Neueste Artikel

Wenn zwei streiten…

Als wir dieses Jahr im Frühling wieder einmal auf Teneriffa waren, besuchten wir eine Flugshow im Dschungel Park. Hier war es auch, wo uns diese zwei Streitenden begegneten. Sie störten sich nicht daran, dass sie bei ihrer Auseinandersetzung viele Zuschauer hatten:

„Hey du, was machst du denn hier? Das ist meine Show.“

„Wieso soll das deine Show sein? Hör mir mal gut zu: Wir gehören alle dazu:“

„Ich sage es dir zum letzten Mal: Mach dich hier vom Acker!“

„Du willst wohl Streit! Den kannst du haben!“

„Jetzt zeig ich dir, wer hier das Sagen hat!“

„Bild dir nur nichts ein. Ich kann solange hier bleiben wie ich will. Verschwinde doch du, wenn dich was stört!“

„Das werden wir noch sehen, wer hier verschwindet!“

„Ach, das ist mir langsam zu dumm. Ich habe keine Lust auf dieses Theater. Ich geh einfach! Aber nicht, weil du es so willst, sondern weil ich es will.“

„Du Feigling, bleib hier! Ich bin noch nicht fertig mit dir! – Jetzt macht es mir auch keinen Spaß mehr hier. Ich verschwinde ebenfalls! Macht doch alle, was ihr wollt!“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Das Urlaubsgeschenk

Strandschönheiten

Die zwei Alten

Liebelei

Es stehen sittsam nebeneinander
die schöne Anneliese und der fesche Alexander.
Sie sind sich völlig unbekannt,
doch jeder findet den anderen überaus interessant.

Anneliese scheu die Augen senkt.
„Ob ich sie anspreche?“, Alexander sich denkt.
„Einen schönen Tag“, Alexander spricht,
„wünsche ich Ihnen – in jeder Hinsicht!“

Sie erwidert seinen Gruß erfreut
und damit sind alle Bedenken restlos zerstreut.
Anneliese und Alexander nicht zaudern,
sie fröhlich und lebhaft miteinander plaudern.

Groß ist die Anziehungskraft.
„Sie zu küssen“, Alexander hofft, „wäre fabelhaft!“
So kommen Stück für Stück
Alexander und Anneliese näher ihrem Glück.

Dann ein Happy End es gibt.
Die Beiden haben sich unendlich ineinander verliebt.
Zum Abschied einen innigen Kuss
und ein baldiges Wiedersehen ist ein unbedingtes Muss.

Es ist, wie es scheint,
Anneliese und Alexander sind für immer vereint.
Es ist einfach wunderbar,
sie sind und bleiben ein küssendes Liebespaar.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Frau Fröhlich und Herr Trüb

Gustav von Blech

Ich hab so gedacht

Die Fliederbäumchen

Heute möchte ich Euch einen kleinen Fliedergruß schicken. Dieser ist kombiniert mit Erinnerungen an meine Kinderzeit. Als ich die schönen Blüten sah, musste ich einfach in unserem Fotoschrank stöbern, bis ich die entsprechende Aufnahme gefunden habe.
„Das ist aber ein hübsches Foto“, sagt meine Mutter, bei einem ihrer Besuche bei uns. Sie betrachtet gedankenversunken die Schwarzweißaufnahme, wendet sie und schaut auf die Rückseite. Ich weiß warum, denn ich habe vor ein paar Minuten dies ebenfalls getan. Beide hofften wir ein Datum auf der Rückseite zu finden. Leider steht noch nicht einmal das Jahr dort vermerkt. So rätseln wir, wann es gewesen sein könnte und kommen zu dem Schluss, dass ich vielleicht so acht oder neun Jahre alt war, als das Foto geschossen wurde.
Schnell springe ich nach oben und hole noch ein paar andere alte Aufnahmen, die ich gemeinsam mit meiner Mutter betrachte.
„Schau mal“, mache ich sie auf etwas aufmerksam. „Diese beiden Fliederbäume sind mit mir aufgewachsen und waren anscheinend mit mir gemeinsam immer ein beliebtes Fotomotiv.“
Ich zeige meiner Mutter ein Foto aus dem Jahre 1962, das mich an Pfingsten als Zweijährige beim Gießen der Wiese im Garten meines Opas zeigt. Dort stehen nämlich die beiden Fliederbäumchen, die zum damaligen Zeitpunkt kaum größer waren als ich. Doch dann haben sie wohl rasant das Wachstum beschleunigt, denn im Sommer 1964 überragen sie mich schon gewaltig. Ein paar Jahre später halte ich mich locker an den Zweigen fest, um als Fotomodell in die Kamera zu lächeln.
„Wie ein kleines Fräulein“, schmunzelt meine Mutter.
„Ja und die Sonnenbrille war mir anscheinend wichtig.“
„Ganz schön kess stehst du da.“
„Ja, das habe ich mir bei meiner Tante abgeguckt“, kläre ich meine Mutter auf.
Irgendwo hatte ich nämlich damals ein Foto von ihr als junge Frau gesehen und sie hatte sich darauf auch lässig an dem Fliederbaum festgehalten. Allerdings musste sie den Arm nicht so strecken wie ich, um einen der untersten Zweige zu erreichen.“
Leider kann ich das betreffende Foto nicht finden, denn wahrscheinlich liegt es zuhause bei meiner Mutter in dem berühmten Schuhkarton. Dort befinden sich nämlich alle nicht einsortierten Fotos und es macht immer wieder fast mehr Spaß in ihm zu stöbern, als das Fotoalbum durchzublättern.
„Und die Kniestrümpfe“, kichere ich. „Ich habe mich als Kind immer gefreut, wenn ich die lästigen Strumpfhosen nicht mehr anziehen musste und es endlich warm genug für Kniestrümpfe war.“
„Sieht doch chic aus“, meint meine Mutter.
„Naja“, erwidere ich. „Das hat man halt damals so getragen.“
Leider können wir uns beide nicht an die Farbe des Flieders erinnern und auch das Foto, welches alles ohnehin nur in Schwarzweißtönen zeigt, gibt uns keinen Aufschluss auf die Farbe.
„Vielleicht lila“, sinniere ich. „Möglicherweise aber auch weiß. Es könnte ja auch sein, dass von jeder Sorte ein Bäumchen in Opas Garten stand.“
Meine Mutter zuckt nur mit den Schultern. So ist das eben mit den Erinnerungen, sie sind manchmal einfach nicht vorhanden oder verschwunden.
„Wahrscheinlich war uns die Fliederfarbe nie so wichtig, dass wir sie in unserem Gedächtnis abgespeichert haben“, überlege ich.
„Ein hübsches Sommerkleidchen war das.“
„Das durfte ich immer nur sonntags tragen. Es war aus ganz zartem Stoff und hellblau, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern“, plaudere ich munter los. „In der Taille war es bestickt mit kleinen Blüten. Und natürlich hatte es einen Faltenrock, weil du Faltenröcke so sehr magst.“
„Du nicht?“
„Nein, die sind nicht so mein Fall“, gestehe ich meiner Mutter. „Trotzdem habe ich dieses Kleid irgendwie gemocht und gerne angezogen. Da es allerdings ein Sonntagskleid und nur für wirklich warme Tage war, hatte ich sicher nicht so viele Gelegenheiten dazu.“
„Man hat halt damals die Sachen geschont.“
„Ich hatte doch gar keine Schwester, der ich es hätte vererben können“, denke ich leise. „Ich hätte gerne eine gehabt, allerdings habe ich mir immer eine ältere Schwester gewünscht.“
Ich nicke und frage meine Mutter, ob sie noch weiß, dass wir dieses Sommerkleidchen nach meinem Herauswachsen verschenkt haben. Nachdem ich ihr ein paar Schlüsselreize zugeworfen habe, erinnert sie sich genau und weiß auch, was die Mutter des Mädchens damals zu ihr gesagt hat:
„So schöne Sachen hatte ich noch nie für meine Kinder!“
„Weitergeben macht doch Freude, besonders, wenn man merkt, dass es dankbar angenommen wird“, denke ich. „Und Freude haben uns jetzt auch diese kleinen Erinnerungen gemacht.“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Im Garten meines Opas

Kindheitserinnerungen

Und noch mehr Kindheitserinnerungen

Dumm gelaufen

Auf die Idee mit der folgenden Geschichte kam ich neulich beim Kaffeetrinken. Ich hatte mich am Nachmittag mit befreundeten Frauen getroffen und eine von ihnen erzählte eine wahre Begebenheit aus ihrem Bekanntenkreis. Ich fand die geschilderte Situation so lustig, zumindest für Außenstehende, dass man sie meiner Meinung nach einfach festhalten muss. Der Betroffene, so nehme ich an, kann sicherlich inzwischen auch darüber lachen. Meine Geschichte, die Namen und Personen sind frei erfunden, aber es steckt ein wahrer Kern darin. Auch sind mir die tatsächlich in die Situation verwickelten Personen nicht bekannt. Lange Vorrede, aber jetzt geht es los:

Es ist der Morgen eines ganz gewöhnlichen Wochentages. Genauer gesagt, es ist Mittwochmorgen um 7:00 Uhr. Nils und Laura haben keine außergewöhnlichen Termine in ihrem Kalender stehen und auch die Töchter Anna und Hanna haben in der Schule keine Klassenarbeit zu befürchten. So geht alles seinen geregelten Gang, – fast. 
Zu erwähnen bleibt allerdings noch, dass die Familie in der Großstadt in einer modern ausgebauten Altbauwohnung im dritten Stock wohnt. Obwohl alles modernisiert und auf dem neuesten Stand gebracht wurde, befinden sich auf den Zwischenstockwerken noch jeweils kleine Kämmerchen. Hier waren und sind immer noch Toiletten untergebracht. Zwar haben die einzelnen Wohnungen neben einem geräumigen Badezimmer auch noch jeweils ein separates Gästebad, aber trotzdem hat man die ehemaligen Toiletten im Treppenhaus nicht nur erhalten, sondern auch noch mit neuen Sanitäranlagen ausgerüstet. 
„Nicht schlecht“, hatten sich Nils und Laura vor zehn Jahren gedacht, als die Töchter noch klein waren. „Dann gibt es wenigstens immer eine Ausweichmöglichkeit.“
Inzwischen sind die beiden Mädchen in, beziehungsweise gerade aus der Pubertät. Wie es nun mal in einer Familie mit überwiegend weiblichen Mitgliedern so ist, ist das Badezimmer immer besetzt. Das Gefühl hat jedenfalls Nils immer öfter. So hat er es sich zur Gewohnheit gemacht bei einem solchen Engpass das Zwischenstockwerk aufzusuchen.
So geht es ihm auch heute. Alle sind mit ihren Aufhübscharbeiten in den Badezimmern beschäftigt, aber er verspürt einen Drang unbedingt die Toilette aufzusuchen. Aus einem Badezimmer dringt das Geräusch von zwei Föns und aus dem anderen das Rauschen der Dusche. 
„Gut, dass wir das kleine Stübchen haben“, denkt er lächelnd und schnappt sich die Tageszeitung. So marschiert er lediglich mit der Boxershorts bekleidet in den Flur hinaus.
„Sie sind alle noch beschäftigt“, überlegt er und zieht die Wohnungstür hinter sich zu.
Da die Tageszeitung am heutigen Tag keine allzu interessanten Neuigkeiten zu berichten hat, nickt Nils auf seinem Thron für ein Weilchen ein. Als er die Augen wieder öffnet, hat er keine Ahnung wieviel Zeit inzwischen verstrichen ist, denn auch die Uhr hat er nicht dabei. 
„Ach, bestimmt war es nur ein kleiner Sekundenschlaf“, besänftigt er sich selbst, denn zu spät in die Arbeit möchte er auch nicht kommen. 
Voller Elan nimmt er die wenigen Stufen zur Wohnung und klopft an. Das macht er immer so, denn wer nimmt schon den Wohnungsschlüssel mit auf die Toilette. Niemand. Nils auch nicht.
„Nanu?! Sollten meine Damen noch immer mit dem Föhn beschäftigt sein?“
Auch auf sein zweites, etwas lauteres Klopfen reagiert niemand.
„Jetzt ist guter Rat teuer.“, sagt sich Nils, aber sogleich hellt sich seine Stimmung wieder auf. Ihm ist eingefallen, dass die Nachbarin einen Stock tiefer einen Ersatzschlüssel der Wohnung hat.
„Dann werde ich die ältere Dame mal aus dem Bett klingeln müssen“, beschließt er und stürmt nach unten. Hoffentlich bekommt sie keinen Schreck, wenn ich so halbnackt vor ihrer Tür stehe!“
Darüber hätte sich Nils gar keine Gedanken machen brauchen, denn hier wird sein Klopfen und Klingeln ebenso wenig erhört wie in seiner eigenen Wohnung. 
„Ach ja, wie konnte ich das vergessen, sie ist doch gestern für ein paar Tage zu ihrer Tochter nach Wien gefahren. Aber wozu wohnt man in einem Mehrfamilienhaus?“
Wieder läuft Nils noch eine Treppe weiter nach unten. Gerade als er die Hand  zur Klingel führen will, blitzt ein Gedanke durch seine Gehirnwindungen:
„Die Wohnung ist leer. Letzte Woche sind die Meiers doch ausgezogen, weil sie ihren wohlverdienten Lebensabend auf Teneriffa verbringen möchten.“
Nils kratzt sich am Kopf und überlegt.
„Ganz unten im Keller wohnt noch ein Student. Tut mir leid, aber der muss heute mal früher aus den Federn.“
Schon hechtet Nils in den Keller, wo auf sein Klopfen ebenfalls nicht reagiert wird. 
„Jetzt hat sich wohl die ganze Welt gegen mich verschworen. Stimmt, er hat mir gestern Abend von seiner Prüfung erzählt, die er in aller Herrgottsfrühe hat. Der ist also schon weg. Na gut“, überlegt Nils weiter. „Inzwischen sind meine Damen sicherlich im Bad schon fertig und erwarten mich.“
Also nimmt Nils die Beine in die Hände und springt die Stufen zum dritten Stock wieder nach oben, wo er allerdings soviel klopfen und klingeln kann wie er will, die Tür öffnet sich nicht. Auch dringt keinerlei Laut nach draußen zu ihm.
„Das kann ja wohl nicht sein! Sollten Anna und Hanna schon in der Schule und Laura in der Arbeit sein? Haben sie womöglich gedacht, er habe bereits das Haus verlassen?“
Als Nils die Kirchturmuhr achtmal schlagen hört, wird ihm klar, dass sein Sekundenschlaf auf der Toilette sich doch eher über Minuten erstreckt haben musste. Schlagartig wird ihm seine missliche Lage bewusst.
„Ich muss einen Passanten anhalten und ihn bitten meine Frau am Arbeitsplatz anzurufen. Sie muss kommen und mir die Wohnung aufschließen.“
Mit schlechter Laune, gesenktem Blick, in Boxershorts, nackten Beinen, bloßem Oberkörper und barfuß marschiert er durch das Treppenhaus nach unten. Er öffnet die seltsamerweise unverschlossene Haustür und wartet auf dem Bürgersteig auf Hilfe von jemand, der weder erschrocken reagiert noch ihn in seiner peinlichen Situation auslacht. 
„Solche Menschen soll es ja geben“, hofft er und wird auch bald darauf in seinem Glauben an das Gute im Menschen bestätigt.
Doch eine gute halbe Stunde muss er noch ausharren, bis seine Frau ihn erlöst. Grinsend entlassen die zufällig vorbeigekommenen Polizisten den fast unbekleideten Mann aus ihrem Auto und übergeben ihn in die Obhut seiner Frau. 

 

Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen:

Mister Tremblehand

Corpus Delicti

Mensch ärgere dich nicht!

