Für Kinder, Kurzgeschichten
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Ich muss Euch was erzählen! (1)

Ich liege gerade so gemütlich auf meinem Sessel in der Diele. Wohlgemerkt, die Betonung liegt auf „meinem“, denn ich habe ihn markiert und somit gehört er mir. Frauchen hat das wohl auch eingesehen, denn sie hat mir eine super weiche und extrem kuschelige Decke darauf gelegt. Und mal ehrlich: Außer meiner Wenigkeit sitzt hier auch niemand.
Naja, manchmal kommt mein Herrchen und hebt mich hoch, setzt sich hin und nimmt mich zum Kraulen auf seinen Schoß. Okay, das ist ja in Ordnung. Aber nur solange ich es auch will.
Also wie gesagt, ich liege da so rum und träume von einer schönen kleinen Maus. Frauchen geht gerade an mir vorbei in Richtung Kellerersatzbereich. Was sie dort nur will? Vielleicht sollte ich mal nachsehen. Ich strecke und recke mich, springe von meinem Sessel und marschiere hinter ihr her. Nur so aus Interesse, denn neugierig bin ich ja nicht. Sie geht direkt zu ihrem Putzschrank, wahrscheinlich ist heute wieder einmal Aufräumen und Putzen angesagt. Wie langweilig!
Aber Frauchen öffnet den Schrank gar nicht, sondern greift nach oben und will vom Schrank etwas herunter holen.
„Oh nein!“, denke ich noch.
Dann ergreift mich die Panik und ich renne weg, so schnell, wie mich meine vier Pfoten rennen lassen. Dabei nehme ich die Kurve sozusagen mit leicht erhöhter Geschwindigkeit und es schleudert mich regelrecht herum. Aber ich kriege die Kurve noch ohne mich zu überschlagen. Ich blicke nach rechts und links, da habe ich es auch schon gefunden. Das beste Versteck aller Zeiten. Ich krieche unter meinen Sessel, denn hier sieht mich niemand, aber ich kann alle beobachten.
„Lottchen, wo bist du?“, höre ich auch schon Frauchen rufen.
Ich ducke mich noch ein bisschen mehr und schiele vorsichtig unter dem Sessel hervor.
„Ich habe mich also nicht getäuscht. Sie hat dieses blöde Transportkörbchen in der Hand, das sie so toll findet. Na, dann soll sie doch da rein. Ich jedenfalls gehe da nicht rein, basta!“, beschließe ich so für mich und gebe keinen einzigen Laut von mir.
Frauchen läuft jetzt treppauf und treppab und sucht mich im ganzen Haus.
„Ha!“, freue ich mich.
Da rüttelt doch auch schon jemand an meinem Sessel.
„Komm raus, Lottchen! Ich hab dich gesehen!“
„Das glaubst auch nur du! So dumm bin ich nicht!“, denke ich mir und husche nach hinten und unter dem Sessel raus. Sogleich verschwinde ich wieder und zwar unter der untersten Treppenstufe.
„So, hier gehe ich nicht mehr weg und holen kann Frauchen mich hier auch nicht. Gewonnen!“, denke ich siegessicher.
Da geht Frauchen plötzlich zum Angriff über. Ich kann es laut und deutlich hören.
„Lottchen komm! Mmh! Lecker!“
Sie hat eine kleine Schachteln in der Hand und schüttelt sie. Ich kann es genau hören, wie die Leckerlies darin herum fallen. Mmh! Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Die sind aber auch lecker, fast besser als die kleine Maus, von der ich vorhin geträumt habe. Ich könnte jetzt wirklich schwach werden. Aber genau das will ja Frauchen.
„Nein, ich bin stark und widerstehe meinem Appetit auf diese köstlichen Leckerlies. Das ist doch bestimmt nur eine List!“, überlege ich mir und verhalte mich weiterhin still. Es kostet schon einiges an Überwindung für mich, aber ich bin fest entschlossen nicht nachzugeben.
„Schau mal, Lottchen!“
Frauchen schüttet aus der Schachtel einige Leckerlies auf den Fußboden.
„Du kriegst mich nicht!“, beschließe ich und ringe mit mir. „Ich bleibe hier liegen!“
Da kommt mir doch auf einmal der Zufall zur Hilfe. Das Telefon klingelt und Frauchen spurtet sofort los, um das Gespräch anzunehmen. Ich warte noch ein Weilchen, bis ich sie sprechen höre. Jetzt kann ich es wagen.
Leise und vorsichtig, als wäre ich auf Mäusejagd, schleiche ich mich unter der Stufe hervor und zu den Leckerlies hin.
„Mmh! Mit Käsefüllung! Einfach köstlich!“
Ich bin so vertieft in diese Leckereien, dass ich gar nicht mitbekomme, dass Frauchen das Telefonat schon beendet hat. Ich registriere es erst als zwei Hände nach mir greifen. Ich versuche mich noch zu entwinden, aber leider erfolglos.
„Hab ich dich, du kleiner Racker!“, höre ich Frauchen freudig ausrufen.
Da muss ich ihr recht geben, sie hat mich überlistet.
„Aber in dieses blöde Transportkörbchen gehe ich trotzdem nicht!“, entscheide ich.
Frauchen hält mich ganz fest im Arm und öffnet das Gitter des besagten Körbchens. Sie schiebt mich mit dem Kopf zuerst hinein.
„Das denkst aber auch nur du!“, miaue ich ihr zu, drehe mich um und bin schon wieder mit dem Kopf und den beiden Vorderpfoten draußen.
Aber Frauchen gibt nicht auf. Sie versucht es noch einmal und noch einmal. Ich entwische ihr immer wieder. Ich bin einfach schneller und wendiger als sie. Kein Wunder, denn bis sie das dumme Gitter wieder eingehängt hat, habe ich schon meine Chance zur Flucht ergriffen. Leider lässt sie mich nicht weit kommen. Sie hält sozusagen die Hand über mich und greift sofort wieder zu, damit ich ihr nicht mehr entwischen kann.
„Ein wirklich dummes Spiel ist das!“, rufe ich ihr zu.
„Lottchen!“, sagt sie energisch. „Dieses Spiel gefällt mir gar nicht!“
Mir auch nicht! Dann höre doch auch endlich auf damit!“, sage ich auf katzianisch.
Frauchen scheint mich überhaupt nicht zu verstehen, denn sie spielt dieses kindische Spiel einfach weiter. Sie legt sogar noch ein paar Leckerlies in den Korb hinein.
„Das ist Bestechung!“, denke ich noch, da klappt sie doch tatsächlich das Gitter hinter mir zu.
Was bleibt mir anderes übrig, als mich so gut es geht in meinem Gefängnis gemütlich hinzulegen. Als Trost für meine Gefangenschaft habe ich ja noch die kleinen Leckerlies mit der Käsefüllung.
„Nein, halt!“, denke ich und muss noch einmal kosten. „Das ist kein Käse! Das ist doch Lachs! Das ist ja eine ganz vorzügliche Bestechung!“
Mittlerweile habe ich schon kapiert, was Frauchen so mit mir vor hat und warum ich diese außerordentlich köstlichen Leckereien in meinem Gefängniskorb habe. Dumm bin ich ja nicht. Ich bin nämlich eine schlaue Katze.
Warum ich jetzt hier liege, mich meinem Schicksal ergebe und was mit mir weiter passiert, das erzähle ich Euch in der nächsten Geschichte. Also dann, bis zum nächsten Mal! Ihr seid doch hoffentlich alle wieder dabei!

