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Mitbringsel

Wieder einmal sind wir in meiner alten Heimat und schlendern durch die Straßen meiner Geburtsstadt. Hier gibt es viele alte Fachwerkhäuser zu bestaunen. Eines davon ist vor kurzem verkauft worden. Es ist ein relativ großes Haus, das über mehrere Stockwerke verfügt. Im Erdgeschoss befanden sich in meiner Kindheit nacheinander verschiedene Geschäfte.
Ich erinnere mich, dass es dort unter anderem Sirup zu kaufen gab, den man mit Wasser zu einem köstlichen Erfrischungsgetränk mixte. Es schmeckte nach Holunder und war echt lecker.
Ich blicke in das Schaufenster, das an diesem Tag ebenfalls dekoriert ist. Allerdings befinden sich hinter der Glasscheibe diverse Haushalts- und Geschirrartikel. Sie sind alle gebraucht und entstammen der Haushaltsauflösung, die mit dem Verkauf des Hauses einhergeht.
„Lasst uns mal reingehen!“, schlage ich meinem Mann und meiner Mutter vor.
Drinnen empfängt uns die ehemalige Besitzerin und wir kommen ins Gespräch.
„Kaufen Sie nichts, nur weil sie etwas kaufen wollen“, rät sie uns. „In unserem Alter sollte man nämlich eher ausmisten, als Dinge zu erwerben. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede. So einen Hausstand aufzulösen ist nicht einfach.“
„Ja, das glaube ich“, sage ich zu ihr und zu meiner Mutter gerichtet, meine ich: „Schau mal , so ein ähnliches Service hast du auch noch!“
Noch bevor meine Mutter etwas antworten kann, kommt aus einer Ecke die Stimme meines Mannes: „Gefällt die dir?“
Er hält eine Puppe in die Höhe

und greift mit der anderen Hand zu einer zweiten Puppe.

Wir stöbern noch ein bisschen hier und ein bisschen dort, aber mir geht die Puppe mit den Zöpfen nicht mehr aus dem Sinn. Sie erinnert mich an mich selbst als Kind. Auch ich hatte braune lange Zöpfe und bin in dieser Stadt aufgewachsen. Insgeheim nenne ich die Puppe schon längst „Klein Astrid“.

Nach einer Weile gehe ich zu den beiden Püppchen und betrachte sie mir genauer. „Klein Astrid“ nehme ich auf alle Fälle mit, das ist für mich schon beschlossene Sache. Die Puppe mit den blonden Haaren hat sooooo ein hübsches Gesicht, dass ich es nicht über das Herz bringen könnte sie zurückzulassen.

Also erstehe ich beide Puppen, die übrigens handgefertigt sind. Die Oma der ehemaligen Besitzerin hatte eine Bekannte, die die Puppen hergestellt, alle Kleider selbst genäht und sogar die Strümpfchen gestrickt hat. Überall steckt sehr viel Liebe zum Detail drin, das sieht und spürt man.
„Ich werde sie in Ehren halten“, verspreche ich der Frau, die mir bestätigt:
„Ich weiß die Puppen bei Ihnen in guten Händen und das freut mich.“
Inzwischen hat auch mein Mann noch etwas gefunden, das er gerne in seinem Besitz haben möchte,- einen kleinen Licher-Bier-Krug mit einem Zinndeckel.

Die kleine Blondine ist noch immer namenlos und ich denke, das wird sie auch noch ein Weilchen bleiben. Sollten wir irgendwann einmal eine Enkeltochter bekommen, dann darf diese den Namen aussuchen. Doch die Puppe mit den Zöpfen ist und bleibt „Klein-Astrid“.
Mittlerweile sitzen die Beiden im Wohnzimmer auf der Couch, die eine Puppe auf der linken Seite und die andere auf der rechten Seite.
„Ich bin gespannt, ob sich demnächst unsere Katze dazu gesellt und dann in der Mitte liegt.“
„Abwarten“, sagt mein Mann und genießt einen Schluck aus seinem neuen alten Bierkrug.

 

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Sommerabschiedsgruß

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Hessischer Herbst

Ich möchte Euch heute einfach mal zeigen, wie sich der Herbst im Hesseländle von seiner besten Seite zeigt. Ein goldener Oktober, wie man sich ihn erträumt. Bunt mit Sonnenschein und blauem Himmel, – einfach traumhaft schön.

Zunächst ein kleiner Rundgang durch den Alteburgpark in Schotten, im Herzen des Vogelsberges.

Zwischen den schon fast kahlen Zweigen ragt der Kirchturm in den blauen Himmel.

Versteckt hinter den bunten Herbstbäumen lugt die Alteburg hervor.

Und jetzt geht es noch ein Stückchen weiter nach oben, in den Hohen Vogelsberg

und zum Segelflugplatz in der Nähe von Breungeshain.

Im Hintergrund erkennt man den Fernmeldeturm, der ganz oben auf dem Hoherodskopf steht. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, ich habe ihn bereits schon einmal im Winter gezeigt (Bilderbuchwetter in der alten Heimat).

Ich hoffe Euch hat der kleine Ausflug in den Hessischen Herbst gefallen. Vielleicht möchtet Ihr noch mehr über meine alte Heimat lesen, dann schaut doch mal hier nach:

„Deutsche Sprache,-schwere Sprache“

Ein Falke, zwei Prinzessinnen und meine Heimatstadt

Großvaters Haus

Tante Frieda

Immer wieder sonntags geschieht das selbe Spiel
und man muss zugeben, Tante Frieda hat Stil.
Sie holt ihr bestes Kleid aus dem Schrank,
es passt ihr immer noch, Gott sei Dank.

Legt um ihren Hals die kosbare Perlenkette,
denn damit macht sie Eindruck, jede Wette.
Fehlen darf auch nicht der chice große Hut,
sie weiß, dieser kleidet sie besonders gut.

Erhobenen Hauptes schreitet sie von dannen,
biegt dann ab bei den drei großen Tannen.
Der Bus bringt sie in die lebhafte Stadt,
dort ein ganz bestimmtes Ziel sie hat.

Hier gleich neben der Kirche auf dem Marktplatz,
ist Tante Friedas angestammter Sonnenplatz.
Sie ist bei allen beliebt und wohlbekannt
und wird nur „Frau Gräfin“ dort genannt.

