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Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Der April weiß nicht, was er will

Am Sonntag hatten wir richtig tolles Frühlingswetter, das uns hinaus in die Natur gelockt hat.

 

Bei 21 Grad zog es uns wieder einmal in den Spreewald. Dieses Mal fuhren wir nach Lübbenau.

Im Ort selbst war uns zuviel los. Eigentlich marschieren wir in solchen Fällen von Lübbenau nach Lehde, aber meine Mutter war mit ihrem Rollator dabei und so zogen wir es vor eine große Runde durch den Schlosspark zu drehen.

Seltsamerweise taten das nur ganz wenige Menschen, was in Corona-Zeiten von Vorteil ist. Der Park war fast menschenleer, jedenfalls zu dem Zeitpunkt, als wir ihn besuchten.

Auf unserer Runde durch den Schlosspark näherten wir uns wieder unserem Ausgangspunkt. Zuvor fotografierte ich noch schnell das Schloss von der Seite.

Was wäre ein Spaziergang im Spreewald ohne einen Heuschober gesehen zu haben? 😉Das langgestreckte Fachwerkhaus auf der linken Seite nennt man auch das „Efeuhaus“, weil es einst vollkommen von Efeu umwuchert war. So ist es zumindest auf einer der Infotafeln zu lesen. Heute beherbergt es Hotelgäste, ebenso wie das Schloss.Tja, was soll ich sagen: Wir hatten am Sonntag echt Glück mit dem Frühlingswetter. Heute Morgen schneite es. Frau Holle hatte anscheinend noch einmal Lust ihre Betten auszuschütteln.

Ich finde, Frau Holle ist doch nun auch schon eine ältere Frau, die sich Ruhe gönnen und ihren Sommerschlaf halten sollte. 😉 Ich jedenfalls mag dieses Hin und Her gar nicht. Der Frühling ist mir eindeutig lieber, aber der April weiß ja bekanntlich nicht, was er will.

 

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Gesucht…

Wir holen uns Coffee to go, trinken beim Laufen. Ich marschiere vorneweg, mein Mann ist wenige Schritte hinter mir. Nach zehn Metern bleibe ich stehen, drehe mich um und kann Peter nicht mehr entdecken.

„Wie kann man sich auf einer solch kurzen Strecke verlieren?“, überlege ich.

Ich blicke nach links, nach rechts: Nichts!

Mein Blick schweift umher. Dann mache ich eine Hundertachtzig – Grad – Drehung. Grinsend blickt mir Peter direkt in die Augen.

„Wie damals im Supermarkt mit unserem kleinen Sohn“, lache ich. „Ich suchte und rief. Es zupfte an meiner Jacke. Mein Blick fiel nach unten. Da stand er.“

 

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Ostergespräche

Opa Heiner und Oma Gundula sitzen am Ostersonntag gemeinsam mit der Familie ihres Sohnes am reichhaltig gedeckten Frühstückstisch. Die Enkelkinder Tobias und Sabine sind eigentlich schon ein bisschen ungeduldig, denn sie wollen endlich nach draußen in den Garten, um die Ostereier zu suchen. Die Erwachsenengespräche interessieren sie eigentlich recht wenig, doch dann werden sie plötzlich hellhörig.

„Melanie, meine Cousine, hat mir geschrieben“, beginnt Oma Gundula zu berichten, „sie hat jetzt einen Hund und ist sehr glücklich darüber. Das ermöglicht ihr täglich schöne und lange Spaziergänge in der Natur zu unternehmen.“
Damit ist ein Thema gefunden, das nun alle interessiert und zu einem angeregten Gespräch über einen Vierbeiner als mögliches neues Familienmitglied führt.
„Wie wäre es denn mit einem niedlichen kleinen Hund?“, fragt der Vater von Tobias und Sabine in die Runde.
„Oh ja!“, rufen die Kinder erfreut aus und klatschen in die Hände.
„Ob das für euch so eine gute Idee ist“, bezweifelt Oma Gundula und dämpft damit gleichzeitig die Freude der Enkelkinder. 
„Immerhin lebt ihr in einer Großstadt . Außerdem seid ihr berufstätig und die Kinder sind tagsüber auch nicht da. Der arme Kerl wäre ja die ganze Zeit alleine zu Hause.“
„Wir dachten auch, dass er hier bei euch lebt“, kommt sofort die Lösung.
„Ach ja und wir müssen dann dreimal am Tag Gassigehen, weil ihr ja nur mal gelegentlich am Wochenende vorbeikommt“, überlegt Oma Gundula laut.
„Da bleiben wir aber gesund und fit“, lenkt Opa Heiner ein.
„Das stimmt nun auch wieder“, freundet sich Oma Gundula mit der Idee an.
„Hattet ihr eigentlich als Kinder einen Hund in der Familie?“, erkundigt sich Sabine.
„Mein Opa hatte einen Hund“, beginnt Opa Heiner zu erzählen. „Er hatte draußen im Hof seine Hundehütte und war sozusagen ein Wachhund.“
„Ach ja?“, fragt Oma Gundula etwas ungläubig, denn hiervon hat sie noch nie gehört. „Welcher Opa war das denn?“
„Na, Opa Karl“, erklärt der Großvater.
„Und wie hieß der Hund?“, will Tobias neugierig wissen.
„Er hieß Butz und ließ niemand so richtig an sich heran. Nur ich durfte eigentlich alles mit ihm machen. Bei mir hat er nicht gekläfft und auch nicht geschnappt“,  berichtet Opa Heiner ganz begeistert. Er steigert sich regelrecht in die Erinnerungen hinein.
„Ich war noch ein ganz kleines Kind und saß in meinem Sportwagen. Meine Mutter hatte mir ein Brötchen gegeben, aber ich ließ meine Hand mit dem Brötchen aus dem Wagen hängen. Ja, und was soll ich sagen? Butz hat mir das Brötchen aus der Hand gefressen, ganz vorsichtig, um mir ja nicht wehzutun.“
„Ach! Tatsächlich?!“, sagt Oma Gundula grinsend. „Bist du dir sicher?“
„Sollte ich da was verwechselt haben?“, fragt der Großvater und schaut seine Frau doch etwas unsicher geworden an.
„Ich denke schon, dass da eine Verwechslung vorliegt!“, gibt ihm diese zu verstehen. „Der Hund meines Opas, der übrigens Batzi hieß, hat mir das Brötchen aus der Hand gefressen, denn in dem Kinderwagen saß ich!“
„Ach!“, gibt Opa Heiner jetzt zu und schlägt sich gegen die Stirn. „Da stammen wohl die Bilder in meinem Kopf von dir, als du mir diese Geschichte erzählt hast.“

 

Ich wünsche Euch ein schönes und entspanntes Osterfest. Bleibt alle gesund und habt viel Spaß beim Ostereiersuchen.