Onkel Emil und der Pfeil des Amor

Jens und Jenny machen gemeinsam mit ihren Eltern einen Verwandtenbesuch bei Großtante Else und Großonkel Emil. Obwohl der Onkel sonst immer so ein lustiger Typ ist, treffen sie ihn an diesem Tag zunächst etwas mürrisch in seinem Lieblingssessel an. Er hat eine starke und schmerzhafte Muskelverspannung und erzählt den Kindern, dass er von einer Hexe mit einem Giftpfeil angeschossen wurde. Die Beiden sind etwas skeptisch, denn eigentlich wissen sie, dass es gar keine Hexen gibt. Nachdem Tante Else dieses kleine Missverständnis und die Herkunft dieses Begriffs aufgeklärt hat, meint ihr Mann:
„Ich sag es doch, ich habe einen Hexenschuss!“  Und fast schon ein wenig beleidigt fügt Onkel Emil hinzu: „Aber wenn ihr mir sowieso nicht glaubt, dann wollt ihr bestimmt auch nicht die Geschichte vom Pfeil des Amor hören, der mich mitten ins Herz traf, als ich Tante Else das erste Mal sah.“
Mit seinen Worten entfacht er natürlich die Neugier der Kinder, die ihn aber trotzdem etwas ungläubig anschauen.
„Willst du uns jetzt erzählen, dass dich ein Indianerhäuptling mit Pfeil und Bogen angeschossen hat? Also Onkel Emil, du flunkerst uns doch schon wieder etwas vor“, sagt Jens und macht dabei ein sehr ernstes Gesicht.
„Nein nein, das würde ich doch niemals tun“, beschwichtigt Onkel Emil den Jungen. „Ihr könnt mir glauben. Allerdings war es kein Indianer und ein Häuptling schon gar nicht. Es war ein halbwüchsiger Knabe mit Pfeil und Bogen und er traf mich auf einer Geburtstagsfeier mitten ins Herz.“
„Das glaube ich jetzt aber auch nicht“, meint Jenny, „und solche schrecklichen Geschichten mag ich sowieso nicht. Dann gehe ich lieber zu Tante Else in die Küche.“
„Na warte doch mal!“, ruft Onkel Emil das Mädchen zurück. „Es ist keine gruselige Geschichte und sie wird dir bestimmt gefallen.“
„Gut, aber wenn es brutal und gefährlich wird, gehe ich raus!“, erklärt Jenny.
Inzwischen haben sich die Kinder vor dem Sessel auf dem Teppich niedergelassen und schauen den Großonkel erwartungsvoll an.
„Es ist inzwischen schon fast fünfzig Jahre her. Ich war damals noch ein junger Bursche und verdiente gerade mein erstes Geld. In einer Möbelfabrik hatte ich gerade eine Ausbildung als Schreiner gemacht. Der Besitzer des Unternehmens war ein sehr reicher Mann. Er hatte auch zu Hause in seinem Privathaushalt viele Bedienstete, – einen Gärtner, eine Haushaltshilfe und sogar einen Chauffeur. Obwohl er reich war, bildete er sich darauf nichts ein. Er war sehr freundlich, auch zu uns Arbeitern. So bedankte er sich einmal im Jahr mit einer kleinen Betriebsfeier bei seinen Mitarbeitern. Auch in diesem besagten Jahr stand eine Feier an. Da wir aus sicherer Quelle erfahren hatten, dass er zwei Tage zuvor Geburtstag hatte, wollten wir Arbeiter ihn mit einer kleinen Darbietung überraschen. Es war eine Art Zirkusvorstellung, die wir eingeprobt hatten. Es wurde jongliert, auf einem Seil balanciert, auf einem Einrad umhergefahren und der Pudel eines Kollegen machte ein paar Kunststückchen, die er ihm beigebracht hatte.“
„Und wo waren die Indianer oder die Pfeilschützen? Und was hast du gemacht?“, will Jenny wissen.  
„Langsam, langsam. Das erfahrt ihr alles noch“, sagt Onkel Emil und plötzlich zieht ein Lächeln über sein Gesicht. „Mich bat man den Clown zu spielen, da alle meinten, ich hätte das Talent dafür.“ 
„Du musst unbedingt auf unserer nächsten Geburtstagsfeier auch als Clown kommen. Bitte, Onkel Emil!“, fleht Jenny den älteren Mann an.
„Psst!“, zischt Jens seiner Zwillingsschwester zu. „Lass ihn doch erzählen!“
Onkel Emil nickt und berichtet weiter.
„Natürlich wurde auch mit Pfeilen geworfen, aber die trafen mich nicht und schon gar nicht mitten in mein Herz.“
Onkel Emil räuspert sich durch die Erinnerungen sichtlich gerührt.
„Der Gärtner, der als Zauberer auftreten wollte, wurde leider krank. Er hatte sich so stark erkältet, dass er mit Fieber im Bett lag. Die Zeit reichte leider nicht mehr aus, dass ein anderer seine Kunststückchen einstudieren konnte. Aber seine Tochter, war gerade aus dem Internat gekommen und sie erklärte sich bereit eine Tanzdarbietung zu machen. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen. Wir waren uns alle nicht so sicher, was sie darbieten würde und ob es das Richtige war. Aber wir ließen uns darauf ein und wollten uns ebenso überraschen lassen wie unser Chef.“
„Und das war Tante Else!“, ruft Jenny begeistert aus und klatscht in die Hände.
„Jetzt sei doch endlich still!“, ermahnt Jens. „Wenn du nicht still zuhören kannst, dann kommst du nächstes Jahr auch nicht in die Schule!“
„Entschuldigung!“ Jenny hält sich erschrocken die Hand vor den Mund und nimmt sich vor, nun nicht mehr dazwischen zu reden.
„Die Tanzdarbietung sollte die erste Nummer unserer Vorführung sein. Doch die Tänzerin war noch nicht da. Wir waren schon alle sehr nervös und befürchteten, dass die Gärtnerstochter uns versetzen würde. Schon erklangen die ersten Töne des Liedes, zu dem sie tanzen wollte. Und da trat sie von der Seite her auf die Bühne. Mir stockte der Atem. Sie war in ihrem langen blau-weißen Kleid so schön wie eine Prinzessin. Ich konnte die Augen nicht mehr von ihr wenden, als sie mit leichten Schritten fast schwebend über die Bühne tänzelte. Ja, und da spürte ich plötzlich den Pfeil des Amor mitten in meinem Herz.“
„Ohje! Wo kam der denn so plötzlich her?“ Jenny ist entsetzt. „Du hättest sterben können!“
„Du bist doch ein kleines Dummerchen!“, ruft Jens seiner gleichaltrigen Schwester zu. „Du kommst ganz sicher nicht nächstes Jahr in die Schule!“
„Du bist gemein!“
„Nein, ich bin nur schlauer als du! Ich hab es nämlich kapiert.“
„Ich hab genau aufgepasst und Onkel Emil hat noch nichts von dem bösen Jungen mit dem Pfeil erzählt!“, gibt Jenny ihrem Bruder beleidigt zu verstehen.
„Jetzt streitet euch nicht, Kinder“, versucht der Großonkel zu schlichten. „Der Knabe kam ja auch ganz plötzlich und ich habe ihn weder gesehen, noch erwartet. Niemand hat ihn bisher gesehen, nur gespürt.“
„Ist er unsichtbar? Ach das ist schon wieder so eine erfundene Geschichte. Ich glaube jetzt gar nichts mehr!“
Jenny will schon aufstehen, da entdeckt sie die Mutter im Türrahmen.
„Bleib ruhig da, Jenny“, fordert diese ihre Tochter auf. „Diesen Knaben kann man tatsächlich nur spüren und dieser Pfeil ist nichts anderes, als die Liebe, die den Betreffenden mitten ins Herz trifft. Onkel Emil hat sich in das hübsche Mädchen, also in Eure Tante Else ganz plötzlich und unerwartet verliebt. Man sagt dann, dass Amor, der Liebesbote, ihn mit seinem Pfeil mitten ins Herz getroffen hat. Verletzt wird dabei niemand, aber das Herz beginnt ganz schnell und tüchtig zu schlagen, wenn man verliebt ist.“
„Ja genau so war es. Und dann macht man lauter verrückte Dinge. Ich zum Beispiel bin in meinem Clownkostüm zu ihr auf die Bühne gesprungen.“
„Und hast sie geküsst?!“, will nun auch Jens wissen.
„Nein, das hätte ich mich nicht getraut. Aber ich habe den Blumenstrauß ergriffen, der eigentlich für den Chef bestimmt war und habe ihn ihr überreicht. Sie hat mich angelächelt und schüchtern ihre Augen niedergeschlagen.“
„Und dann?“
„Dann habe ich ihr jedes Jahr bis zum heutigen Tag einen großen bunten Blumenstrauß geschenkt. Im dritten Jahr habe ich ihr beim Überreichen der Blumen eine Frage gestellt, die sie strahlend mit Ja beantwortet hat.“
„Was wolltest du denn von ihr wissen?“
„Ach Jenny, ahnst du das immer noch nicht?“ 
Der Zwillingsbruder ist sehr verwundert über seine gleichaltrige Schwester.
„Na, ob sie Onkel Emil heiraten will, das ist doch klar.“
„Das hab ich mir schon gedacht, du Schlaumeier!“, rügt Jenny ihren Bruder. „Ich wollte es nur von Onkel Emil hören.“
„Ja, ich habe ihr einen Heiratsantrag gemacht!“, bestätigt der Onkel die Vermutung und deutet mit der Hand in Richtung von Tante Else, die mittlerweile vor dem Wohnzimmertisch steht, auf dem sich ein großer bunter Blumenstrauß befindet.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Unser zweites Kennenlernen

