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Furchteinflößendes Erlebnis (6)

Teddybär Bruno ist mit seinem neuen Freund, dem Schneemann, aus dem Fundbüro geflohen, um sich auf die Suche nach dem alten und weisen Mann im tiefen, dunklen Wald zu machen. Von ihm erhoffen sie sich Hilfe auf dem Weg zu Weihnachtsmann Willi. 
„Ich bin Dir nicht mehr fern!“, denkt Bruno voller Zuversicht und Hoffnung.
Es ist so dunkel und unheimlich in diesem Wald, dass es Bruno ganz mulmig wird. Von überall kommen unbekannte und furchterregende Geräusche, die er nicht zuordnen kann. Doch Bruno muss stark sein. Nicht nur, weil er sein Ziel erreichen will, das ihm die Erfüllung seiner Wünsche bringt. Nein, auch weil der Schneemann ein ausgesprochener Angsthase ist und aus Angst zu schlottern beginnt. Bruno redet fortwährend auf ihn ein, um ihn und natürlich auch sich selbst abzulenken.
„Das war sicherlich nur ein ganz harmloser Vogel, den wir aufgeschreckt haben.“
„Du wirst doch nicht vor einem kleinen Häschen Angst haben.“
„Nein, nein, hier gibt es keine Ungeheuer.“
Doch plötzlich bleib Bruno unvermittelt stehen. Das, was er gerade gehört hat, macht seinen letzten Trostversuch unglaubwürdig. Ein lautes und markerschütterndes Grollen durchströmt den Wald. Jetzt beginnt auch Bruno zu zittern wie Espenlaub.
„Was war das? Hast Du es auch gehört?“
Der Schneemann hat sich seine Mütze noch tiefer ins Gesicht gezogen, als könnte er sich darunter verstecken und in Sicherheit wägen.
„Da, schon wieder! Und wieder. Es scheint von dort drüben her zu kommen“, flüstert Bruno, dem inzwischen das Herz bis zum Hals schlägt.
Vorsichtig schleichen sie in die Richtung aus der das furchterregende und alles übertönende Geräusch kommt und erkennen die Umrisse einer Hütte.
„Es kommt direkt aus dieser Hütte“, erklärt Bruno seinem neuen Freund. „Ich bin zwar nur ein kleiner Teddybär, aber ich glaube es hört sich an als würde dort ein Verwandter von mir hausen.“
„Du …Du meinst, dort…. dort wohnt … ein… ein echter…. B … Bär?“, stottert der Schneemann. „L…Lass… lass uns… ab… abhauen!“
Bruno nimmt seinen ganzen Mut zusammen, deutet dem Schneemann an, zu bleiben, wo er ist und schleicht sich an die Hütte heran. Das Geräusch wird immer lauter und hört sich mal wie Donnergrollen und mal wie das Brüllen eines Bären an.
Da die Vögel in den Bäumen fröhlich weiter zwitschern, der Specht fleißig hämmert und auch sonst kein Tier aufgeschreckt davon springt, glaubt Bruno inzwischen nicht mehr an ein schreckliches Ungeheuer. Er späht vorsichtig durch das einzige Fenster und entdeckt in der hinteren Ecke eine Pritsche, auf der ein alter bärtiger Mann liegt und einen ohrenbetäubenden Lärm durch sein Schnarchen verbreitet.
Nachdem auch der Schneemann sich heran getraut hat, pochen sie mit vereinten Kräften gegen die Tür. Erst nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es ihnen den Alten zu wecken.
„Stell Dir vor, lieber Weihnachtsmann Willi, wir hatten ihn tatsächlich gefunden: Den alten weisen Mann im tiefen und dunklen Wald…“

 

Fortsetzung folgt…

 

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Eile mit Weile

Der große Tag

Ein neuer Freund (5)

Nicht nur im Weihnachtsland herrscht große Aufregung, sondern auch da, wo sich Bruno, der Teddybär zur Zeit aufhält.
„Hey, schaut mal alle her! Da kommt ein Neuer!“
„Wer bist Du?“
„Wo kommst Du her?“
„Wieso bist Du hier?“
Etwas verschüchtert sieht sich Bruno verschiedenen Gestalten gegenüber. Bevor er auf die vielen Fragen antworten kann, die auf ihn einströmen, muss er erst einmal wissen, wo er hingeraten ist.
„Du bist in einem Fundbüro“, verkündet ihm ein Schneemann mit Mütze und Schal. „Erzähl schon, durch welchen Umstand bist Du hierher gekommen?!“
So erzählt Bruno zunächst einmal, dass er dem Weihnachtsmann Willi geschrieben hat, von seiner Flucht und dass er sich auf dem Weg ins Weihnachtsland befindet.
„Versteckt in dem Rucksack gelangte ich in ein Flugzeug“, berichtet er. „Ich dachte immerzu nur an Weihnachtsmann Willi. ‚Ach‘, dachte ich so vor mich hin. ‚Wenn ich doch nur schon bei Dir wäre, lieber Weihnachtsmann Willi. Ob Du wohl schon meinen Brief erhalten hast?’
Ich wurde bei meinen Überlegungen, durch die Vorfreude auf ihn und das Weihnachtsland ganz zappelig und unruhig. Durch mein Zappeln und Strampeln löste sich der Verschluss des Rucksackes und ich konnte ungehindert herausschlüpfen. Nun war ich im Gepäckraum. Viele Stunden spazierte ich dort auf und ab, bevor ich merkte, dass das Flugzeug an Höhe verlor. Es setzte zur Landung an. Das Fahrgestell wurde mit einem Höllenlärm, der mich fast zu Tode erschreckte, ausgefahren und kurz danach gab es einen tüchtigen Ruck. Wir waren gelandet. 
Als die Koffer ausgeladen wurden, stellte ich mich tot und verhielt mich wie ein ganz normaler Plüschteddy. So legte man mich ebenfalls auf das Gepäckband. Viele Runden drehte ich auf diesem schwarzen Förderband.
‚Hilfe!‘, rief ich wie mir schien ziemlich laut. ‚Hilfe, mir ist total schwindelig!‘ Doch niemand hörte mich und so lag ich noch immer dort, nachdem alle anderen Gepäckstücke schon abgeholt worden waren. So kam, was kommen musste.  Arbeiter nahmen mich und trugen mich zum Fundbüro. Und hier bin ich nun, bei Euch!“, schließt Bruno seinen Bericht ab.
„So, so, Du willst also ins Weihnachtsland?! Da hast Du Dir aber was vorgenommen!“, meint der Schneemann, der anscheinend der Wortführer von allen hier versammelten und einst liegen gelassenen Gestalten ist.
„Kennst Ihr den Weg zu Weihnachtsmann Willi?“, fragt Bruno hoffnungsvoll.
Leider kann niemand ihm eine Wegbeschreibung geben. Doch der Schneemann ergreift schon wieder das Wort:
„Ich habe von einem Freund gehört, dass er einen Bekannten hat, der jemand kennt, der wiederum jemand kennt, der ihm von einem alten Mann berichtet hat. Dieser Mann würde in einem dunklen und finsteren Wald leben und wäre sehr weise.“
Als Teddybär Bruno die Stirn runzelt, fügt der Schneemann schnell hinzu:
„Bestimmt weiß dieser alte und weise Mann einen Rat. Vielleicht kennt er den Weihnachtsmann Willi ja persönlich oder er kennt jemand, der ihn kennt.“
Bruno schöpft neue Hoffnung und bittet den Schneemann ihn doch zu diesem Freund zu bringen, der einen Bekannten hat, der jemand kennt, der wiederum jemand kennt, der ihm von diesem alten und weisen Mann berichtet hat.
Da der Schneemann schon ziemlich lange gelangweilt in dem Fundbüro herumgestanden hat und endlich in den Winter hinaus will, erklärt er sich bereit, mit Bruno auf dessen Wanderschaft zu gehen. Also klettern sie bei Nacht und Nebel durch ein nur angelehntes Fenster, bereit für neue Abenteuer.
 Und so denkt Bruno nun voller Freude und Zuversicht:
„Weihnachtsmann Willi, ich bin Dir nicht mehr fern!“…

