Neueste Artikel

Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Zwingend notwendig

Monatelang habe ich nicht an euch gedacht,

wer weiß, wo und wie ihr die Zeit habt verbracht.

Ich habe euch nicht gebraucht

und ihr wart einfach abgetaucht.

 

Darüber war ich auch überhaupt nicht traurig,

doch nun bin ich doch schon recht übellaunig.

Ich sehne euch echt herbei,

seid mir nicht mehr einerlei.

 

Meine Bitte an euch alle ist wirklich dringend,

eure Anwesenheit notwendig und zwingend.

Aus diesem einen Zwecke,

suche ich in jeder Ecke. 

 

Mit euch ist es gemütlich und auch warm,

ohne euch schlägt jetzt alles in mir Alarm.

Sollt mich nicht nur zieren,

sollt verhindern mein Frieren.

 

Ohne Handschuh, Mütze und auch Schal,

ist des Winters Frost und Kälte ziemlich fatal.

Mit euch ist in allen Lagen,

des Winters Kälte zu ertragen.

 

So dient ihr mir in der kalten Winterszeit,

wenn der warme Sommer ist noch weit.

Werdet verstaut dann wieder,

bis uns frieren erneut alle Glieder.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Opa Heinrich

Eiskalt

Das sind wir

 

Liselotte, Heinrich und zwei Marzipanschweinchen

Er kennt sie nun schon sein ganzes Leben, denn sie war einst die beste Freundin seiner Mutter. Liselotte mag Heinrich schon immer, aber als er vor mehr als vierzig Jahren seine Berufswahl traf, geriet sie regelrecht ins Schwärmen. Diese Begeisterung hält bis zum heutigen Tag an.

„Sie freute sich immer, wenn sie mich während meiner Arbeit traf, das hat sich bis heute nicht geändert. Sie ist sozusagen mein größter Fan“, überlegt Heinrich und schmunzelt in sich hinein. 
„Wenn ich in meiner Arbeitsmontur durch das Dorf marschierte und von Haus zu Haus ging, öffneten sie mir alle gerne die Türen. Aber sah Liselotte mich zum Beispiel auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig, so wechselte sie sofort die Straßenseite und ließ es sich nicht nehmen, mich wenigstens am Arm zu berühren.“
Als Heinrichs Mutter vor zwanzig Jahren starb, wurde Liselotte für ihn so etwas wie eine Ersatzmutter. Inzwischen ist er selbst schon im Rentenalter, aber ihre Bewunderung für ihn und seinen Berufsstand ist geblieben.
„Und heute ist nun ihr hundertster Geburtstag“, denkt Heinrich, als er seinen Arbeitsanzug aus dem Schrank holt. „Da muss ich unbedingt zu ihr. Sie wird sich sicherlich freuen, wenn ich in voller Montur vor ihr stehe.“
Mittlerweile lebt sie schon viele Jahre in einem Altenheim, erfreut sich aber noch recht guter Gesundheit und auch geistig ist sie noch auf der Höhe, nur ihre Beine wollen nicht mehr so, wie sie es gerne hätte. 
Heinrich schlüpft in seine „Uniform“, wie er selbst seine Arbeitskleidung nennt. Selbstverständlich gehört auch das Arbeitswerkzeug dazu. 
Im Altenheim, in dem Liselotte lebt, ist er allseits bekannt und jederzeit herzlich willkommen. Besonders die Frauen freuen sich ihn zu sehen. Heinrich muss schmunzeln, wenn er daran denkt.
„Ich weiß selbst, dass ich nicht der Frauenschwarm bin oder war. Der Grund, warum ich es Liselotte und ihren Gefährtinnen angetan habe, liegt wohl eher an meiner „Uniform“ und das was man dieser nachsagt.“
Bevor Heinrich das Haus verlässt nimmt er zwei Marzipanschweinchen aus der Schublade des Wohnzimmerschrankes. Außerdem holt er noch von der Hutablage der Flurgarderobe die passende Kopfbedeckung.
„Das ist heute ein unbedingtes Muss!“, sagt er zu seinem Spiegelbild.
Als er beim Altenheim ankommt, verlässt gerade der Bürgermeister das Gebäude.
„Grüß Gott, Heinrich! Da wird sich die Jubilarin aber tüchtig freuen Dich zu sehen! Sie ist heute ein bisschen aufgeregt, aber das ist an einem solchen Tag ja verständlich.“
Als Heinrich das Zimmer von Liselotte betritt, breitet die hochbetagte Frau die Arme weit aus.
„Ist das schön!“, ruft sie aus. „Das Glück kommt soeben zur Tür herein. Komm her, damit ich es auch zu fassen bekomme! Sogar mit Zylinder besuchst du mich heute, mein lieber Herr Schornsteinfeger! Da kann ja nichts mehr schiefgehen!“
„Liselotte glaubt fest daran, dass der Schornsteinfeger Glück bringt, man muss ihn nur berühren“, erklärte Heinrich der Reporterin, die über die Hundertjährige einen Artikel in der Tageszeitung schreiben will.
„Ja, das glaube ich schon mein Leben lang und das stimmt auch“, bestätigt die alte Dame. „Wäre ich sonst so alt geworden?! Also los, – einfach zugreifen!“, feuert sie die Umstehenden an.
„Schau mal, was ich Dir noch mitgebracht habe“, meint Heinrich und legt ihr zwei Marzipanschweinchen auf den Tisch.
„Stell eins davon gleich in das Regal und das andere werde ich dann verspeisen, wenn sich hier die ganze Aufregung gelegt hat“, sagt sie zu Heinrich.
Die Reporterin folgt Heinrich mit ihren Blicken, der das Glücksschwein ins Regal zu mindestens zwanzig anderen Marzipanschweinchen stellt. Als Liselotte ihren fragenden Blick sieht, erklärt sie schelmisch grinsend:
„Ein bisschen Aberglaube muss einfach sein. Die Marzipanschweinchen und Heinrich, der  als Schornsteinfeger das Glückbringen zu seinem Beruf gemacht hat, sind sozusagen mein Geheimrezept. Das können Sie ruhig schreiben. Beide bringen mir Glück und das gehört auf alle Fälle dazu, dass man hundert Jahre alt wird. Vielleicht schaffe ich so auch noch die einhundertzehn! Dann komme ich ins Buch der Rekorde, das wäre doch was, oder?!“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Purzel

Glück gehabt

Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

 

Annas Wunsch

Bea ist alleinerziehend und macht am Sonntagnachmittag mit ihrer kleinen Tochter Anna einen Spaziergang durch den Stadtpark. Viele Kinder sind mit ihren Familien unterwegs. Die junge Frau weiß, dass ihre Tochter ebenfalls gerne mit Opa Kurt und Oma Martha zusammen wäre, zumal dies ihre einzigen lebenden Großeltern sind. Leider ist das nicht so einfach, denn die Beiden wohnen mehrere hundert Kilometer entfernt und ein Treffen muss daher immer genau und von langer Hand geplant sein.

Im Vierwochenrhythmus klappt das zwar ganz gut, ist aber immer mit erheblichem Aufwand verbunden. Mal kommen die Großeltern zu Bea und Anna und mal fahren diese mit dem Zug zu Opa und Oma.
Anna hat große Sehnsucht nach ihnen. Die Vierjährige fragt oft, wann sie sich wiedersehen und ist jedesmal traurig, wenn es Abschiednehmen heißt. So wie heute. Gerade sind Kurt und Martha wieder gefahren. 
„Dieser Spaziergang sollte eigentlich zur Ablenkung dienen, aber der Anblick von anderen Familien macht uns Beide irgendwie traurig,“, denkt Bea. „Ja, ein bisschen Neid ist schon dabei“, gesteht sie sich ein, „aber an manchen Situationen lässt sich wohl nichts ändern.“
„Opa Kurt muss mir doch von dem Vögelchen erzählen“, sagt die Kleine traurig, „ob es fliegen lernt!“
„Das kann Opa dir morgen am Telefon berichten!“, versucht Bea ihre Tochter zu trösten.
„Ich will, dass Opa und Oma bei mir sind! Das ist schön!“
„Das verstehe ich, aber sie wohnen so weit weg und können nicht jeden Tag bei uns vorbeischauen“, versucht die Mutter zu erklären.
Zum Glück wird Anna gerade durch einen kleinen Hund abgelenkt, der um ihre Beine herum springt.
„Hallo Mäxchen!“, freut sich das Mädchen. „Wo ist dein Frauchen?“
„Hier bin ich!“, ruft Frau Meyer, die ihrem Hündchen hinterher hechtet. „Dieser kleine Schlingel ist mir abgehauen. Wahrscheinlich hat er dich gesehen!“
Anna freut sich und streichelt den Hund. Bea begrüßt Frau Meyer, die sie schon öfter zufällig getroffen haben und die immer gerne für ein Schwätzchen bereit ist. Die Seniorin lebt seit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren alleine in einem kleinen Häuschen unweit von Bea und Anna.
„Bist du auch eine Oma?“, fragt Anna ganz unvermittelt.
„Oh, leider nein“, antwortet Frau Meyer.
„Warum?“
„Ach, weißt du, meine Tochter kann leider keine Kinder bekommen“, gibt die ältere Frau dem Mädchen zur Antwort.
„Ich brauch noch eine Oma und ich bin ein Kind!“, gibt Anna schlagfertig zurück.
Als Frau Meyer einen fragenden Blick zu Bea wirft, fühlt diese sich in Erklärungsnot. Die beiden Frauen unterhalten sich noch eine ganze Weile, während Anna sich mit Mäxchen beschäftigt.
„Jetzt müssen wir aber nach Hause, es ist schon bald Abendbrotzeit“, fordert Bea ihre Tochter auf. „Wir wollen Frau Meyer nicht länger aufhalten.“
„Ach, Sie halten mich nicht auf. Auf mich wartet niemand. Außerdem freue ich mich jedesmal, wenn ich Sie und Anna treffe. Wenn Sie nichts dagegen haben, dann können wir gemeinsam den Rückweg antreten. Immerhin wohnen wir ja nur eine Straßenecke entfernt von einander“, schlägt die Ältere von Beiden vor.
So hüpft Anna fröhlich zwischen ihrer Mutter und Frau Meyer, die Mäxchen an der Leine hält, nach Hause. Zum Abschied gibt sie artig die Hand, so wie es ihr die Mutter gelernt hat. 
„Tschüss Oma Meyer!“, ruft sie und winkt ihr nach, bis diese die Haustür hinter sich geschlossen hat.
An diesem Abend sitzt Frau Meyer noch lange in ihrem Lehnstuhl im Wohnzimmer und muss an das Gespräch im Stadtpark denken. Sie lächelt in sich hinein. Schon lange hat sie sich nicht mehr so glücklich gefühlt.
„Ich glaube, das habe ich der kleinen Anna zu verdanken. Sie ist so herzerfrischend“, sagt sie sich selbst. Als sie dann im Bett liegt, steht ihr Entschluss fest, den sie auch am nächsten Tag in die Tat umsetzt.
Am frühen Nachmittag greift sie zum Telefon und wählt die Nummer, die Annas Mutter ihr gegeben hat.
„Hallo, hier ist Ilse Meyer. Ich hoffe, ich störe nicht.“
„Nein, nein, gewiss nicht!“
„Es ist mir fast ein bisschen peinlich“, beginnt die ältere Dame und merkt, dass ihr Herz schneller und aufgeregt zu klopfen beginnt. Sie räuspert sich, bevor sie fortfährt.
„Ich wäre gerne Annas Oma, – ich meine natürlich Ersatzoma – und auch nur, wenn Sie damit einverstanden sind. Ich könnte mich um Anna kümmern, wenn Sie wichtige Termine haben oder auch nur mal ein wenig entspannen wollen. Ich mach das gerne…“
„Oh, daran habe ich auch schon gedacht. Ihnen würde ich meine Tochter  gerne anvertrauen, denn Anna und ich mögen Sie wirklich sehr“, gesteht Bea und gibt gleich zu bedenken: „Ich weiß aber nicht, ob ich mir das leisten kann.“
„Nein, nein“, protestiert Frau Meyer sofort. „Omas nehmen doch kein Geld! Außerdem würden Sie mich damit sehr glücklich machen!“

