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Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Weihnachtsmann Willi macht das schon (6)

Der Weihnachtsmann hatte erkannt, dass seine Hilfe dringend erforderlich war und wollte sich auch gleich auf den Weg machen. Doch wohin sollte er zuerst gehen: Zu Elfinchen und der Mäusefamilie? Dort konnte niemand sagen, wo das Zuhause der kleinen Elfe war. Zur Prinzessin und den traurigen Blumen im Schlossgarten?  Sie alle wussten nicht, wo Elfinchen sich aufhielt. Er hätte sie ebenfalls nur in ihrem Kummer trösten können. Zur Elfenfamilie? Wenn sie Elfinchens Aufenthaltsort kennen würden, wären sie alle schon längst dort.

„Nein, ich muss mit Überlegung an diese Sache herangehen“, dachte sich Weihnachtsmann Willi. „Allen muss gleichzeitig geholfen werden, so dass niemand länger als nötig dem Kummer ausgesetzt ist.“
Willi stapfte im Weihnachtsland hin und her und grübelte nach, wie er am schnellsten den Bitten aller Parteien nachkommen könnte. 
„Na klar!“, schallte seine tiefe Stimme plötzlich durch das himmlische Weihnachtsland. „Ich brauche mein Fernrohr! Wo hab ich es nur letztes Jahr hingelegt?“
Die Engelchen schwirrten nach allen Richtungen aus und suchten mal hier und mal dort. 
„Ich habe es an einen Platz gelegt, bei dem ich mir sicher war, dass ich es auch hundertprozentig wieder finden würde. Nur leider habe ich vergessen, wo das war“, Weihnachtsmann Willi kratzte sich unter seiner Weihnachtsmütze, um seinen grauen Zellen zum besseren Nachdenken zu verhelfen.
„Ich hab’s!“, tönte es plötzlich aus der Himmelswerkstatt. „Hier liegt es, neben den alten Stiefeln von Weihnachtsmann Willi.“
„Na also, ich sag doch, ich habe es gut und sicher verwahrt!“, meinte Willi nur und ließ sich das Fernrohr bringen, um sofort hindurchzusehen.
Alle Engelchen waren im Nu um ihn herum versammelt und waren gespannt, was der Weihnachtsmann wohl sehen würde. Doch dieser gab nur hin und wieder ein paar Worte von sich:

„Aha!!!“

„Soso!!!“

„Achja!!!“

„Na also!!!“

„Was ist? Was hast du gesehen?“, fragten die Engelchen im Chor und Weihnachtsmann Willi erklärte:
„Aha, das ist also Elfichen. Soso, die Mäusekinder Eddi, Bob und Babsi versuchen die kleine Elfe zu trösten. Achja, hier ist der Schlossgarten mit den Blümchen und Prinzessin Annelie. Na also und hier haben wir auch die Elfenfamilie, die voller Sorge um Elfichen ist.“
„Und jetzt?“, fragten die Engelchen neugierig.
„Jetzt fliegt ihr zur Elfenfamilie, tröstest alle und sagt ihnen, dass sie bald abgeholt werden“, erteilte Weihnachtsmann Willi den drei Engelchen dort drüben in der linken Ecke den Auftrag. 
„Ihr drei dort vorne, teilt Elfinchen mit, dass bald alles wieder in Ordnung ist und fordert die Mäusefamilie dazu auf, ihre Instrumente zu holen!“
Kaum hatte Weihnachtsmann Willi ausgesprochen, deutete er auch schon auf die nächste kleine Engelsgruppe.
„Und ihr drei dort in der rechten Ecke, ihr geht sofort ins Schloss und sagt der Königsfamilie sie sollen mit Prinzessin Annelie zu dieser Adresse reiten. Sie sollen sich warm anziehen und auch eine kuschelige Jacke für Elfinchen mitnehmen. Es wird für sie allerdings ein weiter Weg sein, doch am Ende wird sie dort alle Elfinchen erwarten“, mit diesen Worten reichte Weihnachtsmann Willi den drei Engelchen einen Zettel mit der Wegbeschreibung zum Schloss und von dort zur Mäusefamilie. „Aber vergesst nicht den Blümchen im Schlossgarten schnell noch ein wenig Wasser zu geben.“
„Und was ist mit uns?“, fragten nun die drei kleinen Engelchen, die in der hintersten Ecke des himmlischen Weihnachtslandes ganz enttäuscht standen.
„Ihr spannt nun die Rentiere vor meinen Schlitten, packt in meinen großen Sack ganz viele Geschenke und kommt dann mit mir. Wir fahren zuerst die Elfenfamilie abholen und dann fahren wir allesamt zur Mäusefamilie und Elfinchen.“
Tja und so war nicht nur allerlei Trubel im Weihnachtsland, sondern auch auf der Erde herrschte große Aufregung. Als Weihnachtsmann Willi mit seinem vollbeladenen Schlitten, den Engelchen und der Elfenfamilie bei der Mäusefamilie ankam, kam auch die Königsfamilie mit Prinzessin Annelie auf prächtigen weißen Pferden angeritten.
Ich kann Euch gar nicht sagen, welch große Wiedersehensfreude das war. Die Mäusefamilie musizierte und alle umarmten sich glücklich. Sie feierten ein rauschendes Fest, packten alle ihre Geschenke aus und dankten Weihnachtsmann Willi für die glückliche Zusammenführung. 

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Überall herrscht Aufregung (5)

Während Elfinchen und die Mäusefamilie noch überlegten, wo sich der Weihnachtsmann aufhalten könnte und wie sie ihn erreichen würden, herrschte in dem Schlossgarten ein großes Durcheinander. Die Blumen vermissten Elfinchen, denn plötzlich öffnete niemand ihre Blütenblätter am Morgen und niemand schloss sie wieder am Abend. Traurig ließen die Blumen ihre Köpfe hängen, so dass sich sogar der König und die Königin schon gewundert hatten, was denn auf einmal passiert sei. 

Auch Annelie vermisste ihre Freundin. Sie saß traurig am Fenster des großen Schlosses und schaute hinaus, ob sie irgendwo Elfinchen sehen würde. Doch so sehr sie sich auch anstrengte, Elfinichen hatte sich wie in Luft aufgelöst.
So kam es, dass sich das Königspaar neben den Gedanken um die vielen schönen und auch kostbaren Blumen im Schlossgarten auch noch große Sorgen um ihre Tochter machte. Sie wollte nicht mehr essen, sprach nicht, weinte viel und hatte an nichts mehr Freude.

„Was sollen wir nur tun?“, fragte die Königin ihren Gemahl.

„Ich weiß mir auch keinen Rat“, antwortete der König. „Ich lasse nach dem Hofarzt schicken, vielleicht kann er helfen.“

Auch Elfinchens Familie war traurig und voller Kummer. Sie hatten schon den ganzen Schlossgarten nach ihr abgesucht, doch Elfinchen blieb verschwunden. 

„Elfinchen muss etwas zugestoßen sein, sonst hätte sie sich schon längst gemeldet. Sie würde auch niemals die Blumen im Stich lassen“, weinte Elfinchens Mutter.

„Vielleicht braucht eine Blume ihre besondere Hilfe und Elfinchen hat keine Zeit nach Hause zu kommen“, überlegte  der Vater, aber so richtig glaubte er selbst nicht daran.

„Wir müssen uns noch einmal bei allen Bewohnern des Schlossgartens umhören, vielleicht hat jemand einen Rat für uns“, schlägt die Mutter vor.

„Ihr bleibt schön zu Hause!“, befahl der Vater den übrigen Kindern der Elfenfamilie. „Und stellt nichts an, sonst kommt Euch dieses Jahr der Weihnachtsmann nicht besuchen.“

Ja, und dann passierte im Weihnachtsland etwas Merkwürdiges:

Der alte Weihnachtsmann Willi, der ja schon längst im Ruhestand war und durch Weihnachtsmann Rudi abgelöst worden war, half immer noch gerne aus, wenn sein Nachfolger zu viel zu tun hatte. Ab und zu kam auch noch Post für ihn an und so auch heute, als er im Weihnachtsland seine Hilfe anbot.

