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Fein herausgeputzt

Es ist mittlerweile bestimmt schon 24 Jahre her, da hatte unser Sohn ein Bilderbuch. Dieses Buch kam mir wieder in den Sinn, als ich mir Fotos von unserem letzten Thailandaufenthalt ansah. Und auch ein Erlebnis mit unserem Lottchen kam mir in den Sinn, das zu meinem heutigen Thema passt.

Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, wie das besagte Bilderbuch hieß und von wem es war, aber der Inhalt ist mir noch present. Es ging um ein kleines Mädchen, das ein Kaninchen geschenkt bekam. Eines Tages kam sie auf eine Idee: Sie zog ihm Puppenkleider an und legte es in ihren Puppenwagen, um es spazieren zu fahren.

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Dieses Spiel missfiel jedoch dem Kaninchen, denn es war ja kein Püppchen. Und das genau wollte das Buch kindgerecht vermitteln. Tiere soll man artgerecht behandeln.

Was hat jetzt aber unser Kätzchen Lottchen damit zu tun?, fragt ihr. Ganz einfach: Sie war gerade erst ein paar Monate alt und wurde kastriert.

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Die Tierärztin gab uns direkt nach der OP eine Empfehlung. Wir sollten ihr einen kleinen Strampler (Body) überziehen, damit sie weder an der vernähten Wunde lecken noch kratzen konnte. Ich zog also sofort los und besorgte den kleinsten (und wenn ich ehrlich bin, auch den billigsten) Strampler, den ich bekommen konnte. So, das war mein Part der Aufgabenstellung. Mein Mann sollte den zweiten Part übernehmen, nämlich das Anziehen. Wer schon einmal versucht hat einer Katze einen Strampler anzuziehen, der ahnt vielleicht halbwegs, was auf meinen Peter zukam.

Er setzte sich bequem auf einen Stuhl und ich reichte ihm Lottchen und den Strampler. Nachdem ein gemeinsamer Versuch missglückte, versuchte er es allein. Waren die vorderen Pfoten in den Armausschnitten des Stramplers drin, so zog sie diese beim Versuch die hinteren Pfoten in die Beinausschnitte zu stecken, wieder heraus. Und umgekehrt verlief die Sache nicht anders. Sie drehte und wendete sich ohne Unterbrechung, denn dies schien ihr die einzige Möglichkeit sich dem Überstülpen dieses Kleidungsstückes zu entziehen. Aber Ihr kennt meinen Mann nicht. Er blieb hartnäckig an der Sache dran. Während ich mich vor Lachen bog, kämpfte er mit den Vorder- und Hinterbeinen unserer Katze. Tatsächlich schaffte er es auch nach einigem Hin und Her, dass alle vier Pfoten für einen Bruchteil von einer Sekunde ordnungsgemäß im Strampler untergebracht waren. Doch bevor auch nur der Hauch des Gefühls es geschafft zu haben, aufkommen konnte, machte Lottchen einen Satz und war durch den Kopfausschnitt des Kleidungsstückes gesprungen. Sie flüchtete sich nun unter die Treppenstufe und sah uns beleidigt an.

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Das war dann auch der Moment, an dem wir uns sagten, dass dies alles Quatsch sei und wir der Natur einfach seinen Lauf ließen. Lottchen dankte es uns und die Wunde verheilte auch ohne dieses für ein Tier unpassende Outfit.

Bei Hunden hat man es ja schon öfter gesehen, dass sie ein Jäckchen oder auch Kleidchen umgelegt bekommen. Dazu mag es wohl geteilte Meinungen geben. Es gibt inzwischen wohl auch hochgezüchtete Hunderassen, die ohne diese Jäckchen und Mäntelchen frieren würden. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun zu unserem Thailandaufenthalt, bei welchem ich auch etwas entdeckte, was ich Euch an dieser Stelle zeigen möchte.

Wir waren wieder einmal auf Bangkoks größtem Markt, dem Chatuchak Market mit mehreren tausend Ständen, unterwegs. Hier kann man alles nur Mögliche erstehen, auch Tiere. Wenn jemand einen Kampfhahn sucht, so wird er hier sicherlich fündig. Aber auch alle anderen Tiere, wie zum Beispiel, Vögel, Hunde, Katzen, Fische etc. gibt es hier zu erwerben.

