Erdachtes & Erzähltes, Für Kinder, Kurzgeschichten
Kommentare 18

Das Glitzersternchen

Es war einmal ein kleines Glitzersternchen. Es lag mit vielen anderen Sternchen in einer Schachtel und diese stand in einem Schrank. Ganz hinten in der Ecke. Vor vielen Jahren hatte sie einst eine ältere Dame gekauft, dort abgestellt und vergessen. Niemand schenkte ihnen Beachtung. Manchmal wurden sie mitsamt der Schachtel ein bisschen nach links oder nach rechts verschoben. Kein Mensch hatte Interesse an ihnen, aber auch niemand entsorgte sie.
So verbrachten sie ihr ganzes Leben in Dunkelheit. Zwar waren sie alle beisammen, aber sie fühlten sich nutzlos. Sie waren dafür bestimmt gewesen Menschen durch ihre Anwesenheit Freude zu schenken. Sie wollten auf einem schön gedeckten Tisch erstrahlen, funkelnd auf Geschenken oder Karten kleben. Immer wenn sich die Schranktür öffnete, hatten sie die Hoffnung nun endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt zu werden. Doch leider hatten sie die ältere Dame, die die Besitzerin des Schrankes zu sein schien, schon lange nicht mehr gesehen. Auch die Schranktür wurde seit geraumer Zeit nicht mehr geöffnet. Eines Tages jedoch leerten fremde Menschen den gesamten Schrankinhalt aus, doch die Packung mit den Sternchen hatten sie vergessen herauszunehmen.
Irgendwann begann der Schrank sich wie von Geisterhand zu bewegen und sie rutschten mitsamt der Packung im Inneren des Schrankes hin und her. Sie stießen aneinander und taten sich gegenseitig weh. Tumult brach unter ihnen aus, jeder beschimpfte den anderen, diese Schubserei mit Absicht zu machen. So zerstritten sich die Sternchen und waren alle sehr traurig. Und vor lauter Traurigkeit versanken sie in einen langen, tiefen, aber traumlosen Schlaf.
Eines Tages jedoch wurden sie durch eine Kinderstimme geweckt. Es war keine laute und schrille Stimme. Nein, sie klang fröhlich und freundlich. Sie gehörte einem etwa fünfjährigem Mädchen namens Lena. Nur so rief sie niemand. Jeder sagte einfach Lenchen zu ihr.
„Das ist aber ein hübscher Schrank, Mama.“
„Ja, ich bin froh, dass der freundliche Herr aus dem Haus gegenüber ihn uns geschenkt hat. Er wollte ihn schon morgen zum Sperrmüll stellen. Der Schrank hat seiner Mutter gehört, aber die ist nun leider gestorben. Weißt du, sie war schon sehr alt und krank.“
Lenchen nickt traurig, aber nach einer kleinen Weile sagt sie:
„Das war doch richtig nett von dem Mann, dass er uns den Schrank gegeben hat. Ja und geholfen hat er auch noch ihn in unsere Wohnung zu tragen. “
Lenchen ist total begeistert und hüpft aufgeregt um ihre Mutter herum.
„Lass uns den Schrank einräumen. Hilfst du mir dabei?“, fragte die Mutter.
Ja und so kam es, dass Lenchen plötzlich die Schachtel mit den Glitzersternchen entdeckte.
„Schau nur Mama, was ich gefunden habe. Darf ich die behalten?“
Und damit waren die Sternchen wieder aus ihrem tiefen Schlaf erwacht. Sie wurden aus der Schachtel geschüttet. Sie purzelten durcheinander und freuten sich endlich auf dem Holztisch zu liegen und ihn durch ihr Funkeln zu schmücken. Sie wussten, dass sie schon bald ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden würden und das machte sie froh. Doch ein einziges Sternchen wollte nicht aus der Schachtel heraus. Es hielt sich am Rand des Bodens fest. Erst als Lenchen es bemerkte, ließ es sich bereitwillig herausnehmen.
