Autor: Astrid Berg

Lass es dir schmecken (2)

Meine Mutter sitzt mir gegenüber. Wir haben gerade unseren Nachtisch verspeist, der uns in Erinnerungen schwelgen lässt. Die Sache mit dem Grießbrei hat mir meine Mutter bereits berichtet, doch anscheinend ahnt sie inzwischen, dass auch ich eine Episode aus meiner Kindheit zu erzählen habe. Diese hat sie allerdings nicht hautnah miterlebt und ich habe sie ihr möglicherweise noch nicht erzählt. Vielleicht hat sie diese Begebenheit aber auch nur vergessen. Sie schaut mich zumindest etwas verwundert an und erwartet meine Geschichte…. „Als ich noch ein Kind war, musstest du einmal für längere Zeit ins Krankenhaus“, beginne ich zu berichten. Meine Mutter nickt schweigend. Da wir allerdings nicht über Krankheiten sprechen möchten, fahre ich auch sogleich mit meiner kleinen Erinnerungsgeschichte fort: „Da du und Papa in dieser Zeit wohl sehr um mein leibliches Wohl besorgt wart,…“ „Naja“, unterbricht mich meine Mutter. „Essen hat ja auch nicht gerade zu deinen Lieblingsbeschäftigungen gezählt…“ Dieses Mal pflichte ich ihr nickend bei, gehe aber nicht auf diese Bemerkung ein. „… habt ihr die Nachbarin beauftragt mich in ihre Obhut zu nehmen. …

Lass es dir schmecken! (1)

Wieder einmal ist meine Mutter zu Besuch. Gerade haben wir zu Mittag gegessen und sie sitzt mir gegenüber. Heute gab es nur mal etwas Schnelles, aber nicht minder Leckeres, nämlich eine Broccolisuppe. Und dann noch einen Nachtisch, so wie ihn jeder mag. Zur Auswahl stehen eine kleine Quarkspeise und ein kleiner Becher kalter Grießbrei.  Ich greife ganz automatisch zur letzteren Auswahlmöglichkeit und wünsche meiner Mutter einen guten Appetit: „Lass es Dir schmecken!“ Nachdem sie mir dasselbe gewünscht hat, erinnert sie sich:  „Du hast schon immer gerne Grießbrei gegessen.“ Ich ahne schon, dass jetzt eine kleine Anekdote aus meiner frühen Kindheit folgt, an die ich mich selbst nicht mehr erinnern kann. Allerdings habe ich sie schon so oft gehört, dass ich mich inzwischen bildlich als noch nicht einmal Einjährige vor meinem inneren Auge sehe. Auch in dieser Vorstellung sitzt mir meine Mutter gegenüber und schaut mich an. Sie hält einen Löffel in der Hand und vor mir steht ein gefüllter Teller. Man muss jetzt sicher nicht viel überlegen, um zu erraten, dass es sich bei der …

Im Eifer des Gefechts

Heute müssen Herr und Frau Konfusi getrennte Wege gehen. Nein, sie haben sich nicht gestritten, aber manchmal will es das Leben, dass man nicht alle Dinge in trauter Zweisamkeit machen kann. Sie würden gerne beide an der Feier eines befreundeten Ehepaares teilnehmen. Emil und Herta feiern heute ihre Goldene Hochzeit. Anlässlich dieser 50 gemeinsamen Jahre haben sie Freunde und Bekannte eingeladen.  Am frühen Nachmittag findet ein Gottesdienst zu Ehren des Ehepaares statt, in welchem sie nochmals ihr Jawort von einst wiederholen und bekräftigen möchten. Danach gibt es noch Kaffee und Kuchen in einem schmucken kleinen Café im Schlosspark. „Ich würde so gerne bei Euch sein, doch leider erhält genau zu dieser Zeit ein früherer Kollege die Ehrendoktorwürde und man hat mich gebeten die Laudatio zu halten“, hatte Professor Konfusi bei der Einladung durch das Jubelpaar erklärt. „Ich habe schon lange zugesagt.“ Zum Glück hatten die Freunde Verständnis für Professor Konfusi und schließlich beschlossen sie eine Art Kompromiss.  „Elisabeth, dann komm doch wenigstens du. Wir würden uns sehr freuen“, baten die beiden Freunde.  „Sonst würde uns …