Die Sache mit der Vorahnung

Stock und weißer Bart

Besuch bei Tante Else und Onkel Emil

Die fünfjährigen Zwillinge Jens und Jenny freuen sich. Sie haben Ferien und wollen heute mit den Eltern einen Tagesausflug unternehmen und zwar zu dem hundert Kilometer entfernten großen See. Dort ist eine ausgiebige Wanderung  geplant. 
„Habt ihr schon die Rucksäcke gepackt?“, will die Mutter wissen. „Und vergesst auch nicht die Regenjacken, falls wir von einem Schauer überrascht werden sollten.“
„Na klar“, erwidert Jens fröhlich. „Papa verstaut alles gerade im Kofferraum.“
Wie auf Kommando ertönt auch schon dessen Stimme vom Flur:
„Alles fertig! Es kann losgehen!“
„Prima!“, begeistert sich auch die Mutter. „Die Sonne lacht vom Himmel, wir haben alles dabei, was wir brauchen und in ungefähr einer Stunde sind wir dort. Was wollen wir noch mehr?! Es wird sicherlich ein schöner Tag.“
Die Zwillinge schauen während der Fahrt vergnügt aus dem Fenster, Mutter stimmt ein Liedchen an und der Vater pfeift die Melodie dazu.
„Ich habe eine Überraschung für Euch“, erklärt der Vater kurz bevor sie den Stausee erreichen und macht damit die Zwillinge neugierig.
„Gestern Abend habe ich mit meinem Onkel und meiner Tante telefoniert. Ihr wisst schon Eure Großtante Else und Großonkel Emil.“
Die Zwillinge nicken und lauschen, was der Vater noch zu berichten hat.
„Sie wohnen nur 25 Kilometer vom Stausee entfernt und haben uns eingeladen bei ihnen zu übernachten.“
„Oh, toll“, ruft Jens begeistert aus. „Die Beiden sind immer so lustig. Onkel Emil hat mir das letzte Mal versprochen, dass er mit mir zum Angeln geht.“
„Und Tante Else wollte mit mir eine Torte backen, wenn wir sie besuchen kommen“, berichtet nun auch Jenny.
„Langsam, langsam“, beschwichtigt der Vater. „Die Beiden sind nicht mehr die Jüngsten und so etwas will gut vorbereitet sein. Wir wollten eigentlich morgen nach dem Frühstück wieder nach Hause fahren. Also geht es gelassen an. Irgendwann werden sie ihr Versprechen schon einlösen. Unser Besuch kommt vielleicht doch ein bisschen überraschend.“
Der Tag ist wunderschön, die frische Luft tut allen gut und so kommen sie mit guter Laune am Spätnachmittag müde und hungrig bei den Verwandten an.
„Hallo Ihr Vier! Herzlich willkommen in unserer bescheidenen Hütte!“, wird die Familie von Tante Else an der Haustür begrüßt. „Kommt gleich in die Küche, ich habe schon alles für das Abendbrot vorbereitet.“
„Wo ist denn Onkel Emil?“, will Jenny wissen.
„Ach,…“, sagt Tante Else und will eine Erklärung nachschieben, doch die Zwillinge hören gar nicht hin, sondern rennen schon in das Wohnzimmer, wo sie den Großonkel vermuten. Er sitzt auch tatsächlich in seinem gemütlichen Sessel.
„Hallo Onkel Emil!“, rufen die beiden Kinder aus und stürmen auf den älteren Mann zu. Doch als sie ihn überschwänglich umarmen, verzieht er so seltsam sein Gesicht.
„Was ist mit Dir, Onkel Emil?“, will Jens wissen.
„Freust du dich gar nicht, dass wir da sind?“, schiebt Jenny hinterher.
„Oh, doch ich freue mich“, bestätigt der Onkel. „Aber ich ärgere mich auch.“
„Wir haben dich verärgert?“, fragt Jenny und blickt den Onkel traurig an. „Aber wir haben doch gar nichts gemacht.“
„Nein, nein, ihr nicht!“
„Wer denn dann?“, fragen die Beiden wie aus einem Munde.
„Na, dieses alte Miststück!“, erklärt der Onkel und schaut nicht gerade freundlich dabei aus. „Ich weiß ja, dass keiner sie leiden kann, aber sie hat es immer wieder auf mich abgesehen.“
Die Zwillinge sind entsetzt. Noch niemals hat der Großonkel derartig geschimpft. Sonst ist er immer lustig und weiß schöne Geschichten zu erzählen. Heute allerdings ist von seiner Fröhlichkeit nichts zu spüren.
„Dieses Jahr hat sie mich schon zweimal tüchtig geärgert.“
„Was hat sie denn getan?“
„Sie überfällt mich schlagartig hinterrücks und ich kann mich nicht einmal zur Wehr setzen. Sozusagen von einer Sekunde auf die andere macht sie mich fertig.“
Mit offenen Mündern stehen die beiden Kinder da. Sie sind sprachlos.
„Heute Morgen kurz nach dem Aufstehen war es wieder einmal soweit. Eine richtige Hexe, ist sie!“
„Wie sprichst du denn von Tante Else?“, Jenny ist entsetzt. So hat der Onkel noch nie über seine Frau gesprochen.
„Sie ist doch total lieb!“, verteidigt nun auch Jens die Großtante.
„Ach, Tante Else doch nicht. Ich meine diese alte hässliche Hexe, die mich einfach nicht leiden kann und dafür sorgt, dass es mir schlecht geht.“
„Tut sie dir weh?“, fragt Jens.
„Ja, sie fügt mir einen stechenden Schmerz zu und dadurch kann ich mich nicht mehr bewegen“, sagt der ältere Herr gequält.
„Wie macht sie das denn?“
„Ganz heimtückisch und aus dem Hinterhalt. Sie schießt einfach einen Pfeil auf mich ab und schon ist es geschehen.“
„Sie hat mit ihrem Pfeil auf dich geschossen und jetzt kannst du dich nicht mehr bewegen?“
Jens und Jenny sind fassungslos und auch ein bisschen ratlos. Irgendetwas stimmt hier nicht, das merken sie ganz deutlich.
„So etwas gibt es doch gar nicht. Und überhaupt gibt es keine Hexen. Außer vielleicht „Bibi Bloxberg“ und „Die kleine Hexe“. Aber die sind ja auch nur eine Erfindung“, sagt Jens ganz entschieden.
„Und ob es diese Hexe gibt! Sie hat es dieses Jahr sogar schon zum zweiten Mal gemacht“, berichtet Onkel Emil, „und nun muss ich sehen, wie ich das Gift dieser Hexe wieder los werde.“
„Was erzählst du nur für Schauergeschichten?!“, fragt Tante Else und schüttelt den Kopf. Sie ist mit einem Heizkissen ins Wohnzimmer gekommen, das sie ihrem Mann nun in den Rücken schiebt.
„Die Wärme wird dir guttun. Und an Hexen glaubt man schon lange nicht mehr. Heute weiß man, dass das, was dich quält, einfach nur Muskelverspannungen sind. Sie sind durch falsche Bewegungen ausgelöst und nicht durch schießende Hexen. Im Mittelalter wusste man das jedoch nicht und schob es auf übernatürliche Kräfte, die man den Hexen angedacht hat“, klärt Tante Else das Missverständnis auf. „Das mit den Hexen ist nur Aberglaube, aber der Name dieser schlimmen Verspannung ist geblieben.“*
„Ich sag es doch, ich habe einen Hexenschuss!“ Und fast schon ein wenig beleidigt fügt Onkel Emil hinzu: „Aber wenn ihr mir sowieso nicht glaubt, dann wollt ihr bestimmt auch nicht die Geschichte vom Pfeil des Amors hören, der mich mitten ins Herz traf, als ich Tante Else das erste Mal sah.“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Der Geist des Weines

Jetzt fängt mein neues Leben an

Das Familien-A B C

 

 

 

*siehe auch: Wieso heißt ein Hexenschuss „Hexenschuss“?

 

Der Mensch hat einen Vogel

Es ist allseits bekannt und gar nicht selten,
dass sich der Mensch bewegt in den Vogelwelten.
So ist er beispielsweise eitel und stolz wie ein Pfau,
stellt sich hin und wieder sehr gern zur Schau.

Er stolziert daher wie ein Storch im Salat,
hat eine Meise unter dem Pony in der Tat.
Würde sich gerne fühlen wie ein Vogel so frei,
ohne Probleme und Ballast, einfach sorgenfrei.

Der Mensch, in der Stadt und auf dem Land,
liebt auf jeden Fall den Spatz in der Hand.
Dieser besser ist als auf dem Dach die Taube,
dort drüben auf des Nachbars alter Laube.

Plappert er nach dies und das und so Allerlei,
sagt man ihm: „Bitte sei doch kein Papagei.“
Erzählt er Uninteressantes dir, dann und wann,
kräht kein Hahn danach, – mannomann!

Gar mancher mit Adleraugen blickt nach vorn,
doch auch ein blindes Huhn findet ein Korn.
Hahn im Korb, dumme Pute, verrücktes Huhn,
sag mir, was hat das alles mit dem Mensch zu tun?

Ein bunter Vogel ist der Mensch gar manches Mal,
oder trällert wie ein lustiger Vogel ganz phänomenal.
Drum schaut er nachdenklich zum Tiere hin
und erkennt: „Ein seltsamer Kauz ich doch bin.“

 

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Bubis Sprachkünste

Elisa und Luise

Ein Falke, zwei Prinzessinnen und meine Heimatstadt

Kindersorgen, Kinderfreuden

Kindersorgen, Kinderfreuden

Klein Lieschen erwacht fröhlich am frühen Morgen.
Doch irgendetwas stört sie an der jetzigen Situation,
macht sie traurig und wirbelt auf ihre Emotion.
Der Blick aus dem Fenster bereitet ihr große Sorgen.

„Mama, was ist nur los da draußen hier und jetzt?
Hab ich Ostern und den Osterhasen verschlafen?
Oder will Frau Holle den Osterhasen bestrafen?“,
fragt sie schnell die Mutter und schaut ganz entsetzt.

