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Advent

Martin besucht heute seine Großmutter. Sie hat extra für ihren Enkelsohn Bratwürstchen mit Zwiebelsoße, Rotkraut und Kartoffelbrei gemacht, denn das ist sein Lieblingsgericht. Zwei Bratwürstchen hat er geschafft und ist jetzt „pappesatt“, wie er zu sagen pflegt. 

„Sag mal Oma“, setzt er zu einer Frage an, als er sich im Wohnzimmer umsieht. „Du hast ja überhaupt keinen Adventskranz.“

„Ach, den brauche ich doch nicht mehr. Seit Opa nicht mehr da ist, zünde ich sowieso keine Kerze mehr an. Höchstens noch auf dem Friedhof auf seinem Grab. Stell dir nur vor, ich würde einschlafen und in der Zwischenzeit fängt der Kranz an zu brennen. Nein, nein, mir kommt kein Adventskranz mehr ins Haus.“

„Aber ein Adventskranz gehört doch in die Vorweihnachtszeit“, versucht es Martin erneut.

„Ach“, lacht die Oma, „die Vorweihnachtszeit beginnt doch neuerdings schon direkt nach deinen Sommerferien.“

„Was, wieso? Das verstehe ich nicht. Oma bist du vielleicht ein bisschen verwirrt?“

„Nein mein Junge. Nur heute ist alles ganz anders als früher. In meiner Kindheit gab es zwar auch Adventskalender und Adventskranz, aber in den Geschäften gab es die Weihnachtsmänner und die bunten Kugeln erst kurz vor Weihnachten. Damals gab es keinen Stollen und auch keine Plätzchen aus der Großbäckerei, die man schon Monate vorher kaufen konnte.“

„Aber du backst doch die Plätzchen immer noch selbst und den Stollen  hast du auch immer gemacht.“

„Ja, aber jetzt ist Opa nicht mehr da und für wen soll ich mir die Arbeit machen, wenn ich alles alleine essen muss. Ich werde wohl dieses Jahr nur ein paar Plätzchen vom Bäcker nebenan kaufen.“

„Die schmecken aber bestimmt nicht so gut!“, versucht Martin zu protestieren. „Wir gehen jetzt einkaufen und besorgen alle Zutaten zum Plätzchenbacken und morgen gehen wir dann ans Werk. Gemeinsam macht das doch auch viel mehr Spaß.“

Im Supermarkt hat Martin plötzlich eine Idee, aber die behält er zunächst für sich. Wenn alles klappt, dann hat er morgen eine Überraschung für seine Oma.

Am Abend sitzt er in seinem Zimmer und zählt sein Taschengeld. Sooft er auch nachzählt, es reicht einfach nicht. Das macht ihn traurig. Gerne hätte er der Großmutter einen geschmückten Adventskranz gekauft, aber die sind alle viel zu teuer. Doch dann fällt ihm die Kiste mit den Weihnachtssachen ein, die seine Mutter ganz hinten im Keller stehen hat. Vielleicht darf er davon etwas haben.  

Am nächsten Tag gleich nach der Schule geht er nochmals in den Supermarkt und danach gleich in den Garten. Dort schneidet Martin ein paar kleine Tannenzweige ab und hebt zwei heruntergefallene Tannenzapfen von der Erde auf. 

In der Weihnachtskiste hatte er am Abend noch einen goldfarbenen Teller gefunden. Hierauf legt er die kleinen Tannenzweige und die Zapfen. Erst kurz bevor er an Großmutters Tür klingelt, stellt er obendrauf noch vier LED-Teelichter und schaltet sie an. Welches Leuchten jetzt stärker war, lässt sich nicht sagen,- das Leuchten der Teelichter, Martins strahlendes Lachen oder Großmutters vor Freude glänzende Augen.

 

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9 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    auch in deiner Geschichte merkt man, dass sich die Zeiten geändert haben. Die vorweihnachtliche Zeit ist nach vorne gerückt und die LED-Lichtlein haben in der Wohnung Einzug gehalten. Auch bei mir. Ich mag es, wenn es den ganzen Tag über in jeder Ecke ein Lichtlein blinkt. Trotzdem muss ich zugeben, dass diese nicht die Kerzen mit ihrem Duft ersetzen.
    Liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Eine richtige Kerze vermittelt eine ganz andere Stimmung, aber die Echtwachskerzen mit LED sind gar nicht so übel. Vor allen Dingen muss man nicht aufpassen.
      Egal, welche Lichtlein leuchten, ich wünsche Dir schon jetzt einen schönen und stimmungsvollen 1. Advent.
      LG
      Astrid

  2. Zauberhafte und ansteckend hoffnungsvolle Vorweihnachtsgeschichte, liebe Astrid,
    mir gefällt, dass der Junge sich selbst Gedanken gemacht hat und dieses dann auch konsequent in die Tat umsetzte.
    Liebe Grüße
    moni

    • Astrid Berg sagt

      Danke, liebe Moni!
      Auch wenn er keinen Adventskranz schenken konnte, hat er mit seiner Dekorationsidee nicht nur Fantasie bewiesen. Er hat mit Liebe und aus einer Art Fürsorge mit seinen Mitteln der Oma eine Freude bereitet.
      LG und eine schöne Restwoche
      Astrid

  3. Liebe Astrid,
    deine Geschichte ist wieder sehr schön und berührend. Ich kann Martins Großmutter übrigens gut verstehen – manches macht einfach nicht so viel Freude, wenn man allein ist. Keksebacken mit dem Enkel ist gewiss schön und der liebevoll improvisierte Adventkranz bringt nun jeden Tag Freude!
    Hoffentlich geht’s dem Katerchen wieder besser. Unser Maxwell hat generell nur eine sehr leise Stimme, meist miaut er lautlos. Nina hingegen kann mit ihrer Stimme Tote aufwecken ;-))
    Ich wünsche dir eine angenehme, möglichst stressfreie Adventzeit!
    Herzlichst, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2019/11/spaziergange-im-november-und-ein-paar.html

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      unsere Katze hat nun schon recht lange ganz konsequent geschwiegen . Inzwischen versucht sie wieder tapfer zu kommunizieren, aber es ist kein Miauen, sondern mehr ein Krächzen. Es ist doch eine recht langwierige Sache, das hätte ich nie gedacht.
      LG
      Astrid

  4. Eine rührende Geschichte. Und wahr. Heut gibt es nach Weihnachten gleich Osterhasen im Regal, im Sommer die ersten Pfefferkuchen und im September schon die Süßigkeiten für Weihnachten.
    LED-Kerzen habe ich nun auch mehrere, sie leuchten schön hell und man muss nicht ständig aufpassen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Ich habe auch keine echten Kerzen am Weihnachtsbaum. Das ist mir viel zu gefährlich.
      LG
      Astrid

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