Kurzgeschichten
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Frau Fröhlich und Herr Trüb

„Grüß Gott! Ich bin Frau Fröhlich und wohne ganz oben auf dem Berg im schönen Bayernland. Umgeben von Wiesen und Wäldern genieße ich die bayrische Natur und mein Leben.
Ich bin so, wie schon mein Name verrät, – eine richtige Frohnatur. Immerzu habe ich ein Lächeln auf den Lippen und am liebsten würde ich den ganzen Tag singen.
Gekleidet bin ich natürlich wie eine echte Bayerin. Am liebsten trage ich mein Dirndl und einen feschen Hut habe ich auch auf dem Kopf. Er schützt mich vor der Sonne, damit ich keinen Sonnenstich bekomme.
Mir geht es richtig gut, wäre da nicht mein Nachbar. Er ist ein echter Griesgram. Er scheint immer schlecht gelaunt zu sein, selbst die Sonne kann ihn nicht aus dem Haus locken.
Eigentlich sieht er in seinen kurzen Lederhosen recht adrett aus, zu denen er ein weißes Hemd, eine rote Krawatte und Kniestümpfe trägt. Mit seinem Hütchen wird er zum feschen Bayer. Wir könnten eigentlich ein nettes Pärchen abgeben, aber mit ihm kann man ja nicht einmal reden. Sobald ich nach draußen gehe, weil ich ein nettes Gespräch mit ihm suche und die Sonne vom Himmel lacht, verschwindet er wieder nach drinnen. Manchmal denke ich schon fast, ich hätte eine ansteckende Krankheit. So verhält er sich jedenfalls, wenn ich auch nur die Nasenspitze nach draußen stecke.
Wir müssen gezwungenermaßen miteinander auskommen. Das ist nicht immer leicht, wie ihr euch vorstellen könnt. Und oft ist es auch anstrengend. Doch wenn wir uns an gewisse Regeln halten, dann kann jeder sein Leben leben und wir haben keinen Streit.“

„Jetzt muss ich mich aber auch mal zu Wort melden. Ich bin Johann Trüb und der Nachbar der flotten jungen Dame von nebenan. Wir teilen uns ein Haus, sie wohnt links und ich rechts. Sie kommt immer lächelnd vor die Tür und ich würde sie gerne kennenlernen. Das ist aber gar nicht so einfach. Sie scheint mich nämlich für einen schlecht gelaunten Menschen zu halten, der ihre gute Laune gefährden könnte. So zieht sie es immer vor, drinnen zu bleiben, wenn ich draußen bin und mir die schöne Natur ansehe. Dabei würde ich doch so gerne ein kleines Schwätzchen mit ihr halten und sie davon überzeugen, dass ich gar kein so übler Kerl bin. Anscheinend will sie das aber nicht. Neulich erst habe ich mich ganz still in meiner Wohnung verhalten. Als ich ihre Schritte hörte, die in Richtung Tür gingen, wollte ich auch zur Tür eilen. Vor lauter Aufregung konnte ich mich aber plötzlich nicht mehr bewegen. Ein anderes Mal hörte ich gleichzeitig mit meinem Hinaustreten, dass sie sich wieder in ihre Wohnung zurückzog und sich die Tür schloss. Das macht mich schon ein bisschen traurig. Ich frage mich, warum sie mich so meidet. Ich habe mir noch nie etwas zu Schulden kommen lassen und bin eigentlich ein recht verträglicher Typ. Nur das weiß sie ja nicht, weil wir noch nie miteinander geredet haben.“

„Heute habe ich den Griesgram von nebenan beobachtet, als er draußen vor der Tür stand. Eigentlich sieht er gar nicht so unfreundlich aus. Ob ich ihm unrecht tue? Vielleicht ist er im Grunde genommen ganz nett. Aber er dreht sich nicht einmal um und vorgestellt hat er sich mir auch noch nie, obwohl wir schon so lange nebeneinander wohnen. So langsam werde ich neugierig und es würde mich schon interessieren, wie er tatsächlich so ist.“

„Fast jeden Tag sehe ich sie. Sie sieht wirklich nett aus. Es muss schön sein mit ihr befreundet zu sein. Wenn sie nur nicht so schüchtern wäre und immer versuchen würde ein Zusammentreffen zu vermeiden.“

„Ich frage mich, was passiert ist. Schon eine ganze Woche habe ich ihn nicht mehr gesehen. Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Er wird doch nicht krank sein?! Ich mache mir Sorgen.“

„Oh, ist sie hübsch anzusehen. Ich könnte ihr stundenlang zusehen. Am liebsten würde ich zu ihr hinaus gehen, aber ich kann nicht. Irgendetwas hält mich hier drinnen.“