„Warum nur schüttelt sie gerade ihre Betten aus?“
„Ach“, Mutter spricht. „Sie macht den Frühjahrsputz.
Wirft hinaus den ganzen Dreck und Winterschmutz.
So schafft sie Ordnung überall in ihrem Wolkenhaus.“

Tränen kullern dem Mädchen über beide Wangen.
„Wird der Osterhase trotzdem zu uns kommen?“
Er weiß doch, er ist jederzeit bei uns willkommen!“
„Ostern kommt der Osterhase, du musst nicht bangen.“

„Aber er wird sicher bekommen nasse Pfoten,
wenn er die Ostereier versteckt draußen im Garten.
Ach, Mama ich kann es gar nicht mehr erwarten,
Ist denn Schnee an Ostern nicht verboten?“

„Vielleicht hat er die Ostereier im Haus versteckt,
du musst nur suchen überall und in allen Ecken,
dann wirst du die Osternester schon entdecken.
Das macht dir bestimmt viel Spaß im Endeffekt.“

Klein Lieschen springt aus dem Bett geschwind.
Vor Aufregung ihre Wangen zu glühen beginnen,
sie sucht im Flur und auch im Zimmer drinnen.
Groß ist die Freude bei den Eltern und dem Kind.

„Mama, Papa schaut, welch ein herrliches Osternest!
Juhu, darin liegt ein rotes, blaues und ein gelbes Ei!
Und ein Schokoladenhase ist auch noch dabei!“
Danke, lieber Osterhase für das schöne Osterfest.“

 

Mit diesem kleinen Gedicht bedanke ich mich bei allen meinen Lesern und wünsche Euch ein schönes Osterfest.

F  r  o  h  e    O  s  t  e  r  n  !

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Ei, Ei, Ei und noch ein Ei

Klein-Astrid und der Osterhase

Osterhasenabenteuer

Zuviel des Guten

Herr und Frau Konfusi sitzen gerade beim Frühstück und lassen sich die leckeren Marmeladenbrötchen schmecken. Durch das Küchenfenster kommen ein paar Sonnenstrahlen in den Raum und tauchen ihn in ein freundliches helles Licht. Der Himmel zeigt sich heute in einem zarten Blau. Der Schein trügt allerdings, denn das Thermometer bestätigt, dass es lediglich 4 Grad sind. Schon im nächsten Moment schiebt sich ein großes Wolkenfeld vor die Sonne und verdunkelt wieder alles.
„Das war aber ein kurzes Gastspiel der Sonne“, sagt Frau Konfusi und schenkt ihrem Gatten herrlich duftenden Kaffee nach.
„Schade, dass der Frühling dieses Jahr so lange auf sich warten lässt. Die lange Kälte und das meist trübe Wetter schlagen nur auf das Gemüt.“
„Wir sollten uns eine kleine Freude gönnen“, schlägt dieser ihr vor. „Was hältst Du davon, wenn wir in die Großstadt fahren und einen ausgiebigen Einkaufsbummel machen?“
„Prinzipiell ist das keine schlechte Idee“, gibt Frau Konfusi zu. „Nur seltsam, dass ich den Verdacht hege, dass Du noch etwas anderes im Schilde führst.“
„Naja“, grinst ihr Gatte. „Ich habe neulich in der Zeitung gelesen, dass es dort eine dauerhafte Oldtimerausstellung gibt. Die würde ich mir gerne ansehen. Wenn Du nicht mitkommen magst, könntest Du in der Zwischenzeit einen Einkaufsbummel machen. Ich komme dann später dazu und wir schlendern noch ein bisschen gemeinsam durch die Einkaufspassagen.“
„Fast habe ich mir so etwas Ähnliches gedacht“erwidert Frau Konfusi und knufft ihren Mann sacht in die Seite.
„Ich nehme Dein Angebot gerne an. Dann drängt mich niemand und ich kann mir in aller Ruhe etwas Chices zu Ostern aussuchen.“
Noch ahnt die ältere Dame nicht, dass sich ihr letzter Satz nicht so leicht in die Tat umsetzen lässt.
Kaum hat sie zwei Stunden später ein großes Zentrum mit den unterschiedlichsten Geschäften betreten, sucht sie auch schon den Weg zu einem bekannten Bekleidungsgeschäft. Sie hat keine Ahnung, was sie eigentlich sucht. Ein bisschen stöbern möchte sie, sich von den bunten Farben und der neuen Kollektion inspirieren lassen. Sie weiß, dass sie hier vielleicht sogar fündig werden könnte und marschiert fröhlich durch die weit geöffnete Glastür.
„Hallo!“, ruft ihr sogleich eine Verkäuferin aus einer der hinteren Ecken zu.
„Hallo!“, antwortet auch Frau Konfusi freundlich und geht auf den erst besten Kleiderständer zu. Kaum hat sie diesen erreicht, ist die Verkäuferin auch schon an ihrer Seite.
„Kann ich Ihnen behilflich sein?“
„Ach nein, ich will mich erst einmal umschauen.“
„Gut, machen Sie es nur ganz in aller Ruhe. Wir haben sehr schöne Sachen.“
„Was suchen Sie denn genau?“
„Das kann ich Ihnen noch nicht sagen, denn ich muss es erst selbst noch herausfinden.“
„Na, dann sehen Sie sich nur mal um, ich lasse Sie in Frieden stöbern und Sie sagen mir Bescheid, wenn Sie meine Hilfe brauchen.“
Frau Konfusi nickt und greift zu einer zartrosa Bluse, um sie näher zu begutachten.
„Oh, das ist eine wirklich schöne Farbe“, ertönt es sofort.
„Ja“, sagt Frau Konfusi und denkt sich: „Wolltest Du mich nicht friedlich stöbern lassen?“
„Hierfür haben wir auch noch eine passende Hose!“
Und schon schleppt die nette Verkäuferin eine Hose an.
„Es sollte doch alles Ton in Ton sein. Das muss einfach so sein, oder?!“, will jetzt eine zweite Verkäuferin bestätigt wissen.
Irritiert hängt Frau Konfusi die Bluse wieder auf den Ständer zurück.
„Ich weiß ja noch nicht einmal, ob ich diese Bluse haben will“, erklärt sie äußerlich freundlich, aber innerlich schon recht erstaunt über das Verhalten der beiden Damen.
Während sich die zweite Verkäuferin wieder verzieht, gibt die erste nicht so schnell auf.
„Ich könnte mir vorstellen, dass Ihnen dieser leichte Sommerpullover gut steht.“
Und zack hält sie der Kundin einen beigefarbenen Pulli in Augenhöhe hin.
„Oh nein“, entgegnet diese, „das ist nun gar nicht meine Farbe. Das ist mir zu langweilig und trist.“
„Das will ich gar nicht mal sagen. Mit diesem bunten Tuch kombiniert, wirkt es sicherlich sehr adrett und steht Ihnen hervorragend zu Gesicht.“
„Ich schaue mich lieber erst noch ein bisschen um!“, wiederholt Frau Konfusi ihre anfängliche Bitte.
„Aber natürlich, gerne, machen Sie nur!“
Am nächsten Ständer und dreißig Sekunden später entdeckt die ältere Dame zwei hübsche Blusenshirts, die sie sich erst einmal über den Arm hängt, um sie später zu probieren.
„Soll ich Ihnen die Shirts abnehmen? Ich kann sie ja schon mal in die Kabine hängen.“
Bevor Frau Konfusi auch nur ein Wörtchen sagen kann, hat ihr die Verkäuferin bereits die beiden Teile abgenommen und marschiert damit in Richtung Kabine.
„Schauen Sie mal!“, ertönt es eine weitere gefühlte halbe Minute später neben ihr. „Dieses Jäckchen passt doch hervorragend zu den beiden Blusenshirts, dazu diese Hose und Sie sind perfekt angezogen. Ich hänge Ihnen das alles gleich auch noch in die Kabine.“
„Danke. Obwohl es nicht nötig ist, denn ich brauche keine Hose und auch nicht diese Jacke.“
„Oh, Sie müssen sich doch nicht bedanken. Das mache ich gerne. Sie sollen doch mit Ihrem Einkauf zufrieden sein.“
„Dann lass mich auch endlich zufrieden“, hätte Frau Konfusi gerne gesagt, aber sie unterlässt es höflicherweise.
„Ich hätte da auch noch ein Top im Angebot und diese Tasche würde das Outfit perfekt machen. Das gefällt mir sehr gut.“
„Ja Dir!“, denkt Frau Konfusi, „Aber nicht mir und ich will schließlich etwas für mich kaufen.“
Inzwischen ist es ihr vollkommen klar, dass sie in diesem Geschäft zwar gerne etwas gekauft hätte, aber wegen der Verkäuferin keinen klaren Gedanken fassen kann. Immerhin soll das neue Teil auch zu ihrer Garderobe aus dem Kleiderschrank zu Hause passen und da muss man schon ein bisschen in sich gehen können, um sich alles vor dem inneren Auge vorzustellen. Damit sie der  übertriebenen Höflichkeit wenigsten für ein paar Minuten entkommen kann, flüchtet sie sich mit zwei hübschen Pullovern in die Kabine. Doch noch bevor sie den Vorhang zugezogen hat, ertönt erneut die Stimme der Verkäuferin:
„Hier habe ich den einen Pullover noch in einer anderen Farbe und gestreift gibt es ihn auch. Ich lege beide Teile auf den Tisch vor Ihrer Kabine. Und kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten?“
„Ein Glas Wasser würde mir völlig ausreichen“, antwortet Frau Konfusi und fügt in Gedanken hinzu: „Ich muss mich unbedingt abkühlen, sonst explodiere ich noch.“
Mit einem einzigen Zug stürzt sie dann auch das Wasser hinunter, schließt den Vorhang, bläst die Wangen auf und lässt durch ihren Mund Luft ab, um den angestauten Überdruck abzubauen.
„Stimmt denn die Größe?“
„Ja, ja, alles ist gut!“
„Ich kann jetzt und hier nichts kaufen“, überlegt die ältere Dame. „Das ist einfach zuviel des Guten.“
„Und hat es Ihnen gefallen? Sie haben sich ja nicht gezeigt. Wofür haben Sie sich denn entschieden?“
„Momentan noch für kein Teil. Ich drehe erst noch einmal meine Runde und komme dann wieder“, gesteht die Kundin.
„Soll ich Ihnen die Teile zurückhängen?“
„Nein, das ist nicht nötig. So schnell werden sie schon nicht weg sein!“
„Ja“ antwortet die Verkäuferin enttäuscht und stürzt sich auch schon auf die nächste Kundin, die in diesem Moment den Laden betritt.
Frau Konfusi muss nun erst einmal ihre Gedanken sortieren und schlendert durch die Einkaufspassage. Nach ungefähr einer Stunde wagt sie sich erneut in das besagte Bekleidungsgeschäft, um nochmals ihr Glück zu versuchen. Immerhin ist sie beim ersten Mal ja nur bis zum zweiten Kleiderständer vorgedrungen. Vielleicht gelingt es ihr jetzt die restliche Ware in Frieden zu begutachten. Man soll ja nie die Hoffnung aufgeben.
„Ach da sind Sie ja wieder!“, wird sie auch schon begrüßt. Da aber noch eine weitere Kundin im Geschäft ist, wird Frau Konfusi die ersten fünf Minuten nicht mit irgendwelchen Höflichkeitsangeboten belästigt. Zumindest nicht von der Verkäuferin von vorhin. Dafür erscheint allerdings eine andere geschäftstüchtige Verkäuferin.
„Welche Größe benötigen Sie denn?“
Kurz und knapp erteilt Frau Konfusi die benötigte Information und befürchtet das Allerschlimmste.
„Da hätte ich doch etwas für Sie! Sehr hübsch und passt genau zu Ihrem Typ.“
„Lassen Sie mich bitte in Ruhe schauen!“
Dieser Bitte wird auch für weitere dreißig Sekunden nachgekommen, denn dann greift Frau Konfusi zu einer kurzen Jacke, die ihr farblich und auch schnittmäßig gefällt. Das scheint gleichzeitig das Signal für den Einsatz der Verkäuferin zu sein.
„Soll ich nachsehen, ob das Teil in Ihrer Größe da ist. Wir haben allerdings nur das, was hier hängt.“
„Oh, danke. Ich habe selbst schon gesehen, dass es nicht mehr in meiner Größe vorhanden ist.“
„Das hat die Puppe an. Ich ziehe sie schnell für Sie aus.“
„Ja, machen Sie nur!“, antwortet die Kundin sichtlich erleichtert für ein klitzekleines Weilchen die Verkäuferin ablenken zu können.
Diese Jacke hat ihr sofort ins Auge gestochen, wie man so schön sagt und die ältere Dame geht mit hoffnungsvollen Schritten zum Umkleiden. Das Teil passt perfekt und sie durchforstet im Geiste ihren Schrank, welche ihrer Kleidungsstücke sie damit kombinieren könnte. So tritt sie zufrieden vor die Kabine, wo die Verkäuferin bereits mit einer Jeans Posten bezogen hat.
„Ich habe mich hierfür entschieden“, verkündet sie und will ihr sogleich den Wind aus den Segeln nehmen. „Ich habe eine dunkelblaue und sogar eine hellblaue Jeans hierfür zu Hause im Schrank hängen.“
„Eine weiße hätten wir auch noch da. Die würde sehr schön frisch aussehen dazu.“
„Danke, das ist nicht nötig.“
Beim Verlassen des Geschäftes hört Frau Konfusi bereits wieder das freundliche Hallo, welches  das Verkaufsgenie einer anderen Kundin entgegen wirft.
„Du Arme! Ich wünsche Dir viel Spaß, lass Dich zu nichts überreden und lass Dich auf keinen Fall aus der Ruhe bringen!“, hätte sie der Dame gerne geraten. „So, und jetzt brauche ich dringend einen Kaffee.
„Hattest du einen schönen Nachmittag?“, fragt ihr Gatte eine halbe Stunde später und bestellt sich ebenfalls einen Kaffee.
„Ich konnte in aller Gemütlichkeit die tollen Oldtimer bewundern und meinen Gedanken und Erinnerungen nachhängen“, verkündet Herr Konfusi.
„Da ging es Dir besser als mir. Mir hat ein bisschen die Muse gefehlt und vielleicht hätte mir deine Begleitung ein wenig geholfen, um in Ruhe und Frieden einkaufen zu können“, gibt sie ihrem Gatten kund.
„Hattest Du keine gute Beratung?“, will dieser wissen.
„Wie man es nimmt. Ich war auf jeden Fall von zwei überaus freundlichen Frauen umgeben, die sehr auf mein Wohl bedacht waren. Doch manchmal gibt es leider auch ein Zuviel des Guten.“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Kleiderordnung

