Kurzgeschichten
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Darf ich mich vorstellen?!

Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Tag.
Wer ich bin, wollt ihr wissen?!
Schaut genau hin, dann könnt Ihr mich entdecken!
Ich bin das hübsche Kerlchen auf dem Beitragsfoto. Nein, nein, ich will dem Liebespaar nicht die Show stehlen, aber mal ehrlich ich passe doch hervorragend zu den Beiden. So ganz in Schwarzweiß. Mit meinen dunkel umrandeten Augen und den ebenso dunklen Schlappohren sehe ich ganz schön pfiffig aus. Und das bin ich auch!
Besser gesagt: Damals war ich ziemlich pfiffig.
Inzwischen bin ich schon im Hundehimmel und schicke Euch von dort liebe Grüße. Ich möchte heute ein bisschen aus meinem Leben plaudern, damit Ihr mich besser kennenlernt:
Also, mein Name ist Bazi und im Sommer 1958 hatte ich mich mal schnell zu Astrids Eltern gesetzt. Sie hatten am 12. Juli 1958 geheiratet und das Foto war einen Tag nach der Hochzeit im Garten von Astrids Opa entstanden. Er war mein Herrchen und bei ihm und seiner Frau, Astrids Oma, lebte ich.
Damals dürfte ich nach meinen Berechnungen zwei oder vielleicht auch schon fast drei Jahre gewesen sein. So genau lässt sich das heute nicht mehr feststellen, denn niemand erinnert sich mehr an mein Geburtsdatum.
Eigentlich war ich ein recht lieber Kerl. Klar, ein paar Flausen hatte ich auch im Kopf, sonst hätte man mir wohl nicht den Namen Bazi zugeteilt, was in Bayern soviel wie „durchtriebener Bursche“ heißt. Zumindest behauptet das das Internet (https://de.wiktionary.org/wiki/Bazi).
Meine erste größere Schandtat hatte ich dann wohl angerichtet, als die junge Frau, die Ihr auf dem Foto seht, schwanger war. Sie ging mit mir an der Leine spazieren. Naja, wie gesagt, ich war noch jung und flink. Ich wollte ein bisschen rennen. Mal hier hin und mal da hin. Leider konnte die werdende Mama mit meinem Tempo nicht so ganz mithalten. Ich dachte mir, dass ich sie hinter mir herziehen müsste, damit wir schneller voran kämen. Also zog ich ziemlich tüchtig an der Leine. Einmal habe ich es wohl übertrieben, denn ich habe ruckartig und ganz schön wild an der Leine gezogen. Sie schrie plötzlich auf und schimpfte wütend mit mir, weil es ihr durch mein Ziehen einen Stich im Bauch gegeben hatte. Und dann ist es passiert. Es tut mir ja noch heute leid, aber ich konnte es nicht mehr ändern. Sie erzählten mir, dass ich schuld daran wäre, dass Klein-Astrid zwei Wochen zu früh auf die Welt kam.
Ehrlich gesagt, verstand ich den ganzen Wirbel nicht und außerdem war ich froh, dass dieses kleine Wesen endlich da war. Nun konnte ich jemand beschützen.
Wenn sie im Kinderwagen lag und dieser im Garten stand, passte ich selbstverständlich auf. Ich verstand sofort, dass ich nicht von der Stelle weichen durfte, um sie vor möglichen Gefahren zu beschützen. Auch musste ich ganz fürchterlich leise sein, wenn sie schlief. Dann bewachte ich sozusagen ihren Schlaf.
Später als sie dann schon sitzen konnte und in ihrem Sportwagen saß, bedankte sie sich manchmal für diesen Dienst bei mir.
Wie, wollt ihr wissen?!
Sie hielt einfach ein Stückchen Brötchen oder einen Keks aus dem Wagen und ich schnappte mir die Leckerei. Selbstverständlich war ich ganz, ganz vorsichtig, denn kleine Kinderhände sind noch so zart und dürfen nicht verletzt werden.
Als sie schon laufen konnte, rannten wir manchmal in Großvaters Garten um die Wette. Aber ich sah sie dann nicht mehr so oft, nur manchmal an den Wochenenden, wenn sie mit ihren Eltern den Großvater, mein Herrchen, besuchten. Inzwischen war die Großmutter schon gestorben und mein Herrchen lebte alleine mit mir in seinem Haus.
Mein Schlafplatz war in der Küche unter dem Herd. Dort hatte er die untere Schublade herausgenommen, so dass für mich genügend Platz vorhanden war. Es war sehr gemütlich dort und vor allen Dingen war es immer kuschelig warm.
Mein Futter war auch super lecker. Nein, ich bekam kein Fro… oder wie das Zeug heißt. Ich habe auch keine Ahnung, ob es damals schon dieses Fertigfutter für Hunde gab. Ich bekam manchmal das, was vom Essen übrig blieb, aber auf jeden Fall Fleisch und Knochen vom Metzger. Mmh!!!
Auch gebadet wurde ich. Dafür hatte mein Herrchen eine Zinkbadewanne, die er im Sommer auf den Rasen stellte und in der ich dann plantschte. Ich wurde sogar einshampooniert, aber das war nicht so ganz mein Fall. Dann habe ich mich immer tüchtig geschüttelt. Ich bin auch schon mal in den Bach gesprungen und habe dort das kühle Nass genossen. Im Sommer war das immer sehr erfrischend.
Ich hatte ein schönes Leben. Doch irgendwann wurde ich sehr krank und niemand konnte mir mehr helfen. Deshalb bin ich dann im Hundehimmel gelandet. Hier geht es mir übrigens auch gut und ich habe viele Freunde gefunden, die mir aus ihrem Leben erzählen. Gemeinsam schauen wir dann nach unten auf die Erde und erinnern uns gerne an die schöne Zeit und an unsere geliebten Herrchen und Frauchen dort unten.
Ich weiß genau, dass das kleine Mädchen von damals noch immer an mich denkt. Das freut mich sehr, denn dann spüre ich wieder ihre kleine Hand, die ganz sanft über mein Fell streicht und höre, wie sie meinen Namen ruft:

„Bazi! Bazi!“

 

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