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Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Die Nacht ist zum Schlafen da

Es ist eine laue Sommernacht und ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns. Man sollte meinen, dass man dann müde genug ist, um zu schlafen. 

Mein Mann tut dies auch. Seine Atemzüge sind ruhig und gleichmäßig. 
Ein bisschen neidisch bin ich schon. 
„Ich möchte auch schlafen“, wünsche ich mir, aber im Grunde genommen könnte ich aufstehen und irgendetwas tun. „Wach genug dazu bin ich. Eigentlich hätte ich es mir denken können“, schimpfe ich lautlos mit mir selbst.
Als wir heute Nachmittag mit der Familie in einem Cafe saßen, bestellte ich mir einen Latte Macchiato. Seit ich denken kann, bin ich ein Teetrinker. Ich liebe Tee, alle Sorten, außer Schwarztee. Aber alle Welt trinkt Kaffee. Immer will man ja nicht die Ausnahme sein. Also habe ich vor ungefähr einem Jahr begonnen spezielle Kaffeevarianten zu testen, allerdings erst einmal mit Schokolade. Chocochino, Schokomacchiato oder wie sie sich alle nennen. Jedes Cafe kreiert dafür ja einen anderen Namen.
Kurze Rede langer Sinn, inzwischen bleibt die Schokolade weg und mir schmeckt ein ganz normaler Latte Macchiato.
„Der war wirklich lecker und überhaupt nicht stark“, denke ich an den Nachmittag zurück. „Nur hätte ich es bei diesem einen Glas belassen sollen. Das Zweite war für meine Verhältnisse zuviel und ich hatte schon beim Trinken geahnt, dass ich nicht würde schlafen können.“
Ich weiß, alle Kaffeetrinker, besonders diejenigen, die ihren Kaffee schwarz genießen, lachen mich jetzt insgeheim aus, aber ich liege tatsächlich wach und wälze mich hin und her.
„Baldrian“, überlege ich. „Das wird mich beruhigen und in einer halben Stunde schlummere ich genauso selig, wie mein Göttergatte.“
Quatsch, jetzt habe ich ein neues Problem, das meinen Schlaf verhindert.
Es beginnt just in dem Moment, in dem ich die Leselampe ausknipse und mein Haupt auf das Kopfkissen lege. 
„Oh nein!“
Ich habe das Gefühl ein Hubschrauber setzt gerade zur Landung an. Noch befindet er sich genau über mir. Nein, das ist kein Hubschrauber und auch kein Tinnitus. Es ist viel, viel kleiner und umkreist mich. Ich fuchtele wild mit den Armen um mich. Ruhe!  Kaum habe ich mich wieder gemütlich eingekuschelt, geht der Angriff aufs Neue los. 
„Miststück!“, entfährt es mir.
Das scheint ins Bewusstsein meines Mannes gedrungen zu sein, denn er murmelt plötzlich: „Was ist los? Ich hab doch gar nichts gemacht!“
Noch bevor ich die Sache richtigstellen kann, hat er sich auf die Seite gedreht und schnarcht los.
„Na toll!“, denke ich und schalte wieder die Leselampe an. Mit den Augen suche ich das Zimmer ab. Nirgends kann ich dieses kleine Biest entdecken. 
„Es hilft alles nichts, ich brauche ein Gegenmittel!“, beschließe ich und schleiche mich aus dem Schlafzimmer. Im Bad besprühe ich mich mit Mückenspray.
„So, jetzt wirst du mich wohl in Frieden lassen. Es wird auch langsam Zeit!“
Inzwischen zeigt der Wecker nämlich schon drei Uhr nachts an.
„Ich habe noch kein bisschen geschlafen, bald bricht ja schon der Morgen an.“ Innerlich gerate ich langsam in Panik. „Aber mein Spray wird helfen!“
Zuversichtlich krieche ich wieder unter die Bettdecke und schließe ganz fest meine Augen. Leider nur die Augen, denn die Ohren lauschen auf jeden noch so kleinen Laut.
„Da ist sie ja schon wieder! So langsam reicht es!“
Außerdem juckt es mich mittlerweile am gesamten Körper. Sie scheint mich wohl an Armen und Beinen gestochen zu haben und das nicht nur einmal. Ich kratze. Noch ein Grund nicht einzuschlafen.
„Das ist ja eine tolle Kombination, um wach zu bleiben: Kaffee, das Schnarchen meines Mannes, die Mücke und die Juckattacken. Klasse!“
Mein Ärger muss dann wohl doch von der Sehnsucht nach Schlaf übertrumpft worden sein, denn gefühlt um 4 Uhr 30 schlafe ich endlich ein.
Als ich am Morgen auf dem Weg zum Badezimmer bin, frage ich mich: „Habe ich das alles nur geträumt?“, denn seltsamerweise bin ich kein bisschen müde. Im Bad angekommen, gibt mir mein Spiegelbild jedoch eine eindeutige Antwort.
„Oh, hab ich gut geschlafen,- tief und fest“, erklärt mir mein Mann, der nun ebenfalls hereinkommt. „Nur einmal bin ich kurz aufgewacht, weil du irgendwas zu mir gesagt hast. Worum ging es eigentlich?“
Ich bin sprachlos. Er hat von meinem nächtlichen Kampf nichts mitbekommen und kein einziger Stich lässt sich bei ihm entdecken. Ist das nicht unfair? Und dann auch noch sein Spruch, als ich meine Mückenstiche zähle: 
„Daran ist nur Noah mit seiner Arche schuld. Er wollte ja unbedingt von jedem Tier ein Paar mitnehmen und das ist dabei herausgekommen.“

 

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Erlebnis in Opas Garten

 

Wer in Opas Garten wollte gelangen,

den hast du empfangen.

Hast dich gut festgehalten am Torbogen,

bist durch das Beet gezogen. 

 

Als ich dich das erste Mal bewusst sah,

warst du mir sehr nah,

doch Opa warnte mich eindringlich vor dir,

du würdest wehtun mir.

 

So zog ich meine Hand schnell zurück

und das war mein Glück.

Ich wagte mich an dich heran mit Bedacht,

denn Neugier war erwacht.

 

Beugte langsam und sacht mich hinab,

dein Duft mich umgab.

Wie verzaubert atmete ich diesen tief ein, 

so lieblich und so rein.

 

Ich vergaß nun Vorsicht und Bedacht,

ein Wunsch war erwacht.

Ich wollte dich nur für mich ganz allein,

ja, so sollte es sein.

 

So streckte ich meine Hand entgegen dir,

wollte dich als Zier.

Schenkte allen Warnungen keinen Glauben,

wollte dich nun rauben.

 

Völlig unerwartet kam deine Gegenwehr,

schmerzte mich sehr.

„Rosen haben Dornen, mein liebes Kind“,

sagte Opa leise im Wind.

 

 

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Hermann

Einen schönen guten Tag, wünsche ich. Vermutlich kennt mich jedes Kind. Trotzdem möchte ich mich ganz offiziell bei Euch vorstellen:

Ich bin Hermann und meine Welt ist der Garten. Dort führe ich die Oberaufsicht. Alle meine Kollegen, die mir übrigens sehr ähneln, hören auf mein Kommando. Sie arbeiten mit Hacke, Schaufel, Spaten, Besen, Gießkanne und Schubkarre unter meiner Aufsicht im Garten. Bestimmt habt Ihr uns mit unseren roten Zipfelmützen und den langen weißen Bärten schon entdeckt. Nein, nein, wir sind keine Weihnachtsmänner! Wir sind das sehr fleißige Völkchen der Gartenzwerge, das die Natur mit all ihren Pflanzen und Tieren liebt.