Fortsetzung folgt…

 

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Liebes Christkind

Aufregung im Weihnachtsland (4)

Während Bruno versteckt in einem Rucksack hoch über den Wolken seine lange Reise zum Weihnachtsmann Willi antritt, herrscht im Weihnachtsland die größte Aufregung.
„Die Wunschzettel sind angekommen!“, ruft Engelchen Postinchen aus und zieht einen vollbeladenen Schlitten hinter sich her. „Es gibt viel zu tun für uns alle!“
„Das Meiste habe wohl ich zu tun!“, gibt Weihnachtsmann Rudi zu verstehen.  „Ich muss die vielen Briefe lesen, dann auch noch die Geschenke verteilen und die weiten Strecken zurücklegen. Seit Weihnachtsmann Willi sich zur Ruhe gesetzt hat, hängt die ganze Arbeit an mir alleine.“
„Wir stehen dir doch bei und helfen so gut wir können!“, rufen ihm die vielen kleinen Helferlein zu. „Wir lesen und sortieren schon mal die Briefe nach den Wünschen der Kinder, damit du nicht so überlastet bist,“ versuchen sie Rudi aufzumuntern.
Im Weihnachtsland weiß inzwischen jedermann, dass Rudi immer erst ein bisschen bemitleidet werden muss, aber dann ist er ein richtig guter Weihnachtsmann. Das ist ja auch kein Wunder, denn immerhin ist er bei Weihnachtsmann Willi in die Lehre gegangen und hat alles gelernt, was er so braucht. Nur manchmal spukt noch Unfug in seinem Kopf herum.
„So ist eben die Jugend, aber das legt sich mit dem Alter“, hat Willi erst neulich gesagt. „Außerdem habe ich ja immer noch ein Auge auf ihn und bisher ging ja auch alles gut.“
Die Engelchen lesen, sortieren und erfreuen sich an den schön gestalteten Wunschzetteln der Kinder. Sie sind froher Dinge und tun ihre Arbeit gerne.
„Hier ist ein ganz eiliger Brief, der an den Weihnachtsmann Willi adressiert ist!“, ruft ein Engelchen aus und schwenkt einen Briefumschlag. „Persönlich!“, steht in großen Buchstaben darauf.
„Für mich?“, fragt Willi erstaunt. „Aber ich bin doch offiziell gar nicht mehr in Amt und Würden. Von wem kommt er denn?“
„Hier steht nur ‚Bruno, der Teddybär‘ als Absender“, sagt das Engelchen und reicht Willi den Brief.
Dieser dreht und wendet den Umschlag, liest noch einmal den Absender und runzelt die Stirn. Von diesem Bruno hat er noch nie gehört. Auch sonst scheint ihn niemand aus dem Weihnachtsland zu kennen. Als Willi, den Briefumschlag öffnet, das Schreiben heraus nimmt und die von Bruno verfassten Zeilen liest, wird er fast ein wenig sentimental. Er fühlt sich geehrt, dass er einem Teddy aus Bangkok im Traum erschienen ist und dieser nun unbedingt zu ihm will. 
„Kommt mal alle her!“, ruft Willi die Engelchen und Helferlein zusammen. „Du auch Rudi!“, befiehlt er seinem ehemaligen Lehrling, der sich neben den Rentieren ein Nickerchen gönnt. 
Dann berichtet er von Teddybär Bruno, seinen beiden Wünschen und dessen langer und vermutlich beschwerlicher Reise.
„Wahrscheinlich ist er schon längst unterwegs, deshalb brauche ich auf diesen Brief gar nicht mehr zu antworten. Ihr müsst alle miteinander die Augen und Ohren offenhalten und sollte jemand etwas in Erfahrung bringen, dann erwarte ich sofortigen Bericht. Dem kleinen Kerl muss unbedingt geholfen werden. Wer ihn findet, der hat ihn unverzüglich zu mir zu bringen.“
Für alle im Weihnachtsland, selbst für Rudi, sind Willis Worte immer noch Befehl…

Fortsetzung folgt…

 

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Lieber Weihnachtsmann Willi!

