Kurzgeschichten
Kommentare 22

Wenn Zwei träumen

Es ist mitten in der Nacht. Im ganzen Haus und auf der Straße herrscht Stille. Alles ist dunkel. Alle schlafen. Ich glaube jedoch meine Mutter zu hören, die vom Gästezimmer in das Bad geht. Wieder ist alles ruhig. Wie sollte es auch anders sein, denn alle schlafen doch, selbst ich. Darüber bin ich mir sehr bewusst.
Plötzlich ertönt ein lautes mehrmaliges Hupen. Davon scheine ich zu erwachen und frage mich insgeheim, warum um diese Zeit jemand vor unserem Haus hupt.
„Das kann nur die Müllabfuhr sein“, überlege ich, denn am Abend hat mein Mann noch vor dem Zubettgehen die Mülltonne auf den Bürgersteig gestellt. „Logisch!“
Überhaupt ist im Moment alles vollkommen logisch.
Ganz automatisch rufe ich lautstark den Namen meines Mannes:
„Peter!“
Er rührt sich nicht und schläft seelenruhig weiter. Das geht aber nicht, denn das Hupen hat signalisiert, dass jemand etwas von uns will. Nicht unseren Nachbarn, sondern uns hat das Hupen gegolten. Das steht außer Frage, jedenfalls für mich und in diesem Augenblick. Mir ist auch schlagartig klar, worum es geht. Ein Auto von uns steht im Weg. Peters Auto. Mein Auto steht in der Garage, das weiß ich genau.
Also rufe ich noch einmal nach meinem schlummernden Göttergatten, denn er muss etwas unternehmen. Auf eine andere Idee komme ich erst gar nicht.
„Peter!“
„Warum weckst du mich? Mach mich doch nicht wach!“, knurrt er wenig erfreut zurück.
„Dein Auto versperrt den Weg. Du musst es wegfahren!“
„Lass mich schlafen. Ich werd sonst sauer!“
„Hast du nicht gehört, dass es gehupt hat?“
„Niemand hat gehupt“, nuschelt er in sein Kissen.
„Peter! Du musst jetzt aufstehen!“, sage ich ganz bestimmend.
„Stimmt, die chinesische Delegation wartet schon auf mich. Die haben gerade angerufen, dass ich kommen soll“, gibt er mir zur Antwort.
„Was?“, rufe ich aus und öffne schlagartig meine Augen.
Alles ist still um uns herum. Mein Mann liegt neben mir im Bett und schläft friedlich, zumindest bis zu diesem Zeitpunkt. Jetzt reißt er nämlich auch seine Augen auf.
„Du hast mich zwei oder dreimal gerufen“, erklärt er mir. Mach mich doch nicht wach! Ich kann sonst nicht mehr einschlafen!“
„Du musst aber aufwachen, weil es draußen gehupt hat.“
„Nichts hat gehupt, du hast geträumt. Aber dein Rufen hat genau zu meinem Traum gepasst, denn ich habe in diesem Moment geträumt, dass ich sowieso wegen der chinesischen Delegation aufstehen hätte müssen.“
„Welche Delegation?“, frage ich leicht verwirrt.
„Keine Ahnung!“, gibt mein Mann schlaftrunken zurück.
Ich muss lachen, denn irgendwie scheinen sich unsere beiden Träume miteinander vermischt zu haben. Gut, ich habe schon oft gelesen, dass sich langjährige Ehepaare irgendwie einander anpassen. Aber dass sie auch ihre Träume schon gemeinsam träumen, ist mir bislang vollkommen unbekannt gewesen. Ich bekomme einen richtigen Lachanfall.
„Ruhe!“,fordert mein Mann mich murmelnd auf und in der nächsten Sekunde schnarcht er schon wieder vor sich hin.
Ich allerdings bin inzwischen hellwach und nutze die Gelegenheit die Toilette aufzusuchen. Als ich jedoch den Türgriff zum Badezimmer herunter drücken will, bemerke ich, dass die Tür verschlossen ist und innen Licht brennt. Meine Mutter ist im Bad.
Verwirrt schüttele ich den Kopf.
Sollte ich das alles doch nicht geträumt haben?
Ich habe also tatsächlich gehört, wie sie ins Bad ging?
Hat es dann doch gehupt?
Doch draußen ist alles friedlich und still. Man kann kein Motorengeräusch vernehmen und schon gar nicht ein Hupen. Außerdem ist es noch stockfinster und keine Menschenseele ist auf der Straße. Auch meine Mutter scheint nichts gehört zu haben, aber sie hat ja auch ihr Hörgerät nicht an.
Am Morgen, als ich aufstehe, werfe ich einen Blick auf die Straße vor dem Haus. Dort steht die Mülltonne noch ungeleert vor dem Haus. Alles ist so, als wäre tatsächlich nichts gewesen. Doch ich kann mich noch ganz genau an das nächtliche Hupen erinnern. Es klingt noch in meinen Ohren. Wie schon so oft, wenn ich im Traum ganz realistische Geräusche höre, wie zum Beispiel das Telefonläuten oder das Klingeln an der Haustür. Seltsam!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Das sind wir