Der Ober weiß, was sie sich gedenkt auszusuchen,
ein Tässchen Kaffee, dazu ein Stückchen Kuchen.
Und obendrauf gehört zum guten Schluss
noch ein Tupfen Sahne, welch ein Genuss.

„Frau Gräfin wünscht noch einen kleinen Likör?“,
fragt geschwind der Ober, dieser nette Charmeur.
Zu einem Glas Eierlikör sagt sie nicht nein,
egal ob bei Regen oder bei Sonnenschein.

Gut gelaunt beobachtet sie das bunte Treiben
und gedenkt noch ein Stündchen zu bleiben.
Doch das Leben ist manchmal gemein,
sie muss noch vor der Dunkelheit heim.

So haucht der Ober beim Abschied zum Schluss,
ihr auf die dargereichte Hand einen zarten Kuss.
„Gräfin, beehren Sie uns bald wieder!“
Tante Frieda senkt beglückt die Augenlider.

Am nächsten Sonntag geschieht das selbe Spiel.
Das Café am großen Platz ist ihr liebstes Ziel.
Der Ober längst hat erobert ihr Herz,
er hofft, es ist Liebe und kein Scherz.

 

 

*Diese schöne Figur fand ich vor einem Restaurant in der Dresdener Innenstadt nahe der Frauenkirche. Ich konnte nicht anders, musste sie einfach fotografieren und ihr ein Gedicht widmen. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um eine erfundene Geschichte. Mir ist weder diese Dame oder ihr mögliches Ebenbild, noch der Erschaffer dieser Figur bekannt. Gedicht und Inhalt entspringen meiner Fantasie und haben nichts mit lebenden oder verstorbenen Personen, bzw. stattgefunden Ereignissen oder dem betreffenden Restaurant zu tun. Mir hat diese Figur einfach nur gefallen und meine Fantasie beflügelt.

 

 

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Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht!

Vom Winde verweht

Wahre Liebe

Ich grüße Euch heute wieder einmal aus meiner Plauderecke. Mir ist
bei der Durchsicht meiner Fotos aus diesem Jahr aufgefallen, dass es da eine Aufnahme gibt, die ich Euch unbedingt zeigen möchte.

Das Beitragsfoto und die Überschrift meines Posts sind Bestandteile davon. Rote Rosen. Liebe. Beides gehört irgendwie zusammen. Verschenken doch Liebende gerne als Zeichen ihrer wahren und großen Liebe rote Rosen an den / die Partner(in).
Die von mir fotografierte Rose ist ebenfalls ein Geschenk. Doch hierzu gehört noch etwas anderes und natürlich eine kleine, aber schöne Begebenheit:
Es war der 4. Mai diesen Jahres. Ein Freitag. Ich glaube es war nachmittags, aber da bin ich mir nicht mehr so ganz sicher. Auf jeden Fall fuhr ich mit meinem Auto durch die Stadt. Meine Mutter war wieder einmal bei uns zu Besuch und saß neben mir auf dem Beifahrersitz. Wir standen an der Ampel einer Kreuzung in der Innenstadt. Unser Wagen war der erste in der Schlange der Wartenden.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen mehrere uns unbekannte Personen am Fußgängerüberweg und warteten darauf, dass die Fußgängerampel auf Grün umschaltete.
Da ich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls warten musste, ließ ich meinen Blick schweifen und da fiel mir etwas auf.
„Schau mal!“, sagte ich zu meiner Mutter. „Ich glaube dort drüben steht eine Braut. Diese junge Frau heiratet bestimmt morgen.“
„Meinst du?“, fragte meine Mutter noch und ich wollte ihr gerade erklären, wie ich auf diese Idee kam, da schaltete die Fußgängerampel auf Grün und die fremde junge Frau überquerte mit zwei Begleiterinnen die Straße. 
Im nächsten Momente blickte die junge Frau freudestrahlend in unsere Richtung. Sie beeilte sich sichtlich unser Fahrzeug zu erreichen, dann klopfte sie sachte an das Beifahrerfenster. Ich drückte auf den Knopf und das Fenster öffnete sich. Die junge Dame streckte die Hand durch die Öffnung und überreichte meiner Mutter einen kleinen Rosenstrauß, bestehend aus einer Blume, liebevoll mit Schleierkraut und etwas Grün kombiniert. Dazu gehörte eine Karte.
„Ich wünsche Ihnen alles Gute!“ sagte sie freundlich lächelnd.
„Ihnen auch!“, konnten wir der jungen Braut noch schnell zurufen, da war sie schon wieder in Richtung Bürgersteig unterwegs und unsere Ampel forderte uns zur zügigen Weiterfahrt auf.
„Das ist ja nett!“, meinte meine Mutter.
„Was steht denn auf der Karte, die sie dir mit der Rose gegeben hat?“, wollte ich von meiner Mutter wissen.
„Das kann ich jetzt nicht lesen, denn ich habe meine Lesebrille nicht mitgenommen. Die liegt bei dir Zuhause auf dem Küchentisch.“
Ich war schon ziemlich neugierig und deshalb hoffte ich ausnahmsweise mal auf eine weitere rote Ampel. Diese ließ auch nicht lange auf sich warten und ich ergriff sofort die Gelegenheit mir von meiner Mutter die Karte geben zu lassen. Laut las ich den Text vor:

„Liebe bedeutet nicht, dass es immer einfach ist.

Liebe bedeutet aber, dass es die Mühe wert ist.“

Ich weiß nicht wer die junge Frau war und auch der Verfasser dieser wunderschönen Worte ist mir nicht bekannt. Aber ich muss gestehen, dass wir von dieser netten Geste und diesen beiden Sätzen sehr gerührt waren.