Liebe Ostergrüße von

Astrid Berg

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Ei, Ei, Ei und noch ein Ei

 

Probleme im Osterhasenland

Familie Hoppel ist in großer Aufregung ununterbrochen
bereits schon seit ein paar Wochen.
Wie jedermann weiß, ist das Osterfest nun schon bald
mit der großen Eiersuche im Wald.

Vater Hoppel kommen schreckliche Neuigkeiten zu Ohr,
denn es stehen große Probleme bevor.
Die Hühner klagen, über zu viel Arbeit, wenig Personal,
wollen streiken, die Arbeit niederlegen total.

Der Familienrat trifft sich ganz dringend und sofort,
Osterhasen benötigen der Hühner Support.
Familie Hoppel braucht eine Lösung für das Problem,
denn die Situation ist äußerst unbequem.

„Wie nur kann man die Hühner entlasten geschwind?“,
fragt nun Hops, das Osterhasenkind.
Er hat sich auf’s Eiermalen mit bunten Farben gefreut,
will anfangen damit noch heut.

Mutter Hoppel hätte da vielleicht eine brauchbare Idee,
erwägt sie beim Nachmittagskaffee.
Voller Hoffnung richten sich die Blicke gespannt auf sie,
überlassen alles ihrer Fantasie.

Eine Legefabrik voller Hennen existiert hinter dem Wald,
die armen Tiere sterben schon bald.
Sie sind eingesperrt in Käfigen, klein und eng zum Eierlegen,
können sich nur unter Schmerzen bewegen.

„Wir müssen sie unbedingt und ganz schnell befreien,
denn ihre Qual ist zum Schreien.“
Familie Hoppel will sie erretten bei Nacht und Nebel
und öffnen aller Käfige Hebel.

„Hier bei uns im Wald haben sie ein besseres Leben
und können uns ihre Eier geben.“
Schon in der nächsten Nacht schreiten sie zur Tat,
gründen ihren eigenen Hühnerstaat.

Nun ist gelöst zum Glück das fatale Personalproblem
und die Legefabrik zerstört außerdem.
Die Ostervorbereitungen sind in vollem Gange überall
ob auf Feld, Wiese oder im Stall.

Es freuen sich alle Hühner, Osterhasen und auch Kinder.
Wer wird wohl der größte Ostereierfinder?
Ostereier von glücklichen Hühnern vorzüglich schmecken,
drum lasst uns den Ostertisch decken.

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Missverständnis

Heute rufe ich eine neue Kategorie in meinem Blog ins Leben:
„100 Worte“, so heißt diese und hier finden kleine Alltagsbegebenheiten ihren Platz. Diese passieren einfach mal zwischendurch im täglichen Einerlei und entlocken uns den einen oder anderen Schmunzler oder auch ein Stirnrunzeln. Da sie so klein sind, werden sie hier auch nur mit höchsten 100 Worten erzählt. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber ich will es versuchen.

Also nun geht es los:

 

Ich marschiere in die Küche und gebe der Tür hinter mir einen leichten Schups. Sie schließt sich bis auf einen Spalt.

„Lottchen hat es gerade noch geschafft hineinzukommen, ohne dass du sie eingequetscht hast“, erklärt mir mein Mann. „Sie ist dir nämlich gefolgt!“

„Armes Kätzchen! Zum Glück bist du durchgekommen“, bedauere ich.

„Was brauchst du?“, erkundigt sich die schwerhörige Oma.

„Ich brauche nichts“, erwidere ich. „Ich habe mit Lottchen gesprochen, weil ich die Tür hinter mir zugeworfen habe und sie glücklicherweise unbeschadet hindurchgekommen ist.“

„Wer ist gekommen?“, fragt Sohnemann, der nichts außer den allerletzten Rest meiner Erklärung mitbekommen hat.

(100 Worte)

 

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Zwischen zwei Regenschauern

Es ist Sonntag und es regnet schon den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger. Am Spätnachmittag hört es plötzlich auf und die Sonne lugt sogar manchmal zwischen den Wolken hervor.

Wir ergreifen die Gelegenheit und fahren in den Branitzer Park. Einen Regenschirm nehmen wir allerdings vorsichtshalber mit.

Als wir nach ein paar Autominuten dort ankommen, erwartet uns der Park in einem ganz besonderen Licht.

Seht Ihr die weißen Punkte auf dem Wasser? Sie kommen immer näher.

Majestätisch gleiten die beiden Schwäne

an uns vorbei. Es sind Hermann und Lucie (benannt nach dem Fürstenpaar).

Gut, dass sie nicht ans Ufer kommen, denn so schön sie auch sein mögen, sie flößen mir auch Respekt ein. Zu nahe möchte ich sie nicht an mich herankommen lassen.

Die Pyramide spiegelt sich im Wasser und über ihr ziehen die Wolken hinweg. Ein malerisches Bild zeigt sich uns.

Von uns aus gesehen rechts sieht man das Kreuz auf einem Grab. Hier befindet sich die letzte Ruhestätte von Fürst von Pückler und Fürstin Lucie Muskau.

Malerischer als in diesem Moment könnte sich der Park nicht zeigen.

Wir genießen, die Ruhe , das Licht und den Spaziergang durch den Park. Nur wenige Leute sind hier unterwegs, – im Grunde genommen haben wir diesen schönen Landschaftspark für uns.

Nur ein paar Meter weiter  ziehen dunkle Wolken auf.

Aber das ändert sich gleich wieder.

Gerade als wir einen Blick zum Schlosseingang hinauf werfen, beginnt es zu tröpfeln und wir müssen unseren Regenschirm aufspannen.

Ein letzter Blick zum Schloss hinüber.

Schnellen Schrittes setzen wir unseren Spaziergang mit Regenschirm fort.

Das Schloss liegt inzwischen schon weit weg, wir können den Regenschirm wieder schließen, aber am Ende unseres Spaziergangs will die Sonne schon langsam untergehen.

