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Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Arzttermin

Ich sitze im Wartezimmer.

„Lange kann es nicht mehr dauern“, denke ich.

Außer mir sitzt noch eine Frau im Wartebereich. Sie löst konzentriert Kreuzworträtsel.

Plötzlich wird meine Aufmerksamkeit auf ein Telefonat gelenkt, das die Sprechstundenhilfe führt. Ich kann zwar ihren Gesprächspartner nicht hören, aber die Kommunikation trotzdem erahnen.

Es geht um eine Terminvereinbarung, allerdings scheint das Datum nicht zu passen. 

„Ach“, höre ich die nette  Sprechstundenhilfe sagen „so schlimm ist das doch gar nicht.“  Besonders ihre tröstende Begründung bringt mich zum Schmunzeln:

„Mein Mann ist an einem 13ten geboren. Er hat in seinem Leben sehr viel Glück gehabt, – mit mir.“

 

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Oh Schreck!!!

Wir sitzen mit Freunden zusammen und erzählen von unserem Sommerurlaub. Ich komme regelrecht ins Schwärmen, denn von diesen drei Wochen gibt es viel zu erzählen. 

„Es war ein rundum gelungener Urlaub“, sage ich und zeige auf meinem Handy einige Fotos. 

„Deine Begeisterung steckt regelrecht an“, meint mein Gegenüber. „Gibt es denn etwas, das du nicht gut fandest oder worüber du dich geärgert hast?“

Ich überlege und will gerade mit dem Kopf schütteln, da schaltet sich mein Mann ein.

„Ich wüsste da schon etwas!“

Stirnrunzelnd schaue ich ihn an. Um mir gedanklich auf die Sprünge zu helfen, formt er seine rechte Hand so, als würde er hiermit etwas umklammern. Er hebt die Hand über seinen Kopf und bewegt sie hin und her. Ich verstehe endlich, was er damit andeuten will.

„Ach“, sage ich. „Ja, da gibt es schon eine Begebenheit, über die ich mich tüchtig geärgert habe.“ Zu meinem Mann gerichtet füge ich noch hinzu:

„Du brauchst gar nicht zu grinsen, denn ich fand die Sache alles andere als lustig. – Na gut, vielleicht im Nachhinein.“

„Dann erzähl doch mal!“, fordern unsere Freunde mich auf.

„Ja, ja, damit ihr auch etwas zum Lachen habt, – natürlich auf meine Kosten“, erwidere ich, lasse mich aber dennoch nicht lange bitten und gebe mein Missgeschick zum besten.

„Wir waren gerade vom Landgang zurück auf das Schiff gekommen. Ich wollte mich schnell für das Essen und das anschließende Abendprogramm fertig machen, also ging ich ins Bad. Ich habe die Angewohnheit mir die Haare immer am Waschbecken zu waschen. So schamponierte ich sie ein und spülte anschließend den Schaum auch wieder aus den Haaren. Danach stellte ich mich mit den nassen Haaren unter die Dusche und seifte mich ein.“

„Hör auf zu grinsen!“, rufe ich meinem Mann zu. „ Du hättest mir helfen können, aber du hast meine Hilferufe ja nicht gehört.“

„Ich lag in der Hängematte und war gerade ein bisschen eingedöst“, sagt er unschuldig in die Runde. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ein Notfall eingetreten war. Außerdem passiert so etwas auch nur in Filmen.“

Spätestens jetzt sind unsere Freunde neugierig geworden und schauen erwartungsvoll von mir zu meinem Mann und wieder zu mir.

„Was soll ich sagen?!“, druckse ich herum. „Ich hatte mich gerade eingeseift, als das Wasser nur noch tröpfchenweise aus dem Duschkopf kam.“

Jetzt habe ich bereits alle Lacher auf meiner Seite.

