ja guter Dinge. Plötzlich fiel mein Blick auf einen fremden jungen Mann, welcher der Schaffner war. Mir fiel auf, dass er seinen Blick auf mich richtete, auf mich zu marschierte und etwas in der Hand hielt.“
Während meine Mutter so erzählt, habe ich die Szene bildlich vor Augen. Von Fotografien her weiß ich, dass meine Mutter eine sehr hübsche junge Frau mit pechschwarzem Haar war, die mit Sicherheit viele Verehrer hatte. Wegen der Haarfarbe nannte man sie früher bewundernd ‚Die Schwarze’. Erst neulich meinte ein Bekannter, dem ich ein Foto meiner Mutter aus deren Jugend zeigte, dass sie wie eine Filmschauspielerin aussehen würde. So wundert es mich auch jetzt nicht, dass ein ihr fremder Schaffner sie damals an der Zugspitzbahnstation anschaute.
„Weißt du noch, was er in der Hand hatte?“, frage ich nach, denn ich denke mir, dass dies ein wichtiges Detail der Geschichte ist, sonst hätte es meine Mutter nicht erwähnt.
„Ja“, meint sie. „Als er näher kam, erkannte ich, dass es ein Erikastöckchen war. Während er so auf unsere Gruppe zulief, fiel er selbstverständlich auch meinen Arbeitskolleginnen auf. Meine Freundin, die neben mir stand, fixierte den jungen Mann regelrecht.“
Inzwischen bin ich richtig neugierig geworden, was damals passiert war, aber meine Mutter hält für ein paar Sekunden mit der Erzählung inne, so als wolle sie die Spannung erhöhen.
„Und dann?“, fordere ich sie zum Weitererzählen auf.
„Er streckte die Hand, in der er das Erikapflänzchen hielt in meine Richtung aus. Genau in diesem Moment schnellte die Hand meiner Freundin neben mir vor und wollte danach greifen. Der junge Mann zog jedoch blitzschnell seine eigene Hand mit der Pflanze zurück und sagte:
‚Nein, das ist nicht für Sie, sondern für die hübsche junge Dame neben Ihnen!‘ “
„Hast du die Erika genommen?“, will ich von meiner Mutter wissen und schiebe gleich noch eine zweite Frage hinterher.
„Und wie hat deine Freundin reagiert?“
„Ja klar habe ich das Erikastöckchen angenommen, ich habe mich ja darüber gefreut. Und meine Freundin war, glaube ich, ein wenig eingeschnappt, denn sie meinte nur:‚Immer die Schwarze!‘ “

„Was hast du denn mit der Erikapflanze gemacht?“, frage ich noch.

„Ich habe sie anschließend mit in die Unterkunft genommen. Aber dort habe ich sie auch gelassen, als es am nächsten Tag wieder zurück nach Hause ging.“

„Eine schöne Geschichte!“, sage ich zu meiner Mutter und spüre wie sie am anderen Ende der Telefonleitung lächelt.

 

 

 

* Alle Fotos sowie der Videofilm stammen von unserem Sohn.

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Und hier gibt es noch einen kurzen Videofilm, den unser Sohn aufgenommen hat.

Märchenhafter Taubenschlag

Nach Rom führen viele Wege, so sagt man. Aber nicht nur dorthin. Wenn wir einen Ausflug in den Spreewald machen, dann haben wir ebenfalls die Wahl. So entscheiden wir uns hin und wieder für den Weg, der uns an einem märchenhaften Taubenschlag vorbeiführt. Ich kann es nicht verhindern, aber immer bleibt mein Blick an diesem Taubenhaus hängen, obwohl er unbewohnt zu sein scheint. Er zieht mich nahezu magisch an. Der Grund hierfür liegt in meiner Kindheit.

Dieser Taubenschlag erinnert mich an ein Märchen der Gebrüder Grimm. Jeder, der diese Märchen kennt, weiß auch welches spezielle Märchen ich meine:

Aschenputtel

Ich möchte heute aber nicht über Aschenputtel schreiben, sondern über meinen Fund aus der Kindheit. Dieses Märchen steht nämlich in meinem ganz persönlichen Märchenbuch. Und zwar handelt es sich hierbei um

„Die echten WS Glanzbilder Geschichten : Deutsche Märchenwelt nach Brüder Grimm“.