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Mir persönlich tun die Tiere, die hier verkauft werden in der Seele leid und ich hätte die Hündchen, die in kleinen Käfigen eingesperrt waren, am liebsten mitgenommen, um sie zu erretten.

Als wir den Markt verließen, machte ich noch einen kleinen Abstecher auf eine angrenzende Grünfläche. Was ich dort entdeckte, verwirrte mich total. Dort hielten sich mehrere Pärchen auf. Es schien mir eine Art Treffpunkt zu sein. Sie hatten alle etwas mitgebracht. Wer jetzt denkt, sie hätten alle ihre Babies dabei gehabt, der täuscht sich. Möglicherweise war es ihr Babyersatz. Aber schaut Euch selbst die Fotos an und bildet Euch eine Meinung.

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Es handelte sich hierbei um Präriehunde, die aus Nordamerika stammen und eine Gattung der Erdhörnchen sind. Laut Wikipedia sind sie mit den Murmeltieren und den Zieseln verwandt. Und ihr Name soll durch eine Kombination aus ihrem eigentliches Vorkommen in der Prärie und ihrem einem Hundebellen ähnelnden Warnruf entstanden sein.* Leider habe ich keinen solchen Warnruf vernehmen können. Ehrlich gesagt, hätte ich gerne einmal so ein kleines Kerlchen bellen gehört (allerdings aus gebührender Distanz).

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Sie haben einen kleinen und plump wirkenden Körper mit kurzen Beinchen und einen kurzen Schwanz. Sie werden zwischen ca. 800 Gramm und eineinhalb Kilogramm schwer.**

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Normalerweise leben sie in der Prärie Nordamerikas, in Kolonien und sind tagaktiv. Seit geraumer Zeit erfreuen sie sich allerdings großer Beliebtheit als Haus- bzw. Heimtiere, besonders auch in Thailand. Selbst ein ehemaliger amerikanischer Präsident soll im Weißen Haus einen solchen Präriehund gehabt haben.***

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Mir tun diese Tiere leid, wenn ich sehe, wie sie in ihren Kleidchen an der Leine gehalten werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies einer artgerechten Haltung entspricht.

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Ich bin der Meinung, dass unsere Katze, die jederzeit zwischen Drinnen und Draußen wählen und Mäuse fangen kann, wesentlich artgerechter gehalten wird.

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Und an der Leine lässt sich unser Lottchen auch nicht spazieren führen. Trotzdem geht sie gerne freiwillig mit uns im Ort spazieren, indem sie einige Schritte hinter oder vor uns herläuft.

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Und einen Strampler braucht sie auch nicht mehr anzuziehen.

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Mich würde interessieren, welche Meinung Ihr diesbezüglich habt und freue mich über jeden einzelnen Eurer Kommentare.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch noch das lesen:

Familienzuwachs

Auf allen Vieren

Mopsi & Filou

 

 

*/**/*** vgl. bezüglich der Informationen über Präriehunde: Präriehunde

21 Kommentare

  1. Mich packt die blanke Wut, wenn ich sehe, wie Tiere behandelt werden, von artgerecht ist das ja Lichtjahre entfernt. Vor nicht allzu langer Zeit stand eine Frau neben mir an der Ampel, auf dem Arm ein wahres Schosshündchen, mit Schleifchen im Haar, die Krallen mit rosa Nagellack bestrichen! Ich war so perplex, dass mir jedes Wort im Hals stecken blieb.

    Unser Hund würde sich nie etwas derartiges anziehen lassen. Mir tun schon Tiere leid, die um den Kopf nach einer OP/Krankheit eine Art Lampenschirm tragen müssen. Man sieht ihnen förmlich an, wie sehr sie darunter leiden und gar nicht wissen, was los ist.
    Tiere haben ihren eigenen Weg, mit Wunden umzugehen.

