Alle Artikel mit dem Schlagwort: Hoffnung

Wie gewonnen, so zerronnen

Tanja kommt von der Arbeit nach Hause. Es ist Freitagabend und wie gewohnt will sie sich nachher noch mit ihrer besten Freundin Gitti treffen. Sie kennen sich seit der Schulzeit, haben gemeinsam studiert und leben noch heute in der selben Stadt. Sie unternehmen viel gemeinsam, telefonieren häufig und freitags treffen sie sich immer zu einem gemütlichen Fernsehabend. Abwechselnd findet dieser mal bei der Einen und dann wieder bei der Anderen statt. „Ich sollte noch schnell ein bisschen aufräumen“, überlegt Tanja laut. „Wenn überall etwas herumliegt, dann sieht es so ungemütlich aus. Ich muss mich aber beeilen!“  Schon eine knappe halbe Stunde später klingelt es an der Haustür. „Gittti!!!“, ruft Tanja aus, rauft sich erschreckt die Haare und rennt schnell zur Wohnungstür, die sie völlig aufgelöst und mit einem Ruck öffnet. Ohne ein Wort dreht sie sich wieder um und läuft händeringend zurück ins Wohnzimmer. „Ich wünsche Dir einen schönen guten Abend“, ruft Gitta ihrer Freundin verwundert hinterher und hängt ihren Mantel an der Garderobe im Flur an den Haken. Danach geht auch sie ins Wohnzimmer, …

Was wird nur aus mir?

Ich kann mich nur noch wundern. Man hat mich hier einfach abgelegt. Ich habe keine Ahnung warum und was das soll. Außerdem bin ich hier alleine. Naja, nicht ganz alleine. Es sind noch eine Menge anderer da, aber trotzdem fühle ich mich verlassen. „Hallo!“, rufe ich und hoffe, dass mich jemand hört. „Wo ist eigentlich meine zweite Hälfte?“ Das ist nämlich mein bester Freund, ohne den ich nicht leben kann. Wenn er fehlt, ist meine ganze Existenz und meine Berufung hinfällig. Ich bin dann ein Nichts. Keiner wird mich jemals wieder beachten. „Hallo?“, rufe ich noch einmal. „Gebt mir bitte meinen Kameraden wieder.“ Alle anderen um mich herum sind plötzlich nicht mehr still. Um mich bricht Tumult aus. Jeder hat etwas zu berichten. „Uns geht es genauso wie dir!“ „Von Zeit zu Zeit verlässt uns einer!“ „Man munkelt, man habe seine zweite Hälfte wieder gefunden und Beide vereint.“ „Andere verschwinden auf Nimmerwiedersehen.“ „Manche gehen zurück zu ihrem Partner und später schicken sie ihn manchmal sogar alleine zu uns.“ Das alles macht mich ziemlich nervös. Meine …

Festival der Farben (Teil1)

Momentan ist es alles andere als schön draußen. Es ist nasskalt und trüb. Das kann ganz schön auf das Gemüt drücken. Deshalb habe ich mir gedacht, ich zeige Euch wie schön bunt die Welt trotzdem noch ist. Man muss nur die Augen offen halten und die Farben auf sich wirken lassen. Wenn wir uns trotz des trüben Wetters nach draußen wagen und einen Spaziergang machen, können wir viel entdecken. Als ein Farbtupfer in der Landschaft steht einsam und verlassen das bunte Schaukeltier auf dem verwaisten Spielplatz . Der blaue Eisenbahnwagon im fremden Garten ist beladen mit bunten Bienenstöcken, das Brückengeländer hat einen farbigen Anstrich bekommen, der blaue Zaun im Landschaftspark hebt sich vom Weiß des Schnees ab. Jemand hat vergessen den kleinen lustigen roten Weihnachtsmann wegzuräumen und das niedliche zartgrüne Windrädchen erinnert noch an den letzten Sommer und Herbst, als es sich lustig im Winde drehte. Die bunten Luftballons sollten nicht nur Kinderherzen erfreuen. Die untergehende Sonne verfärbt den Himmel. Auch ins Innere unseres Hauses können wir uns die Farben und die Vorfreude auf den …

Die Schatztruhe

Vielleicht könnt Ihr Euch noch erinnern. Vor nun bereits zwei Jahren schrieb ich drei Postkarten. Es waren Ansichtskarten von einem Bergdorf auf Mallorca, um genau zu sein von Valdemossa. Damals habe ich meiner Mutter und unserem Sohn am 7. Juni jeweils eine Ansichtskarte geschrieben, aber auch an unsere eigene Heimatadresse schickte ich eine Karte ab. Ich dachte, es sei eine schöne Überraschung und Urlaubserinnerung, wenn wir diese Karte in unserem Briefkasten finden würden. Ich weiß das Datum so genau, weil meine Mutter an diesem Tag auf einer Hochzeitsfeier eingeladen war. Diese Karten habe ich in einen offiziellen Postbriefkasten mitten im Ort eingeworfen. Es war ein Experiment. Ich wollte wissen, ob die Karten schneller in Deutschland ankommen, als die Karten, die man für gewöhnlich im Hotel abgibt. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass die Ansichtskarten meistens erst nach drei Wochen beim Adressaten ankommen. Oftmals waren wir dann schon wieder aus dem Urlaub zurück. „So ein offizieller Postbriefkasten“, so dachte ich mir damals, „wird doch sicherlich regelmäßig mehrmals in der Woche geleert.“ Mein Mann hatte Beweisfotos …