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Die Seiten sind aus schwarzem dünnen kartonartigem Papier, auf denen sich bereits der vorgedruckte Text befindet und Aussparungen für die einzuklebenden Glanzbilder vorgesehen sind. In diesen Platzhaltern sind die Nummern des jeweils entsprechenden Bildes angegeben. Diese Nummern finden sich auch auf den dazugehörigen Glanzbildern wieder. Der passende Textabschnitt steht dann über, unter oder neben dem Bild.

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Der Einband des Buches besteht aus einem mittlerweile farblich undefinierbaren dünnen Pappkarton. Alles wird durch eine einfache Kordelbindung zusammengehalten.
Mein Märchenbuch ist 30 cm hoch, 22 cm breit und beinhaltet 39 Seiten (ohne Titelseite und Inhaltsangabe).
Die wohl am meisten bekannten Märchen der Gebrüder Grimm sind in diesem ebenso einfachen wie auch wunderschönen Buch zu finden:

Schneewittchen und die sieben Zwerge

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„Die Herren des Häuschens waren sieben Zwerge. Als sie am Abend von der Arbeit kamen,fragte jeder der Reihe nach:“Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Wer liegt in meinem Bettchen?“ „*

Aschenputtel

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„Es entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus…“*

Hänsel und Gretel

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„Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht?“*

Dornröschen

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„Da lag es und war so schön, daß er die Augen nicht abwenden konnte…“*

Die Bremer Stadtmusikanten

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„Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.“*

Frau Holle

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„… und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf, daß die Federn wie Schneeflocken umherflogen;…“*

 

Hans im Glück

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„Euch geht’s wohl, weil Ihr so lustig bei Eurem Schleifen seid.“*

Rotkäppchen und der böse Wolf

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„Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren?“*

Rumpelstilzchen

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„… ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“*

Das tapfere Schneiderlein

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„An einem Sommermorgen saß ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster, war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften.“*

Wie ich aus dem Internet erfahren konnte, stammen diese WS Glanzbilder Geschichten aus den 50er Jahren. Meine Mutter erzählte mir, dass mein Vater diese Bilder selbst eingeklebt habe. Damals gab es wohl die vorgedruckten Bögen mit den dazugehörigen Bildern ähnlich wie ein Sammelalbum. (Heute würde man vielleicht Stickerheft dazu sagen.)
Meine Mutter kann sich leider nicht mehr erinnern, woher diese Sammelbilder stammten, vielleicht waren sie beim Kauf von Lebensmitteln ( evtl. Margarine oder Butter) eine Zugabe, aber das ist lediglich eine Vermutung von mir.  Mehr als die oben genannte Jahreszahl konnte ich leider über das Internet auch nicht in Erfahrung bringen.
Auf jeden Fall konnte man sich so selbst sein eigenes Märchenbuch erstellen, was meine Eltern für mich getan haben. Wahrscheinlich war meine Mutter die fleißige Sammlerin und mein Vater sorgte dann für die Ausführung. Auf jeden Fall müssen sie wohl schon frühzeitig damit begonnen haben, denn ich bin erst im Juni 1960 geboren und laut den Daten, die ich über das Internet gefunden habe, gab es diese Glanzbilder zwischen 1950 und 1955.
Dieses Märchenbuch hat mich die gesamte Kindheit über begleitet. Wenn ich es heute aufschlage, so erscheint es mir wie gestern, als ich diese schönen Glanzbilder betrachtete. Ich kann mich noch ganz genau an die einzelnen Bilder erinnern. Ich muss sehr oft darin geblättert, die Bilder betrachtet und den Text gelesen haben, denn es ist mir alles total vertraut.
Ich war und bin noch immer sehr stolz auf dieses schöne Märchenbuch, auch wenn es inzwischen schon einige Gebrauchsspuren aufweist. Ich werde es weiterhin hüten, denn sicherlich kann ich es irgendwann gemeinsam mit meinen (zur Zeit weder geplanten noch geborenen) Enkelkindern betrachten und ihnen daraus vorlesen. Und ich werde ihnen erzählen, dass dieses Märchenbuch von Uroma gesammelt und vom Uropa geklebt und zusammengeheftet wurde.
Ich hoffe, dass meine Eltern sehen konnten, wie sehr ich mich als Kind darüber gefreut habe. Leider kann ich meinem Vater schon lange nicht mehr sagen, wie sehr ich dieses Buch immer noch schätze, da er schon vor 31 Jahren verstorben ist. Aber meiner Mutter habe ich es bereits gesagt.