Auch heute durften wir feststellen, dass der Branitzer Park (Fürst Pückler Park) zu allen Jahres- und Tageszeiten einen Besuch wert ist. Uns hat es jedenfalls wieder einmal gefallen.

 

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Na sowas!

Berta und Mathilda sind schon seit Jahrzehnten befreundet. Kennengelernt haben sie sich einst auf einer Geburtstagsfeier. Die beiden Frauen waren sich sofort sympathisch. 
Damals wie heute geht ihnen der Gesprächsstoff nie aus.

Inzwischen sind Mathilda und Berta schon verwitwet. Da Bertas Haus zu groß für nur eine Person ist, zog Mathilda vor zwei Jahren kurzerhand zu ihr. So ist keiner allein, aber trotzdem hat jede von ihnen ihr eigenes Reich.
„Wollen wir uns wieder einmal ärgern?“, fragt Berta und hat ein Strahlen in den Augen.
„Von WIR ist hier wohl keine Rede!“, gibt Mathilda zurück. „Du ärgerst mich!“
„Ach komm, sei doch nicht so!“, beschwichtigt die eine Freundin die andere.
„Na gut, ich bin ja kein Spielverderber.“
Darauf hat Berta nur gewartet. Wie auf Kommando schnellt ihre rechte Hand hinter dem Rücken hervor. In dieser hält sie das altbewährte und allseits geliebte oder auch gehasste „Mensch-ärgere-Dich-nicht“-Spiel. 
„Du grün und ich gelb?“, fragt sie.
Mathilda nickt und holt ihre Brille aus dem Etui, damit sie genau sehen kann, ob die Freundin schummelt.
„Ich fang an“, ruft Berta begeistert aus. „Ich habe das letzte Spiel gewonnen.“
„Leider nicht nur das letzte Spiel“, gibt Mathilda zu. „Ich habe das Gefühl, dass mit deinem Würfel etwas nicht stimmt. Ich habe noch nie jemand kennengelernt, der so viele Sechser würfelt wie du.“
„Du kannst ihn gerne haben. Ich nehme dann deinen Würfel.“
Hoffnungsvoll nimmt Mathilda den Würfel entgegen und begutachtet ihn durch ihre Brille ganz genau. Leider muss sie feststellen, dass es nichts Auffälliges an ihm gibt.
„Ich fang schon mal an zu würfeln“, sagt Berta und schon rollt der Würfel dreimal hintereinander über den Tisch.
„Ha!“, sagt Mathilda hoffnungsvoll, denn bisher war kein Sechster dabei. Bei ihr aber leider auch nicht. Doch schon bei der zweiten Würfelrunde hat Berta die ersehnten sechs Augen auf ihrem Würfel ganz oben liegen. Sie geht mit ihrem Spielmännchen an den Startpunkt und als sei dies nicht genug, kommt der zweite Sechster gleich hinterher. Dieser berechtigt sie wiederum zum nochmaligen Würfeln, was Berta allerdings nur eine Eins beschert.
„Och!“, gibt sie enttäuscht von sich.
„Du brauchst dich doch nicht zu beschweren, ich bin noch gar nicht am Start“, entgegnet die Freundin, die den Würfel ganz sachte aus der Hand gleiten lässt. Allerdings vergeblich. Doch noch hat sie zwei Versuche. 
„Eigentlich kann ich noch keine Sechs gebrauchen“, denkt sie. „Das gelbe Spielmännchen steht kurz vor meinem Startpunkt. Es würde mich nur jagen. Lieber soll der Sechser erst kommen, wenn gelb vor mir ist. Dann wäre ich nämlich der Jäger.“
Leider gehorcht der Würfel nicht ihren Gedanken und Wünschen, denn der dritte Wurf berechtigt sie, sich an den Start zu begeben und danach einen Schritt voranzugehen.
„Oh nein! Jetzt bist du schon ganz dicht hinter mir und ich kann mich darauf gefasst machen, gleich wieder rauszufliegen.“
„Ach, Quatsch. Das würde ich dir doch nie antun“, meint Berta augenzwinkernd und würfelt eine Fünf.
Sie hat Wort gehalten und steht nun direkt vor Mathilda, die anscheinend von jetzt an Glück hat, denn im Nu ist sie mit allen Spielmännchen draußen.
„Heute gewinnst du!“, meint Berta und man hört ihre Frustration heraus.
„Das hab ich auch dringend nötig“, gibt ihr die Freundin zu verstehen und reibt sich im Geiste schon die Hände. Leider ist das Glück kein ständiger Begleiter und so wird sie schon in einer der nächsten Runden von ihrer Gegnerin herausgeworfen. Und als wäre das nicht genug, folgt der Herauswurf des nächsten Männchens kurz bevor sie es in Sicherheit bringen kann.
„Jetzt reicht es aber!“, beschwert sich Mathilda. „Von wegen, heute gewinne ich. Ich frage mich, wie du das machst?!“
„Gekonnt ist gekonnt!“, gibt ihr Berta lachend zu verstehen.
Langsam vergeht Mathilda die Lust, während die Freundin fröhlich vor sich hin würfelt und ihre Spielfiguren über das Brett sausen lässt.
„Eins, zwei, drei!“, zählt sie. „Und schon bist du weg!“
„Halt!“, ruft Mathilda aus. 
„Was? Bist du etwa ein schlechter Verlierer?“
„Nein, das nicht. Aber dein Würfel zeigt nur zwei Augen, keine drei!“
„Ach!“, zuckt Berta mit den Schultern. „Da hab ich mich wohl verguckt!“
„Setz mal deine Brille auf!“, kontert Mathilda. „Auf dich muss man aufpassen. Kann es sein, dass du schummelst?“
„Ich nein! Das käme mir nie in den Sinn!“
„Das hoffe ich!“, gibt Mathilda ihrer Freundin zu verstehen, würfelt und zieht an deren Männchen vorbei.
Heute gibt es sozusagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Partie ist gerade so richtig spannend, als es plötzlich an der Haustür klingelt. Bertas Tochter Margit mit dem dreijährigen David ist für einen überraschenden Besuch vorbeigekommen. 
„Lass alles stehen, wir spielen nachher weiter! Merk dir, dass du dran bist“, meint sie, als sie mit David auf dem Arm ins Wohnzimmer kommt. Dieser hat seinen Teddy dabei, den er in seiner Hand hält und ihn Mathilda, die noch immer vor dem unvollendeten Spiel sitzt, geben will. Er reicht ihr mit ausgestrecktem Arm den Teddy hinüber.
„Vorsicht!“, ruft Margit, als dem Jungen der Teddybär entgleitet.
„Hoppla!“, ruft David erschrocken, als der Teddy auf dem Tisch landet.
„Oh nein!“, rufen die beiden Freundinnen, als das Stofftier bei seiner Landung das Spiel zerstört. 
„Wer hätte denn gewonnen?“, erkundigt sich Margit.
„Ich war so nah dran!“, antwortet Berta.
„Glaubst auch nur du! Ich hätte gewonnen!“, widerspricht Mathilda.
„Na sowas!“, sagt David. „Armer, armer Teddy!“

 

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Hui!!!