 

Das Glitzersternchen

Es war einmal ein kleines Glitzersternchen. Es lag mit vielen anderen Sternchen in einer Schachtel und diese stand in einem Schrank. Ganz hinten in der Ecke. Vor vielen Jahren hatte sie einst eine ältere Dame gekauft, dort abgestellt und vergessen. Niemand schenkte ihnen Beachtung. Manchmal wurden sie mitsamt der Schachtel ein bisschen nach links oder nach rechts verschoben. Kein Mensch hatte Interesse an ihnen, aber auch niemand entsorgte sie.

So verbrachten sie ihr ganzes Leben in Dunkelheit. Zwar waren sie alle beisammen, aber sie fühlten sich nutzlos. Sie waren dafür bestimmt gewesen Menschen durch ihre Anwesenheit Freude zu schenken. Sie wollten auf einem schön gedeckten Tisch erstrahlen, funkelnd auf Geschenken oder Karten kleben. Immer wenn sich die Schranktür öffnete, hatten sie die Hoffnung nun endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt zu werden. Doch leider hatten sie die ältere Dame, die die Besitzerin des Schrankes zu sein schien, schon lange nicht mehr gesehen. Auch die Schranktür wurde seit geraumer Zeit nicht mehr geöffnet. 

Eines Tages jedoch leerten fremde Menschen den gesamten Schrankinhalt aus, doch die Packung mit den Sternchen hatten sie vergessen herauszunehmen.

Irgendwann begann der Schrank sich wie von Geisterhand zu bewegen und sie rutschten mitsamt der Packung im Inneren des Schrankes hin und her. Sie stießen aneinander und taten sich gegenseitig weh. Tumult brach unter ihnen aus, jeder beschimpfte den anderen, diese Schubserei mit Absicht zu machen. So zerstritten sich die Sternchen und waren alle sehr traurig. Und vor lauter Traurigkeit versanken sie in einen langen, tiefen, aber traumlosen Schlaf.

Eines Tages jedoch wurden sie durch eine Kinderstimme geweckt. Es war keine laute und schrille Stimme. Nein, sie klang fröhlich und freundlich. Sie gehörte einem etwa fünfjährigem Mädchen namens Lena. Nur so rief sie niemand. Jeder sagte einfach Lenchen zu ihr:

„Das ist aber ein hübscher Schrank, Mama.“

„Ja, ich bin froh, dass der freundliche Herr aus dem Haus gegenüber ihn uns geschenkt hat. Er wollte ihn schon morgen zum Sperrmüll stellen. Der Schrank hat seiner Mutter gehört, aber die ist nun leider gestorben. Weißt du, sie war schon sehr alt und krank.“

Lenchen nickte traurig, aber nach einer kleinen Weile sagte sie:

„Das war doch richtig nett von dem Mann, dass er uns den Schrank gegeben hat. Ja und geholfen hat er auch noch ihn in unsere Wohnung zu tragen. “

Lenchen war total begeistert und hüpfte aufgeregt um ihre Mutter herum.

„Lass uns den Schrank einräumen. Hilfst du mir dabei?“, fragte die Mutter.

Ja und so kam es, dass Lenchen plötzlich die Schachtel mit den Glitzersternchen entdeckte.

„Schau nur Mama, was ich gefunden habe. Darf ich die behalten?“

Und damit waren die Sternchen wieder aus ihrem tiefen Schlaf erwacht. Sie wurden aus der Schachtel geschüttet. Sie purzelten durcheinander und freuten sich endlich auf dem Holztisch zu liegen und ihn durch ihr Funkeln zu schmücken. Sie wussten, dass sie schon bald ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden würden und das machte sie froh. Doch ein einziges Sternchen wollte nicht aus der Schachtel heraus. Es hielt sich am Rand des Bodens fest. Erst als Lenchen es bemerkte, ließ es sich bereitwillig herausnehmen.

„Du bist aber ein besonders hübsches Sternchen“, meinte Lenchen und drehte den kleinen Stern behutsam zwischen ihren zarten Fingerchen. „Du glitzerst viel schöner als die anderen.“

Das Sternchen freute sich und gab sich alle Mühe besonders intensiv zu strahlen und zu funkeln. Lenchen legte es auf das Fensterbrett in ihrem Zimmer und immer wenn das Mondlicht oder ein Sonnenstrahl auf es fielen, dann glitzerte es so prächtig, wie es das Mädchen niemals zuvor gesehen hatte.

Lenchen beschloss dem Sternchen einen Ehrenplatz zu geben. Sie malte ein Bild, auf dem ein Mädchen, ein Mann, eine Frau und ein Hund zu sehen waren. Sie alle waren in einem Garten mit vielen bunten Blumen und Bäumen. Für Lena war dies der Inbegriff einer glücklichen Familie. Dem Hund schenkte sie den Glitzerstern für sein Halsband.

Das Bild hängte sie über ihr Bett an die Wand. Jeden Abend vor dem Schlafengehen betrachtete sie es stumm und schickte dem Herrgott die Bitte der Mutter einen guten Mann zu schenken. Denn dann wären sie wieder eine richtige Familie. So wie früher als Lenas Vater noch lebte.

Die Tage vergingen und das Jahr begann sich dem Ende zuzuneigen. Der Herrgott schien ihre Bitte nicht erhören zu wollen, denn immer noch gab es nur Mutter und Lenchen, die bescheiden in der kleinen Dachgeschosswohnung lebten. Die Mutter hatte es nicht leicht, sie musste alleine das Geld verdienen, das die Beiden zum Leben brauchten.

Am Silvesterabend brachte die Mutter eine Packung Wunderkerzen mit nach Hause. Feuerwerk, so wie es in vielen Familien üblich war, konnte und wollte sie sich nicht leisten. Die Raketen waren zu teuer und das Geld zu schade, um es einfach in den Himmel zu schießen. Doch Lenchen war ein genügsames und dankbares Kind. Sie freute sich als die Mutter sie kurz vor Mitternacht weckte, ihr die Wunderkerzen gab und mit ihr hinunter auf die Straße ging, wo sich die Menschen versammelten, um das neue Jahr mit einem großen Feuerwerk zu begrüßen.

„Schau nur Mama!“, rief sie begeistert aus. „Es schneit und gleich wird das Feuerwerk beginnen!“

Die Turmuhr schlug zur Mitternachtsstunde und noch bevor der letzte Glockenschlag verklungen war, stiegen die ersten Raketen in den Nachthimmel auf und erhellten ihn in den buntesten und prächtigsten Farben.

„Oh, ist das schön! Und dort drüber das ist noch viel schöner! Nein, das hier ist noch tausendmal schöner!“

Lenchen kam gar nicht aus dem Staunen heraus.

„Prosit Neujahr!“, rief sie mit den Menschen um die Wette, hüpfte und tanzte vor Freude im Schnee, der mittlerweile die gesamte Straße bedeckte.

„Hoppla, junge Dame! Nicht so wild, sonst fällst du noch hin!“, hörte sie plötzlich eine sympathische Männerstimme, die sie aufblicken ließ.

„Mama, das ist doch der nette Herr, der uns den wunderschönen Schrank geschenkt hat!“, rief Lenchen aus und sah, wie die Mutter und der Mann sich die Hände reichten und sich gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschten. Das Mädchen bemerkte, wie dabei ein Strahlen über das Gesicht der Mutter huschte und sie fast ein wenig verlegen aussah. Und noch etwas bemerkte Lenchen: Der nette Herr hielt einen niedlichen Hund an der Leine, an dessen Halsband ein kleiner glitzernder Stern baumelte.