Danke Mutti und Papa für dieses wunderschöne Geschenk.

 

 

*Zitate aus: „Die echten WS Glanzbilder Geschichten, Deutsche Märchenwelt nach Brüder Grimm

Verflixt, aber auch!

„Ach“, sage ich als ich die Handtasche auspacke, die ich in unserem Sizilienurlaub benutzt habe. „Den hab ich ja ganz vergessen!“

„Wen hast du vergessen?“, fragt mich Peter, der gerade die Geschenke für unser Patenkind verpackt.

„Den hier! Ich habe mir doch einen Pinocchio in Modica gekauft und der ist gerade aus den Tiefen meiner Handtasche aufgetaucht.“

Ich packe jetzt keine Pinocchio-Marionette aus, sondern zum Vorschein kommt lediglich das Gesicht dieser Holzfigur. Kreisrund ist dieses Gesicht und die lange Nase ist genau in dessen Mittelpunkt. Verschmitzt sieht er aus mit seinen kleinen Augen, seinem winzigen roten Mund und den schwarzen Franzen, die ihm in die Stirn hängen an. Sein Hinterkopf ist rot und wirkt so, als hätte der kesse Junge eine rote Mütze auf dem Kopf. Bei genauerer Betrachtung erkennt man noch die schwarze Schnur, die zwischen Gesicht und Hinterkopf, sprich Mütze, hervor kommt.
„Ein Jojo!“, sagt Peter. „Das gehört übrigens zu den ältesten Spielzeugen der Welt!“
„Ja, und das muss ich auch gleich mal ausprobieren!“
„Das kannst du eh’ nicht!“, erklärt mir mein Mann. „Gib mal her!“
„Wieso soll ich das nicht können? Immerhin habe ich als Kind auch Jojo gespielt.“
Ich lasse mir dieses schöne Spielzeug nicht so einfach wegnehmen und außerdem will ich beweisen, dass ich dieses Spiel noch beherrsche, – so hoffe ich zumindest.
Also schnappe ich mir dieses Holzjojo und lasse das Pinocchio-Gesicht an der langen Schnur nach unten schnellen, um es kurz vor dem Ende der Schnur mit einer ruckartigen Bewegung meines Handgelenkes wieder nach oben rollen zu lassen und wieder nach unten. Hier dreht es sich einmal, aber ich hole es trotzdem wieder nach oben und lasse es wiederum nach unten. Jetzt hat es sich eingespielt und das lustige runde Gesicht wandert immer wieder an der Schnur von oben nach unten und umgekehrt. Ich bin richtig stolz, denn ich kann dieses Spiel tatsächlich noch.
„Jetzt lass mich mal, das kann ich auch“, sagt Peter.
Etwas skeptisch gebe ich den kleinen kessen Holzkopf aus der Hand und überlasse ihn seinem Schicksal.
Siegessicher steckt Peter seinen ausgestreckten Mittelfinger in die Schlaufe der schwarzen Schnur und lässt das Holzgesicht nach unten gleiten, wo es dann auch locker baumelnd und kreisend bleibt.
„Ich muss mich erst einspielen!“, beteuert er mir, als ich ihn etwas skeptisch anschaue.
Nun gut, kann ja passieren. Also versucht er es noch einmal und noch einmal.
Beim dritten Mal funktioniert es dann auch. Peter schafft es halbwegs das runde Gesicht des lieben Pinocchio ein paarmal nach unten und wieder nach oben zu schicken. Doch dann passiert es! Der kleine Holzkopf flitzt nach unten, dreht sich einige Male, versucht nach oben zu klettern, doch anscheinend war die ruckartige Bewegung von Peters Hand zu schwach. Pinocchio kommt nur ein kleines bisschen hoch, dreht sich wieder und dann lassen sich seine Turnübungen nicht mehr nachvollziehen. Auf jeden Fall steckt er plötzlich mitten in seiner versuchten Kletteraktion fest. Peters Arm kann machen was er will, nichts geht mehr – „Rien ne va plus!“
Baumelnd und traurig blickt der kleine Pinocchio aus seinen Augen.
„Der hat sich verdreht und um den Mittelsteg verknotet!“, stellt mein Göttergatte fest.
„Och!“
Jetzt bin ich aber enttäuscht und beobachte, wie Peter an dem Teil zieht und zerrt.
„Den kann man doch bestimmt einfach auseinander ziehen und entknoten. Dann funktioniert er auch wieder. Das war bei meinen Jojos früher auch immer so!“