„Weihnachtsmann Willi!“, riefen ihm schon zwei kleine Engelchen von Weitem entgegen. „Wir haben hier vier Briefe für Dich! Auf allen vier Briefen steht mit großen und fetten Buchstaben: ‚DRINGEND‘.“

„So, So!“, meinte Weihnachtsmann Willi mit seiner tiefen und beruhigenden Stimme. „Dann will ich mal ganz schnell diese vier Briefe lesen!“

Der erste Brief steckte in einem goldenen Umschlag und war mit vielen silbernen Sternchen verziert und in einer zierlichen Schrift stand fein säuberlich geschrieben:

An den lieben Weihnachtsmann Willi!!!‘

„Da hat sich jemand aber ganz besonders viel Mühe gegeben!“, bemerkte Willi, öffnete den Umschlag vorsichtig und las die folgenden Zeilen:

‚Lieber Weihnachtsmann Willi,

ich bin ganz traurig. Meine gute Freundin Elfinchen ist verschwunden. Sie ist eine Blumenelfe und wohnt in unserem Schlossgarten in einem warmen Land. Aber seit ein paar Tagen ist sie spurlos verschwunden. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass Du mir Elfinchen wieder zurückbringst. Ich möchte sonst gar nichts haben, nur meine Freundin soll wieder bei mir sein.

Bitte hilf mir! Ich war auch das ganze Jahr über sehr brav.

Liebe, aber traurige Grüße von

Prinzessin Annelie‘

Weihnachtsmann Willi war ganz ergriffen von der Bitte der kleinen Prinzessin und faltet den Brief schweigend zusammen. Er legte ihn auf seinen Schoß und wischte sich erst einmal eine kleine Träne aus dem rechten Augenwinkel. Danach öffnete er den zweiten Umschlag:

Hierin war nichts Geschriebenes, allerdings fielen viele kleine verwelkte Blütenblätter heraus. Es schienen hunderte, tausende oder mehr zu sein. Sie waren von den unterschiedlichsten Blumenarten. 

Der Weihnachtsmann schaute sie sich alle schweigend an. Es dauerte eine ganze Weile bis er begriff, was dies zu bedeuten hatte. 

„Das sind wahrscheinlich die Blütenblätter derjenigen Blumen, die alle nun verwelkt sind, weil das Blumenelfen verschwunden ist und sich nicht mehr um die Blumen kümmert“, überlegte er. „Was ist da wohl passiert? Ich glaube, meine Hilfe ist hier dringend erforderlich!“

Der dritte Brief war von einem Schreibanfänger verfasst, denn es standen sehr undeutliche und schiefe Buchstaben darauf. Auch gingen sie ziemlich durcheinander und der Weihnachtsmann musste sie erst einmal sortieren, um den Sinn erkennen zu können. Doch dann las er:

‚Bitte bring uns Elfinchen zurück!!!“

Ihre Elfengeschwister‘

Ja, und dann war da noch der vierte Brief. Er kam ganz eindeutig von mehreren kleinen Mäusekindern, denn ihre Pfötchenabdrücke waren überall zu erkennen.

Weihnachtsmann Willi versuchte diese Mäusebotschaft  zu entschlüsseln, was gar nicht so einfach war, denn diese Fähigkeit hatte er zum ersten und letztenmal vor einer Ewigkeit als Weihnachtsmannlehrling erlernt. Heutzutage kannte diese Mitteilungsart kaum noch ein Weihnachtsmann.

Willi entschlüsselte die Botschaft folgendermaßen:

‚Elfinchen wurde gerettet, ist bei uns in Sicherheit und will zu ihrer Familie und zu Prinzessin Annelie.

Liebe Grüße von Eddi, Bob und Babsi und der gesamten Mäusefamilie‘

„Oh, oh!“, dachte Weihnachtsmann Willi. „Da wartet eine große Aufgabe auf mich. Meine Hilfe scheint hier wirklich dringend erforderlich zu sein. Also mache ich mich mal schnell auf den Weg …“

 

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Die Mäusefamilie überlegt (4)

Familie Maus blickte ein wenig hilflos zu Elfinchen. Es war verständlich, dass die kleine Elfe Sehnsucht nach ihrer eigenen Familie hatte. Sie hatte sich verlaufen und wusste nicht, ob sie ihre Eltern und Geschwister jemals wieder sehen würde. Diese wären mit Sicherheit in großer Sorge um ihr geliebtes Elfinchen.

„Bitte!“, bettelte Elfinchen erneut und sah den Mäusevater, die Mäusemutter und die Mäusekinder aus traurigen Augen an. „Helft mir! Ihr seid alle so lieb zu mir und habt mich vor dem sicheren Tod gerettet, aber ich habe soooo schreckliches Heimweh! Ich möchte nichts lieber, als endlich wieder bei meiner Familie zu sein! Bitte, bitte!“
Die Mäusemutter streichelte zärtlich über Elfinchens Arm und meinte tröstend zum wiederholten Male: 
„Es wird alles wieder gut! Aber du musst noch ein bisschen Geduld haben.“
„Ich halte es aber nicht mehr aus!“, gab Elfinchen zu. „Diese Sehnsucht nach meiner Familie tut so weh! Jetzt weiß ich warum es ‚Heimweh‘ heißt. Ich muss auch ständig weinen, wenn ich an meine Lieben zu Hause denke.“
Bob, Babsi und auch Eddi waren ganz still geworden. Sie spürten die Qualen, die Elfinchen durchlitt und hatten Mitleid mit ihr. Sie waren froh, nicht von ihren Eltern getrennt zu sein und erkannten, welches großes Glück es ist, bei ihrer Familie Liebe, Schutz und Geborgenheit zu haben.
Jetzt ergriff der Mäusevater das Wort: 
„Elfinchen, erzähle uns von deinem Zuhause, damit wir herausfinden können, wo du herkommst und wie wir dich wieder zurückbringen können. Berichte uns alles, woran du dich erinnern kannst!“
„Ich weiß nicht mehr aus welcher Richtung ich gekommen von, denn ich habe vollkommen die Orientierung verloren. Keine Ahnung, ob ich mich mehrmals um die eigene Achse gedreht habe oder ob ich nur geradeaus gelaufen und geschwebt bin. In meinem Kopf geht alles kreuz und quer.“
„Woran erinnerst du dich ganz genau? Wo hast du dich noch richtig ausgekannt?“, wollte Eddi wissen.
„Im Schlossgarten. Dort kenne ich mich sehr gut aus. Selbst bei Dunkelheit finde ich mich da zurecht. Die Glühwürmchen weisen mir dann den Weg nach Hause. Aber in der Fremde bin ich verloren…“, schluchzte Elfinchen.
„Versuche doch bitte mal das Schloss zu beschreiben!“, bat der Mäusevater.
„Oh!“, strahlte Elfinchen in Erinnerung daran. „Es ist ein großes und prunkvolles Schloss mit unendlich vielen Zimmern. Alles glitzert golden und es gibt dort einen König, eine Königin und eine kleine Prinzessin. Sie ist meine Freundin!“
„Du bist mit einer richtigen Prinzessin befreundet?!“, Babsis Augen wurden immer größer. „Das ist ja toll! So eine Freundin hätte ich auch gerne! Wie heißt sie denn?“
„Annelie!“, antwortete Elfinchen. Sie ist erst vier Jahre und sie hat mich oft im Schlossgarten besucht. Sie hat lockiges, langes blondes Haar und manchmal trägt sie ein kleines goldenes Krönchen auf dem Kopf. Aber das mag sie gar nicht, denn wenn wir ausgelassen Ringelreihen tanzen und Nachlauf spielen, dann fällt es manchmal herunter. Sie legt es dann auf die Bank unter der großen Eiche und setzt das Krönchen erst wieder auf, wenn sie ins Schloss rein gehen muss.“
„Was weißt du von Annelie noch alles?“, versuchten die Mäusekinder neugierig herauszubekommen.
„Sie liebt die Blumen genauso sehr wie ich. Manchmal bringt sie ihr Gießkännchen mit und gibt den Blumen ein bisschen Wasser, damit sie nicht verdursten.“
„Und der König und die Königin?“, will Babsi wissen.
„Oh, der König ist ein strenger, aber gerechter Mann. Die Königin ist eine wunderhübsche Frau, die rauschende lange Kleider trägt und Annelie über alles liebt.“
Der Mäusevater saß stirnrunzelnd in seinem Sessel. Er war sehr schweigsam, was ein Zeichen dafür war, dass er angestrengt nachdachte. Doch immer wieder schüttelte er den Kopf. Irgendwie konnte er sich keinen Rein aus den Erzählungen Elfinchens machen. Doch die Mäusemutter lächelte gedankenverloren in sich hinein. Nach einer ganzen Weile, in der niemand gewagt hatte etwas zu sagen, meinte sie mit ihrer zärtlichen Stimme:
„Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“
Alle Augen richteten sich auf die Mäusemutter und Elfinchen begann neue Hoffnung zu schöpfen.
„Du kennst den Schlossgarten, der meine Heimat ist?“
„Nein, eigentlich nicht“, gestand Eddis Mutter und zerstörte damit die aufgekeimte Hoffnung der kleinen Elfe.
„Aber du hast doch gesagt, dass es dir bekannt vorkommt“, fragte Elfinchen unter erneut aufgekommenen Tränen.
„Ja, ich kenne eine Geschichte von einer Königsfamilie, die in einem Schloss wohnt. Meine Großmutter hat sie mir erzählt und die hat sie von ihrer Großmutter und die wiederum hat sie einst vom Weihnachtsmann erzählt bekommen. Aber das ist lange, lange her und die kleine Prinzessin war ganz sicher nicht Annelie.“
„Aber vielleicht ihre Urururgroßmutter oder so…“, gab Babsi zu bedenken, die von dieser Geschichte vollkommen in den Bann gezogen worden war.
„Ich habs!“, meldete sich plötzlich Bob zu Wort. Er war ein kluges Köpfchen und in der Mäuseschule Klassenbester. „Warum fragen wir nicht einfach den Weihnachtsmann?! Der kennt bestimmt die kleine Annelie in dem großen Schloss, denn er kommt viel in der Welt herum!“

