Kurzgeschichten
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Aktionsgemeinschaft „Saubere Umwelt“

Heutzutage wird viel über Natur und Umwelt geredet. Der Begriff „Erneuerbare Energien“ ist in aller Munde. Man will unsere Umwelt, unsere Natur schützen, um unseren Nachkommen eine bessere Welt zu übergeben. Mülltrennung und Müllvermeidung ist uns seit Kindheitstagen bekannt und wird von uns ganz selbstverständlich ausgeführt. Umweltschutz ist uns eine Herzensangelegenheit geworden, so ist es nicht verwunderlich, dass dieses Thema immer wieder für Gesprächsstoff sorgt.

Wir haben Besuch von einem Bekannten, der unseren Rat sucht. Bei einem Gläschen Wein und in gemütlicher Atmosphäre führen wir eine nette und ungezwungene Unterhaltung. So führt uns das Gespräch auch hin zu der uns umgebenden Schönheit der Natur.
„Wir haben doch hier eine wunderbare Landschaft. Ich denke zum Beispiel an den schönen Spreewald mit seinen Fließen, Wäldern und Wiesen, seiner Flora und Fauna“, schwärmt unser Bekannter.
„Ja, wir sind auch immer viel im Spreewald unterwegs und alle unsere Besucher führen wir selbstverständlich hier hin. Dieses Gebiet ist einfach einzigartig“, sage ich.
„Es ist so wichtig unsere Natur zu schützen und im Grunde genommen auch ganz einfach. Jeder muss nur dazu beitragen“, begeistert sich der etwas jüngere Mann.
„Zum Glück haben wir in unserer Generation diese Wertschätzung schon von Kindheit an gelernt und dies an unsere Kinder weitergegeben. Somit ist ein richtiges Umweltbewusstsein entstanden“, philosophiert Peter. „Aber bevor wir in die Politik abtriften, muss ich euch eine Geschichte aus meiner Jugend erzählen“, ergänzt er.
Es steht wohl außer Frage, dass er uns mit dieser kleinen Andeutung neugierig macht und wir ihn selbstverständlich auffordern seine Geschichte zum Besten zu geben.
„Erzähl doch bitte mal!“, kommt von mir die Bitte an meinen Mann. „Kenne ich die Geschichte denn schon?“
„Ich denke, dass ich diese schon mal erzählt habe. Vielleicht erinnerst du dich ja noch…“
Und dann fing Peter mit einem verschmitzten Grinsen an uns die besagte Geschichte zu erzählen und wir konnten uns die Situation wirklich lebhaft vorstellen.
„Es war auf dem Gymnasium, möglicherweise sogar schon auf der Oberstufe. Also müsstest du auch schon an dieser Schule gewesen sein“, richtet er sich ergänzend an mich.
„Damals hatten wir im Unterricht viel über den Umweltschutz diskutiert und es war wohl auch die Zeit in der die „Grünen“ recht aktiv waren und ein paar Jahre später mit Turnschuhen in den Bundestag einzogen. Parolen wie „Schützet die Umwelt“ gefielen mir und wurden zu einem Motivationsfaktor für mich.“
Peter war von der Idee des Umweltschutzes so angetan, dass sich in seinem Kopf eine Idee heraus kristallisierte. Er war und ist auch heute noch der Meinung, dass jeder einzelne von uns sich an diesem Schutz der Umwelt beteiligen sollte und da muss ich ihm zustimmen. Als Schüler waren seine Mittel und Wege dahin gehend natürlich sehr eingeschränkt. Er wollte niemals in die Politik gehen, aber ein bisschen mitmischen, so dachte er sich wohl damals, könnte nicht schaden.
„Man muss im Kleinen anfangen, um Großes zu bewirken“, begründete er sein Vorgehen.
Peter hatte damals auf jeden Fall einige Freunde in sein Vorhaben eingeweiht. So überlegten sie zu dritt, welche Aktionen sie starten könnten, um ihre Idee weiterzuverbreiten und in die Tat umsetzen zu können. Sie entwarfen Slogans, die sie auf Handzettel schrieben. Diese wurden dann auf dem Schulhof verteilt und an Bäume im schulischen Umfeld gehängt. Man hatte sich auf einen Tag und eine bestimmte Uhrzeit geeinigt, zu der eine kleine Kundgebung auf dem Schulhof stattfinden sollte.
„Wir drei kamen dann also in der großen Pause zusammen und warteten auf Leute, denen das Thema ebenso am Herzen lag wie uns. Ich hatte sogar eine Rede vorbereitet.“
„Und wieviel Leute kamen?“, erkundige ich mich.