Doch nun zurück zu mir und meinen Erlebnissen:
Am frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht und viele von Euch noch schlummern, dann gehe ich auf leisen Sohlen im Garten umher.  Es herrscht noch ein gewisser Ruhemodus, den ich mit tiefen Atemzügen genieße und in mich aufnehme. 
Irgendwie erscheint alles langsamer und friedlicher. Auch sind die lästigen Mücken noch nicht unterwegs, die nichts anderes im Sinn haben als uns mit ihren gemeinen Stichen zu ärgern und manchmal fast in den Wahnsinn treiben. 
Langsam erwacht das Leben. Die Vögel beginnen ihr Konzert und zwitschern aus allen Bäumen und Sträuchern. Die Käferchen krabbeln aus ihren Verstecken und die Blumen öffnen ihre Blütenblätter, um sie der Sonne entgegenzurecken. Es dauert nicht lange, dann wuselt es in allen Ecken.
Ja, so beginnt mein Tag. So war es immer, bis auf neulich:

Ich wunderte mich schon, als sie kamen. 
„Nanu?! Was ist denn jetzt los?“
Fremde, die ich noch nie gesehen hatte. Sie schleppten alle möglichen Werkzeuge an, brachten Bretter und Stangen am Haus an, stiegen auf das Dach und machten überall in meiner heilen Welt Unordnung. Sie rannten kreuz und quer und ehe ich mich in Sicherheit bringen konnte, wurde ich angerempelt. 
„Hoppla!“, sagte eine Männerstimme. „Was steht denn hier rum?!“
Ich geriet ins Schwanken und befürchtete schon mir alle Gliedmaßen zu brechen. Immerhin bin ich nicht mehr der Jüngste, da kann es ganz schnell zu einem Bruch kommen. 
„Mir ist ganz schwindelig und bestimmt bin ich einer Ohnmacht nahe“, dachte ich ängstlich. 
Plötzlich spürte ich, dass mich jemand unsanft ergriff und in die Höhe hob. 
„Halt! Hilfe!“, wollte ich schreien, doch ich brachte keinen Ton heraus. 
So verfrachtete man mich in das Gartenhaus, bevor ich mich beschweren oder um Hilfe rufen konnte. Dort fand ich mich in einem Regal an der obersten Stelle wieder. 
„Und das bei meiner ausgeprägten Höhenangst“, jammerte ich leise vor mich hin. 
Ich wagte mich nicht zu bewegen. Stocksteif stand ich da und schloss die Augen. Jetzt sah ich zwar nichts mehr, doch ich hörte fremde Stimmen und geschäftiges Treiben. Das machte mich neugierig. Diese Neugierde besiegte meine Höhenangst und so öffnete ich zuerst vorsichtig das eine Auge, dann auch noch das andere. 
„Schade“, dachte ich enttäuscht.
Unglücklicherweise hatte man mich so positioniert, dass ich nicht aus dem Fenster schauen konnte.  So konnte ich nicht feststellen, was da draußen vor sich ging. Es wurde gearbeitet, das war den Geräuschen und Stimmen zu entnehmen. 
Nach und nach erschienen alle meine Bekannten aus dem Garten und gesellten sich zu mir auf das Regal. Ich war nicht mehr allein und so gelang es mir in einen tiefen Schlaf zu fallen.
Ich erwachte erst, als mich jemand an meiner roten Zipfelmütze packte. Mir wurde ein nasser Lappen ins Gesicht gedrückt und auch über meine Kleidung wurde feucht gewischt.
„Hey!“, rief ich erschrocken aus. „Was soll das?“
Da hörte ich die Stimme der Hausherrin: 
„So, jetzt bist du wieder chic und nun suchen wir ein schönes Plätzchen für Dich, lieber Hermann.“
Damit war ich einverstanden. Sie stellte mich auf den Rasen, direkt vor ein Blumenbeet. Ich atmete die warme Sommerluft tief ein und mich überfiel ein unbeschreibliches Glücksgefühl. 
„Hier gehöre ich hin!“, hätte ich am liebsten aller Welt verkündet. „Hier fühle ich mich wohl! Hier bin ich Zuhause!“ 
So stehe ich nun wieder in meinem geliebten Garten und alles war wohl nur ein Alptraum. Schmetterlinge und Bienchen umringen mich, die Sonne kitzelt mich an meiner dicken Knollennase und der leichte Sommerwind pustet eine Ameise von meinem rechten Ohr. Von irgendwo trällert ein alter Schlager:
„Schön ist es auf der Welt zu sein!“ 

Oder ist das mein eigener Ohrwurm?

 

 

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Rückfahrt (Teil 2)

Unsere Rückfahrt von Lübeck führte uns nicht auf direktem Wege nach Hause. Da mein Mann und ich mit meinem Cabrio unterwegs waren, wollten wir den sonnigen Tag und die Gegend noch ein wenig genießen. So kamen wir auch in Ratzeburg vorbei. Und wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, dann hätte ich dort mit einer netten Bloggerin einen Cappuccino getrunken. Aber was nicht ist, kann ja noch werden 😉 .

Ratzeburg ist eine Inselstadt, wie man auf dieser Informationstafel erkennen kann.

Sowohl die Stadt als auch der See haben uns gefallen.

 

Leider konnten wir uns nicht so viel Zeit lassen, sonst hätten wir uns erkundigt, ob man mit einem Schiff eine Seerundfahrt machen kann (falls dies zu Coronazeiten überhaupt möglich gewesen wäre).

Seht Ihr den riesigen Baum links auf dem Foto?! Blöde Frage,- man kann ihn ja gar nicht übersehen, so groß ist er. Es ist eine Eibe.

Ist er nicht gigantisch? Mein Mann hat sich zum Größenvergleich mal unter den Baum gestellt.

Und das konnte man auf einer Informationstafel lesen:

 

Noch ein kleiner Rundgang im Städtchen

und dann müssen wir wieder fahren. Bevor es auf die Autobahn geht, genießen wir noch die Gegend im offenen Cabrio.

Viereinhalb Stunden Fahrt liegen vor uns.

 

 

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Ein fröhliches Hallo (Teil1)

Ich melde mich mit einem fröhlichen Hallo aus meiner Plauderecke. Da ich anlässlich meines Geburtstages mit meiner Familie ein paar Tage in Lübeck war, will ich Euch heute einige Fotos von diesem Kurztrip zeigen. Ich hatte zwar keine Kamera dabei, aber mein Handy war einsatzbereit.

Auf der Hinfahrt habe ich die vorbeiziehenden Wolken bewundert und versucht sie mit dem Handy einzufangen.

Das Holstentor gehört ebenso zu Lübeck

wie das leckere Marzipan.

So leer, wie es auf den Fotos aussieht,

 

 

 

war es keineswegs. Im Gegenteil es waren viele Leute unterwegs. Aber ab 22 Uhr war alles ruhig. Die Restaurants haben alle um diese Uhrzeit geschlossen. Auch im Außenbereich der Restaurants durfte dann niemand mehr sitzen. Darauf wurde sehr genau geachtet und so bekam man schon eine halbe Stunde vor Schließung höchstens noch ein Getränk. Jeder Gast musste sich in eine Liste mit Namen und Anschrift eintragen.

Im Hotel gab es die Wahl: Man konnte das Frühstück im Zimmer einnehmen oder man musste für ein Zeitfenster von einer Stunde einen Platz im Frühstücksraum buchen. Das hat aber alles problemlos geklappt. Das Personal war freundlich und zuvorkommend und alle haben sich an die Regeln gehalten.

 

 

 

 

 

Am Strand konnten die Menschen bedingt durch die Strandkörbe gut den Abstand wahren, aber auf der Promenade war es zum Teil schwierig. Besonders im Bereich der Geschäfte musste man schon sehr darauf achten und lieber mal kurzzeitig zur Seite treten, um die Abstandsregeln (einigermaßen) einhalten zu können.