 

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Elfinchen erzählt (3)

„Meine Eltern werden sich große Sorgen machen um mich“, begann Elfinchen nach einer Weile. Die Mäusemama hatte ihr ein Taschentuch gereicht und die kleine Elfe hatte sich die Tränen getrocknet, aber richtig versiegt waren diese nicht. Während sie nun von den Geschehnissen der letzten Tage berichtete, kullerte immer wieder die eine oder andere dicke Träne aus ihren Augen.

„Ich bin am Morgen zu meiner gewohnten Runde aufgebrochen und habe meine Freunde, die lieben und bunten Blumen in dem großen Schlossgarten besucht. Ich öffnete ihre Blüten und schenkte jeder von ihnen ein paar liebe Worte, bevor ich zur nächsten Blume flog,  um meine Aufgabe zu verrichten. Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, dass ich alle Hände voll zu tun hatte, denn so ein Schlossgarten ist mächtig groß und es gibt unzählige Blumen von den verschiedensten Sorten und Farben. Ich kenne und liebe sie alle.“

Die Mäusefamilie saß um Elfinchen herum versammelt und lauschte gebannt ihrem Bericht. Niemand wagte sie zu unterbrechen, denn sie wollten alle die gesamte Geschichte erfahren.

„Ich gebe zu, dass ich nach getaner Arbeit nicht gleich nach Hause bin. Mich hat die Neugierde gepackt und ich bin zu den Rosen am Schlossgartentor zurück. Ich schwebte leise über sie hinweg und warf einen Blick aus dem Schlosstor auf das Leben außerhalb des Gartens. 
Die Rosen im Beet direkt am Tor riefen mir zu: ‚Halt Elfinchen! Nicht weiter! Da draußen lauern nur Gefahren!’
Zunächst tat ich das, was sie sagten…“

Elfinchen holte tief Luft und wischte geschwind eine Träne weg, die ihre Wange hinunter kullerte.

„Aber dann hast du doch nicht auf die Warnungen gehört“, meinte Eddi.

„Die Blümchen draußen vor dem Tor riefen mich und wollten auch die Blütenblätter von mir geöffnet bekommen. Sie waren nicht so prächtig wie die wunderschönen Blumen im Schlossgarten, weil sich niemand um sie kümmerte. Ich hatte Mitleid mit ihnen. Ich wollte nicht weglaufen, das müsst ihr mir glauben, aber kaum hatte ich einer Blume die Blütenblätter geöffnet, rief mich schon die nächste zu sich.“

Die Mäuseeltern, aber auch Eddi, Bob und Babsi ahnten schon, was passiert war. Vor Aufregung hielten sie die Luft an und atmeten erst wieder weiter als Elfinchen ihre Erzählung fortsetzte.

„So kam es, dass ich kreuz und quer flog und mich immer weiter vom Schlossgarten entfernte. Ich war so in meine Arbeit vertieft, dass ich mir weder den Weg merkte, noch auf die Entfernung und Himmelsrichtung achtete. Erschöpft hielt ich irgendwann inne. Doch da war es schon zu spät, um mich noch irgendwie zu orientieren. Aber das merkte ich erst später, denn ich vernahm schon wieder Stimmen, die nach mir riefen.“

„Das waren wohl schon wieder irgendwelche Blumen“, meinte Babsi, die mitfühlend Elfinchens Hand ergriffen hatte.

„Nein“, erklärte die kleine Elfe. „Es waren zwei Käferchen, ein Stückchen weiter links. Sie waren auf dem Weg in ihr Winterquartier, hatten nicht aufgepasst und waren so unglücklich gefallen, dass sie beide zappelnd auf dem Rücken lagen. Ich konnte sie doch nicht hilflos ihrem Schicksal überlassen.“

„Also hast du ihnen auch geholfen. Sonst wären sie ja womöglich gestorben“, ergriff nun Bob das Wort.

„Ja, aber das war keine einfache Arbeit. Sie zappelten so heftig, dass sie im Nu wieder auf dem Rücken lagen. Aber ich habe es irgendwann geschafft und sie waren mir auch unendlich dankbar und hätten gerne auch etwas für mich getan. Aber den Weg zum Schlossgarten konnten sie mir auch nicht sagen, denn sie hatten noch nie in ihrem Leben ihre winzig kleine Welt verlassen.“

„Und was hast du dann getan?“, möchte die Mäusemutter wissen und sprach damit der ganzen Familie aus der Seele.

„Ich schwebte noch eine Weile hin  und her, in der Hoffnung wieder zurückzufinden. Aber ich hatte jegliche Orientierung verloren und plötzlich kam auch noch Nebel auf. Ich setzte mich traurig hin und mich übermannten Angst, Hoffnungslosigkeit, das Zittern vor Kälte und auch eine große Müdigkeit. Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen habe. Als ich aufwachte, war überall Schnee und ich begann aus Leibeskräften zu rufen und zu weinen…“

„Und dann habe ich dich gehört…“

„Ja und hast mich zu deiner Familie gebracht. Ich bin dir auch sehr, sehr dankbar dafür. Aber ich habe so unendliche Sehnsucht nach meiner Familie, meinen Eltern und Geschwisterrn. Ich will nach Hause!!! Bitte, bitte!! Ich möchte nach Hause!!! …“

Elfinchen begann wieder herzerweichend zu weinen…

 

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Wer bist Du? (2)

Es war ein mühsamer und langer Weg. Obwohl das zarte Wesen auf Eddis Rücken federleicht war, hatte Eddi große Probleme. Er konnte kaum noch seine eigenen Fußstapfen von vorhin erkennen, denn inzwischen hatte es wieder zu schneien begonnen.

