Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten
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Inspiration

Der Winter ist noch nicht ganz vorbei, doch an diesem Samstag zeigt er sich sehr mild und schon fast ein wenig frühlingshaft. Der Himmel verfärbt sich schon am Morgen zu einem zarten Blau und lässt erahnen, dass es ein herrlicher Tag werden wird. Frau Konfusi steht vor dem Garderobenspiegel und kämmt sich ihre Haare.
Ich muss noch einmal schnell zum Supermarkt, um noch etwas für das Mittagessen einzukaufen“, sagt sie zu ihrem Mann. „Hast du nicht Lust mitzukommen?“
„Das ist keine schlechte Idee, ich brauche nämlich noch ein paar Ösenhefter, um in meine Unterlagen Ordnung zu bringen“, erklärt Professor Konfusi.
„Was hältst du davon, wenn wir den Einkauf mit einem kleinen Spaziergang verbinden und das Auto zu Hause lassen?“, fragt jetzt Frau Konfusi ihren Mann.
„Das machen wir. Allerdings unter einer Bedingung: Es wird kein Großeinkauf, bei dem ich den Packesel spielen muss.“
„Auf so eine Idee würde ich doch nie kommen“, zwinkert Frau Konfusi ihrem Gatten zu.
Eine dreiviertel Stunde später stehen sie bereits an der Supermarktkasse. Hinter ihnen stellt sich ein ihnen unbekannter Herr an, mit dem sie zufällig ins Gespräch kommen. Wenn man so in der Schlange steht und wartet, schweifen schon einmal die Blicke umher und so fällt Frau Konfusis Blick auf die Einkäufe, die der Unbekannte auf das Band legt.
„Oh, sie haben es ja gut vor!“, lächelt sie den Mann freundlich an. „Das ist bestimmt der Wochenvorrat.“
Ein bisschen wundert sie sich schon über die Art des Einkaufes, aber die Antwort des Herrn erklärt einiges.
„Das ist für die Kinder“, meint er achselzuckend.
„So viele?!“, fragen Frau Konfusi und ihr Mann überrascht wie aus einem Munde.
„Ja, 7!“, lautet die Antwort des Herrn.
„Oh, so viele Kinder!“ Frau Konfusi kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Nein, nein! Das hier sind 7 Päckchen mit jeweils 2 Hot dogs“, sagt der Mann und deutet auf die Waren auf dem Fließband. „Kinder haben wir nur zwei“, wird das Missverständnis aufgeklärt.
„Guten Tag! Haben Sie alles gefunden und waren Sie mit Ihrem Einkauf zufrieden?“, mischt sich nun die Kassiererin ein und zieht auch schon die Waren über den Scanner. Jetzt bleibt keine Zeit mehr für Smalltalk.
Als sie bezahlt und alles in den beiden Einkaufstaschen verstaut haben, werfen Herr und Frau Konfusi dem Unbekannten noch schnell einen freundlichen Gruß zu und gehen dem Ausgang entgegen. Als sie dann den Parkplatz überqueren, stoppt ein Auto direkt neben ihnen. Der Beifahrer kurbelt das Fenster herunter und sie erkennen Marco und dessen Vater im Inneren des Wagens.
„Möchten Sie mit nach Hause fahren?“, werden sie gefragt.
„Oh, dankeschön, das nehmen wir gerne an, denn unser Einkauf ist doch etwas größer ausgefallen als geplant“, freut sich Frau Konfusi und setzt sich schon auf die Rückbank.
Professor Konfusi jedoch reicht ihr lediglich die Taschen, bleibt dann aber wie angewurzelt stehen.
„Fahr schon einmal nach Hause, ich komme dann nach“, gibt er seiner Frau zu verstehen. „Ich hatte gerade eine Inspiration und muss nur schnell noch etwas erledigen.“
„Denk daran, dass Oma Schmidt heute zum Mittagessen zu uns kommt. Sie ist es gewohnt immer pünktlich um halb eins zu essen!“, ermahnt diese nun ihren Gatten. Inspirationen ist sie als Frau eines Professors schon gewohnt. Da sie nicht ahnt, in welche Richtung die angedeutete Inspiration geht, ordnet sie diese dem Feld der Wissenschaft zu und fragt nicht nach.
„Ich kümmere mich heute um das Mittagessen. Warte bitte bis ich da bin, ich bin pünktlich!“, ruft Professor Konfusi noch und setzt sich auch schon in Richtung Stadtmitte in Bewegung. Ihm ist da nämlich gerade etwas eingefallen, was in Verbindung mit seiner Inspiration steht.
Inzwischen ist es schon fünfzehn Minuten nach zwölf Uhr und Frau Konfusi wird leicht nervös, weil ihr Mann immer noch nicht zurück ist. Eigentlich beginnt sie sich schon fast zu ärgern, denn sie hat sich auf das Versprechen ihres Mannes verlassen, dass er sich um das Mittagessen kümmern will. Gerade überlegt sie, ob sie die restliche Gemüsesuppe von gestern aufwärmen soll, damit Oma Schmidt ihr Mittagessen pünktlich bekommt, als es an der Tür klingelt. Davor stehen Oma Schmidt und ihr Mann.
„Hast du schon den Tisch gedeckt?“, fragt Professor Konfusi und überreicht seiner Frau einen hübschen Frühlingsstrauss bestehend aus Tulpen und Narzissen.
„Die können wir aber nicht essen“, denkt Frau Konfusi und sieht ihren Mann nur schweigsam und fragend an, der an ihr vorbei geradewegs zum Esszimmertisch marschiert. Da Frau Konfusi vorsichtshalber schon mit den Suppentellern gedeckt hat, tauscht ihr Gatte nun diese durch flache Teller aus. Oma Schmidt hat sich bereits auf ihrem angestammten Platz niedergelassen und wundert sich über dieses seltsame Schauspiel. Allerdings wundert sie sich noch mehr als Professor Konfusi drei Alupäckchen nacheinander auspackt und den Inhalt auf den Tellern verteilt.
„Kann man das essen? So etwas gab es ja noch nie!“, will die alte Dame wissen.
Frau Konfusi schüttelt nur den Kopf und meint entsetzt und amüsiert zugleich:
„Du hast dich wohl durch den Herrn an der Kasse inspirieren lassen!“
„Genau“, pflichtet Professor Konfusi seiner Frau bei und berichtet weiter. „Bei uns in der Stadt hat doch ein ‚Diner‘ eröffnet und da bin ich mal eben schnell hin gelaufen und hab das besorgt.“
„Was soll das eigentlich sein? Ich will mich ja nicht vergiften!“ Oma Schmidt ist nun total verwirrt, denn mit ihren fast 9 Jahrzehnten ist ihr ein solch seltsames Essen noch nie auf den Tisch gekommen.
„Hot dogs!“, klärt nun Professor Konfusi auf.
Oma Schmidt versteht die Welt nicht mehr.
„Und sie sind im Tierschutzverein, Professor Konfusi?! Heiße Hunde zum Mittagessen?“, fragt sie entsetzt und schiebt den Teller weg.
„Gibt es nicht noch ein bisschen Gemüsesuppe von gestern?“

