Kurzgeschichten
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Jetzt ärgere ich mich aber…

Mit meiner Mutter war ich irgendwann Anfang des Jahres in einem Hörakustiker- und Optikergeschäft. Dort entdeckte ich ein Brillenetui.
„Schau mal!“, sagte ich zu meiner Mutter. „Das ist echt chic. Das gefällt mir!“
„Ja, ein wirklich elegantes Teil“, bestätigte auch meine Mutter.
Nachdem ich es nach allen Seiten gedreht und gewendet hatte, erstand ich es und freute mich sehr darüber. Es war von der Außenseite mit  schwarzem Kunstleder überzogen, das wie Schlangenleder wirkte. Die Innenseite war mit Samt ausgefüttert.
Leider ist Chic nicht immer mit guter Verarbeitung verbunden, denn schon nach geraumer Zeit ging es entzwei. Ich muss allerdings alle Schuld von mir weisen, denn ich habe es sicherlich pfleglich behandelt. Trotzdem löste sich eines Tages eines der Seitenteile, – ein kleines Dreieck.
„Ach, das kann ich Dir wieder einkleben“, versprach mir mein Mann, der schon auf dem Sprung zu einem Termin war. „Ich habe den entsprechenden Kleber. Lass es mal in Deiner Küche liegen, – ich muss jetzt weg…“
Und dabei blieb es auch, – sprich: Das Etui blieb samt Dreieck liegen. Nach ein paar Tagen räumte ich es weg. Naja, nicht ganz weg. Ich steckte das Dreieck in das Etui und .…
Das ist mittlerweile schon einige Zeit her. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich das Etui eines Morgens wieder in den Händen hielt und entdeckte, dass das besagte Dreieck fehlte.
„Schade!“, dachte ich damals. „War nur eine kurze Freude. Was soll ich jetzt noch damit?“ …

Heute Morgen beim Aufstehen hat der Tag ganz normal begonnen. Auch der restliche Tag ist einfach nur vom Alltag geprägt gewesen und es gibt bisher keine außergewöhnlichen Vorkommnisse. Mittlerweile ist es Abend geworden. Ich entschließe mich den Inhalt meiner Handtasche auszuräumen, die ich seit langer Zeit wieder einmal benutzt habe und jetzt wieder zurück in den Schrank räumen will.
„Ach“, denke ich. „Da ist also mein kleiner Kamm, den ich immer so gerne für unterwegs mitgenommen habe. Nun gut, jetzt habe ich also einen Kamm und die kleine Bürste, die ich neulich als Ersatz gekauft habe. Alles prima Utensilien für die Handtasche.“
Ich weiß ja, dass meine Taschen jeweils einem Bermudadreieck ähneln, denn in ihnen verschwindet ständig etwas. Also durchsuche ich auch immer die Ecken und Innentaschen. So auch heute. Im Grunde genommen sieht die Tasche völlig leer aus und ein Blick in die Zwischenfächer bestätigt es mir. Das Innenfutter ist schwarz, das sollte ich vielleicht noch erwähnen. Die darin befindlichen Gegenstände sollten sich also gut davon abheben, … es sei denn sie sind ebenfalls schwarz und relativ klein.
Tja, das ist wohl der Grund. Möglicherweise ist es innere Eingebung, purer Zufall oder einfach auch nur Routine. Jedenfalls lasse ich meine Hand durch die Innentasche gleiten und halte plötzlich etwas in der Hand. Ein kleines schwarzes gleichschenkliges Dreieck.
Kurzzeitig kommt in mir Freude auf, als ich dieses besagte Fundstück zwischen meinen Fingern hin und her drehe. Ich weiß genau wozu es gehört. Ihr wisst es sicherlich auch.
„Schön, dass es wieder da ist. Peter muss es mir unbedingt sofort einkleben“, beschließe ich.
Doch da gibt es ein kleines Problem.
„Wo zum Kuckuck hab ich nur das Etui hingetan?“
Ich renne im Haus treppauf und treppab und suche an unterschiedlichen Stellen, wo ich es verwahrt haben könnte. Nichts!
Plötzlich springt mein Kopfkino an:
Ich halte das Etui in der Hand, öffne den Mülleimer in unserer Küche und …..,
…. dann bricht der Film ab, meine Erinnerungen verlieren sich.