Der neue Schnee bedeckte die Spuren und verschlechterte die Sicht. Zu dieser Schwierigkeit kam noch die hereinbrechende Dunkelheit hinzu. So musste sich Eddi hauptsächlich auf sein Gefühl und seinen inneren Kompass verlassen.
Nach einer Weile hörte er Stimmen, die ihm die Richtung wiesen. Er erkannte die Stimmen seiner beiden Geschwister, die voller Sorge nach ihm riefen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie jedoch glücklicherweise das Mauseloch in dem Eddi mit seiner Familie lebte. 
Bob und Babsi, seine Geschwister, empfingen die beiden ebenso herzlich wie seine Eltern dies taten.
„Da bist du ja endlich wieder!“, freute sich seine Mutter. „Wir haben uns alle schon große Sorgen gemacht. Gerade wollte ich Deinen Vater losschicken, um dich zu suchen.“
Erst jetzt bemerkten alle Umstehenden das zarte Wesen, das ebenfalls durch das Mauseloch in die warme Behausung geschlüpft war.
„Oh,du hast uns einen Gast mitgebracht!“, sagte die Mutter und begrüßte die Unbekannte mit einer warmen Umarmung.
„Herzlich willkommen!“, meinte auch der Vater.
Bob und Babsi riefen ihr ein freudiges „Hallo!“ entgegen.
„Ich wünsche allen einen schönen guten Tag“, sagte das zarte Wesen mit einer glockenhellen sympathischen Stimme. „Vielen Dank für die Rettung und die Gastfreundschaft!“
Schon eilte Eddis Mutter los und brachte Tee, Kuchen und Brot herbei.
„Greif zu! Der Tee wird dich wärmen und Brot und Kuchen wird dich wieder zu Kräften bringen.“
„Oh, danke! Ich bin übrigens Elfinchen!“
„Hallo Elfinchen!“, riefen Bob, Babsi und Eddi im Chor.
Nachdem sich alle vorgestellt hatten, stellte der Vater die entscheidende Frage.
„Elfinchen, woher kommst du und was hat dich zu uns geführt oder besser gesagt, was ist passiert?“
„Eigentlich heiße ich Elfi, aber jeder nennt mich nur Elfinchen. Ich bin eine kleine Blumenelfe und wohne in einem Schlossgarten unterhalb der großen alten Eiche“, beginnt das zarte Wesen zu berichten. 
„Eine Blumenelfe?“, fragt Bob erstaunt.
„Wie süß!“, ruft Babsi entzückt.
„Erzähle uns doch ein bisschen aus deinem Leben“, fordert die Mutter auf.
„Im Frühling und im Sommer bin ich dafür eingeteilt jeden Morgen den Blumen in dem großen prächtigen Garten einen Besuch abzustatten“, berichtet nun Elfinchen. „Ich öffne ganz vorsichtig ihre Blütenblätter und richte sie nach der Sonne aus. Am Abend, wenn die Sonne untergeht, schwebe ich wieder vorsichtig von Blume zu Blume und schließe ihre Blüten. Ich finde, ich habe eine schöne und ehrenvolle Aufgabe.“
„Oh ja!“, pflichtet ihr die Mäusemutter bei. „Blumen sind so herrlich anzusehen. Ich freue mich immer über ihre bunten Blüten.“
„Aber das lüftet noch immer nicht das Geheimnis, um dein Schicksal. Was ist passiert? Wie und wo hat Eddi dich gefunden?“ Der Mäusevater spricht aus, was alle brennend interessiert.
„Oh, das ist eine lange Geschichte“, sagt Elfinchen und senkt traurig die Augen, aus denen nun zarte kleine Elfentränchen kullern.
Zärtlich streicht die Mäusemutter ihr über das Haar und meint:
„Es wird alles wieder gut, das verspreche ich dir. Lass dir nur Zeit und wenn du dich wieder ein bisschen beruhigt hast, dann erzählst du uns alles von Anfang an!“
Elfinchen nickt und nippt an ihrem Tee… 

Fortsetzung folgt…

 

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Plötzlicher Wintereinbruch (1)

Erschöpft von der langen und vergeblichen Suche war sie in ihrem Versteck eingeschlafen. Doch als sie jetzt erwachte war es bitterkalt. Die Landschaft war bedeckt mit einer weißen Schicht aus Schnee. Sie zitterte, so sehr fror sie, aber das war auch kein Wunder, denn sie trug nur ein hauchdünnes Kleidchen.

Was sollte sie nur tun? Sie hatte sich verlaufen und fand den Weg nach Hause nicht mehr. Sicher würden sie sie schon alle vermissen. Bestimmt hatte die Familie auch nach ihr gesucht, aber jetzt da der Winter hereingebrochen war, hatten sie bestimmt ihre Suche eingestellt. Sie waren nicht für den Winter geschaffen. Sie waren Sommerwesen.

Sie begann zu weinen und zu wimmern, doch wer sollte sie hören? 

Eddi war durch irgendetwas geweckt worden. Er konnte nicht genau sagen, was es war, aber ihm kam es vor, als hätte er ein leises Weinen gehört. Ob er das nur geträumt hatte? Er strengte seine kleinen Mäuseohren an und tatsächlich, da war es wieder. Es hörte sich an, als würde ein zierliches Wesen um Hilfe jammern. Eddi marschierte nach oben zum Ausgang und schaute vorsichtig aus seinem Mauseloch. Er schrak zusammen, denn ein eisiger Wind blies um sein Schnäuzchen. Über Nacht hatte es einen plötzlichen Wintereinbruch gegeben, der nicht nur Schnee, sondern auch eisige Kälte mit sich gebracht hatte.

Da! Da war es wieder! Dieses erbarmenswürdige Wimmern und Weinen. Eddi blickte sich um, konnte aber nichts erkennen, nur dort hinten am Stamme der alten Eiche flatterte etwas. Er rieb sich seine Augen, um zu erkennen, was es war. Aus dieser Richtung kam das zarte Stimmen, das jetzt um Hilfe rief. Es half alles nichts, er musste aus seinem Mauseloch heraus und nachsehen, um was oder wen es sich dort vorne handelte. 

Schon bei seinen ersten Schritten versank er im tiefen Schnee. Nur mit großer Mühe kam er überhaupt vom Fleck. Aber mit jedem Schritt konnte er auch das Weinen und die Hilferufe lauter und deutlicher vernehmen.

„Halte durch!“, rief er. „Ich komme und helfe dir!“

Der eisige Wind trug seine Stimme weiter und er hoffte, das unbekannte Wesen könne ihn hören. „Rufe irgendetwas, damit ich dich finden kann!“

„Hier! Hier!“ hörte er nun klar und deutlich. „Hier bin ich!“ 

Eddi war auf dem richtigen Weg, dessen war er sich sicher. Und nun konnte er auch ein winziges ganz zartes Wesen erkennen, das ihm mit beiden Armen wild zuwinkte.

„Du bist ja viel zu dünn bekleidet!“, sagte er entsetzt, als er das Wesen erreichte. „Hier kannst du nicht bleiben, so holst du dir nur den sicheren Tod!“

Edi, das Mäuschen spürte instinktiv, dass ihnen keine Zeit blieb, um sich vorzustellen und lange Erklärungen zu machen. Sie mussten so schnell es ging in sein Mauseloch, wo es warm und kuschelig war.

