Weihnachten & Ostern
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Seine letzte Tour

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an Weihnachtsmann Willi. Letztes Jahr hat der alte Weihnachtsmann doch tatsächlich verschlafen und es herrschte große Aufregung unter den Menschen auf der Erde, aber auch im Himmel bei den Engeln. Doch Willi konnte geweckt werden und alles ging gut aus. Er hat sogar einen Weihnachtsmannlehrling ernannt, der ihm ein wenig geholfen hat. Dieses Jahr soll dieser noch einmal mit Willi die Aufgaben eines Weihnachtsmannes erledigen und ab nächstem Jahr ist dieser Lehrling dann selbst der Weihnachtsmann.
Man sollte denken, dass jetzt alles in Ordnung sei und alles seinen geregelten Gang geht. Weit gefehlt, denn schon wieder ist im Himmel die größte Aufregung und alle Engel sind ratlos, was zu tun ist.
„Habt Ihr schon gehört?: Der Weihnachtsmannlehrling Rudi ist krank. Ihm geht es total schlecht“, sagt ein kleines Engelchen zu der restlichen Engelschar in der Himmelswerkstatt.
„Was hat er denn?“
„Wie können wir ihm helfen?“
„Ohje, er soll doch dem Weihnachtsmann helfen und ihn dann für die nächsten hundert Jahre ablösen.“
„Der Weihnachtsmann Willi schafft das nicht alleine und Weihnachten darf nicht ausfallen. Stellt Euch all die vielen traurigen Kinder vor, die schon sehnsüchtig auf den Weihnachtsmann warten!“
Alle reden plötzlich durcheinander und keiner weiß einen Rat, wie dieses schwerwiegende Problem zu lösen ist. Da meldet sich der kleine Engel wieder zu Wort:
„Rudis Bart ist schon ganz lang gewachsen, seine Engelsflügel sind verschwunden und er sieht auch sonst schon aus, wie ein richtiger Weihnachtsmann, aber er hat ganz starke Bauchweh. Er meint allerdings, dass er in drei Tagen bestimmt wieder fit ist und seine Arbeit machen kann.“
„Solange kann der Weihnachtsmann Willi aber nicht warten. Er schafft es sonst nicht die Geschenke zu allen Kindern zu bringen. Jetzt ist wirklich guter Rat teuer“, meint die Chefin der Himmelswerkstatt verzweifelt.
„Ich hätte da so eine Idee…“, mischt sich das kleine Engelchen wieder ein.
Alle Blicke richten sich auf diesen Engel.
„Ich könnte doch die drei Tage dem Weihnachtsmann helfen!“
„Du?“
„Du hast doch gar keine Ahnung und bist noch nicht einmal in die Lehre gegangen.“
„Du bist doch nur für das Binden der Geschenkbänder zuständig. Und jetzt willst Du dem Weihnachtsmann Willi helfen?“
„Nein, nein! Das ist keine gute Idee!“
„Wer traut sich denn diese schwierige Aufgabe zu?“, fragt die Chefin in die Runde.
Alle Engel senken ihre Blicke und schütteln den Kopf. Niemand traut es sich zu.
„Tja, dann muss wohl Weihnachten dieses Jahr doch ausfallen.“
Alle sehen ganz traurig aus, doch der kleine Engel meldet sich noch einmal zu Wort:
„Mir macht es wirklich nichts aus. Ich traue mich auch. Bitte, bitte, lasst mich doch dem Weihnachtsmann Willi helfen. Ich habe immer alles von hier oben beobachtet und weiß genau, was ich tun muss. Es ist doch nur für drei Tage und dann ist Rudi, der Weihnachtsmannlehrling bestimmt wieder fit. Bitte!“