„Ja früher!“,sagt Peter und ich weiß schon, was jetzt kommt. „Früher war alles besser!“
In diesem Fall hat er wohl auch Recht, denn so sehr man auch versucht, die beiden Holzscheiben voneinander zu trennen, – es funktioniert nicht.
Inzwischen hängen wir beide mit dem Kopf über dem kleinen Spielzeug, was uns aber auch keinen Schritt weiter bringt. Man kann in dem Spalt rein gar nichts erkennen. Auch unter einer Lichtquelle und mit Brille sieht man zwar die schwarze Schnur, die um den Mittelsteg geschlungen ist, aber irgendwo ein Knoten oder dergleichen ist nicht auszumachen. Jetzt ist guter Rat teuer, doch mein Peter weiß einen.
„Ich bohre einfach von hinten bis zum Mittelsteg ein etwas größeres Loch hinein, dann kann man diesen Mittelsteg entfernen und auch die Schnur entknoten. Dann setze ich einen neuen Holzzapfen ein und danach füge ich mit einer Schraube die beiden Scheiben wieder zusammen. Dadurch kannst du dann auch immer wieder das Jojo auf- und zuschrauben.“
„Nein!“, protestiere ich sofort. „Das mag ja eine hervorragende Idee sein, aber dann ist mein Pinocchio kaputt.“
Also müssen wir versuchen mit etwas Spitzem dem Problemknoten auf den Leib zu rücken. Ein Messer ist zwar spitz, aber es könnte auch die Schnur zertrennen. Peter entscheidet sich für eine Gabel. Leider bleiben seine Rettungsaktionen meines neuen Lieblingsspielzeuges erfolglos.
„Gib es doch mal mir!“, sage ich und nehme Peter einfach die Gabel und das Jojo aus der Hand.
„Du wirst auch kein Glück haben. Das geht nur so, wie ich es vorgeschlagen habe.“
Inzwischen stochere ich tüchtig mit der Gabel in dem Schlitz herum. Eine kleine Schlaufe hat ja mein Mann schon vorziehen können, aber dann sitzt alles hilflos fest. Wahrscheinlich haben wir den Knoten mit unseren Versuchen nur noch fester zugezogen. Ich stochere, ich ziehe an der kurzen Schnur, an der kleinen Schlaufe. Alles vergeblich. Das einzige, was sich rührt, ist mein Ehrgeiz. Ich will diesen Knoten lösen und meinen kleinen Pinocchio wieder benutzen können. Also stochere ich weiter, mal von vorne nach hinten, mal von hinten nach vorne. Ich komme mir vor wie ein kleines Äffchen, das sich nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum irgendwo eine Banane heraus angelt. Mittlerweile stochere ich schon eine gute halbe Stunde in dem winzigen Spalt umher. Fast unmerklich hat sich jedoch urplötzlich die heraushängende Schlaufe etwas vergrößert.
„Immerhin schon ein kleiner Erfolg!“, versuche ich mir einzureden und mich selbst anzufeuern. Ansonsten tut sich wirklich nichts. Die Schlaufe und auch die Schnur lassen sich weder in die eine noch in die andere Richtung ziehen.
„Schmeiß das Ding doch in die Ecke! Ich bohre es dir morgen auf, jetzt habe ich keine Lust. Ich will fernsehen!“
„Da kommt doch eh’ nur „Bauer sucht Frau“. Ich suche keinen Bauern und du doch hoffentlich auch keine Frau. Also kann ich auch noch weiter versuchen den Knoten zu lösen“, entgegne ich.
Irgendwie habe ich nach einer weiteren Viertelstunde das Gefühl, dass sich etwas tut. Nur was, das kann ich noch nicht richtig deuten, denn es könnte tatsächlich auch nur meine eigene Fantasie sein. Ich stochere unermüdlich weiter.
Halt, das Stückchen Schnur an dem ich ziehe, ist soeben einen Zentimeter länger geworden, hängt aber schon wieder fest. Ich ziehe, stochere und schiebe mit der Gabel die aufgewickelte Schnur von einer Richtung in die andere. Wieder lockert sich der Wirrwarr ein kleines Stückchen. Also weiter.
„Geschafft!“, rufe ich aus!
Ich habe mein Jojo entwirrt, wickele die Schnur wieder auf und los geht’s!

