Kurzgeschichten
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Familienausflug

Wer glaubt, dass man mit Maschinen nichts erlebt, der wurde wohl durch Ein Tässchen Kaffee gefällig?  und  Waschmaschinengespräche  eines Besseren belehrt. Egal, ob Waschmaschine oder Kaffeevollautomat, unsere lieben elektrischen Haushaltshelfer leben mit uns, halten uns auf Trab und führen uns zu neuen Abenteuern. 

Alles Quatsch?! Oh, nein! Wir haben gerade einen wunderschönen Sonntag verlebt, den wir einer Waschmaschine zu verdanken haben.
„Ich habe da ein kleines Problem“, sagt die Freundin unseres Sohnes. „Ich will doch umziehen. Jetzt habe ich festgestellt, dass meine Waschmaschine zu breit ist. Sie passt nicht dorthin, wohin ich sie stellen will und einen anderen geeigneten Platz gibt es nicht in der neuen Wohnung.“
„Bestimmt kannst du über eine Internetplattform eine schmälere Waschmaschine kaufen“, weiß unser Sohn sofortigen Rat.
„Genau das habe ich schon getan. Ich habe mir in Berlin eine gebrauchte kleinere Maschine gekauft, sie muss nur noch abgeholt werden.“
„Das kann ich ja machen!“, erklärt sich unser Sohn sofort bereit.
„Alleine kannst du sie aber nicht tragen“, mischt sich mein Mann ein. „Ich komme mit!“
Ich werde hellhörig, denn sie vereinbaren plötzlich für Sonntag einen gemeinsamen Waschmaschinenabholtermin.
„Ich glaube ja, ich höre nicht richtig“, sage ich zu meinem Mann. „Ihr macht euch einen schönen Nachmittag in Berlin und ich sitze hier.“
„Wieso schöner Nachmittag? Wir holen doch nur die Maschine ab und kommen gleich wieder zurück.“
„Wer das glaubt, der wird selig!“
Irgendwie bemerkt mein Mann, dass ich leicht eingeschnappt bin, denn den Sonntag habe ich mir anders vorgestellt.
„Dann kommt doch einfach mit!“
„Und die Mutti?“, gebe ich zu bedenken. „Soll sie dann alleine hier sitzen?“
„Nö“, meint meine Mutter. „Ich komme auch mit.“
Nur gut, dass Lottchen, unsere Katze, andere Pläne hat, sonst würde sie vielleicht auch noch mitfahren wollen. Obwohl, – da die Freundin und zukünftige Waschmaschinenbesitzerin zeitlich verhindert ist und daher nicht mit nach Berlin kommt, wären wir zu viert und würden für Lottchen sicherlich auch noch ein Plätzchen finden.
Okay, nun wäre dieses Problem schon einmal geklärt. Nicht aber die Fahrgelegenheit. Im Kofferraum lässt sich eine Waschmaschine schwerlich von Berlin nach Cottbus transportieren. Es sei denn, wir möchten unbedingt eine Kontaktaufnahme mit der Polizei, die uns in diesem Fall auch bestimmt gerne anhalten und uns ein spezielles Zettelchen überreichen würde. Da dieses Vergnügen jedoch einseitig wäre und uns ein gutes Sümmchen kosten würde, sollten wir eine andere Fahrgelegenheit organisieren.
Aber auch hierfür finden wir eine Lösung. Logisch!
„Wir fahren einfach mit dem Cabrio!“, erklärt mein Peter.
Sollte jetzt jemand annehmen wir transportieren die Waschmaschine bei offenem Verdeck im Innenraum, so könnte zwar diese Idee von uns stammen, aber ich muss trotzdem vehement widersprechen. Und nicht nur wegen der weiteren möglichen Kontaktaufnahme mit der Polizei, sondern weil mein Cabrio eine Anhängerkupplung hat und wir einen Anhänger besitzen.
„Das geht nicht!“, rufe ich allerdings sofort in die Runde und alle Blicke richten sich auf mich.
„Erstens sieht das doof aus, so mit offenem Verdeck und Anhänger. Zweitens ist der Cabrio zu tief und Mutti kommt schlecht aus den Sitzen wieder hoch!“
„Dann nehmen wir doch mein Auto, ich habe schließlich auch eine Anhängerkupplung!“, schlägt unser Sohn vor und schon ist auch das Problem gelöst. Doch wer jetzt glaubt, jetzt würde alles seinen geregelten Gang gehen, der kennt uns nicht.
Zunächst meldet die Freundin Bedenken an, die Waschmaschine könne auf dem ungefederten Anhänger beschädigt werden, da anscheinend auch keine Transportsicherung für die gebrauchte Maschine existent ist. Doch dafür gibt es Spanngurte und Knallfolie, die allerdings an einem anderen Standort untergebracht sind und erst noch geholt werden müssen. Auch zwei Rollbretter könnten dienlich sein, so meinten meine beiden Männer. Und jetzt erfahren wir auch, dass die Maschine in Berlin Marzahn im sechsten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses steht.
„Aber es gibt einen Aufzug!“, erläutert uns die Freundin.
„Berlin Marzahn?!“, rufe ich freudig aus. „Da sind doch die Gärten der Welt! Da gehen wir hin!“
„Und in der Zwischenzeit klaut jemand die Waschmaschine“, höre ich schon die nächsten Bedenken.
„Na klar!“, sagt mein Mann. „Der Dieb kommt zufällig mit dem Fahrrad vorbei, sieht den Anhänger, schaut unter die Plane, packt die Maschine auf den Gepäckträger und los geht es!“
Es ist schon seltsam, aber wir schaffen es tatsächlich am Sonntag den Anhänger anzukuppeln, zu viert im Auto zu sitzen, den Motor zu starten und zu unserem Familienausflug aufzubrechen.
Weit kommen wir allerdings nicht. Ich sitze auf der Rückbank und halte drei Briefe in der Hand, die ich noch schnell beim nächsten Briefkasten um die Ecke einwerfen will. Doch der Fahrer hat meine Vorankündigung nicht gehört und fährt natürlich vorbei.
„Ach“, sage ich, „wir werden schon noch einen finden!“
„Soll ich umdrehen?“, fragt unser Sohn.
„Ja!“ , sagt mein Mann.
„Nein!“, sage ich.
„Dann kommen wir heute Abend nach Hause und die Briefe bringen wir wieder mit!“, erklärt mein Mann.
Wie recht soll er doch behalten. Aber nicht heute Abend soll dies der Fall sein, sondern schon in wenigen Minuten.
Zunächst springt bei mir das Kopfkino an:
„Ist die Terrassentür zu?“, frage ich.
„Die ist zu!“, bestätigt mir meine Mutter.
„Und die Garage?“
„Weiß ich nicht, aber da drückt man doch schon automatisch auf die Taste, damit das Tor schließt!“, gibt mein Mann zu bedenken.
„Soll ich umdrehen?“, fragt unser Sohn zum zweiten Mal.
„Nein!“, sagen wir drei im Chor.
„Sonst kommen wir ja nie weg hier!“, betont mein Mann.
Ich neige meinen Kopf zur Seite und schaue ihn an:
„Hast du die Rollbretter mitgenommen?“
„Die hab ich vergessen!“, gibt er unumwunden zu.
„Soll ich umdrehen?“, erkundigt sich unser Sohn nun zum dritten Mal und erhält diesmal ein einstimmiges „Ja!“
Während mein Mann die Rollbretter holt, laufe ich um die Ecke und werfe die Briefe in den Briefkasten ein.
So, nun kann es losgehen.
Denkste!
„Wo fährst du eigentlich hin?“, erkundige ich mich bei unserem Sohn, denn er fährt nicht in Richtung Autobahnauffahrt.
„Wir müssen doch noch die Knallfolie und die Spanngurte holen!“, antwortet er und biegt rechts ab.
„Wenn wir so weiter machen, dann können wir die Waschmaschine abholen und gleich wieder nach Hause fahren, weil wir zu spät dran sind. Die Gärten der Welt können wir dann abhaken“, sage ich.
„Und warum machen wir dann einen Familienausflug?“, gibt unser Sohn zu bedenken. Ich wollte einfach nur die Waschmaschine abholen!“