Auf unserer Rückfahrt haben wir noch einen Abstecher am Ratzeburger See gemacht. Davon möchte ich Euch in meinem nächsten Beitrag einige Fotos zeigen.

Seid alle lieb gegrüßt und habt ein schönes Wochenende.

 

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Wer oder was bin ich?

Mia ist bei den Großeltern zu Besuch. Sie haben geplant heute eine Wanderung zu machen. Gerade als sie aufbrechen wollen, beginnt es zu regnen und auch Donner und Blitz lassen nicht lange auf sich warten.

„Bestimmt scheint in einer Stunde wieder die Sonne und wir können einen wunderschönen Regenbogen bewundern“, versucht Opa die Enkelin zu trösten.

„Was haltet Ihr davon, wenn wir in der Zwischenzeit ein kleines Spiel machen?“, fragt Oma. „Vielleicht eine Art Rätselraten?!“

„Ich weiß ein Rätsel, das hat mir mein Großvater immer gestellt“, grinst Opa. „Es hängt an der Wand, macht tick-tack und wenn es herunterfällt dann ist die…“

„Uhr kaputt!“, ruft Mia. „Opa, das hast du mir schon hundertmal erzählt, als ich noch ein ganz kleines Kind war. Inzwischen gehe ich schon in die Schule und kann lesen und schreiben.“

Fast ist Mia ein bisschen empört über Opas Rätsel. Sie ist doch nicht dumm und kann wirklich schon schwere Rätsel lösen.

„Ich habe mir gerade ein Rätsel überlegt“, mischt sich nun Oma ein. „Leicht ist es aber nicht. Ich denke jedoch, dass ihr es lösen könnt. Ihr dürft auch nach jedem Hinweis Fragen stellen.“

„Na dann mal los!“, ermuntert Opa seine Frau und Mia klatscht aufgeregt in die Hände.

„Also:“, Oma holt tief Luft. „Ich bin ja mal gespannt, ob ihr wisst, wer oder was hier und jetzt zu euch spricht: Eigentlich müsstet ihr mich kennen, denn mich kennt im Grunde genommen jedes Kind.“

„Ich auch?“, fragt Mia.

„Ja natürlich!“, nickt Oma ihrer Enkeltochter zu und fährt dann fort: „Möglicherweise liegt das an meiner großen Klappe, die übrigens auch alle meine Verwandten haben. Also, wenn Ihr mir persönlich vielleicht noch nicht begegnet seid, dann aber ganz bestimmt einem Mitglied meiner Familie. Wir sind nahezu überall vertreten.“

„Wirklich überall , – auf der ganzen Welt?!“, will nun Opa wissen.

„Gut, ein paar Ausnahmen gibt es schon. In der Sahara und im Busch halten wir uns nicht unbedingt auf, aber nichts ist unmöglich.“

„Das ist aber echt schwer, Oma. Du musst uns noch mehr erzählen!“, bittet Mia.

„Okay, okay! Was gibt es noch von mir zu berichten?“, überlegt die Großmmutter angestrengt, doch dann fällt ihr wieder etwas ein, das zur Lösung des Rätsels beitragen könnte:

„Einsam bin ich eigentlich nicht, denn ich bekomme jeden Tag Besuch, manchmal sogar mehrmals täglich. Gerne empfange ich meinen Besuch vor der Haustür, gegebenenfalls auch im Haus selbst.“

Jetzt hat Opa auch eine Frage, die er unbedingt loswerden muss: „Bringen die Besucher auch etwas mit?“

„Na aber sicher!“, betont Oma. „Diese Geschenke verwahre ich hinter Schloss und Riegel, denn sie sind mir wichtig und ich muss sie sicher aufgehoben wissen.“

Es entsteht eine Pause und alle denken angestrengt nach. Opa ist derjenige, der das Schweigen unterbricht:

„Bist du ein Mensch oder ein Ding?“

„Ein Ding!“, antwortet Oma kurz und knapp. Zwei Hinweise habe ich noch für euch: Ich kenne euren Geburtstag, weil ich euch die Glückwünsche überbringe.“

Opa kratzt sich nachdenklich am Kopf und Mia will wissen: 

„Kannst du sprechen? Weil du uns doch die Glückwünsche überbringst!?“

„Nein, das kann ich nicht! Aber denkt mal an meine große Klappe…!“

Wieder herrscht Stille und man könnte ein Blatt fallen hören. Plötzlich springt Mia auf: „Ich hab’s! Ich hab’s!“

„Psst! Ich komme schon noch drauf! Allerdings sollte mir jetzt Mia auch einen Hinweis geben. Anscheinend weiß sie ja, um was es sich handelt“, schlägt der Großvater vor.

„Ich sage nur…“, beginnt die Enkelin. „Mama hat am Samstag Geburtstag. Ich muss ihr unbedingt eine Glückwunschkarte schicken, weil ich da ja noch bei euch bin.“

Als hätte Opa plötzlich der Blitz getroffen oder besser gesagt, die Erleuchtung. Der Großvater schlägt sich vor die Stirn und ruft freudig aus:

Na klar! Es ist ein Br………“

 

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Das Haus am anderen Ende der Straße

Nele ist neu in der Gegend. Sie ist mit ihren Eltern erst vor einer Woche in das große Haus am Ende der Straße gezogen. Vorher hatten sie in einem eigenen Haus in einer anderen Stadt gewohnt, aber nachdem der Vater seine Arbeitsstelle verloren hat, ist das Haus für Nele und ihre Eltern zu teuer geworden.