Brunos Fluchtplan (2)

Nichts wie weg! (3)

Nichts wie weg! (3)

Ja, ich hatte eine entscheidende Tatsache in meine Überlegungen nicht einbezogen, nämlich meine ziemlich kurzen Beine. Sie waren in zweierlei Hinsicht von Nachteil. 
„Deine kurzen Beine lassen dich nur kleine Schritte machen“, wirst du jetzt denken, lieber Weihnachtsmann Willi.
Stimmt, ich musste auf meiner Flucht ziemlich viele Schritte machen und kam trotzdem nur langsam vorwärts. Aber das Schlimmste war, dass der Fußball viel zu groß für mich war und ich ihn nicht mit Schwung in die Gläserabteilung schießen konnte. Auch verfehlte mein Schuss die Richtung. Er traf nicht die Gläser weit von mir entfernt, sondern eine Vase rechts direkt neben mir.
„Ohje, ohje!“, dachte ich mir.
Da begann diese auch schon zu wackeln und fiel mit lautem Getöse auf eine andere, die wiederum umfiel und gleich ein ganzes Sortiment an kleinen Porzellanväschen umwarf. 
Durch die enorme Geräuschentwicklung wurden der Wachmann und sein Hund aufgescheucht. In Sekundenschnelle waren sie zur Stelle. Da ich hier kein einziges Wurststückchen versteckt hatte, schlug mein ausgeklügelter Plan damit fehl. Stattdessen waren sie mir auf den Fersen, da sie mich für einen flüchtenden Dieb hielten.
„Fass, Hasso! Fass!“, rief der Wachmann seinem Hund ständig zu und ich fürchtete nicht nur um mein schönes Teddybärenfell, sondern auch um mein Leben.
„Was soll ich nur tun?“, schoss es mir durch den Kopf. „Ich muss weg hier, bevor die Polizei eintrifft.“
Die war allerdings schneller zur Stelle, als ich mir vorgestellt hatte. Aber, wie heißt es so schön?! Die Polizei, dein Freund und Helfer! Naja, so wirkliche Freunde waren es nicht, aber irgendwie haben sie mir doch letztendlich zur Flucht verholfen. Sie umzingelten mich und trieben mich in die Enge. Ich schlug wie ein Hase einen Haken nach dem anderen und landete in der Kofferabteilung. Im letzen Moment sah ich einen großen offenen Rucksack, in den ich hineinschlüpfte und mich ganz klein machte.
„Das war Glück im Unglück“, dachte ich völlig außer Atem.
Sie fanden mich nicht. Selbst Hasso konnte meine Fährte nicht mehr aufnehmen. Niemand entdeckte mich. Und so schlummerte ich vor lauter Erschöpfung ein. Ich erwachte wie mir schien erst Tage später wieder und befand mich mitsamt anderer Utensilien, die man auf mich geworfen hatte ohne mich in den Tiefen des Rucksackes zu entdecken, in einem Flugzeug hoch über den Wolken. 
„Ich bin auf dem Weg, lieber Weihnachtsmann Willi. Glaube mir, ich komme zu Dir! Ich weiß zwar noch nicht wie und wann, aber wir werden uns bald treffen, dessen bin ich mir jetzt ganz sicher!“
Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich weder, wo das richtige Weihnachtsland ist, noch wer mir alles helfen würde dorthin zu gelangen…

Fortsetzung folgt…

 

 

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Lilly, Milly und der freche Billy

Arme kleine Gans

Brunos Fluchtplan (2)

„Ich versuche mich dann zu Dir durchzuschlagen…“, habe ich Dir geschrieben, lieber Weihnachtsmann Willi. Ich hätte nie gedacht, dass dies so schwierig ist. Allein der Versuch aus dem Kaufhaus ganz klammheimlich zu verschwinden, war keine leichte Unternehmung. 
Als alle Lichter nach Ladenschluss im gesamten Gebäude ausgeschaltet wurden, habe ich mich erst einmal ganz still verhalten. 
„Psst! Niemand darf auch nur den leisesten Verdacht schöpfen“, ermahnte ich mich immer wieder.
Leider war nicht Egon der diensthabende Wachmann, sondern ein mir komplett fremder Mensch. Bei Egon hätte ich leichtes Spiel gehabt, denn er schläft nach seiner ersten großen Runde immer tief und fest, so dass ich mich ungesehen hätte davonschleichen können. Dieser fremde Mann jedoch hat die ganze Nacht über kein Auge zugemacht und einen Wachhund hatte er auch noch dabei.
„Da ist jetzt aber guter Rat teuer“, habe ich mir so gedacht und überlegt, ob ich die Flucht vielleicht doch verschieben sollte. Aber wie Du ja weißt, ist Weihnachten nicht mehr in allzu großer Ferne und der Weg zu Dir auch nicht gerade kurz. Also musste ich so schnell wie möglich handeln.
„Wie nur kann ich den Wachmann und dessen Hund ablenken, damit sie mich nicht auf meiner Flucht erwischen?“, fragte ich mich.
Mein Kopf glühte schon, denn meine Gehirnwindungen liefen auf Hochtouren, aber ich fand eine, so wie mir schien brauchbare Lösung.
Ich lief in die Delikatessenabteilung und besorgte mir dort eine Riesenfleischwurst für den Hund. Dann zerschnitt ich sie in viele kleine Leckerbissen und verteilte sie bis in die alleroberste Etage. Das erste Stückchen lag in der entgegengesetzten Richtung vom Ausgang, nämlich in der Gläserabteilung. 
Ich musste nun nur noch den Hund dorthin locken oder besser gesagt sein Herrchen, dem der Wachhund unweigerlich folgen und damit auch die Wurststücke entdecken würde. Schlau wie ich nun mal bin, wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf, hatte ich mir noch einen Fußball besorgt.
„Den lasse ich mit Karacho in das aufgestellte Gläsersortiment krachen“, plante ich. „Das macht sowohl das Herrchen als auch den Hund neugierig.“
So wollte ich die Beiden derartig ablenken, dass ich meine Flucht ungehindert würde antreten können.
Doch leider unterlief mir bei der Durchführung meines schönen Planes ein folgenschwerer Fehler oder besser gesagt, ich hatte eine entscheidende Tatsache in meine Überlegungen nicht einbezogen…

Fortsetzung folgt…

 

 

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Lottchens Weihnachtsgedanken

Santa Claus

 

Lieber Weihnachtsmann Willi!

Ich weiß, dass Du jedes Jahr unzählige Briefe bekommst und ich weiß auch, dass ich ziemlich spät dran bin. Trotzdem hoffe ich, dass Du meinen Brief liest und mir sogar meinen großen Wunsch erfüllst. Eigentlich sind es mehrere Wünsche, – zwei, um genau zu sein.