 

*Der Hersteller dieser Karte ist laut Aufdruck: VISUAL STATEMENTS GmbH / Design by: VISUAL STATEMENTS (KOLLEKTION LIEBLINGSMENSCH)

 

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Zu verschenken

Wo die Liebe hinfällt…

Die Sache mit der Vorahnung 

Herbstprobleme – Frauenprobleme

Es ist Herbst. Der Vorbote für die kühlere Jahreszeit. 
„Schade!“, findet Luise, denn sie liebt den Sommer. “Aber auch nicht schade!“, fügt sie in Gedanken hinzu. „Ein goldener Herbst hat auch etwas für sich.“
Luise sitzt mit geschlossenen Augen auf ihrem kleinen Balkon und hält das Gesicht in die Herbstsonne. Diese Momente genießt sie, auch wenn die Sonne nicht mehr die Kraft hat, um den ganzen Tag ihre wärmenden Strahlen zur Erde zu schicken.
„Auf jeden Fall freue ich mich schon jetzt auf den kommenden Sommer“, überlegt sie. 
Als sie die Augen öffnet, blickt sie in einen strahlend blauen Himmel und plötzlich freut sie sich auch über das, was kommen wird. Die bunten Blätter, die steigenden Drachen, das Lachen der Kinder, wenn sie im Laufen das Laub aufwirbeln oder in die Pfützen springen.
„Pfützen!“
Das ist das Stichwort für Luise. 
„Schuhe!“, durchfährt es ihre Gedanken. „Mein Gott ich brauche ordentliche Schuhe!“
Vorbei ist es mit dem Barfußlaufen, den Flipflops oder den Sandalen. Strümpfe und festes Schuhwerk ist jetzt wieder gefragt.
„Mein Gott!“, fährt ihr der Schreck in die Glieder. „Hab ich überhaupt noch ordentliche Schuhe?“
Luise ist in Sekundenschnelle auf den Füßen, die in luftigen Schühchen stecken und rennt zu ihrem Schuhschrank in der Diele. 
„Nichts! Nur Sommerlatschen!“ kommt es im Flüsterton über ihre Lippen.
Wer Luise jetzt sehen könnte, würde ihre Blässe bemerken, die plötzlich in ihrem Gesicht aufgestiegen ist.
„Wo sind sie denn hin? Ich werde doch im Frühjahr beim Ausmisten nicht alle meine anderen Schuhe weggeworfen haben. Mit den zwei Paar Pumps komme ich höchstens noch zwei Wochen über die Runden, dann fängt das Matschwetter an.“
Der Schreck steht Luise ins Gesicht geschrieben, doch dann fällt ihr der Keller ein. Genau, sie hat eine alte Reisetasche mit Schuhen gepackt. 
„Die muss doch irgendwo sein?!“
Inzwischen ist Luise im Keller und durchforstet jede Ecke und jeden Winkel, aber irgendwie bleibt die Reisetasche verschwunden. Sie liegt weder unter dem Regal, noch auf dem alten Schrank von Tante Inge. 
„Oh nein! Ich hab doch Sachen zum Sperrmüll gebracht. Da war auch eine alte Reisetasche dabei. Da waren doch hoffentlich nicht die Schuhe drin! Bestimmt habe ich sie vorher rausgenommen und in eine der Kisten dort drüben geräumt.“
Luise gibt die Hoffnung nicht auf. Irgendwo müssen doch ihre Schuhe sein. Im obersten Karton waren sie zumindest nicht. 
„Wahrscheinlich im untersten“, überlegt sie. „Das ist laut Murphy immer so!“
Irgendwie zweifelt Luise mittlerweile an ihrem Verstand. Leidet sie unter Gedächtnisschwund oder was ist los? Sie sieht sich in Gedanken, wie sie die Schuhe fein säuberlich in der alten Reisetasche verstaut. Aber weder Tasche noch Schuhe sind auffindbar.
„Wie auch“, muss sich Luise eingestehen, „wenn ich die Tasche doch weggeworfen habe. Da bin ich mir ganz sicher. Sie ist auf dem Sperrmüll gelandet.“
Luise kann die Welt nicht mehr verstehen. Sie weiß ganz genau, dass sie keine Tasche wegwirft ohne sich vorher zu vergewissern, dass sie leer ist. 
„Trotzdem! Ich habe die Schuhe in die Tasche geräumt. Nur ausgeräumt habe ich sie nicht mehr. Jedenfalls kann ich mich absolut nicht daran erinnern. Verflixt nochmal!!!“
Inzwischen sieht es im Keller aus wie auf einem Basar. Alles liegt kreuz und quer. Dinge, von denen sie noch nicht einmal mehr ahnte, dass sie noch existieren, hat sie gefunden. Aber keinen einzigen Schuh. Luise ist mit den Nerven fertig. Sie kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, lässt alles liegen wie es ist, löscht das Licht im Keller und geht wieder nach oben in ihre Wohnung.
„Ich könnte heulen! Meine schönen Schuhe. Erst letzten Winter habe ich mir die tollen roten Stiefel gekauft, um die mich jede meiner Freundinnen beneidet hat. Und die schwarzen Stiefeletten mit den hohen Absätzen und die braunen Halbschuhe aus Velourleder und, und… Oh, meine Schuhe! Alle weg!“
Luise geht ins Schlafzimmer, lässt sich bäuchlings auf das Bett fallen und vergräbt das Gesicht im Kissen.
„Ahhhhh!“
Der Schrei kommt tief aus ihrem Inneren und hallt durch das Zimmer. 
„Das neue Bett!“
Blitzschnell springt Luise auf und reißt mit Schwung den Bettkasten unter der Matratze auf. Ein erneuter Schrei ertönt, als sie eine alte Decke im Bettkasten entdeckt. Eingewickelt in diese Decke liegen alle ihre Schätze, – ihre Schuhe. Und jetzt erinnert sie sich auch wieder. Als sie das alte Bett und einige andere Utensilien, darunter auch die kaputte Reisetasche, beim Sperrmüll entsorgt hat, verstaute sie ihre Schuhe im Bettkasten des neuen Bettes.
„Was ist denn hier los? Ich habe zwei markerschütternde Schreie gehört.“
Christian, ihr Lebensgefährte, steht in der Schlafzimmertür und blickt auf Luise hinab, die inmitten ihrer Schuhe auf dem Fußboden sitzt. Tränen laufen ihr über das Gesicht. Freudentränen.

 

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Das Blau des Himmels

Nebel

Ein Traum in Blau-Weiß

Im Sauseschritt

 

Wie doch die Zeit ist verronnen,
wieder hat eine neue Woche begonnen.
Sie hat keine Zeit zu verweilen,
darum müssen wir uns immerzu beeilen.

Im Nu ist es dann Wochenmitte,
es geht vorwärts im schnellen Schritte.
Ein Tag nach dem anderen verstreicht
und geschwind ist das Monatsende erreicht.