Der Knuddelhund erzählt

Klammeräffchen und Co.

 

 

22 Kommentare

  1. hmmmmmmmmmmmmmmmmm, liebe Astrid – damit hat sich wohl irgendein Unterbewusstsein in dir geregt und dir lebhafte + glaubhafte Träume beschwert…deine Phantasie schlägt sofort Purzelbäume und spiegelt dir geräusche und Begebenheiten vor…da fragt man sich natürlich:ists Einbildung oder etwas reales was dich weckte…
    hübsche geschichte, man sollte vielleicht einen Traumdeuter für dich herein holen..
    dass aber auch ER…Potzblitz, man sagt ja – nach Jahren des Zusammensein ähneln sich in gesten – Aussehen – gehaben Herrchen und Hund und stimmen sich aufeinander ab, ists vielleicht, tatsächlich bei Paaren ebenso?

    herzlichst Angel…die sagt, bestimmT!°.

    • Astrid Berg sagt

      Es ist aber seltsam, denn ich kann mich meist nicht an meine Träume erinnern. Wenn ich jedoch ein Telefonläuten, ein Hupen oder das Klingeln an der Haustüre im Traum höre, dann wache ich davon immer auf und kann mich demzufolge auch ganz genau an den Traum erinnern.
      Ich muss wohl tatsächlich laut den Namen meines Mannes gerufen haben und somit hat er mein Rufen in seinen eigenen Traum eingebaut. Ist das nicht perfekt, wie wir uns ergänzen? 😉
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    bezaubernde Geschichte! Die Vorstellung, dass es möglich sein könne, man träume „gemeinsam“ ist irgendwie verführerisch.
    Deine Träumerei hat mir sehr gut gefallen, so wie der kleine Esel? links im Bettchen. 😉
    Lieben Gruß und einen hellwachen Tag,
    herzlichst moni

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Moni,
      von diesem kleinen Esel gibt es ebenfalls einen Post auf meinem Blog (Wenn es dem Esel zu wohl ist…) und dreimal darfst Du raten, wer der Esel in diesem Fall war 😉
      Übrigens beiden Stofftieren hat mein Mann eine Socke aufgesetzt. Das hat mir damals so gut gefallen, dass ich ein Foto gemacht habe. Ich wusste doch, irgendwann kann ich es als Beitragsbild benutzen. 🙂
      LG
      Astrid

  3. Wie ich das kenne! Seit die Schwiegereltern Pflegefälle sind und ständig bei uns anrufen, träume ich auch nachts, dass es klingelt. Wie oft bin ich ans Telefon gestürzt, doch es war kein Anruf da.
    Oder ich höre Johnny, doch er schlummert in seiner Schaumstoffhütte.
    Unser Hirn arbeitet nachts, während wir schlafen. Doch im tiefsten Inneren sind unsere Ohren wahrscheinlich noch wach für den Notfall.
    Hab eine gute Nacht heut Nacht liebe Astrid 🙂
    Viele Abendgrüße von Kerstin aus dem heißen Königsbrück (wir warten sehnsüchtig auf Regen).