„Setz dich auf meinen Rücken und halte dich gut fest. Ich bringe dich in mein Zuhause. Dort kannst du dich aufwärmen und dort können wir uns auch unterhalten und du erzählst mir, wer du bist und was passiert ist. Aber jetzt müssen wir schnell weg, denn schon bald wird die Dunkelheit hereinbrechen.“

Das zarte kleine Wesen schwang sich auf Eddis Rücken. Er spürte kaum ein Gewicht, so leicht war es. Dann machten sie sich auf den Weg…

 

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Advent

Martin besucht heute seine Großmutter. Sie hat extra für ihren Enkelsohn Bratwürstchen mit Zwiebelsoße, Rotkraut und Kartoffelbrei gemacht, denn das ist sein Lieblingsgericht. Zwei Bratwürstchen hat er geschafft und ist jetzt „pappesatt“, wie er zu sagen pflegt. 

„Sag mal Oma“, setzt er zu einer Frage an, als er sich im Wohnzimmer umsieht. „Du hast ja überhaupt keinen Adventskranz.“

„Ach, den brauche ich doch nicht mehr. Seit Opa nicht mehr da ist, zünde ich sowieso keine Kerze mehr an. Höchstens noch auf dem Friedhof auf seinem Grab. Stell dir nur vor, ich würde einschlafen und in der Zwischenzeit fängt der Kranz an zu brennen. Nein, nein, mir kommt kein Adventskranz mehr ins Haus.“

„Aber ein Adventskranz gehört doch in die Vorweihnachtszeit“, versucht es Martin erneut.

„Ach“, lacht die Oma, „die Vorweihnachtszeit beginnt doch neuerdings schon direkt nach deinen Sommerferien.“

„Was, wieso? Das verstehe ich nicht. Oma bist du vielleicht ein bisschen verwirrt?“

„Nein mein Junge. Nur heute ist alles ganz anders als früher. In meiner Kindheit gab es zwar auch Adventskalender und Adventskranz, aber in den Geschäften gab es die Weihnachtsmänner und die bunten Kugeln erst kurz vor Weihnachten. Damals gab es keinen Stollen und auch keine Plätzchen aus der Großbäckerei, die man schon Monate vorher kaufen konnte.“

„Aber du backst doch die Plätzchen immer noch selbst und den Stollen  hast du auch immer gemacht.“

„Ja, aber jetzt ist Opa nicht mehr da und für wen soll ich mir die Arbeit machen, wenn ich alles alleine essen muss. Ich werde wohl dieses Jahr nur ein paar Plätzchen vom Bäcker nebenan kaufen.“

„Die schmecken aber bestimmt nicht so gut!“, versucht Martin zu protestieren. „Wir gehen jetzt einkaufen und besorgen alle Zutaten zum Plätzchenbacken und morgen gehen wir dann ans Werk. Gemeinsam macht das doch auch viel mehr Spaß.“

Im Supermarkt hat Martin plötzlich eine Idee, aber die behält er zunächst für sich. Wenn alles klappt, dann hat er morgen eine Überraschung für seine Oma.

Am Abend sitzt er in seinem Zimmer und zählt sein Taschengeld. Sooft er auch nachzählt, es reicht einfach nicht. Das macht ihn traurig. Gerne hätte er der Großmutter einen geschmückten Adventskranz gekauft, aber die sind alle viel zu teuer. Doch dann fällt ihm die Kiste mit den Weihnachtssachen ein, die seine Mutter ganz hinten im Keller stehen hat. Vielleicht darf er davon etwas haben.  

Am nächsten Tag gleich nach der Schule geht er nochmals in den Supermarkt und danach gleich in den Garten. Dort schneidet Martin ein paar kleine Tannenzweige ab und hebt zwei heruntergefallene Tannenzapfen von der Erde auf. 

In der Weihnachtskiste hatte er am Abend noch einen goldfarbenen Teller gefunden. Hierauf legt er die kleinen Tannenzweige und die Zapfen. Erst kurz bevor er an Großmutters Tür klingelt, stellt er obendrauf noch vier LED-Teelichter und schaltet sie an. Welches Leuchten jetzt stärker war, lässt sich nicht sagen,- das Leuchten der Teelichter, Martins strahlendes Lachen oder Großmutters vor Freude glänzende Augen.

 

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Schon wieder Sorgen

Bestimmt könnt Ihr Euch noch erinnern, dass ich mir im Sommer große Sorgen um unsere Katze gemacht habe. Sie wollte immerzu nach draußen und kam auch nachts nicht nach Hause. Wir haben sie den gesamten Sommer über immer nur als Gast bei uns begrüßen dürfen.

Sie hat sich ein paar Leckerlies bei uns und bei den Nachbarn abgeholt und dann war sie auch schon wieder verschwunden. Die Folge war, dass sie ziemlich abgenommen hatte und uns damit in Sorgen versetzt hat.

Doch kaum änderte sich das Wetter und der Herbst ist eingekehrt, war sie ständig zu Hause, hatte keine Lust nach Draußen zu gehen und futterte sich wieder „kugelrund“. Jetzt dachte ich schon, dass sie im Laufe des Winters wohl oder übel platzen würde, wenn sie so weiter futtert. 😉

Naja und jetzt bereitet sie uns schon wieder Kummer. Sie miaut nicht mehr. Ich war jetzt schon zweimal mit ihr beim Tierarzt und sie hat Medikamente bekommen. Zuerst nur etwas zur Stärkung des Immunsystems  und jetzt etwas gegen Entzündungen. Auf der Fahrt zum Tierarzt kam gestern nur ein krächzendes Jammern aus ihrem Maul. Auch heute Morgen hat sie uns nicht mit ihrem fröhlichen Miau begrüßt. 

Während sie in den letzten Tagen viel geschlafen und wenig gefressen hat, scheint sich heute ihr Appetit doch langsam wieder einzustellen. Zumindest hat sie gerade krächzend ihr Futter verlangt.

Habt Ihr so etwas auch schon bei Eurer Katze oder Eurem Hund erlebt? 

Unsere Katze ist zwar schon 11 Jahre, aber eine solche Stimmlosigkeit gab es noch nie. Wir hoffen von Tag zu Tag, dass sie ihr schönes Miauen wiederfindet. 

 

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Wo?

 

Verzweifelt stehe ich hier

und stelle immer und immer eine Frage mir.

Sie lässt mir keine Ruh’

und kreist nun in meinem Kopf immerzu.

 

Wo hast du dich versteckt?

Heute Morgen hat mich diese Frage geweckt,

trage sie mit mir rum,

überlege hin und her und auch drumherum.

 

Hallo, wo bist du nur?,

rufe ich, doch du bleibst stumm und stur.

Komm bitte zurück zu mir,

sonst sitze ich hier verlassen vor dem Papier.

 

Ich weiß du bist irgendwo,

hast dich verkrochen, lachst mich aus sowieso.

Warum bist du gegangen?

Kann ich deine Rückkehr einfach so verlangen?

 

Ich suche nicht mehr,

auch wenn ich dich vermisse noch so sehr.

Ich bin mir ganz sicher,

du kommst zu mir zurück mit viel Gekicher.

 

Dann ist alles wieder gut,

verraucht ist dann auf dich meine große Wut.

Liebe Muse ich erwarte dich,

damit du kannst überschütten mit Ideen mich.

 

 

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Wer ist wohl schlauer?

Draußen ist wieder einmal so richtiges Schmuddelwetter, naja es ist ja auch schon November. Da kann man nicht mehr erwarten. Den Sommer habe ich in vollen Zügen genossen, also kann ich mir jetzt ein bisschen Ruhe gönnen. Und damit sollte ich gleich, nein,- sofort anfangen.

Ein Schlückchen von der köstlichen Milch und dann geht es geradewegs zu meinem gemütlichen Plätzchen. Dort liegt bereits meine Kuscheldecke. Sie ist warm und ich werde schon bei ihrem Anblick total müde und schläfrig.