 

Märzerinnerungen

Heute ist es zwar ein kalter Tag, aber trotzdem lässt sich das Blau des Himmels zwischen ein paar Wolken ganz deutlich erkennen. Als ich diese Handyaufnahme mache, sind es gerade erst 2 Grad.

März 2021

Aber mir fällt noch etwas anderes auf. Die Anzahl meiner Fotos, die auf dem Handy gespeichert sind, beläuft sich auf stolze 16.333. Ich sollte mal meine externe Festplatte zu Hilfe ziehen. Okay, aber das interessiert mich momentan kein bisschen. Vielmehr will ich wissen, was wir so in den letzten Jahren im Monat März alles unternommen oder erlebt haben.

März 2020

 

Zu dieser Zeit konnte man noch in ein Cafe gehen, aber Corona war schon ein Thema. Auch im Berliner Zoo waren wir, aber auch damals achtete man schon auf Abstand und hielt sich an die Hygieneregeln.

 

 

Sogar unsere Flugreise nach Teneriffa konnten wir am 11.3.20 noch antreten. Allerdings wurde dann bereits am 16.3. auch auf dieser spanischen Insel der Lockdown ausgesprochen. Wir waren auf unser Apartment

(zum Glück mit sehr großem Balkon) beschränkt, durften weder die Poolanlage benutzen, noch durften wir in der Anlage oder außerhalb spazieren gehen. Lediglich zum Supermarkt, Arzt oder zur Apotheke war der Gang erlaubt.

Am 19.3. sind wir mit dem letzten regulären Flug der Fluggesellschaft vorzeitig wieder zurück nach Deutschland geflogen. Allerdings ging dieser Flug nicht nach Berlin, sondern nach Düsseldorf.

März 2019

Hier landete mein Mann nach seinem ersten Tandemflug mit einem Gleitschirm. Er war vom Paragliding total begeistert. Ich habe unten auf ihn gewartet, denn ich bin ein kleiner Angsthase und habe mich nicht getraut.

Auf Teneriffa haben wir auch ein „umhäkeltes“ Haus entdeckt. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wo es stand.

Mein Mann meinte gerade: „Das Haus war in Puerto de la Cruz.“

 

 

Jedes Jahr im März kommt für Lottchen auch der Tag, an dem wir sie leider in ihren Transportkorb einsperren müssen. Sie mag das ganz und gar nicht und beginnt auch sofort zu jammern, nachdem der Motor unseres Autos gestartet wird. Unsere Fahrt geht dann zum Tierarzt, wo sie ihre jährliche Impfung bekommt.

März 2018

Ein Spaziergang im Branitzer Park ist zu allen Jahrzeiten lohnenswert, auch im März. Könnt ihr die Schneereste erkennen? Die Aufnahme entstand am 20.3. 2018.

Auch in diesem Jahr waren wir auf Teneriffa und haben dort den Karnevalsumzug erlebt.

Da der Ostersonntag 2018 auf den 1. April fiel, war im März drinnen und draußen alles österlich geschmückt.

Sogar einen Osterbrunnen haben wir in Hessen (Echzell) entdeckt.

 

 

 

 

 

 

In den Potsdamer Arkaden fand von März bis April eine wunderschöne Ausstellung mit riesigen Ostereiern statt.

 

 

 

 

 

 

 

Noch ist er März 2021 nicht vorbei. Wir beginnen erst die zweite Märzwoche. Wir hatten schon richtig herrliche Frühlingstage, aber auch der Winter will anscheinend noch einmal mit Schnee vorbeikommen. Lassen wir uns überraschen.

 

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Himmelblau

Mir ist heute ein bisschen zum Plaudern.

Kommt mit, ich mache einen Spaziergang. Das Frühlingswetter lockt mich hinauf zum Spreedamm.

Einige Bäume haben wohl Wind- bzw. Schneebruch erlitten.

Ich atme die milde Frühlingsluft und erfreue mich an der Natur.

Hier bin nur ich mit meinen Gedanken. Corona hat hier nichts zu suchen 😉 .

Ich freue mich schon, wenn die kahlen Bäume endlich wieder ergrünen.

Auf der Koppel der Tierärztin steht ein Pferd, genießt ebenfalls die warme Luft und schaut kurz zu mir herüber, als ich ein Handyfoto schieße.

 

Ist das nicht ein traumhaftes Himmelblau?!!!

Sogar einen Frosch entdecke ich, der einen Baum erklommen hat, um nach dem Frühling Ausschau zu halten.

Überall höre ich es zwitschern.

Zuhause angekommen, bewundere ich die Krokusse in unserem Vorgarten.

Ganz liebe Grüße an Euch alle. Bleibt gesund und munter!

 

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Der Schalk

Heinz und Ute sind mit dem Auto unterwegs. Sie haben den Wocheneinkauf erledigt. Alle Einkäufe sind bereits im Kofferraum verstaut und Heinz startet den Motor, als ihm noch etwas einfällt.