„Sag bloß!“, kichert meine Freundin. „Aber in Filmen kommt gar kein Wasser mehr.“

„Mein Glück!“, gebe ich zu. „Mit diesen wenigen Tropfen konnte ich die Seife abwaschen. Außerdem war ich heilfroh, dass ich mir die Haare bereits zuvor am Waschbecken gewaschen hatte.“

„Rund um das Schiff gab es doch genügend Wasser“, will mich mein Mann auf den Arm nehmen.

„Was war die Ursache? Hast du vergessen den Wasserhahn aufzudrehen?“, erkundigt sich einer unserer Freunde.

„Haha!“

„Es gab eigentlich kein Problem“, mischt sich mein Mann ein. Als sie aus dem Bad kam und mich aus meiner Hängematte zog, musste ich im Bad nach der Ursache suchen. Ich musste allerdings nicht lange auf die Suche gehen, denn der Schlauch hatte sich abgeknickt und die Ummantelung gelöst. Ich habe den Knick rausgemacht und konnte mich ohne Probleme und mit viel Wasser duschen“, erklärt er den anderen.

„Ja, hinterher kann ich auch darüber lachen, sogar über mich selbst. Aber in dieser Situation war ich für jeden Tropfen Wasser, den ich erhaschen konnte sehr, sehr dankbar“, gebe ich zu.

„Das kann ich mir vorstellen!“, stimmte meine Freundin mir zu. 

„Ende gut,- alles gut“, sage ich. „Und nun lasst uns auf diesen gemütlichen Abend mit euch anstoßen.“

„Und auf die kleinen Missgeschicke im Leben, die uns zum Lachen bringen“, fügt mein Mann hinzu, während wir uns zuprosten.

Volltreffer

Ich bin mit meiner Mutter zu Fuß in der Stadt unterwegs. Uns kommt eine Frau entgegen, die freundlich lächelt. Mich durchzuckt in diesem Moment ein Wiedererkennungsblitz. 

„Ach hallo“,sage ich freudestrahlend. „Wie geht es denn?“ 

„Gut, danke der Nachfrage“, antwortet die Angesprochene. „Und selbst?“

Nachdem wir uns gegenseitig unser Wohlbefinden bekundet haben, fragt sie mich lächelnd: 

„Kennen wir uns?“

Spätestens als meine Mutter den Kopf schüttelt, könnte ich in den Erdboden versinken. Mir wird klar, dass hier eine Verwechslung vorliegt. 

„Oh, das ist mir jetzt aber total peinlich“, gebe ich errötend zu. „Da stehe ich wohl gerade voll in einem Fettnäpfchen.“

Schwierige Entscheidung

Wir sitzen vor einem Cafe. An den beiden Nachbartischen nehmen ein Mann, ein kleines Mädchen und eine Frau mit einem kleinen Jungen Platz. Als unsere Kaffeespezialitäten jeweils mit Keks serviert werden, schiebt mein Mann seinen zu mir. 

Spontan frage ich die Mutter des Jungen, ob ich ihm einen Keks geben darf. Sie bejaht und bedankt sich.

Den Mann bitte ich ebenfalls um Erlaubnis und nach einem freundlichen Nicken, überreiche ich der Kleinen den zweiten Keks.

„Wie sagt man?“, fordert der Vater seine Tochter auf.

Stille.

Angestrengt überlegt sie, wägt Antwortmöglichkeiten ab. 

Stille.

Dann ist die Entscheidung gefallen:

„Bitte!“ antwortet sie.

 

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Wörtlich genommen

Wir fahren spontan in den Nachbarort. Dort gibt es ein kleines Restaurant mit einem Eiscafé. Da es gerade kurz nach zwölf Uhr mittags ist, entschließen wir uns an diesem sonnigen Tag an einem der Tische unter dem roten Sonnenschirm Platz zu nehmen. Wir sind nicht die Einzigen, die anscheinend auf diese Idee gekommen sind, denn alle Tische sind im Nu besetzt. Während manche das kühle und leckere Eis vorziehen, genießen andere eine warme Mahlzeit.

