Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten
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Heiße Liebe

Ich bin gespannt, ob es Euch auch so ergeht. Frau Konfusi jedenfalls liebt sie und kann oftmals nicht widerstehen. Wenn sie sie erblickt, dann entflammt ihr Herz und sie kann nicht anders, als ihnen ihre Liebe zu schenken. Doch manchmal hat sich alles auch als eine Art Hassliebe entpuppt. Das kann dann ganz schön schmerzen.
„Ich muss mal kurz in die Stadt und ein paar Erledigungen machen“, ruft Frau Konfusi ihrem Mann zu, der gerade in eine wissenschaftliche Veröffentlichung vertieft ist. „Ich nehme den Bus und bin zum Abendessen wieder zurück!“
Ganz sicher ist sich Frau Konfusi nicht, ob ihr Mann sie richtig verstanden hat oder ob er überhaupt etwas mitbekommen hat. Es kommt nämlich nur ein kurzes
„Okay!“
aus seinem Arbeitszimmer. Es könnte sich auch auf den Inhalt der Veröffentlichung bezogen haben. Aber Frau Konfusi bleibt keine Zeit mehr zum Nachhaken, denn schon in wenigen Minuten fährt der Bus vorne an der Straßenecke ab. Also schlüpft sie schnell in Jacke und Schuhe, schnappt sich noch ihre Tasche und schon klappt die Wohnungstür von außen zu.
Im Bus macht sie sich dann doch ein wenig Gedanken, ob ihr Mann mitbekommen hat, dass sie zum Einkaufen in die Stadt fährt.
„Ach egal!“, denkt sie. „Er wird schon merken, wenn ich nicht da bin und außerdem haben wir noch gestern Abend darüber gesprochen, dass ich heute in die Stadt fahren will und mich mit Brigitta zum Einkaufen treffe.“
Brigitta ist eine langjährige Freundin von Frau Konfusi und sie braucht heute unbedingt einen weiblichen Rat. Übernächstes Wochenende sind Herr und Frau Konfusi nämlich zur Geburtstagsfeier von Marcos Eltern eingeladen. Sie feiern ihren achtzigsten Geburtstag. Naja, eigentlich sind sie im Abstand von einer Woche jeder erst vierzig geworden, also zusammen achtzig Jahre. Das wollen sie allerdings ganz groß feiern. Sie haben alle Freunde und Verwandte in ein Schloss eingeladen und haben ausdrücklich um elegante Kleidung gebeten. Naja und zu diesem Anlass braucht Frau Konfusi natürlich ein neues Kleid und den Rat ihrer Freundin.
„Hallo meine Liebe, da bist du ja!“, freut sich Brigitta und umarmt Frau Konfusi herzlich. „Wollen wir erst einen Kaffee trinken oder hinterher?“
„Lass uns lieber erst nach einem Kleid Ausschau halten!“, beschließt Frau Konfusi und die beiden Freundinnen ziehen auch sogleich los.
Nachdem sie in der ersten Boutique nicht fündig geworden sind, muss sich Frau Konfusi jetzt allerdings zwischen zwei sehr schönen Kleidern entscheiden.
„Welches würdest Du denn nehmen?“, fragt sie ihre Freundin. Diese schüttelt jedoch auch etwas ratlos den Kopf.
„Sie stehen Dir beide hervorragend.“
„Darf ich ihnen einen Rat geben?“, fragt die Verkäuferin und deutet auf das Kleid mit den Perlen am Ausschnitt. „Das ist sogar heruntergesetzt, weil es noch aus der letzten Saison ist.“
„Ach, dann willst du es wohl loswerden“, denkt Frau Kofusi und weiß plötzlich, was gegen das Kleid spricht.
„Macht es mich nicht um die Hüften etwas fülliger?“, richtet sie ihre Frage an die Freundin.
„Jetzt, da Du es sagst, fällt es mir auch auf“, bestätigt Brigitta.