 

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11 Kommentare

  1. Unser Hund spürt immer, wenn es zum Tierarzt geht und versteckt sich. Allerdings braucht er keine Transportbox.
    Ich glaube, wenn ich Karze wäre, würde ich auch alles daran setzen, mich zu verstecken 🙂 .
    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    • Astrid Berg sagt

      Ich wahrscheinlich auch. Es ist schon toll, wie Tiere doch gleich spüren, was ihnen bevorsteht. Zumindest, wenn es um den Besuch des Tierarztes geht. Für uns ist dies immer wieder ein Erlebnis, denn Lottchen weiß genau, wohin sie flüchten muss, um für uns „unzugänglich“ zu sein. Sie sind schon schlau, – unsere lieben Tiere. 😉
      LG und einen schönen Freitagabend
      Astrid

  2. Da bin ich sehr gespannt was so weiter geschehen ist, liebes Lottchen.
    So ein Gefängnis-Korb ist ja auch nicht wirklich schön 😉

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

    • Astrid Berg sagt

      Das stimmt und eng ist er auch noch. Aber mein liebes Frauchen lässt mich nur solange drin, wie es unbedingt sein muss.
      Übrigens sie lässt Dich recht herzlich grüßen.
      Wir wünschen Dir einen schönen Freitagabend.
      Das Kätzchen Lottchen und Astrid 🙂

  3. Ach Lottchen,
    es wir schon nicht so schlimm werden. Dein Frauchen liebt dich doch. ERzählst du uns, warum du in den korb musstest?
    Liebe Grüße, auch an dein Frauchen
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      ich danke Dir für die lieben Grüße an mich und mein Frauchen. Na klar, ich erzähle es Euch und zwar gleich morgen!
      LG von
      Lottchen und Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke Klaus. Ja unser Lottchen ist eine ganz Liebe und morgen erzählt sie uns wie es ihr weiterhin ergangen ist und warum sie in diesem Korb sein muss.
      LG
      Astrid

  4. na, daarauf bin ich auch gespannt wie ein Flitzebogen und schon eile ich zur Fortsetzungsgeschichte, muss doch wissen – warum – weshalb und obs schlimm war!
    entzückende kleine geschichten, unseren geliebten Vierbeinern ins Mäulchen gelegt, ich liebe das und kenn es ja auch, denn so fing auch ich an gewisse Katzengeschichten zu erzählen, als sie sie uns durch ihr Verhalten in die Hand gaben…und nun wusch…weiter zu deiner ausgesprochen klugen Lotti

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