Jetzt ärgere ich mich aber. Ich bin nun wirklich kein Mensch, der übereilt Dinge entsorgt.
„Da entschließe ich mich schon einmal etwas wegzuwerfen und dann passiert mir das. Ich könnte mich selbst ohrfeigen. “
„Führst du Selbstgespräche?“, fragt mein Mann und kommt aus dem Wohnzimmer. „Ach ja, das klebe ich dir morgen ein!“, erklärt er mir, indem er auf das kleine schwarze Dreieck in meiner Hand deutet. „Leg es mal in die Küche.“
„Soweit waren wir ja schon einmal“, gebe ich leicht pampig zurück. „Das hat sich jetzt allerdings erübrigt, weil ich das Etui weggeworfen habe.“
„Man soll eben nichts wegwerfen!“, zuckt er grinsend mit den Schultern und marschiert nach oben in Richtung Badezimmer.
Jetzt ärgere ich mich aber noch mehr. Frustriert gehe ich ebenfalls die Treppe hoch, um mich dort auf dem Absatz wieder umzudrehen und nach unten zu springen.
„Eine Möglichkeit gibt es noch!“, rufe ich nach oben.
Ich will mich einfach nicht damit abfinden, das Etui entsorgt zu haben. Zumal ich mich wirklich über diesen Kauf gefreut hatte.
Im Arbeitszimmer meines Mannes stehe ich nun vor dem Schrankteil, in dem er seine Ersatzbrillen aufbewahrt. Ich hole dreimal tief Luft, immerhin ist dies meine letzte Chance den vermissten Gegenstand zu finden. Ansonsten ist er wohl tatsächlich schon längst in der Müllverbrennungsanlage gelandet.
Was soll ich sagen?:
Das Dreieck, samt Etui liegt inzwischen auf meinem Küchentisch und wartet auf die Klebung,-  morgen gleich nach dem Aufstehen. Dieses Versprechen habe ich erhalten.

Allerdings ist meinem Göttergatten gerade eben noch eingefallen, dass er schon in aller Herrgottsfrühe einen Termin beim Zahnarzt hat …

 

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9 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    diese Geschichte ist wieder einmal direkt aus dem Leben gegriffen! Deshalb findet man sich selbst auch darin wieder…zumindest ich!
    Ich werfe auch nicht gerne etwas weg…aber wenn, dauert es nie allzulange und ich suche es verzweifelt, weil ich es JETZT brauche!!! Da ist Ärger vorprogrammiert!
    Dir alles Liebe
    Heidi

    • Astrid Berg sagt

      Die Sache mit dem Wegwerfen ist schon seltsam. Ich habe ja die Theorie, dass auch das Aufheben nicht unbedingt eine Lösung ist. Erstens kann es sein, dass man das benötigte Ding nicht mehr findet, obwohl man es aufgehoben hat oder man findet es, nachdem man das Teil neu gekauft hat. In beiden Fällen hätte man es auch entsorgen können. Geärgert hat man sich in jedem der Fälle 😉
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  2. Hallo liebe Astrid,
    ach wie schön… wieder so eine schöne Geschichte die das Leben spielt.
    Ich tue mich auch schwer mit dem wegschmeißen, das muss wohl an unserer Generation liegen. Meine Eltern haben auch immer alles repariert und geflickt. Gut Strümpfe stopfen und Hosen flicken tue ich nun auch nicht. Einmal im Jahr wird dann groß aufgeräumt, sonst müllt man sich ja ein und was man bis dahin nicht gebrauchen konnte kommt dann weg.
    😄 Selbstgespräche, ja die führe ich auch ab und an mal und mein Mann schüttelt dann nur den Kopf 😂

