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Märchenhafter Taubenschlag

Nach Rom führen viele Wege, so sagt man. Aber nicht nur dorthin. Wenn wir einen Ausflug in den Spreewald machen, dann haben wir ebenfalls die Wahl. So entscheiden wir uns hin und wieder für den Weg, der uns an einem märchenhaften Taubenschlag vorbeiführt. Ich kann es nicht verhindern, aber immer bleibt mein Blick an diesem Taubenhaus hängen, obwohl er unbewohnt zu sein scheint. Er zieht mich nahezu magisch an. Der Grund hierfür liegt in meiner Kindheit.

Dieser Taubenschlag erinnert mich an ein Märchen der Gebrüder Grimm. Jeder, der diese Märchen kennt, weiß auch welches spezielle Märchen ich meine:

Aschenputtel

Ich möchte heute aber nicht über Aschenputtel schreiben, sondern über meinen Fund aus der Kindheit. Dieses Märchen steht nämlich in meinem ganz persönlichen Märchenbuch. Und zwar handelt es sich hierbei um

„Die echten WS Glanzbilder Geschichten : Deutsche Märchenwelt nach Brüder Grimm“.

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Die Seiten sind aus schwarzem dünnen kartonartigem Papier, auf denen sich bereits der vorgedruckte Text befindet und Aussparungen für die einzuklebenden Glanzbilder vorgesehen sind. In diesen Platzhaltern sind die Nummern des jeweils entsprechenden Bildes angegeben. Diese Nummern finden sich auch auf den dazugehörigen Glanzbildern wieder. Der passende Textabschnitt steht dann über, unter oder neben dem Bild.

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Der Einband des Buches besteht aus einem mittlerweile farblich undefinierbaren dünnen Pappkarton. Alles wird durch eine einfache Kordelbindung zusammengehalten.
Mein Märchenbuch ist 30 cm hoch, 22 cm breit und beinhaltet 39 Seiten (ohne Titelseite und Inhaltsangabe).
Die wohl am meisten bekannten Märchen der Gebrüder Grimm sind in diesem ebenso einfachen wie auch wunderschönen Buch zu finden:

Schneewittchen und die sieben Zwerge

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„Die Herren des Häuschens waren sieben Zwerge. Als sie am Abend von der Arbeit kamen,fragte jeder der Reihe nach:“Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Wer liegt in meinem Bettchen?“ „*

Aschenputtel

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„Es entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus…“*

Hänsel und Gretel

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„Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht?“*

Dornröschen

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„Da lag es und war so schön, daß er die Augen nicht abwenden konnte…“*

Die Bremer Stadtmusikanten

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„Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.“*

Frau Holle

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„… und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf, daß die Federn wie Schneeflocken umherflogen;…“*

 

Hans im Glück

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„Euch geht’s wohl, weil Ihr so lustig bei Eurem Schleifen seid.“*

Rotkäppchen und der böse Wolf

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„Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren?“*

Rumpelstilzchen

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„… ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“*

Das tapfere Schneiderlein

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„An einem Sommermorgen saß ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster, war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften.“*