Mit meinem Nickerchen ist es aber nicht gut bestellt, denn auf einmal wird hier herumgeruschelt und der Wischmop geschwungen. Wieso muss das jetzt eigentlich sein, frage ich mich. Das ist total störend. Ich verziehe mich. Wozu kennt man denn nicht auch noch andere Eckchen, in die man sich verziehen kann?!

Ich bin gerade sooo schön in meine Träume versunken, da höre ich von weit her eine mir vertraute Stimme. Ich versuche mich aus meiner Traumwelt zu lösen und eine Frage dringt an mein Ohr.

„Wo bist Du?“

Das ist mein Frauchen, sie sucht mich. Wenn ich jetzt schnell aus meinem Versteck komme, dann gibt es sicherlich Leckerlies.

Tatsächlich, sie steht schon mit der kleinen Dose in der Diele und wartet auf mich. 

Wie ich es liebe, wenn sie die Leckerlies in der Dose klappern lässt! Ehrlich gesagt, ich lasse mich immer davon überzeugen, selbst als sie die Haustür öffnet und ein paar Leckerlies davor legt. 

Diese kleinen Dinger schmecken aber auch zuuu gut. Schade, jetzt sind sie alle aufgefuttert und sie hat mich reingelegt. Ich stehe nämlich draußen in der Kälte. Na warte! 

Ich renne in Windeseile um das Haus herum und schwuppdiwupp bin ich durch meine Katzenklappe geschlüpft und bin wieder im Warmen. Gelassen marschiere ich zurück in die Diele. 

„Da bist du ja schon wieder! Du sollst doch draußen ein bisschen spazieren gehen.“

Frauchen steht in ihrer warmen Jacke und der Tasche in der Hand da. Aha, denke ich mir. Sie will weg und dann muss ich entweder nach hinten in den Kellerersatzbereich, wo mein Körbchen steht oder ich muss raus an die frische Luft. Das will ich aber jetzt nicht. Ich will mich auf meine Kuscheldecke legen, die auf dem gemütlichen Sessel liegt. Mich kriegt sie hier nicht weg.

Schon wieder klappert Frauchen mit dem Döschen und öffnet die Terrassentür. Ich kann sehen, wie sie auf der Terrasse ein paar Köstlichkeiten verstreut. Als wenn ich nicht wüsste, dass sie mich damit locken will. Na gut. Ich mache das Spielchen noch einmal mit. Aber nur zum Schein, denn ich bin ja schlau.

Kaum bin ich draußen schnappe ich mir eine Leckerei, die anderen hebe ich mir für später auf, und schon sause ich wieder in Richtung meiner Katzenklappe.

Ich komme gerade wieder in der Diele an, als Frauchen die Autoschlüssel aus dem Schlüsselkasten holt. Siegesgewiss schaue ich sie mit großen und unschuldigen Augen an. Bin ich nicht schlau?!!!

„Oh nein!“, ruft sie aus. „Du bist ja schon wieder da. Ich habe jetzt keine Zeit für deine Spielchen!“

Ich schon!, denke ich und verkrieche mich unter der ersten Treppenstufe. Da kann mein Frauchen mich nämlich nicht fangen und nach draußen tragen. Trotzdem versucht sie mich wieder zu locken. Ihre Hand greift unter die Treppenstufe und sie streichelt mich. Ich weiß ja, dass sie mich mag, aber ich weiß auch wie ich sie ärgern kann. Also bleibe ich ruhig sitzen und genieße die Streicheleinheiten.

Was macht sie denn jetzt? Warum hört sie auf mich zu streicheln? Ach ja, sie greift schon wieder zu der berühmt berüchtigten Dose. Ich bleibe jedoch stark und lasse mich nicht verführen, auch nicht als sie ihren Trick 17 anwendet. Sie legt jetzt nämlich eine kleine Spur und am Ende bin ich dann bei meinem Körbchen im Kellerersatzbereich. Nein, nicht mit mir! Ich bin nämlich schlau!!!

Aufmerksam beobachte ich mein Frauchen. Sie wird langsam nervös, das merke ich. Wahrscheinlich hat sie einen Termin. Na und?! Ich habe auch einen Termin, nämlich mit meiner Kuscheldecke auf dem Sessel.

Während ich so meine Augen durch die Diele schweifen lasse, entdecke ich in der einen Ecke neben einem Leckerlie noch etwas anderes. Da krabbelt doch was! Ah, eine kleine Spinne! Die hole ich mir! Auf meinen Samtpfötchen schleiche ich mich an meine Beute heran. Frauchen hat die Spinne jetzt auch gesehen und lässt mir aber den Vortritt, damit ich mir diesen Leckerbissen schnappen kann.

Tja und damit hat sie wieder einmal die Chance verpasst mich zu fangen, denn sofort flüchte ich mich wieder unter die Treppenstufe.

„Ich muss doch weg!“, jammert sie jetzt.

So langsam tut sie mir ja leid. Aber was viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass mein Magen plötzlich anfängt zu knurren. Dieser kleine Happen hat mich erst richtig hungrig gemacht. Die winzige Spinne war ja auch nur was für den hohlen Zahn.

Wenn ich jetzt der gelegten Spur aus Leckerlies folgen würde, hätte ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mein Hunger wäre gestillt und mein Frauchen würde sich freuen. Aber ich will doch auf meine Decke!!!

Schon wieder fummelt Frauchen mit ihrer Hand unter der Treppenstufe herum. Dieses Mal allerdings nicht, um mich zu streicheln. Sie will mich aus meinem sicheren Versteck verscheuchen.

Kann man nicht endlich mal seine Ruhe haben?, frage ich mich.

„Nun komm schon! Ich bin schon spät dran! Lass doch dein Spielchen. Wir spielen später!“

Es ist fürchterlich, wenn jemand was von dir will und du eigentlich nur deine Ruhe haben willst. So macht mir das Spielchen auch keinen Spaß. 

Wenn ich einfach hier sitzen bleibe, kann sie nichts machen. Dann ist sie aber irgendwann bestimmt sauer auf mich. Was mache ich nur? Vielleicht gibt sie ja nach.

Apropos nachgeben, da fällt mir was ein. Hat Frauchen neulich nicht so einen Spruch gesagt?! Na warte! Dieses Mal bist du nicht schlauer und klüger als ich.

Der Klügere gibt nach!!!

Schon klappt hinter mir die Kellertür zu.

 

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Opa Heinrich

Opa Heinrich ist zu Besuch bei seiner Tochter Barbara und deren zwölfjährigem Sohn Markus. Sie sitzen am Abend gemütlich im Wohnzimmer und der Enkelsohn zeigt seinem Großvater die Urlaubsaufnahmen auf dem großen Bildschirm an der Wand. 

„Wie sich die Welt verändert hat“, meint der rüstige 90jährige, „früher waren unsere Fotos nur Schwarzweiß, erst später wurden sie farbig. Auch haben wir sie noch in einem Schuhkarton gesammelt oder in ein Fotoalbum geklebt. Es ist schon toll, was man heutzutage alles machen kann.“

„Schau mal! Das war unser Hotel und hier ist die Lobby,“ erklärt Markus seinem Opa.

„Der Empfangsbereich…“, versucht Barbara zu übersetzen.

„Ja, ja!“, meint der ältere Herr nickend. „Das verstehe ich schon. Aber ist da gerade eine Trauerfeier, weil jemand gestorben ist oder warum schaut hier jeder nach unten?“

„Wie jetzt?“, fragt Markus sichtlich verwirrt.