Da wusste Lenchen ganz sicher, dass das neue Jahr ein gutes Jahr werden würde.

 

Happy New Year!!!

Ich wünsche Euch allen ein gesundes neues Jahr!!!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Ohje, das fängt ja gut an!

Die Entführung

Aus dem Leben meiner Küchenuhr

 

Seine letzte Tour

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an Weihnachtsmann Willi. Letztes Jahr hat der alte Weihnachtsmann doch tatsächlich verschlafen und es herrschte große Aufregung unter den Menschen auf der Erde, aber auch im Himmel bei den Engeln. Doch Willi konnte geweckt werden und alles ging gut aus. Er hat sogar einen Weihnachtsmannlehrling ernannt, der ihm ein wenig geholfen hat. Dieses Jahr soll dieser noch einmal mit Willi die Aufgaben eines Weihnachtsmannes erledigen und ab nächstem Jahr ist dieser Lehrling dann selbst der Weihnachtsmann.

Man sollte denken, dass jetzt alles in Ordnung sei und alles seinen geregelten Gang geht. Weit gefehlt, denn schon wieder ist im Himmel die größte Aufregung und alle Engel sind ratlos, was zu tun ist.
„Habt Ihr schon gehört?: Der Weihnachtsmannlehrling Rudi ist krank. Ihm geht es total schlecht“, sagt ein kleines Engelchen zu der restlichen Engelschar in der Himmelswerkstatt.
„Was hat er denn?“
„Wie können wir ihm helfen?“
„Ohje, er soll doch dem Weihnachtsmann helfen und ihn dann für die nächsten hundert Jahre ablösen.“
„Der Weihnachtsmann Willi schafft das nicht alleine und Weihnachten darf nicht ausfallen. Stellt Euch all die vielen traurigen Kinder vor, die schon sehnsüchtig auf den Weihnachtsmann warten!“
Alle reden plötzlich durcheinander und keiner weiß einen Rat, wie dieses schwerwiegende Problem zu lösen ist. Da meldet sich der kleine Engel wieder zu Wort:
„Rudis Bart ist schon ganz lang gewachsen, seine Engelsflügel sind verschwunden und er sieht auch sonst schon aus, wie ein richtiger Weihnachtsmann, aber er hat ganz starke Bauchweh. Er meint allerdings, dass er in drei Tagen bestimmt wieder fit ist und seine Arbeit machen kann.“
„Solange kann der Weihnachtsmann Willi aber nicht warten. Er schafft es sonst nicht die Geschenke zu allen Kindern zu bringen. Jetzt ist wirklich guter Rat teuer“, meint die Chefin der Himmelswerkstatt verzweifelt.
„Ich hätte da so eine Idee…“, mischt sich das kleine Engelchen wieder ein.
Alle Blicke richten sich auf diesen Engel.
„Ich könnte doch die drei Tage dem Weihnachtsmann helfen!“
„Du?“
„Du hast doch gar keine Ahnung und bist noch nicht einmal in die Lehre gegangen.“
„Du bist doch nur für das Binden der Geschenkbänder zuständig. Und jetzt willst Du dem Weihnachtsmann Willi helfen?“
„Nein, nein! Das ist keine gute Idee!“
„Wer traut sich denn diese schwierige Aufgabe zu?“, fragt die Chefin in die Runde.
Alle Engel senken ihre Blicke und schütteln den Kopf. Niemand traut es sich zu.
„Tja, dann muss wohl Weihnachten dieses Jahr doch ausfallen.“
Alle sehen ganz traurig aus, doch der kleine Engel meldet sich noch einmal zu Wort:
„Mir macht es wirklich nichts aus. Ich traue mich auch. Bitte, bitte, lasst mich doch dem Weihnachtsmann Willi helfen. Ich habe immer alles von hier oben beobachtet und weiß genau, was ich tun muss. Es ist doch nur für drei Tage und dann ist Rudi, der Weihnachtsmannlehrling bestimmt wieder fit. Bitte!“
„Na gut. Was bleibt uns denn sonst anderes übrig. Du bist zwar noch zu klein, aber besser ein kleiner Helfer, als gar kein Helfer“, sagt die Chefin der Himmelswerkstatt. „Wo bekomme ich nur so einen winzigen Weihnachtsmannanzug her, damit der kleine Kerl auf der Erde nicht friert?“, überlegt die Chefin weiter. „Ach ja, da gab es doch mal ein Püppchen, das einen solchen Anzug trug.“
Sie lässt diesen Anzug bringen, schneidet eigenhändig zwei Schlitze für die Engelsflügel hinein und reicht ihn dem winzigen Engel.
„Dann beeile Dich und wecke den Weihnachtsmann, sonst verschläft er auch dieses Jahr wieder. Er ist einfach schon zu alt und zu müde für diesen Job!“
Und so macht sich der Kleinste aller Engel auf den Weg zum Weihnachtsmann, der im Winterwald ganz versteckt hinter der dicken alten Eiche liegt. Sein Schnarchen ist so laut, dass sich die Äste des Eichenbaumes biegen. Zum Glück dämpft der Schnee die Schnarchgeräusche und verhindert damit, dass sie an das menschliche Ohr dringen.
„Hallo Weihnachtsmann Willi! Aufwachen! Es wird Zeit die Geschenke an die Kinder zu verteilen!“
„Was? Wie? Wo?“, fragt der Weihnachtsmann verwirrt und blickt den kleinen Engel an.
„Wer bist du denn?“, erkundigt er sich schlaftrunken und reibt sich die Augen.
„Dein Gehilfe!“
„Erzähl keinen Blödsinn oder bist du etwa der Weihnachtsmannlehrling Rudi? Dann sahst du aber letztes Jahr noch ganz anders aus. Vor allen Dingen warst du kein solcher Winzling. Und überhaupt, wo ist dein Bart und wieso hast du noch die Engelsflügel. Da kann doch etwas nicht stimmen.“
„Rudi ist krank. Deshalb soll ich ihn drei Tage oder so vertreten. Ich bin Klein-Herbert. Also, was soll ich zuerst machen?“
Willi, der Weihnachtsmann kratzt sich am Kopf und runzelt die Stirn. Er überlegt, was er mit diesem Winzling wohl anfangen kann, aber dann brummt er in seinen langen weißen Bart:
„Pack alle Geschenke auf den Schlitten, die die Engel bereits aus der Himmelswerkstatt herunter gebracht und dort hinten aufgestapelt haben! Ich spann schon mal die Renntiere vor den Schlitten!“
Klein-Herbert läuft so schnell los, um die Pakete zu holen, dass er gleich nach den ersten Schritten über seine eigenen Füße fällt, weil sein Weihnachtsmannanzug doch noch ein wenig zu groß ist. Bäuchlings landet er mit dem Gesicht im Schnee.
„Brrr!“, kichert er und wischt sich den Schnee aus dem Gesicht.
Weihnachtsmann Willi schüttelt den Kopf und denkt sich: „Das kann ja noch lustig werden mit diesem kleinen Kerl! Eine große Hilfe wird er wohl nicht sein!“
Nachdem sich Klein-Herbert aufgerappelt hat, schnappt er sich fröhlich das kleinste Päckchen. Es ist federleicht, deshalb wirft er es sogleich pfeifend in die Luft, um es wieder aufzufangen und wieder hochzuwerfen.
„Halt!“, ruft Weihnachtsmann Willi aus. „Was machst du denn da? Siehst du nicht den roten Punkt?“
„Wo? Ach ja, da!“, das Engelchen dreht das Paket hin und her und meint nur: „Ist wohl besonders eilig, oder?“
„Nein! Das bedeutet, dass man das Päckchen nicht werfen darf, weil etwas Zerbrechliches darin ist. Also pass gefälligst auf!“
Und wieder kann der Weihnachtsmann nur den Kopf schütteln über Klein-Herbert. Dieser versucht jetzt alles genau richtig zu machen und hält zuerst nach dem roten Punkt Ausschau, bevor er das nächste Päckchen in die Luft wirft.
„Hörst du jetzt bitte mit dem Unfug auf und konzentrierst dich auf deine Arbeit!“, ermahnt ihn Willi abermals.
„Entschuldigung, Entschuldigung! Soll nicht mehr vorkommen!“, beteuert das kleine tollpatschige Engelchen und versucht stöhnend, aber vergeblich ein riesiges Paket auf den Schlitten zu hieven. Das Gewicht drückt ihn dabei so tief in den Schnee, dass er bis zu den Schultern darin versinkt. Willi bleibt nichts anderes übrig, als ihm das Packet abzunehmen und den mit den Armen zappelnden Herbert aus dem Schnee zu ziehen.
„Pass mal auf, dort drüben sind kleine Säckchen mit Nüssen und Schokoladenweihnachtsmännern drin. Die sind nicht schwer, die schaffst du mit links“, schlägt Willi vor und in Gedanken schiebt er noch hinterher: „Wozu sonst könnte ich diesen kleinen Tollpatsch gebrauchen. Meine letzte Tour habe ich mir auch anders vorgestellt, – nicht so arbeitsintensiv für mich. Ich wollte sie richtig genießen und alles andere dem Weihnachtsmannlehrling überlassen.“
Klein Herbert läuft geschwind zu den Säckchen und nimmt sogleich zwei in jede Hand. Immer wieder rennt er hin und her und verrichtet seine Arbeit. Zufrieden lächelt Weihnachtsmann Willi in sich hinein, denn er glaubt nun die richtige Aufgabe für Klein-Herbert gefunden zu haben. Er selbst muss eben die schweren Pakete schleppen. Nachdem ihm von der harten Arbeit die Schweißtropfen auf der Stirn stehen und es verdächtig ruhig um ihn herum geworden ist, blickt er sich nach Klein-Herbert um. Diesen findet er schließlich in einer Ecke sitzend vor. Der Mund ist schokoladenverschmiert, seine Hand liegt auf seinem Bauch und seine Augen sind geschlossen.
„Ja, was ist denn hier los?“, ruft Willi entrüstet aus. „Du sollst die Schokolade doch nicht essen!“
„Schlagartig reißt Klein-Herbert die Augen auf und beginnt sich stotternd zu entschuldigen:
„Ich,.., ich hab doch nur… die waren alle schon ein bisschen kaputt…“ Und als er das fragende Gesicht von Willi sieht, fügt er mit gesenktem Blick noch hinzu: „…nachdem mir ein paar Säckchen runtergefallen sind.“
Weihnachtsmann Willi kann nicht anders, aber er muss sich ein Schmunzeln verkneifen.
„Komm her und setz dich hinten auf den Schlitten, unsere Fahrt geht los!“
Als sie dann so mit dem Schlitten dahingleiten und die Glöckchen der Rentiere klingeln, jauchzt Klein-Herbert vor Freude und ruft Willi zu:
„Darf ich hierbleiben, auch wenn der Weihnachtsmannlehrling Rudi keine Bauchschmerzen mehr hat und zu dir kommt? Das macht nämlich soooo viel Spaß mit dem Schlitten zu fahren!“
Weihnachtsmann Willi hat den kleinen Tollpatsch inzwischen schon so sehr ins Herz geschlossen, dass er ihm diese Bitte nicht verwehren kann.
„Wer weiß, vielleicht wächst Klein-Herbert ja noch ein bisschen und wird in hundert Jahren als Rudis Nachfolger ein fleißiger Weihnachtsmann“, denkt er schmunzelnd und schnalzt, damit die Rentiere ein bisschen schneller laufen.

