Kurzgeschichten, Meine Plauderecke

Damals

Gerade habe ich mir die Fotos von diesem Jahr auf meinem Handy angesehen. Zu einem Foto, das ich auch als Beitragsfoto ausgewählt habe, gibt es eine kleine Erinnerungsgeschichte. Diese möchte ich Euch heute gerne erzählen, denn sie kam uns auf Mallorca wieder in den Sinn: 

Wir schlendern durch einen kleinen Ort, in dem gerade Markttag ist. Die Händler bieten ihre vielfältigen Waren an und verkaufen wohl nur zu einem geringen Anteil noch an die Einheimischen. Meist sind solche Märkte ein Touristenmagnet und dementsprechend ausgelegt. Trotzdem macht es Spaß die Stände und die feilgebotenen Waren zu betrachten. Und eine Kleinigkeit findet sich immer, die man als Souvenir oder Geschenk mit nach Hause nehmen kann.

„Ich muss Dir etwas zeigen“, sage ich zu meinem Mann, als ich meinen Blick auf dem Marktplatz des kleinen spanischen Ortes schweifen lasse. „Komm doch mal mit!“

Ich nehme Peter an der Hand und führe ihn zu einem Verkaufsstand, an welchem handgefertigte Korbwaren angeboten werden.

 „Willst Du Dir wieder mal einen Sonnenhut kaufen? Hast Du nicht erst im Frühjahr auf Teneriffa einen solchen Hut erstanden?“, versucht er mein Anliegen fragend zu ergründen.

„Stimmt!“, pflichte ich ihm bei. „Den habe ich allerdings zu Hause vergessen. Keine Ahnung, wieviele Sonnenhüte ich inzwischen schon daheim habe. Aber darum geht es mir im Moment gar nicht.“

Im Augenblick scheint mein Gatte noch nicht zu wissen, worauf ich hinaus will, aber ich werde versuchen in ihm schlummernde Erinnerungen zu wecken.

„Schau Dich hier ein bisschen um und denk dabei doch mal an unsere Studienzeit. Ich habe Dich an einem Wochenende in Darmstadt besucht und wir waren in einem großen Supermarkt einkaufen.  Dort gab es einen ….“

„Kleinen Koffer aus Korb“, ergänzt mich Peter und beginnt zu grinsen und ich sehe regelrecht wie Gedankenblitze durch seine Gehirnwindungen zucken.

„Genauer gesagt waren es drei Koffer“, füge ich hinzu und sehe alles wieder vor meinem geistigen Auge. „Ein größerer und die beiden anderen wurden immer ein bisschen kleiner, so dass alles ineinander passte, – ähnlich wie bei den Matroschka Puppen.  Man konnte sie als eine Art Handtasche benutzen oder einfach auch nur Sachen darin verstauen. Das war damals groß in Mode.“

„Ich weiß. Du warst total begeistert davon.“

„Ja, und Du hast sie mir kurzerhand gekauft. Darüber habe ich mich auch sehr gefreut.“

Peter runzelt die Stirn und meint augenzwinkernd: „Diese Freude war aber nur sehr kurz.“

„Logisch!“, schmettere ich ihm entgegen. „Von unseren paar Kröten, die wir im Studium hatten, konnten wir uns eine solche Ausgabe gar nicht leisten. Ich meine, es wären 45 DM oder so gewesen. Vielleicht waren es auch viel weniger. Nur 29 DM“, überlege ich laut. „Egal, aber für uns war es in jedem Fall eine horrende Summe.“

„Eben drum folgte bei uns auf die Freude auch schon ziemlich schnell das schlechte Gewissen darüber, so viel Geld ausgegeben zu haben. Das Geld hätte eigentlich noch für den Rest des Monats reichen sollen. Das hat uns einfach keine Ruhe mehr gelassen.“

Ich nicke ihm beipflichtend zu, denn ich kann mich noch gut erinnern, wie wir  hin und her überlegt haben, ob wir die Korbwaren behalten sollten oder nicht. 