„Na, keiner unterhält sich anscheinend mit seinem Gegenüber. Alle haben den Blick nach unten gerichtet und niemand hat ein Lächeln im Gesicht. Im Urlaub sollte man doch erwarten, dass alle gemeinsam fröhlich sind.“

„Ach,“ sagt Markus, denn nun weiß er, was Opa Heinrich meint. „In der Lobby hat man Internetempfang und alle schicken wahrscheinlich Fotos nach Hause zu ihren Freunden oder unterhalten sich über W…ap oder F…k mit ihnen.“

„Die Fotos kann man doch auch später noch zeigen und gemeinsam betrachten. So wie wir jetzt. Ist es nicht schöner im Urlaub neue Bekanntschaften zu machen und sich mit ihnen zu unterhalten?“

„Ja aber“, wendet Markus ein, „die waren doch alle mit ihren Handys oder Laptops beschäftigt. Ist doch ganz normal. Man will ja schließlich aller Welt zeigen, wie toll es im Urlaub ist.“

„Naja“, meint der Großvater, „normal ist was anderes. Zumindest in meinen Augen. Aber zeig mal, was ihr sonst noch alles gemacht habt.“

Als Markus die nächsten Fotos zeigt, gibt sein Handy plötzlich einen Ton von sich. Der Junge unterbricht sofort sein Gespräch, greift nach dem Smartphone und liest die eingegangene Nachricht. In Windeseile gehen seine Finger über das Display und er blickt nur kurz auf, als er an die beiden Erwachsenen gerichtet, sagt:

„Florian, will mit mir chatten. Ich geh dann mal in mein Zimmer. Mutti, du kannst ja Opa Heinrich die Fotos noch zeigen.“

Und schon ist er zur Tür hinaus und in seinem Zimmer verschwunden, aus dem er an diesem Abend auch nicht mehr ins Wohnzimmer zurückkehrt.

Als Opa Heinrich zu Bett gehen will, schaut er noch einmal kurz bei Markus vorbei. Dieser sitzt vor seinem Computer und hämmert auf der Tastatur herum.

„Was machst du?“

„Ich chatte, eh, unterhalte mich mit Florian.“

„Aber hier ist doch niemand!“

„Na, Florian sitzt zu Hause auch vor seinem Computer“, meint Markus und irgendwie sind beide jetzt leicht irritiert über die Aussage des anderen.

Am nächsten Nachmittag gehen Barbara, ihr Vater und Markus in ein Café. Nachdem sich jeder etwas Süßes an der Kuchentheke ausgesucht hat, setzen sie sich an einen Tisch in der hinteren Ecke. 

„Von hier aus kann man gut die Cafébesucher beobachten“, denkt sich der ältere Herr, dem dies schon immer Freude bereitet hat. Er schmunzelt still vor sich hin, als er an sich und seine leider schon verstorbene Frau in jungen Jahren denkt. Als Frischverliebte haben sie sich oft im Café getroffen, sich zärtlich einen Kuss zugehaucht und vor allen Dingen viel gelacht. Das hat sich auch in den vielen langen Jahren ihrer Ehe nicht geändert.

Während er sich umschaut, sind seine Tochter und deren Sohn damit beschäftigt, irgendwelche Nachrichten in ihr Handy zu tippen. Und auch sonst scheint jeder im Raum mit sich selbst beschäftigt zu sein, oder besser gesagt, mit seinem Smartphone. Heinrich stellt fest, dass das junge Paar am Nachbartisch kaum ein Wort miteinander wechselt, geschweige denn sich zärtlich küsst.

„Früher hat man noch miteinander geredet und gelacht, wenn man in einem Café saß. Hat denn heutzutage keiner mehr Interesse am anderen?“, wundert er sich und durchschneidet damit die herrschende Schweigsamkeit.

Markus und seine Mutter blicken auf und sehen den Großvater verständnislos an.

„Schmeckt dir der Kuchen nicht?“, fragt Barbara verwirrt.

„Doch, doch, aber…“ 

Opa Heinrich stockt, scheint zu überlegen und richtet dann an Markus die Frage: 

„Sag mal, willst du deinen Freund Florian nicht mal einladen?“

„Ja doch, eben gerade habe ich ihn zum Chatten eingeladen.“

„Einfach nur um etwas gemeinsam zu unternehmen und sich ein wenig zu unterhalten, meine ich“, versucht der Großvater seinen Vorschlag zu erklären.

„Sag ich doch: Wir chatten gleich“, antwortet sein Enkel.

„So richtig in der Realität…“, versucht Heinrich es erneut.

„Ist doch in der Realität“. 

„Kommt er auch mal zu dir nach Hause?“

„Nö, der hat doch keine Zeit.“

„Ach so, die Schulaufgaben…“

„Nö“, wiederholt sich Markus. „Der sitzt am Computer und chattet mit Leuten aus aller Welt. Der kennt echt viele Leute…Toll!“

„Lad ihn doch morgen Nachmittag mal ein!“, fordert der Opa seinen Enkel noch einmal auf.

„Der kommt eh’ nicht…, okay ich versuch es mal…, aber du wirst sehen…“

Schon gehen Markus Finger über die angedeutete Tastatur auf seinem Handy.

Kaum hat er die Nachricht abgeschickt, piept es und Florian hat geantwortet.

„Er hat zugesagt…, na so was,…das gab es ja noch nie…“, wundert sich der Junge.

Am folgenden Nachmittag klingelt es um drei Uhr an der Haustür und der Freund von Markus steht davor.

„Ich hab den alten Laptop meines Vaters dabei, den er mir geschenkt hat“, sagt er zur Begrüßung an der Haustür.

„Gib mal her, ich bringe ihn schon mal ins Wohnzimmer“, meint Großvater Heinrich. „Erst müsst ihr mal für mich zur Apotheke und Hustensaft holen, ich glaube, ich habe mich ein bisschen erkältet.“

Mit diesen Worten drückt der alte Herr seinem Enkel die Jacke, einen Zettel und etwas Geld in die Hand, nimmt Florian den Laptop ab und schließt ganz schnell die Eingangstür hinter den Beiden.

Achselzuckend ziehen die zwei Jungen ab und kurz darauf reicht Markus dem Apotheker den Zettel:

„Soll ich für meinen Opa holen.“

Dieser wirft einen kurzen Blick auf die Notiz des alten Herrn, danach reicht er den Zettel wieder an den Jungen zurück. Lächelnd sagt er:

„Da seid ihr hier aber falsch. Geht mal nebenan in das Geschäft!“

„Wieso? Hier ist doch die Apotheke…“

„Eben drum…!“

Jetzt erst werfen Markus und Florian einen Blick auf  die handgeschriebene Zeile.

„Holt euch für das Geld einen Fußball und habt einen schönen Nachmittag miteinander!
Opa Heinrich“

 

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Anmerkung zum Beitragsbild: Leider ist mir der Künstler dieser Darstellung (Wand in einer Hotellobby auf Mallorca) nicht bekannt (Foto: Astrid Berg)

Kommt vorbei

Ich weiß nicht, wer sich hat das ausgedacht,

doch einst hat man mich hierher gebracht.

Man hat mich erwählt unter etlichen Exemplaren

und so liege ich hier nun schon seit vielen Jahren.

 

Ihr fragt, ob ich mich fühle hier etwas einsam,

ohne zu sein mit meinesgleichen gemeinsam?

Seid mit eurem Urteil dahingehend nicht voreilig,

Ihr könnt es glauben, mir wird niemals langweilig.

 

Selten geht man an mir einfach achtlos vorüber,

es ist egal, ob nachts oder auch tagsüber.

Mit mir teilt man sein Glück und auch die Sorgen,

und das beginnt meist schon am frühen Morgen.

 

Beim Gassigehen ruht Frauchen sich dann aus,

wirft den Ball, Bello bringt ihn zurück durchaus.

Arbeiter stapfen durch Klee, Blätter oder Schnee

und genießen hier bei mir ihren heißen Kaffee.

 

Schulkindern groß und klein diene ich als Tisch,

korrigieren die Mathelösung mit einem Wisch.

Mein Gast war sogar mancher Schulschwänzer,

aber auch der eine oder andere Traumtänzer.

 

Verliebte hauchen hier zärtlich ihren ersten Kuss,

machen hin und wieder aber auch mal Schluss.