„Eis möchte ich jetzt eigentlich nicht“, erkläre ich meinem Mann. „Eher ein kleines Mittagessen.“

Wir blättern schweigend in der Speisekarte, um das jeweils passende Gericht zu finden. Mein Mann ist ruckzuck fertig und weiß anscheinend schon, was er bestellen möchte, denn er klappt bereits die Speisekarte wieder zu.

„Was hast du dir ausgesucht?“, will ich wissen.

„Etwas, das mich an unseren Englischunterricht denken lässt“, meint er grinsend.

„Ich kann mich nicht erinnern, im Englischunterricht jemals gegessen zu haben und schon gar nicht ein Gericht, das hier in der Karte aufgeführt ist“, sage ich stirnrunzelnd.

„Oh doch!“

„Ihr durftet im Unterricht essen?“

„Nein!“

„Was denn jetzt? Ja oder Nein?“, frage ich sichtlich verwirrt.

„Na, ja und nein“, erklärt er mir. „Essen war im Unterricht selbstverständlich nicht erlaubt, aber das besagte Gericht steht hier in der Karte.“

Ich habe immer noch keinen blassen Schimmer, was er meint und nehme mir nochmals die Speisekarte vor. Dieses Mal allerdings nicht, um mir ein Gericht auszusuchen, sondern um herauszufinden, was mein Göttergatte in Verbindung mit dem Englischunterricht bringt.

„Hier ist aber keine Speise in englischer Sprache aufgeführt“, grübele ich.

„Nein, nein“, bestätigt er mir. „Es steht schon in deutscher Sprache in der Speisekarte.“

„Du willst mich doch irgendwie auf den Arm nehmen.“ 

Dessen bin ich mir inzwischen ziemlich sicher und sein unverschämtes Grinsen bestätigt mich darin.

„Ich gebe dir mal einen Tipp!“, schlägt er vor. „Du kannst dir doch sicherlich vorstellen, dass ich mir damals nur ziemlich ausgefallene oder ungewöhnliche Vokabeln gemerkt habe.“

„Geht das auch noch ein bisschen genauer?“, versuche ich einen weiteren Hinweis aus ihm herauszukitzeln.

„Naja, es war eher ein Beispiel dafür, dass man Begriffe aus der deutschen Sprache nicht wortwörtlich ins Englische übersetzen kann. Also ein sogenanntes Negativbeispiel.“

In meinem Kopf schwirrt es inzwischen. Ich durchforste alle Schränke und Schubladen meines Oberstübchens. Die Lösung scheint zum Greifen nahe, aber ich komme trotzdem noch nicht darauf. Deshalb nehme ich mir nochmals die Speisekarte vor und da trifft mich dann auch tatsächlich der Geistesblitz. Ich schlage mir gegen die Stirn und beginne zu lachen bis mir die Tränen kommen.

„Farmer-early-piece!“, sage ich genau in dem Moment, als die Bedienung an unseren Tisch herantritt und nach der Bestellung fragen will. Sie schaut uns mehr als nur verwundert an und erkundigt sich, ob sie später noch einmal kommen soll.

„Nein, nein!“, rufen wir gleichzeitig aus. 

„Für mich bitte das Bauernfrühstück“, bestellt mein Mann.

„Und für mich ebenfalls!“

„Tja, „Bauer heißt doch Farmer, früh heißt early und Stück übersetzt man mit piece. Also lautet die Übersetzung für Bauernfrühstück „Farmer-early-piece!“, erklärt mein Mann mit ernster Miene. „Auch wenn ich inzwischen weiß, wie man auf Englisch dieses Gericht bestellt, diese falsche Übersetzung ist bei mir über all die Jahrzehnte im Gedächtnis geblieben.“

 

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Gesundes Misstrauen

Wieder einmal sind wir in unserer alten Heimat. Da einige Erledigungen auf meinem Tagesplan stehen, fahre ich mit dem Auto durch die Stadt. Mein Weg führt mich an diesem schönen Sonnentag am Freibad vorbei. Erinnerungen durchzucken meinen Kopf. Ich werfe einen kurzen Blick nach links und kann durch den Zaun das Schwimmbecken und einen Teil der Liegewiese erkennen. 

