Erdachtes & Erzähltes, Kurzgeschichten, Professor Konfusi-Geschichten
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Halloween

Meine heutige Geschichte ist zum Teil erfunden, aber in ihr steckt auch ein wahrer Kern. Diese wahre Begebenheit ereignete sich vor mehr als zwei Jahrzehnten im Hause eines Ehepaares, das uns jedes Jahr im Herbst zu einem köstlichen Abendessen in geselliger Runde einlud. Sie hatten bereits einen siebzehnjährigen Sohn, der eines Tages auf eine seltsame Idee kam …
Kurz und gut, ich habe nun um diese uns erzählte Begebenheit eine Professor-Konfusi-Geschichte gesponnen:
„Heute ist es sehr ungemütlich draußen. Richtiges Halloweenwetter!“, sagt Frau Konfusi zu ihrem Mann als sie beim Essen sitzen.
„Ja, es hat die ganze Nacht, einschließlich heute Vormittag gestürmt und geregnet“, bestätigt Professor Konfusi seiner Gattin. „Es ist das geeignete Wetter um einige unliebsame Dinge im Haus zu erledigen.“
„Und woran hast du dabei gedacht?“, erkundigt sie sich.
„Unser Keller bedarf wieder einmal einer gewissen Ordnung. Es haben sich im Laufe der Jahre so viele unnötige Sachen angehäuft, die könnte man mal entsorgen.“
„Das ist eine hervorragende Idee. Ausmisten ist immer gut. Lass uns gleich nach dem Mittagessen damit anfangen.“
Frau Konfusi ist noch etwas skeptisch, denn eigentlich wirft ihr Mann nicht gern Dinge weg. Er meint immer, man könne dies und das noch eines Tages gebrauchen. Seltsamerweise erweist sich diese Einstellung oftmals als richtig. Erst neulich suchten sie die ausgediente alte elektrische Kaffeemühle, die sie leider beim letzten Sperrmüll entsorgt hatten.
„Siehst du, man soll eben nichts wegwerfen“, hatte Professor Konfusi gesagt.
„Und ausgerechnet er will nun den Keller entrümpeln“, überlegt Frau Konfusi und schüttelt gedankenverloren den Kopf. Sie wird jedoch aus ihren Gedanken gerissen, als es an der Wohnungstür klingelt. Es sind Marco und dessen Vater, die anscheinend schon von den Plänen des Professors wissen. Marco meint nämlich forsch:
„Der Trödeltrupp meldet sich zur Stelle. Von uns aus kann die Entrümplung losgehen. Bestimmt haben Sie einige ungeahnte Schätze unten im Keller lagern.“
„Du scheinst zu viel fernzusehen!“, schmunzelt der ältere Herr. „Aber lasst uns anfangen, bevor ich es mir anders überlege!“
„Da ihr mich ja nicht braucht, nehme ich die Einladung von Oma Schmidt an und mache mir mit ihr und Marcos Mutter im Café Bohne einen netten Nachmittag“, ruft Frau Konfusi den Dreien nach, die bereits auf dem Weg durch das Treppenhaus nach unten sind. „Ein Weibernachmittag hat auch was“, fügt sie in Gedanken hinzu.
Die drei Männer räumen im Keller hin und her, sichten jede noch so geringe Kleinigkeit und sortieren aus, was weggeworfen werden kann und was man behalten will.
„Sollte einer von euch etwas gebrauchen können, dann darf er es sich selbstverständlich nehmen“, erklärt Professor Konfusi großzügig. „Außer es handelt sich um ein ganz persönliches und unersetzliches Erinnerungsstück.“
„Ich hätte da schon was“, gibt Marco sofort zu verstehen. Er deutet in eine Ecke und zieht damit alle Blicke in diese Richtung.
„Was willst du mit dem alten klapprigen Ding? Das dürfte schon nicht mehr ganz heil sein und steht auch nicht mehr richtig.“
„Wenn Sie es nicht behalten wollen, dann … Ich habe da nämlich so eine Idee!“
„Ich frage mich, was das soll. Dein Zimmer ist schon die reinste Rumpelkammer“, gibt ihm sein Vater mürrisch zu verstehen.
„Ich will es mir doch nur ausleihen und bringe es ganz sicher dann auch zum Sperrmüll. Versprochen!“
Marcos Vater zuckt mit den Schultern und wendet ich einem alten Röhrenradio zu, das er gerne wieder zum Leben erwecken würde.
„Das wäre etwas für meinen Hobbykeller!“, gibt er den beiden anderen zu verstehen.
„Ich bin dann mal kurz weg“, erklärt Marco, schnappt sich das gewisse Etwas und schleppt es schnaufend die Treppen nach oben. Eine halbe Stunde später erscheint er wieder im Keller und verrichtet fröhlich pfeifend seine Arbeit.
Am Abend treffen sich alle mit Ausnahme von Oma Schmidt noch auf ein Gläschen Wein bei Marcos Eltern.
„Ich hau jetzt ab!“, erklärt Marco und setzt sich eine Affenmaske auf. „Heute ist doch Halloween und ich will mit ein paar Kumpels um die Häuser ziehen.“
„Um zehn bist du aber wieder da“, gibt ihm sein Vater zu verstehen. „Morgen ist Schule!“
Marco winkt und ist auch schon zur Wohnungstür raus.
„Ich hol mal eben das Fotoalbum aus dem Schlafzimmer“, sagt Marcos Mutter. Zwei Minuten später tönt ein gellender Schrei durch die Wohnung. Alle springen wie von der Tarantel gestochen auf und hechten zum Schlafzimmer, aus dem der Schrei kam. Als Marcos Vater die Tür aufreißt, sieht er seine Frau vor dem Bett stehen. Sie krümmt sich vor Lachen und deutet auf die zurückgeschlagene Bettdecke.
„Schaut euch das mal an! Dieser Marco hat nur Flausen im Kopf. Ich frage mich, wo er das Ding wieder aufgetrieben hat.“
Herr Konfusi und Marcos Vater treten näher an das Bett heran, bevor sie sich vielsagend ansehen. Vor ihnen liegt nämlich Marcos Errungenschaft von der Entrümplungsaktion.
Frau Konfusi ist ebenfalls näher gekommen und mit vorgehaltener Hand flüstert sie:

„Ein Skelett!“

 

 

16 Kommentare

      • Astrid Berg sagt

        Unser Halloween war harmlos. Lediglich ein paar verkleidete kleine Geister standen vor der Tür. Ich konnte sie mit Süßigkeiten besänftigen und dann sind sie fröhlich weiter gezogen. 😉 .
        LG
        Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Ich kann Dir ja jetzt verraten, dass zum Glück niemand auf die Idee gekommen ist, mir ein Skelett ins Bett zu legen :-). Ich glaube ich hätte nicht gelacht, sondern hätte einen riesigen Schrecken bekommen und mich auch nnicht so schnell davon erholt.
      Der Halloweenabend verlief bei uns ziemlich ruhig und harmlos, nur ein paar verkleidete Kinder standen vor der Tür und haben sich über Süßigkeiten gefreut.
      Astrid
      LG

    • Astrid Berg sagt

      Auf so eine Idee wäre ich als Kind niemals gekommen. Wahrscheinlich war ich zu brav ;-). Abgesehen davon war Halloween damals noch nicht so in, – zumindest nicht in Deutschland.

  1. Ein makabrer Streich, bei dem man ganz schön erschrecken kann. Ich mag gar keine Gruselfilme. Es gibt da harte Sachen und nachher fürchtet man sich wirklich vor allem 🙂
    Aber so ein kleiner Schabernack sei sicher jedem verziehen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Ich mag weder Gruselfilme noch solche makabren Streiche. Ich glaube, ich wäre nicht begeistert gewesen, wenn unser Sohn als Jugendlicher auf so eine Idee gekommen wäre. Die Eltern des betreffenden jungen Mannes haben es aber relativ gelassen hingenommen, soweit ich mich erinnern kann.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Oh danke, Klaus. Auch ich wünsche Dir alles Gute und hoffe, Du hast eine schöne Woche.
      LG
      Astrid

  2. hihi..
    da hätte ich mich wohl auch erschrocken ..
    eine schöne Geschichte
    hier war nichts von Halloween zu merken
    ich mag es auch gar nicht so
    nur meine Tochter hat ihre ganze Familie geschminkt und mir Bilder geschickt .. echt zum Gruseln 😀
    und meine Enkelin hat sich auch nach amerikanischer Horrortradition geschminkt..

    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Halloween ist nicht mein Fall. Ich gebe zwar den Kindern, die an diesem Abend vor der Tür stehen, immer etwas Süßes, aber so richtig ist diese amerikanische Tradition bei mir nicht angekommen.
      LG
      Astrid

    • Astrid Berg sagt

      Da scheinen wir wohl ähnlich zu empfinden. Zum Glück kam unser Sohn nie auf diese Idee. Er hat auch niemals an Halloween verkleidet an irgendwelchen Türen geklingelt, um Süßes zu bekommen. An diesem Halloweenbrauch hat er keinen Gefallen gefunden. Ich übrigens auch nicht.
      LG
      Astrid

  3. Ich lach mich schepp.Damit habe ich nicht gerechnet. Habe gedacht, was er wohl mit dem Röhrenradio vorhatte und dann ein Skelett. Oh weia3. Liebe Grüße Eva

    • Astrid Berg sagt

      Jetzt musste ich richtig lachen, denn aus Dir spricht die Hessin. „Ich lach mich schepp“ kommt eindeutig aus der Frankfurter Gegend. Ich muss es ja wissen, als gebürdige Hessin, die im Vogelsberg geboren ist.
      Liebe schmunzelnde Grüße
      Astrid

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