„Ach!“, meint er und schlägt sich dabei gegen die Stirn. „Jetzt habe ich doch vergessen die Batterien für den Öffner unseres Garagentors zu besorgen. Oder hast du daran gedacht?“
„Nein, das stand nicht auf meinem Einkaufszettel“, erwidert Ute. „Ich habe auch keine Lust noch einmal reinzugehen. Ehrlich gesagt bin ich froh endlich ohne die Maske wieder frei atmen zu können.“
„Nachher ärgern wir uns, weil sich das Garagentor nicht mit dem Drücker automatisch öffnen lässt“, überlegt Heinz. „Ich geh noch mal schnell rein. In fünf Minuten bin ich zurück, warte einfach im Auto so lange.“
„Halt!“, ruft Ute ihm nach. „Du musst deinen Mund-Nasen-Schutz anziehen.“
Heinz dreht sich um und nimmt die Maske, die Ute ihm durch das Autofenster reicht.
Im Supermarkt geht er zielstrebig zu dem Regal, in dem die unterschiedlichsten Batterien angeboten werden. Schnell wird er fündig und marschiert in Richtung Kasse. Da sieht er sie. Sie steht bei den Drogerieartikeln und nimmt gerade ein Duschgel aus dem Regal. Sie hat ihn nicht gesehen, da sie Heinz mit dem Rücken zugewandt ist.
„Das ist doch Birgit, unsere Nachbarin“, denkt er und marschiert auf sie zu. „Jetzt mache ich mir einen Spaß!“, regt sich der Schalk in ihm. „Ich werde sie mal ein bisschen erschrecken. Noch hat sie mich ja nicht gesehen. Mal sehen, wie sie reagiert. Eigentlich ist Birgit immer für ein Späßchen zu haben.“
Heinz schleicht sich von hinten an die Frau heran.
„Buhhh!“, ruft er aus.
Die Frau dreht sich zu ihm um und schaut ihn mit großen Augen an. Mehr kann Heinz auch gar nicht erkennen, denn auch die Frau trägt eine Maske. So stehen sich die beiden Maskierten gegenüber und blicken sich schweigend in die Augen. 
Hinter der Stirn von Heinz arbeitet es auf Hochtouren. Gedanken und Fragen durchzucken seinen Kopf. 
„Ist das Brigit? Ja, das ist sie. Oder etwa nicht?“
Plötzlich ist sich Heinz nicht mehr so sicher. Irgendwie sieht sie aus wie die Nachbarin. Die Größe stimmt, die Frisur ist die gleiche, die Haarfarbe ist ebenfalls braun mit Strähnen und der Kleidungsstil könnte auch passen. Oder sieht sie ihr nur ähnlich? Heinz ist total verunsichert. Die Frau spricht kein Wort. So stehen sie sich eine gefühlte Ewigkeit wort- und auch irgendwie ratlos gegenüber. Doch plötzlich sieht Heinz verdächtige Fältchen um die Augen der Frau.
„Sie lächelt!“, denkt er und ist irgendwie erleichtert. Er lächelt zurück, soweit dies mit der Mund- und Nasenbedeckung möglich ist. Danach dreht sich sein Gegenüber wortlos um und wendet sich erneut den Produkten im Regal zu. Auch Heinz geht ohne ein Wort seines Weges.
„Seltsam! Birgit ist doch sonst nicht so stumm“, überlegt er beim Verlassen des Supermarktes. „Sie lacht so gerne und auch laut.“
„Ich glaube, dein Rätsel hat sich soeben von selbst gelöst“, meint seine Frau Ute, als sie daheim ankommen. Im gegenüberliegenden Garten steht Birgit, die Nachbarin und hackt die Erde rund um die sich langsam aus der Erde reckenden Krokusse. Ohne Maske winkt sie fröhlich lachend zu Ute und Heinz herüber.

 

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Piep! Piep!

Opa Werner ist heute nicht so gut drauf. Besser gesagt, er hat ausgesprochen schlechte Laune. Der Ohrenarzt hat ihm Hörgeräte verschrieben und gestern hat er sie abgeholt. Heute Morgen soll er sie nun das erste Mal selbst einsetzen.