„Genau da“, denke ich,“haben wir uns immer alle getroffen und unsere Badetücher auf der Wiese ausgebreitet.“

Lange kann ich mich dieser Erinnerung nicht hingeben, denn schon bin ich an einem Vorfahrt-Achten-Schild angekommen. Hier muss ich sogar anhalten, denn ein paar Autos auf der Hauptstraße haben Vorfahrt. Ja und das ist genau der Moment, in dem eine ganz andere Erinnerung in mir hervorgerufen wird. Sie war wohl ganz tief in der hintersten Schublade meines Gedächtnisses versteckt und scheint just auf diesen Moment gewartet zu haben.

Ich war damals so fünfzehn oder sechszehn Jahre alt und war stolze Besitzerin eines Mofas. Damals stand ich mit meiner orangefarbenen Vespa genau an diesem Kreuzungspunkt, als ich einen leichten Ruck von hinten verspürte. 

„Das darf ja wohl nicht wahr sein“, dachte ich damals. „Fährt mir doch tatsächlich ein Auto hinten auf mein Mofa auf.“

Ich stieg ab und begutachtete den Schaden. Ein junger seriös wirkender Mann entstieg dem besagten Auto und kam an meine Seite.

„Ist Ihnen etwas passiert?“, fragte er freundlich.

„Nein, mir nicht“ antwortete ich sichtlich verärgert. „Aber meinem Mofa. Das Rücklicht ist kaputt und wer weiß, vielleicht ist auch noch etwas verbogen.“

„Ich komme selbstverständlich für den Schaden auf. Ich bin schuld. Ich bin aufgefahren“, gab er unumwunden zu. „Hier ist meine Telefonnummer und mein Name. Rufen Sie mich an und sagen Sie mir, was die Reparatur kostet. Ich bezahle selbstverständlich alles.“

Er drückte mir einen Zettel mit den entsprechenden Angaben in die Hand. Das kam mir allerdings alles etwas seltsam vor und ich war schon damals von Natur aus wohl eher misstrauisch.

„Kommen Sie bitte mit mir nach Hause zu meinen Eltern“, erklärte ich ihm.

„Sie können mir wirklich vertrauen“, betonte er.

„Ja, aber ich möchte trotzdem gerne, dass Sie mit mir nach Hause kommen“, sagte ich zwar schüchtern, aber anscheinend doch bestimmend, denn er willigte lächelnd ein.

Ich nannte ihm meine Adresse und er forderte mich auf vor ihm her zu fahren. Mit klopfendem Herzen fuhr ich los und achtete darauf, dass er mir auch tatsächlich folgte. Wäre er einfach in eine andere Richtung gefahren, hätte ich eigentlich nichts tun können, aber er blieb hinter mir und so fuhren wir ein paar Minuten später in die Straße hinein, in der sich noch heute mein Elternhaus befindet.

Heute muss ich schon insgeheim ein wenig grinsen, wenn ich daran denke. Der junge Mann wirkte nicht nur seriös, sondern er war es auch. Er erklärte sofort meinen Eltern alles und nahm jegliche Schuld auf sich.

Als er wieder mit seinem Auto davon fuhr, meinte meine Mutter zu meinem Vater: „Das war der junge Herr XYZ, er ist Rechtsanwalt und Notar.“

„Ach“, sagte ich. „Mein Geschichtslehrer heißt auch XYZ, – so ein Zufall.“

Meine Mutter lächelte mich an und meinte nur: 

„Ja, der junge Mann ist dann wohl der Sohn.“

Es dauerte ein paar Sekunden bis diese Botschaft bei mir ankam, dann allerdings hatte ich es eilig.