Mit dieser Geschichte gehe ich nun an den Start für die letzten Vorbereitungen zum Weihnachtsfest. 
Ich bedanke mich bei allen meinen Lesern und Bloggerfreunden für die Treue und das Lesen meiner Geschichten. Die Kommentare von Euch haben immer mein Herz erfreut. 
Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest. Mögen wir alle ein paar ruhige Stunden für ein gemütliches und friedliches Beisammensein im engsten Kreise finden. Die vergangenen Monate waren nicht einfach, aber sie haben uns gelehrt, dass Gesundheit, Familie und Freunde von größter Wichtigkeit sind. So wünsche ich Euch von Herzen: Bleibt alle gesund!!!!
Nach Weihnachten gibt es hier an dieser Stelle wieder neue Geschichten. Vielleicht habt Ihr aber Lust in der Zwischenzeit noch diese Geschichten zu lesen:

Weihnachtsmann Willi

Lieber Weihnachtsmann Willi!

Karl und Pingy

 

Weihnachtliche Streitereien

„Sind wir nicht hübsch anzusehen?!“, sagt die Erste.

„Jetzt reicht es mir aber!“, ruft die Größte unter ihnen aus. „Wie kann man sich nur so wichtig nehmen.“

„Du bist ganz schön ungerecht“, mischt sich nun die Zweite ein. „Wir bilden uns gar nichts ein und nehmen uns nicht wichtiger als du es tust.“

„Na aber sicher doch,“ verteidigt sich wiederum die Größte. „Immer müsst Ihr euch vordrängeln und wollt zuerst dran sein.“

„Was soll das denn? Ohne uns wärst du gar nicht hier!“, klingt die Dritte jetzt ein bisschen beleidigt.

„Das glaubt aber nur ihr! Ihr seid doch nur ganz kleine Lichtlein, die sich viel zuviel einbilden.“

„Und was bist du?“, fragt die Winzigste unter ihnen. 

„Ich bin nunmal die Größte von Euch, wie man ja wohl eindeutig sehen kann und damit auch die Schönste!“

„Du bist nur größer als wir, weil wir schon vor dir an der Reihe waren“, verteidigen sich alle anderen im Chor. „Die Sache mit der Größe ist nur eine Frage der Zeit.“

„Pah! Bildet euch nur nichts darauf ein. Die Letzten werden die Ersten sein. Das ist wohl allgemein bekannt.“

„Ach Quatsch! Überleg doch, was Du sagst“, ruft die Erste aus. „Du bist und bleibst die Letzte von uns.“

„Du kleiner Zwerg! Willst Du mit mir streiten? Du bist nur neidisch, weil du bald nicht mehr bewundert wirst. Mich aber werden alle in meiner vollen Schönheit noch lange bewundern können“, setzt sich die Letzte in Szene.

„Dafür brauchst Du aber uns“, empören sich Nummer eins, zwei und drei.

„Ja genau, ohne uns hast Du keine Bedeutung“, bekräftigt nun auch die Zweite.

„Das stimmt nicht!“

„Oh doch, nur wenn wir hier alle zusammenstehen, dann haben wir eine Bedeutung“, erschallt es lautstark von der Dritten.

„Mmmh!? Wie meint ihr das nun schon wieder?“

„Das ist doch klar. Denk doch einfach daran, dass wir gemeinsam auf jemand warten“, belehrt die Kleinste von allen.

„Wie jetzt, das müsst ihr schon genauer erklären.“

„Also pass auf: Wir sind doch zu viert hier“, übernimmt die Erste das Wort erneut.

„Lass mich nachzählen: Eins, zwei, drei, vier. Stimmt!“, bestätigt Nummer vier.

„Ja und vier Wochen hat die Adventszeit.“

„Stimmt. Aber was hat das mit uns zu tun?“, will die Größte nun wissen.

„Wir alle warten doch auf Weihnachten…“

„Mmmh!?“

„Am ersten Adventssonntag darf ich alleine leuchten. Eine ganze Woche lang!“, strahlt Nummer eins.

„Am zweiten Adventssonntag komme ich mit meiner Flamme dazu“, gibt sich Nummer zwei zu erkennen.

„Und am dritten darf auch ich leuchten“, stimmt Nummer drei mit ein.

„Ja und am 4. Adventssonntag leuchte ich mit Euch allen gemeinsam“, erkennt nun Nummer vier.

„Siehst du, jetzt hast du es verstanden: Die Zunahme unseres Lichtes zeigt die steigende Erwartung der Geburt Jesus Christus an“, erklärt die Erste und Kleinste unter ihnen. „Und deshalb gehören wir alle zusammen und jede von uns ist so wichtig wie die andere.“

„Jetzt kapiere ich es: An Weihnachten brennen wir alle Vier und zeigen an, dass Jesus Christus, den man auch das Licht der Welt nennt, geboren ist“, fällt es der vierten Kerze wieder ein.

„Ist das nicht schön!“, strahlen alle vier Kerzen am Adventskranz.

„Ja und Ihr habt Recht es ist kein Grund zum Streiten. Es ist ein Grund zur Freude und zum Strahlen. Lasst uns heller denn je erstrahlen und das Licht, die Freude und den Frieden in die Herzen der Menschen bringen.“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Gelungene Überraschung

Seine letzte Tour

Lieber Weihnachtsmann Willi!

 

 

Von wegen Weihnachtsstress

Es ist Weihnachten. Genauer gesagt, es ist Heiligabend und Gabriela hat eine Menge Arbeit vor sich. Sie will schnell noch ihre neue Wohnung weihnachtlich schmücken. Der Christbaum steht schon in seinem Glanz in einer Ecke des Wohnzimmers. Auch das Essen will noch vorbereitet werden. Traditionell gibt es heute schon den Gänsebraten. Es ist also Einiges zu tun und die junge Frau hat einen festen Zeitplan erstellt, damit sie auch pünktlich mit dem Eintreffen der Gäste fertig ist.