Aber jetzt stelle ich mich erst einmal vor:

Ich bin Bruno, der Teddybär und wohne schon ganz lange  in einem Regal  mitten in Bangkok. Ja, das ist ziemlich weit weg, aber hier gibt es keinen richtigen Weihnachtsmann, an den ich mich wenden könnte. Letzte Nacht bist Du mir im Traum erschienen. Du warst mir sofort sympathisch und ich glaube, Du bist ein guter Weihnachtsmann. Bestimmt kannst du mir helfen. Das kann nämlich nur der echte Weihnachtsmann.

Ich wünsche mir so sehr einmal mit Dir auf Tour zu gehen und ein kleiner Weihnachtsmann sein zu dürfen. Das wäre dann schon mein erster Wunsch. Wenn Du mir dann auch noch ein neues Zuhause schenkst, in dem sich ein Mädchen oder ein Junge um mich kümmert, mich lieb hat und dessen Spielgefährte ich sein darf, dann hättest Du auch meinen zweiten Wunsch noch erfüllt und ich wäre überglücklich.

Ich sitze hier nämlich einfach nur so rum. Keiner nimmt mich mit. Warum? Sie haben gesagt, ich sei unverkäuflich und würde zur Dekoration gehören. Das war ja eine Weile ganz lustig, aber nun befinde ich mich schon monatelang hier und demnächst soll umdekoriert werden. Das habe ich gehört, als ich ein Gespräch von zwei Verkäuferinnen belauscht habe. Ja und dann werde ich eingemottet, so haben sie gesagt. Ich will nicht eingemottet werden, was immer das auch ist. Zumindest klingt es nicht gut, eher unheilversprechend.

Ich habe beschlossen, dies nicht über mich ergehen zu lassen und einen Entschluss gefasst. Heute Nacht, wenn alles ganz ruhig ist, haue ich ab. Wenn der Wachmann seine letzte Runde dreht, schleiche ich hinter ihm her. Im Schutze der Dunkelheit schlüpfe ich in die Freiheit hinaus. Es wird nicht einfach sein, aber alles ist besser als eingemottet zu werden. Ich versuche mich dann zu Dir durchzuschlagen… 

Bis bald 

Dein Bruno

 

 

Fortsetzung folgt…

 

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Weihnachtsmann Willi

Seine letzte Tour

Babette und der Schneemann

 

Trubel im Keller

Ich sitze hier so gemütlich in meinem Sessel und will die Augen ein wenig zudrücken. Draußen ist es kalt und trüb und ich habe keine Lust mich dorthin zu begeben. Hier drinnen ist es warm und gemütlich.
Das dachte ich zumindest, als ich mich auf meiner Decke ausgestreckt habe. Okay, warm ist es schon, aber mit der Gemütlichkeit scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Kaum sind mir die Augen zugefallen und ich will mich ins Land der Träume begeben, da fängt es an. Zuerst denke ich, ich wäre schon eingeschlafen und würde träumen. Aber eigentlich bin ich doch noch wach. Oder träume ich, dass ich träume oder dass ich wach bin? Seltsam. 
Ich höre auch etwas. Doch was ist das? Und vor allen Dingen, wo kommt es her?
Ich glaube es kommt aus dem Keller. Ob ich mal nachsehen gehe? Okay, die Neugierde hat gesiegt. Ich strecke mich noch einmal und stelle mich auf meine Beine. Dann mache ich mich auf den Weg. Dieses Rumoren kommt tatsächlich aus dem Keller. Ich kann mich nicht erinnern, dass außer mir noch jemand im Haus ist. Mir wird es ganz mulmig, denn außer diesen undefinierbaren Geräuschen höre ich auch Stimmen. Oder sollte ich vielleicht verrückt geworden sein? Nein, ich bin vollkommen im Besitz meiner geistigen Kräfte. Klar, die Jüngste bin ich nicht mehr, doch so alt bin ich nun auch noch nicht. Aber es sind eindeutig Stimmen, die ich höre. Noch kann ich sie nicht verstehen, aber je näher ich ihnen komme, umso deutlicher werden sie.
„Jetzt wird es aber endlich Zeit“, sagt ein niedliches süßes Stimmen. Es ist hell und klar, fast wie … Nein, das kann nicht sein.
Da ist aber auch noch eine tiefere Stimme. Ein richtig alter Brummbär scheint das zu sein.
„Hallo! Hallo! Ist denn hier niemand?“, tönt der dunkle Bass aus einer Ecke.
„Doch, ich bin hier!“, hätte ich fast gesagt, doch mir ist die ganze Sache nicht geheuer. Ich kann wirklich niemand sehen, aber ich höre diese Stimmen und nicht nur die zwei. Inzwischen scheinen da auch noch andere zu sein, in den unterschiedlichsten Stimmlagen.
„Lasst uns endlich hier raus!“
„Wie lange sollen wir noch warten oder habt ihr uns ganz vergessen?“
Leise schleiche ich mich Schritt für Schritt näher. Da hinten kommen sie her. Hier im Keller ist es dunkel. Ich kann nichts erkennen. Doch ich weiß, dass dort hinten der alte große Schrank steht und genau von dort kommen die Stimmen und Geräusche. Dort rumpelt und pumpelt es so komisch. Es werden doch keine Einbrecher hier sein? Und ich bin mutterseelenalleine. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Ich muss eingestehen, dass ich Angst habe, obwohl ich sonst nicht unbedingt ein Angsthase bin. Was soll ich nur machen? Es ist richtig unheimlich. Am besten ich verhalte mich ganz still und die Luft sollte ich auch anhalten, damit mich niemand atmen hört.
Plötzlich geht das Licht an. Ich drücke mich hinter das Regal, damit ich nicht entdeckt werde. Wer kommt denn da?
Es ist eine Frau. Jetzt geht sie auch noch zu dem Schrank hin.
Ich kann ihr Gesicht nicht sehen, aber ich glaube es ist … Ich muss sie warnen, doch ich kann mich einfach nicht von der Stelle rühren. Hört sie denn nicht diesen Trubel und die Stimmen? 
„Halt!“, will ich ihr entgegen schreien, aber aus meiner Kehle dringt kein Laut.
Sie öffnet die Schranktür.
„Na endlich! Es wurde auch Zeit!“
„Bin ich froh, dass wir jetzt gleich wieder frei sind!“, höre ich viele verschiedene Stimmen.
Die Frau nimmt etwas heraus und dreht sich um. Jetzt erkenne ich sie ganz deutlich. Es ist mein geliebtes Frauchen. Ich springe aus meinem Versteck und laufe zu ihr. Und jetzt verstehe ich auch  plötzlich, was hier vor sich geht.
Mein Frauchen hat einen großen Karton aus dem Schrank geholt und ihn geöffnet. Nach und nach entnimmt sie ihm viele verschiedene Figuren: Einen Weihnachtsmann, das muss der mit der tiefen Bassstimme sein. Und zwei kleine Engelchen, das waren die hellen und klaren Stimmen. Auch Schneemänner, ein kleines Schaukelpferd, Kerzen, Glöckchen, Kugeln und vieles mehr zaubert sie hervor. 
„Na klar!“, denke ich. „Die Adventszeit beginnt nun schon bald und die Weihnachtsdekoration wird aufgestellt. Bin ich froh!
„Schau mal Lottchen! Sind die nicht süß?! Jetzt wird es weihnachtlich!“, sagt sie zu mir, streichelt mich ganz lieb und hält mir die zwei kleinen Schneemänner hin.