Tickt ihr noch richtig?

Anton

Hops und die Osterhasenkunst

„Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr,
du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr.
Für die Kinder solltest du Eier bemalen und auch verstecken,
hier, da und dort, auf Feld, Wiese und in allen Ecken.“

„Aber so höre doch, lieber Herr Papa“, Hops nun spricht,
„Familie Zwerghuhn von nun an, alle Arbeit für uns verricht’.
Sie legen ihre grünen Eier überall in Stadt und Land,
brauchen nicht des Osterhasens malende Hand.“

„Hi, hi!“, Hopsina die große Schwester lauthals lacht.
„Hops, was hast du dir da wieder mal ausgedacht?
Ostern wird dann lediglich ein großes Rühreifest!“
„Bitte“, Hops bettelt, „machen wir einen Test.“

„Mein lieber Junge, höre jetzt deiner Mama gut zu!“
Mutter Hoppel versucht zu vermitteln in aller Ruh’.
„Auch wenn des Zwergenhuhn Ei ist schön grün,
es ist roh, so sehr sich die Hühner auch bemüh’n.“

„Wir machen es zu einem Osterei voller Farbenpracht,
weil wir alleine wissen, wie man es richtig macht.
Dies wird weitergegeben von Generation zu Generation,
Rezept und Dekoration ist Osterhasentradition.“

„Auch die Kunst des Versteckens will gelernt schon sein“,
mischt sich Vater Hoppel in die Diskussion wieder ein.
„Dein Großvater hat es mir als Kind bereits gelehrt,
drum mach du jetzt nicht alles anders und verkehrt!“

„Nimm den Kindern weit und breit nicht die Freude,
zu machen bei der Ostereiersuche eine große Beute.
Sie streifen durch die Gärten, suchen die Osternester,
wetteifern, wer findet die bunten Ostereier als Erster.“

„Vielleicht“, so spricht Mama Hoppel bedacht und weise,
„solltest du dieses Jahr alles verfolgen still und leise.
Beim nächsten Osterfest wirst du viel klüger sein
und kannst erlernen die Osterhasenkunst präzise und fein.“

„Ich geh mal schaukeln und mich in die Lüfte schwingen,
hinterher übe ich noch ein bisschen das Springen,
auch noch das Hopsen und Haken schlagen,
nächstes Jahr werde ich das Ostereiermalen wagen.“

Hops ist froh den Ostervorbereitungen zu entkommen,
hat schon seines Freundes Rufen vernommen.
Beiden nicht nach Osterhasenkunst steht der Sinn,
viel eher nach Spiel, Spaß und allerhand Blödsinn.