Einmal runter, einmal hoch und wieder runter…… Toll!!!

Sorbische Ostereier

Als wir vor fast zwanzig Jahren nach Cottbus in die Lausitz kamen, entdeckten wir hier den einen oder anderen Brauch, den wir noch nicht kannten. So lernten wir zunächst, dass es hier die Sorben ( oder in der Niederlausitz auch Wenden) gibt. Laut Wikipedia* handelt es sich hierbei um ein westslawisches Volk. Es ist in der Nieder- und Oberlausitz, also in Brandenburg und Sachsen zu finden ist. Diese Minderheit hat eine eigene Sprache und eine eigene Kultur, die hier noch gepflegt wird. Unser Sohn hatte beispielsweise in der ersten Klasse Sorbisch als Pflichtfach.

Zu dem Brauchtum der Sorben gehört auch das Ostereierfärben und -verzieren, bei welchem die inzwischen bekannten sorbischen Ostereier entstehen.
Hierbei handelt es sich um ein traditionelles Verzieren von Eiern mit einer ganz bestimmten Technik.** Dieses Eiermalen nennt man auf sorbisch jejka pisać.
Es erfordert neben Geduld auch Geschicklichkeit. Die Tradition des Eierverzierens wird von Generation zu Generation weiter gegeben und in den Familien, aber auch in den Schulen werden in der Fastenzeit ausgeblasene Eier derartig verziert. Hierbei sollte man möglichst weiße Eier nehmen und diese vor oder nach dem Verzieren auspusten. Ich kannte das vorherige Auspusten, aber ich habe mich belesen und erfahren, dass sich ein volles rohes Ei angeblich einfacher färben lässt. Färbt man die Eier nach dem Auspusten, dann sollte man die Löcher mit Wachs verschließen, damit keine Flüssigkeit eindringt.
Es gibt verschiedene Techniken des Verzierens, zum Beispiel:

die Wachsreservetechnik

die Wachsbossiertechnik

die Kratztechnik

die Ätztechnik

und auch die Farben und Ornamente haben eine ganz bestimmte Bedeutung.

Die Wachsreservetechnik:

Bei dieser Technik, die auch die älteste und verbreiteste in der Lausitz ist, muss man sich zuerst einige Hilfsmittel beschaffen und aufbauen.

 

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Zunächst einmal braucht man einen Gänsefederkiel zum Verzieren oder man nimmt einen Bleistift in den man eine Stecknadel steckt und dessen Kopf zum Verzieren benutzt wird. Letzteres eignet sich gut zum Erstellen von Punkten und Strichen. Weiterhin braucht man einen gebogenen Esslöffel, den man in ein mit Sand o.ä. gefülltes Gefäß steckt. Laut der genannten Ostereierfibel** eignet sich anstelle von Sand auch eine halbierte Kartoffel. Unter den Löffel stellt man nun ein brennendes Teelicht. Auf dem Löffel befindet sich gemäß des erwähnten Buches** eine 1:1 Mischung aus Bienenwachs und Paraffin, das mittels der Kerze verflüssigt wird.