Erst Anfang des Monats ist sie eingezogen und heute wollen ihre Eltern und ihre beste Freundin Anna kommen, um mit ihr gemeinsam das Fest der Liebe zu feiern. Gabriela freut sich riesig, wirbelt fleißig und singend durch die Wohnung. 
„Alles muss perfekt sein“, denkt sie. „Papa, Mama und Anna werden staunen!“
Inzwischen ist die gesamte Wohnung blitzeblank und Gabriela vergisst nicht immer wieder einen Blick auf die Uhr und einen zweiten auf ihren Zeitplan zu werfen. 
„Es läuft wie am Schnürchen. Jetzt kann ich mich der Gans widmen und sie in den Backofen schieben.“
Gedacht, getan. Das Rotkraut hat sie schon am Abend zuvor zubereitet und die Klöße braucht sie nur noch ins kochende Wasser zu werfen, wenn es an der Haustür klingelt. Selbst der Nachtisch steht verzehrfertig im Kühlschrank. 
„Also, was soll jetzt noch schiefgehen?!“, sagt sich Gabriela und ist stolz auf sich selbst, denn Weihnachtshektik ist heute kein Thema. 
„Mama ist immer nur gestresst an Heiligabend, weil sie befürchtet nicht alles perfekt und rechtzeitig fertig zu haben. Aber es geht auch ohne Stress, das wäre doch gelacht“, freut sich Gabriela über ihr eigenes Organisationstalent.
Während die Gans im Ofen vor sich hin bräunt, macht sie sich chic für diesen ganz besonderen Abend, der sozusagen ihr Debüt ist.
„Jetzt habe ich Zeit für die Tischdekoration, dann gönne ich mir ein Gläschen Rotwein und danach können sie alle kommen.“
Nachdem sie zum wiederholten Male nach der Gans geschaut und auch das Wohnzimmerfenster zum kurzen Durchlüften geöffnet hat, will sie sich mit dem Glas Rotwein auf dem Sessel niederlassen. Da sie ihren Blick dabei allerdings begutachtend im Wohnzimmer umherschweifen lässt, entgeht ihr die Katze, die bereits genau dort auf dem Sessel döst und sich nun in ihrer Ruhe gestört fühlt. Laut miauend springt diese auf, so dass Gabriela tüchtig erschrickt. Sie kann gerade noch ihr Glas ausbalancieren, so dass nichts passiert.
„Minka!“, ruft sie empört. „Wie kannst du mich so erschrecken!“
Doch das Kätzchen ist ebenfalls verärgert und auf der Suche nach einem neuen Schlafplätzchen springt sie auf einen der Stühle, die um den gedeckten Wohnzimmertisch stehen.
„Minka, schnell weg da! Gschhhh!“, ruft Gabriela aus und fuchtelt mit der  Hand in der Gegend herum. In der Hektik stößt sie dabei ein Sektglas an, das mit vier weiteren Gläsern auf einem Tablett am Tischrand steht. Dann geht alles ganz schnell. Das Glas gerät ins Wanken, kippt und stößt an das nächste, das wiederum beim Umfallen die beiden restlichen Gläser ebenfalls umwirft. Gabriela ist machtlos. Sie kann nur hilflos dabei zusehen, wie die Gläser am Fußboden in tausend kleine Scherben zerspringen.
Die junge Frau schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und Minka hat sich vor Schreck hinter dem Sofa verkrochen.
„Ich fasse es nicht!“ Gabriela wird nun doch nervös. 
„Bis vor ein paar Minuten ist alles noch wie am Schnürchen gelaufen und jetzt das!“, ruft sie entsetzt aus. „In einer dreiviertel Stunde wollen sie alle da sein!“
Schnell kehrt Gabriela den Scherbenhaufen zusammen und zur Sicherheit saugt sie auch die kleinsten Splitter noch mit dem Staubsauger auf, den sie dann achtlos fallen lässt und mit der Schaufel zur Wohnungstür eilt. Sie lässt diese offen und flitzt nach unten zur Haustür. Im selben Moment, als sie diese öffnet, hört sie einen lauten Knall aus einem der Stockwerke. Wie versteinert steht sie da.
„Was war das denn?“, fragt sie sich erschrocken. „Das wird doch nicht….!?“
Unverrichteter Dinge rennt sie wieder nach oben und steht Sekunden später vor ihrer eigenen geschlossenen Wohnungstür. Der Windstoß beim Öffnen der Haustür hat sie zugeschlagen.
Hilflos steht sie mit umgebundener Schürze und der mit Glassplittern beladenen Schaufel da. 
„Die Gans! Meine Gäste!“, durchfährt es die junge Frau.
Sie eilt eine Etage tiefer und klingelt beim Hausmeisterehepaar Kunze. Obwohl aus der Wohnung Weihnachtslieder trällern, öffnet niemand.
„Typisch, wenn man mal schnell Hilfe braucht.  Was mach ich nur? Den Schlüsseldienst kann ich auch nicht anrufen, weil mein Handy in der Wohnung liegt.“ 
Gabriela ist der Verzweiflung und den Tränen nahe. Außer den Kunzes ist heute niemand im Haus. Die Müllers sind zu ihren Kindern gereist und die Wohnung über Gabriela steht noch leer. Gerade will sie mit den Fäusten gegen die Wohnungstür des Hausmeisters trommeln, als sie bekannte Stimmen im Treppenaufgang hört.
„Auch das noch!“, denkt sie.
„Hallo Gabriela! Wir dachten wir kommen lieber ein paar Minuten früher als zu spät!“, ruft ihr Vater freudestrahlend aus. 
Doch die Mutter erkennt sofort, dass etwas nicht stimmt. „Was ist passiert? Du siehst so aufgewühlt aus! Ist das der Weihnachtsstress?“
Gabriela lässt sich kraftlos auf die unterste Treppenstufe sinken. Sie ist am Ende ihrer Kräfte und inzwischen kullern die Tränen. Anna setzt sich daneben und nimmt mitfühlend ihre beste Freundin in den Arm.
„Die Haustür…. meine Wohnungstür… einfach zugefallen…, die Gans im Ofen!“, stammelt diese.
„Na, dann ist es ja gut, dass wir frühzeitig da sind!“, meint die Mutter. 
„Ich habe immer meinen Schlüsselbund dabei“, sie streicht ihrer Tochter beruhigend über die Wange. 
Alle schauen die Mutter nun kopfschüttelnd an.  
„Schön für dich“, meint Gabriela frustriert.
Die Mutter holt ihren Schlüsselbund aus der Handtasche und klimpert damit lautstark. Als dann auch der Vater sich mit dem blöden Spruch „Keine Panik auf der Titanic!“ einmischt, ist Gabrielas Verzweiflung noch mehr anfeuert und immer dickere Tränen rollen. Sie fragt sich allen Ernstes, ob ihre Eltern die Lage verkennen oder schon langsam senil werden.
Die Mutter klimpert jedoch unbeirrt lautstark mit ihrem Schlüsselbund weiter.
„Du wirst es nicht glauben, aber daran ist auch dein Ersatzschlüssel befestigt!“, trällert sie lustig vor sich hin. 
Gabriela kann es kaum fassen. Ihre Eltern sind die Besten. Und kein bisschen senil.
„Das Fest ist gerettet, trotz Weihnachtsstress!!!“, ruft sie aus. Sie stürmt voller Elan die Treppe zu ihrer Wohnung hoch, gefolgt von ihren Gästen, die sich auf einen schönen gemeinsamen Abend freuen.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Zotti im Weihnachtsland

Der Weihnachtsbaum

Eiskalt

 

Die Weihnachtsmannmütze

Julians Eltern sind heute Abend eingeladen und deshalb sind die Großeltern Oma Marlene und Opa Waldemar bei ihm. Normalerweise erzählt ihm in diesen Fällen Oma immer eine Gute-Nacht-Geschichte. Aber jetzt in der Vorweihnachtszeit ist sie gerade beim Plätzchenbacken, weil Mama bisher noch keine Zeit dazu gefunden hat. Das ist auch der Grund, warum Opa Waldemar Julian heute ins Bett bringt.

„Kannst du mir bitte eine Weihnachtsgeschichte erzählen?!“, bittet der kleine Junge seinen Großvater.
„Ohje, da muss ich erst einmal in den Schubladen meines Dachstübchens nachsehen, ob ich etwas Passendes finde“, gibt dieser seinem Enkel zur Antwort.
„Wo?“, erkundigt sich Julian verwundert. „In welchem Dachstübchen? Wir haben doch gar keins.“
„Ach, das ist nur so ein Spruch. Ich meine auch nur, dass ich erst ein bisschen überlegen muss. Hier oben…“, er tippt sich gegen die Stirn.
Für ein paar Sekunden schließt er die Augen und Julian beobachtet seinen Opa ganz gespannt und erwartungsvoll. Schlagartig öffnet dieser die Augen und der Zeigefinger seiner rechten Hand schnellt in die Höhe.
„Hab ich dir eigentlich schon von Jan und Ben erzählt?!“
„Nein, wer sind die Beiden?“
„Das sind zwei Engelchen, die in der Himmelswerkstatt mithelfen, damit alle Geschenke für die Erdenkinder rechtzeitig fertig sind“, beginnt der Großvater und Julian lauscht.
„Wie jedes Jahr um diese Zeit ist dort viel los. Es wird gebastelt, gebacken, gesungen, gedichtet und verpackt. Ben und Jan haben erst im letzten Moment die Erlaubnis bekommen bei den Weihnachtsvorbereitungen zu helfen.“
„Warum?“, kommt die Zwischenfrage von Julian.
„Die Beiden sind richtig kleine Bengelchen, denn im letzten Jahr haben sie viel Unfug im Kopf gehabt und für Durcheinander gesorgt. Allerdings haben sie versprochen diese Weihnachten artig zu sein. So sind sie heute auch fleißig und stellen die Schleifen für die Geschenke her. Anfangs hat es ihnen ja auch Spaß gemacht, aber einen ganzen Tag lang artig zu sein, kann ganz schön anstrengend sein.“
„Das kenne ich! Dann ist man abends tüchtig müde“, gesteht der Enkel seinem Großvater.
„Oder man hat dann erst recht Unfug im Kopf, so wie Ben und Jan. Als sie nämlich in dem großen Schlafsaal mit den anderen Engelchen liegen, können sie einfach nicht einschlafen und flüstern sich gegenseitig etwas zu:

‚Ben, hast du eigentlich den Weihnachtsmann schon mal ohne Mütze gesehen?‘, fragt Jan.
‚Nö, warum?‘
‚Naja, ich würde gerne mal wissen, wie er ohne diese rote Mütze aussieht.‘
‚Darüber hab‘ ich noch nie nachgedacht’ gesteht ihm Ben. ‚Ich kann ihn mir gar nicht anders als mit der roten Mütze vorstellen.‘
‚Eben deshalb!’, flüstert Jan zurück. ‚Ich will es genau wissen. Komm lass uns nachsehen.‘

„Oh, wie wollen die Zwei das denn machen?“, fragt Julian seinen Opa.
„Sie schleichen sich zum Schlafzimmer des Weihnachtsmannes und öffnen ganz vorsichtig die Tür. Dort liegt dieser im Bett und schnarcht selig vor sich hin. Allerdings hat er die rote Mütze immer noch auf dem Kopf.“
Julian reißt vor Spannung die Augen ganz weit auf, als Opa Waldemar leise weitererzählt:
„Auf leisen Sohlen gehen Jan und Ben zum Kopfteil des Bettes. Doch sie können kein Härchen entdecken, das unter der Weihnachtsmannmütze hervorschaut. Deshalb zieht Jan vorsichtig daran.
Der Weihnachtsmann unterbricht sein Schnarchen und räuspert sich. Erschrocken hält das Bengelchen inne, doch der Weihnachtsmann wacht nicht auf, so dass es nun Ben ebenfalls versucht ihm die Mütze vom Kopf zu ziehen.
‚Rrrrr!‘, macht der Weihnachtsmann im Schlaf und verfällt gleich wieder in sein Schnarchen. ‚Lass uns wieder verschwinden‘, flüstert nun Ben, denn er hat Angst bekommen. ‚Wenn er aufwacht und uns entdeckt dann dürfen wir nicht mehr in der Himmelswerkstatt helfen.‘
‚Noch einen Versuch!‘, flüstert Jan und zieht erneut, allerdings fester an der Mütze. Im selben Moment wacht der Weihnachtsmann auf.“

Julian wagt kaum zu atmen. Sein Herz pocht vor Aufregung ganz wild.
„Jetzt hat er sie auf frischer Tat erwischt!“, ruft er und schlägt sich die Hand vor Schreck auf den Mund.
„So schnell wie Jan und Ben aus dem Zimmer gesaust sind, so schnell kann sich der Weihnachtsmann gar nicht den Schlaf aus den Augen wischen“, erklärt der Großvater.
„Außerdem ist er ja auch schon ein alter Mann“, mischt sich nun Oma Marlene ein, die seit einer Weile im Türrahmen steht. „Bestimmt sieht er sowieso nicht mehr so gut.“
„Da haben Jan und Ben aber Glück gehabt“, freut sich Julian. „Aber schade ist es schon, dass ich jetzt immer noch nicht weiß, wie der Weihnachtsmann ohne Mütze aussieht“, bedauert der Junge. „Bestimmt hat er ganz viele weiße Haare darunter.“
„Ich glaube eigentlich nicht, dass er eine Glatze hat, oder was meint Ihr?“, stellt der Großvater die Frage in den Raum.
„Tja es gibt ja auch noch die dritte Möglichkeit, dass er so ein kleines Haarkränzchen wie Opa Waldemar hat. Aber das wird nun wohl weiterhin das Geheimnis des Weihnachtsmannes bleiben“, lächelt Oma Marlene. 