    LG Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Anna-Lena,
      da geht es Dir wie mir. Ich habe auch immer Mitleid mit diesen Tieren. Es sind keine Menschenbabies, die man hübsch herausputzen muss. Aber leider denken dies manche und machen aus ihren Tieren kleine Babies oder Geschenkpäckchen.
      Ich danke Dir für Deine klare Stellungnahme und schicke Dir
      LG
      Astrid

  2. Hallo liebe Astrid,
    das hat alles nichts mit Tierliebe und artgerechte Haltung zu tun.
    Unsere Hündin, Frau Sandy, hatte schon des Öfteren eine kranke Pfote weil sie sich etwas eingetreten hat, da musste sie für ein paar Tage eine Socke tragen. Sie tat mir so leid weil sie damit nicht richtig laufen konnte. Auch musste unser Kater Felix nach einer Prügelei mit Nachbars Katze diese blöde Tüte am Kopf tragen… na der war sauer.
    Da kann ich den bösen Blick von Lottchen sehr gut verstehen 🙂
    Erst vor ein paar Wochen habe ich eine Pudelfriseurmeisterschaft aus den USA gesehen, da habe ich nur den Kopf geschüttelt und wurde innerlich wütend. Den Hunden wurden die Haare bunt gefärbt und nach einer bestimmten Comicfigur geschnitten. Schrecklich… die armen Hunde, die sahen total entstellt aus.

    Ich wünsche Dir einen schönen Dienstag …
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebe Biggi,
      ich bin so froh, dass Ihr alle meiner Meinung seid und Eure Tiere so liebt wie sie sind. Ich finde es ganz schrecklich Tiere zu verunstalten, zumal sie sich auch nur begrenzt dagegen wehren können. Warum macht man Tiere zu Faschingsfiguren, indem man sie lächerlich begleitet und deren Fell auch noch bunt färbt?, frage ich mich. Ein Mensch, der seine Haare lila oder grün färbt, kann dies selbst entscheiden, aber ein Tier eben nicht.
      Ich danke Dir für Deine offenen Worte und sende Dir auf diesem Wege
      LG
      Astrid

  3. Liebe Astrid,
    mir gefällt das auch gar nicht. Leider sieht man ja immer wieder arme kleine Hunde, die von ihren Besitzern „angezogen“ werden. Wenn es der GEsundheit eines Tieres dient (Kragen etc.) dann finde ich das in Ordnung. Auch wenn unsere Senta „heiß“ ist und ein Höschen tragen muss, damit nicht der Teppichboden Schaden nimmt, alles andere finde ich schrecklich!
    Liebe Grüße
    REgina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      ich muss Dir voll und ganz zustimmen: Was der Gesundheit dient ist okay, alles andere ist übertrieben und nicht artgerecht.
      Ich freue mich, dass Ihr alle Euch so rege beteiligt und Eure Meinung zu diesem Thema erklärt. Tiere sind kein Spielzeug und auch kein Babyersatz, sondern Lebewesen, die ein Recht haben so zu leben, wie es ihrer Natur entspricht.
      LG
      Astrid

  4. Hallo Astrid,

    die armen Tiere 🙁 was sich die Menschen wohl dabei denken, vielleicht nichts böses und doch ist so etwas nicht richtig.

    Einem Pferd eine Decke zu geben oder solche Dinge, das finde ich noch korrekt, aber doch nicht so etwas. Ich frage mich auch ob man diese Tiere überhaupt als Haustiere nutzen muss, ich glaube eher nicht.

    Dann sehe ich mir sie lieber in einem Zoo an, das missfällt zwar auch vielen Menschen, aber dort ist das Leben in der Regel wenigstens artgerecht.

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      ich denke auch, dass sie ihren Tieren im Grunde genommen nichts Böses tun wollen, aber sie bedenken dabei nicht, dass Tiere keine Menschen sind. Es sind Lebewesen, die von Natur aus ein anderes Verhalten und eine andere Lebensweise praktizieren. Auch wenn wir manche Tiere domestiziert haben, sollten sie ein artgerechtes Leben führen können.
      LG
      Astrid

  5. Liebe Astrid, herzliche Grüße.
    Das ist die höchste Potenz der Vermenschlichung. Ein totaler Irrsinn, schrecklich.
    Auch die Züchtung von Nackthündchen und das Stylen von Pudelhunden müßte verboten sein, aber ein Ausstellungshund hat eben dem menschlichem Schönheitsideal zu entsprechen.
    Jegliche Manipulation am Tier vom Menschen, was nur auf Gefallen getan wird, verurteile ich.
    Nur gesundheitliche Aspekte würden bei mir zum Tragen kommen, wenn es notwendig ist.
    Naturbelassen und uneingeschränktes, normal tierisches Verhalten, so kann der Hund gesund und freudig sein Lebensweg mit seinem Partner Mensch gehen.
    Alles Gute, tschüssi Brigitte

