Kurzgeschichten

Die Radiomeldung

Wir sind mit dem Auto unterwegs. Die Autobahn auf der wir uns befinden, ist um diese Zeit nicht so sehr befahren, also kommen wir eigentlich gut voran. Während mein Mann am Steuer sitzt, lese ich in einer Zeitschrift. Nebenbei trällert Musik aus dem Radio. Doch plötzlich wird diese durch den Verkehrsfunk unterbrochen.

So genau höre ich nicht hin, aber trotzdem dringen Bruchstücke an mein Ohr. Genau im entscheidenden Moment, als der betreffende Streckenabschnitt durchgesagt wird, beginnt mein Mann zu reden.
„Pst!!!“, zische ich ihm zu, denn inzwischen hat etwas meine Aufmerksamkeit erregt. Wahrscheinlich war dieses „Pst“ nicht energisch genug, denn Peter überhört es einfach und plappert munter weiter.
Als sein Redefluss endlich versiegt ist, hat auch der Sprecher seine Ansage beendet. Da ich vergeblich versucht habe dem Radiobericht zu folgen, habe ich auch nicht den Ausführungen meines Göttergatten gelauscht, was er allerdings bemerkt hat.
„Du hörst mir überhaupt nicht zu“, beanstandet er.
„Kein Wunder“, gebe ich leicht pampig zurück. „Mich hat auch gerade in diesem Moment die Verkehrsnachricht interessiert. Da du jedoch nicht zu stoppen warst und weiter erzählt hast, konnte ich nichts verstehen.“
„Wird schon nicht so wichtig gewesen sein. Ich hingegen habe dir gerade etwas absolut Interessantes erzählt“, gibt er mir ein wenig beleidigt zu verstehen und fügt gleich noch eine Wiederholung dessen an, was zuvor an meinen Ohren vorüber ging. Wir befinden uns also im angeregten Gespräch, als nochmals das Musikprogramm wegen einer Verkehrsmeldung unterbrochen wird.
„Hast du das gehört? Jetzt müssen wir aufpassen, denn gleich kommen wir zu der Stelle, die sie gerade genannt haben“, sage ich zu meinem Mann.
„Bist du sicher, dass es auf unserer Fahrbahn ist oder vielleicht doch in der Gegenrichtung?“, erkundigt er sich.
„Keine Ahnung, das habe ich wieder nicht verstanden, weil wir geredet haben. Aber eigentlich müssten doch irgendwo Polizeiautos zu sehen sein. Immerhin muss eine solche Gefahrenstelle abgesichert werden.“
Die Meldung hat in uns eine Erinnerung hervorgerufen, die uns nun weit zurück in die Vergangenheit führt. Wir befinden uns nämlich gedanklich wieder in unserer Studienzeit.
„Du hattest doch schon einmal ein solches Hindernis vor dir, als du bei mir warst und bei Dunkelheit noch nach Darmstadt gefahren bist.“
„Stimmt“, bestätigt Peter. „Ich hatte einen Kommilitonen mit im Auto und als wir nichtsahnend mit meinem VW Käfer um eine Kurve bogen, stand plötzlich dieses gewaltige Hindernis vor uns. Zum Glück war ich nicht schnell unterwegs und konnte rechtzeitig stoppen.“
„Was habt ihr dann eigentlich unternommen. Immerhin gab es damals noch keine Handys.“
„Ich erinnere mich nur noch dunkel“, gibt mir Peter zu verstehen, „aber ich glaube, das nächste Auto angehalten und den Fahrer um Mithilfe geben zu haben. Keine Ahnung, aber auf jeden Fall kam recht zügig der betreffende Besitzer vorbei und hat das Hindernis aus dem Weg geräumt.“
Erneut erklingt aus dem Lautsprecher eine Durchsage, der wir nun beide interessiert lauschen. Es handelt sich allerdings nicht mehr um die vorangegangene Meldung, was uns eine gewisse Beruhigung verschafft.
„Damals hat der Bauer die entflohene Kuh, die sich mitten auf der Straße befand, auch kurzerhand wieder auf die Weide geführt. Also mach dir keine Gedanken. Die Polizisten sitzen bestimmt schon längst zu Hause vor dem Fernseher und die Kühe stehen wieder im Stall“, erklärt mir Peter und hat anscheinend auch recht damit, denn wir können unsere Fahrt ungehindert fortsetzen ohne einer Kuh zu begegnen. 

 

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4 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    eine feine kleine Geschichte, so richtig mitten aus dem Leben!
    Jeder von uns hat eine solche Situation schon mal selbst erlebt.
    Liebe Grüße
    moni

  2. Liebe Astrid, herzlichen Gruß zur Nacht.
    Bei Verkehrsmeldungen schaltete das Radio automatisch lauter, aber ich mußte immer gleich still sein, damit wir alles mitbekamen. Nach der Ansage wurde automatisch wieder mit unserer zuvor eingestellten normalen Lautstärke weiter gesendet.
    Solche Meldungen sind ja auch wichtig und vielleicht hilfreich.
    Seit 2012 fährt Männe nicht mehr, das Auto wurde verkauft. Ich habe keinen Führerschein.
    Manchmal bedauere ich es. Meine Familie wollte immer, daß ich die Fahrerlaubnis mache.
    Ein schönes Wochenende, alles Gute, tschüssi Brigitte.

  3. Liebe Astrid, wir hören ja im Auto nie Radio, sondern eigene Musik-Mixe (mittlerweile vom MP3-Player). Früher hatten wir aber eine Einstellung gewählt, bei der der Verkehrsfunk trotzdem durchgestellt wurde. Doch darüber habe ich mich sehr oft geärgert: Im Morgenverkehr kam die entsprechende Meldung zumeist erst, wenn ich schon längst im Stau steckte – oder umgekehrt wurde ein Stau vermeldet, wo gar keiner mehr war. Möglicherweise werden wir die Verkehrsmeldungen bei längeren Autofahrten wieder aktivieren, aber für den Alltag hat sich das nicht wirklich bewährt – und Kühen bin ich auf der Autobahn zum Glück auch noch nicht begegnet 😉
    (Bloß Warzenschweinen und Antilopen und Pavianen… das war allerdings auf weiter entfernten Straßen ;-))
    Ganz herzliche Rostrosengrüße, Traude

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