„Du bist aber ein besonders hübsches Sternchen“, meinte Lenchen und drehte den kleinen Stern behutsam zwischen ihren zarten Fingerchen. „Du glitzerst viel schöner als die anderen.“
Das Sternchen freute sich und gab sich alle Mühe besonders intensiv zu strahlen und zu funkeln. Lenchen legte es auf das Fensterbrett in ihrem Zimmer und immer wenn das Mondlicht oder ein Sonnenstrahl auf es fielen, dann glitzerte es so prächtig, wie es das Mädchen niemals zuvor gesehen hatte.
Lenchen beschloss dem Sternchen einen Ehrenplatz zu geben. Sie malte ein Bild, auf dem ein Mädchen, ein Mann, eine Frau und ein Hund zu sehen waren. Sie alle waren in einem Garten mit vielen bunten Blumen und Bäumen. Für Lena war dies der Inbegriff einer glücklichen Familie. Dem Hund schenkte sie den Glitzerstern für sein Halsband.
Das Bild hängte sie über ihr Bett an die Wand. Jeden Abend vor dem Schlafengehen betrachtete sie es stumm und schickte dem Herrgott die Bitte der Mutter einen guten Mann zu schenken. Denn dann wären sie wieder eine richtige Familie. So wie früher als Lenas Vater noch lebte.
Die Tage vergingen und das Jahr begann sich dem Ende zuzuneigen. Der Herrgott schien ihre Bitte nicht erhören zu wollen, denn immer noch gab es nur Mutter und Lenchen, die bescheiden in der kleinen Dachgeschosswohnung lebten. Die Mutter hatte es nicht leicht, sie musste alleine das Geld verdienen, das die Beiden zum Leben brauchten.
Am Silvesterabend brachte die Mutter eine Packung Wunderkerzen mit nach Hause. Feuerwerk, so wie es in vielen Familien üblich war, konnte und wollte sie sich nicht leisten. Die Raketen waren zu teuer und das Geld zu schade, um es einfach in den Himmel zu schießen. Doch Lenchen war ein genügsames und dankbares Kind. Sie freute sich als die Mutter sie kurz vor Mitternacht weckte, ihr die Wunderkerzen gab und mit ihr hinunter auf die Straße ging, wo sich die Menschen versammelten, um das neue Jahr mit einem großen Feuerwerk zu begrüßen.
„Schau nur Mama!“, rief sie begeistert aus. „Es schneit und gleich wird das Feuerwerk beginnen!“
Die Turmuhr schlug zur Mitternachtsstunde und noch bevor der letzte Glockenschlag verklungen war, stiegen die ersten Raketen in den Nachthimmel auf und erhellten ihn in den buntesten und prächtigsten Farben.
„Oh, ist das schön! Und dort drüber das ist noch viel schöner! Nein, das hier ist noch tausendmal schöner!“
Lenchen kam gar nicht aus dem Staunen heraus.
„Prosit Neujahr!“, rief sie mit den Menschen um die Wette, hüpfte und tanzte vor Freude im Schnee, der mittlerweile die gesamte Straße bedeckte.
„Hoppla, junge Dame! Nicht so wild, sonst fällst du noch hin!“, hörte sie plötzlich eine sympathische Männerstimme, die sie aufblicken ließ.
„Mama, das ist doch der nette Herr, der uns den wunderschönen Schrank geschenkt hat!“, rief Lenchen aus und sah, wie die Mutter und der Mann sich die Hände reichten und sich gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschten. Das Mädchen bemerkte, wie dabei ein Strahlen über das Gesicht der Mutter huschte und sie fast ein wenig verlegen aussah. Und noch etwas bemerkte Lenchen: Der nette Herr hielt einen niedlichen Hund an der Leine, an dessen Halsband ein kleiner glitzernder Stern baumelte.
Da wusste Lenchen ganz sicher, dass das neue Jahr ein gutes Jahr werden würde.

 

Happy New Year!!!

Ich wünsche Euch allen ein gesundes neues Jahr!!!