    • Astrid Berg sagt

      Das stimmt, diese Träume haben mit unseren Ängsten, dass etwas passiert sein könnte, zu tun.
      Mütter mit einem Säugling werden ja auch bei dem geringsten Mucks des Kindes wach.
      Der Regen war gestern bei uns. Kurz und ziemlich heftig kam er herab gestürzt. Heute wäre trotzdem ein bisschen Regen nicht schlecht, den Pflanzen tut es gut. Leider haben wir momentan wieder ziemlich viele Mücken, die das Feuchte lieben und ständig und überall stechfreudig durch die Gegend fliegen ;-).
      LG
      Astrid

  4. Liebe Astrid,
    auch ich höre manchmal ganz deutlich das Klingeln an der Türe. Bin auch deshalb schon ans Fenster gerannt, um zu sehen, wer das war. Aber keiner stand da. Und so rede ich mir jedesmal ein, dass ich das geträumt hat – bis eines nachts wirklich jemand etwas von mir wollte und ich nicht aufmachte… 🙂

    Liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Oh, wie oft bin ich schon mitten in der Nacht aufgestanden und habe nachgesehen. Aber wenn es dann tatsächlich klingelt, dann bekommt man schon Gänsehaut.
      Hast Du herausgefunden, wer damals nachts geklingelt hat? Wenn es ein Streich war, dann war es auf alle Fälle ein ziemlich schlechter Scherz, der einen in Angst und Schrecken versetzt.
      Liebe Grüße
      Astrid

  5. Liebe Astrid, dein Thema passt wunderbar zu meiner Frage von gestern 🙂 – sind Träume nur Schäume? – Also deinen ‚Fall‘ kann ich noch toppen. – Ich habe nämlich die Polizei angerufen, nachdem ich seeehr deutlich einen Schrei vernommen hatte. Mein Mann hat es nicht geschafft, mich davon abzuhalten. Die Polizei stand wirklich und wahrhaftig vor unserer Tür und ich habe ihnen erklärt, dass ich einen Schrei gehört hätte. – Das ist echt passiert. Das hab ich nicht geträumt – außer vielleicht die Sache mit dem Schrei …. 🙂
    Ich wünsche dir eine glückliche Woche und süße Träume! Martina

    • Astrid Berg sagt

      Das ist ja der Hammer! Du hast tatsächlich die Polizei gerufen! Das hätte ich mich dann doch nicht getraut. Aber es ist manchmal so real, da zweifelt man schon an der Möglichkeit nur geträumt zu haben.
      Ich wünsche uns, dass es zukünftig in unseren Träumen etwas stiller zugeht und schicke Dir recht herzliche Grüße
      Astrid

  6. Liebe Astrid, ich bin für Dich keine Traumerscheinung, sondern wirklich wieder mal nach langer Zeit bei Dir zum Lesebesuch.
    Habe leider wenig Zeit zu Blogwanderungen.
    Heute kann ich die Wartezeit überbrücken, denn es muß der Rollstuhl repariert werden und dazu kommt der Rep-Dienst zu uns nach Hause.
    Ich bin immer freitags 6 Std bei der SchwieMu.
    Endlich hat sie zugelassen, daß sie sich von einer Dame zu den Arztterminen mit dem Rollstuhl fahren läßt. Mit dem genageltem Bein kann SchwieMu keine langen Wege machen. Das Treppenlaufen hoch und runter bereitet ihr sehr viel Kraft und Schmerzen.
    Sie hätte viel lieber, ich würde alles machen, aber ich habe schon reichlich mit Männe zu tun und kann nicht noch ihre Termine mit den unsrigen vereinbaren und dann die Zeit und Wege. Da bleibe ich kraftmäßig-gesundheitlich sicher auf der Strecke. Damit ist keinem geholfen und ich will das auch nicht.
    Dir alles Gute, tschüssi Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Ich freue mich, dass Du keine Traumerscheinung bist, sondern ganz real auf meinem Blog wieder einen Besuch gemacht hast.
      Du hast wahrlich viel um die Ohren und kümmerst Dich hingebungsvoll um Deine Lieben. Denk bitte auch an Dich, denn auch Deine Gesundheit ist wichtig. Aber das hast Du ja richtig erkannt und das wird Deine Schwiegermutter sicherlich auch verstehen.
      Gerade habe ich gelesen, dass für Berlin und Brandenburg eine Unwetterwarnung herausgegeben wurde. Ich hoffe, es kommt dann doch nicht so schlimm.
      Komm gut durch den Tag.
      LG
      Astrid

  7. Liebe Astrid, ich glaube an Gedankenübertragung und somit auch daran das zwei Menschen sich im Traum begegnen und gemeinsam träumen.Vielleicht ist es der Halbwachzustand, ein Übergang vom Bewussten ins Unterbewusstsein oder umgekehrt?
    Immerhin, weiter schöne Träume ohne Klingelzeichen, herzlichst, Klärchen