„Alle sind der Meinung, ich würde schwer hören. Was die sich einbilden, pah! Ich höre gut. Das habe ich ihnen auch schon tausendmal gesagt. Aber das glaubt mir ja niemand“, schimpft er im Bad vor sich hin. „Nur weil neulich der Ober im Restaurant so genuschelt hat. Fragt er mich doch, ob der Fisch recht ist . Ich habe ihm natürlich gleich gesagt, dass ich keinen Fisch bestellen will und erst mal in die Speisekarte schauen will. Hätte er eine deutliche Aussprache gehabt, hätte ich auch verstanden, dass er von dem Tisch geredet hat. Diese dumme Verwechslung hat dann den Ausschlag gegeben, dass sie mich zum Ohrenarzt geschleppt haben.“
Endlich hat er die Hörgeräte im Ohr und kann nach unten zum Frühstück.
„Guten Morgen, Opa Werner! Du bist aber heute spät dran!“, wird er von seinem Enkel Martin begrüßt.
„Guten Morgen!“, rufen ihm auch die anderen Familienmitglieder entgegen.
„Wieso brüllt ihr eigentlich so?“, will er wissen. „Ich bin doch nicht taub!“
„Ach, Entschuldigung“, meint seine Tochter. „Ich hatte ganz vergessen, dass du jetzt ein Hörgerät hast. Dann brauchen wir nicht mehr so laut zu sprechen.“
„Ihr habt doch sonst auch nicht so gebrüllt!“, empört sich der Großvater.
„Du wirst sehen, jetzt bekommst du viel mehr mit“, begeistert sich Oma Erika. „Als ich meine Hörgeräte bekommen habe, konnte ich endlich wieder das Vogelgezwitscher hören. Das macht richtig glücklich.“
„Ach Firlefanz!“, schüttelt der ältere Herr leicht verärgert seinen Kopf. „Wo ist denn meine Marmelade?“
„Warte Opa!“, sagt Martin. „Ich hole sie dir. Sie steht sicherlich noch im Kühlschrank.“
Der Enkelsohn springt auf, öffnet die Kühlschranktür und sucht. Es dauert eine ganze Weile bis er die Marmelade gefunden hat. Schnell stellt er diese vor dem Großvater auf den Tisch, der irritiert um sich schaut. Martin hat keine Ahnung warum, aber er will auch nicht nachfragen, sondern geht zurück zum Kühlschrank und schließt die Tür.
Fünf Minuten später schaut Opa Werner wieder irritiert. Dieses Mal schweift sein Blick in der ganzen Küche umher ohne sich irgendwo festzuhaften.
„Schade“, meint sein Schwiegersohn. „Gerade habe ich mir überlegt, dass ich mir noch einen Latte Macchiatto mache, da schaltet sich der Kaffeevollautomat ab.“
Martin bemerkt diesen irritierten Blick seines Großvaters über den Tag verteilt mehrere Male und irgendwie beunruhigt ihn das. Er nimmt sich vor, dieses seltsame Phänomen ganz genau zu beobachten und gegebenenfalls heute Abend mit den Eltern zu besprechen. 
„Vielleicht hat Opa Werner eine Krankheit, von der mir meine Eltern noch nichts erzählt haben,“ überlegt er.
Am Spätnachmittag kommt er allerdings der Sache näher. Als die Mutter in den Hauswirtschaftsraum eilt, verzieht Opa zum wiederholten Male das Gesicht. Endlich sagt er auch etwas:
„Habt ihr euch einen Vogel zugelegt?“
„Nein, wieso? Wie kommst du darauf? Wir haben doch eine Katze und da würde ein Vogel ziemlich gefährlich leben“, erwidert Martin.
„Aber den ganzen Tag piept es hier. Da muss ein Vogel sein. Ich bin doch nicht verrückt. Ich habe es ganz deutlich gehört. Das fing schon heute Morgen beim Frühstück an.“
„Opa, vielleicht hast du Tinnitus!“
„Was ist denn das nun schon wieder“, ärgert sich der Großvater. „Ich habe so einen neumodischen Kram nicht. Meine Ohren funktionieren bestens, aber das glaubt mir ja niemand.“
Gerade will Martin seinen Opa beruhigen, da ruft dieser aus:
„Hört ihr das denn nicht? Eben hat schon wieder ‚Piep!‘ gemacht!“
„Ach, Opa!“, freut sich Martin, denn nun ahnt er, was der Großvater meint. „Komm bitte mal mit!“
Der Enkel führt den älteren Herrn durch das ganze Haus. Er öffnet den Kühlschrank und lässt dessen Tür einen Moment offenstehen: 
„Piep!“
Er geht zur Kaffeemaschine und schaltet diese an:
„Piep!“
Im Hauswirtschaftsraum melden sich der Trockner und die Waschmaschine fast gleichzeitig:
„Piep! – Piep!“
Aus der Küche ertönt erneut ein 
„Piep!“,
weil der Kuchen im Backofen fertig ist.
Außerdem bereitet die Mutter gerade noch mit ihrer neuen Küchenmaschine die Schlagsahne zu. Und auch als diese fertig geschlagen ist, macht es wieder 
„Piep!“
„So was gab es letzte Woche noch nicht bei euch!“, meint Opa Werner.
„Oh doch!“, mischt sich die Mutter nun ein. „Du hast es nur nicht gehört!“
Der Großvater zuckt nur mit den Schultern und geht ins Wohnzimmer, um sich auf seinem Sessel ein wenig auszuruhen. Doch noch bevor er sich hinsetzen kann, ertönt ein erneutes 
‚Piep!’.“
„Was ist jetzt schon wieder los?“ So langsam wird er ärgerlich.
Jetzt schaut Martin leicht irritiert, denn zunächst kann er diesen Piepton nicht zuordnen. Dann allerdings muss er lachen.
„Piep!“
„Opa, das ist jetzt bei dir!“
„Jetzt werde aber nicht frech, mein Junge! Bei mir piept es nicht!“
„Oh doch!“ Martin muss sich vor Lachen  den Bauch halten. 
„Das ist dein Hörgerät. Du musst die Batterien wechseln.“

 

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Das Sofa in der Küche

Töpfe, die es in sich haben

Die kleinen Beißerchen

 

 

Oma Hildis nächster Streich (2)

Am Morgen versammelt sich die Familie gemeinsam rund um den Frühstückstisch. Oma Hildi sitzt ihrem Enkel gegenüber, der heute erst zur dritten Stunde Unterricht hat.

„Hast du gut geschlafen, Oma?“, erkundigt sich dieser.

„Danke der Nachfrage“, erwidert sie ohne wirklich eine Antwort zu geben.
„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“, will jetzt auch ihre Tochter wissen und der Schwiegersohn blickt von der Morgenlektüre der Tageszeitung auf.
„Ach“, erwidert Oma Hildi. „Anscheinend hat mich die gestrige Gutenachtgeschichte für meinen Enkel innerlich doch etwas aufgewühlt. Ich war heute Nacht weit in der Vergangenheit.“
Es herrscht Schweigen in der Runde, denn alle vermuten, dass sie sich wahrscheinlich in ihrer Kindheit befunden hat, die aber ab ihrem zehnten Lebensjahr leider vom Krieg begleitet war. 
„Aber eigentlich war es ein schöner Traum. Ich war nämlich bei meiner Schwester.“
Leicht irritiert schaut die Familie sie an. Oma Hildis Schwester verstarb bereits im Alter von zehn Jahren an Diphtherie, eine Krankheit gegen die heutzutage jeder geimpft wird. Und der Bruder wurde leider ein Opfer des Krieges. Deshalb können sie sich alle nicht vorstellen, dass dieser Traum schön war. Doch Oma Hildi klärt auf und betont, dass es sich tatsächlich damals so abgespielt hat:
„Meine Schwester ging bereits schon zur Schule, als ich noch ein kleines Kind war. Logisch, dass ich sie bewunderte. Es machte mich neugierig, was es mit der Schule auf sich hat und was dort so alles passiert.“
„Hat sie dir das nicht erzählt?“, will der Enkel wissen.
„Doch schon, aber ich wollte es sozusagen mit eigenen Augen sehen. Aber alle erklärten mir, dass ich noch nicht alt genug wäre, um in die Schule zu gehen. Ich sollte noch ein Weilchen warten, dann wäre ich auch dran.“
„Das konntest du aber nicht akzeptieren, oder?“, mutmaßt der Enkel.
„Nicht so recht“, bestätigt die Großmutter. „Und so kam es, dass ich meiner Schwester eines morgens von der Haustür aus hinterher sah, als sie sich auf den Schulweg machte. Ohne zu überlegen oder jemand Bescheid zu sagen, schlich ich ihr nach.“
„Oh, hat sie das nicht bemerkt?“, erstaunt sich der Enkelsohn.
„Zunächst einmal nicht, denn sie drehte sich nicht um, sondern ging immer weiter ihres Weges. Es war ziemlich weit und mir taten irgendwann die Füße weh. Auch kannte ich mich nicht mehr aus. So hätte ich gar nicht mehr umkehren und nach Hause gehen können, denn ich hätte mich sicherlich verlaufen.“
„Hast du geweint?“
„Das weiß ich nicht mehr, aber wahrscheinlich war mir mulmig zumute. Vielleicht habe ich ja doch ein bisschen gejammert oder meine Schwester gerufen. Auf jeden Fall hat sie mich plötzlich bemerkt. Inzwischen war es aber zu spät und zu weit, um wieder umzukehren und mich nach Hause zu bringen. Sie wäre keinesfalls noch rechtzeitig vor Schulbeginn wieder zurück gewesen. Also nahm sie mich mit in die Schule.“
„Bestimmt haben sie sofort deine Eltern verständigt!“, überlegt sich der Enkelsohn.
„Das ging doch nicht. Wir hatten weder Telefon noch Handy, so wie es heutzutage selbstverständlich ist.“
„Deine Eltern müssen wahnsinnig vor Angst um dich geworden sein, als sie dein Verschwinden bemerkt haben.“
„Darüber machen sich kleine Kinder anscheinend keine Gedanken. Die Lehrerin wusste sich auch nicht anders zu helfen, als mich am Unterricht teilhaben zu lassen. Ich musste mich ganz hinten in die letzte Reihe setzen und vollkommen still sein. Bitte fragt mich nicht, ob meine Schwester und ich schon früher heimgehen durften. An die ganzen Kleinigkeiten kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Auch nicht, ob meine Eltern mit mir geschimpft haben oder einfach nur froh waren, dass ich wieder da war, ist mir entfallen. Jedenfalls wusste ich jetzt, was es mit der Schule auf sich hatte und wollte so schnell wie möglich auch da hin. Besonders gut hat mir das Melden imponiert, nur das stillsitzen hat mir nicht so gefallen. Die Lehrerin war sehr nett und die Klassenkameraden meiner Schwester waren begeistert endlich mal einen Gast zu haben. Sie kümmerten sich in der Pause rührend um mich. Das konnte mir nur gefallen.“
„Wenn du dich doch in der Schule so wohlgefühlt hast“, meint der Enkel, „dann solltest du gleich mit mir dorthin marschieren. Hinten bei Markus ist nämlich noch ein Platz frei. Da kannst du dich hinsetzen und ihm beim Aufsatz helfen, den wir heute schreiben sollen. Du kannst doch so gut Geschichten erzählen.“