Deshalb haben sie das Haus verkauft und sind in die Wohnung im obersten Stockwerk im Mühlenweg 10* gezogen. Außer ihnen wohnen noch zwei Familien in dem Haus. Im Erdgeschoss lebt Tina, die genauso alt ist wie Nele und ebenfalls in die 3. Klasse geht.
„Hast du Lust mir ein bisschen die Gegend zu zeigen?“, fragt Nele ihre zukünftige Klassenkameradin. „Ich kenne mich ja noch nicht so richtig aus.“
 „Na klar!“, willigt Tina sofort ein. „Ich hab heute sowieso nichts vor, es sind ja noch Ferien.“
Die beiden Mädchen scheinen sich von Anfang an zu mögen und so spazieren sie die lange Straße entlang bis sie zum anderen Ende kommen, dort, wo es nur noch einen Feldweg gibt, der in den Wald führt. Am Waldrand steht ein altes verfallenes Haus. Es sieht unbewohnt aus, aber Nele bemerkt, dass sich der Vorhang am rechten Fenster bewegt.
„Wohnt dort noch jemand?“, fragt sie Tina ungläubig. „Es wirkt etwas unheimlich!“
„Ach, da wohnt so eine alte merkwürdige Frau“, antwortet die neue Freundin. „Die läuft mit einer Katze auf der Schulter herum und sieht aus, wie die Hexe von Hänsel und Gretel.“
„Hast du sie schon mal gesehen?“
„Nö, die sieht niemand, aber sie sieht alles“, antwortet Tina.
„Woher weißt du dann dass sie aussieht wie die Hexe aus dem Märchen?“, will Nele wissen und bei der Vorstellung schüttelt es sie ein bisschen.
„Das hat mir mal jemand erzählt und der weiß es von einem Freund eines Bekannten, der es von einem Kumpel gehört hat, dessen Onkel bei der Zeitung arbeitet und der weiß es von einem Kollegen, der es auch von jemand erzählt bekommen hat. Keine Ahnung wer das war.“ Tina zuckt mit den Schultern und läuft weiter. „Auf jeden Fall muss man sich von dem Haus und der Alten fernhalten.“
Am Abend als Nele schon im Bett liegt, kann sie nicht schlafen. Sie muss immerzu an das denken, was ihre neue Freundin von dem verfallenen Haus und der seltsamen Frau erzählt hat. Hexen gibt es nicht, das weiß sie, deshalb kann sie die ganze Geschichte nicht so richtig glauben. Vielleicht wohnt tatsächlich niemand mehr in diesem Haus und es war ein Luftzug, der den Vorhang in Bewegung versetzt hat. 
Als die Eltern vor dem Zubettgehen nochmal einen Blick in Neles Zimmer werfen, ist das Mädchen immer noch wach.
„Bist du aufgeregt, weil die Ferien bald zu Ende sind und du in eine neue Schule gehst?“, fragt die Mutter. 
„Nein, aber Tina hat mir von einer seltsamen Frau erzählt und an die muss ich dauernd denken.“
So kommt es, dass Nele den Eltern alles berichtet und sie beschließen sich einmal gemeinsam das Haus von außen anzusehen.
Am nächsten Tag geht die Familie spazieren und kommt auch bei dem verfallenen Haus vorbei. 
„Du hast Recht, es wirkt merkwürdig. Allerdings ist der Garten in Ordnung und überall blühen Blumen“, meint der Vater. „Irgendjemand scheint den Garten zu pflegen. Aber es steht auch kein Name am Briefkasten.“ 
„Wahrscheinlich wohnt tatsächlich niemand hier, aber wir können ja mal klingeln und uns vorstellen“, schlägt die Mutter vor.
Nele nimmt all ihren Mut zusammen und drückt auf die Klingel, doch niemand reagiert. 
„Da!“, flüstert Nele und deutet auf das eine Fenster. Kaum merklich hat sich der Vorhang bewegt. Und dann plötzlich sieht Nele noch etwas anderes. 
„Da !“, sagt sie nun schon zum zweiten Mal und nun sehen auch die Eltern die Bewegung. 
„Hallo!“, ruft der Vater. „Ist da jemand?!“
Im selben Moment öffnete sich die Tür, die anscheinend nur angelehnt war und eine schwarze Katze schleicht aus dem Haus in den Garten. 
Nele hält vor Aufregung die Luft an.
„Bestimmt kommt gleich die alte seltsame Frau heraus“, denkt sie. Aber niemand erscheint.
„Wir versuchen es ein anderes Mal“, schlägt die Mutter vor und dann gehen alle drei nach Hause.
In ihrem Zimmer malt Nele ein Bild von der schwarzen Katze, schreibt ganz klein unten in die Ecke ihren Namen und am nächsten Tag wirft sie dieses in den Briefkasten am Zaun des alten verfallenen Hauses.
„Vielleicht holt es ja jemand heraus…“, überlegt sie sich.
Doch die Tage vergehen und Nele hat das Bild, die Katze, das verfallene Haus und die seltsame Frau schon fast vergessen. Die Schule beginnt wieder und ihre Neugier auf die neuen Klassenkameraden ist plötzlich vorrangig. 
Am Freitag der ersten Schulwoche bittet die Klassenlehrerin Nele nach Schulschluss vor dem Lehrerzimmer auf sie zu warten. 
„Habe ich was falsch gemacht?“, will das Mädchen wissen.
„Nein, ich möchte dir jemand vorstellen“, erwidert die Klassenlehrerin lächelnd, nimmt Nele an der Hand und führt sie zu einer Frau, die im Gang steht.
„Das ist meine Freundin Marianne und das ist Nele, die das Bild von Mimi, der schwarzen Katze gemalt hat“, stellt sie die Beiden gegenseitig vor.
„Ich möchte dir danken!“, sagt die Frau. „Meine Mutter, die im Altersheim lebt, hat sich sehr über dein Bild gefreut. Sie liebt die Katze Mimi sehr.“
Nele bekommt ganz große Augen und ihre Wangen laufen vor Stolz und Aufregung rot an.
„Früher hat meine Mutter mit ihrer schwarzen Katze in dem alten Haus gewohnt, aber jetzt ist sie schon viele Jahre im Altenheim. Ich pflege den Garten und füttere die Katze, aber das Haus wieder instandzusetzen, kann ich mir nicht leisten.“
Die Frau namens Marianne holt tief Luft, bevor sie weiter erzählt:
„Du musst wissen, dass die Katze sehr anhänglich war und immer bei meiner Mutter auf der Schulter saß und dann erfinden die Menschen seltsame Geschichten. Meine Mutter ist aber eine sehr liebe, herzensgute und freundliche Frau. Heute ist sie schon etwas vergesslich und an manchen Tagen erkennt sie mich nicht mehr, aber an ihre Katze Mimi kann sie sich immer noch erinnern. Als sie dein Bild sah, standen ihr Freudentränen in den Augen.“

 

 

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*frei erfunden

Schere, Kamm und Lockenwickler 

Liselotte steht vor dem Spiegel und betrachtet das Bild, das ihr dieser zeigt. Normalerweise ist sie recht zufrieden mit ihrem Aussehen. Klar, ist ihr Gesicht nicht mehr so glatt wie in ihrer Jugend, sondern weist Falten auf.

Aber in ihrem Alter gehören diese kleinen Furchen einfach dazu. Immerhin hat sie schon seit mehr als zwei Jahrzehnten das Rentenalter überschritten. Sie erzählen von guten und schlechten Zeiten, von Lachen und Sorgen, von Lebenserfahrung. 
Trotzdem achtet sie immer noch auf ihr Aussehen und lässt sich die inzwischen grauen, vielleicht sogar weißen Haare, färben. Einst hatte sie schwarze Haare, – pechschwarz. Gut, so dunkel trägt sie sie nicht mehr, aber ein Braunton ist es immer noch. 
Doch was sie heute sieht, lässt sie aufseufzen.
„Ach Corona, was hast du nur aus uns allen gemacht!“
Ja, sie hat sich ihre Haare selbst gefärbt, so wie früher auch hin und wieder. Doch mittlerweile ist es schon anstrengend, besonders weil sie den rechten Arm bedingt durch ihre Arthrose in der Schulter, nicht mehr so gut heben kann. 
„Wer schön sein will, muss eben leiden“, hat sie sich zähneknirschend gesagt und sich so gut es ging, bemüht.
„Aber jetzt wird es endlich Zeit. Bin ich froh, dass ab Montag die Friseurgeschäfte wieder öffnen. Lang sind sie geworden, – meine Haare.“
Längst dringt ihr Spiegelbild nicht nicht mehr in ihr Bewusstsein, obwohl sie immer noch in den Spiegel blickt, –  ihre Gedanken wandern ab. Weit zurück bis in ihre Kindheit.
Damals hatte ihr Vater selbst einen Friseurladen mit Angestellten. Sehr höflich war er immer gewesen und hatte die Kundschaft mit „Gnädige Dame“ und „Gnädiger Herr“ angesprochen. 
Ein Lächeln überzieht nun Liselottes Gesicht. Sie erinnert sich an eine Situation, als der Lehrling ihr als Kind die Haare schneiden sollte und der Vater mit Adlersaugen darauf achtete, dass seiner Tochter nichts passierte. „Wehe, du verletzt meine kleine Liselotte mit deiner Schere!“, hatte er dem Lehrling mit erhobenem Zeigefinger gedroht. 
„Doch nach dem Krieg war alles anders“, denkt Liselotte und schickt ihre Gedanken weiter auf die Reise.
Als junge Frau und Mutter nahm sie ihre Tochter auch gerne mit zum Friseur, allerdings wurde nur sie selbst frisiert, da die Tochter ihre langen Haare als geflochtene Zöpfe trug.
„Na, junges Fräulein! Sollen wir heute deine Zöpfe abschneiden“, hatten die Friseurinnen immer alle lächelnd gefragt und jedesmal ein Nein als Antwort erhalten. Doch als sich ihre Tochter eines Tages tatsächlich dazu entschloss, vergewisserten sie sich vorsichtshalber erst noch einmal bei Liselotte, bevor sie mit der Schere ans Werk gingen.
Liselotte selbst hatte in ihrer Jugend bereits Dauerwellen und dies handhabt sie auch heute in ihrem betagten Alter noch so. Somit gehören regelmäßige Friseurbesuche und Lockenwickler zu ihrem Leben.
„Corona hat alles durcheinandergebracht“, flüstert Liselotte ihrem Spiegelbild zu.
Schon lange tragen die Friseurinnen keine Schürzen mehr. 
„Eigentlich hat das mehr Farbe in den Laden gebracht. Heutzutage tragen sie ja meist nur schwarzweiße Alltagskleidung. Und noch einen Nachteil gibt es“, überlegt Liselotte, „in die Schürzentaschen konnte man mehr oder weniger unauffällig das Trinkgeld hineinsteckten.“
Liselotte fährt sich mit den Fingern durch die Haare, danach greift sie zu etwas, das auf dem kleinen Schränkchen im Badezimmer liegt. 
„Jetzt tragen sie keine Schürzen mehr, dafür müssen wir alle nun dieses Ding anziehen.“
Sie zieht jeweils eines der Gummibänder über das linke und rechte Ohr, platziert das Stückchen Stoff über Nase und Mund und bedeckt auch noch das Kinn damit.
„Naja, hübsch ist etwas anderes“, sagt sie sich. „Neben ihrem eigentlich vorgesehenen Nutzen, haben diese Masken allerdings einen weiteren nicht zu vernachlässigenden Vorteil, – die Falten werden ebenfalls abgedeckt. Nur die Lachfältchen bleiben noch sichtbar.“ 
Mit einem Blick in den Spiegel lässt Liselotte ihre Augen lächeln.