Der September dann von uns geht,
Oktoberwind uns um die Nase weht.
Laub sich verfärbt, Drachen steigen,
bunte Blätter im Tanz durch die Lüfte gleiten.

Doch die Zeit bleibt nicht stehen.
Der goldene Oktober wird vergehen,
dem Regen im November weichen,
dem kalten Dezember die Hand hinreichen.

Drum sollten wir jetzt innehalten,
jeden Augenblick uns schön gestalten.
Vorüber ist nämlich weder diese Woche,
noch Monat, Jahr oder gar diese Epoche.

 

 

 

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Herbstgedanken

Mister Tremblehand

Sommerabschiedsgruß

Liebeserklärung

*Dieses Gedicht habe ich bei Rostrose und ihrer Aktion ANL verlinkt https://rostrose.blogspot.com/2018/09/anl-33-warum-bio.html

Badezimmergespräch

„Jeden Tag das selbe Drama,
wenn sie kommen in ihrem Pyjama.
Mit kleinen Augen schauen sie mich an,
blinzeln mir zu dann und wann.

Haben nur ein müdes Gähnen,
das Haar hängt herab in Strähnen.
Sie wollen zwar meine strahlende Klarheit, 
vertragen aber nicht meine Wahrheit.“

„Ach Spiegel, sei nicht traurig,
auch mein Dasein ist ganz schaurig.
Sie drücken und quetschen mich immerzu,
werfen mich in die Ecke im Nu.“

„Oh Tube, du hast noch Glück,
mich nennen sie ein dummes Stück.
Der Umgang mit mir ist nämlich schwierig,
denn ich bin ziemlich schmierig.“

„An mir bleibt alles hängen dann,
Seife, Creme ist am Handtuch dran.
Ich bin dann schmutzig und auch nass,
als wär’ auf mich kein Verlass.“

„Ihr könnt noch alle zufrieden sein,
die schwerste Arbeit ist doch mein.
Muss mich wühlen durch das krause Haar
bei der ganzen Familienschar.“

„Auch meine Arbeit ist ziemlich hart,
muss putzen die Zähne, polieren zart,
bis sie alle sind sauber und strahlend rein
bei Groß und auch Klein.“

„Halt, ich bin auch dabei!
Rasiere des Mannes Bart einwandfrei.“
„Wir sorgen für den Duft bei Mann und Frau,
sind frisch wie der Morgentau.“

„Hört endlich auf zu wetteifern,
wir müssen nicht streiten und keifern.
Mit uns allen beginnt der Mensch den Tag,
wir sind seine Helferlein im Bad.“

 

 

 

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Strandschönheiten

Schau Dir das mal an!

Darf ich mich vorstellen?!

Geschmacksveränderung

Wie heißt es denn so schön:
„Über Geschmack lässt sich streiten!“
Oder lustiger ausgedrückt:
„Die Geschmäcker der Gestecker  sind unterschiedlich.“
Streiten möchte ich mich nicht, aber trotzdem möchte ich ein bisschen über den Geschmack mit Euch plaudern.
Hierbei geht es mir nicht darum, ob das Kleid der Nachbarin gefällt oder nicht. Es geht auch nicht darum, ob Ihr einen ähnlichen Weingeschmack habt wie ich. Trotzdem beginne ich dieses Thema mit dem Wein:

Genießt man in fröhlicher Runde, im Urlaub, in einer schönen Umgebung oder Atmosphäre etc. ein Gläschen Wein, das besonders gut mundet, möchte man diesen Geschmack gerne mit nach Hause nehmen und das Geschmackserlebnis sozusagen wiederholen. Man besorgt sich ein Fläschchen des köstlichen Weins, nimmt es mit, um dieses Getränk an einem gemütlichen Abend gemeinsam mit dem Partner im Wohnzimmer zu genießen. Und siehe da:

Irgendetwas hat sich verändert. Der Wein schmeckt anders.

Gut?

Naja, eigentlich hat man schon besseren Wein getrunken.

Seltsam!?

Oder ein anderes Beispiel:

Man ist beispielsweise im Ausland und kauft sich ein Andenken. Einen traditionell verzierten Krug, ein gemaltes Bild, eine handgefertigte Decke oder ein ähnliches Mitbringsel. Manchmal hat man auch schon eine Idee, wo es im eigenen Heim einen Platz finden soll. Nur, wenn man dieses besagte Etwas dann zu Hause auspackt, ist eine sonderbare Geschmacksveränderung eingetreten:

Das Mitbringsel passt überhaupt nicht in das eigene Heim, gefällt auch nicht mehr so richtig und man fragt sich, wie und wann diese Geschmacksveränderung eingetreten ist.

Habt Ihr auch schon dieses Phänomen erlebt?

Woran mag das liegen?

Haben wir unseren Geschmack so schnell verändert?

Sind unsere Geschmacksnerven irgendwie umprogrammiert?

Warum passiert das immer wieder?

Was macht Ihr im Falle einer Geschmacksveränderung mit dem jeweiligen Mitbringsel? Entsorgen? Im Keller oder auf dem Dachboden deponieren,…?

Trifft das immer zu oder gibt es auch Ausnahmen, bei denen keine Geschmacksveränderung eintritt?

Lasst uns einfach ein bisschen darüber plaudern!

 

 

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Ausgedient

Durch die Lüfte getragen

Dumme Socke

 

Pirat Schorsch

Ich ziehe aus meiner Handtasche eine kleine Schachtel heraus und lege den Inhalt auf den Tisch. Mein Mann sitzt mir gegenüber und betrachtet neugierig die niedliche  Magnetfigur.  Es ist ein kleiner pfiffig aussehender Piratenjunge mit einer schwarzen Augenklappe, einem blauen Tuch auf dem Kopf und einem roten um den Hals. In der Hand trägt er seine Beute, einen Beutel, in dem sich wahrscheinlich die Münzen aus dem Piratenschatz befinden.

