Erdachtes & Erzähltes, Kurzgeschichten

Wetterprognosen

Tanja hat Herbstferien. Es sind ihre ersten richtigen Schulferien, denn sie ist erst im Sommer eingeschult worden. Mit ihren Eltern macht sie Urlaub auf dem Bauernhof von Familie Sonnenschein in Bayern.  Für ein kleines Mädchen aus Berlin gibt es hier viel zu bestaunen.
Auch ausprobieren und hier und da ein bisschen mithelfen darf sie, zum Beispiel beim Hühnerfüttern, beim Einsammeln der Eier oder beim Einsetzen der Tulpenzwiebeln.
Bis jetzt wurde sie immer vom Bauer und der Bäuerin gelobt, denn sie hat alle ihr aufgetragenen Arbeiten sorgfältig und gewissenhaft erledigt. Obwohl der Korb mit den eingesammelten Eiern heute recht voll und auch schwer war, hat sie alle heil in der Küche bei der Bäuerin Hilde abgeliefert.
„Das machst du toll, Tanja. Wie soll ich das alles nur bald wieder ohne dich schaffen?“
„Wenn du es nicht schaffst, komme ich einfach wieder hier her. Weihnachten sind doch Ferien und dann sind da auch noch die Winter,- Oster- und die großen Sommerferien“, meint Tanja.
„Naja, das können  wir ja alles noch besprechen, aber jetzt setz dich schön mal hin und trinke deine Milch. Oder möchtest du lieber eine heiße Schokolade.“
„Ohja eine Tasse heiße Schokolade, bitte! Die war gestern soooo lecker!“, sagt Tanja begeistert.
„Die Milch und die frische Luft hier tun unserem Mädchen richtig gut“, meint Tanjas Mutter, die in diesem Moment die Küche betritt und ihrer Tochter zärtlich über die Haare streicht.
Inzwischen sind alle um den Frühstückstisch versammelt. Bäuerin Hilde und Bauer Anton sitzen jeweils an der Stirnseite des großen Tisches. Tanja darf auf der Bank zwischen der „Ferienoma“ Maria und dem „Ferienopa“ Josef sitzen. Ihnen gegenüber nehmen Tanjas Eltern Platz. 
„Wir machen heute einen Ausflug, eine kleine Wanderung“, weiht Tanjas Vater alle Anwesenden ein.
„Dann iss mal dein Frühstück ordentlich auf. Du hast doch bestimmt schon gemerkt, wenn man seinen Teller brav leerisst, dann scheint die Sonne. Und gutes Wetter brauche ich heute unbedingt. Ich habe mir nämlich eine weniger schöne Tätigkeit vorgenommen, das Fensterputzen. Aber es muss mal wieder sein“, erklärt die Bäuerin.
„Ohje, Sie Arme!“, bedauert Tanjas Mutter die Bäuerin. „Wenn ich zu Hause meine Fenster putze, dann ist das Ergebnis immer nur von kurzer Dauer. Ich könnte fast jedes Mal wetten, dass es spätestens am nächsten Tag regnet.“
„Das ist mir auch schon oft passiert!“, bestätigt die Bäuerin diesen Aberglauben.
„Wartet mal!“, ruft da Oma Maria aus. „Ich muss euch unbedingt etwas mitgeben!“
Sie verlässt die Küche, um eine Minute später wieder zu erscheinen.
„Hier, den solltet ihr unbedingt mitnehmen!“
Sie reicht Tanjas Vater einen Schirm und bittet ihn trotz momentanem Sonnenschein diesen in den Rucksack zu stecken.
„Wenn ich den dabei habe regnet es nie. Nur wenn ich ihn zu Hause vergessen habe, dann regnet es ganz sicher. Das ist mir erst neulich wieder passiert!“, berichtet sie den Umstehenden.
„Na, dann nehmen wir den Schirm selbstverständlich mit, damit unser Ausflug nicht ins Wasser fällt“, lenkt Tanjas  Vater ein und verstaut ihn in seinem Rucksack, obwohl er diese Sache mit dem Schirm für Zufall beziehungsweise Aberglauben hält.
Als die drei Urlauber zur Haustür hinaus auf den Hof gehen, zeigt sich der Himmel in seinem schönsten Blau. Sie sind sich sicher, dass heute kein einziges Tröpfchen herabfallen wird und freuen sich auf den Tag. Die anderen wünschen ihnen eine schöne Wanderung und winken ihnen nach, als durch das Hoftor die Nachbarin herüber kommt. 
„Hoffentlich geht das gut“, meint sie skeptisch zu den Feriengästen und wirft einen Blick zum Himmel. „Ich nehme doch an, dass sie einen Regenschirm dabei haben.“
Etwas verdutzt deutet Tanja auf den Rucksack, den ihr Vater geschultert hat. Irgendwie irritiert sie das ganze Gerede um das Wetter. Sagt der Vater sonst nicht immer, dass der Mensch das Wetter sowieso so nehmen muss, wie es eben ist?! Aber welche Vorahnung hat die Nachbarin nun schon wieder?
„Ich habe heute so ein Ziehen in meinem Knie und das ist ein sicheres Zeichen, dass sich das Wetter ändert.“
„Wir sind gewappnet!“, beteuert Tanjas Vater und schreitet mit Frau und Tochter frohgemut zum Hoftor hinaus. Hinter ihnen hören sie noch Opa Josef aus dem Küchenfenster rufen:
„Ach Edith, du mit deinem Knie und dem Wetter. Du weißt doch:

„Kräht der Hahn auf dem Mist,
ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist.“

 

 

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12 Kommentare

  1. Liebe Astrid, herzliche Grüße.
    Jetzt zum Abend hin reißt der wolkenbedeckte Himmel auf und sogar die Sonne zeigt sich kurz. Die Wolken werden durch den Wind kräftig geschoben, aber es hat bei uns heute nicht geregnet.
    Ich laufe nicht gern mit Regenschirm, lieber ziehe ich eine Regenjacke an.
    Ich bin jetzt auch schon seit einigen Jahren wetterfühlig. Mein Körper zeigt mir schon 3 Tage zuvor an, daß ein Wetterumschwung kommt.
    Einen schönen Abend wünscht Dir Brigitte.

  2. tjaaaaa liebe Astrid – guter alter Spruch
    „Kräht der Hahn auf dem Mist,
    ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist.“
    so ist es – a b er
    was soll man glauben wenn man weder einen Misthaufen noch Krähhahn in der Nähe hat…?
    dann hilft vielleicht doch nur
    die Vorsorge –
    der Schirm, selbst wenns nur
    ein kleiner Taschenschirm ist – trotz MISTWETTER…reimt sich ja fast wieder in sich..lacht angel…
    hübsche Geschichte… herzlichst ein Gruß angelface

    • Astrid Berg sagt

      Ich denke, mit dem Spruch „Kräht..“ sind wir gut bedient. Er passt immer ;-). Heute ist es wieder einmal kalt und trüb, aber ich freue mich schon auf morgen. Es soll 19 Grad werden. Na, was wollen wir mehr?! So kann es bis Weihnachten bleiben und dann wärmer werden ;-).
      Sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  3. Liebe Astrid,
    ich habe auch meist einen Schirm in der Tasche, weil ich glaube, dass es dann eher nicht regnet. In den Gelenken merke ich (noch) nichts.
    Gerne gelesen wieder!
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Astrid Berg sagt

      Ich vergesse leider nur allzu oft den Schirm. Gestern allerdings haben wir mit aufgespanntem Schirm einen Spaziergang gemacht. Die frische Luft tut gut. Ich mag die trockene Heizungsluft nämlich nicht so gerne.
      LG
      Astrid

  4. ein weitergeleiteter Kommentar von meiner Mama:

    Hallo Astrid,

    ☔️Schön Dein Bericht zur Wetterlage, habe es gerne gelesen. Früher taugten diese nicht viel, aber seit wir diese Dingens von Satelliten da oben hocken haben, ist es etwas genauer. Unsere Devise ist allerdings, Tür auf….nausschauen, sehen was los ist und danach handeln. Spatzerl schau wie i schau, sagte schon der Helmut Fischer immer, der Monaco Franze. Wir halten das dann so: a bissel was geht immer, gell!
    Grüße zum Wochenende von der Helga ☔️

    • Astrid Berg sagt

      Ich musste schmunzeln, liebe Helga. Wer kennt heute den Monaco Franz noch?! Mein Mann und ich jedenfalls wissen, von wem Du sprichst, wir haben nämlich öfter diese Serie gesehen. Die heutige junge Generation kann mit dem Namen nichts mehr anfangen.
      Ich schicke Dir herzliche Grüße
      Astrid

  5. Hallo liebe Astrid,
    wieder eine schöne Geschichte, die ich gern gelesen habe.
    Das mit dem „Teller brav leer essen, dann scheint die Sonne“ kenne ich auch noch.