„Ja, sie sind nicht gerade in Massen angeströmt, so wie wir es uns ausgemalt hatten“, gibt Peter zu. „Es kamen gerade einmal zwei Jungs!“
„Schade!“, meint unser Bekannter sichtlich enttäuscht.
„Und dann habt ihr wohl alles abgeblasen?“, erkundige ich mich bei Peter.
„Von wegen. Wie schon gesagt, man muss im Kleinen anfangen…“
Peter stieg laut seiner Erzählung damals auf eine Bank, die auf dem Schulhof stand und verschaffte sich erst einmal Gehör. Seine wenigen Anhänger lauschten seinen wohl überlegten Worten und klatschten am Ende der Ansprache auch kräftig Beifall.
„Außer meiner kleinen Fangemeinde, bekam noch jemand anderes mit, dass wir da etwas planten.“
Als wir fragende Gesichter aufsetzen, erzählt Peter uns die Ereignisse aus vergangenen Tagen weiter.
In großen Schritten war damals der Hausmeister an die versammelten Jungs herangetreten und forderte zuerst einmal Peter auf, von der Bank herunter zu steigen. Danach stellte er zielgerichtet die folgende Frage:
„Was ist denn hier eigentlich los? Was ist das für eine Versammlung? Ihr heckt doch etwas aus!“
Anscheinend kannte er schon seine „Pappenheimer“, doch mein Peter protestierte vehement und erläuterte ihm:
„Wir sind besorgt um unsere Umwelt. Man muss doch etwas für deren Schutz tun und deshalb wollen wir eine Aktionsgemeinschaft gründen.“
„Aha! So, so!“
„Ja, die Aktionsgemeinschaft „Saubere Umwelt!“ Das ist ziemlich wichtig, wir müssen weitere Interessenten finden und jeder kann mitmachen. Wollen Sie auch mitmachen?“, fragte er den Hausmeister.
„Und was soll diese Aktionsgemeinschaft bewirken?“, fragte der Hausmeister sichtlich interessiert und kratzte sich am Kopf.
„Na, das sagt doch schon der Name“, erklärte Peter weiter, sichtlich begeistert anscheinend einen neuen Anhänger gefunden zu haben. „Wir sorgen dafür, dass unsere Umwelt sauber bleibt und sich alle an ihr erfreuen können.“
Der Hausmeister schien immer interessierter und auch die übrigen Anhänger der Aktionsgemeinschaft versammelten sich um Peter, der inzwischen vor der Bank stand, und um den Hausmeister. Alle lauschen gespannt Peters Ausführungen, doch irgendwann meldete sich der Hausmeister zu Wort:
„Das hast du prima erklärt Peter und die Idee ist super! Leider ist jetzt die Pause vorbei. Kommt doch direkt nach der Schule mal bei mir vorbei!“
Mit diesen Worten drehte er sich um und schritt davon. Während des Laufens rief er den Schülern noch einmal zu: „Wirklich eine prima Idee! Ich bin dabei!“
„Ja, so gewinnt man Anhänger, man muss die Sache nur überzeugend rüberbringen!“, erzählt uns Peter, die wir der Geschichte bis hier hin gespannt gelauscht haben.
„Ward ihr nach Schulschluss dort und wie ging es weiter?“, wollen wir nun wissen.
„Klar, wir sind sofort zu ihm gelaufen. Wir waren ja mächtig stolz auf unseren ersten Erfolg!“
Der Hausmeister erwartete damals die kleine Gruppe auch schon und führte sie in eine Ecke des Schulgebäudes, wo er eine Tür aufschloss.
„Ich muss euch sagen, dass es noch mehr von eurer Sorte geben müsste. Ist schon eine geniale Idee, diese Aktionsgemeinschaft „Saubere Umwelt“. Und bei so einer Aktion ist es immer auch wichtig, dass es gute Vorbilder gibt.“
Mit diesen Worten drückte der Hausmeister den Jungs Besen, Schaufel, Eimer und Säcke in die Hand und forderte sie grinsend auf:
„Na, dann legt mal los! Der gesamte Schulhof muss gesäubert, gekehrt und von Abfall bereinigt werden. Und auf der Schulwiese könnt ihr danach noch das Gras zusammen rechen, das ich heute vormittag abgemäht habe!“
„Und?“, presse ich unter Lachen hervor. „Habt ihr es gemacht?“
„Na klar“, antwortet Peter. „Wir sind voller Eifer an die Sache rangegangen. Allerdings muss ich zugeben: Der Abschluss dieser Säuberungsaktion am Abend, war dann auch das Ende der Aktionsgemeinschaft ‚Saubere Umwelt!‘ “
„Vielleicht hättet ihr mal besser durchhalten sollen!“, meine ich grinsend. „Du hattest das anfangs schon richtig erkannt:

