Erdachtes & Erzähltes, Kurzgeschichten
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Ein seltsames Wesen

Schuld an dem heutigen Beitrag ist ein Wurm. Im Grunde genommen sogar mehrere Würmer. Der eine lag dieses Jahr im Frühling am Strand von Sizilien und kam mir wieder in Erinnerung, als ich einen Artikel über den Ohrwurm las. Diese beiden Würmer ließen mich nicht mehr zur Ruhe kommen, denn es fielen mir plötzlich viele Redewendungen, Vergleiche und Sprüche mit anderen Tieren, Pflanzen, Gegenständen usw. ein, die ich mir bildlich vorstellte. Alles miteinander kombiniert, entstand in meinem Kopf ein seltsam anmutendes Wesen.  

Ich möchte Euch also wieder einmal aufzeigen, wie faszinierend unsere Muttersprache mit ihren bildlichen Formulierungen sein kann. Die Sprüche, die mir so plötzlich im Kopf herum spukten, beziehen sich unter anderem auf Körperteile, das menschliche Aussehen, Verhaltensweisen, auf Charaktereigenschaften und Wesenszüge des Menschen.
Das Bild eines Menschen erscheint also vor meinem geistigen Auge. Dieser Mensch mutet schon etwas sonderlich und seltsam an und ist auf jeden Fall beschreibenswert. Man sollte vielleicht eine Karikatur von ihm anfertigen, denn er ist sicherlich lustig anzusehen. Also passt mal auf und sagt mir, ob ihr einen solchen Typen schon mal getroffen habt.
Wo soll man am besten mit der Beschreibung seines Aussehens anfangen?  Ich scanne ihn sozusagen von oben nach unten ab und beginne einfach mit seinem Kopf. Stellt ihn Euch bitte ebenfalls bildlich vor:
Seinen Kopf zieren zunächst einmal die berühmten Schnittlauchlocken. Er ist zwar selbst nicht zufrieden mit dieser Frisur, aber Haare wie Sauerkraut wären auch keine Alternative für ihn.
Da er vor geraumer Zeit ein Brett vor den Kopf bekommen hat, ist sein leichter Dachschaden schon auf den ersten Blick und weithin sichtbar. Unter anderem ist dieser auch an der Schraube zu erkennen, die bei ihm locker ist. Möglicherweise liegt es auch an dem Sand in seinem Getriebe, aber darüber möchte ich mich nicht weiter äußern.

Unter vorgehaltener Hand kann ich Euch allerdings verraten, dass er ziemlich viele Motten im Kopf hat, die sich unter anderem in seiner saloppen Kleidung widerspiegeln.
Neben dem berühmten Ohrwurm, lässt er sich immer wieder von irgendwelchen Mitmenschen im Handumdrehen einen Floh ins Ohr setzen.

Ich kann nur sagen, was irgendwo hinein kommt, muss auch irgendwo wieder heraus kommen. Folglich muss man ihm hin und wieder auch mal die Würmer aus der Nase ziehen, wodurch er schon einen außerordentlich großen Riechkolben mitten in seinem Gesicht besitzt. Auf diesem thront zu allem Überfluss auch noch ein besonders hässliches Nasenfahrrad.
Als wäre er damit nicht schon genug gestraft, hat er auch noch einen Dorn im Auge. Möglicherweise rührt er daher, weil irgendjemand oder irgendetwas sehr ärgerlich oder gar unerträglich für ihn ist, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern und damit muss er leben.
Betrachtet man seinen zwar wohlgeformten Mund, so ist man sichtlich geschockt, dass er Franzen am Mund trägt. Nein, das ist keine Krankheit. Sie sind ihm einfach so vom vielen Sprechen gewachsen. Er redet sich aber auch manchmal den Mund fusselig, um beispielsweise den Gesprächspartner von seiner Meinung zu überzeugen. Durch das viele Reden hat er außerdem noch einen Frosch im Hals, was ihn zum ständigen Räuspern veranlasst und den Frosch zu einem Dauergast macht.
Die Haare auf seinen Zähnen verdeutlichen, so wie er meint, seine Männlichkeit, beziehungsweise wie robust und hart im Nehmen er ist.
Doch im Grunde genommen ist er ein netter Mensch, der auch schon mal sein Herz auf der Zunge trägt.
Eine seiner guten Eigenschaften ist die Tatsache, dass er immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen hat. Sie nutzen dies nicht selten aus und haben ihm schon mit ihren vielen Fragen Löcher in den Bauch gefragt.