Die Wahrscheinlichkeit noch vor Einbruch der Dunkelheit in Berlin anzukommen, nimmt rasant ab, als der Fahrer unseres Ausflugsgefährtes die Tankstelle ansteuert. Nun hat nicht nur das Auto Durst und muss mit Benzin befüllt werden, sondern alle Insassen verspüren plötzlich Hunger und Durst. So decken wir uns alle an der Tankstelle auch noch mit Kaffee und sonstigem Proviant ein.
Als wir endlich auf der Autobahn nach Berlin fahren, kommen wir auch nicht gerade flott von der Stelle. Nein, es ist kein Stau. Trotzdem müssen wir mit dem Anhänger im Schneckentempo von achtzig Stundenkilometern die Strecke zurücklegen und zu regnen beginnt es auch noch.
Aber wir kommen an! Es hat sogar aufgehört zu regnen. Wir verleben einen wunderschönen und sonnigen Nachmittag in den Gärten der Welt, holen gegen Abend die Waschmaschine ab, bringen sie heil nach Cottbus und liefern sie bei der Freundin unseres Sohnes ab, die uns und die Maschine glücklich empfängt.
„Das war wieder einmal filmreif!“, höre ich unseren Sohn sagen.
„Stimmt! Man sollte über unsere chaotische Familie einen Film drehen, das wäre bestimmt hollywoodreif und oskarverdächtig!“
Von den „Gärten der Welt“ werde ich Euch in meinem nächsten Beitrag berichten und ich bin mir sicher, dass sie Euch ebenfalls gefallen.

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