Man muss im Kleinen anfangen, um Großes zu bewirken!“

14 Kommentare

  1. Martina sagt

    So ist es: Es ist besser wenig zu tun, als gar nichts. Bei uns gibt es in jedem Frühjahr die Aktion ‚Saubere Landschaft‘ – wahrscheinlich ist das bundesweit der Fall. Dann marschiert mein Mann auch mit durch unseren Ort, um die Landschaft zu säubern. Das ist auch nur eine winzig kleine Aktion, doch sie setzt einen Akzent!

    • Astrid Berg sagt

      Astrid Berg
      5. März 2015
      Ja Martina, und der Hausmeister der Schule hat sich dies auch sehr clever zunutze gemacht. 🙂
      Übrigens: Bei uns gibt es tatsächlich ähnliche Aktionen.
      Einen schönen Abend wünsche ich Dir
      Astrid

  2. Ich musste schon schmunzeln, als in deiner Geschichte der Hausmeister auftauchte . . .
    Eine hübsche Geschichte.
    Lieben Gruß
    Elke

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Elke,
      ich vermute fast, dass die Jungs damals mehr an eine theoretische Umsetzung dachten 😉
      LG
      Astrid

  3. Der Hausmeister hat den Eifer der Jungen ja clever ausgenutzt, prima aber, dass diese es auch durchgeführt haben (schmunzeln)
    Wünsche dir ein schönes Wochenende, LGLore

  4. Astrid Berg sagt

    Ich denke, es hätte dem Hausmeister sicher gefallen, wenn die Aktionsgemeinschaft Fortbestand gehabt hätte 🙂
    Ebenfalls ein schönes Wochenende
    Astrid

  5. Christine R. sagt

    Hallo, Astrid,
    der Hausmeister war ein Schlitzohr – ich musste so lachen, als ich zu dem Teil kam, an dem die Jungs den Hof kehren mussten … Leider hat die Aktion dafür gesorgt, dass der Eifer sofort wieder ausgebremst wurde. Aber – egal. Immerhin, der Schulhof war wieder mal sauber … **lach**
    Liebe Grüße, und vielen Dank für diese nette Geschichte!
    Ein schönes Wochenende wünscht Dir
    Christine

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Christine,
      der Hausmeister kannte halt seine Jungs und er wusste sie zu nehmen.
      Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
      Astrid

  6. Eva V. sagt

    Liebe Astrid,
    ich habe den Browser gewechselt, jetzt klappt es.
    Schön geschriebene Geschichte. So und nicht anders lernen die Kids Umweltbewusstsein. In unserem Gebirgsortsort in Norwegen müssen die Schülerinnen und Schüler zum aufräumen und kehren des Zentrums alle Zeit anrücken. Finde ich genial.
    Schönes Wochenende und Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Hallo Eva,
      ja, man muss schon bei den Kleinen anfangen, um das Umweltbewusstsein auszubilden und wir Erwachsenen müssen Vorbilder sein.
      Ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Wochenende.
      LG
      Astrid

  7. Liebe Astrid, ich schicke Dir einen herzlichen Sonntagsgruß.
    Zuerst einmal danke für die besten Genesungswünsche für meinen Mann.
    Ab Mitte der sechziger Jahre gab es in der DDR eine der größten Aktionen mit dem Slogan, > Schöner unsere Städte und Gemeinden-Mach mit <. Dazu wurde oftmals am Samstag zum Subbotnik aufgerufen, um das Wohnumfeld zu säubern und zu verschönern.
    Schulhof-Säuberung von Schülern war in meiner Schulzeit (1952-1962) nicht notwendig. Ich kann mich nicht erinnern, daß unser Schulhof vollgemüllt wurde, aber in den Klassenräumen waren meistens die Papierkörbe übervoll, das waren recht große, viereckige, hohe Holzkisten.
    Verlebe einen schönen Sonntag, alles Gute und tschüssi sagt Brigitte

  8. Astrid Berg sagt

    Hallo Brigitte,
    Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Kindheit in den Dörfern rund um meine Heimatstadt eine Aktion gab, die nannte sich: „Mein Dorf soll schöner werden“. Dies erstreckte sich aber nicht nur auf Säuberungsaktionen.
    Liebe Grüße
    Astrid

  9. Jetzt bin ich hier gelandet, liebe Astrid, denn das ist ein Thema, dass auch mich seit Jahrzehnten regelrecht im Griff hat…
    Für den aufmerksamen Leser war früh zu erkennen, wo „der Zug“ hingeht…
    …und doch ist diese Geschichte beispielhaft, auch für viele Begebenheiten bis in die heutige Zeit…
    Theoretisieren oder praktisch anpacken, das ist oft die Frage. Und leider bleibt es allzu oft beim Theoretisieren. Überlegungen anstellen, und seien sie auch noch so richtig, oder wirklich etwas umzusetzen, das ist schon ein großer Unterschied. So mancher gute Gedanke kam nie zum Tragen, weil die Realisierung mitunter „Opfer“ der unterschiedlichsten Art gefordert hätte…
    Alles Liebe
    Heidi

    • Astrid Berg sagt

      Oh, wie recht Du hast. Gerade in unserer heutigen Zeit scheitern viele gute Ansätze, Ideen… an den Hürden der Bürokratie, aber auch daran, dass gar mancher lieber theoretisiert, statt zu handeln.
      In meiner Erinnerungsgeschichte hat der Hausmeister die Jungs beim Wort genommen und sie sofort in die Umsetzung ihrer Idee gezwungen. Damit wurde aus der Theorie die Praxis, der dann aber anscheinend auch die gute Idee zum Opfer gefallen ist.
      Naja, aber immerhin war der gute Wille vorhanden 😉
      LG
      Astrid

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