„Willst du eine Piratengeschichte schreiben?“, erkundigt sich mein Mann und dreht die Figur in seiner Hand hin und her.
„Keine Ahnung, irgendwann vielleicht. Mir hat der kleine Kerl einfach nur gefallen. Ansonsten habe ich im Grunde genommen mit Piraten nichts im Sinn. Ich habe weder ein Piratenbuch gelesen, noch kann ich mich erinnern jemals einen Film diesbezüglich gesehen zu haben“, erkläre ich meinem Peter.
„Da ist dir aber einiges entgangen. Ich zum Beispiel habe einen echten Piraten kennengelernt. Er gehörte sogar zu meiner Familie.“
„Du stammst aus einer Piratenfamilie? Das ist aber ganz was Neues“, wundere ich mich.
Ich kenne meinen Mann nun schon seit 42 Jahren und ein Pirat ist mir in seiner Familie noch nie begegnet. Irgendetwas kann hier also nicht stimmen.
„Du willst mir doch nur einen Bären aufbinden“, gebe ich ihm zu verstehen, dass ich mich nicht verulken lasse.
„Das würde ich mir niemals erlauben“, sagt er mit todernster Miene. „Ich will dir lediglich von dem Piraten Schorsch erzählen.“
„Nur zu, auch wenn du dir wahrscheinlich alles nur ausgedacht hast und mir jetzt eine Fantasiegeschichte auftischst“, ermutige ich meinen Mann zum Berichten.
„Nein, ich fantasiere nicht und dichte auch nichts hinzu. Mein Onkel Schorsch war in seinem ersten Leben ein Pirat. In seinem zweiten Leben war er dann allerdings ein angesehener und seriöser Fabrikant.“
„Dein Onkel Schorsch? Wer soll das nun wieder sein?“, frage ich vollkommen verwirrt. „Du hast 3 Onkel,- einen väterlicherseits und einen mütterlicherseits. Der dritte Onkel ist angeheiratet und gehört zur Familie deiner Mutter. Allerdings heißt keiner dieser Drei ‚Schorsch‘ und auch nicht ‚Georg’“, gebe ich mein Wissen preis.
Mir ist bekannt, dass in manchen Gegenden Deutschlands der Name ‚Georg‘ umgewandelt wird in ‚Schorsch‘. Auch wenn ich mir mein Hirn zermartere, mir ist in all den vergangenen Jahrzehnten keine Person aus der Familie meines Mannes begegnet, der einen der beiden Namen trägt.
„Onkel Schorsch hast du ja auch gar nicht gekannt. Er lebt nicht mehr und war eigentlich so etwas wie mein Großonkel. Er hat die Schwester meiner Großtante geheiratet,- Tante Elsa.“
„Aha, und der soll Pirat gewesen sein? Das glaubst du doch wohl selber nicht!“
„Und ob ich das glaube!“, verteidigt sich mein Mann. „Zumindest war ich als Kind davon felsenfest überzeugt.“
„Aha!“, sage ich nun schon zum zweiten Mal und muss mir insgeheim eingestehen, dass mich die Sache nun doch schon mehr als nur ein wenig interessiert.
„Immer wenn wir zu Besuch bei Tante Elsa und Onkel Schorsch waren, hat er mir aus seinem Leben als Pirat erzählt. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, was in diesen Geschichten so alles passiert ist, aber spannend und fesselnd waren sie auf alle Fälle.“
„Mein Mann macht eine kleine Pause, steht auf, holt sich einen Kaffeebecher aus dem Schrank und drückt auf unseren Kaffeevollautomaten, um sich einen Latte Macchiato zuzubereiten.
„Nun erzähl schon weiter! Erst fängst du an, machst mich neugierig und dann hörst du einfach auf zu erzählen!“, beschwere ich mich.
„Ach, bist du doch neugierig geworden?“, fragt Peter scheinheilig. „Na gut, ich will ja nicht so sein!“
Mein Blick wandert bei seinem Bericht immer zwischen meinem Mann und der kleinen Magnetfigur hin und her. Insgeheim stelle ich mir ihn als kleinen Jungen vor, der ein Piratenkostüm trägt und einen aus Holz geschnitzten Säbel schwingt.
„Ich war damals noch ein kleines Kind, das auch noch Mittagsschlaf halten sollte. Obwohl ich eigentlich nicht so genau weiß, ob es mein eigenes Bedürfnis nach Schlaf war oder das meines Onkels, welches uns auf das Sofa im Wohnzimmer zog. Lediglich zum Mittagsschlaf war es ihm erlaubt in der Wohnung zu schlafen. Nachts wurde er wegen seines Schnarchens zum Schlafen auf den Dachboden verbannt. Es führte keine normale Treppe nach oben, sondern es gab eine Klappe in der Decke, an der musste man mit einem langen Stab ziehen, damit sie sich öffnete. Gleichzeitig klappte man  damit eine Leiter aus. Diese musste Onkel Schorsch jeden Abend hinaufsteigen.“
„Das ist ja echt gemein. Aber einen richtige Piraten kann ja nichts erschrecken“, werfe ich ein, doch mein Mann spricht ohne auf meinen Einwurf einzugehen weiter:
„Jedenfalls lag ich dann mit ihm gemeinsam auf dem Sofa und schmiegte mich in seinen Arm. Er erzählte mir von Seeräubern, guten und bösen Piraten, wobei er natürlich immer der gute Pirat war, der auch den großen Piratenschatz fand. In der Schatzkiste befanden sich Gold und Silber und natürlich tausende von Goldmünzen. Außerdem hat er meine Tante Elsa aus den Fängen der bösen Piraten gerettet und vom Fleck weg geheiratet. Aber mehr weiß ich auch nicht mehr.“
„Dann solltest du dich mit der Materie irgendwann mal wieder auseinandersetzten, denn man weiß nie, wann dein Einsatz gefragt ist“, schlage ich vor.
„Wieso, soll ich dir zukünftig als Piraten Peter Gute-Nacht-Geschichten erzählen?“

 

 

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Karl und Pingy

Sonntagsausflug

Auch wenn dieser Sonntagsausflug letztes Jahr im August stattgefunden hat, möchte ich Euch ein paar Fotos davon zeigen. Wir waren damals zum wiederholten Male in einem kleinen Affenzoo, der nicht allzu weit von Cottbus entfernt ist. Vor geraumer Zeit hatte ich Euch schon einmal von diesem privaten Affenzoo berichtet (Im Land der Affen).

Die Kattas haben es mir angetan. Ich finde diese kleinen Kerlchen mit ihrem ca. 60 Zentimeter langen schwarz-weiß geringeltem Schwanz einfach zu niedlich.