 

 

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Was das Christkindlein bringt

Weihnachtsstimmung

Kuschelig

Wo ist sie nur hin, die liebe Sonne,
die bringt soviel Freud und Wonne?
Es ist neblig, trüb und auch kalt,
so ist der November halt.

Ich mag gar nicht mehr lange raus,
trotz Pelz ist die Kälte mir ein Graus.
Drinnen gibt es Futter und Leckerei,
aber auch sonst noch allerlei.

Frauchen macht es kuschelig warm
und nimmt mich auch auf den Arm.
Sie hat für mich viele schöne Decken,
zum Kuscheln bis zum Wecken.

Ich zähle dann ein paar Schäfchen
und mache mein Mittagsschläfchen.
Hinterher bin ich wieder so richtig fit
und mit dem November quitt.

Strolche ein bisschen um die Ecken,
vergessen sind die warmen Decken.
Flüchte erst wieder bei Wind und Regen,
ins warme Haus, welch ein Segen.

Sammele dort für den neuen Tag Kraft,
der alte hat mich ziemlich geschafft.
Träume gern von den kleinen Mäuschen,
ohne zu verlassen das Häuschen.

Ein Katzenleben ist doch eine Pracht,
nicht nur, wenn die liebe Sonne lacht.
Mach auch Du das Beste aus dem Tag,
so dass er Dir gefallen mag.

 

 

 

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Kopflos

Gedankenverloren

Fein herausgeputzt

 

Das Bananenoutfit

Die Tatsache, dass ich heute diesen Post einstelle, hängt sehr eng mit zwei Personen zusammen. Hiermit meine ich erstens unseren Sohn und zweitens Traude (Rostrose). Das muss man allerdings ein wenig erläutern, denn diese beiden Personen kennen einander nicht, aber sie verbindet in Bezug auf mein heutiges Thema sozusagen ein Stückchen Stoff. Um genauer zu sein ein Stück gelber Stoff. Bevor Ihr Euch nun den Kopf zerbrecht, welche mysteriösen Dinge hier ablaufen, will ich es Euch erklären.
Unser Sohn digitalisiert gerade unsere alten Videos und ist dabei auf eine Aufnahme gestoßen, die vor fast dreißig Jahren entstanden ist. Sie zeigt unseren kleinen Sohn, der gerade erst laufen gelernt hat und mich. Mein Mann hat damals diese Videoszene gedreht. 
Darauf ist unser einjähriger Sohn zu erkennen, der nach der Kamera greifen will, was ihm allerdings untersagt wird. Daher verzieht er das Gesicht und will anfangen zu weinen. Dann komme allerdings ich ins Spiel. Er lässt sich Trost suchend in meine Arme fallen und ich nehme ihn hoch. 
Eine ganz normale Szene, die nichts Außergewöhnliches in sich birgt. Wäre da nicht dieses Stückchen Stoff. Gemeint ist meine damalige Kleidung. Ich trug einen gelben Overall. 
Während unser Sohn die alte Videoaufnahme neulich digitalisierte, kommentierte er diese folgendermaßen:
„…und hier das Bananenoutfit…“
 Gemeint war mein gelber Overall, den er als sehr modisch bezeichnete und fragte, ob ich diesen noch besitzen würde.
Soweit, so gut.
Hierauf kam ich in einem Kommentar zu sprechen, den ich auf Traudes Seite schrieb. Und Traude schrieb mir wieder zurück:
„Nun würde mich aber natürlich interessieren, wie die Sache mit dem gelben Overall weitergegangen ist…. Vielleicht hast du ja mal Lust, mir oder allen hier diese Geschichte zu erzählen! :-)).“
Und ob ich Lust darauf habe.
Diesen gelben Overall trug ich vor 32 Jahren, nämlich am 26.6.1986. Dies war der Tag unserer standesamtlichen Trauung. Nein, ich habe ihn nicht im Standesamt getragen, allerdings am Abend bei unserem Polterabend. Er passte hervorragend zu unserer fröhlichen Stimmung und er strahlte mit seinem Sonnengelb mit mir um die Wette, wie Ihr ganz deutlich auf dem leider recht verpixelten Beitragsfoto erkennen könnt. Als Accessoire gehörte ein gelber Lackgürtel dazu und selbstverständlich eine Modeschmuckkette bestehend aus Perlen und die entsprechenden Ohrclipse in der selben leuchtenden Farbe.
Ich habe diesen Overall geliebt und mich richtig wohl darin gefühlt und habe ihn daher auch öfter und sehr gerne getragen.  Allerdings erinnere ich mich expliziert nur an den Tag unseres Polterabends und noch an zwei weitere Tage, wobei der eine auf der Videoaufnahme festgehalten ist. Der dritte Tag, der mir noch immer im Gedächtnis ist, hat eine ganz besondere Bedeutung. Es war der der Zeitpunkt meiner Entlassung aus dem Krankenhaus nach der Geburt unseres Sohnes. Ich war mächtig stolz, dass er mir wieder gepasst hat und wollte mich selbstverständlich im Spiegel bewundern. Leider gab es in dem Zimmer im Krankenhaus keinen Spiegel, außer dem über dem Waschbecken. Da ich darin jedoch nur mein Gesicht sehen konnte, stellte ich mich auf einen Stuhl und begutachtete meine Figur im Spiegel. Zufrieden dachte ich: „Super, dass er mir wieder passt!“  Ich stieg gerade vom Stuhl, als mein Arzt den Raum betrat und mich anlächelte. Ich vermute, dass er meine Gedanken lesen konnte.
Traude fragte mich noch, ob ich diesen Overall noch besitzen würde und ob er mir immer noch passt.
Ich konnte mich ehrlich gesagt nie von diesem „Bananenoutfit“ trennen, obwohl ich ihn schon lange nicht mehr trage. Er lag die ganzen vielen Jahre im obersten Stockwerk in einem Schrank mit anderen kostbaren Erinnerungsstücken verwahrt. Gestern Abend habe ich ihn hervor geholt und anprobiert. Ja, er passt mir noch immer. Allerdings würde ich ihn nicht mehr tragen. Er ist aus den 80ern und hat daher auch die etwas betonten Schultern. Aber weggeworfen wird er trotzdem nicht. Vielleicht gibt es ja mal irgendwo eine Achtzigerjahreparty und ich kann ihn nochmals ausführen. 🙂 Die Kette und die Ohrclipse muss es auch noch geben, jedoch habe ich den Lackgürtel noch nicht gefunden. Aber ich bin mir sicher, irgendwo taucht er auch wieder auf.

