Kurzgeschichten, Meine Plauderecke
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Man lernt nie aus

Als ich neulich meine Blogrunde drehte und bei Martina vorbeisah, las ich ihren Post über das „ß“ (kluempche). Schon bei den ersten Sätzen machte es in meinem Kopf „Klick!“ und ich war in der Vergangenheit. Mein Kopfkino sprang an. Ich sah mich wieder die Schulbank drücken und dreimal dürft ihr raten, um was sich der Unterrichtsstoff drehte.

Genau, um das „ß“. Ich will Euch die Geschichte erzählen, die mich schon ein bisschen stolz macht. Auch nach so vielen Jahren, beziehungsweise Jahrzehnten:
Klein- Astrid sitzt also im Unterricht. Sie ist in der zweiten Klasse und weil sie schon vor ihrem ersten Schulstart wusste, dass sie einmal Lehrerin werden will, sitzt sie ganz aufmerksam und mit „hochroten Wangen“ (Originalwortlaut des Lehrers) im Klassenzimmer und lauscht den Ausführungen des Lehrers.
Heute gibt er die Hefte zurück, die er einen Tag zuvor eingesammelt hat. Sie hatten sich Sätze ausdenken und aufschreiben müssen. Klein-Astrid hatte einen Satz gewählt, in dem ein wirklich schwieriges Wort vorkam. Zum Glück hatte ihre Mutter gewusst, wie man es schreibt. Oder doch nicht?
Der Lehrer hat schon einige Hefte zurückgegeben und immer auch etwas zu dem betreffenden Schüler gesagt. Klein-Astrid ist ganz aufgeregt, was er wohl zu ihr sagen wird. Ob es ein Lob ist? Eigentlich hat sie sich ja angestrengt. Aber ist auch der Lehrer von ihrer Leistung überzeugt?
Da, er hält das Heft mit dem roten Umschlag in der Hand und blickt in ihre Richtung.
„Astrid“, sagt er zu ihr. „Es war gar nicht so einfach Deine Hausaufgabe zu korrigieren.“
Astrid bekommt einen Schreck. Hat sie doch alles falsch gemacht?
„Aber Mutti hat doch die Hausaufgaben durchgesehen“, denkt sie und bemerkt, wie ihr abwechselnd heiß und kalt wird.
„Wegen dir haben wir extra eine Lehrerkonferenz einberufen“, spricht der Lehrer weiter.
Inzwischen ist es mucksmäuschenstill im Klassenraum. Alle Schüler lauschen und fragen sich insgeheim, was Klein-Astrid angestellt hat. Doch schon mit dem nächsten Satz zerstreut der Lehrer alle Bedenken von Klein-Astrid und schürt gleichzeitig noch ein wenig mehr die Neugier der anderen Schüler.
„Durch dich habe ich wieder einmal etwas gelernt“, richtet er sich an das Mädchen und zu allen sagt er: „Auch ein Lehrer kann nämlich nicht alles wissen und außerdem könnt ihr euch merken, dass man niemals im Leben ausgelernt hat.“
Und dann nimmt er die Kreide und schreibt ein Wort an die Tafel:

„bi?chen“

Jetzt erklärt der Lehrer, dass sie sich im Kollegium nicht ganz einig waren, wie man dieses Wort richtig schreibt. Mit „ss“ oder mit „ß“ ? Deshalb haben sie alle ganz genau im Rechtschreibduden nachgeschlagen.
„Ja und wir haben festgestellt, dass Astrid dieses schwierige Wort absolut richtig geschrieben hat“.
Die Wangen von Klein-Astrid werden noch ein wenig röter. Sie ist total stolz, dass sie alles richtig gemacht hat und noch dazu ein Wort geschrieben hat, das der Lehrer selbst falsch geschrieben hätte. Jetzt aber weiß er es, weil sie es ihm beigebracht hat.
Dieses Wort wird sie nie im Leben vergessen, geschweige denn falsch schreiben:

„bißchen“

Ja, ihr habt richtig gesehen. Damals als ich in der zweiten Klasse war und noch viele Jahre danach, schrieb man dieses Wörtchen mit „ß“. Viele Kinder und auch Erwachsene haben es falsch geschrieben, weil sie kein „ß“ sondern „ss“ eingesetzt haben.
Was damals ein Fehler war, ist heute richtig. Heute schreibt man dieses Wort mit „ss“ und es ist falsch, wenn man es mit „ß“ schreibt:

„bisschen“

Man lernt also nie aus.
Und es kommt noch besser: Jetzt gibt es sogar „das große ß“.
Ich kann nur sagen, das Leben ist ein lebenslanger Lernprozess. Wer weiß, wie man dieses Wörtchen in dreißig Jahren schreibt…?!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

