Autor: Astrid Berg

Gerümpel oder Kostbarkeiten?

Es ist ein schöner goldener Oktoberabend und wir sitzen noch ein Weilchen auf unserer Terrasse, vielleicht eine der letzten Gelegenheiten für dieses Jahr. „Sag mal“, fragt mich mein Mann aus heiterem Himmel. „Wieso heißt der Flohmarkt eigentlich Flohmarkt?“ Stirnrunzelnd schaue ich ihn an. Mir ist schleierhaft wie er auf diese Frage kommt. „Da gibt es doch gar keine Flöhe zu kaufen“, redet er unbeirrt weiter. „Heute vielleicht nicht mehr, aber früher schon“, erkläre ich ihm. „Wieso, wer braucht denn Flöhe?“, kommt seine nächste Frage, für die er sich aber sogleich selbst eine mögliche Antwort gibt: „Ach, vielleicht, wenn man Direktor in einem Flohzirkus ist.“ „Quatsch!“, antworte ich, denn ich weiß es besser, weil ich mich zufälligerweise erst kürzlich belesen habe. „Im Spätmittelalter erhielt das Volk von seinem Fürsten Kleidergaben“, kläre ich ihn auf. „Innerhalb des Volkes gab es dann natürlich einen Handel mit diesen Kleidern und mit der Übergabe der Kleidungsstücke erfolgte auch die Übergabe von Flöhen.“ „Klingt logisch“, sagt mein Gatte und schaut mich richtig überzeugt, aber auch gleichzeitig schelmisch an. Ich werde inzwischen …

Mein Verhältnis zu meinen beiden Lieblingsschränken

In unser aller Leben spielen Schränke eine große Rolle, sei es der Küchenschrank, der Aktenschrank, der Werkzeugschrank, der Badezimmerschrank und, und, und. Man könnte diese Aufzählung nahezu unendlich fortsetzen. Dabei wird man feststellen, dass es diese Schränke in allen möglichen Größen, Stilrichtungen und Variationen gibt. Manche hassen wir, andere sind uns egal, aber zwei Arten spielen eine herausragende Rolle, zumindest im Leben einer Frau und damit auch indirekt in dem der Männer. Wir Frauen lieben, neben unserem Mann natürlich, unseren Kleiderschrank und unseren Schuhschrank und haben ein sehr inniges Verhältnis zu ihnen. „Beherbergen sie nicht all die schönen Dinge, die uns Frauen für euch Männer noch hübscher, attraktiver, begehrenswerter und im wahrsten Sinne des Wortes noch anziehender machen?!“, frage ich meinen Mann und schiebe erklärend nach: „Wir freuen uns über den Inhalt ebenso sehr wie ihr Männer über den Inhalt eures Werkzeugschrankes“. „Damit wären wir wieder einmal quitt, 1:1!“, lächelt mein Mann. „So wie unsere Schränke wollen auch die der Männer gepflegt und gefüttert werden und ebenso wie deren Inhalt, wächst auch der Inhalt unseres …

Das Familien – A B C

Im Leben einer Familie gibt es Dinge, die für gerade diese eine Familie typisch sind. Es existieren Erlebnisse und Begebenheiten, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Deshalb habe ich für meine Familie eine Art Familien – ABC erstellt.       „Alle Jahre wieder“ nehme ich mir vor, mit dem Einkauf der Weihnachtsgeschenke am besten schon im Sommer anzufangen. Dann hätte ich in der Adventszeit keinen Stress. Seltsam: Ich stelle immer wieder aufs Neue fest, dass Weihnachten total unverhofft kommt. „Bitte gib mir doch mal die Fernbedienung!“, fordere ich meinen Mann auf, der aber auf diesem Ohr taub zu sein scheint. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass er wahrscheinlich unbewusst der Meinung ist, dass dieses Gerät in seine Hand gehört, denn er fragt einfach nur zurück: „Soll ich umschalten?“ Ist das jetzt pure Höflichkeit oder die Ausübung einer sogenannten Machtposition? Denn mit dem besagten Gerät hält man ja im Grunde genommen die Macht in der Hand. „Mann“ ist sozusagen Herr über das im heimischen Wohnzimmer ausgestrahlte Fernsehprogramm. Manchmal schläft er sogar mit erhobener Hand, …