Er ist immer hilfsbereit und hat im Zuge seiner Hilfsbereitschaft schon oftmals die Beine in die Hand genommen. Zum Schluss hat er sich sogar ein Bein für diese Menschen ausgerissen. Sie hängen dann an seinen Lippen und nehmen letztendlich seine Ratschläge dankbar an. Hin und wieder hat ihm sogar einer der Hilfesuchenden aus Dankbarkeit die Arme um den Hals geworfen, was für ihn mehr wert ist als alles Geld der Welt.
Eigentlich könnte er aber von diesem Mammon etwas gebrauchen, denn er lebt keineswegs auf großem Fuß.
Seine Hände hingegen sind groß, wobei er allerdings zwei linke Hände aufweisen kann. Als sollte er hierfür entschädigt werden, hat ihm der liebe Gott einen grünen Daumen geschenkt.
Er liebt die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren. Vor wilden Tieren fürchtet er sich nicht, zumindest nicht, wenn diese hinter Gittern eingesperrt sind. Erblickt er allerdings eine Spinne und sei sie noch so klein, dann bekommt er Pudding in den Knien und sein Herz rutscht ihm in die Hose. Hat er seine Begegnung mit einer Spinne logischerweise unbeschadet überstanden, so fällt ihm hinterher ein Stein vom Herzen.
Hand aufs Herz: Irgendwie ist der Typ trotz seines merkwürdigen Aussehens doch sympathisch. Ihr mögt ihn doch sicherlich auch!? Aber macht Euch keine allzu großen Hoffnungen, denn eine Dame hat ihm bereits den Kopf verdreht. Er ist bis über beide Ohren verliebt, hat Schmetterlinge im Bauch und schwebt auf Wolke sieben.

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17 Kommentare

  1. Liebe Astrid, dieses Wesen das du beschreibst, Mensch kann ich nicht sagen, mag sehr sympathisch sein. Trotzdem, ich habe mir vorgestellt wie es aussieht und bin nicht aus dem Lachen herausgekommen. :-))
    Deine Geschichte finde ich wunderbar, danke für die Redewendungen, die du sehr gut verarbeitet hast.
    Einen schönen Tag wünsche ich dir und sende liebe Grüße. Herzlichst Margot.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Margot,
      ich freue mich, dass ich Dir heute das Lachen schenken durfte.
      Als ich den Beitrag verfasst habe, bedauerte ich niemand zu kennen, der daraus eine Karikatur hätte zeichnen können. Diese wäre sicherlich lustig anzusehen.
      LG und einen hoffentlich nicht verregneten Freitag
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Bärbel für Dein tolles Lob. Es bringt Sonnenschein in diesen trüben Herbstag.
      Ich wünsche Dir einen schönen Freitagnachmittag, der hoffentlich ohne Regen bleiben wird.
      LG
      Astrid

  2. Martina sagt

    Grandios, liebe Astrid! Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Es ist wirklich ganz erstaunlich, welche Redewendungen es so gibt und oft steckt ein wahrer Kern darin! 🙂
    LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Danke, Martina für Dein Lob!
      Ich weiß auch nicht warum,- aber auf einmal war die Idee da und hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe mir dann sogar einen Zettel und einen Stift auf das Nachtschränkchen gelegt und die einzelnen bildlichen Formulierungen notiert. Ich muss nächtliche Einfälle immer sofort festhalten, sonst kann ich nicht schlafen.
      LG
      Astrid

  3. Hallo Astrid, was haben wir doch eine wunderschöne Sprache. Redewendungen sind etwas wunderbares. Aber Ausländer haben ihre Schwierigkeiten damit und verstehen leider nur Bahnhof, lach . Liebe GrüßeEva

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Eva,
      leider haben auch viele Muttersprachler so ihre Schwierigkeiten mit unserer Sprache.
      Ich denke, jede Sprache hat ihre Feinheiten und Redewendungen, mit denen man andere verwirren kann. Deshalb sollte man solche Sprachspielchen immer nur mit den Mitmenschen betreiben, die hierbei auch mithalten können und auch mitspielen können. Erst dann macht das Spiel mit der Sprache so richtig Freude.
      Liebe Grüße zur Nacht
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Ich freue mich, dass ich Dir das Lachen schenken konnte. Lachen tut gut und ist gesund.
      Ich wünsche dir eine angenehme Nachtruhe
      Astrid

  4. Liebe Astrid, herzlichen Sonntagsgruß.
    Du beschreibst uns einen netten Zeitgenossen, der sich auch nicht um Kopf und Kragen redet und keine zwei linke Hände hat.
    Eine schöne Idee, um viele sprichwörtliche Redensarten, eine Geschichte herum auszudenken.
    Alles Gute, tschüssi Brigitte

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Brigitte für die Grüße und Deinen netten Kommentar. Es hat Spaß gemacht mit den bildlichen Formulierungen zu jonglieren.
      LG
      Astrid

  5. Hallo Astrid,

    ich bin immer wieder erstaunt darüber, was Dir alles so einfällt 🙂
    Und nun muss ich über viele Redewendungen nachdenken, da fällt mir erst auf wie oft solche Worte in Gebrauch sind und hoffentlich auch noch lange bleiben 🙂

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      ich finde es auch schön, dass unsere Sprache so reich an Redewendungen und bildlichen Formulierungen ist. Sprache ist ein Instrument unserer Kommunikation und ihr Gebrauch sollte auch Spaß machen. Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen von diesem Spaß mit meinem Beitrag vermitteln.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, Klaus. Ich freue mich, wenn Dir meine Beiträge gefallen und wünsche Dir ebenfalls eine gute Woche.
      LG
      Astrid

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