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Hallo, ich bin’s!

Ohje, das fängt ja gut an!

Jetzt geht’s erst richtig los

 

 

18 Kommentare

    • Astrid Berg sagt

      Auch ich bedanke mich für unsere Blogfreundschaft und wünsche Dir alles Gute für 2018.
      LG
      Astrid

  1. Liebe Astrid,
    was für eine bezaubernde Geschichte!
    Ich wünsche dir einen guten Übergang in ein gesundes, friedvolles und freudenreiches neues Jahr 2018!
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Regina,
      das wünsche ich Dir auch. Leider habe ich mich seit Weihnachten etwas rar gemacht, denn mich hat ein heftiger Infekt ins Bett gezwungen. Doch nun geht es wieder bergauf und ich komme wieder regelmäßig zum Bloggen.
      LG
      Astrid

  2. Eine reizende und wunderschön rührende Geschichte, liebe Astrid! Ich freue mich, dass der Herzens-, nein Sternchenwunsch von Lenchen in Erfüllung gegangen ist! 🙂 Danke für deine immer so schönen Geschichten und deine lieben Worte bei mir!
    Herzliche Rostrosengrüße von der Traude, guten Rutsch und ein

    ….._██_
    ╠╣‹(•¿•)›..F R O H E S
    ╠╣..(█)… N E U E S
    ╠╣…/ I …. J A H R
    *♥♫♫♥**♥♫♫♥**♥♫♫♥**♥♫♫♥

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      ich hoffe Du bist gut ins Neue Jahr gerutscht. Wir hatten über Weihnachten und Silvester beide Mütter bei uns, doch leider war ich fast die ganze Zeit über krank und lag mit Fieber im Bett. Nur gut, dass mein Mann sich um alles gekümmert hat.
      Ich danke Dir recht herzlich für unsere Blogfreundschaft und freue mich auf all die schönen Posts.
      LG
      Astrid

  3. Mit einer so lieben Geschichte verabschiedest du dich vom alten Jahr und ich hoffe, wir werden im neuen Jahr wieder viele schöne Geschichten lesen können.
    Ich habe auch solche kleine Sternchen und stecke sie in Weihnachtsbriefe oder klebe sie auf.
    Liebe Astrid. Ich wünsche dir und deinen Lieben ein gutes neues Jahr mit ganz viel Gesundheit, Liebe, Lachen. Ich danke dir für deine Blogfreundschaft.
    Herzliche Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      leider habe ich das alte Jahr mit einem heftigen Infekt verabschieden müssen. Doch nun geht es wieder bergauf und ich werde auch wieder fleißig in der Bloggerwelt unterwegs sein.
      Auch ich danke Dir für Deine Blogfreundschaft und freue mich schon auf die vielen schönen Posts aus der Aue mit all Deinen lieben Vierbeinern.
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  4. Hallo liebe Astrid,
    ach was für eine schöne Geschichte… wenn du mich jetzt sehen könntest wie ich schmunzel… und dann heißt das Mädchen noch Lenchen… genau wie meine Enkelin 🙂

    Das Jahr ist nun schon 3 Tage alt und der Alltag hat uns wieder voll im Griff.
    Ich wünsche dir ein wundervolles, glückliches und gesundes neues Jahr,
    möge 2018 ein gutes Jahr werden und in Erfüllung gehen, was du dir davon erhoffst und möge kommen, was du für deinen Weg brauchst.