 

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Noch ein Schlüssel

Nachdem Opa Friedrich seiner kleinen Enkelin Sabine die Geschichte von den Schlüsselblumen erzählt hat, ist das Mädchen in einen tiefen Schlaf gefallen. Am nächsten Morgen rennt sie sofort zu dem Beet auf dem diese hübschen gelben Blümchen blühen. Sie malt ein Bild auf dem eine Wiese zu sehen ist. Hier wachsen eine Vielzahl von diesen wundersschönen gelben Pflanzen, genauso wie es der Großvater erzählt hat. 

Gerade will sie noch den blauen Himmel und die strahlende Sonne malen, da fällt ein Tropfen auf das Papier. Erschrocken schaut sie nach oben und sieht die dicke dunkle Wolke. Schnell packt sie ihre Sachen zusammen und erreicht gerade noch rechtzeitig die offene Terrassentür, bevor es zu schütten beginnt.

„Oh, da hast du aber Glück gehabt“, meint Oma Erika. „Bist du mit deinem Bild fertig?“

„Nicht ganz, aber den Rest kann ich auch hier im Wohnzimmer malen“, erwidert Sabinchen.

Aber irgendwie hat sie jetzt die Lust verlassen und so kritzelt sie nur noch ein bisschen Blau als Himmel auf ihr Gemälde. Danach holt sie ihre Puppe Laura, aber so recht mag sie jetzt auch nicht mit ihr spielen. Deshalb setzt sie sich auf das Sofa und lässt ihren Blick durch das Wohnzimmer schweifen. 

„Mir ist langweilig!“, ruft sie zu Oma in die Küche, die dort mit den Vorbereitungen für das Mittagessen beschäftigt ist.

Oma Erika kommt mit einer Schürze bekleidet und einem Kartoffelschäler in der Hand ins Zimmer. „Willst du mir vielleicht ein bisschen beim Kochen helfen?!“, schlägt sie vor.

„Nö, keine Lust!“, lautet die kurze, aber unmissverständliche Antwort. 

„Dann könntest du mir vielleicht hier im Wohnzimmer ein wenig abstauben. Dazu habe ich heute leider keine Zeit und du würdest mir eine große Hilfe sein“, ist Omas nächster Vorschlag.

„Okay! Wo ist der Staubwedel?“

„In der Abstellkammer“, schallt nun Großvaters Stimme aus einer anderen Ecke des Hauses.

Sabine mag den Staubwedel. Sie hat nämlich mal in einem Kinderfilm gesehen wie ein Staubwedel durch ein Schloss wirbelte und viele wunderbare Dinge entdeckt hat, die dann alle eine Geschichte erzählt haben. „Vielleicht flüstern mir die Dinge auf der Kommode von Oma und Opa auch schöne Geschichten ins Ohr“, überlegt sie und läuft in die Abstellkammer im oberen Stockwerk.
„Da bist du ja! Na, dann mal los!“, ruft sie dem Staubwedel zu und schon rennt sie mit ihm in Richtung Wohnzimmer.
Sie weiß, dass sie beim Abstauben vorsichtig sein muss, denn die Großmutter hat auch kleine Porzellanfiguren und Schälchen auf der Kommode stehen. Sie nimmt jede einzelne Figur in die Hand, betrachtet sie ausgiebig und entfernt den unsichtbaren Staub von ihnen. So schön sie auch sind, doch keine von ihnen scheint ihr etwas erzählen zu wollen. Doch plötzlich sieht sie etwas, das ihr noch nie aufgefallen ist.

„Wieso liegt denn hier ein Schlüssel?“, fragt sie sich. „Und noch dazu ein so riesengroßer.“

Sie dreht und wendet ihn in ihrer kleinen Hand, aber auch er scheint ihr nichts erzählen zu wollen. Trotzdem spürt Sabinchen, dass dieser Schlüssel ein Geheimnis verbirgt. Für Geheimnisse und schöne Geschichten ist Großvater Friedrich zuständig. 

„Opa, was ist denn das?“, fragt sie daher sofort, nachdem sie ihn in seiner Bastelstube aufgestöbert hat.

„Oh!“, meint dieser und in seiner Stimme schwingt schon das große Geheimnis mit. „Das ist ein ganz besonderer Schlüssel, den wir jetzt auch ganz schnell wieder dort hinlegen, wo du ihn gefunden hast. Der darf nämlich nicht verloren gehen, sonst ist Oma Erika ganz traurig.“ Er verschweigt, dass dies schon einmal passiert ist und dieser Schlüssel nur den verlorengegangenen Orginalschlüssel ersetzt.
Sabine bekommt vor Neugierde ganz große Augen. Sie nimmt ihren Großvater an der Hand und geht mit ihm ins Wohnzimmer. 

„Dort“, sagt sie und deutet auf die Stelle auf der Kommode, wo sie den Schlüssel zuvor entdeckt hat.

„Erzählst du mir seine Geschichte?! Bitte, bitte!“

„Es ist fast schon hundert Jahre her“, beginnt Opa Friedrich, der sich inzwischen in einem Sessel niedergelassen hat. Sabine setzt sich auf seinen Schoß und lauscht andächtig.

„Damals, Anfang des Jahres 1922, war der Großvater deiner Oma Erika noch ein junger Mann und heiratete seine geliebte Klara, also deine Ururoma. Noch am Ende des selben Jahres kam dann deine Uroma, also die Mama von Oma Erika, auf die Welt.“

„Von ihr hat mir Mama mal ein Foto gezeigt. Sie hatte ganz weiße Haare und war alt!“, wirft Sabinchen ein.