Neugierig, wie Äffchen nun einmal sind, wurden wir aufmerksam beäugt. Es schien mir als würde er denken:

„Die muss ich mir genauer ansehen! Also nichts wie hin!“

„Hallo Kumpel, gut dass du da bist. Lass uns die Menschen da draußen ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen! Los, komm mit!“

„Warte, nicht so schnell!“

„Denen zeigen wir erst einmal wie hübsch wir sind. Vor allen unser langer schwarz- weißer Schwanz muss bewundert werden.“

„Das ist mir jetzt aber echt zu langweilig. Komm, lass uns ein bisschen spielen!“

„Oh ja, wir rangeln ein wenig!“

„Das macht richtig Spaß!“

„Jetzt hab ich aber keine Lust mehr. Ich hau ab!“

Es dauerte allerdings nicht sehr lange und die Beiden fingen wieder an zu rangeln und zu raufen.  Es hat Freude gemacht ihnen zuzusehen.

Ganz sicher war das nicht unser letzter Besuch im Affenzoo in Jocksdorf.

 

 

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Peinlich, peinlich

Meine Mutter und die Zugspitze

 

Fundstück aus vergangenen Zeiten

Wenn ich bei meiner Mutter zu Besuch bin, dann stöbere ich gerne in meinem Jugendzimmer, in dem meine Mutter nicht viel verändert hat. So passiert es, dass ich Dinge finde, die für mich einen Erinnerungswert haben und schöne Andenken sind. 

Auch am vergangenen Wochenende habe ich meine Mutter besucht und Erinnerungen waren ebenfalls wieder mit von der Partie. Dieses Mal fiel mir ein Geschenk von meiner längst verstorbenen Tante in die Hände. Wie es dazu kam, erzähle ich Euch jetzt:

 

Da der Zwetschgenbaum im Garten meiner Mutter über und über voll war mit reifen Früchten, machte ich mich an die Ernte: 

Bäumchen rüttel dich, Bäumchen schüttel dich,

fällt herab ein Pfläumchen für mich.

Erst eins, dann zwei, dann drei und noch viele mehr,

bis mein Eimer ist voll und schwer.

Eigentlich musste ich nicht schütteln und rütteln. Die Äste hingen voll und waren dadurch enorm schwer, so dass sie sich bis zum Boden hinab neigten. Ohne Mühe und ohne Leiter konnte ich die Zwetschgen ernten und die Eimer befüllen. 

Bring sie nach Haus, esse sie einfach auf,

wenn ich hab Appetit darauf.

Backe Kuchen, den einen, dann noch den zweiten,

versinke in Gedanken in alten Zeiten.

Bald schon war uns klar, dass wir diese Unmengen an Zwetschen nicht verwerten konnten. Egal ob Mus oder Kuchen, zuviel des Guten ist einfach zuviel. Also überlegten wir, wer aus der Nachbarschaft und Bekanntschaft wohl noch Zwetschgen haben möchte.

Obwohl inzwischen viele Eimer abgeerntet sind, werden wohl noch einige Früchte für die Vögel übrig sein. 

Bevor wir uns mit Zwetschgen im Gepäck wieder auf den Heimweg machten, fiel mir etwas ein. Also rannte ich sogleich in mein ehemaliges Jugendzimmer und fand auch sofort, wonach ich suchte.

Zwetschgenmann klein, Zwetschgenmann fein,

bist schon so lange mein.

Mit Zwetschgen, Korken und auch noch der Nuss,

bist du ziemlich gut in Schuss.

Nachdem ich diesen Zwetschgenmann ein wenig vom Staub befreit hatte, erstrahlte er wieder wie neu. 

Deine Augen so groß, Deine Augen so rund,

dazu Nase und roter Mund.

Weiße Haare, schwarzer Zylinder, die Laterne in der Hand, 

bist du bekannt im ganzen Land.

Damals wie heute freue ich mich über diesen schönen Zwetschgenmann. 

Bäumchen rüttel dich, Bäumchen schüttel dich,

fällt herab ein Pfläumchen für mich.

Erst eins, dann zwei, dann drei und noch viele mehr,

Zwetschgenmann, erfreust mich sehr.

 

 

 

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Das Wiedersehen

Scherben

Filmreif

Oma Lena und ihre Schatztruhe

Magdalena sitzt in ihrem Lieblingssessel, die Hände im Schoß gefaltet und die Augen geschlossen. Ihr faltiges Gesicht zeugt von einem gelebten Leben, aber auch von einer inneren Zufriedenheit. Sie hält ein kleines Mittagsschläfchen, was ihr in ihrem hohen Alter von Herzen gegönnt sei. In wenigen Wochen wird sich ihr Geburtstag zum 103. mal jähren. 