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Das oben stehende Foto zeigt jetzt sehr gut die einzelnen Schritte des Verzierens auf. Als erstes zeichnet man sich am Besten mit einem Bleistift Hilfslinien auf das Ei (siehe 1. Ei von links nach rechts). Danach taucht man den Federkiel in das flüssige Wachs und überträgt dieses auf das Ei (siehe 2. Ei). Nach dem Auftragen der ersten Wachsschicht legt man das Ei in die Farblösung ein, die handwarm sein sollte, um das Wachs nicht zu schmelzen. Als erste Farbe wählt man eine helle Farbe, wie zum Beispiel gelb oder orange (siehe 3. Ei). Erst später wird man schrittweise etwas dunkler bis man den gewünschten Farbton erhält. Nach dem Trocknen, kann die nächste Wachsverzierung aufgetragen werden (siehe 4.Ei) und die nächste Färbung erfolgen(siehe 5. Ei). Das Wachs überdeckt und erhält hierbei die jeweils vorangegangene Farbe. So geht es weiter bis zur gewünschten Farbe oder Verzierung.

Zum Schluss entfernt man das Wachs, indem man das Ei an eine Kerze oder eine andere Wärmequelle (für 2-5 Sekunden) hält und dann das geschmolzene Wachs mit einem weichen und sauberen Tuch abwischt. Man sollte allerdings darauf achten, das Ei nicht zu nahe an die Flamme zu halten, damit dieses nicht verrußt.

Die Wachsbossiertechnik:

Dies ist wohl die einfachste Technik. Hierbei wird entsprechend meiner Ostereierfibel** gefärbtes oder dunkelgebranntes Wachs benutzt oder zerriebene Wachssignierstifte dem oben erwähnten gebräuchlichen Wachsgemisch zugefügt. Jetzt wird dies auf das naturfarbene oder bereits eingefärbte Ei übertragen und nicht wieder entfernt.

Die Kratztechnik:

Auch hier ist Geduld und Geschick gefordert. Die Eier färbt man zunächst mit Stoff- oder Batikfarbe kräftig ein, bevor die Verzierung eingekratzt wird. Hierfür benutzt man einen harten Gegenstand, wie zum Beispiel Nägel, Nadel, Messer etc..

Die Ätztechnik:

Die Autorin der genannten Ostereierfibel** erklärt auch dieses Verfahren, bei dem die Eier nicht so kräftig eingefärbt werden und neben Gänsefederkielen oder Stahlfedern eine Ätzflüssigkeit verwendet wird. Hierbei gibt sie Salzsäure an, die mit einem Drittel Wasser verdünnt ist oder man verwendet Zitronen-, bzw. Essigsäure. Der Federkiel wird in die Flüssigkeit getaucht und anschließend zeichnet man damit dünne Striche auf das Ei, aus denen dann Ornamente usw. entstehen können. Damit nichts verläuft, sollte man die Flüssigkeit immer wieder mit einem Tuch abtupfen. Nach mehrmaligem Nachziehen erscheinen die geätzten Stellen weiß.

Bei allen Techniken entsehen wunderschöne handgefertigte und kostbare Ostereier.

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*vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Sorben (Stand 4.4.2015)

** Bei der gesamten Beschreibung der Verzierung der sorbischen Ostereier beziehe ich mich auf folgendes Buch: Jěwa-Marja Čornakec  „Kleine Sorbische Ostereierfibel“, Domowina – Verlag GmbH,Bautzen 7. Auflage 2010

Das fliegende Ei

Wir sitzen im Flieger von Sizilien zurück nach Berlin. Schade, denn wir lassen das schöne sonnige Wetter zurück und tauschen es gegen Temperaturen von ungefähr 6 Grad ein, allerdings mit der Hoffnung auf Sonnenschein an Ostern. Ich überlege, welche Geschichte aus unserem Leben zum Osterfest passen könnte, aber da hilft mir Peter auf die Sprünge.