„Na gut. Was bleibt uns denn sonst anderes übrig. Du bist zwar noch zu klein, aber besser ein kleiner Helfer, als gar kein Helfer“, sagt die Chefin der Himmelswerkstatt. „Wo bekomme ich nur so einen winzigen Weihnachtsmannanzug her, damit der kleine Kerl auf der Erde nicht friert?“, überlegt die Chefin weiter. „Ach ja, da gab es doch mal ein Püppchen, das einen solchen Anzug trug.“
Sie lässt diesen Anzug bringen, schneidet eigenhändig zwei Schlitze für die Engelsflügel hinein und reicht ihn dem winzigen Engel.
„Dann beeile Dich und wecke den Weihnachtsmann, sonst verschläft er auch dieses Jahr wieder. Er ist einfach schon zu alt und zu müde für diesen Job!“
Und so macht sich der Kleinste aller Engel auf den Weg zum Weihnachtsmann, der im Winterwald ganz versteckt hinter der dicken alten Eiche liegt. Sein Schnarchen ist so laut, dass sich die Äste des Eichenbaumes biegen. Zum Glück dämpft der Schnee die Schnarchgeräusche und verhindert damit, dass sie an das menschliche Ohr dringen.
„Hallo Weihnachtsmann Willi! Aufwachen! Es wird Zeit die Geschenke an die Kinder zu verteilen!“
„Was? Wie? Wo?“, fragt der Weihnachtsmann verwirrt und blickt den kleinen Engel an.
„Wer bist du denn?“, erkundigt er sich schlaftrunken und reibt sich die Augen.
„Dein Gehilfe!“
„Erzähl keinen Blödsinn oder bist du etwa der Weihnachtsmannlehrling Rudi? Dann sahst du aber letztes Jahr noch ganz anders aus. Vor allen Dingen warst du kein solcher Winzling. Und überhaupt, wo ist dein Bart und wieso hast du noch die Engelsflügel. Da kann doch etwas nicht stimmen.“
„Rudi ist krank. Deshalb soll ich ihn drei Tage oder so vertreten. Ich bin Klein-Herbert. Also, was soll ich zuerst machen?“
Willi, der Weihnachtsmann kratzt sich am Kopf und runzelt die Stirn. Er überlegt, was er mit diesem Winzling wohl anfangen kann, aber dann brummt er in seinen langen weißen Bart:
„Pack alle Geschenke auf den Schlitten, die die Engel bereits aus der Himmelswerkstatt herunter gebracht und dort hinten aufgestapelt haben! Ich spann schon mal die Renntiere vor den Schlitten!“
Klein-Herbert läuft so schnell los, um die Pakete zu holen, dass er gleich nach den ersten Schritten über seine eigenen Füße fällt, weil sein Weihnachtsmannanzug doch noch ein wenig zu groß ist. Bäuchlings landet er mit dem Gesicht im Schnee.
„Brrr!“, kichert er und wischt sich den Schnee aus dem Gesicht.
Weihnachtsmann Willi schüttelt den Kopf und denkt sich: „Das kann ja noch lustig werden mit diesem kleinen Kerl! Eine große Hilfe wird er wohl nicht sein!“
Nachdem sich Klein-Herbert aufgerappelt hat, schnappt er sich fröhlich das kleinste Päckchen. Es ist federleicht, deshalb wirft er es sogleich pfeifend in die Luft, um es wieder aufzufangen und wieder hochzuwerfen.
„Halt!“, ruft Weihnachtsmann Willi aus. „Was machst du denn da? Siehst du nicht den roten Punkt?“
„Wo? Ach ja, da!“, das Engelchen dreht das Paket hin und her und meint nur: „Ist wohl besonders eilig, oder?“
„Nein! Das bedeutet, dass man das Päckchen nicht werfen darf, weil etwas Zerbrechliches darin ist. Also pass gefälligst auf!“