Sie war in den Wirren des Ersten Weltkrieges geboren und hatte ihre Eltern gleich zu Beginn des zweiten Weltkriegs verloren. Drei Jahre später fand sie ihr großes Glück, doch auch Edgar musste sie vor mehr als einem Jahrzehnt zu Grabe tragen. Mit ihm war sie in inniger Liebe verbunden. Drei Kindern schenkte sie das Leben, einem Jungen und zwei Mädchen. 
„Ich bin schon eine ganz schön alte Schachtel“, pflegt sie zu sagen, wenn man sie auf ihr Alter anspricht. Ihre Stimme klingt kein bisschen zittrig, sondern fest und klar wie bei einer Achtzigjährigen. Inzwischen ist sie allerdings schon mehrfache Oma und stolze Urgroßmutter von einem Zwillingspärchen. Alle nennen sie einfach nur „Oma Lena“ und lieben sie abgöttisch.
Während des zweiten Weltkrieges fand sie nicht nur ihren Edgar, sondern mit ihm auch noch eine liebe Freundin. Luisa war die Schwester ihres Mannes  und damit ihre Schwägerin, aber vor allen Dingen ihre beste Freundin. Einige Jahre durften sie miteinander verbringen, dann heiratete diese und zog in eine andere Stadt, weit weg von Magdalena. Beide hielten den Kontakt durch Briefe, doch eines Tages erhielt Magdalena eine traurigen Nachricht von Luisas Mann. Sie war bei der Geburt ihres ersten Kindes verstorben. Da Luisas Gatte die Briefe von Magdalena fein säuberlich in einem Kästchen gefunden hatte, ließ er diese seiner Schreiberin wieder zukommen. Diese bewahrte sie bis zum heutigen Tag auf. Und noch mehr: Magdalena hatte nie aufgehört Luisa zu schreiben und von ihrem Leben zu berichten. Es gab Zeiten, da schrieb sie jeden Tag, dann Monate keine einzige Zeile, um dann wieder einen langen und ausführlichen Bericht folgen zu lassen. Erst mit 95 Jahren, als ihre Hände zittriger wurden und die Augen müder, beendete Magdalena ihre Schreiben an ihre liebe längst verstorbene Freundin. Magdalena hatte alle Briefe eines Jahres fein säuberlich mit einem farbigen Band gebündelt und ein Zettelchen mit der Jahreszahl angeheftet. Die Stapel wurden mit der Zeit kleiner und zum Schluss waren es nur noch zwei oder drei Briefe pro Jahr. Danach begann sie die unzähligen Briefe zu lesen oder später dann sich vorlesen zu lassen,- bis heute. 
Mit diesen Briefen zieht ihr ganzes Leben wieder an ihr vorbei, sie durchlebt alle Höhen und Tiefen, jede Freude, aber auch jeden Kummer noch einmal. Sorgsam aufbewahrt hütet sie diese Briefe wie einen kostbaren Schatz in einer kleinen Schatztruhe.
Auch heute darf eine kleine Lesestunde nicht fehlen. 
„Bitte Klara“, fordert sie ihre Urenkelin auf, „lies mir ein bisschen vor.“
Klara, die bereits in die dritte Klasse geht, nimmt einen Stapel aus der Truhe und öffnet die lila Schleife mit deren Band das Bündel zusammengehalten ist.  Das kleine Zettelchen mit der Jahreszahl trägt die Aufschrift „1993“.
„Da haben mein Edgar und ich goldene Hochzeit gefeiert“, erinnert sie sich und ein Strahlen erhellt ihr Gesicht. 
„Lies nur, mein Kind! Es wird dir gefallen!“, ermutigt Oma Lena ihre Urenkeltochter Klara.

„Meine liebe Luisa,

lange habe ich keinen Brief mehr an Dich geschrieben, weiß ich doch, dass Du von dort, wo Du bist, über mich und meine Familie wachst. Die Ereignisse besonders der letzten Tage möchte ich aber unbedingt mit Dir teilen. Du wirst Dich sicher sehr darüber freuen.
Edgar und ich sind nun schon seit 50 Jahren glücklich verheiratet. Dachte ich doch damals kurz nach der Hochzeit, dass unsere Ehe unter einem schlechten Stern stehen würde. Du erinnerst Dich, ich habe ein paar Wochen nach unserer Vermählung bei Gartenarbeiten meinen Ehering verloren. Alle haben wir gebuddelt und gesucht, aber der Ehering blieb spurlos verschwunden. 
Edgar hat sich das Geld vom Mund abgespart und mir dann zu unserem zweiten Hochzeitstag einen neuen Ring gekauft, den ich noch heute mit Stolz an meinem rechten Ringfinger trage.
Doch stell Dir vor, was am Tag unserer Goldenen Hochzeit passiert ist: 
Die Schwiegertochter meines Sohnes, Du weißt er lebt mit seiner Familie in unserem Haus, hat die Gartenarbeit als ihr Hobby auserkoren. Anna, so heißt sie, brauchte ein paar Karotten, denn sie wollte die Platten mit dem Schnittchen besonders schön dekorieren, also ging sie in den Garten. Edgar und ich saßen gerade auf unserem gemütlichen Balkon, als ein Schrei aus dem Garten kam. Und gleich darauf hörten wir jemand die Treppe zu unserer Wohnung hinauf  spurten. Sekunden später klopfte es heftig an unsere Wohnungstür. Als wir öffneten stand  Anna davor und hielt uns eine Karotte hin. 
„Schaut nur!“ rief sie aus und deutete auf  eine Stelle an der Karotte, die seltsam verdickt schien.
Nun, die Karotte war kein besonderes Prachtexemplar, aber sie versetzte uns in ein Staunen, das zunächst seinen Ausdruck in Sprachlosigkeit fand und dann in Tränen  endete. Nein, es waren keine Tränen der Trauer, es waren Tränen der Freude. 
Vielleicht ahnst Du schon, was ich Dir erzählen möchte: 
Eingewachsen in die Karotte, glitzerte mein Ehering und strahlte uns entgegen. Naja, so sehr gestrahlt hat er zunächst nicht, aber Edgar brachte ihn noch am selben Morgen zum Juwelier und hat ihn tüchtig polieren lassen. Und am Nachmittag im Gottesdienst zu Ehren unserer Goldenen Hochzeit hat er ihn mir an den Ringfinger meiner linken Hand gesteckt.
Ist das nicht schön?!!! Ich bin überglücklich und könnte die ganze Welt umarmen, doch besonders meinen Edgar.“
Wärst Du jetzt bei mir, so würde ich auch Dich fest in die Arme schließen.

Deine stets in tiefer Zuneigung verbundene Freundin

Magdalena

Als Klara von dem Brief aufblickt, sieht sie wie ihrer Oma ein paar Tränen über das Gesicht kullern.
„Du weinst ja“, sagt sie erschrocken. „Das war doch sooo eine schöne Geschichte!“
„Das ist keine Geschichte,- das ist mein Leben. Und die Tränen sind Freudentränen, aber auch Tränen der Trauer um meinen geliebte Edgar und meine beste Freundin Luisa.“
„Soll ich Dir etwas bringen?“, fragt Klara, die möchte, dass Oma Lena wieder strahlt.
„Ja! Gib mir bitte das letzte Bündel Briefe.“
„Es ist nur noch ein Einziger da!“, erwidert Klara und hält ihn hoch.
„Gib mir bitte diesen Brief und dann kannst du mich ruhig alleine lassen und spielen gehen. Ich lese den letzten Brief selbst. Bestimmt warten deine Spielkameraden schon auf dich.“
Als Anna eine Stunde später das Abendessen nach oben bringt, findet sie Oma Lena in ihrem Lehnsessel und den letzten Brief in der Hand haltend. 
Bevor sie friedlich für immer eingeschlafen ist, hat sie mit zittriger Schrift noch einen letzten Satz unter die Zeilen des Briefes geschrieben:

Luisa und Edgar waren meine Schutzengel, nun folge ich ihnen und wir wachen gemeinsam über Euch, meine geliebte Familie.