Es gibt eine lustige Begebenheit aus der Familie meines Vaters, die ich allerdings auch nur aus Erzählungen kenne. Es ist also sozusagen eine alte familiäre Überlieferung.“

„Und das ist eine Ostergeschichte?“, frage ich zurück.
„Das kann ich dir jetzt nicht sagen, aber es geht um ein fliegendes Ei.“
Logisch, dass ich jetzt neugierig werde, denn fliegende Eier kenne ich nicht. Seinem schelmischen Grinsen merke ich jedoch an, dass ich vielleicht den Ausspruch nicht ganz so wörtlich nehmen sollte.
„Das ist jetzt aber kein nachträglicher Aprilscherz, oder?“
„Nein, nein. Pass mal auf!“, beginnt Peter mir diese Geschichte zu erzählen.
Er beschreibt eine Szene, die ich mir nun auch bildlich genau vorstellen kann. Sein Vater Heinz, der damals wohl selbst noch ein Kind war und sein Bruder Wilhelm sitzen mit den Eltern Hermann und Käthe und einem weiteren Pärchen rund um den Küchentisch. Bei diesem Paar, das zu Besuch ist, handelt es sich um die Schwester von Käthe und deren Ehemann, genannt Tante Elsa und Onkel Peter.
„Also saßen da deine Großeltern väterlicherseits, dein Großonkel und deine Großtante.“
Mein Peter nickt und ergänzt mich in meinen Überlegungen:
„Leider ist keiner von diesen Menschen mehr am Leben. Wenn du jetzt diese Geschichte aufschreibst, dann gerät sie wenigstens nicht in Vergessenheit.“
„Darf ich mal raten?“, frage ich, allerdings warte ich nicht auf eine Antwort, sondern rede gleich weiter. „Wahrscheinlich wollten sie gerade frühstücken.“
„Das nehme ich an“, bestätigt mich mein Mann.
Ich sehe alles genau vor mir: Der Tisch ist gedeckt. Natürlich hat die Mutter meines Schwiegervaters extra die Damasttischdecke aufgelegt, die sie noch von ihrer Aussteuer hat. Wahrscheinlich hat sie auch das gute Geschirr benutzt, denn immerhin ist Besuch da. Bestimmt hat die Mutter von Peters Vater selbst gemachte Erdbeermarmelade und frischgebackenes Brot auf dem Tisch stehen. Weiße und frisch gestärkte Servietten liegen auf den Frühstückstellern und die gesamte Küche duftet nach frischem Kaffee. Vor dem kleinen Heinz und vor dem etwas älteren Bruder steht jeweils ein Glas mit frischer Milch. Die Mutter hat bei einem bekannten Bauern am Tag zuvorneben der Milch auch noch etwas Wurst besorgt und auch der Käse fehlt nicht. Während sich die beiden Jungs den Kakao in die Milch rühren, kocht die Mutter schnell noch ein paar Frühstückseier. Selbstverständlich hat sie diese nicht genau abgezählt, sondern lieber noch ein paar mehr gekocht. Immerhin soll es dem Besuch ja gut gehen und man will nicht knausrig erscheinen.
Die Frühlingssonne lacht zum Fenster herein und kitzelt den kleinen Heinz an der Nase. „Beeil dich und komm raus zum Fahrradfahren!“, flüstert sie ihm scheinbar zu und so isst er auch artig sein Marmeladenbrot und sein Frühstücksei. Während die Erwachsenen sich unterhalten, müssen er und sein Bruder still sein und nicht dazwischen reden. Einmal stützt er sich während des Essens gedankenverloren auf seinem Ellbogen auf, doch da hört er auch schon Mutters ermahnende Stimme:
„Heinz, setz dich gerade hin!“
Gerne würde er aufstehen, doch er weiß genau, dass er dies noch nicht darf beziehungsweise erst um Erlaubnis fragen muss.
„Dürfen wir…?“, setzt er einmal zu der Frage an, doch Vaters strenger Blick verrät ihm, dass sie beide noch abwarten müssen. „Die Erwachsenen finden aber auch kein Ende“, denkt er. Andauernd reden sie von irgendwelchen langweiligen Dingen und immerzu greift sich noch ein Erwachsener eine Brotscheibe, ein bisschen Wurst oder Käse. Die gekochten Eier tragen auch nicht gerade zu einem schnellen Ende des Frühstücks bei.
Auf einmal erregt allerdings etwas die Aufmerksamkeit des kleinen Heinz. Obwohl er den Gesprächen der Erwachsenen nicht zugehört hat, bemerkt er, dass Unruhe am Tisch entstanden ist. Worum geht es hier eigentlich?