Und wieder kann der Weihnachtsmann nur den Kopf schütteln über Klein-Herbert. Dieser versucht jetzt alles genau richtig zu machen und hält zuerst nach dem roten Punkt Ausschau, bevor er das nächste Päckchen in die Luft wirft.
„Hörst du jetzt bitte mit dem Unfug auf und konzentrierst dich auf deine Arbeit!“, ermahnt ihn Willi abermals.
„Entschuldigung, Entschuldigung! Soll nicht mehr vorkommen!“, beteuert das kleine tollpatschige Engelchen und versucht stöhnend, aber vergeblich ein riesiges Paket auf den Schlitten zu hieven. Das Gewicht drückt ihn dabei so tief in den Schnee, dass er bis zu den Schultern darin versinkt. Willi bleibt nichts anderes übrig, als ihm das Packet abzunehmen und den mit den Armen zappelnden Herbert aus dem Schnee zu ziehen.
„Pass mal auf, dort drüben sind kleine Säckchen mit Nüssen und Schokoladenweihnachtsmännern drin. Die sind nicht schwer, die schaffst du mit links“, schlägt Willi vor und in Gedanken schiebt er noch hinterher: „Wozu sonst könnte ich diesen kleinen Tollpatsch gebrauchen. Meine letzte Tour habe ich mir auch anders vorgestellt, – nicht so arbeitsintensiv für mich. Ich wollte sie richtig genießen und alles andere dem Weihnachtsmannlehrling überlassen.“
Klein Herbert läuft geschwind zu den Säckchen und nimmt sogleich zwei in jede Hand. Immer wieder rennt er hin und her und verrichtet seine Arbeit. Zufrieden lächelt Weihnachtsmann Willi in sich hinein, denn er glaubt nun die richtige Aufgabe für Klein-Herbert gefunden zu haben. Er selbst muss eben die schweren Pakete schleppen. Nachdem ihm von der harten Arbeit die Schweißtropfen auf der Stirn stehen und es verdächtig ruhig um ihn herum geworden ist, blickt er sich nach Klein-Herbert um. Diesen findet er schließlich in einer Ecke sitzend vor. Der Mund ist schokoladenverschmiert, seine Hand liegt auf seinem Bauch und seine Augen sind geschlossen.
„Ja, was ist denn hier los?“, ruft Willi entrüstet aus. „Du sollst die Schokolade doch nicht essen!“
„Schlagartig reißt Klein-Herbert die Augen auf und beginnt sich stotternd zu entschuldigen:
„Ich,.., ich hab doch nur… die waren alle schon ein bisschen kaputt…“ Und als er das fragende Gesicht von Willi sieht, fügt er mit gesenktem Blick noch hinzu: „…nachdem mir ein paar Säckchen runtergefallen sind.“
Weihnachtsmann Willi kann nicht anders, aber er muss sich ein Schmunzeln verkneifen.
„Komm her und setz dich hinten auf den Schlitten, unsere Fahrt geht los!“
Als sie dann so mit dem Schlitten dahingleiten und die Glöckchen der Rentiere klingeln, jauchzt Klein-Herbert vor Freude und ruft Willi zu:
„Darf ich hierbleiben, auch wenn der Weihnachtsmannlehrling Rudi keine Bauchschmerzen mehr hat und zu dir kommt? Das macht nämlich soooo viel Spaß mit dem Schlitten zu fahren!“
Weihnachtsmann Willi hat den kleinen Tollpatsch inzwischen schon so sehr ins Herz geschlossen, dass er ihm diese Bitte nicht verwehren kann.
„Wer weiß, vielleicht wächst Klein-Herbert ja noch ein bisschen und wird in hundert Jahren als Rudis Nachfolger ein fleißiger Weihnachtsmann“, denkt er schmunzelnd und schnalzt, damit die Rentiere ein bisschen schneller laufen.