Wie ich aus dem Internet erfahren konnte, stammen diese WS Glanzbilder Geschichten aus den 50er Jahren. Meine Mutter erzählte mir, dass mein Vater diese Bilder selbst eingeklebt habe. Damals gab es wohl die vorgedruckten Bögen mit den dazugehörigen Bildern ähnlich wie ein Sammelalbum. (Heute würde man vielleicht Stickerheft dazu sagen.)
Meine Mutter kann sich leider nicht mehr erinnern, woher diese Sammelbilder stammten, vielleicht waren sie beim Kauf von Lebensmitteln ( evtl. Margarine oder Butter) eine Zugabe, aber das ist lediglich eine Vermutung von mir.  Mehr als die oben genannte Jahreszahl konnte ich leider über das Internet auch nicht in Erfahrung bringen.
Auf jeden Fall konnte man sich so selbst sein eigenes Märchenbuch erstellen, was meine Eltern für mich getan haben. Wahrscheinlich war meine Mutter die fleißige Sammlerin und mein Vater sorgte dann für die Ausführung. Auf jeden Fall müssen sie wohl schon frühzeitig damit begonnen haben, denn ich bin erst im Juni 1960 geboren und laut den Daten, die ich über das Internet gefunden habe, gab es diese Glanzbilder zwischen 1950 und 1955.
Dieses Märchenbuch hat mich die gesamte Kindheit über begleitet. Wenn ich es heute aufschlage, so erscheint es mir wie gestern, als ich diese schönen Glanzbilder betrachtete. Ich kann mich noch ganz genau an die einzelnen Bilder erinnern. Ich muss sehr oft darin geblättert, die Bilder betrachtet und den Text gelesen haben, denn es ist mir alles total vertraut.
Ich war und bin noch immer sehr stolz auf dieses schöne Märchenbuch, auch wenn es inzwischen schon einige Gebrauchsspuren aufweist. Ich werde es weiterhin hüten, denn sicherlich kann ich es irgendwann gemeinsam mit meinen (zur Zeit weder geplanten noch geborenen) Enkelkindern betrachten und ihnen daraus vorlesen. Und ich werde ihnen erzählen, dass dieses Märchenbuch von Uroma gesammelt und vom Uropa geklebt und zusammengeheftet wurde.
Ich hoffe, dass meine Eltern sehen konnten, wie sehr ich mich als Kind darüber gefreut habe. Leider kann ich meinem Vater schon lange nicht mehr sagen, wie sehr ich dieses Buch immer noch schätze, da er schon vor 31 Jahren verstorben ist. Aber meiner Mutter habe ich es bereits gesagt.

Danke Mutti und Papa für dieses wunderschöne Geschenk.

 

 

*Zitate aus: „Die echten WS Glanzbilder Geschichten, Deutsche Märchenwelt nach Brüder Grimm

6 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    da besitzt du ja einen wirklichen Schatz! Danke, dass du ihn mit deinen Lesern teilst. Auch ich liebe und schätze alte Dinge und halte die alte vierbändige Ausgabe der Märchen der Gebrüder Grimm, die ich als Kind geschenkt bekam, in Ehren.
    Liebe Grüße Fiona

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Fiona,
      diese Dinge besitzen zumindest einen ideellen Wert mit sehr viel Erinnerungspotenzial. Ich habe noch andere Märchenbücher aber dieses war mir das Liebste.
      LG
      Astrid

  2. Ich erinnere mich auch noch an Glanzbilder und Tauschnachmittage, wo ich mit Freundinnen die Bildchen betrachtete.
    Da hast Du mit dem Märchenbuch einen wunderschönen Erinnerungsschatz.
    LG Eva

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      ich bin auch ganz stolz auf diesen Schatz und noch schöner ist die Tatsache,dass es nicht einfach ein gekauftes Märchenbuch ist, sondern mit Liebe von meinen Eltern gesammelt und gestaltet wurde.
      LG
      Astrid

  3. Ach Astrid, wie schön. Ich glaube, meine Schwiegermutter hat auch solche Sammelbildbücher und hütet sie wie einen Schatz. Es sind unschätzbare Kindheitserinnerungen. Ich hatte auch Alben, allerdings von Panini. Zu meiner Zeit in den 70er Jahren sammelten wir Sarah Kay. Leider ist es weg. Ich weiß nur, dass es aus dem Leim gegangen ist, weil ich es so oft angeschaut habe. Und ich glaube, ich habe es sogar bis auf ein Bild vollgehabt. LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Tanja,
      ausmisten muss ja immer mal wieder sein, aber manchmal ärgert man sich dann später. Außerdem weiß man manche Dinge erst nach sehr langer Zeit zu schätzen. Alles sollte man ja auch nicht aufheben, aber dieses Märchenbuch hat die Zeit überlebt.
      LG
      Astrid

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