„Ich geh in mein Zimmer“, erklärte ich meinen Eltern. „Ich muss nämlich noch was für morgen vorbereiten.“

Insgeheim dachte ich mir allerdings: 

„Ohje, morgen ist Geschichte und bestimmt nimmt er mich dran.“

Als meine Erinnerungen beim Geschichtsunterricht angekommen sind, höre ich plötzlich lautes Hupen. Inzwischen stehen nämlich schon zwei Autos hinter mir und ich hätte schon längst in die Hauptstraße einbiegen können. Ich gebe Gas und fahre weiter und damit sind auch meine Gedanken wieder beim Straßenverkehr. 

„Nur schade, dass ich nicht mehr weiß, ob ich tatsächlich im Geschichtsunterricht am nächsten Tag drangekommen bin, beziehungsweise, ob der junge Mann seinem Vater überhaupt von diesem kleinen Unfall mit mir und meinem Mofa berichtet hat. Auf jeden Fall hat er die Reparaturkosten erstattet und mir soeben Erinnerungen beschert.

 

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Heißes Pflaster

Es herrschte brütende Hitze, als er schnellen Schrittes über das heiße Pflaster lief. Er hatte ein Date und war spät dran. 

Sie bemerkte sofort, dass irgendetwas nicht stimmte, als er auf sie zulief. Doch was hielt er in der winkenden Hand? 

Als er näher kam, fiel ihr Blick auf seinen linken Fuß. „Er kommt in Badelatschen“, dachte sie verwundert. „Nein, am anderen Fuß trägt er einen Halbschuh. Seltsam.“

Winkend hielt er zwei Teile eines Schuhs und einen Flipflop in die Höhe. 

„Ich musste mir unterwegs  Badelatschen kaufen“, erklärte er. „Das heiße Pflaster hat den Kleber zwischen Schuh und Sohle aufgelöst.“

 

 

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Achtung Vogel!

„Wie Vögel es doch meistens schaffen rechtzeitig wegzufliegen“, sage ich zu  meinem Mann, während unserer Autofahrt.

„Ja, allerdings kam ich als Jugendlicher recht schmerzhaft zu dieser Erkenntnis“, erzählt er:

„Ich war mit dem Fahrrad ziemlich flott unterwegs, als sich plötzlich ein kleiner Vogel kurz vor mir auf die Straße setzte. Anstatt auszuweichen, machte ich eine Vollbremsung. Das hatte zur Folge, dass ich im Sturzflug zu Boden ging. Im Augenwinkel erkannte ich jedoch, dass der Vogel sich unbeschadet in die Lüfte erhob.“

„Autsch!“ Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. „Also seid ihr Beide sozusagen geflogen, – du hingeflogen und der Vogel weggeflogen.

 

 

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Gedankenlauf

 „Ich bringe den Einkaufswagen zur Abstellstation“, erkläre ich Peter nach unserem Einkauf. 

Einige Meter vor mir geht eine fremde Frau. Meine Blicke sind auf sie geheftet, besser gesagt auf ihre Rückansicht, – genau genommen auf ihre gestreifte Sommerhose. 

„Chic“, denke ich beim Laufen. „Aber das T-Shirt passt farblich nicht dazu.“ 

Ich folge ihr weiter: „Besser würde eine leichte grüne Bluse aussehen. Ein zartes Gelb wäre auch passend. Vielleicht ein helles Beige….“ 

Meine Gedanken und Vorstellungen überschlagen sich während meiner Verfolgung. 

„Upps, wo ist die Abstellstation?“

Tja, wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt, vergisst man manchmal alles um sich herum. 

 

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Nie!

Ich gehe nie ohne sie aus dem Haus. Sie gehören zu mir, seit Teenagerzeiten. 

Aber wie heißt es?: Sag niemals „nie“. 