„Ob ich ihn morgen wiedersehen werde? Ich vermisse ihn.“

„Ob sie mich schon vermisst hat? Immerhin war ich jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr vor der Tür. Morgen werde ich wieder hinausgehen. Vielleicht habe ich Glück und treffe sie doch einmal.“

„Oh, er ist wieder da! Ich freue mich. Ich habe richtig Herzklopfen, so freue ich mich ihn zu sehen. Was ist nur mit mir los? Er könnte mir doch vollkommen gleichgültig sein. Sollte ich mich in ihn verliebt haben? Das kann doch nicht sein. Er interessiert sich doch gar nicht für mich.“

„Ich könnte ohne sie nicht mehr leben. Sie ist inzwischen ein Teil meines Lebens geworden. Ich glaube, ich bin in sie verliebt. Aber sie ist unerreichbar für mich. Ich sehne mich mit jeder Faser meines Herzens nach ihr.“

„Ich bin mir sicher, eines Tages wird sich mein Wunsch erfüllen. Er und ich werden gemeinsam vor dem Haus stehen und uns unsere Liebe gestehen.“

„Könnte ich ihr nur mein Herz schenken. Ich würde alles dafür tun mit ihr vereint vor dem Haus zu stehen und ihr meine Liebe zu erklären…“

 

„Mama, Mama! Unser Wetterhäuschen ist kaputt. Die Sonnenfrau und der Regenmann stehen beide vor der Tür. Schau nur wie glücklich sie aussehen. Bestimmt sind sie froh endlich einmal gemeinsam draußen zu sein!“

 

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19 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    was für ein schönes gemaltes Bild über der Geschichte….
    Wow, was für eine nette Geschichte….
    Du hast es geschafft, mich bis zum Schluss in Spannung zu halten und erst da aufzulösen,
    dass es sich um ein Wetterhäuschen handelt, wenn ich drüber nachdenke hätte ich natürlich schon durch die Namen draufkommen können,
    doch das kam ich nicht heute Morgen.
    Jedoch hast du mich gefesselt mit dieser Geschichte.
    Sie könnte sich auch sonst unter Nachbarn abspielen denke ich und regt an nicht immer nur zu denken, sondern auch mal miteinander zu sprechen…
    Einen schönen Sonntag dir und herzliche Grüße
    von Monika*

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Monika,
      entschuldige bitte, dass ich erst heute auf Deinen netten Kommentar antworte, aber ich hatte diese Woche leider wenig Zeit.
      Mich hat unser altes und leider schon kaputtes Wetterhäuschen, das draußen am Gartenhaus hängt, zu dieser Geschichte inspiriert. Da es schon etwas vom Wetter gezeichnet ist, wollte ich davon kein Foto machen und habe meinen Mann gebeten das Beitragsbild für mich zu malen.
      Ich wünsche Dir einen schönen Freitagabend und ein nicht allzu kaltes und zu windiges Wochenende.
      Astrid

  2. Liebe Astrid.

    eine bezaubernde Geschichte und ein richtig richtig schön gemaltes Bildchen. Ich hatte auch erst ein Dirndl an, das habe ich mir extra für eine Hochzeit gekauft. Ich kenne übrigens diese kleinen Wetterhäuschen als Kind haben sie mich richtig fasziniert.

    Liebe Sonntagsgrüße
    Kerstin

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      da haben sich mein Mann und ich anscheinend richtig gut ergänzt: Die Geschichte stammt wie immer aus meiner Feder und das Bild von meinem Mann.
      Oh, Du hattest auf einer Hochzeit ein Dirndl an. Ich habe mir als Kind immer eine Hochzeit in einem langen Dirndl ausgemalt, weil ich in Bayern mal eine Braut in dieser Tracht gesehen habe. Umgesetzt habe ich diese Vorstellung dann allerdings nicht.
      LG
      Astrid
      P.S. Ich hoffe, der angekündigte Sturm für das Wochenende wird nicht so schlimm wie der letzte.

  3. Liebe Astrid, einen herzlichen Sonntagsgruß.
    Diese Geschichte ist ja super.
    Wer sich ein Wetterhäuschen kauft, sollte Deine Geschichte als Anhänger daran vorfinden, so wie das berühmte Glöckchen. Schreib mal an die Firma und mache ihr den Vorschlag.
    Vielleicht wirst Du Urheberin einer zusätzlichen neuen und auch schönen Geschäftsidee.
    Einen guten Tag wünscht Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      Deine Idee ist einen Gedanken wert ;-). Ich werde es mal überschlafen 😉 .
      Ich schicke Dir liebe Grüße nach Berlin und hoffe Du und Dein Mann hattet eine nicht ganz so stressige Woche. Genießt das Wochenende und bleibt lieber im Haus, falls es tatsächlich wieder zu stürmen beginnt.
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    du hast es geschafft, mit deiner spannenden Geschichte bei mir Neugier auszulösen. Ich fragte mich immer wieder, ob und wie die Beiden zusammenkommen. Nun ist ja alles klar. 🙂 🙂

    Liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traudi,
      soll ich Dir was verraten? Als ich anfing die Geschichte zu schreiben, war mir das erst auch noch nicht klar. Es hat sich dann einfach so entwickelt ;-). Das ist auch für mich selbst beim Schreiben immer wieder spannend. 🙂
      LG
      Astrid

  5. Liebe Astrid,
    was für eine bezaubernde kleine Geschichte.

    So zart, so voller Liebe, Sehnsucht, unerfüllten Wünschen, nicht gesprochenen Worten, uneingestandener Gefühle… sind wir alle irgendwie ein wenig Wetterhäuschen-Menschen?

    Liebe Sonntagsgrüße
    moni

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Monika,
      danke für Deine netten Worte.
      Ich finde es schade, wenn zwei Menschen aus irgendwelchen Gründen nicht zueinander finden können, wie zum Beispiel die beiden Wetterhäuschenfiguren. Vielleicht sollte man ein Wetterhäuschen erfinden, bei dem Frau Fröhlich und Herr Trüb unter dem Regenbogen gemeinsam ein Tänzchen wagen ;-).
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid,
    was für eine tolle, einfühlsame Geschichte. Danke dafür.
    Ich bin beeindruckt.
    Einen schönen Restsonntag wünscht dir
    Irmi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Irmi,
      ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefällt. Ich musste den beiden Wetterhäuschenfiguren einfach eine Geschichte widmen. Es ist zu schade, dass sie immer nur einzeln vor die Tür treten können. Also musste ich sie irgendwie zusammenführen. 🙂
      Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und schicke Dir herzliche Grüße
      Astrid

  7. Ach wie lustig wieder bei dir. Aber dieses Mal habe ich es gleich geschnallt nach den ersten Sätzen 🙂 Wir hatten früher auch mal ein kleines aus Plastik, aber das war wohl mehr Deko als dass es funktioniert hätte.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      ich vermute, dass auch unser Wetterhäuschen nicht mehr so richtig funktioniert, denn es ist schon ziemlich alt und auch schon ein bisschen mitgenommen. Die beiden Figuren wollen nicht mehr so recht nach außen kommen :-). Ich habe mir vorgenommen ein neues Wetterhäuschen zu kaufen, wenn ich ein richtig schönes entdecke.
      Ich hoffe dieses Wochenende verschont uns alle vor einem erneut heftigen Sturm.
      Liebe Freitagabendgrüße
      Astrid

  8. da schließe ich mich den Worten von Moni an…
    eine ganz bezaubernde geschichte und soooo
    spannend erzählt…
    erst dachte ich auch..
    dass „ES“ echte Nachbarn sind …
    und irgendwie sind sie es ja auch..lacht…
    hm….ausdrucken und einem echten Nachbarn der sich nicht allzunett verhält als kleines Gastgeschenk überreichen!
    (wär mein Vorschlag, aber du
    hast sicher keinen!!!..
    herzliebe Grüße schmunzelnd verabschiedet sich Angel..
    Toll die Geschichte!

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angel…,
      Du kommst auf Ideen 😉 .
      Ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefallen hat. So hatten gleich mehrere Personen Freude an der Geschichte: Ich beim Schreiben, mein Mann beim Malen des Beitragsbildes und Du beim Lesen. Perfekt! Danke!
      Hoffentlich kehrt dieses Wochenende nicht schon Schnee im Vogelsberg ein, denn z. T. soll die Schneegrenze angeblich bei 600m liegen (hat mir das Internet gezwitschert).
      Ich schicke Dir aus dem „Flachland“ viele liebe Wochenendgrüße
      Astrid

  9. ein weitergeleiteter Kommentar von meiner Mama:

    Liebe Astrid,

    jetzt habe ich noch ein wenig rumgeschaut bei Dir und noch Dein kleines Geheimnis von Frau Fröhlich und Herrn Trüb entdeckt. Was hast Du Dir da nettes ausgedacht, ja das gefällt mir so gut jetzt, daß ich noch einen Nachtrag senden muß. Herrlich, trifft ins Herz, das lese ich supergerne und seh Dich gerade sitzen, wie Du grübelst und Dir etwas ausdenkst. Danke, liebe Grüße von mir der Helga

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Helga,
      ich danke Dir recht herzlich. Mein Herz hüpft immer vor Freude, wenn ich höre oder lese, dass meine Geschichten gerne gelesen werden. Sie sind allesamt vom Leben inspiriert. D.h. sie kommen direkt auf mich zu. Ich muss sie nicht suchen oder erfinden. Ich sehe, rieche, höre oder fühle etwas und schon ist sie da, – die Erinnerung, die Geschichte, die Erzählung …
      LG
      Astrid

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