 

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Ein seltsames Phänomen

Tanja hat den Urlaub auf dem Bauernhof von Familie Sonnenschein in Bayern genossen. Sie ist erholt und mit roten Wangen wieder zurück in Berlin. Da sich alle so gut miteinander verstanden haben, ist jetzt schon klar, dass sie die Winterferien wieder auf dem Hof verbringen werden.
Im Gegenzug wollen sich Oma Hilde und Opa Josef, wie Tanja die Eltern von Bauer Sonnenschein nennt, eine Woche lang Berlin ansehen. Am nächsten Montag soll die Reise losgehen. Während Oma Maria schon total aufgeregt ist und die Koffer bereits gepackt im Hausflur stehen, nimmt es Opa Josef eher gelassen hin. 
„Musst du eigentlich wie ein aufgeschrecktes Huhn andauernd kreuz und quer durch die Wohnung laufen?“, fragt er seine Frau. „Wir fahren erst  in 5 Tagen. Du hast gepackt und alles ist fertig. Also sei friedlich, setz dich hin und kümmere dich um dein Steckenpferd, das Kreuzworträtsellösen.“
„Ja, ja!“, entgegnet Oma Maria und reißt nun bereits schon die dritte Schublade des Wohnzimmerschrankes auf. „Ich muss erst noch was suchen.“
„Hast du wieder einmal deine Brille verlegt?“ fragt ihr Mann kopfschüttelnd.  „Maria, Maria, ich sag dir, du wirst langsam schusselig. Falls du es nicht bemerkt hast, sie hängt an einem Band um deinen Hals.“
„Also Josef, ich bin doch nicht tüdelig“, empört sich Oma Maria. „Was denkst du denn von mir?!“
„Dann frag ich mich wirklich, was du suchst?!“, möchte ihr Mann nun endlich wissen.
Inzwischen ist Oma Maria allerdings in die Küche geeilt und durchforstet dort die Schubladen und Schränke.
„Ich versteh das nicht, ich versteh das nicht!“
„Was verstehst du nicht?“, will nun auch Bauer Sonnenschein wissen, der seinen Nachmittagskaffee genießen will und gerade zur Tür herein kommt.
„Ich hab doch erst neulich fünf von den Dingern aus dem Supermarkt mitgebracht. Und drei hatten wir sowieso noch da. Das macht insgesamt acht Stück.“
„Stimmt!“, grinst der Bauer. „Fünf plus drei macht nach Adam Riese acht.“
„Vorgestern lagen noch ein paar in der Schublade von der Wohnzimmervitrine“, erklärt Oma Maria ihrem Sohn, der sich allerdings nun ebenso wundert wie Opa Josef.
„Warum suchst du diese mysteriösen Dinger dann hier in der Küche?“
„Weil sie nicht im Wohnzimmer sind und sie seltsamerweise immer ein Eigenleben entwickeln. Das geht schon mein ganzes Leben lang so.“
Mittlerweile ist die gesamte Familie in der Küche eingetroffen, auch die Bäuerin. Alle sind sie jedoch ratlos, denn niemand versteht genau, wonach Oma Maria eigentlich sucht. 
„Entweder sie sind alle da oder auf geheimnisvolle Weise verschwunden, um dann ganz plötzlich wieder unverhofft aufzutauchen“, erklärt die alte Frau, während sie immer noch alle Ecken durchsucht.
„Jetzt habe ich verstanden, wovon du sprichst und was du suchst“, ruft die Bäuerin erfreut aus und schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. „Dieses Phänomen kenne ich. Mir geht es mit den Dingern genauso. Ich helfe dir beim Suchen, gemeinsam werden wir doch wenigsten ein Exemplar auftreiben können“, meint die Bäuerin.
„Na dann sucht mal schön weiter“, erklärt Bauer Sonnenschein den beiden Frauen. „Ich gehe noch mal in den Stall und sehe nach der kalbenden Kuh.“
Bauer Sonnenschein, den das alles nicht so recht interessiert, schlüpft in seine Jacke und knöpft sie zu, bevor er gewohnheitsgemäß in deren Tasche greift, diese leert und schließlich die Küche verlässt.
„Warte, ich komme mit!“, ruft ihm Opa Josef zu und schiebt den Stuhl etwas ungeschickt nach hinten, so dass der an der Lehne befindliche Rucksack herunterfällt und sich der Inhalt auf dem Fußboden wiederfindet. In Gedanken schon bei der kalbenden Kuh bückt er sich danach und wirft alles achtlos auf den Küchentisch, um gleich darauf seinem Sohn in den Stall zu folgen.
Die Bäuerin und Oma Maria haben mittlerweile alle Schränke durchsucht. Allerdings ohne Erfolg. Das Gesuchte ist und bleibt verschwunden. Ihnen bleibt vorerst keine andere Wahl als die Suche erfolglos abzubrechen.
„Lass uns später weitersuchen. Jetzt trinken wir erst ein Tässchen Tee“, schlägt die Bäuerin vor und dreht sich in Richtung Küchentisch. Nahezu im selben Moment bricht sie in schallendes Gelächter aus und lässt sich auf den Küchenstuhl fallen.
„Das ist wahrhaft ein seltsames Phänomen“, ruft sie atemlos unter Lachen aus. „Schau mal Maria, was da liegt. Jetzt kannst du wieder deine Kreuzworträtsel lösen. Wenn mich nicht alles täuscht, dann sind das genau deine acht Kugelschreiber, die wie aus dem Nichts wieder aufgetaucht sind.“

 

 

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Hui!!!