Es wird geküsst und auch liebevoll umarmt,

mit Kreide Herz und Buchstaben gemalt.

 

Mit Hochzeitspaaren werde ich aufs Foto gebannt,

das dann später hängt gerahmt an der Wand.

Wenn das Paar kommt einst dann mit dem Kind,

werde ich zum riesigen Kletterfelsen geschwind.

 

Eichhörnchen vergräbt die Nuss an meiner Seite

bevor es scheu und flink sucht das Weite.

Mäuschen vor der Katze sucht ganz ängstlich Schutz,

ist die Katze weg, macht ein Vogel seinen Federputz.

 

Über Langeweile kann ich wahrhaft nicht klagen,

denn man besucht mich in allen Lebenslagen.

Kommt vorbei bei Sonne, Regen oder Schnee,

bin zu finden in einem Wäldchen unweit der Spree.

 

 

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Ein Nachmittag im Spreewald

Der Sonntag macht seinem Namen alle Ehre,
kein Wölkchen kommt der Sonne in die Quere.
Drum zieht es uns hinaus in den Spreewald,
wo wir zum Hafen spazieren schon bald.

Am Wegesrand ein Fliegenpilz leuchtend steht,
sich vom blätterbedeckten Boden abhebt. 
Er will uns mit seiner roten Farbe verführen,
doch jeder weiß, man darf ihn nicht berühren.

Nach Kaffee und dem leckeren Streuselkuchen,
wollen wir geschwind eine Kahnfahrt buchen.
Durch die schmalen Fließe geht nun die Fahrt,
uns die Schönheit des Spreewaldes offenbart.

Wenn der Kahn gleitet hindurch unter Brücken,
muss der Fährmann sich immer wieder bücken.
An der Schleuse wird ein lustiges Gedicht rezidiert,
von den Fahrgästen mit großem Applaus honoriert.

Wohin man seinen Blick nun auch wenden mag,
die Sonne alles vergoldet an diesem schönen Tag.
Zu sehen gibt es hier tatsächlich so Allerlei,
gerade gleiten wir an einem Heuschober vorbei.

Die Natur sich von ihrer schönsten Seite zeigt,
der Fährmann interessante Geschichten hält bereit.
Als die Sonne sich dann dem Untergang neigt,
ist leider auch das Ende der Kahnfahrt angezeigt.

Vorbei ist nun ein schöner Nachmittag im Oktober,
erinnern wird uns daran das Foto vom Heuschober.
Im Winter in Decken eingewickelt und mit Glühwein,
nehmen wir den Spreewald wieder in Augenschein.

 

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Erinnerungen und Angewohnheiten

Beim Aufräumen bin ich auf ein gerahmtes Foto gestoßen. Hierauf sind zwei Personen abgelichtet.
„Ach schau mal an!“, sagt mein Mann, der mir gerade von hinten über die Schulter blickt. „Deine Mutter und mein Opa!“
Ruckartig drehe ich mich um und frage erstaunt: „Wie kommst du denn auf die Idee?“
„Na, das ist doch deine Mutter.“
„Ja, aber…“
„Und das ist mein Opa“, grinst er mich frech an.
„Quatsch, das ist doch im Wachsfigurenkabinett aufgenommen und meine Mutter steht neben Albert Einstein, nicht neben deinem Opa. Albert Einstein kennt doch wohl jeder!“, empöre ich mich.
„Nicht unbedingt“, gibt mir mein Mann zur Antwort und schürt damit meine Neugier. Diese scheint mir direkt ins Gesicht geschrieben, denn mein Göttergatte meint nur:
„Dann will ich deinen Wissensdurst mal stillen: Es war wohl so gegen Ende der Grundschulzeit oder kurz nachdem ich auf das Gymnasium gekommen bin. Damals trug ich immer ein Foto von Albert Einstein in meiner Geldbörse. Das sah zufällig ein Klassenkamerad und er fragte mich, wer das denn sei. Ich antwortete damals, dass es sich um meinen Opa handeln würde, was er mir auch ohne weitere Rückfragen abgenommen hat. So einfach und so schnell kommt man zu einem Opa“, schließt Peter seine Kurzdarstellung der damaligen Begebenheit ab und wir müssen beide herzlich lachen.
Sein Opa wird beim Mittagessen zufälligerweise ebenfalls wieder zum Gesprächsthema. Seltsam, aber es gibt Tage, an denen sich die Zufälle einfach so aneinanderreihen.
Ich habe passend zur Herbstzeit Kürbissuppe gekocht. Sie schmeckt ausgesprochen lecker, was mir auch mein Mann zu verstehen gibt. Auch die Tatsache, dass er sich zweimal einen Nachschlag nimmt, spricht dafür. Allerdings gibt es auch etwas, das mich total stört. Meint er doch zu mir:
„Und mit ein bisschen M… schmeckt sie noch köstlicher.“
„Hörst du auf!“, rufe ich entsetzt aus. „Das zerstört meine Kochkunst und verändert den Geschmack!“
„Nein, im Ernst, das ist das i-Tüpfelchen, das noch gefehlt hat.“
Schon hält er die besagte kleine Flasche in der Hand und schüttet tüchtig in seine Suppe.
„Aber auf keinen Fall so viel!“
„Mein Opa hat dieses Fläschchen mit seinem Inhalt auch geliebt“, erklärt er mir und hält das besagte Ding mit seiner linken Hand fest umklammert.
„Wer jetzt? Dein Opa? Albert Einstein?“, frage ich abermals völlig irritiert und mit dem Gedanken an die kurze Erzählung von heute Morgen.
„Ach nein! Mein richtiger Opa. Opa K.“, erklärt er mir nun. „Er hielt immer beim Essen die M…flasche fest im Griff. Er hat diesen Geschmack sehr gemocht. Irgendwie muss ich wohl ein Gen von ihm abbekommen haben, denn auch mir schmeckt es mit M… immer alles noch ein bisschen besser.“
„Aha“, sage ich nur kurz und nehme mir ebenfalls noch einen Nachschlag, allerdings ohne M… „Was Männer alles so fest im Griff halten! Ich kenne da auch so einen Gegenstand, den du gerne festhält und nur ungern aus der Hand gibst…“
Leider werden wir an dieser Stelle vom eindringlichen Klingelton unseres Telefons unterbrochen und auch danach bleibt uns keine Zeit mehr für ein weiterführendes Gespräch. 
Als ich am Spätnachmittag zwischen zwei Terminen noch in der Stadt unterwegs bin, komme ich an zwei unterschiedlichen Dingen vorbei, die ich unbedingt kaufen muss: Im Supermarkt erstehe ich eine neue M…flasche, die ich meinem Mann mitbringe, aber auch etwas anderes habe ich noch entdeckt: Einen kleinen Albert Einstein, der an einer langen Zugfeder hängt und den man damit lustig auf und ab wippen lassen kann. Schon jetzt freue ich mich auf das Gesicht meines Göttergatten, wenn ich  ihm am Abend meine beiden Geschenke präsentiere.
Allerdings wird alles etwas später als gedacht und ich komme erst bei Dunkelheit nach Hause. Als ich die Haustüre öffne, kann ich ein stilles Lächeln nicht verbergen, denn ich freue mich schon auf das Gesicht meines Mannes, wenn ich ihm die beiden erstandenen Dinge überreiche. Doch was sehen meine Augen?
Mein Göttergatte liegt nach einem wohl anstrengenden Arbeitstag auf der Couch und ist bei laufendem Fernseher eingeschlafen. Sein rechter Arm ist leicht nach oben angewinkelt und in seiner Hand hält er festumklammert einen Gegenstand: Die Fernbedienung.

Schade, dass er gerade die Augen öffnet, als ich ihm in die andere Hand die M…flasche legen will, sonst hätte ich sofort mein Handy gezückt, um ein Foto zu machen.

 

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