„Ja“, sage ich. „Wir haben uns dann allerdings entschlossen, die Korbkoffer wieder zurückzugeben. Und das war auch gut so. Man soll nicht über seine Verhältnisse leben und das wäre definitiv der Fall gewesen.“

„Vielleicht gibt es hier so etwas Ähnliches“, überlegt Peter. „Hast Du schon einmal nachgeschaut?“

Insgeheim habe ich danach Ausschau gehalten, das gebe ich zu. Jedoch kaufen würde ich mir diese Köfferchen heute nicht mehr. Es ist einfach nur noch eine Erinnerung, wenngleich auch eine schöne und ein bisschen wehmütige Erinnerung. 

 

 

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17 Kommentare

  1. Eine interessante Geschichte, liebe Astrid,
    gerade weil ihr diesen ungeplanten Spontankauf wieder rückgängig gemacht habt, ist dieses Erlebnis in Erinnerung geblieben, gell.
    Ich habe zwar kein Foto, aber auch ich habe seinerzeit an der Costa del Sol einen großen, runden Einkaufskorb erstanden. Allerdings hat er, bis der Boden nach vielen, vielen Jahren intensiver Nutzung, stets gute Dienste getan. Ich war allerdings, als Klima und Umwelt noch kein Thema war, ziemlich allein mit meinem „umweltfreundlichen“ Naturkorb……
    Komm gut durch den heißen Tag,
    herzlichst moni

  2. Sorry,
    da habe ich vor lauter einstürmenden Erinnerungen doch glatt ein paar Worte vergessen zu tippen:
    „…bis der Boden nach vielen, vielen Jahren intensiver Nutzung durchgescheuert war…..

    Liebe Grüße
    moni

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Moni, jetzt musste ich Lächeln, denn mir waren die fehlenden Worte gar nicht bewusst aufgefallen. Anscheinend hat mein Gehirn diese automatisch dazugesagt, wie das auch bei fehlenden Buchstaben geschieht😀. Man versteht trotzdem alles.
      Komm gut durch die Hitze und sei herzlich gegrüßt
      Astrid

  3. deine vielfältigen Geschichten liebe Astrid die du so gern mit uns teilst, über viele schmunzle ich weil sie – wie aus …dem Leben herausgeriffen lebendig vor dem Auge des Lesers auftauchen und ihn an ähnliche erinnern, die er selbst vielleicht erlebt hat…
    leise grinsend erlebe ich auch diese…
    * gut dass der Einkauf damals in einem Supermarkt statt fand und nicht auf einem Markt – Flohmarkt oder anderem wo man es nicht zurückgeben konnte. –
    Tatsache dass man aus lauter Euphorie und weil einem etwas besonders gefällt – sich zu einem Spontankauf entscheidet den man später – egal aus welchem Grund – doch bereut…
    hübsche, sehr lebendig erzählte Geschichte…
    herzlichst angelface

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angelface,
      ich kann Dir immer nur wieder für Deine lieben Worte danken.
      Meine Geschichten entstammen immer irgendwie dem tatsächlichen Leben und ich freue mich sehr darüber, dass der Eine oder Andere Ähnliches erlebt hat. Auf diese Art und Weise können Geschichten Menschen miteinander verbinden, sie können gewissermaßen Brücken schlagen. Es wäre schön, wenn mir dies mit so mancher Geschichte gelingen würde.
      LG
      Astrid