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Probleme im Osterhasenland

Hops hat eine Idee

Unsere persönliche Ostergeschichte

Hops hat eine Idee

Familie Hoppel steckt mitten in den Ostervorbereitungen. Nachdem das Personalproblem bei der Eierlieferung gelöst ist, läuft nun alles wie am Schnürchen. Fast alles.
Mutter Hoppel kümmert sich um die Wäsche. Sie schrubbt das große weiße Tischtuch über das Waschbrett, während ihr Herr Gemahl die Hasenschar unterrichtet. Es wird gesungen und gelacht, aber auch gelernt.
„Wer ein richtiger Osterhase sein will“, erklärt der Oberlehrer, „der muss nicht nur Eier bemalen und verzieren können, sondern auch wissen, wo die besten Verstecke für die Ostereier sind. Für Beides gibt es Regeln, die zu beachten sind.“
Hops schmerzt schon der Kopf, so viel muss er sich merken. Er hat gar keine Lust dieses Jahr mitzumachen. Viel lieber würde er jetzt schaukeln gehen oder die Hühner aufscheuchen und sie ein bisschen erschrecken. Hops ist nämlich ein kleiner Schlingel, der gerne Unfug macht.
Seine Schwester, Hopsina, hingegen ist eine sehr fleißige Schülerin, die gut zuhört und auch alle Regeln befolgt. Sie freut sich schon riesig auf das Bemalen der Eier, denn nur gefärbte und bemalte und schön verzierte Eier sind richtige Ostereier.
„Hops, so pass doch auf!“, ermahnt der Vater. „Du musst ganz vorsichtig mit den rohen Eiern umgehen. Erst nach dem Kochen sind sie nicht mehr so empfindlich.“
„Es passiert schon nichts!“, ruft Hops und wirft das nächste eingesammelte rohe Ei in einem hohem Bogen in den Korb.
„Platsch!“, macht es. Zwei Eier sind zerbrochen und der flüssige Inhalt spritzt durch die Gegend.
„Oh! Naja, es sind ja noch genug da“, gibt Hops achselzuckend bekannt. „Außerdem können die Hühner ja neue Eier legen. Dazu sind sie schließlich da.“
„Also Hops, so geht das nicht. Da bist du uns keine Hilfe“, schimpft der Vater. „Lauf nach Hause und hilf der Mutter!“
Das ist dem kleinen Häschen nur recht, denn ihm ist sowieso an diesen anstrengenden Vorbereitungen die Lust vergangen. Also hoppelt er los. Doch schon an der nächsten Wegbiegung entdeckt er etwas, das seine Neugierde entfacht. Dort liegt nämlich ein zerbrochenes Ei. Das wäre eigentlich gar nicht so verwunderlich, aber er sieht auch seltsame Tiere in der Nähe.
„Wer seid ihr denn?“, will Hops wissen.
„Das sieht man doch!“, antwortet eines der Tiere. „Wir sind Hühner!“
„Seid ihr Osterhasenhühner?“
„Wie kommst du auf diese Idee? Osterhasenhühner?! Wir haben doch keine langen Löffel als Ohren“, entsetzt sich eines der Hühner, doch schon im nächsten Moment ruft es aus:
„Ach, das meinst du!“
Jetzt versteht das Huhn, was der kleine Hase meint.
„Das ist ja toll!“, begeistert sich Hops nach der Erklärung.
Er hat da so eine Idee.
„Zeig mir mal eure Produktion!“, fordert er das Huhn auf.
Kurz danach steckt er tuschelnd mit einigen Hühnern hinter einem Busch und schmiedet einen Plan.
„Also“, sagt er nach einer Weile. „Abgemacht! Ich komme morgen Nachmittag vorbei.
Am nächsten Tag meldet sich Hops in der Schule krank.
„Ich habe sooo große Bauchweh“, sagt er seinem Vater, dem Oberlehrer und verzieht das Gesicht. „Bestimmt habe ich heute Morgen etwas Falsches gegessen. Mir ist ganz übel.“
„Das hört sich aber gar nicht gut an. Du solltest nach Hause gehen und dich hinlegen“, schlägt der Vater besorgt vor. „Mutter kann dir einen Kamillentee kochen. Dann wird es schnell wieder besser.“
Hops verzieht das Gesicht, allerdings nicht wegen des Bauchwehs, sondern wegen des Gedankens an Kamillentee.
Doch Hops geht nicht nach Hause, er hoppelt zu seinen neuen Freunden, den Hühnern, die er gestern entdeckt hat. Auf seinem Rücken hat er einen Korb geschnallt, den er heimlich noch am vergangenen Abend an der Wegbiegung deponiert hatte.
Voll beladen kommt er kurz vor Schulschluss in der Osterhasenschule an.
„Geht es dir wieder besser?“, will der Vater wissen, der sich über Hops Erscheinen und den Korb auf dem Rücken seines Sohnes wundert.
„Ich habe alle unsere Probleme gelöst!“, erklärt Hops freudestrahlend. „Wir können in Urlaub gehen.“
Vorsichtig stellt er den Korb ab und lüftet sein Geheimnis.
Nachdem er das Tuch, das seinen Schatz abdeckt, gelüftet hat, sagt er stolz:
„Ich war bei den Zwerghühnern, die nicht weit von hier leben. Stell dir vor, die legen grüne Eier. Das spart uns die lästige und zeitraubende Anmalerei! Wir müssen die Eier nur noch kochen und verstecken. Also können wir uns schon übermorgen auf die faule Haut legen!“
Verwundert schaut Hops in das entsetzte Gesicht seines Vaters.
„Hops, ich glaube fast, du wirst nie ein richtiger Osterhase.“

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Klein Astrid und der Osterhase

Bubis Sprachkünste

Unsere persönliche Ostergeschichte

Probleme im Osterhasenland

Familie Hoppel ist in großer Aufregung ununterbrochen
bereits schon seit ein paar Wochen.
Wie jedermann weiß, ist das Osterfest nun schon bald
mit der großen Eiersuche im Wald.

Vater Hoppel kommen schreckliche Neuigkeiten zu Ohr,
denn es stehen große Probleme bevor.
Die Hühner klagen, über zu viel Arbeit, wenig Personal,
wollen streiken, die Arbeit niederlegen total.

Der Familienrat trifft sich ganz dringend und sofort,
Osterhasen benötigen der Hühner Support.
Familie Hoppel braucht eine Lösung für das Problem,
denn die Situation ist äußerst unbequem.

„Wie nur kann man die Hühner entlasten geschwind?“,
fragt nun Hops, das Osterhasenkind.
Er hat sich auf’s Eiermalen mit bunten Farben gefreut,
will anfangen damit noch heut.

Mutter Hoppel hätte da vielleicht eine brauchbare Idee,
erwägt sie beim Nachmittagskaffee.
Voller Hoffnung richten sich die Blicke gespannt auf sie,
überlassen alles ihrer Fantasie.

Eine Legefabrik voller Hennen existiert hinter dem Wald,
die armen Tiere sterben schon bald.
Sie sind eingesperrt in Käfigen, klein und eng zum Eierlegen,
können sich nur unter Schmerzen bewegen.

„Wir müssen sie unbedingt und ganz schnell befreien,
denn ihre Qual ist zum Schreien.“
Familie Hoppel will sie erretten bei Nacht und Nebel
und öffnen aller Käfige Hebel.

„Hier bei uns im Wald haben sie ein besseres Leben
und können uns ihre Eier geben.“
Schon in der nächsten Nacht schreiten sie zur Tat,
gründen ihren eigenen Hühnerstaat.

Nun ist gelöst zum Glück das fatale Personalproblem
und die Legefabrik zerstört außerdem.
Die Ostervorbereitungen sind in vollem Gange überall
ob auf Feld, Wiese oder im Stall.

Es freuen sich alle Hühner, Osterhasen und auch Kinder.
Wer wird wohl der größte Ostereierfinder?
Ostereier von glücklichen Hühnern vorzüglich schmecken,
drum lasst uns den Ostertisch decken.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Klein Astrid und der Osterhase

Das fliegende Ei

Osterhasenabenteuer

 

Übrigens: Dieses kleine Osterhasengedicht ist auch bei Rostrose http://rostrose.blogspot.de/p/anl.html verlinkt.

Meine ganz normale, chaotische Familie

Beim Durchforsten meiner Geschichten ist mir diese Begebenheit aus unserem Leben begegnet. Sie ist zwar schon etwas älter, aber bestimmt bereitet sie Euch ebenso viel Spaß wie mir:

Meine ganz normale, chaotische Familie

Was ist schon normal? Hätte ich sagen sollen: „Meine ganz normale Familie?“ Entsprechen wir denn der Norm? Nein, bestimmt nicht! Oder etwa doch? Chaotisch sind wir bestimmt (immer öfter), zumindest in den Augen der „Normalen“. Manchmal geht es zu wie auf dem Basar, jeder redet, aber keiner hört zu. Auch die Lautstärke würde passen, – wer flüstert schon, wenn er sich im Trubel Gehör verschaffen will. Ein Spaziergänger, der am Haus vorbei käme, würde sicherlich eine italienische Großfamilie hinter den Fenstern vermuten, aber wir sind eigentlich nur eine deutsche Kleinfamilie.