„Ja, sie hätte dich bestimmt sehr gemocht, aber leider ist sie schon vor deiner Geburt von uns gegangen.“

„Erzähl weiter!“ Sabine will endlich das Geheimnis des Schlüssels erfahren.

„Also, dein Ururopa hat einen Monat nach der Hochzeit eine hübsche Kaminuhr gekauft und sie seiner Klara geschenkt. Die beiden waren überglücklich, denn ein Baby hatte sich angekündigt, wie gesagt, deine Uroma. Schau dort neben dem Schlüssel steht diese Uhr, die von deiner Ururoma, an deine Uroma und von ihr an deine Oma Erika weitervererbt wurde. Eines Tages wird deine Mama diese Kaminuhr bekommen und irgendwann an dich weitergeben.“

„Und ich schenke sie dann meiner Tochter!“, führt Sabine die Erzählung weiter.

„Oder an deinen Sohn!“, meint Opa Friedrich, „Wer weiß…“

Inzwischen ist Sabine aufgestanden und steht ehrfurchtsvoll vor der Kaminuhr.

„Und was hat das mit dem Schlüssel zu tun?“

„Schau mal ganz genau auf das Zifferblatt und verrate mir dann, was du entdeckt hast“, lautet die Antwort von Opa Friedrich.

„Da sind zwei Löcher drin!“, ruft Sabinchen plötzlich aus.

„Genau, die sind ganz wichtig“, beginnt der Großvater zu erklären, wird allerdings durch den Ruf der Großmutter unterbrochen.

„Das Mittagessen ist fertig! Kommt bitte!“

„Aber ich weiß doch noch nicht, wofür der Schlüssel ist…“, versucht das Mädchen einen erneuten Vorstoß.

„Jetzt gehen wir erst einmal zum Mittagessen und danach zeigt dir Oma, was der Schlüssel mit der Uhr zu tun hat und welche Bedeutung die beiden Löcher im Zifferblatt haben.“

So schnell wie heute, hat Sabine noch nie ihren Teller geleert und würde am liebsten noch auf den Nachtisch verzichten. Zu allem Unglück muss auch hinterher noch das Geschirr abgespült werden. Aber dann ist es endlich soweit. Die Großeltern sitzen mit Sabine um den Wohnzimmertisch herum, auf dessen Mitte die Kaminuhr steht. Oma Erika nimmt den Schlüssel und steckt ihn in eines der beiden „Löcher“ im Zifferblatt.
Andächtig lauscht Sabine schon bald dem Ticken und dem Klang dieser geheimnisvollen Uhr. 

 

 

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Opa erzähl mir eine Geschichte

Sabinchen ist bei ihren Großeltern zu Besuch. Papa und Mama haben sie am Wochenende zu Opa und Oma gebracht, wo sie eine ganze Woche bleiben darf. Nun ist sie schon den dritten Tag hier und es gefällt ihr richtig gut. Gemeinsam unternehmen sie viel und so kommt bei Sabinchen keine Langeweile auf. Mit ihren fünf Jahren ist sie an allem interessiert und fragt den Opa gerne Löcher in den Bauch, wie er immer so schön sagt. 

Gerade haben sie draußen im Garten gegrillt, aber jetzt muss sie leider ins Bett, dabei fühlt sie sich kein bisschen müde. Wie Kinder nun mal so sind, probiert auch Sabine alle möglichen Ausreden aus, aber es hilft nichts. Die Großeltern schicken sie zum Zähneputzen ins Bad.

„Wenn du fertig bist, dann rufst du. Ich komme zum Gute-Nacht-Sagen noch mal ganz kurz nach oben“,schlägt Opa Friedrich vor. 

„Ich gebe dir jetzt schon den Gutenachtkuss“, meint Oma Erika und drückt Sabine einen zarten Kuss auf die Wange. „Ich muss nämlich noch das ganze Chaos in der Küche beseitigen und die Spülmaschine einräumen.“
Es dauert gar nicht lange, da tönt der Ruf durch das Haus: 

„Opa, kommst du?!“

Wie versprochen erscheint der Großvater im alten Kinderzimmer von Sabines Mutter. Das Mädchen sitzt aufrecht im Bett und bettelt:

„Bitte, bitte erzähl mir noch eine Geschichte. Ich bin nämlich überhaupt noch nicht müde.“

„Aber höchstens für 5 Minuten“, lässt sich der Großvater erweichen. „Länger sollte eine Gute-Nacht-Geschichte nicht dauern.“

„Na gut“, willigt Sabinchen ein.

„Worüber soll ich denn erzählen?“, möchte Opa Friedrich wissen.

„Von einem Blümchen“, sagt die Kleine sofort. „Ich habe nämlich im Garten eine schöne gelbe Blume entdeckt. Sie wächst direkt bei dem kleinen Teich.“

Opa Friedrich überlegt. Im Moment gibt es ja nur wenige Frühlingsblüher und so weiß er eigentlich sofort welche Blume seine Enkeltochter meint.

„Hat sie viele kleine gelbe Blüten, die oben auf einem langen dünnen Stiel wachsen?“, vergewissert er sich.

„Ja, genau!“

„Das ist ein Schlüsselblümchen. Ich mag diese Frühlingsblümchen sehr gerne. Als ich noch ein Kind war, ungefähr so alt wie du“, beginnt er zu erzählen, „da gab es eine große Wiese in der Nähe meines Elternhauses. Dort durften wir Kinder immer spielen. Im Frühjahr war sie ganz gelb. Auf ihr blühten viele, viele Schlüsselblumen. Damals habe ich meiner Mutter einen dicken Strauß geschenkt. Heute sind diese Blümchen seltener geworden und stehen unter Naturschutz.“
Sabine hört ganz genau zu und stellt dann eine Frage:

„Warum heißen sie denn eigentlich ‚Schlüsselblumen‘?“

„Weil sie gewissermaßen einem Schlüsselbund gleichen. Ihre kleinen Blüten sind so angeordnet wie die vielen einzelnen Schlüssel an einem Schlüsselbund. Manche Menschen nennen sie auch Himmelsschlüssel.“

„Ein Schlüssel, um den Himmel aufzuschließen. Wer soll das denn machen?“, fragt Sabine neugierig.

„Naja, es gibt eine Legende*, die sagt, dass der Heilige Petrus die Schlüssel zu der Himmelspforte besitzt. Er hat sie immer gut gehütet, damit sie ihm niemand wegnehmen kann. Trotzdem berichtete man ihm eines Tages, dass irgendwelche Übeltäter sich einen Nachschlüssel angefertigt hätten. Das war keine gute Nachricht und Petrus erschrak sehr. Er begann vor Schreck zu zittern und so entglitten ihm die Schlüssel. Der Schlüsselbund fiel und fiel. Immer tiefer und tiefer, bis er schließlich auf die Erde plumpste. Da lag er nun.“

„Oh nein!“, ruft Sabine erschrocken aus. „Das ist ja schrecklich. Mama hat mal ihren Autoschlüssel verloren. Sie war völlig verzweifelt und hat überall gesucht. Gefunden hat sie ihn schließlich in Papas Jackentasche. Da war Mama wieder glücklich und hat sich riesig gefreut.“

Sabinchen schaut ihren Opa an und hofft, dass die Geschichte weitergeht. Doch Opa Friedrich lächelt und schweigt. Er will damit seine Enkelin noch ein wenig auf die Folter spannen, was auch die Wirkung nicht verfehlt. 

„Hat denn Petrus seinen Himmelsschlüssel auch wieder bekommen“, fragt Sabine aufgeregt.

„Naja, zuerst war er mal weg und guter Rat war teuer. Aber zum Glück hatte einer der Engel alles genau beobachtet und gesehen, wo der Schlüsselbund gelandet war“, berichtet Opa Friedrich.