„Deutsche Sprache-schwere Sprache“

Hängemattengedanken

Aus der Schulzeit meiner Mutter

10 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    ach ja, die Rechtschreibung macht aus uns allen ewig Lernende, gell. 😉
    Ich mag das aber, denn kein Mensch weiß alles und jeder kann sein Leben lang und Tag für Tag immer wieder etwas dazu lernen.
    Ich bin eine begeisterte „Wissens-Sammlerin“, gerne auch von sogenanntem „unnützen Wissen“! Denn meiner Meinung nach gibt es genau das nicht!
    Angenehmen Sonntag und lieben Gruß
    und….jetzt hätte ich es beinahe vergessen, Danke für diese feine Schul-Erinnerungs-Geschichte.
    moni

    • Astrid Berg sagt

      Du hast recht, kein Mensch kann alles wissen und das ist auch gut so, denn niemand ist perfekt. Allerdings muss man es auch zugeben, wenn man etwas nicht weiß. Das ist etwas was man auch als Lehrer(in), überhaupt als verantwortungsbewusster erwachsener Mensch machen muss. Kann man eine (Schüler)frage nicht beantworten, so ist es besser, wenn man es zugibt und sich schlau macht, um danach die richtige Antwort geben zu können. Der Mensch lernt nämlich nie aus. Und hat er dann etwas gelernt und verinnerlicht, wie zum Beispiel eine Rechtschreibregel, dann kommt eine Rechtschreibreform und wirft das mühsam Gelernte wieder auf den Haufen 😉 , wie man ja an meiner Erinnerungsgeschichte erkennen kann 🙂 .
      Ich schicke Dir liebe Sonntagsgrüße
      Astrid

  2. Da kannst du mal sehen: Schon in der 2. Klasse warst du die Lehrende! 🙂 – Ganz ehrlich: Bis heute tue ich mich schwer mit bisschen – war es mit ß nicht viel schöner? – Und schon klingen mir Worte meiner Mutter im Ohr: Man sieht doch, wenn ein Wort falsch geschrieben ist! – Ja? Früher eher nicht und heute, nach der Rechtschreibreform, auch eher nicht! Lach! — Danke für den Link! Martina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Martina,
      wenn ich gefragt werde, wie man dieses oder jenes Wort schreibt und mir nicht auf Anhieb sicher bin, dann muss ich es einfach nur selbst schreiben. Dann bin ich mir ganz sicher, dass es mit ie, mit ss, mit ck… geschrieben wird. Es fließt einfach aus der Hand. Und manchmal, sieht ein Wort einfach komisch aus. Also, zum Teil muss ich Deiner Mutter schon recht geben. Man sieht es…, meistens schon… 😉
      Sei herzlich gegrüßt und hab einen angenehmen Sonntagabend
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Zumal man Wörter, die man in der Schulzeit unter Mühe eingepaukt hat, durch die Rechtschreibreform heute anders schreibt. Manchmal sogar so, wie es damals falsch gewesen wäre. Da kann man schon mal durcheinander kommen 😉 .
      Sei herzlich gegrüßt und hab einen schönen Sommerabend
      Astrid

  3. Liebe Astrid, das war wieder eine nette Geschichte von Klein-Astrid. Ich kann gut nachfühlen, wie es Dir damals ging. Gerade die Wörter mit ß haben es in der neuen Rechtschreibung in sich, da hat sich so viel geändert.Ja wir lernen nie aus. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Eva,
      ich muss auch heute noch immer an dieses Erlebnis denken, wenn ich das kleine Wörtchen „bisschen“ schreibe. Es ist schon seltsam, ich habe 13 Jahre die Schulbank gedrückt und ein Erlebnis aus der zweiten Klasse bleibt mir in Erinnerung. 🙂
      Hab eine schöne Woche
      Astrid

  4. Erst habe ich mich auch gefragt, wo man denn ein großes „ß“ braucht. Aber in der Zeitung stand dann ein Artikel über Formulare und Ausweise, so der Name auch mal in Großbuchstaben geschrieben werden muss. Okay, ich sehe es ein. Sieht aber blöd aus 🙂
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Ich finde auch, dass das große ß blöd aussieht, aber wenn es gebraucht wird, dann werden wir uns wohl irgendwann auch daran gewöhnen.
      Ich schicke Dir liebe Grüße von unserer Terrasse, wo ich gerade von einem schattigen Plätzchen aus meine Blogrunden drehe.
      Astrid

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