Für Kinder, Kurzgeschichten, Weihnachten & Ostern
Kommentare 2

Elfinchen erzählt (3)

„Meine Eltern werden sich große Sorgen machen um mich“, begann Elfinchen nach einer Weile. Die Mäusemama hatte ihr ein Taschentuch gereicht und die kleine Elfe hatte sich die Tränen getrocknet, aber richtig versiegt waren diese nicht. Während sie nun von den Geschehnissen der letzten Tage berichtete, kullerte immer wieder die eine oder andere dicke Träne aus ihren Augen.

„Ich bin am Morgen zu meiner gewohnten Runde aufgebrochen und habe meine Freunde, die lieben und bunten Blumen in dem großen Schlossgarten besucht. Ich öffnete ihre Blüten und schenkte jeder von ihnen ein paar liebe Worte, bevor ich zur nächsten Blume flog,  um meine Aufgabe zu verrichten. Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, dass ich alle Hände voll zu tun hatte, denn so ein Schlossgarten ist mächtig groß und es gibt unzählige Blumen von den verschiedensten Sorten und Farben. Ich kenne und liebe sie alle.“

Die Mäusefamilie saß um Elfinchen herum versammelt und lauschte gebannt ihrem Bericht. Niemand wagte sie zu unterbrechen, denn sie wollten alle die gesamte Geschichte erfahren.

„Ich gebe zu, dass ich nach getaner Arbeit nicht gleich nach Hause bin. Mich hat die Neugierde gepackt und ich bin zu den Rosen am Schlossgartentor zurück. Ich schwebte leise über sie hinweg und warf einen Blick aus dem Schlosstor auf das Leben außerhalb des Gartens. 
Die Rosen im Beet direkt am Tor riefen mir zu: ‚Halt Elfinchen! Nicht weiter! Da draußen lauern nur Gefahren!’
Zunächst tat ich das, was sie sagten…“

Elfinchen holte tief Luft und wischte geschwind eine Träne weg, die ihre Wange hinunter kullerte.

„Aber dann hast du doch nicht auf die Warnungen gehört“, meinte Eddi.

„Die Blümchen draußen vor dem Tor riefen mich und wollten auch die Blütenblätter von mir geöffnet bekommen. Sie waren nicht so prächtig wie die wunderschönen Blumen im Schlossgarten, weil sich niemand um sie kümmerte. Ich hatte Mitleid mit ihnen. Ich wollte nicht weglaufen, das müsst ihr mir glauben, aber kaum hatte ich einer Blume die Blütenblätter geöffnet, rief mich schon die nächste zu sich.“

Die Mäuseeltern, aber auch Eddi, Bob und Babsi ahnten schon, was passiert war. Vor Aufregung hielten sie die Luft an und atmeten erst wieder weiter als Elfinchen ihre Erzählung fortsetzte.

„So kam es, dass ich kreuz und quer flog und mich immer weiter vom Schlossgarten entfernte. Ich war so in meine Arbeit vertieft, dass ich mir weder den Weg merkte, noch auf die Entfernung und Himmelsrichtung achtete. Erschöpft hielt ich irgendwann inne. Doch da war es schon zu spät, um mich noch irgendwie zu orientieren. Aber das merkte ich erst später, denn ich vernahm schon wieder Stimmen, die nach mir riefen.“

„Das waren wohl schon wieder irgendwelche Blumen“, meinte Babsi, die mitfühlend Elfinchens Hand ergriffen hatte.

„Nein“, erklärte die kleine Elfe. „Es waren zwei Käferchen, ein Stückchen weiter links. Sie waren auf dem Weg in ihr Winterquartier, hatten nicht aufgepasst und waren so unglücklich gefallen, dass sie beide zappelnd auf dem Rücken lagen. Ich konnte sie doch nicht hilflos ihrem Schicksal überlassen.“

„Also hast du ihnen auch geholfen. Sonst wären sie ja womöglich gestorben“, ergriff nun Bob das Wort.

„Ja, aber das war keine einfache Arbeit. Sie zappelten so heftig, dass sie im Nu wieder auf dem Rücken lagen. Aber ich habe es irgendwann geschafft und sie waren mir auch unendlich dankbar und hätten gerne auch etwas für mich getan. Aber den Weg zum Schlossgarten konnten sie mir auch nicht sagen, denn sie hatten noch nie in ihrem Leben ihre winzig kleine Welt verlassen.“

„Und was hast du dann getan?“, möchte die Mäusemutter wissen und sprach damit der ganzen Familie aus der Seele.

„Ich schwebte noch eine Weile hin  und her, in der Hoffnung wieder zurückzufinden. Aber ich hatte jegliche Orientierung verloren und plötzlich kam auch noch Nebel auf. Ich setzte mich traurig hin und mich übermannten Angst, Hoffnungslosigkeit, das Zittern vor Kälte und auch eine große Müdigkeit. Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen habe. Als ich aufwachte, war überall Schnee und ich begann aus Leibeskräften zu rufen und zu weinen…“

„Und dann habe ich dich gehört…“

„Ja und hast mich zu deiner Familie gebracht. Ich bin dir auch sehr, sehr dankbar dafür. Aber ich habe so unendliche Sehnsucht nach meiner Familie, meinen Eltern und Geschwisterrn. Ich will nach Hause!!! Bitte, bitte!! Ich möchte nach Hause!!! …“

Elfinchen begann wieder herzerweichend zu weinen…

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Babette und der Schneemann

Felicita und der Mann im Mond

Eiskalt

 

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.