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Trubel im Keller

Ich sitze hier so gemütlich in meinem Sessel und will die Augen ein wenig zudrücken. Draußen ist es kalt und trüb und ich habe keine Lust mich dorthin zu begeben. Hier drinnen ist es warm und gemütlich.
Das dachte ich zumindest, als ich mich auf meiner Decke ausgestreckt habe. Okay, warm ist es schon, aber mit der Gemütlichkeit scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Kaum sind mir die Augen zugefallen und ich will mich ins Land der Träume begeben, da fängt es an. Zuerst denke ich, ich wäre schon eingeschlafen und würde träumen. Aber eigentlich bin ich doch noch wach. Oder träume ich, dass ich träume oder dass ich wach bin? Seltsam. 
Ich höre auch etwas. Doch was ist das? Und vor allen Dingen, wo kommt es her?
Ich glaube es kommt aus dem Keller. Ob ich mal nachsehen gehe? Okay, die Neugierde hat gesiegt. Ich strecke mich noch einmal und stelle mich auf meine Beine. Dann mache ich mich auf den Weg. Dieses Rumoren kommt tatsächlich aus dem Keller. Ich kann mich nicht erinnern, dass außer mir noch jemand im Haus ist. Mir wird es ganz mulmig, denn außer diesen undefinierbaren Geräuschen höre ich auch Stimmen. Oder sollte ich vielleicht verrückt geworden sein? Nein, ich bin vollkommen im Besitz meiner geistigen Kräfte. Klar, die Jüngste bin ich nicht mehr, doch so alt bin ich nun auch noch nicht. Aber es sind eindeutig Stimmen, die ich höre. Noch kann ich sie nicht verstehen, aber je näher ich ihnen komme, umso deutlicher werden sie.
„Jetzt wird es aber endlich Zeit“, sagt ein niedliches süßes Stimmen. Es ist hell und klar, fast wie … Nein, das kann nicht sein.
Da ist aber auch noch eine tiefere Stimme. Ein richtig alter Brummbär scheint das zu sein.
„Hallo! Hallo! Ist denn hier niemand?“, tönt der dunkle Bass aus einer Ecke.
„Doch, ich bin hier!“, hätte ich fast gesagt, doch mir ist die ganze Sache nicht geheuer. Ich kann wirklich niemand sehen, aber ich höre diese Stimmen und nicht nur die zwei. Inzwischen scheinen da auch noch andere zu sein, in den unterschiedlichsten Stimmlagen.
„Lasst uns endlich hier raus!“
„Wie lange sollen wir noch warten oder habt ihr uns ganz vergessen?“
Leise schleiche ich mich Schritt für Schritt näher. Da hinten kommen sie her. Hier im Keller ist es dunkel. Ich kann nichts erkennen. Doch ich weiß, dass dort hinten der alte große Schrank steht und genau von dort kommen die Stimmen und Geräusche. Dort rumpelt und pumpelt es so komisch. Es werden doch keine Einbrecher hier sein? Und ich bin mutterseelenalleine. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Ich muss eingestehen, dass ich Angst habe, obwohl ich sonst nicht unbedingt ein Angsthase bin. Was soll ich nur machen? Es ist richtig unheimlich. Am besten ich verhalte mich ganz still und die Luft sollte ich auch anhalten, damit mich niemand atmen hört.
Plötzlich geht das Licht an. Ich drücke mich hinter das Regal, damit ich nicht entdeckt werde. Wer kommt denn da?
Es ist eine Frau. Jetzt geht sie auch noch zu dem Schrank hin.
Ich kann ihr Gesicht nicht sehen, aber ich glaube es ist … Ich muss sie warnen, doch ich kann mich einfach nicht von der Stelle rühren. Hört sie denn nicht diesen Trubel und die Stimmen? 
„Halt!“, will ich ihr entgegen schreien, aber aus meiner Kehle dringt kein Laut.
Sie öffnet die Schranktür.
„Na endlich! Es wurde auch Zeit!“
„Bin ich froh, dass wir jetzt gleich wieder frei sind!“, höre ich viele verschiedene Stimmen.
Die Frau nimmt etwas heraus und dreht sich um. Jetzt erkenne ich sie ganz deutlich. Es ist mein geliebtes Frauchen. Ich springe aus meinem Versteck und laufe zu ihr. Und jetzt verstehe ich auch  plötzlich, was hier vor sich geht.
Mein Frauchen hat einen großen Karton aus dem Schrank geholt und ihn geöffnet. Nach und nach entnimmt sie ihm viele verschiedene Figuren: Einen Weihnachtsmann, das muss der mit der tiefen Bassstimme sein. Und zwei kleine Engelchen, das waren die hellen und klaren Stimmen. Auch Schneemänner, ein kleines Schaukelpferd, Kerzen, Glöckchen, Kugeln und vieles mehr zaubert sie hervor. 
„Na klar!“, denke ich. „Die Adventszeit beginnt nun schon bald und die Weihnachtsdekoration wird aufgestellt. Bin ich froh!
„Schau mal Lottchen! Sind die nicht süß?! Jetzt wird es weihnachtlich!“, sagt sie zu mir, streichelt mich ganz lieb und hält mir die zwei kleinen Schneemänner hin.

 

 

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6 Kommentare

    • Astrid Berg sagt

      Es macht jedes Jahr Freude die Weihnachtsdekoration im Haus zu verteilen. Manchmal kommen auch noch neue Teile dazu. Allerdings wundere ich mich beim Wegräumen auch jedes Jahr, dass es soooo viele Teile sind, die ich aufgestellt habe und nehme mir für das kommende Weihnachten vor weniger Deko aufzustellen. Naja, Du weißt ja, wie das mit den guten Vorsätzen so ist. 😉
      LG
      Astrid

  1. Liebe Astrid,
    was für eine bezaubernde Geschichte.♥
    Genau so ist es ja: Ein ganzes Jahr müssen die weihnachtlichen Dekorationen ein verstaubtes Dasein und Überleben fristen, bis sie – alle Jahre wieder – hervor geholt, bestaunt und verteilt werden. Auf diesen Augenblick wartet alles und alle. 😉

    Auch ich werde heute adventlich und vorweihnachtlich „aufschmücken“ und habe immer wieder Freude daran, alles liebevoll zu gestalten, damit ich mich so richtig wohl fühlen kann.
    Hab einen angenehmen Freitag,
    herzlichst
    moni

    • Astrid Berg sagt

      Ich habe auch immer Freude an der Weihnachtsdekoration, allerdings nicht beim Wegräumen und Verpacken für das nächste Weihnachtsfest.
      Liebe vorweihnachtliche Grüße
      Astrid

  2. Bei mir ist es der Boden 🙂 Kisten und Schachteln, verstaut in einem großen alten Schrank. Es ist so kalt da oben, da muss ich mich überwinden. Dann herrscht Chaos im Wohnzimmer. Was nehmen wir dieses Jahr, was bleibt im Karton? Silber, Rot oder Stroh? Jedes Jahr anders.
    Hab eine schöne Vorweihnachtszeit,
    liebe Grüße zum 1. Advent von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Das wünsche ich Dir auch, liebe Kerstin. Dazu noch baldige Genesung und ein schönes Wochenende.
      LG
      Astrid

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