    ♥liche Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Biggi,
      ich hoffe, das Jahr 2018 wird uns allen nur Gutes bescheren, aber vor allen Dingen Gesundheit.
      Da wir ja noch keine Enkelkinder haben, freue ich mich immer, wenn Du über die Aktivitäten mit Deinen Enkelkindern schreibst. Ich kann mir gut vorstellen, wie das Haus an Weihnachten mit Kinderlachen erfüllt war. Ich muss gestehen, ich freue mich schon auf die Zeit, wenn auch bei uns irgendwann einmal kleine Kinderfüßchen durchs Haus trippeln ;-).
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  5. Liebe Astrid, das neue Jahr haben wir ruhig und freundlich begrüßt und ich hoffe, daß es uns gesundheitlich gut begleitet. Auch schöne, interessante und vielfältige Stunden soll es bitte für uns bereithalten.
    Ich hoffe, auch Du hattest einen feucht-fröhlichen Jahreswechsel und erwartest ein gutes Jahr mit reichlich angenehmen Ereignissen.
    Alles Gute, tschüssi Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      leider hat mich zwischen Weihnachten und Silvester ein heftiger Infekt erwischt. Da wir in dieser Zeit auch die beiden Mütter bei uns hatten, war das nicht so einfach. Aber mein Mann hat sich um alles gekümmert. Auch unser Sohn mit dessen Freundin war bei uns. Silvester hatten wir ebenfalls das Haus voll. Da ich zu diesem Zeitpunkt kein Fieber mehr hatte, konnte ich wenigstens im Haus mit dabei sein. Das Feuerwerk habe ich dann durch das geschlossene Fenster bewundert.
      Ich schicke Dir liebe Grüße und gute Wünsche für 2018
      Astrid

  6. so eine schöne Geschichte
    und ich weiß gar nicht warum ich gerade Pipi in den Augen habe 😉
    vielen Dank für die schönen Geschichten das ganz Jahr über
    auch wenn ich sie nicht immer alle lesen kann
    ich wünsche dir von Herzen
    ein fröhes und glückliches neues Jahr mit vielen neuen Geschichten

    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Rosi,
      auch ich wünsche Dir alles Liebe und Gute für 2018.
      Bedingt durch einen heftigen Infekt mit Fieber, konnte ich leider die letzten beiden Wochen nur wenig in der Bloggerwelt unterwegs sein. Jetzt werde ich allerdings wieder mein „Unwesen treiben“ 😉 und neue Geschichten schreiben und auch bei all meinen Bloggerfreunden vorbeischauen.
      LG
      Astrid

  7. boa liebe Astrid welch eine wunderhübsche lebhafte schöne Weihnachtsgeschichte hast dir das Leben deine Phantasie, dein Frohsinn beim erzählen da an die hand gegeben, ich wünschte es gäbe noch mehr so lebensfrohe Geschichten die fast kleinen Märchen gleichen.
    Du hast wirklich eine seltene Gabe sie so aufzuschreiben dass man – beim lesen mitlebt, lächelt und die Situation bildstark vor den eigenen Augen auftaucht, damit bekommt es einem das Lächeln gleich mitgeschenkt.
    Ja – ein liebevolles Pipi in den Augen – wie es Rosi beschreibt – gibts bei mir – auch!!!!
    Du bist gut über die Feiertage – das Fest – und den Jahreswechsel gekommen ß Gesund – froh – munter….? ich sehe es an deinen geschichten – und wünsche dir – ein gutes neues Jahr mit ganz vielen weiteren Ideen aus deiner Feder – sie sind wunderbar…
    herzlich
    angelface (die erst jetzt leider – recht spät – zum kommentieren kommt…

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angel…,
      inzwischen geht es mir wieder besser, aber von Weihnachten bis Silvester hatte mich ein heftiger Infekt im Griff. Da auch noch die beiden Mütter bei uns waren, musste mein Mann meine Aufgaben übernehmen und sich um sie kümmern. Das hat er aber alles prima gemacht.
      So werde ich dann auch wieder fleißig in der Bloggerwelt unterwegs sein und ich hoffe, dass mir 2018 auch wieder viele schöne Geschichten für Euch alle einfallen. Aber ich freue mich auch auf all die schönen und interessanten Posts von Dir und meinen anderen Bloggerfreunden.
      Ich schicke Dir ganz liebe Grüße und hoffe, dass es Dir gut geht und Du gesund und munter in das Jahr 2018 gerutscht bist.
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Danke, lieber Klaus. Hab noch eine schöne Restwoche, das Wochenende ist nicht mehr fern.
      LG
      Astrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.