 

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Was hat Oma Hildi angestellt? (1)

Enkelkinder sind neugierig. So auch Oma Hildis Enkel. Er ist bereits ein Schulkind und möchte keine erfundene Gutenachtgeschichte hören, sondern eine aus dem wahren Leben. Deshalb versucht er mit einem kleinen Trick Oma Hildi Geschichten aus ihrer Kindheit zu entlocken. 

„Mama und Papa sagen, ich sei früher ein kleiner Schlingel gewesen, weil ich Papa mit der Zange in den Popo gezwickt habe, als er auf der Leiter stand. Warst du auch so ein Schlingel oder warst du immer brav?“
„Eigentlich war ich immer brav, soweit ich mich erinnern kann…,“, meint die Großmutter schmunzelnd. „Bis auf ein- oder zweimal vielleicht.“
Dieser letzte Satz lässt den Enkel aufhorchen. Er will das jetzt ganz genau wissen.
„Nun sag schon. Was hast du angestellt?“
„Ach, du weißt ja sicher, dass ich noch einen Bruder und eine Schwester hatte. Ich war die Jüngste von uns Dreien und somit das Nesthäkchen, wie man so schön sagt.“
„Dann bist du wohl genauso verwöhnt worden, wie ich als Einzelkind“, sagt der Enkel hoffnungsvoll.
„Naja, manchmal haben sie mich ein bisschen verwöhnt, aber es war ja Krieg damals und man kann das schwer mit heutzutage vergleichen. Meine Eltern haben schon sehr darauf geachtet, dass wir auch teilen gelernt haben. Naja, ich war ja noch klein und manchmal vergisst  man das auch…“
„Aha, ich ahne da etwas!“ Erwartungsvoll blickt der Enkelsohn seine Oma an, die auch gleich weitererzählt.
„Eigentlich waren die Beiden ja auch irgendwie selbst schuld. Ich war ja noch so klein, vielleicht drei Jahre. Aber das weiß ich nicht mehr so genau. Auf jeden Fall hatten sie ein bisschen Geld, das für uns alle bestimmt war. Nicht viel, nur ein paar Pfennige. Aber sie reichten aus, um sich etwas etwas zu kaufen, das es nicht alle Tage gab. Vielleicht kannst du dir denken, was das war?!“
„Ich weiß nicht. Mama sagt immer, man muss nicht jeden Tag Süßigkeiten haben.“
„Da liegst du gar nicht so falsch. Meine Geschwister haben mir das Geld in die Hand gedrückt und mich zum Bäcker um die Ecke geschickt. Dort sollte ich Schokolade kaufen.“
„Oh, oh! Und du hast das Geld verloren?“, fragt der Enkel.
„Aber nein!“, Oma schaut fast ein wenig entsetzt. „Das Geld habe ich ganz fest gehalten, als ich zum Laden gelaufen bin. Die Bäckersfrau hat mich gekannt und mir sogar etwas mehr Schokolade für mein Geld gegeben. Sie hat mich sogar daran erinnert, dass ich mich beeilen sollte, damit die Schokolade nicht in meiner Hand zerschmilzt. Auf dem Heimweg hatte ich es allerdings nicht mehr so eilig wie auf dem Hinweg. Ich habe mir nämlich überlegt, dass ich ja lieber meinen Anteil schon essen sollte, damit er nicht schmilzt. Die Schokolade hat so gut geschmeckt. Richtig lecker. Ich glaube fast, ich habe nie mehr wieder so köstliche Schokolade gegessen.“
„Weißt du noch welche Marke es war“, erkundigt sich ihr Zuhörer.
„Nein, ich konnte damals doch noch nicht lesen und sie war ja auch gar nicht eingepackt, sie lag nur lose in einer kleinen Papiertüte. Jedenfalls war mein Anteil sicher in meinem Bauch gelandet und weil die Bäckersfrau mir ja mehr gegeben hatte, dachte ich mir ich könnte sicherheitshalber diesen Teil auch noch essen. Davon wussten meine Geschwister ja nichts und so würden sie ihn auch nicht vermissen. Sicher ist Sicher, dachte ich mir und stopfte die Schokolade in mich hinein.“
„Hast du kein Bauchweh davon bekommen?“
„Das nicht, ich kann mich zumindest nicht daran erinnern. Im Gedächtnis ist mir etwas ganz anderes geblieben.“
„Und was?“
„Die entsetzten Gesichter meiner Geschwister als ich endlich nach einer Ewigkeit zu Hause ankam.“
„Wieso?“
„Naja, zum Einen, weil alles rund um meinen Mund total schokoladenverschmiert war…“
„Und zum anderen?“, will der Enkel wissen.
„… weil die Tüte vollkommen leer war.“
„Ohje, das hat wohl Ärger gegeben.“
„Das kannst du aber glauben“, bestätigt Oma Hildi. „Die Schokolade, die ich ein paar Wochen später von meiner Patentante zum Geburtstag geschenkt bekam, musste ich abgeben und bekam selbst nur ein winziges Stückchen davon ab.“
„Richtig so!“, schallt es von der Kinderzimmertür her. Dort steht nämlich Opa, der den letzten Teil der Geschichte mitgehört hat. „Das sollten wir auch einführen, denn Oma futtert mir immer die ganze Schokolade weg und ich finde dann nur noch die leere Verpackung. Leider verrät sie sich nicht mehr durch einen schokoladenverschmierten Mund.“