Doch all diese Überlegungen hört Julian schon gar nicht mehr, denn er ist fest eingeschlafen und träumt vermutlich vom Weihnachtsmann mit oder ohne Mütze.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Santa Claus

Weihnachtsmann Willi

Lilly, Milly und der freche Billy

 

Warten auf den Nikolaus

In Kathrins Kinderzimmer gibt es viele Stofftiere, die sie alle sehr liebt. Am meisten jedoch den Krokodilshund Paul und den Teddy Ben. Diese beiden hat ihr Oma Marie geschenkt. 

Heute geht Kathrin aufgeregt ins Bett, denn es ist Nikolausabend. Zuvor hat sie noch ihre Stiefel vor die  Kinderzimmertür gestellt. Sie hofft, dass der Nikolaus vorbeikommt und ihr die Stiefel mit Geschenken und Süßigkeiten füllt. Bestimmt kann sie die ganze Nacht nicht schlafen. Eigentlich will sie das auch gar nicht.
Gerne würde sie nämlich den alten Mann mit dem weißen Bart und dem roten Mantel beobachten, wenn er kommt. Aber nur heimlich, denn ein bisschen fürchtet sie sich auch. Aber alle haben ihr erzählt, dass er ein ganz lieber Mann ist.
„Ich muss einfach wach bleiben und wenn ich seine stampfenden Schritte höre, schleiche ich mich zur Tür und schaue durch das Schlüsselloch.“
Ganz so einfach ist das mit dem Wachbleiben allerdings nicht. Erstens ist die Nacht ziemlich lang und Kathrin weiß nicht, wann er bei ihr vorbeischaut. Immerhin gibt es noch viele andere Kinder, die der gute Mann beschenken will.
Mutti hat schon das Licht im Kinderzimmer ausgemacht, aber neben dem Bett steckt ein kleines Nachtlicht in der Steckdose. So kann Kathrin ihre Kuscheltiere sehen und fühlt sich nicht allein. Leise zieht sie Paul und den kleinen Teddy Ben zu sich heran. 
„So“, flüstert sie den beiden leise zu, „jetzt warten wir bis der Nikolaus kommt.“
Das ist nicht leicht, denn einerseits darf die Mutter nicht merken, dass Kathrin nicht schläft und andererseits könnte sie ja auch müde werden. Im Moment hat sie allerdings das Gefühl, dass sie noch hellwach ist. Sie hat die Augen weit geöffnet. Aber ein bisschen langweilig ist das schon, wenn man still sein muss und sich auch sonst nichts regt.
„Vielleicht singe ich ein Lied. Ganz, ganz leise natürlich. Nein, das hört Mutti bestimmt trotzdem.“
Kathrins Blick wandert zum Fenster. Durch die Schlitze des Rollladens dringt ein wenig Licht herein. Aber das ist auch unheimlich, denn dadurch entstehen Schatten an der Wand. Manchmal bewegen sich diese Schatten sogar. 
„Denk daran, was Mutti erklärt hat“, spricht sich das Mädchen selbst Mut zu. „Das kommt durch den Wind, der die beiden Tannenbäume vor dem Fenster tüchtig schüttelt und dadurch verdecken sie manchmal das Licht der Straßenlaterne und manchmal eben nicht. Und weil das ganz schnell geht, sieht es aus, als würden sich die Schatten an der Wand bewegen.“
Kathrin zieht ihre beiden Stofftiere fester an sich und schließt für einen Moment die Augen. 
„Augen auf!“, ermahnt sie sich selbst. „Sonst schläfst du am Ende noch ein!“
Dann fällt ihr etwas Wichtiges ein:
Jeden Abend schließt Mutti die Haustür zu. Das hat sie doch bestimmt heute auch gemacht.
„Aber dann kann doch der Nikolaus nichts in meine Stiefel legen. Ob sie schnell noch mal nach Mutti ruft?“
Das wagt das Mädchen aber nicht. Sie kriecht ein Stückchen tiefer unter die Bettdecke. Inzwischen ist es wieder so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte, wie Oma immer sagt. 
Kathrin muss gähnen und auch ihre Augen wollen einfach nicht aufbleiben. Immer wieder fallen sie zu und das Mädchen muss sie schnell öffnen. 
„Ach, denkt sie, „einen kleinen Moment kann ich sie geschlossen halten. Ich denke einfach fest an den Nikolaus und stelle mir vor, wie er mit einem Schlitten durch den Winterwald stapft. Dann schlafe ich ganz sicher nicht ein.“
Fast im selben Moment als Kathrin den Nikolaus in seinem roten Mantel sieht, vernimmt sie ein Kratzen an der Zimmertür, die sich ein wenig öffnet und danach ist ein Trippeln zu hören.
Vorsichtig blinzelt sie mit einem Auge in die Dunkelheit ihres Zimmers hinein und sieht zwei leuchtende Punkte direkt vor ihrem Bett.
Gerade als sie nach ihrer Mutter rufen will, kann sie deren leise Stimme vernehmen:
„Mauz, komm raus und lass Kathrin noch ein wenig schlafen. Sie träumt bestimmt vom Nikolaus!“
„Nein, Mama ich bin wach!“
„Guten Morgen, mein Schatz, willst du nachsehen, ob der Nikolaus deine Stiefel gefüllt hat?“
Jetzt erst merkt Kathrin, dass sie geträumt hat und beim Warten auf den Nikolaus tief und fest eingeschlafen ist.
Und er hat es wieder einmal geschafft von ihr unbemerkt heimlich die Stiefel mit Geschenken und Süßigkeiten zu füllen. Außerdem sitzen ihre Stofftiere auf dem Sessel in ihrem Zimmer. Der Krokodilshund Paul und der Teddy Ben sind als Nikolaus verkleidet. Die Katze Mauz liegt mit einer Nikolausmütze zwischen den beiden Kuscheltieren. Auch ihr hat der Nikolaus etwas gebracht, nämlich eine kleine Stoffmaus.
„Aber nächstes Jahr schlafe ich nicht ein und beobachte den Nikolaus, wenn er heimlich zu mir kommt. Ganz bestimmt!“, nimmt sich das Mädchen vor. Ob das wohl klappt?

Warten

Ich liege gerade so gemütlich auf meinem Sessel und habe tief und fest geschlummert. Noch habe ich die Augen nicht geöffnet, denn es fällt mir schwer die Müdigkeit zu vertreiben. Im Halbschlaf nehme ich wahr, dass Frauchen etwas erzählt. Leider kann ich nicht genau verstehen, um was es geht. Allerdings dringen einzelne Worte an meine Ohren.