Das habe ich heute gemerkt, als ich mit dem Auto unterwegs war. Ich stand an der Ampel. Mein Blick fiel in den Rückspiegel, allerdings nicht um den rückwärtigen Verkehr zu beobachten. Es war ein persönlicher Check. Da sah ich das Malheur. Sie waren nicht bei mir. Ich hatte sie vergessen. Das ist mir noch nie passiert. Das wird mir nie wieder passieren, denn ohne sie fehlt mir etwas.

Nie, nie, nie werde ich wieder ohne meine Ohrringe weggehen. Nie!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!?

Au Backe

Es ist Freitag, kurz vor der Mittagszeit. Die Tür zum Büro meines Mannes steht offen und so bekomme ich sein Telefonat mit, zumindest das, was er sagt. 

Als er das Telefongespräch beendet, beginnt er herzhaft zu lachen. Ich betrete nun sein Arbeitszimmer und sehe ihn stirnrunzelnd an.

„Was war denn das für ein seltsames Gespräch?“, will ich von ihm wissen.

„Ach das war unser Installateur. Er will doch am Montag kommen und sollte mir ein paar Maße durchgeben.“

„Aha?! Und das ist so lustig?“, wundere ich mich.

„Naja, eigentlich nicht, aber ich hatte das Gefühl mich mit einem Ausländer zu unterhalten, der die deutsche Aussprache ganz schlecht oder besser gesagt, überhaupt nicht beherrscht.“

Anscheinend sieht mein Mann die Fragezeichen in meinen Augen, denn er steckt plötzlich jeweils einen Zeigefinger in den rechten und linken Mundwinkel und zieht damit seinen Mund in die Länge. Gleichzeitig beginnt er zu sprechen. Ich muss an den Witz vom Breitmaulfrosch denken und beginne zu grinsen.

„Ich verstehe kein Wort“, lasse ich ihn wissen.

Mein Mann wiederholt seine Vorführung, aber wiederum verstehe ich keine Silbe, halte mir aber inzwischen den Bauch vor Lachen.

„Genauso ging es mir, deshalb dachte ich auch, ich hätte es mit einem Ausländer zu tun. Allerdings hat sich mein Gesprächspartner dann wohl besondere Mühe gegeben, denn mit detektivischem Spürsinn erkannte ich doch unseren Installateur und verstand auch zumindest die Maße und auch seine bruchstückhaften Informationen.“

„Ich kapiere das aber immer noch nicht ganz. Warum hat er so seltsam gesprochen, am Donnerstag, war seine Aussprache einwandfrei und Deutsch ist seine Muttersprache“, gebe ich zu bedenken. „War er betrunken?“

„Nein, aber er hat momentan ein anderes Problem, das ebenfalls gewisse Sprachorgane zeitweilig beeinträchtigt. Besonders seine Zunge ist hiervon betroffen. Das hat er uns auch am Donnerstag erzählt, ich hatte es nur schon wieder vergessen.“

Jetzt fällt bei  mir der Groschen und ich stelle mir Peters Gesprächspartner vor, was in mir erneutes Lachen hervorruft.

„Wahrscheinlich hat er außerdem noch eine dicke Backe“, meine ich, nachdem ich mich wieder beruhigt habe. Bevor ich weiterspreche, puste  ich wie zur Verdeutlichung des Gesagten meine  rechte Wange auf. „Das bleibt wohl nicht aus, wenn man einen Zahn gezogen bekommen hat.“

„Er muss scheinbar gerade erst vom Zahnarzt gekommen sein. Ganz schön mutig, dann gleich einen Anruf anzunehmen.“

„Und dann wird auch noch über ihn gelacht.“, bedauere ich nun unseren Installateur. Wie heißt es doch so schön?!: ‚Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!’“

„Der Arme!“, sagen wir nach einer Weile fast gleichzeitig. Mitfühlend greift sich jeder von uns instinktiv an die Wange.