“Er flog schnell und zielgerichtet hinunter zur Erde. Inmitten einer Wiese sah er ihn in der Frühlingssonne glitzern. Er hob ihn auf und brachte ihn Petrus wieder zurück in den Himmel.“

„Und was hat das mit den schönen gelben Schlüsselblümchen zu tun?“

„Stell dir vor!“, flüstert Opa Friedrich geheimnisvoll. „Dort, wo der Schlüssel die Erde berührt hat, genau an dieser Stelle blühten plötzlich wunderschöne gelbe Blümchen. Die Schlüsselblümchen. Die Himmelsschlüssel sind sozusagen zu Blumen geworden.“

„Ist das eine schöne Geschichte“, gähnt Sabinchen. „Morgen werde ich sie nochmal ganz genau betrachten und für Mama und Papa ein Bild malen“, beschließt das kleine Mädchen bevor es vom Schlaf übermannt wird. Großvater Friedrich schleicht sich leise aus dem Zimmer und schließt lächelnd die Tür.

 

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* Hier findet man die Legende und viel Wissenswertes zum Thema „Schlüsselblume“:

vgl.: https://www.beetfreunde.de/schluesselblumen-himmelsschluessel/

 

 

 

Grüße aus dem Osterhasenland

 

Aufregung herrscht überall im Osterhasenland

und groß ist der Hasen Arbeitsaufwand,

denn soeben kamen die Eier per Express.

Nun haben die Osterhasen Stress.

 

In den Osterhasenfamilien ist Arbeit angesagt,

denn bunte Eier sind sehr gefragt.

Es wird gebastelt, gemalt und bunt verziert,

Farben gemixt und Muster kreiert.

 

Die Sonne und die Farben der Natur inspirieren

und die Häschen nun diskutieren.

Wer hat wohl das schönste Osterei erstellt,

welches Motiv wird darauf dargestellt?

 

Sie hoppeln in alle Richtungen schon bald,

über Stock und Stein, Feld und Wald,

um für die Kinder Osternester zu verstecken

im Garten oder den Zimmerecken.

 

Grüße und Wünsche liegen ebenfalls im Nest:

„Habt alle ein schönes Osterfest

und bleibt bitte alle munter und vor allem gesund,

jetzt, alle Tage und zu jeder Stund.“

 

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Beim Spaziergang

Ich bin Klein-Astrid und liege in meinem Kinderwagen, wo es so richtig gemütlich und kuschelig ist. Meine Mama rückt die Decke zurecht, denn das kann ich noch nicht. Dafür bin ich noch zu klein und auch zu schwach. 

„So“, sagt meine Mama während sie mich zudeckt. „Jetzt hast du es schön warm unter deiner Decke.“ 
Ich verstehe zwar noch nicht, was sie mir so alles erzählt, aber ich kenne ihre Stimme. Sie ist beruhigend und ich weiß, dass es meine Mama gut mit mir meint.
Jetzt geht meine Mama mit mir spazieren. Das gefällt mir, denn es schaukelt so schön hin und her. Dann dauert es auch gar nicht lange und ich bin eingeschlafen. Tief und fest und ganz ruhig schlafe ich, denn in meinem Kinderwagen und mit Mama in meiner Nähe fühle ich mich sicher.  Überhaupt schlafe ich viel, gern, oft, mal kurz und mal lang.  Immer mal wieder übermannt mich der Schlaf. Wenn ich aufwache, bin ich hungrig, meine Windel ist voll oder ich habe Bauchweh. Aber inzwischen beobachte ich auch meine Umwelt, die Menschen, die in meinen Kinderwagen oder mein Bettchen hineinschauen und auch das Vögelchen, das mir Mama zum Spielen hingehängt hat. Das alles strengt mich so an, dass ich immer wieder schlafen muss. Ich bin zwar inzwischen schon ein bisschen größer und meine Wachphasen werden auch länger als noch vor ein paar Monaten, aber ich muss viel verarbeiten. Ich kann auch schon lächeln und manchmal ziehe ich Grimassen.
Aber nun ich bin ganz vom Thema abgeschweift, eigentlich will ich Euch was ganz anderes erzählen:
Meine Mama geht wie gesagt mit mir spazieren. Als ich aufwache nimmt sie mich aus dem Kinderwagen und hält mich ein bisschen auf dem Arm. Das ist schön.
„Hast du gut geschlafen?“, fragt sie mich. Sie spricht mit mir und die Sonne kitzelt mich ein wenig an der Nase. Das gefällt mir.
Doch plötzlich merke ich, dass Mama und ich nicht alleine sind. Da ist noch jemand. Ich bin mir nicht sicher, ob ich denjenigen auch kenne. Die Stimme kommt mir bekannt vor. Irgendwie hört es sich an als sei es die Stimme meines Papas. Aber mein Papa sieht doch anders aus. Und jetzt legt mich Mama diesem Mann mit Papas Stimme  in den Arm. 
Hier stimmt doch etwas nicht. Das ist mir jetzt aber nicht ganz geheuer. Deshalb verziehe ich das Gesicht. Hoffentlich merkt Mama, dass ich hier weg will.
„Oh, oh!“, sagt sie. „Ich glaube, Klein-Astrid fängt gleich an zu weinen!“
Sie nimmt mich wieder und wiegt mich hin und her, während sie beruhigend auf mich einspricht. 
Ja, Mama hat mich verstanden und deshalb muss ich jetzt auch nicht mehr weinen. Dankbar lächele ich sie an.
„Was hat sie nur?“, fragt Papas Stimme.
„Ich habe da so einen Verdacht“, meint Mama. „Wahrscheinlich erkennt sie dich nicht!“
„Wieso? Ich habe mich doch innerhalb der letzten halben Stunde nicht verändert. Zu Hause war das auch noch nicht. Überhaupt war das noch nie so“, sagt Papas Stimme und ich merke Traurigkeit darin. Fast klingt die Stimme auch noch ein wenig beleidigt.
„Doch“, erklärt Mama, „du hast dich schon verändert!“
„Das stimmt doch gar nicht!“, protestiert Papas Stimme.
„Doch, doch!“, sagt Mama und nimmt dem Unbekannten etwas weg, das sie einfach neben sich auf die Bank legt. Danach reicht sie mich wieder an den Unbekannten mit Papas Stimme. Ja und da erkenne ich ihn: Es ist mein Papa!!!
„Schau nur!“, sagt Mama freudestrahlend. „Sie hat dich vorhin nur nicht erkannt, weil du einen Hut auf dem Kopf hattest.“
„So, so, du magst also meinen neuen Hut nicht. Dann setze ich ihn einfach nicht mehr auf!“, beschließt Papa, lächelt mich an und gibt mir einen Kuss.
Ich lächele zurück und gluckse vor Freude. Bei Papa und Mama ist es doch am Schönsten.

 

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Ausgangssperre

Heute komme ich erst einmal zum Plaudern zu Euch. Ich und mein Mann waren unterwegs. Genauer gesagt, wir sind nach Teneriffa geflogen. Super toll, das Wetter wie immer zu dieser Jahreszeit richtig sommerlich. Abflug und Ankunft auf der Insel war am Mittwoch, den 11.3. und am Montag, den 16.3. kam dann die Ausgangssperre. 

In der Hotelanlage war der Pool abgesperrt, wir bekamen Liegen und Sonnenschirme auf unseren großen Balkon. Auch der Strand war abgesperrt und Hubschrauber überwachten alles von oben. Am Montag durfte man noch in der Anlage ein wenig herumlaufen, ohne jedoch Grüppchen zu bilden. Am Dienstag war dies dann allerdings auch nicht mehr erlaubt. Zum Glück hatten wir in dem Hotel ein Apartment mit Balkon und daher ein bisschen Auslauf.