    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir…
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Vielleicht repariert man heutzutage zu wenig. Meist muss man alles neu kaufen, weil die Reparatur von Geräten fast so viel wie ein neues Gerät kostet. Mein Vater hat immer versucht alles zu reparieren und in den allermeisten Fällen hat es auch geklappt. Strümpfe stopfe ich auch nicht mehr. Sieht ja auch nicht hübsch aus, so ein gestopfter Strumpf ;-).
      Aber wenn man mit einer Klebung wie z.B. bei dem Brillenetui hinkommt, dann braucht man es auch nicht zu entsorgen. Deshalb hab ich mich ja auch geärgert,…
      LG
      Astrid

  3. ein weitergeleiteter Kommentar von meiner Mama:

    Liebe Astrid,

    Ich liebe diese kleinen Storys, die sich aus dem Alltag ganz von alleine ergeben, ohne daß man sie künstlich erzeugen muß. Es ergibt sich genau so wie Du es geschildert hast, live eben, ohne unser zutun. Wenn alles dann auch noch gut ausgeht, ist man wieder um eine Erfahrung reicher. Wenn man den perfekten Partner auch noch zur Seite hat, kann man noch darüber lachen. Danke Dir jedenfalls, habe mich köstlich amüsiert, das Etui ist gerettet, daß Du uns teilhaben hast lassen. Liebste Grüße von der Helga mit Kerstin

    • Astrid Berg sagt

      Ich finde es schade, wenn man solche kleinen Geschichten nicht aufschreibt. Im Nachhinein sind sie nämlich lustig und vor allen Dingen, sie passieren so oder ähnlich den meisten von uns. Das kann sehr tröstlich sein.
      Danke fürs Lesen und Kommentieren.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  4. Ende gut, alles gut. Es ist schade, wenn so ein schönes Teil nicht lange hält. Aber du hast einen geschickten Mann und er wird es kleben, ganz bestimmt!
    Meine Handtasche auch neulich auch Einkaufszettel und Kassenzettel verschluckt 🙂 Ich stecke den Einkaufszettel immer in die Außentasche, damit ich ihn gleich griffbereit habe. Was habe ich gewühlt beim Einkaufen, bin auch immer wieder mit der Hand durchs Fach gefahren. Weg, einfach weg. Und dann war der Kassenbeleg weg. Hatte mit Karte gezahlt und da hebe ich die Belege auf. Weg, einfach weg.
    Nach Tagen fand ich den Kassenbeleg. Er klemmte zwischen der Bonuskarte vom Bäcker und einem Terminzettel für den Arzt. Nr. 1 war also wieder aufgetaucht, hat der Handtasche wohl nicht geschmeckt 🙂
    Und mein Kassenbeleg wurde mir auch zurück gegeben. Den fand ich zwischen den Fahrzeugpapieren. Habe wahrscheinlich den Beleg nur in die Tasche geschoben. Tja, alles meine Schuld, die Handtasche trifft keine 🙂
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

  5. Man sollte erst lesen, bevor man seinen Kommentar abschickt.
    Meine Handtasche „hat“ neulich …
    Ja und Zettel Nr. 1 war natürlich der Einkaufszettel, N. 2 der Kassenbeleg.
    Hat eben mal die Tastatur die Worte geschluckt bzw. verwechselt 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Kerstin,
      das kenne ich auch, manchmal sind die Finger so schnell, dass sie Buchstaben, Wörter oder Zahlen verschwinden lassen. Manchmal bin ich einfach auch schon mit den Gedanken weiter, als mit den Fingern auf den Tasten. Also, beide Möglichkeiten kommen in Frage. Aber ich habe schon verstanden, was Du mir erzählt hast, auch wenn Zettel Nr.1 Zettel Nr.2 sein sollte. 🙂
      Du wirst es nicht glauben, aber ich freue mich richtig, dass ich das Brillenetui nun wieder benutzen kann. Es ist zwar nichts Wertvolles, aber mir gefällt es eben. 🙂
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

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