 

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12 Kommentare

  1. Da bin ich froh, dass Weihnachten nicht ausfallen muss.
    Ich werde die Augen offen halten, vielleicht sehe ich ja Klein-Herbert und Willi beim verteilen der Geschenke 😉

    Liebe Grüße aus dem kalten Odenwald
    Björn

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Björn,
      irgendwie wäre es doch schrecklich, wenn plötzlich Weihnachten ausfallen würde, oder? Zumindest für die vielen erwartungsvollen Kinder.
      Falls Du die Beiden zufällig treffen solltest, versäume es nicht, mir ein Foto zu schicken 😉 .
      LG
      Astrid

  2. Oh, was für eine bezaubernde Geschichte. Der kleine Engel kommt noch ganz groß heraus – das spüre ich – und wenn es wirklich noch hundert Jahre dauert?! Was soll’s, was sind schon 100 Jahre! 🙂 Danke die für diese berührende Geschichte! Einen schönen Abend! Martina

    • Astrid Berg sagt

      Ich schätze mal für einen Weihnachtsmann und die Engel sind 100 Jahre doch ein Klacks, oder? Andererseits kann man in diesem Zeitraum noch viel lernen und natürlich auch wachsen. Also hat Klein-Herbert definitiv eine Chance 😉 .
      Ich wünsche Dir einen schönen 2. Dezember und schicke Dir herzliche Grüße
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Naja, so ein kleiner Tollpatsch kann schon allerlei Unfug anrichten, aber hoffen wir mal das Beste.
      Ich schicke Dir einen lieben Guten-Morgen-Gruß
      Astrid

  3. Hallo liebe Astrid,
    was für eine süße Geschichte. Sehr viele Kinder würden sehr traurig sein und bitterlich weinen wenn Weihnachten ausfallen würde. Ich bin mir auch ganz sicher das klein Herbert ein großartiger Helfer sein wird.
    Meine Enkel haben ihren Wunschzettel schon an den Weihnachtsmann abgeschickt und warten nun sehnsüchtig auf ihre Geschenke. Noch glauben sie ganz fest an ihn und lernen auch schon fleißig ein Gedicht und ein Lied. Vor zwei Jahren hatten wir sogar den Weihnachtsmann an Heiligabend eingeladen, die Kids hatten große Augen gemacht und Du wirst es kaum glauben wie brav sie waren.

    Eine wundervolle Adventszeit wünsche ich Dir.
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Ja, wenn dann tatsächlich der Weihnachtsmann vor ihnen steht, dann haben sie auch tüchtig Respekt vor ihm. Es könnte ja doch sein, dass er echt ist. 😉
      Ich finde es einfach immer wieder süß, wenn Kinder noch an den Weihnachtsmann glauben, auch wenn sie gar manches Mal schon so eine leise Ahnung haben…
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    Deine Geschichten sind immer so voller Liebe gegenüber menschlichen Schwächen – berührend. Vielleicht machen sie uns alle ja auch ein Stück großzügiger, selbst in dieser hektischen Welt! Wäre das nicht wunderschön!?!!

    Liebe Astrid, zu Deinen Worten auf meinem Blog…
    Was für ein Gefühl von sooo viel Lob überrascht zu werden…Ich danke Dir dafür!
    Hast Du schon den 2. Teil angeschaut? Vermutlich morgen kommt der 3. Teil…
    Ich bin sooo gespannt, welcher Kranz die meisten Stimmen bekommt!
    Alles Liebe
    Heidi

    • Astrid Berg sagt

      Oh Heidi, ich freue mich soooo über Deine lieben Worte und danke Dir von ganzem Herzen dafür.
      Ich springe dann mal schnell zu Dir, um den dritten Teil des Weihnachtsmarktes anzuschauen. Also bis gleich.
      LG
      Astrid

  5. Da hast du mit deiner süßen Geschichte ja mal wieder Weihnachten gerettet 🙂 Wenn ich deine Geschichten lese, habe ich immer Bilder vor mir. Kinderbuch-Bilder 🙂 Ich habe als Kind gern Bücher angeschaut und gelesen. Und auch unseren Kindern habe ich einige riesengroße Papp-Bücher geschenkt mit ganz vielen Bildern. Es gab unendlich viel zu entdecken. Diese Bücher habe ich heut noch auf dem Boden, die wurden aufgehoben. Ein Buch heißt „Der fliegende Robert“, es ging um einen Papagei. Unser jüngerer Sohn heißt Robert und er bekam das Buch.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      Deine Worte bringen Freude in mein Herz. Wenn Du beim Lesen Kinderbuchbilder vor Deinem geistigen Auge siehst, dann habe ich wohl alles richtig gemacht und das ist für mich ein großes Lob.
      Ich habe auch noch ein paar Bilderbücher aus meiner Kindheit bei meiner Mutter in meinem ehemaligen Kinderzimmer stehen. Sie werden in Ehren gehalten, bis irgendwann unser Sohn auch einmal Kinder hat.
      Liebe Morgengrüße in die Aue
      Astrid

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