    Hab erst neulich vormittags die Fenster geputzt und promt hat es am nächsten Tag regnet. Das ist auch so ein Phänomen 🙂
    Das sind so Wettervorhersagen, die passieren halt manch mal und man schüttelt den Kopf, schmunzelt und glaubt sie dann irgendwann… warum auch immer.
    Genau wie … wenn man keinen Schirm bei hat, regnet es selbstverständlich.
    Aber ein Ziehen in den Knien hab ich noch nicht *g* kann aber noch kommen mit zunehmendem Alter, so erging es meiner Mutter und auch Oma.

    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir…
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Biggi,
      und wieder sind Deine beiden Kommentare angekommen, aber doppelt gemoppelt hält besser. So sagt man bei uns zumindest. 🙂 Ich freue mich, dass Du Dir die Mühe ein zweites Mal gemacht hast.
      Ich möchte im Laufe dieser Woche meine Fenster putzen, denn morgen sollen es 19 Grad werden und für den Rest der Woche haben sie keinen Regen angesagt. Mal sehen, ob meine Fenster dann wenigstens ein paar Tage vor den Regentropfen geschützt bleiben.
      Sei herzlich gegrüßt und hab vielen Dank für Deine netten Kommentare.
      Astrid

  6. Mein Kommentar ist weg, zweiter Versuch….

    Hallo liebe Astrid,
    wieder eine schöne Geschichte, die ich gern gelesen habe.
    Das mit dem „Teller brav leer essen, dann scheint die Sonne“ kenne ich auch noch.

    Hab erst neulich vormittags die Fenster geputzt und promt hat es am nächsten Tag regnet. Das ist auch so ein Phänomen 🙂
    Das sind so Wettervorhersagen, die passieren halt manch mal und man schüttelt den Kopf, schmunzelt und glaubt sie dann irgendwann… warum auch immer.
    Genau wie … wenn man keinen Schirm bei hat, regnet es selbstverständlich.
    Aber ein Ziehen in den Knien hab ich noch nicht *g* kann aber noch kommen mit zunehmendem Alter, so erging es meiner Mutter und auch Oma.

    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir…
    Liebe Grüße
    Biggi

  7. Kicher, liebe Astrid, du hast das menschliche Hin- und Hergerissensein zwischen Aberglauben, Wetterfühligkeit und alten Bauernregeln gut beobachtet. Wir haben auch schon öfter mal beobachtet, dass ein frisch geputztes Fenster, ein frisch geölter Terrassenboden oder ein eben erst gewaschenes Auto baldigen Regen bringen (seltsam, dass niemand von uns während des trockenen Sommers daran gedacht hat… 😉 ), dass eingepackte Regenschirme die Schlechtwettergeister abhalten und dass Knie oder Kopf vor Wetterumschwüngen schmerzen können…
    Was das Leeressen der Teller betrifft, das für Sonnenschein sorgt, las ich neulich einen lustigen Satz: „Haben sie euch das auch immer eingeredet? Und was haben wir jetzt davon? Übergewicht und den Klimawandel!“ :-)))
    Ich hoffe, du hattest ein angenehmes und schönes Wochenende!
    Herzliche Rostrosengrüße,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/10/thailand-reisebericht-teil-6-chiang-rai.html

    • Astrid Berg sagt

      Stimmt, wenn ich es mir genau überlege, dann habe ich hinten in meinem Auto immer einen Schirm liegen. Ohje!!! Bin ich jetzt am Ende schuld an der langen Trockenperiode? Aber mal ehrlich, jetzt hole ich ihn auch nicht mehr aus dem Auto. 😉
      Ganz herzliche Grüße
      Astrid

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