 

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11 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    gegen diese „Hot Dogs“ hätte selbst der Tierschutzverein nichts einzuwenden. 🙂
    Liebe Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Mir persönlich wäre es egal, wenn der Tierschutzverein deshalb auf die Barrikaden gehen würde. 🙂 Ich habe nämlich noch nie einen „Hot Dog“ gegessen und habe auch keinerlei Appetit darauf.
      LG
      Astrid

  2. Du wirst es nicht glauben, aber hin und wieder kommen auch bei uns heiße Hunde auf den Tisch – gerade am vergangenen Freitag. Übrigens zur groooßen Freude unserer Enkel! Wie gut, dass für die Oma noch Gemüsesuppe da war!!! 🙂 – LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Ich glaube, ich wäre bei Herrn und Frau Konfusi an diesem Tag verhungert. Ich mag nämlich keine „Hot Dogs“ (im Gegensatz zu meinem Mann). Und Gemüsesuppe ist auch nicht gerade mein Lieblingsessen 😉 .
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      ich musste jetzt ebenfalls ein wenig schmunzeln, denn Dein Computer schreibt immer „Herr Konfusion“ anstelle von „Herr Konfusi“. Immer wenn ich eine Geschichte von Professor Konfusi schreibe, dann versucht mein Laptop ebenfalls den Namen derartig abzuändern. 🙂
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  3. Liebe Astrid,
    ich habe laut gelacht. Herrlich diese Geschichte.
    Ich muss allerdings getehen, dass ich Hot Dogs
    noch nie gegessen habe. Aber probieren geht über
    studieren.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Irmi,
      da können wir uns die Hand reichen, denn ich habe auch noch niemals „Hot Dogs“ gegessen und verspüre auch keinerlei Lust darauf. Mein Mann kauft sich allerdings ab und zu mal einen „Hot Dog“ und ist begeistert. Naja! 🙂
      LG
      Astrid

  4. Ohje, liebe Astrid, die arme Oma Schmidt – „Und sie sind im Tierschutzverein“!?!?!?! :-))) Na, ich hoffe, das Missverständnis ließ sich aufklären – oder es war zumindest noch genug Suppe da 😉
    Ich frage mich allerdings: Vierzehn Hot Dogs für zwei Kinder? Ich hoffe, die armen Kleinen kriegen ab und zu auch noch was Anderes zu essen – Gemüsesuppe beispielsweise … 😉
    Liebste Rostrosengrüße von der Traude
    https://rostrose.blogspot.co.at/2017/02/namibia-teil-8-camp-kipwe-und-die.html

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      Du wirst es nicht glauben, aber wir standen neulich tatsächlich vor einem Kunden an der Kasse, der diese 14 Hot Dogs für seine zwei Kinder auf das Band legte. Dies gab mir dann auch die Idee für meine Professor-Konfusi-Geschichte. 🙂
      Ich schicke Dir herzliche Grüße
      Astrid

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