Astrid, Opa und das Eis

Herzlichen Glückwunsch!

 

 

 

Hallo lieber Herbst!

Hallo lieber Herbst!

Meine Mutter hat heute die Schublade unserer Wohnzimmervitrine ausgemistet. Dabei hat sie das Briefpapier gefunden und mir geschenkt. Sie meinte, sie wisse nicht wem sie einen Brief schreiben solle, denn alle würden nur noch mit dem Handy telefonieren oder E-mails schreiben. Ich könne das Papier zum Malen nehmen. Aber ich habe da eine andere Idee:
Ich möchte Dir schreiben, denn ich finde Dich ziemlich nett und das sollte man Dir auch mal sagen. Also: 

Lieber Herbst, ich mag Dich! Ich finde Dich richtig cool!

Ich weiß ja, viele Leute sind da anderer Meinung. Meine Oma zum Beispiel. Sie schimpft immer über Dich. Sie sagt, Du bist böse, weil Du ihr Haar zerzaust. Entweder machst Du ihr eine Sturmfrisur oder Du schickst so viel Feuchtigkeit durch die Luft, dass sich ihre Locken noch mehr kringeln. 
Du musst wissen, dass meine Oma überhaupt keine echten Locken hat. Sie geht nämlich zum Friseur und dort zaubern sie ihr eine Dauerwelle auf den Kopf. Wenn Du dann Nieselregen schickst, hat meine Oma eine Krusselfrisur.
Naja, ehrlich gesagt, gefällt sie mir damit auch nicht so gut, aber ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Oma ist in so einem Fall allerdings echt sauer auf Dich und schaut gar nicht glücklich aus. Sonst ist sie aber ein total fröhlicher Mensch und lacht auch viel. Papa sagt dann nur: „Frauen und ihre Haare, – das ist ein Thema für sich. Das werden wir Männer nie begreifen.“ 
So ein bisschen kann ich meine Oma ja verstehen, denn Nieselregen ist auch nicht gerade mein Lieblingswetter. Ich mag es allerdings, wenn Du uns Wind schickst. Dann kann ich nämlich meinen Drachen steigen lassen, den ich letztes Jahr mit meinem Papa gebastelt habe.
Außerdem wirbelst Du so schön die Blätter durcheinander und man kann versuchen sie zu fangen. Unser Nachbar ärgert sich allerdings jedesmal, wenn er gerade das Laub im Garten auf einen Haufen gemacht hat und Du den Wind hinein blasen lässt. Er flucht sogar, wenn er wieder von vorne anfangen muss. Wahrscheinlich glaubt er, man könne das nicht hören, weil ja der Wind um die Ecken pfeift.
Ja, manchmal schüttelst Du die Bäume schon ein wenig zu heftig. Das muss ich zugeben. Ich frage mich auch, weshalb denn all die bunten Blätter vom Baum geschüttelt werden müssen. So ein kunterbunter Baum sieht doch gut aus. Aber Du wirst das schon alles richtig machen und außerdem wachsen im Frühling ja wieder neue Blätter nach.
Toll finde ich es, wenn beim Schütteln auch die Kastanien herunter fallen. Die nehme ich alle mit nach Hause. Meine Mama macht mir eine heiße Schokolade und mit meiner Oma bastele ich Männchen aus den Kastanien. Ich glaube das macht ihr Spaß. Mir übrigens auch. 
Super finde ich es, dass Du viele Pfützen zauberst. Ich springe sooo gerne hinein. Mama hat mir extra neue rote Gummistiefel gekauft. Damit darf ich in die Pfützen hüpfen und meine Füße bleiben trocken. Ich muss nur aufpassen, dass ich dabei niemand nass spritze, denn das mögen die meisten Leute nicht, sagt meine Lehrerin.
Entschuldige bitte, ich will ja nicht meckern, aber eine Sache stört mich allerdings auch. Jetzt werden die Tage kürzer und es wird immer ein bisschen früher dunkel. Ich muss dann nach Hause und darf nicht so lange draußen spielen, wie im Sommer. 
Gestern fand meine Oma Dich richtig gut. Sie hat Dich gelobt, weil Du uns die Sonne geschickt hast und alles golden aussah. Oma meinte, das sei der Goldene Herbst und den mag sie sehr.  Dabei hat sie meinen Opa ganz verliebt angesehen und ihm über die grauen Haare gestreichelt. Opa hat sie angelächelt und ihr zugezwinkert.
So jetzt ist mein Brief fertig und ich lege ihn heute Abend auf die Fußmatte vor der Haustür. Schick einfach den Wind vorbei, er wird ihn für Dich abholen.

Ganz liebe Herbstgrüße

Dein Fan Michi

 

 

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Das Windrädchen

Es steht hier auf weiter Flur,
kann nichts anderes als sich drehen nur.
Es dreht sich im Wind,
manchmal langsam und manchmal geschwind.

Kinder stehen vor ihm dann,
zieht das Windrädchen sie in seinen Bann.
Kinderaugen es anstrahlen,
voller Glück sie funkeln wie Sonnenstrahlen.

Steht der Wind mal still,
jedes Kind dem Rädchen schnell helfen will.
Atmen richtig tief nun ein,
pusten mit voller Kraft auf dessen Flügel ein.

Schnell wie nie im Leben,
dreht es sich und es ist sein Bestreben,
dass die Kinder es nehmen mit,
fortan sie zu begleiten auf Schritt und Tritt.

 

 

 

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Liebe Leute, ich bin wieder da,
war gar nicht richtig weg zwa’,
weil ich manchmal nur ganz leise,
gehe auf meine lange Reise.

Dann spiele ich mit eurem Haar
und ihr nehmt mich kaum wahr.
Wehe euch um die Nase ganz sacht,
mit Vorsicht und auch Bedacht.

Treibe Wolken hin und her ein Stück
mal vor, aber auch mal zurück.
Puste nach der Flaute voller Kraft,
damit das Segel nicht erschlafft.

Komme von nah und von fern,
kühle eure heiße Stirn gern.
Bringe frische Luft in alle Räume,
wirbele dann auf eure Träume.

Lasse Samen durch die Lüfte fliegen,
Halme sich unter mir biegen.
Drachen gleiten am Himmel dahin,
wie es mir steht so im Sinn.