  4. Ja, so ist es… manchmal sieht man etwas, man riecht etwas oder man hört etwas – das oft schon lange zurückliegt…aber die Erinnerung holt es dann durch diesen meist unverhofften Anstoß wieder hervor…und wir begeben uns auf eine Reise – u. U. bis weit in unsere eigene Vergangenheit…und vieles ist, als wäre es erst gestern gewesen… Ich liebe es, wenn dabei schöne Zeiten und Begebenheiten wieder vor unserem geistigen Auge erstehen…
    Hab eine gute Zeit und alles Liebe
    Heidi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Heidi,
      Erinnerungen haben es in sich, man kann so schön in ihnen schwelgen. Das Gute daran ist, man kann sich an den damaligen Begebenheiten und Ereignissen noch einmal erfreuen. Vorausgesetzt es handelt sich um schöne Ereignisse, die Schlechten

    • Astrid Berg sagt

      sollte man erfolgreich verdrängen, denn sie machen eher traurig als froh.
      Leider habe ich bei Dir Probleme mit dem Kommentieren, es klappt irgendwie nicht. Ich versuche es aber wieder.
      Herzliche Grüße von
      Astrid

  5. eine schöne Geschichte 😉
    ja.. es ist oft so dass man durch irgend was an früher erinnert wird
    und man macht sich gedanklich auf eine Zeitreise 😉
    Manchmal hat man auch eine Dejavue und meint etwas genau so schon erlebt zu haben

    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Ja, oder ein Geruch weckt plötzlich eine Erinnerung. Es ist manchmal so, als ob man in einer Schublade auf einmal etwas findet, das lange im Verborgenen war, aber uns irgendwie

    • Astrid Berg sagt

      kostbar und wertvoll ist . Solche schönen Erinnerungen liebe ich.
      LG
      Astrid

  6. Liebe Astrid,
    die Körbe und Sonnenhüte von diesem Marktstand würden gut zu meiner aktuellen Wohnzimmerdeko bzw. zum demnächst bei meiner Freundin Moni stattfindenden Sommerfest (Thema Strandpicknick) passen. Und solche ineinander stapelbaren Köfferchen wohl auch, denn einer davon hätte sicherlich auch die richtige Größe, um einen Picknickkorb darzustellen. Ich glaube, in eurem Fall hätt ich mir (sofern vorhanden) solch ein Kofferset aus reiner Sentimentalität gekauft… 😉
    Herzliche Rostrosengrüße, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2019/07/strandfarben-blogjubilaum-und-ein-paar.html
    PS: Nanu, bei Heidi hast du auch Probleme mit dem Kommentieren? Irgendwas läuft da wohl gröber schief mit dem Zusammenspiel der Programme… Ich freue mich jedenfalls, dass du mir per Mail treu bleibst!

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      der größte der drei Körbe hätte für zwei Personen vielleicht als Picknickkorb dienen können, allerdings hätte man nicht so sehr hungrig sein dürfen 😉.
      Du wirst lachen, erst letztes Jahr habe ich mir einen schönen Picknickkorb gekauft. Ob das eventuell unbewusst mit diesen zurückgegebenen drei Köfferchen zusammenhängt? Wer weiß?😉
      LG
      Astrid

  7. Eine schöne Erinnerung Astrid. Und solche Korbwaren wie auf dem Foto werden doch immer noch gern gekauft. Wir haben zwei Taschen ähnlich denen auf dem Bild, nur die Lederecken fehlen. Ich habe sie sogar schon 2 x verschenkt und kam damit gut an.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Ja, liebe Kerstin, solche Korbwaren sind irgendwie zeitlos. Ich liebe Körbe und habe davon einige. Egal ob Einkaufskorb, Geschenkkorb oder Strandtasche, Körbe kann man immer gebrauchen 😉.
      LG
      Astrid

  8. So eine nette Geschichte !
    Ich konnte mich an dem Foto kaum satt sehen, mir gefallen so Korbtaschen Hüte und Körbe ausgesprochen gut und ich weiß nicht, ob ich an dem Stand vorbei gekommen wäre, ohne etwas zu kaufen.

    Liebe Grüße aus Wien
    Peggy

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Peggy,
      auch ich konnte mich schwer losreißen, aber ich habe schon so viele Körbe und Taschen.
      Liebe Grüße
      Astrid

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