„Ach“, sagt seine Mutter gerade. „Ein einziges Ei ist noch übrig. Peter, das kannst du dir noch nehmen“, erklärt sie und richtet sich an ihren Schwager.

„Nein, nein!“, protestiert dieser. „Das gebührt dem Gastgeber.“
Und denkt sich dabei: „Ich würde es ja gerne noch essen, aber das gehört sich nicht. Es sieht sonst so aus, als hätten wir nichts zu essen zu Hause.“

„Ich bin vollkommen satt!“, sagt der Vater. „Bei uns ist der Gast König!“
Und er denkt sich: „Lecker dieses Ei. Wäre ja nicht schlecht, aber das kann ich nicht machen, sieht sonst so aus, als wolle ich es unserem Besuch vorenthalten.“

„Dann iss es du, Elsa!“, sagt die Mutter.

„Ich habe keinen Hunger mehr. Nein, Kätha! Nimm es dir doch! Du bist die Hausfrau und hast uns so gut bewirtet.“
Und sie denkt sich: „So ein Ei zum Abschluss wäre schon gut. Aber lieber nicht, sonst denkt jeder, ich könne nicht genug haben!“
Die Mutter aber sagt jetzt: „Ach, ich kann doch morgen wieder eins essen! Jetzt möchte ich keins mehr.“
Und sie denkt sich: „Warum eigentlich nicht? Wenn ich es schon gekocht habe, dann kann ich es eigentlich auch essen. Aber das tut man nicht, man isst dem Besuch nichts vor der Nase weg!“

Der kleine Heinz und sein Bruder würden gerne das Ei essen, aber niemand fragt sie und so sitzen sie still und lauschen dem Hin und Her im Streit um das letzte Ei auf dem Frühstückstisch. Die Erwachsenen können sich einfach nicht entscheiden.

„Na los!“, sagt der Vater. „Jetzt nimm sich doch endlich jemand dieses Ei!“
Eigentlich zuckt es jedem in den Fingern, aber keiner wagt es einfach zuzugreifen.

Die Namen werden hin und her geworfen und jeder meint, der andere solle sich des Eies erbarmen. Die Unruhe steigt in der vor ein paar Minuten noch so friedlichen Frühstücksrunde. Aber mit der Unruhe steigt auch der Unmut des Vaters. Diese Streiterei um ein kleines Ei geht ihm sichtlich auf die Nerven. Der kleine Heinz kann dies genau an der strengen Falte erkennen, die sich auf der Stirn des Vaters zu vertiefen beginnt.
Und dann greift der Vater urplötzlich nach dem Ei, das einsam und verlassen in dem Körbchen auf der Mitte des Tisches liegt. Fest und energisch umschließt seine Hand dieses kleine Ei. Er steht abrupt auf und marschiert mit festen und donnernden Schritten zum Fenster, öffnet dieses, holt aus und wirft das Ei hinaus.
„So, soll sich das Ei doch holen, wer will!“, sagt er bestimmt.

Alle sind wie erstarrt und beobachten von ihren Plätzen aus den Flug des Eies und dessen Landung im Blumenbeet im Garten des Nachbarn.
Die Mutter ist die Erste, die aus ihrem schockähnlichen Zustand erwacht und ihren Gatten mit den strengen und zurechtweisenden Worten ermahnt:

„Aber Herrmann, wie kannst du nur! Und dann auch noch vor den Kindern.

Der kleine Heinz hat dieses einprägsame Erlebnis nie vergessen.

„Ja und irgendwann einmal hat er mir davon erzählt und tüchtig gelacht“, berichtet mir nun abschließend mein Peter.

 
Ich wünsche allen meinen Lesern ein schönes Osterfest mit vielen bunten Eiern und keinen Streit um das letzte Ei!!!

 

1200px-Osterhase*

*vom DHL Paket abfotografiert