Zum Supermarkt, zur Apotheke und zum Arzt durfte man gehen. Die Polizei fuhr durch die Straßen und verkündete über Lautsprecher in verschiedenen Sprachen die Ausgangssperre. Auch kontrollierte man die Hotels, ob sich alle an die Vorschriften halten. Der Abstand musste eingehalten werden, keine Grüppchenbildung, im Speisesaal und im Foyer gab es Absperrungen und Begrenzungen.

Unser Mietwagen parkte vor dem Hotel. Niemand konnte uns sagen, wie es weitergeht. Die Ausgangssperre, so wurde uns mitgeteilt, gelte  zunächst für 15 Tage. Ob unser Rückflug am 25.3. tatsächlich noch stattfinden würde, hoffte man, war sich aber nicht sicher.

Wir versuchten in das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes hineinzukommen, aber der Server war überlastet. Wir kontaktierten unser Reisebüro in Deutschland und sagten der Reiseleitung vor Ort, dass wir so schnell wie möglich nach Deutschland zurück wollen.

Schon morgens hörte man Busse fahren und Urlauber, auch aus unserem Hotel wurden zum Flughafen gebracht. Manche wurden zwei Stunden vor Abflug angerufen. 

Ich packte vorsorglich die Koffer. Und am Mittwochnachmittag kam dann der Anruf unseres Reiseveranstalters, dass unser Flug am Donnerstag um 16:45 Uhr gehen würde. Es war der letzte planmäßige Flug, so sagte man uns. 

Da wir mit dem Mietwagen das Wegerecht zum Flughafen hatten, konnten wir dort hinfahren und ihn auch dort abgeben.

Obwohl wir von Dresden nach Teneriffa geflogen waren, mussten wir jetzt nach Düsseldorf fliegen.  

Dort angekommen, übernachteten wir erst einmal in einem Hotel am Airport und am Freitag fuhren wir dann mit einem Mietwagen von Düsseldorf nach Cottbus. 

Wir sind wieder zu Hause!!! 

Wahrscheinlich wird es auch hier in Deutschland nicht mehr lange dauern und die Ausgangssperre kommt, so denken wir. Morgen? Übermorgen? …

Ich wünsche uns und Euch, dass wir alle gesund bleiben!!! Passt gut auf Euch auf!!!

Die Bitte

Professor Konfusi ist unterwegs. Er hatte eine Besprechung mit einem Kollegen und will gerade in sein Auto einsteigen, als das Handy klingelt.
„Konfusi“, meldet er sich kurz.

„Hallo, mein Lieber, ich bin’s, deine Angetraute“, hört er die Stimme seiner Gattin. „Könntest du mir bitte einen Gefallen tun und ein Rezept beim Arzt abholen?! Ich müsste sonst nochmal extra in die Stadt fahren, aber wenn du…“
„Kein Problem, ich geh gleich mal hin und dann komme ich nach Hause.“
Gesagt, getan. Und damit ist die Aktion sowohl bei seiner Frau als auch bei ihm abgehakt und vergessen.
Erst am nächsten Tag fällt die Angelegenheit seiner Frau wieder ein.
„Wo sind eigentlich die Medikamente?“, erkundigt sie sich.
„Welche Medikamente?“, fragt Professor Konfusi zurück.
„Sag nur, du hast das Rezept gestern nicht abgeholt?“, erkundigt sich seine Gemahlin.
„Ja doch, klar!“, und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Sollte ich auch gleich die Medikamente in der Apotheke holen? Das wusste ich jetzt nicht“, gibt er zu und blickt völlig unschuldig drein.
„Das kann man sich aber denken.“ Seine Gattin schüttelt den Kopf. „Wahrscheinlich hatte er seine Gedanken wieder bei irgendeinem wissenschaftlichen Thema“, fügt sie im Stillen hinzu und richtet dann eine wichtige Frage an ihren Mann: „Wo ist denn das Rezept?“
„Wenn ich das wüsste! … Lass mich mal überlegen! … Ich habe es entgegengenommen und dann habe ich es irgendwo hingesteckt…“
Als der ältere Herr bemerkt, dass seine Frau die Stirn runzelt und ihn fragend anblickt, fügt er schnell hinzu:
„Ja, genau, ich habe es in meine Jacke gesteckt. Moment mal…“
Professor Konfusi durchsucht alle Taschen seiner Jacke, allerdings ohne Erfolg.
„Bestimmt liegt es im Auto!“, lautet seine nächste Idee, die jedoch auch ins Leere läuft. 
„Dann habe ich es vielleicht in meiner Aktentasche“, meint er nachdenklich, als der wieder ins Haus zurückkehrt und geradewegs zur Garderobe marschiert, wo er die Mappe am Abend zuvor abgestellt hat. Doch leider lässt sich auch hier nichts finden. Jetzt ist guter Rat teuer. Im Grunde genommen sind mittlerweile alle denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft. Damit ist auch für Professor Konfusi die Angelegenheit beendet und er will sich wieder seiner Lektüre zuwenden. Kurz darauf klingelt das Telefon und er ist sofort in ein fachliches Gespräch mit einem Kollegen vertieft.
Frau Konfusi hat sich schon damit abgefunden, dass sie nun doch selbst die Sache mit dem Rezept und den Medikamenten in Angriff nehmen muss. „Sicher ist sicher!“, denkt sie sich, doch da kommt ihr eine andere Idee. Die Zeitspanne zwischen ihrem Anruf und der Ankunft ihres Mannes zu Hause war recht groß gewesen. „Sollte er noch einmal im Büro gewesen sein?“, fragt sie laut vor sich hin.
„Richtig, meine Liebe. Jetzt, da du es sagst, fällt es mir wieder ein. Ich musste noch ein paar Dinge im Büro regeln. Bestimmt liegt das Rezept auf meinem Schreibtisch in der Universität.“
Professor Konfusi strahlt, denn nun scheint er die Lösung seines Rätsels gefunden zu haben. „Ich muss nachher sowieso noch mal hin, sie brauchen ein paar Unterschriften von mir.“
„Dann bringst du bitte auch gleich die Medikamente mit!“, erinnert ihn seine Gemahlin vorsichtshalber noch einmal.
Doch auch an diesem Abend kommt er wieder unverrichteter Dinge daheim an. 
„Hast du meinen Anzug mal durchsucht?“, will er von seiner Frau wissen.
„Da habe ich nichts gefunden, aber du kannst gerne auch nachsehen…“
„Ich hab’s: Mein Hemd! Da muss es sein!“, startet der Professor einen erneuten Versuch. Ich habe das Rezept in die Brusttasche gesteckt.“ Seine Augen leuchten regelrecht vor Freude, dass die Erinnerung zurückgekehrt und des Rätsels Lösung gefunden ist.
„Das hängt im Hauswirtschaftsraum“, meint Frau Konfusi und läuft hin. Sie greift in die Tasche und zieht etwas heraus, das sie ihrem Gatten zeigt.
„Damit bekommen wir auf jeden Fall keine Medikamente“, sagt sie und zuckt mit den Achseln.
Am nächsten Morgen steht Professor Konfusi erneut in der Arztpraxis. 
„Waschmaschine!“, ruft er dem Arzt zu, der ihn fragend anschaut, weil der ältere Herr schon wieder an der Anmeldung steht.
„Meine Frau hat das Hemd gewaschen und jetzt sind von dem Rezept nur noch ein paar Papierkrümelchen übrig. Könnten Sie mir bitte ein neues Rezept ausstellen?!“
Stolz überreicht er am Abend seiner Frau das Rezept, kratzt sich jedoch verlegen am Kopf, als diese lachend fragt:
„Und wo sind nun die Medikamente?“

 

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