Frauchens Stimme ertönt: „Ja, ja, mit großen Schritten kommt jetzt…“
Blitzschnell sind meine Augen auf und ich blicke verstört um mich. 
„Irgendetwas stimmt hier nicht, das spüre ich instinktiv. Wer kommt?“
Frauchen spricht in ihr Handy, die Worte verstehe ich momentan nicht, denn meine Gedanken versuchen herauszufinden, was hier los ist. Ich bin unruhig. Miauend stehe ich vor ihr und flehe sie mit großen Augen an. Dann renne ich schnell zur Haustür und wieder zu ihr zurück. Wieder miaue ich in den höchsten Tönen. Sie schaut mich an, nickt und geht zur Haustür, die sie öffnet.
„Na endlich, sie hat mich verstanden. Jetzt mal ganz schnell nach draußen“, denke ich und renne auch schon los.
Aufgeregt sause ich um das Haus herum. Ich kann niemand entdecken. Also ist derjenige noch nicht da. Oder: Sollte ich vielleicht was falsch verstanden haben? Nein, bestimmt nicht. Ich habe es ganz deutlich gehört. Irgendwer kommt jetzt mit großen Schritten auf uns zu. Ich setze mich einfach mal vorne auf den Bürgersteig und warte. 
„Bestimmt kommt Besuch!“, denke ich. „Kinder! Genau Kinder kommen. Oh, das ist schön! Ich freue mich, denn dann spielen sie mit mir und ganz sicher gibt es auch Leckerlies!“
Erwartungsvoll sitze ich hier und warte. Ich schaue erst in die eine Richtung und dann in die andere. Keine Ahnung, woher sie kommen, aber das ist auch vollkommen egal, Hauptsache sie kommen.
Ich warte und warte. Nichts passiert und niemand kommt.
„Mit großen Schritten, hat Frauchen gesagt. Also müssten sie doch endlich hier um die Ecke biegen. Aber ich kann weit und breit keine Menschenseele entdecken. Wie lange soll ich denn noch warten? Diese ewige Warterei wird langweilig. Ich will endlich auf Streifzug gehen. Ob ich doch losziehe und meinen Posten hier aufgebe? Wenigstens ein paar Häuser weiter kann ich mich wagen, oder?! Dort zu den Nachbarn, die immer Leckerlies für mich haben?!
„Ich gehe jetzt einfach mal hin. Mir knurrt nämlich schon der Magen. Vielleicht erfahre ich dort mehr von denen, die zu Besuch kommen wollen. Allerdings glaube ich langsam, dass sie mit ganz winzig kleinen Schrittchen unterwegs sind, denn sonst wären sie ja schon längst da. Wenn die überhaupt kommen“, überlege ich und laufe los.
„Hallo Lottchen!“, freuen sich die Nachbarn. „Willst du ein bisschen Milch?“
„Und ob! Wie könnte ich da ‚nein‘ sagen?“
Schon bekomme ich das Schälchen vor mein Mäulchen geschoben und werde gestreichelt. 
„Oh, hast du ein weiches Winterfell. Ja, das wärmt bestimmt richtig gut. Na, da bist du hervorragend gerüstet für den Winter und die Weihnachtszeit, die beide jetzt mit großen Schritten auf uns zukommen.“
„Wer kommt? Der Winter? Die Weihnachtszeit?“, empöre ich mich. „Ich dachte es kommt jemand zu Besuch.“
Ich bin tatsächlich enttäuscht, denn wegen des blöden Winters habe ich so lange vor dem Haus in der Kälte gewartet.
„So was Dummes!“, ärgere ich mich nun tüchtig, doch dann beschließe ich: „Jetzt wird erst einmal die leckere Milch geschleckert. Dann marschiere ich zurück in die warme Stube und der Winter kann mit seinen großen Schritten gehen wohin er will. Ich werde jedenfalls nicht auf ihn warten, der hat nämlich keine Leckerlies für mich im Gepäck. Und die Weihnachtszeit? Ob sie vielleicht Leckerlies für mich hat? Warten kann ich auch drinnen.“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Santa Claus

Arme kleine Gans

Mein drittes Weihnachtsfest

 

Die Brücke

Heute ist Isabell zum Adventsbesuch bei ihren Eltern. Sie hat leckeren Kuchen und selbstgebackene Weihnachtsplätzchen mitgebracht. Die Mutter hat bereits den Tisch gedeckt und der Vater brüht gerade den Kaffee nach altgewohnter Manier auf. Zu besonderen Anlässen lässt er die Kaffeemaschine stehen und holt Omas Sonntagsservice heraus. Das macht er schon solange Isabell denken kann und das wird er wohl auch nie mehr ändern.

Seitdem sie vor nunmehr fast fünfzehn Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen ist, gehören alle ihre regelmäßigen Besuche ebenfalls zu den besonderen Anlässen. Auch wenn diese im wöchentlichen Abstand erfolgen.
„Es tut mir leid, dass ich mich heute verspätet habe“, sagt Isabell, „aber es sind seit heute Brückenbauarbeiten auf meiner Fahrstrecke hierher im Gange. Also gab es eine Umleitung, die für mich allerdings einen Umweg bedeutet hat.“
„Ach ja“, nickt der Vater. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen.“
„Stimmt“, erinnert sich auch die Mutter. „Eigentlich wollte ich dich bei unserem Telefongespräch gestern darauf aufmerksam machen, aber irgendwie haben wir uns so verplappert, dass ich es dann vergessen habe.“
„Die Sanierung dieser Brücke wird eine ganze Weile dauern“, fügt ihr Gatte hinzu. „Aber diese Verbindung ist sehr wichtig, denn sie überwindet ein natürliches Hindernis, nämlich den Fluss.“
„Ja, Brücken verbinden….“, flüstert Isabells Mutter fast andächtig und springt unvermittelt auf.
Weder Vater noch Tochter können dieses Verhalten deuten. Sie schauen ihr stirnrunzelnd nach, nehmen aber gleich wieder ihr Gespräch auf und kommen vom Hundertsten ins Tausendste. Selbst nach einer gefühlten Ewigkeit kommt die Mutter nicht mehr zurück ins Wohnzimmer.
„Ich gehe mal nach ihr schauen. Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Vielleicht ist ihr schlecht geworden“, mutmaßt Isabell. 
Auch der Vater ist inzwischen beunruhigt und geht mit seiner Tochter auf die Suche. Weder in der Küche, noch im Bad oder im Schlafzimmer gibt es eine Spur von der Mutter. Als sie die Tür zu ihrem Nähzimmer öffnen, finden sie dieses ebenfalls leer vor.
„Möglicherweise ist ihr tatsächlich schlecht und sie ist an die frische Luft gegangen“, überlegt der ältere Herr. Angst spiegelt sich auf seinem Gesicht wider, die sich noch mehr verstärkt als sie auch im Garten nicht fündig werden.
„Marie!“, ruft er mit zittriger Stimme. „Wo bist du denn nur?“
„Hier oben, Toni!“, schallt es plötzlich zurück.
„Wo?“
„Na hier, auf dem Dachboden!“, ruft die Mutter aus der kleinen Dachluke. „Ich hab’s! Ich hab es gefunden!“
„Was hast du gefunden?“, fragen Vater und Tochter wie aus einem Munde, als sie die Tür zum Dachraum öffnen und die Mutter kniend vor einer Truhe vorfinden.
„Das hier! Ich wusste, dass ich es nicht weggeworfen habe.“
„Deshalb durchforstest du den halben Dachboden?“, schüttelt ihr Ehemann den Kopf.
Auch Isabell versteht die Welt nicht mehr. „Das ist ein alter Postkartenblock, der schon ganz vergilbt ist. Den kannst du entsorgen!“
„Wer benutzt heutzutage noch solche Postkarten?! Marie, du hebst doch sonst nicht derartigen Müll auf.“
„Das ist kein Müll, Toni!“, empört sich seine Frau. „Kannst du dich noch an Ute erinnern?“
„Welche Ute?“, will nun auch die Tochter wissen. „Ich habe noch nie etwas von einer Ute gehört.“
„Das war ja auch noch vor deiner Geburt.“
„Ach, meinst du Ute und Franz?“, ereilt den Vater ein Geistesblitz. „Die Zwei haben sich doch scheiden lassen und Ute ist dann wieder in ihre alte Heimat gezogen.“
„Genau“, bestätigt Marie. „Und beim Abschied hat sie mir diesen symbolträchtigen Postkartenblock geschenkt.“
Isabell und ihr Vater betrachten den besagten Gegenstand mit wachsender Neugier.
„Symbolträchtig?! Oh ja! Das kann man wohl sagen“, gibt Isabell zu.
„Brücken!“, schlägt sich Toni gegen die Stirn. „Die Verbindung zwischen euch sollte nicht abbrechen!“
„Und?!“
„Naja, es waren einmal zehn Karten. Drei fehlen. Diese habe ich geschrieben, dann ist die Verbindung doch irgendwie abgebrochen. Das ist sehr schade, aber nachdem jahrelang Funkstille zwischen uns geherrscht hatte, habe ich mich nie wieder getraut. Vielleicht erinnert sie sich gar nicht mehr an mich oder sie will von mir nichts mehr wissen.“
„Möglicherweise traut sie sich aber auch nicht den ersten Schritt zu machen“, erwägt Toni.
„Du solltest ihr eine Brücke bauen!“, schlägt Isabell ihrer Mutter vor. „Die Adventszeit ist doch ein schöner Anlass.“
„Ja, ihr habt Recht! Das ist eine gute Idee, die ich auch gleich in die Tat umsetzen sollte.“
Am Abend fährt Isabell wieder nach Hause, doch zuvor wirft sie einen dicken Brief in den Briefkasten der Hauptpost. Hierin befinden sich zwei Brückenmotiv-Postkarten. Eine der beiden Karten ist schon frankiert und mit der Anschrift von Marie versehen. Isabell hofft, dass ihre Mutter von der ehemaligen Freundin eine Antwort erhält. Vielleicht kann sie diese Ute dann auch einmal kennenlernen. Wer weiß?!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Vom Winde verweht

Gerümpel oder Kostbarkeiten?

Kindheitserinnerungen

 

 

Allseits bekannt

Hallo Leute! Ich kenne Euch alle, den einen mehr und den anderen weniger. Auch Ihr kennt mich, denn Ihr habt alle schon Kontakt mit mir gehabt. Wenn ich ehrlich bin, dann kennt Ihr mich im Grunde genommen schon aus Kindheitstagen. 

Trotzdem will ich Euch meinen Namen noch nicht verraten, aber ich werde Euch von mir erzählen, damit Ihr mich sozusagen enttarnen könnt:

Ich kann alle haben. Das klingt eingebildet? Nein, das entspricht einfach nur den Tatsachen. Ich bin sehr direkt, nicht nur in der Beschreibung meines Ichs. Am Ende meiner Ausführungen werdet Ihr das selbst feststellen. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich überwiegend männliche Fans habe, wobei die Frauenquote auch nicht schlecht ist. Ich arbeite allerdings daran sie noch weiter zu erhöhen. Mal gelingt mir das und manchmal auch nicht. Über kurz oder lang kann mir jedoch niemand widerstehen. Das erhöht somit meine Trefferquote. 

Viele haben ein echtes Problem mit mir. Sie sind richtiggehend sauer auf mich. Andere schämen sich für mich. Ich bin ihnen unangenehm, weil ich ins Auge falle und Aufmerksamkeit auf mich ziehe. Sie erklären mich dann zu ihrem Feind und wollen, dass ich verschwinde. Daran arbeiten sie mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Aber ihr Erfolg ist meist nur von kurzer Dauer. Ich bin nämlich nicht nur hartnäckig, sondern auch treffsicher. Deshalb tauche ich irgendwann und irgendwo wieder in ihrem Leben auf. 