Frau Konfusi geht in die Kabine zurück und kommt mit einem zufriedenen Lächeln mit dem anderen Kleid wieder heraus.
„Das nehme ich!“, beschließt sie.
„Das steht Ihnen auch ausgezeichnet!“, erklärt nun die Verkäuferin. „Ich hätte mich auch für dieses Kleid entschieden.“
„Aha!“, entschlüpft es Frau Konfusi und ihrer Freundin wie aus einem Munde.
„So und jetzt gönnen wir uns noch einen Kaffee und ein Stückchen Torte!“, beschließt Brigitta.
Auf dem Weg zum Cafe kommen sie an mehreren Geschäften vorbei und plötzlich beleibt Frau Konfusi wie angewurzelt vor der Auslage eines Schuhgeschäfts stehen.
„Ich habe gar keine Schuhe,- jedenfalls nicht für das Kleid!“
Das Entsetzen steht Frau Konfusi regelrecht im Gesicht geschrieben.
„Ich kann doch dazu keine platten Treter anziehen!“
„Nein, dazu brauchst Du elegante Schuhe mit Absätzen, sonst wirkt das Kleid doch gar nicht. Komm, lass uns hineingehen und die passenden Schuhe aussuchen“, schlägt die Freundin vor.
„Ich glaube, ich habe sie schon gefunden!“ Frau Konfusi deutet auf ein paar beige Schuhe mit Absätzen. „Die würden mir gefallen!“
Fünf Minuten später bringt die Verkäuferin die besagten Schuhe zum Anprobieren.
„Oh, ich habe schon lange keine Schuhe mit Absätzen mehr getragen, aber früher, da hatte ich nur solche Schuhe!“, sagt Frau Konfusi und schlüpft hinein. „Hoffentlich kann ich damit auch gehen!“
Und sie kann es!
„Die sind toll!“, ruft sie begeistert aus und spaziert durch die Reihen.
„Willst Du noch ein paar andere probieren?“, fragt Brigitta.
„Nein! Ich will die oder keine! Ich habe mich regelrecht in die Schuhe verliebt. Die muss ich unbedingt haben!“
Nachdem die beiden Freundinnen das Schuhgeschäft verlassen haben und bei Kaffee und Kuchen sitzen, kann es Frau Konfusi kaum erwarten, ihrem Mann das Kleid und die Schuhe vorzuführen.
„Ich bin wieder da“, strahlt sie und steckt ihren Kopf in das Arbeitszimmer ihres Mannes, der immer noch am Schreibtisch sitzt und über seiner Veröffentlichung grübelt.
„Ach, Du warst weg?!“, meint er stirnrunzelnd.
„Ja und ich habe mir auch etwas Schönes gekauft! Ein tolles Kleid und super schöne Schuhe!“
Da Herr Konfusi die Begeisterung seiner Frau bemerkt, erhebt er sich und ermuntert sie, ihm doch die beiden Sachen zu zeigen:
„Mach doch mal Modenschau!“
Das lässt sich Frau Konfusi nicht zweimal sagen und schlüpft sofort in das Kleid und in die Schuhe.
„Chic! Das steht Dir hervorragend. Und die Schuhe! Ach, was habe ich eine elegante und schöne Frau!“
Frau Konfusi strahlt. „Ja, ich liebe diese Schuhe!“
„So, so?!“, meint ihr Gatte nur.
„Ich muss sie zwar noch ein bisschen einlaufen“, gesteht sie nun. „Sie zwicken ein wenig. Komisch, vorhin im Geschäft haben sie einwandfrei gepasst. Naja, sind eben noch neu, da ist das manchmal so.“
Ruckzuck ist das übernächste Wochenende und die große Geburtstagsfeier der Nachbarn. Die Feier ist einmalig und das Essen vorzüglich. Anschließend gibt es ein lustiges Programm und dann darf getanzt werden.
Inzwischen kommen Herr und Frau Konfusi von der Feier müde nach Hause.
„Oh, was tun mir meine Füße weh!“, stöhnt Frau Konfusi.
„Das kommt vom vielen Tanzen“, lächelt ihr Mann.
„Nein, das kommt von den blöden Schuhen!“, schimpft seine Gattin und wirft sie in die Ecke. „Ich hasse sie!“

 

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