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      auch Dir danke ich recht herzlich für Deine Meinungsäußerung zu diesem Thema. Ich stimme vollkommen mit Dir überein. Tiere werden leider manchmal als eine Art Spielzeug oder Babyersatz behandelt. Das Beispiel der Präriehunde in Thailand, das ich Euch vorgeführt habe, zeigt dies meines Erachtens ganz deutlich. Diese Tiere tun mir leid, da sie kein artgerechtes Verhalten führen können.
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid,
    die Präriehunde gehören echt in den nächsten Zoo.
    Von da aus in ihre Heimat.
    Eure Katze habt ihr gut behandelt.
    deine Bärbel

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Bärbel,
      ich lese aus Deinen Zeilen heraus, dass auch Du entsetzt bist. Ich glaube nicht, dass die Besitzer dieser Tiere es böse meinen, aber ein artgerechtes Leben führen, sieht etwas anders aus. Niemals sollte ein Tier ein Spielzeug oder Babyersatz sein.
      Ich danke Dir für Deinen Kommentar.
      LG
      Astrid

  7. ja, viele Menschen sehen Tierfreundschaft anders und wissen gar nicht, dass es den Tieren bestimmt nicht Recht wäre, wenn sie sprechen könnten, sie nennen es aber Tierliebe, wünsche einen guten Tag für dich

    • Astrid Berg sagt

      Da muss ich Dir voll und ganz zustimmen,Klaus.
      Auch ich wünsche Dir einen angenehmen Tag, wenn möglich mit ein wenig Sonne.
      LG
      Astrid

  8. Ach du meine Güte, was sehe ich denn da? Hilfe, diese armen Tiere. Lassen sie sich denn überhaupt in einer Wohnung halten? Stelle ich mir schwer vor.
    Nein, niemals könnte ich mir so ein Tier halten. Oder Äffchen, von denen man so was auch zu sehen bekommt. Kinderersatz, Du sagst es richtig.
    Johnny hat auch ein Mäntelchen. Aber das bekommt er nur an, wenn es unter 10 Grad im Minusbereich sind, viel Schnee liegt und dazu kalter Wind weht. Wir hatten es vor Jahren mal für den Ostsee-Urlaub im Februar gekauft. Da wurde es gebraucht. Kleine Hunde mit kurzen Beinen brauchen Schutz am Bauch, da sie so dicht über dem kalten Erdboden laufen. Bevorzugt Dackel, da sieht man das oft.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      alles was der Gesundheit dient ist ja auch okay. Nur diese Verniedlichung ist einfach schrecklich.
      Übrigens: Ich wusste vorher auch nicht, dass man die Präriehunde als Haus- bzw. Heimtiere hält.
      LG
      Astrid

  9. Martina sagt

    Da kann man nur mit dem Kopf schütteln, wenn man diese Bilder sieht – deine von eurer süßen Katze natürlich ausgenommen. Manchmal könnte man an den Menschen wirklich verzweifeln. LG Martina

    • Astrid Berg sagt

      Vielleicht machen sie sich einfach keine Gedanken und behandeln insbesondere die kleinen und niedlichen Tierchen wie Püppchen oder Babies. Ich glaube gar nicht, dass es böse Absicht ist. Da fehlt eventuell auch ein Stück weit die entsprechende Aufklärung.
      LG
      Astrid

  10. Die Geschichte mit dem Kaninchen erinnert mich an meinen jüngste Schwester. Sie zog als Kind unserer Katze Babykleidung an und fuhr sie im Puppenwagen spazieren. ja so sind Kinder, aber man sollte Tier ,Tier sein lassen,
    Liebe Grüsse Klärchen

    • Astrid Berg sagt

      Kinder müssen es ja auch erst lernen, dass Tiere keine Püppchen sind, aber als Erwachsener sollte man es begriffen haben.
      Mich wundert nur, dass sich Eure Katze das hat so gefallen lassen. Ich habe ja beschrieben, wie sich unser Lottchen gegen den Strampler zur Wehr gesetzt hat, den wir ihr nach der Kastration überziehen sollten. Sie hat gewonnen und wir haben darauf verzichtet.
      LG
      Astrid

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