Wir, das ist zunächst einmal mein treu sorgender Gatte, der mit einem Zeitgefühl ausgestattet ist, das zu einem anderen Universum zu gehören scheint. Seine Auffassung von „gleich“ und „sofort“ ist zumindest nicht den gleichlautenden Begriffen unserer Sprache und unseres Verständnisses gleichzusetzen. Weiterhin gehören unser zum damaligen Zeitpunkt pubertierender Sohn und meine Wenigkeit zur Familie. Weitere Familienmitglieder sind noch ein Kaninchen und ein Meerschweinchen (anfangs waren es die beiden Kaninchen Tom und Jerry / erst nach Toms Tod gesellte sich Tim das Meerschweinchen zu uns).
Selbst die beiden Tierchen entsprechen nicht der Norm. Sir Jerry und Mister Tim haben einen Stall, der ohne weiteres als Gästezimmer umgebaut werden könnte, – zumindest passt ohne Probleme eine Matratze hinein.
Während Sir Jerry vom ausgelassenen allzeit potenten Jüngling zum großen Beschützer herangewachsen ist, scheint Mister Tim vom Meerschweinchen zum Kaninchen mutiert zu sein, jedenfalls springt er wie ein Kaninchen im Stall hin und her und hoch und runter.
Ist das jetzt normal,chaotisch oder ganz normal chaotisch?
Was mit mir ist, kann man jetzt fragen. In meinen Augen bin ich die Normalste von allen, was aber nicht immer der Meinung meiner beiden Männer entspricht, schon ganz und gar nicht, wenn mich angeblich der Putzwahn befällt.
Fordere ich meinen Sohn auf, seine überall im Kinderzimmer verstreuten und schmutzigen Socken in das dafür vorgesehene Behältnis zu befördern, erklärt er mir nur:
„Das ist ganz normal, bei meinen Freunden ist auch nicht aufgeräumt!“
Soll mein Mann seinen Bücherstapel neben dem Bett beseitigen, höre ich nur seine kopfschüttelnde Bemerkung:
„Diese Aufräumerei ist ja wohl nicht normal!“
Klage ich mein Leid einer Bekannten, so antwortet diese nur:
„Das ist doch ganz normal! Meine Männer sind auch so!“
Naja, wie mir scheint bin ich dann doch die einzig Unnormale hier!

Morgenstunde hat Gold im Munde

Pünktlich um 6.15 Uhr erschallt das allzeit beliebte Klingeln meines Weckers. Ich schalte das Licht an und drücke auf die Wiederholungstaste. Zeitgleich ertönt der gleiche Laut im Zimmer unseres Sohnes, was zur Folge hat, dass auch bei ihm das Licht angeht und der Wecker einen Schlag erhält, der ihn sprichwörtlich schlagartig für die nächsten 24 Stunden verstummen lässt.
Während ich eine Minute später ins Badezimmer marschiere, dreht sich mein Göttergatte grunzend auf die andere Seite. Neidisch werfe ich ihm einen Blick zu, – aber was hilft es? Wenn ich nicht aufstehe, dann tut dies in dieser Familie niemand!
Fünf Minuten später höre ich das erneute Weckerklingeln aus dem Schlafzimmer. Wer glaubt, dass der inzwischen sehr energisch, schon fast wütend klingende Weckruf meinen Mann senkrecht im Bett sitzen lässt, der täuscht sich gewaltig. Nebenbei bemerkt, täusche ich mich da jeden Morgen selbst, denn das Klingeln des Weckers scheint sich in den Ohren meines Mannes nahezu in die schönste Schlafmelodie zu verwandeln. Er macht nämlich keinerlei Anstalten den Ausknopf zu betätigen, allein der Wecker und meine Ohren sind die Leidtragenden. Um das penetrante Piepsen nicht mehr zu hören, drehe ich den Wasserhahn voll auf und vernehme nur noch das Rauschen des Wassers.
Ebenso wie ich, muss auch der Wecker letztendlich resignieren, will er doch nicht die ganze Energie seiner Batterien verbrauchen. schließlich verstummt er angesichts seiner Nichtbeachtung und steht für den Rest des Tages still und beleidigt auf dem Nachttischchen.
„Vielleicht sollte ich es morgen mit Mozart oder Beethoven probieren“, überlege ich kurz. Möglicherweise hilft mir das, meinem Mann aus den Tiefen seiner süßen Träume zu rütteln.
Als ich dann eine Viertelstunde später das Zimmer unseres Sohnes betrete und ein fröhliches „Guten Morgen! Du musst aufstehen!“ zu seinem Hochbett hinaufrufe, in dem ich außer Kissen, Decken und Stofftiere nichts erkennen kann, schmettert mir der Unsichtbare ein „Mensch, du nervst!“, entgegen.
Also ziehe ich mit Socken, Unterwäsche, T-Shirt und Hose bewaffnet wieder ab und lege alles im Badezimmer bereit, um zum nächsten Angriff überzugehen. Da das verbale Wecken wenig Erfolg verspricht, müssen härtere Geschütze aufgefahren werden. Zunächst einmal stelle ich die Kitzelmaschine an. Am einfachsten von unten zu erreichen, ist der Fuß, der jedoch schlagartig weggezogen wird. Also bleibt mir nichts anderes übrig als die Leiter hinaufzuklettern und ein Ganzkörpergekitzel zu veranlassen. Nach einem ersten seltsamen Grunzen, stellt sich ein Kichern ein. So, jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen, schlagartig ziehe ich die Bettdecke weg und mein Sohn sitzt senkrecht im Bett.
Damit wäre die erste Schlacht gewonnen. Ich kann beruhigt nach unten in die Küche gehen, während der Jüngling das Bad belagert.
Als er die Küche mit Comicheften bewaffnet, betritt, bereite ich gerade das Frühstück vor und schmiere das Schulbrot. Ein paar Minuten ist Ruhe, dann muss ich schon wieder in Aktion treten, indem ich die Uhrzeit nach oben zu meiner schlummernden besten Hälfte weitergebe. Dies wird sich nun im 2 – Minutentakt wiederholen, ohne dass auch nur das Geringste passiert. Eigentlich könnte ich mir ja meine Spucke sparen, mich braucht es doch nicht zu jucken, wenn die beiden Herren zu spät dran sind.
Nach einer gefühlten halben Stunde erscheint mein Mann in Anzughose, ohne Strümpfe und mit Schlafanzugoberteil. Sobald er seine Jacke überstreift, springt unser Sohn nach oben zum Zähneputzen, sofern man das sekundenartige Durchfegen der Zahnbürste durch den Mund so nennen kann. Schlagartig ist er wieder zurück, zieht Jacke und Schuhe an, schultert seinen Schulranzen und haucht mir ein Küsschen auf die Wange. Während ich meine täglichen Ermahnungen „Mach schön mit, pass gut auf und mach keinen Unsinn!“ runterleiere, steigt Sohnemann zu Papa ins Auto und beide düsen auf den letzten Drücker davon. Gott sei Dank – geschafft!
Eine Viertelstunde später hält unser Auto wieder vor dem Haus, mein Liebster steigt mit einer Tüte Brötchen aus und ein gemütliches Frühstück zu zweit beginnt, bei dem er alle möglichen Akten durchblättert, mindestens drei Telefonate führt und zwischendurch noch ein Fax verschickt. Am Ende steht dann immer das gleiche Ritual:
„Schnell, schnell, ich muss ins Büro. Ich hab’ in 15 Minuten eine Besprechung. Was soll ich anziehen? Wo ist meine Uhr? Ich kann meinen Autoschlüssel nicht finden! – Tschüss, ich bin schon spät dran! Bis heute Abend!“

Die Verfolgungsjagd

Am nächsten Morgen müssen Vater und Sohn vor der Abfahrt erst noch den Laternenpfahl vor unserer Haustür inspizieren. Dieser ist total beschädigt und halb umgeknickt. Davor liegen Scherben eines Blinklichtes.
Beide sitzen gerade im Auto, als ein anderer Wagen in unseren Stichweg einbiegt. Vor dem Laternenpfahl bleibt der Unbekannte stehen, blickt sich um, fährt rückwärts wieder raus und biegt in Richtung Stadt ab.
Alles Weitere weiß ich nur aus der Erzählung unseres Sohnes, der nach Schulschluss auf meine Frage, ob er noch pünktlich zu Schulbeginn in der Schule war, Folgendes berichtet:
„Naja, zum Glück konnte ich Papa dazu überreden die Verfolgungsjagd noch rechtzeitig abzubrechen.“
„Welche Verfolgungsjagd denn?“, erkundige ich mich neugierig.
„Also, Papa war der Meinung, sein detektivischer Spürsinn habe ihm gesagt, dass der Mann im Auto heute Früh der Laternenmörder war. Wir haben ihn dann verfolgt.“
Die Tatsache, dass der Verdächtige wohl nicht gerade langsam gefahren war, hatte ihn in den Augen meines Mannes nur noch verdächtiger gemacht.
„Nachdem Papa schon an der ersten Abzweigung zur Schule vorbei war, habe ich ihm erzählt, dass in der ersten Stunde eine Klassenarbeit ansteht. Dann hat er aufgegeben.“
Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen, als ich meinen Mann am Abend auf diesen Vorfall anspreche und er siegessicher meint:
„Das war er! Warum sonst ist er so schnell abgehauen?!“
„Na, vielleicht musste er in die Arbeit!“, antworte ich und füge hinzu:
„Übrigens: Den Laternenpfahl hat ein Müllauto angefahren.“
Somit schwinden für meinen Mann die Chancen auf ein Zweiteinkommen als 2. Sherlock Holmes, denn nicht alle Schnellfahrer, die versehentlich in eine Seitenstraße mit defekter Laterne einbiegen, sind auch gleichzeitig polizeilich gesuchte Laternenmörder.