Beschützer, Einbrecher, Holzfäller und ein ungeliebtes Haustier

In unserem letzten Urlaub wurde ich unfreiwillig Ohrenzeuge eines Gespräches zwischen zwei Frauen. Sie klagten sich gegenseitig ihr „Leid“. „Manchmal halte ich es einfach nicht mehr aus!“ „Ja, genau man fühlt sich total fix und fertig am nächsten Tag.“ Eigentlich hätte ich mich sofort und ohne große Probleme dem Gespräch anschließen können, denn von dieser Art „Leid“ kann ich ebenfalls ein Liedchen singen. „Was grinst du denn so?“, fragte mich mein Mann, aber da hatte er auch schon Gesprächsfetzen aufgefangen. „Ja, ja die schlimmen Männer!“ Inzwischen schwelgte ich lächelnd in Erinnerungen und durchforstete mein Leben nach eigenen Erfahrungen mit diesem eigentümlichen und lautstarken Phänomen, das scheinbar alle Ehemänner zu befallen schien und sich offenbar ungeachtet der Nationalität von Generation zu Generation weitervererbte. Als erstes fiel mir eine Familienfeier ein, bei der die Cousine meines Mannes von einer Begebenheit berichtete, die sich allerdings noch vor meinem Eintritt in diese Familie ereignet hatte. „Ich habe ganz viele Jahre an eine sehr einleuchtende Erklärung geglaubt, bevor ich irgendwann von meiner Mutter in ein offenes Geheimnis eingeweiht wurde und …

Die Sache mit der Vorahnung

Zurückblickend hätte ich es eigentlich vom ersten Moment an ahnen müssen. Aber so ist es nun einmal im Leben, – hinterher weiß man immer alles besser. Und überhaupt, wie war das noch einmal mit dem Spruch, den meine Mutter mir ins Poesiealbum geschrieben hat? „Wenn du einst in deinem Leben fest auf einen Menschen baust, geh’ mit Vorsicht ihm entgegen, eh’ du dich ihm anvertraust…“ ( Überlieferung / Der Verfasser ist mir unbekannt). So ähnlich war er wohl. Läge das Poesiealbum nicht noch in meinem ehemaligen Kinderzimmer zu Hause bei meiner Mutter, ich würde die Stufen hinaufeilen, um nachzuschlagen, doch 600 Kilometer überbrückt man nicht eben mal so in 5 Minuten. Unbekümmert legte ich damals das Büchlein zur Seite. Irgendwie gefiel mir der Vers jedoch und bei jeder neuen Liebelei oder Schwärmerei kam er mir immer kurzzeitig ins Gedächtnis zurück, um mich dann letztendlich dem Richtigen anzuvertrauen. Ich könnte jetzt noch viel philosophieren und die Zeichen der Zeit zu erklären versuchen, um dann zu erkennen, dass von Anfang an eigentlich alles auf mein Leben mit …

Jetzt fängt mein neues Leben an

Die folgende Geschichte habe ich vor genau 14 Jahren geschrieben. Damals hatte der Märkische Bote dazu aufgerufen aus Anlass des 10. Jahrestages der Deutschen Einheit die persönliche Geschichte im Zusammenhang mit der Wende zu erzählen. Der folgende Beitrag von mir wurde preisgekrönt, mit einer Prämie gewürdigt und abgedruckt:  „Jetzt fängt mein neues Leben an“, sagte mein Sohn „Erzähl mir doch ein bisschen von früher“, forderte mich mein Sohn auf. Er liebte es schon immer, wenn mein Mann oder ich Geschichten aus meiner Kindheit oder ähnliches erzählten. In Gedanken ließ ich meine Kinder- und Jugendzeit an mir vorüberziehen. Plötzlich fiel mir der dicke, gelbe Teddy ein, den ich mit zwei Jahren von einer Tante meiner Mutter geschenkt bekommen hatte und den ich über alles geliebt hatte. So erzählte ich ihm: „Ich kann mich noch gut erinnern, als ein Päckchen aus der Ostzone bei uns ankam, in dem mein „Chruschtschow“ lag!“ Schon beim ersten Satz erkannte ich jedoch an den großen Augen meines Sohnes, dass er nur „Bahnhof“ verstand, also fing ich anders an: „Du weißt doch, …

Ein besonderer Mensch

Eine Bekannte sagt häufig: “Das ist ein ganz besonderer Mensch.“   Sie meint damit meist einen reichen Menschen oder  jemand, der lieb zu ihr war.  Ich möchte hier jedoch über einen besonderen Menschen berichten, der ziemlich in jedem von uns steckt. Wir verwandeln uns in ihn, indem wir uns ähnlich wie bei der Verwandlung von der  Raupe zum schönen Schmetterling verpuppen. Dann „flattern“ auch wir umher und freuen uns  unseres Lebens. Die Rede ist von einer Gattung Mensch, den wir den Touri nennen. Ich habe mich für eine begrenzte Zeit in ihn verwandelt, habe mich sozusagen zu den anderen Touris gesellt, ihr und mein Verhalten in dieser Zeit beobachtet und festgehalten, denn wenn einer eine Reise macht, hat er was zu erzählen. Was dabei herauskam, ist ein etwas anderer Urlaubsbericht: „Ach, weißt du, eigentlich passt es mir im Moment gar nicht in den Urlaub zu fliegen“, sagt der Touri zu seiner Frau, die ihn mit großen fragenden Augen anschaut. „Ich hätte noch so viele Dinge zu erledigen, die ganze Arbeit bleibt liegen…, ich muss in jedem Fall …