In Liebe 

Oma Lena

 

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Unser zweites Kennenlernen

Danke für den Hinweis!

Im Leben erhält man viele Hinweise. Manche sind brauchbar, andere eher weniger. Mir sind einige davon in meiner Fotosammlung begegnet, die ich Euch heute mal zeigen möchte.

Man fragt ja immer:

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Unser Sohn hatte in seiner Studentenbude eine originelle Uhr an der Wand hängen und diese gab an, dass „JETZT“ genau der richtige Zeitpunkt ist, denn das Leben findet im Hier und Jetzt statt.

Einen etwas anderen Zeitmesser habe ich in einer hessischen Gastwirtschaft entdeckt, die den Hinweis gibt, dass manchmal alles verkehrt läuft. Also sollte man besser aufpassen und immer genau hinsehen. Dann klappt das schon.

Dort fand ich auch den gut gemeinten Rat, nicht über sich selbst zu reden, ….

Jedes Kind weiß ja, dass man im Straßenverkehr gut aufpassen und an einer roten Ampel stehen bleiben muss. Das gilt selbstverständlich für Autofahrer ebenso wie für Füßganger und Radfahrer. Aber muss man deshalb gleich bei Rot auf seinem Fahrrad balancieren? 😉

In manchen Gegenden ist es sogar erwünscht bei Grün nur mit einem aufgespannten Schirm die Straße am Fußgängerüberweg zu überqueren.

Glück gehabt!!! An diesem wunderschönen Sonnentag hatte ich sogar einen Schirm dabei. 😉

Geregnet hat es jedoch an diesem Tag, der allerdings schon ein paar Jährchen her ist und an dem ich dieses nette Schild entdeckte.

Für alle, die nicht Hessisch verstehen, übersetze ich gerne. Hier steht:

„Wir haben auf!“

Am letzten Wochenende las ich auf dem „Quark und Leinöl Festival“ in Burg im Spreewald einen Hinweis, der wirklich gut gemeint ist und den wir beherzigen sollten. Wenn die Sonne vom Himmel strahlt, denkt niemand an den Winter. Doch eines ist gewiss: Der Winter kommt schneller als wir denken:

„Denkt an den Winter – Schöne warme Tücher“

Wenn man so unterwegs ist, weiß man es zu schätzen, wenn man einen Hinweis erhält, der auf ein bestimmtes Örtchen aufmerksam macht.

Während das eine Schild über alle Grenzen hinweg gut verständlich ist,

setzt das andere mehr auf Originalität.

Bei dem Schild, das ich an einem thailändischen Strand entdeckte, war ich jedoch leicht irritiert.

Wenn sich dann der große Hunger einstellt und der Blick auf folgenden Schriftzug fällt, *

kann man nur noch sagen:

„Danke für den Hinweis!“

 

 

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*Leider kann ich michnicht mehr erinnern, wo ich dieses Foto gemacht habe.

 

Absicht oder Unachtsamkeit?

In meiner Jugend habe ich es bei meiner Großtante festgestellt, bei der Großtante meines Mannes und auch noch bei anderen Personen. Schnell war man dann einer ganz bestimmten Meinung und diese tendierte dahin, dass man glaubte, derjenige habe es mit Absicht gemacht.

Doch heute, Jahre, sogar Jahrzehnte später habe ich plötzlich eine ganz andere Ansicht. Wieso das denn? Naja, man kann ja seine Meinung gegenüber gewissen Gegebenheiten ändern. Vielleicht, weil die Sicht der Dinge eine andere geworden ist. Aber auch, weil man plötzlich ähnliche Situationen erlebt hat. Nein, das ist nicht ganz korrekt ausgedrückt. Ich meine natürlich, weil man selbst auf einmal derjenige ist, welcher…
Erst neulich ist es mir passiert. Wir waren in Lübeck. Diese Stadt zu besuchen und ohne das köstliche Marzipan gekostet zu haben, wieder wegzufahren, geht gar nicht. Lübeck und Marzipan gehören einfach zusammen. Die Lieben zu Hause freuen sich dann natürlich auch über ein Mitbringsel und was wäre besser geeignet als eine Schachtel dieser Köstlichkeiten.
„Schaut mal, was wir euch mitgebracht haben“, sage ich zu der Freundin unseres Sohnes und reiche ihr die Schachtel.
„Oh, lecker!“, meint sie erfreut, „da sind ja sogar verschiedene Sorten drin.“
Da die Aufzählung dieser unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auf der Rückseite der Schachtel benannt ist, dreht sie diese automatisch um. 
Ja, was soll ich sagen? Genau in diesem Moment sehe ich es. Ein kleines Schildchen.
„Oh,oh!“, rufe ich peinlich berührt aus und nehme ihr die Schachtel wieder weg. 
„Da habe ich wohl etwas vergessen!“, erkläre ich ihr und versuche das kleine Preisschildchen zu entfernen. „Na hoffentlich ist mir das bei unseren Nachbarn nicht auch passiert. Ihnen haben wir nämlich ebenfalls eine Packung mitgebracht.“
„Jetzt ist es also auch bei mir schon soweit“, denke ich und mir fallen die Mitbringsel und Geschenke ein, die man früher von diversen älteren Verwandten und Bekannten bekam. „Ich vergesse nachzusehen, ob irgendwo ein Preisschild klebt und entferne es demzufolge nicht.“
Inzwischen denke ich, dass dies jedem passieren kann und bestimmt auch schon passiert ist. Unachtsamkeit, Eile, Gedankenlosigkeit, es gibt bestimmt viele Gründe. 
Aber zwei Gründe treffen bei mir nicht zu: Ich bin weder „vertüdelt“, wie man bei uns so schön sagt, noch handelt es sich um Absicht. 
„Eigentlich muss mir das doch überhaupt nicht peinlich sein“, so überlege ich.
Jedermann weiß, dass man das Mitbringsel gekauft hat und das hat nun mal seinen Preis. Nur welchen Preis, das will man nicht unbedingt kundtun, denn es geht um die Geste des Schenkens und nicht um den Preis. 

Kennt Ihr ebenfalls solche Situationen und ist es Euch selbst schon passiert? Wie denkt Ihr darüber? Warum ist das eigentlich eine peinliche Situation?

Lasst uns ein bisschen darüber plaudern!

 

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