Blätter von Bäumen ich schüttele,
auch an Gartentüren ich rüttele.
Treibe Laub durch die Straßen,
lasse Kinder mit mir spaßen.

Manchmal muss ich aber toben,
komme mit Wucht von oben.
Peitsche auf die Wellen im Meer,
wüte auch ringsum gar sehr.

Bin dann mächtig und bärenstark,
säusele nicht leise, brülle lautstark.
Decke ab all der Häuser Dächer,
alles klappt zusammen wie Fächer.

Werfe um Bäume groß und klein,
trage Unglück in die Welt hinein.
Man wird mich dann laut verfluchen
und nur noch Zuflucht suchen.

Dann muss ich mich schlafen legen,
will nicht durch die Gassen fegen.
Tue so, als sei nichts geschehen,
lasse leicht nur Fahnen wehen.

Will mich wieder mit euch versöhnen,
euch an meinen Hauch gewöhnen.
Windstille lasse ich nun treten ein,
bis ich komme wieder herein.

 

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Wetterprognosen

Tanja hat Herbstferien. Es sind ihre ersten richtigen Schulferien, denn sie ist erst im Sommer eingeschult worden. Mit ihren Eltern macht sie Urlaub auf dem Bauernhof von Familie Sonnenschein in Bayern.  Für ein kleines Mädchen aus Berlin gibt es hier viel zu bestaunen.
Auch ausprobieren und hier und da ein bisschen mithelfen darf sie, zum Beispiel beim Hühnerfüttern, beim Einsammeln der Eier oder beim Einsetzen der Tulpenzwiebeln.
Bis jetzt wurde sie immer vom Bauer und der Bäuerin gelobt, denn sie hat alle ihr aufgetragenen Arbeiten sorgfältig und gewissenhaft erledigt. Obwohl der Korb mit den eingesammelten Eiern heute recht voll und auch schwer war, hat sie alle heil in der Küche bei der Bäuerin Hilde abgeliefert.
„Das machst du toll, Tanja. Wie soll ich das alles nur bald wieder ohne dich schaffen?“
„Wenn du es nicht schaffst, komme ich einfach wieder hier her. Weihnachten sind doch Ferien und dann sind da auch noch die Winter,- Oster- und die großen Sommerferien“, meint Tanja.
„Naja, das können  wir ja alles noch besprechen, aber jetzt setz dich schön mal hin und trinke deine Milch. Oder möchtest du lieber eine heiße Schokolade.“
„Ohja eine Tasse heiße Schokolade, bitte! Die war gestern soooo lecker!“, sagt Tanja begeistert.
„Die Milch und die frische Luft hier tun unserem Mädchen richtig gut“, meint Tanjas Mutter, die in diesem Moment die Küche betritt und ihrer Tochter zärtlich über die Haare streicht.
Inzwischen sind alle um den Frühstückstisch versammelt. Bäuerin Hilde und Bauer Anton sitzen jeweils an der Stirnseite des großen Tisches. Tanja darf auf der Bank zwischen der „Ferienoma“ Maria und dem „Ferienopa“ Josef sitzen. Ihnen gegenüber nehmen Tanjas Eltern Platz. 
„Wir machen heute einen Ausflug, eine kleine Wanderung“, weiht Tanjas Vater alle Anwesenden ein.
„Dann iss mal dein Frühstück ordentlich auf. Du hast doch bestimmt schon gemerkt, wenn man seinen Teller brav leerisst, dann scheint die Sonne. Und gutes Wetter brauche ich heute unbedingt. Ich habe mir nämlich eine weniger schöne Tätigkeit vorgenommen, das Fensterputzen. Aber es muss mal wieder sein“, erklärt die Bäuerin.
„Ohje, Sie Arme!“, bedauert Tanjas Mutter die Bäuerin. „Wenn ich zu Hause meine Fenster putze, dann ist das Ergebnis immer nur von kurzer Dauer. Ich könnte fast jedes Mal wetten, dass es spätestens am nächsten Tag regnet.“
„Das ist mir auch schon oft passiert!“, bestätigt die Bäuerin diesen Aberglauben.
„Wartet mal!“, ruft da Oma Maria aus. „Ich muss euch unbedingt etwas mitgeben!“
Sie verlässt die Küche, um eine Minute später wieder zu erscheinen.
„Hier, den solltet ihr unbedingt mitnehmen!“
Sie reicht Tanjas Vater einen Schirm und bittet ihn trotz momentanem Sonnenschein diesen in den Rucksack zu stecken.
„Wenn ich den dabei habe regnet es nie. Nur wenn ich ihn zu Hause vergessen habe, dann regnet es ganz sicher. Das ist mir erst neulich wieder passiert!“, berichtet sie den Umstehenden.
„Na, dann nehmen wir den Schirm selbstverständlich mit, damit unser Ausflug nicht ins Wasser fällt“, lenkt Tanjas  Vater ein und verstaut ihn in seinem Rucksack, obwohl er diese Sache mit dem Schirm für Zufall beziehungsweise Aberglauben hält.
Als die drei Urlauber zur Haustür hinaus auf den Hof gehen, zeigt sich der Himmel in seinem schönsten Blau. Sie sind sich sicher, dass heute kein einziges Tröpfchen herabfallen wird und freuen sich auf den Tag. Die anderen wünschen ihnen eine schöne Wanderung und winken ihnen nach, als durch das Hoftor die Nachbarin herüber kommt. 
„Hoffentlich geht das gut“, meint sie skeptisch zu den Feriengästen und wirft einen Blick zum Himmel. „Ich nehme doch an, dass sie einen Regenschirm dabei haben.“
Etwas verdutzt deutet Tanja auf den Rucksack, den ihr Vater geschultert hat. Irgendwie irritiert sie das ganze Gerede um das Wetter. Sagt der Vater sonst nicht immer, dass der Mensch das Wetter sowieso so nehmen muss, wie es eben ist?! Aber welche Vorahnung hat die Nachbarin nun schon wieder?
„Ich habe heute so ein Ziehen in meinem Knie und das ist ein sicheres Zeichen, dass sich das Wetter ändert.“
„Wir sind gewappnet!“, beteuert Tanjas Vater und schreitet mit Frau und Tochter frohgemut zum Hoftor hinaus. Hinter ihnen hören sie noch Opa Josef aus dem Küchenfenster rufen:
„Ach Edith, du mit deinem Knie und dem Wetter. Du weißt doch:

„Kräht der Hahn auf dem Mist,
ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist.“

 

 

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