    • Astrid Berg sagt

      Hallo liebes Klärchen,
      ich danke Dir für Deinen Besuch auf meinem Blog und heiße Dich hier herzlich willkommen. Es wird wohl bei meinem Mann so eine Art Halbwachzustand gewesen sein, da ich ihn ja lautstark gerufen habe und er dieses Rufen dann in seinen Traum eingebaut hat.
      An Gedankenübertragung glaube ich allerdings auch, wenn die betreffenden Menschen die entsprechende Sensibilität mitbringen, dann ist eine Gedankenübertragung sicherlich möglich. Beim Träumen bin ich mir da nicht ganz so sicher, eher im wachen Zustand.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  8. Liebe Astrid,

    Kicher, allein das Bild von den beiden „Schlafmützen“ ist ja schon süß! Was dein bzw. euer miteinander vermischtes „Traumerlebnis“ betrifft – dass so etwas manchmal zustande kommt, kann ich mir durchaus vorstellen. Vor allem, da du deinen Mann ja gerufen hast. Dass man zuweilen ein Geräusch in einen Traum einbaut, kenne ich aus eigener Erfahrung. Vielleicht hat ja wirklich jemand gehupt (ist möglicherweise irrtümlich an die Hupe angestoßen, wie es mir beim Aussteigen mit einer großen Tasche auch schon passiert ist)… Aber möglicherweise hast du auch nur ein Hupen, das du irgendwann mal gehört hast, in deinem Traum wiederholt und zu einer Traumgeschichte werden lassen… Jedenfalls besitzt du nicht nur im Wachleben Fantasie ;-))

    Ganz herzliche rostrosige Grüße,

    Traude

    • Astrid Berg sagt

      Inzwischen glaube ich nicht, dass es tatächlich gehupt hat. Wir wohnen in einem Stichweg mit nur vier Häusern und zu dieser nächtlichen Zeit verirrt sich eigentlich niemand in diese Straße. Da ich sehr oft von Geräuschen (Klingeln, Läuten, Klopfen…) träume, wundert mich in dieser Hinsicht nichts mehr. Ich scheine tatsächlich auch im Schlaf eine rege Fantasie zu haben.
      Herzliche Grüße aus einem herbstlichen Sommer
      Astrid

  9. Liebe Astrid, die Vorstellung, ich könnte in den Träumen meines Mannes „spazierengehen“, finde ich gut. Ich habe bei meinen Kinder schon erlebt, dass sie im Schlaf miteinandersprechen. Das war auch süß! LG Tanja

    • Astrid Berg sagt

      Oh, da würde ich gerne einmal Mäuschen spielen und bei diesen „Traumgesprächen“ Deiner Kinder zuhören. Es ist bestimmt interessant. Du solltest diese Gespräche einmal aufnehmen. Können sie sich am nächsten Morgen noch daran erinnern?
      Komm gut durch die Hitze und sei ganz herzlich gegrüßt
      Astrid

      • Leider kann ich das nicht. Sie sprechen in einer Art Traumsprache, die sie aber offensichtlich beide verstehen, weil sie aufeinander reagieren. Aber ich versteh nicht so ganz, was sie sagen und erinnern können Sie sich leider nicht. Aber mein großes Kind hatte letzten einen Traum, den ich ganz toll fand. Vielleicht finde ich mal die Gelegenheit davon eine Geschichte zu machen. Im MOment komme ich vor lauter Organisieren, Aufräumen und Arbeiten nicht dazu, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und auch nur mal eine kleine Zeile halbwegs Vernünftiges zusammen zu schreiben. Ich erlebe viel, kann es aber nicht schriftlich verarbeiten. Wird schon wieder werden, hoffe ich. LG Tanja

        • Astrid Berg sagt

          Liebe Tanja,
          ich denke, die Eingebung, Zeit und Lust zum Schreiben kommt dann wieder ganz plötzlich und unvermittelt. Deshalb schaue ich in regelmäßigen Abständen mal bei Dir vorbei.
          An dieser Stelle möchte ich Dir auch wieder einmal meinen Dank für Deine treuen Besuche und das Kommentieren auf meiner Seite aussprechen. Es macht wirklich Spaß mit jedem Einzelnen von Euch in Kontakt zu stehen.
          LG
          Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.