 

 

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Opa Rudi und das Sollen und Wollen

Heute Abend ist Opa Rudi wieder an der Reihe. Er muss die beiden Enkelkinder Mia und Basti ins Bett bringen. So ist es mit Oma ausgemacht,- immer schön abwechselnd. Gestern war Oma dran, also hat heute Opa die Ehre. Nur leider hat er überhaupt keine Lust, denn er will eigentlich gleich den Fernseher einschalten.

„Abgemacht ist abgemacht“, meint Oma Karla nur. „Ich wollte gestern auch erst mit meiner Freundin telefonieren und du warst nicht gewillt für mich einzuspringen.“
„Ja, ja ich weiß schon, – gleiches Recht für alle“, antwortet ihr Gatte und marschiert in Richtung Kinderzimmer.
Mia hat sich heute auf dem Spielplatz tüchtig ausgepowert und sie blickt dem Großvater schon ziemlich müde entgegen.
„Himpelchen und …“, beginnt der Opa und endet mit:
„und wackelten mit ihren Zipfelmützen…“, weil Mia nämlich bereits eingeschlafen ist.
Opa Rudi freut sich insgeheim und denkt:
„Das ging aber fix. Wenn Basti auch so schnell einschläft wie seine kleine Schwester, dann bin ich pünktlich zum Start der Fernsehsendung wieder im Wohnzimmer.“
Basti kommt gerade aus dem Badezimmer und kuschelt sich gemütlich unter die Bettdecke. Seine Augen blicken den Großvater hellwach und erwartungsvoll an. Er liebt Opa Rudis Geschichten und heute kann er gerne eine richtig lange Geschichte erzählen, denn Basti ist noch kein bisschen müde.
„Himpelch…“, beginnt der ältere Herr, in der Hoffnung, die Sache mit dem Einschlafen geht genauso flott wie bei Mia.
„Halt, stopp!“, ruft Basti sofort aus. „Ich bin doch schon ein Schulkind. Erinnerst du dich, ich bin letzten Sommer eingeschult worden. So ein Kinderkram ist nichts mehr für mich!“
Basti ist richtig entsetzt und Opa Rudi bleibt nichts anderes übrig, als sich eine andere Geschichte einfallen zu lassen:
„Okay, okay, aber Heinrich, den Rotzipfelmützenträger und Leo, den Blauzipfelmützenträger kennst du bestimmt noch nicht. Das sind zwar auch Zwerge, aber die wohnen in einem unbekannten Land mit dem welthöchsten Berg. Weil es den Beiden aber zu langweilig ist immer nur mit ihren Zipfelmützen zu wackeln, spielen sie Schach….“
„Opa, das glaubst du doch nicht wirklich?!“, fragt Basti leicht irritiert. „Das hab ich ja noch nie gehört, dass Zwerge Schach spielen. Außerdem ist Schachspielen genauso langweilig wie das Wackeln mit den Zipfelmützen.“
Erschrocken schaut der Großvater seinen Enkel an, räuspert sich und sagt:
„Eh,… ich meine,… sie denken sich den ganzen Tag über irgendeinen Schabernack aus.“
„Das hört sich schon besser an“, grinst Basti erwartungsvoll.
 „Sie haben ihrem Zwergenvolk zum Beispiel erzählt, dass sie den Berggeist gesehen haben. Er sei so groß wie ein Turm und mächtiger als ein König. Er wohne in einer Höhle unter der Erde und würde dort einen großen Schatz in einer riesigen Truhe hüten.“
„Und was ist das für ein Schatz?“, erkundigt sich der Enkelsohn neugierig.
„Der Schatz ist ein sehr kostbares und altes Schachspiel und deshalb wird er von den zwei weltbesten Schachspielern bewacht…“
„Halt, stopp!“, ertönt es dieses Mal nicht von Basti, sondern von Oma Karla, die in der Tür steht.
„Ich glaube, wir sollten an dieser Stelle den Geschichtenerzähler auswechseln. Bitte geh‘ in das Wohnzimmer, dort beginnt soeben die Sendung, die du nicht verpassen wolltest.“
Gesenkten Hauptes, aber innerlich frohlockend, verlässt Opa Rudi das Zimmer.
„Oma“, versucht Basti vorsichtig eine Frage zu stellen. „Ist Opa Rudi krank, ich meine, so wie alte Leute manchmal werden und dann wirre Sachen erzählen?“
„Nein, nein“, beteuert Oma Karla. „Dein Großvater ist nicht dement oder verwirrt, er erfreut sich bester geistiger Klarheit. Allerdings geht es ihm im Moment so wie dir, wenn du Hausaufgaben machen sollst, aber lieber Fußballspielen willst.“
„Dann mache ich viele Fehler, weil ich die ganze Zeit an mein Fußballspiel denke“, gesteht der Enkel.
„Ja und Opa Rudi möchte die Schachweltmeisterschaft im Fernsehen sehen, die jetzt beginnt. Deshalb waren seine Gedanken beim Schachspiel und nicht beim Geschichtenerzählen.“

 

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