 

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Kugel, Berg oder Klumpen

„Schau mal“, sage ich und deute auf den Eisberg in meiner Waffel. 

„Diese kleine Rundung dort oben war früher ein Bällchen oder eine Kugel. Heutzutage hat man eher das Gefühl, das Eis wird mit der Baggerschaufel serviert. Dementsprechend unförmig sieht es aus.“

„Ja, früher war eine Kugel noch eine Kugel“, bestätigt mein Mann, „zwar kleiner, aber dafür passten mehrere Eissorten in eine Waffel.“ 

Ich muss mich beeilen, da meine beiden Eisklumpen aus Schokolade und Zitrone zu schmelzen und zu tropfen beginnen.

„Früher war eben alles besser und manchmal ist weniger mehr“, belehrt er mich und reicht mir grinsend eine Serviette.

 

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Der kleine Moment

Ich bin wahrlich allgegenwärtig,

doch übersehen werde ich allzuoft leichtfertig, 

aus Unachtsamkeit verschenkt,

weil man war unaufmerksam und abgelenkt.

 

Trotzdem bin ich in aller Munde,

drehe ständig hier und da meine kleine Runde,

Ich kann groß oder klein,

auch nichtig oder überaus kostbar sein.

 

Du hast mich nicht gesichtet,

weil dein Blick war auf die Zukunft gerichtet.

Doch ich bin im Jetzt,

was oftmals schlichtweg wird unterschätzt.

 

Ich habe viele Gesichter,

manchmal bin ich ein Blick voller Liebe,

oder nur ein Windhauch,

der gleich verhallt wie Schall und Rauch.

 

Egal wie ich auch bin,

ich mache nur durch deine Beachtung Sinn,

beginne dann zu leben,

meine Bedeutsamkeit wird sich ergeben.

 

Ich bin der kleine Moment,

immer und überall auf der Welt präsent.

Wenn du mich erkennst,

bin ich wichtiger als du vielleicht denkst.

 

Bin ich ein kleines Glück,

will begleiten deinen Weg ein Stück,

nimm mich an der Hand,

erkenne wie kostbar ist dieses Band.

 

Drum sei wachsam jederzeit,

um mich zu erkennen bei jeder Gelegenheit. 

Bin ich dir erst entflogen,

bist du um einen kostbaren Moment betrogen.

 

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Schabernack mit dem Osterhasen

Mausi, das kleine Mausemädchen schläft noch,
tief unten in ihrem Mauseloch.
Als sie erwacht, fällt es ihr ein,
heute soll ein besonderes Fest wohl sein.

Bald werden Kinder, die großen und die kleinen,
oben auf der Wiese erscheinen.
Zuvor muss er seine Arbeit tun,
der berühmte Hase hat keine Zeit zum Ausruhn.

So hoppelt er über die große Wiese sofort,
versteckt bunte Eier hier und dort.
Wird beobachtet von der Maus,
die macht sich einen Schabernack daraus.

Sobald der Osterhase hat versteckt ein Ei,
das Mausemädchen eilt herbei.
Legt das Ei in den Korb zurück,
jedes Einzelne und Stück für Stück.

So wird der Osterhasenkorb niemals leer,
beeilt er sich auch noch so sehr.
Als erklingt der Kinder Lachen,
lässt Mausi nun die dummen Sachen.

Sie will nicht verderben den Kinderspaß,
lässt liegen die Eier im Gras.
Als der Korb ist endlich leer,
der Osterhase ist erschöpft doch sehr.

Er zweifelt wahrlich an seiner Kondition,
nächste Ostern ist dran der Sohn.
Mausi kichert über den Streich,
neuer Blödsinn folgt bestimmt sogleich.

Doch nun habt alle ein frohes Osterfest,
mit vielen bunten Eiern im Nest.
Lasst es euch richtig gutgehen,
bis wir uns hier werden wiedersehen.

 

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