Mein bester Freund heißt Hans. Er ist ein stattlicher, attraktiver Mann mittleren Alters, den ich schon sein ganzes Leben lang begleite. Zwischen uns herrscht eine Art magische Anziehungskraft. Er ist niemals böse mit mir. Meist nimmt er mich gelassen hin, häufig verführe ich ihn sogar zum Lachen. Auf jeden Fall kann ich für Gesprächsstoff sorgen.

Er hat mich auch schon mal völlig ignoriert. Aber dann weiß ich genau, was ich unternehmen muss, um mich bemerkbar zu machen. Ich hole mir einfach noch ein paar kleine Helferlein, die sich um mich herum versammeln. Dann fallen wir ihm schon auf. Notfalls macht ihn auch eine andere Person auf uns aufmerksam.

So, langsam muss ich zum Schluss kommen und die Beschreibung meines Wesens beenden. Doch ein paar Hinweise will ich Euch trotzdem noch geben.

Tipp Nr.1:

Obwohl ich die meiste Zeit des Tages am Werk bin, gibt es drei sogenannte Stoßzeiten, die eine Begegnung mit mir begünstigen, nämlich morgens, mittags und abends.

Tipp Nr. 2:

Das blütenweiße Hemd von Hans wirkt auf mich wie eine Einladung. Ich kann einfach nicht widerstehen. Und schwupp bin ich zur Stelle.

Tipp Nr. 3:

Neulich im Restaurant war es wieder soweit und ich konnte mich nicht zurückhalten. Da reichte ihm doch tatsächlich eine Kollegin lächelnd einen Stift und meinte:

„Den habe ich neuerdings immer in meiner Handtasche. Der hilft schnell mal gegen so ein kleines Mallheur.“

„Ich habe noch eine Schere  in meinem Aktenkoffer“, schlug ein anderer Kollege vor. „Damit ist er ganz sicher weg!“

„Na warte!“, dachte ich und schon hatte er das gleiche Problem auf seiner Krawatte sitzen. „Haha! Wer zuletzt lacht, lacht am besten! So schnell lasse ich mich nicht ausrotten!“

So, ich bin mir ziemlich sicher, inzwischen wisst Ihr alle, wer oder was ich bin. Wer immer noch nicht des Rätsels Lösung kennt, dem verrate ich meinen Namen. 

Ich bin:

 

DER FLECK

 

Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen:

Waschmaschinengespräche

Dumme Socke

Flie

 

  

Filines Liebe auf den ersten Blick

Es ist ein warmer Herbsttag und so zieht es Filine nach draußen. Eigentlich wollte sie sich mit ihrer Freundin Joesy treffen und gemeinsam etwas unternehmen. Leider wurde deren Dienstplan aufgrund der Erkrankung einer Kollegin geändert. 

„Es ist viel zu schön, um diesen Tag einfach nur dahinplätschern zu lassen. Wer weiß, wieviele solcher Sonnentage uns dieser Herbst noch bescheren wird.“, überlegt sie sich und befiehlt sich selbst: „Also zieh’ alleine los und mach einen ausgiebigen Spaziergang!“
Sie setzt sich in ihr Auto und fährt ein paar Kilometer zu einem großen Landschaftspark. Hier herrscht absolute Ruhe, die Filine nach einer recht stressigen Woche richtig guttut. Sie hat ihre Kamera dabei und fotografiert die herbstlich bunte Landschaft.
„Und jetzt noch einen Kaffee, danach geht es wieder zurück“, nimmt sie sich vor. 
In der angrenzenden kleinen Ortschaft will sie sich ein schmuckes kleines Cafe suchen, als ihr Blick in ein Schaufenster fällt. Und da steht es. Ihr Herz beginnt schneller zu schlagen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. 
„Das ist es! Das habe ich schon immer unbewusst gesucht!“, jubelt sie innerlich.
Filine kann sich nicht von dem Anblick trennen. Nein, jetzt kann sie eindeutig nicht einfach so weitergehen. Sie wird wie magisch angezogen und tritt durch die Ladentür, in einen niedrigen Raum. In der hinteren Ecke sitzt ein älterer Mann, der jetzt aufblickt und Filine herzlich begrüßt.
„Einen wunderschönen Tag, wünsche ich Ihnen“, sagt er mit warmer Stimme.  „Schauen Sie sich nur in aller Ruhe um und sagen Sie mir Bescheid, wenn ich Ihnen helfen kann!“
„Ich würde gerne etwas aus der Auslage näher betrachten. Dürfte ich vielleicht…?“ Die junge Frau deutet auf das auserwählte Stück. 
 „Oh, Sie haben eine gute Wahl getroffen“, meint der nette Herr und holt das hölzerne Schaukelpferd aus dem Schaufenster. „Ich habe es selbst in jungen Jahren von einer meiner Auslandsreisen mitgebracht. Ein alter Inder, den ich auf dieser Reise kennengelernt und mit dem ich mich angefreundet hatte, hat es geschnitzt und mir zum Abschied überreicht. Er lebt leider schon lange nicht mehr. Eigentlich wollte ich es gar nicht verkaufen.“
„Oh!“ Filine ist sichtlich enttäuscht, denn aus der Nähe betrachtet, fasziniert sie dieses Schaukelpferd noch mehr. „Das ist schade, aber ich kann verstehen, dass sie es nicht verkaufen möchten.“
„Ach“, meint der Ladenbesitzer „inzwischen bin ich selbst schon ein alter Mann und es wird Zeit sich von einigen Dingen zu trennen.  Mein Sohn hat kein Interesse mein Geschäft weiterzuführen, er hilft mir jetzt bei der Auflösung des Ladens und danach gehe ich in den Ruhestand. Deshalb habe ich beschlossen es in gute Hände abzugeben. An jemand, der es tatsächlich zu schätzen weiß. Bei Ihnen habe ich sofort gespürt, dass Sie die Richtige sind.“
Filines Herz schlägt inzwischen nicht nur wild, sondern hüpft regelrecht vor Freude.
Aufgeregt verlässt sie mit dem Schaukelpferd das Geschäft und fährt nach Hause. Sie kann ihr Glück gar nicht fassen.
„Ist es nicht ein Prachtexemplar?!“, fragt sie am Abend ihre Freundin Joesy, die nach der Arbeit noch auf ein Gläschen Wein vorbeischaut. „Es hat mein Herz im Sturm erobert!“
„Ja, es ist wunderschön“, bestätigt die Freundin. Insgeheim fügt sie in Gedanken noch hinzu: „Ich würde Dir allerdings wünschen, dass du dich bald wieder richtig verlieben würdest, – nicht nur in ein Schaukelpferd.“
Gerade als Filine die Weingläser befüllt, klingelt es an der Wohnungsstür. 
„Erwartest du jetzt noch Besuch?“, erkundigt sich Joesy.
„Eigentlich nicht. Ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte.“
Vorsichtig schaut sie zunächst erst einmal durch den Türspion. Joesy steht neugierig neben ihr.
„Und? Wer ist es?“
„Der Mann, der mir das Schaukelpferd verkauft hat“, flüstert Filine leicht verwirrt. „Woher weiß er, wo ich wohne und was will er hier?“
„Mach auf, sonst wirst du das wohl nie erfahren!“, schlägt die Freundin vor.
„Das ist die bezaubernde junge Dame!“, sagt der Ladenbesitzer zu dem jungen Mann neben ihm, nachdem Filine die Tür geöffnet hat. 
„Entschuldigen Sie bitte“, ergreift dieser das Wort. „Aber Sie haben heute ihre Geldbörse im Geschäft meines Vaters liegen gelassen. Zum Glück steckt ihr Ausweis darin, denn nur so konnten wir Sie ausfindig machen.“
„Oh!“, sagt Filine. Mehr kann sie nicht sagen, da ihr Herz bis zum Hals schlägt und ihr fast den Atem raubt. 
Joesy, die bemerkt, dass es ihrer Freundin die Sprache verschlagen hat und Filine und der junge Mann ihre Blick nicht voneinander trennen können, bittet die beiden Herren erst einmal herein.
„Mein Vater hat recht“, sagt der junge Mann beim Abschied zu Filine. „Sie sind eine bezaubernde Frau und Sie würden mir eine große Freude bereiten, wenn ich Sie am Sonntag zu einem kleinen Spaziergang abholen und anschließend in ein Cafe einladen dürfte.“
„Da hast du wohl sprichwörtlich auf das richtige Pferd gesetzt“, sagt Joesy lächelnd zu ihrer Freundin, als die Tür hinter den beiden Männern ins Schloss fällt.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Frau Fröhlich und Herr Trüb

In die Jahre gekommen

Liebeserklärung

 

Auf Spaziergängen entdeckt

Auf Spaziergängen mache ich gerne Aufnahmen von Bäumen. Manchmal fotografiere ich allerdings nur Details, weil sie mir besonders auffallen.

So fühle ich mich teilweise beobachtet, denn Blicke verfolgen mich.

 

 

Mitten im Wald steht da so ein grüner Kerl rum. Man muss einfach zu ihm gehen und ihm ein „Hallo!“ zurufen.

Unheimlich finde ich allerdings diese Fratze. Könnt Ihr das offene Maul erkennen? Nichts wie weg!

Und könnte das nicht ein „Urtier“ sein? Naja, ein wenig Fantasie ist natürlich auch dabei im Spiel 😉 .

Bei diesem Baumstamm musste ich unweigerlich an den Limonadenbaum von Pippi Langstrumpf denken. Doch leider konnte ich keine Limonade mehr entdecken. Da ist mir wohl jemand zuvorgekommen.

Jetzt habe ich Durst bekommen, deshalb nehme ich mir einfach eine Flasche mit prickelnder Limonade aus dem Kühlschrank 😉  und dazu hole ich mir das Pippi – Langstrumpf- Buch aus dem Regal.

Tschüss bis zum nächsten Mal!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Gedankenverloren

Beschützer, Einbrecher, Holzfäller und ein ungeliebtes Haustier

Bilderbuchwetter in der alten Heimat