Zu verschenken

Ich habe nichts zu verschenken, wird gar mancher Mensch jetzt denken. Doch es ist kein Geld und kein Gut, man braucht dazu noch nicht einmal Mut. Es ist nicht groß, eher recht winzig, du kannst es geben auch noch mit neunzig. Diese Gabe macht nicht arm, aber reich und zwar im selben Moment und sogleich. Gib es Menschen, die du kennst, aber auch solchen, die du Fremde nennst. Du bekommst es sicher zurück, es schenkt allen ein Stückchen vom Glück. Sogar du kannst dich beschenken, selbst dann wird es dir niemand verdenken. Zu jeder Stund’ und Tageszeit es ist willkommen überall und sogar weltweit. Jeder wird es sofort verstehen, Keine Bedenken: Es wird nicht schiefgehen. Es ist in dir selbst verborgen, drum beginne damit schon am frühen Morgen. Ein kleines Lächeln ist es nur, gib dir einen Ruck und sei nicht so stur. Es tut dir gewiss nicht weh, ist zart und rein wie der Kuss einer Fee. Drum lächele jeden einzelnen Tag, es allen Freude und Kraft zu geben vermag. Ich schicke mein Lächeln …

Lach mal wieder

Es ist einer jener Sommertage, an denen man von Vogelgezwitscher geweckt wird und die Sonnenstrahlen einen schon vor dem Aufstehen an der Nase kitzeln. Einfach herrlich! Da macht es gar nichts aus früher als gewöhnlich aus dem Bett zu hüpfen und in den Tag zu starten. „Du weißt schon, dass du mich jetzt gleich zur Uni fahren musst“, sagt mein Mann. „Na, so vergesslich bin ich nun auch noch nicht“, antworte ich lachend. „Wir haben doch erst gestern dein Auto in die Werkstatt gefahren.“ Das mit der Vergesslichkeit scheint allerdings eine ganz spezielle Sache zu sein. Manchmal überdecken die Geschehnisse des Alltags Dinge, an die man normalerweise ganz selbstverständlich denkt. Irgendwie passiert es dann, dass genau diese Selbstverständlichkeiten durch die Maschen des Gehirns fallen, irgendwo in den Gehirnwindungen verschwinden oder gar steckenbleiben. Und genau das ist an diesem so schönen Tag passiert. Ich habe meinen Mann vergessen. Nein, nicht ihn. An ihn denke ich doch immer. Während ich mit meiner Mutter am Spätnachmittag telefoniere, überlege ich, warum mein Mann noch nicht zu Hause ist, obwohl …

Schau mal!

Ich sitze in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch.  Um mich herum liegen Unterlagen und Papiere, die ich bearbeiten muss. Doch eine Akte, die ich hierfür dringend benötige, fehlt mir noch. Ein Blick zu meinem teilweise geöffneten Bücher- und Aktenschrank bestätigt mir, dass ich sie dort finden kann. Ich stehe auf, um mir die Akte zu holen, doch bevor ich diese ergreife, öffne ich aus einem mir unerfindlichen Grund die mittlere der drei Schranktüren. Hier befinden sich neben unserem Familienstammbuch auch die Bibel, die wir zur Hochzeit bekommen haben, mein Gesangsbuch, das mich bei meiner Erstkommunion begleitet hat und das alte Stammbuch meiner Uroma. Doch alles das interessiert mich im Moment herzlich wenig. Meine Augen erblicken nämlich etwas, das ganz unscheinbar neben diesem Stapel liegt.  Ich nehme dieses Etwas vorsichtig heraus, als wäre es ein besonderer Schatz, der sehr zerbrechlich ist. Tatsächlich handelt es sich um eine Kostbarkeit. Nicht im herkömmlichen Sinne. Kein Mensch würde dafür auch nur einen Euro hinlegen. Trotzdem ist dieses Etwas sehr wertvoll. Man kann seinen Wert nicht in Geld oder Gold aufwiegen, …

Wer bist du?

  Du bist an unserer Seite Tag für Tag, ob man dich hasst oder auch mag. Unser aller Leben ist geprägt von dir, umfasst uns sanft oder wie ein wildes Tier. Wir begegnen dir mit Freude oder Neugier, packen dich an den Hörnern wie den Stier. Manchmal sind wir dir überdrüssig fast, wenn Du uns wirst zur mühsamen Last. Gar manches Mal gibst du uns Halt, mit deiner unverkennbaren Gestalt. Oft wünschen wir uns alle nur das eine, du würdest uns nicht halten an der Leine. Dann versuchen wir alle dir zu entfliehen, wollen einfach nur von dannen ziehen. Wieso hast du diese unendliche Macht? Wer hat sich das alles nur ausgedacht? Manchmal können wir dir entkommen, dies ist die Ausnahme genaugenommen. Genießen Tage wie diese voller Freude, leben ganz entspannt im Hier und Heute. Dann bist du uns fern und ganz egal, mal ehrlich, ist das dann unser Ideal? Der Mensch ist ein seltsames Wesen, er vermisst, alles was einst ist gewesen. Eilt pflichtbewusst und treu zu dir zurück, beginnt erneut des Lebens Theaterstück. …

Gestörte Ruhe

Wir liegen und dösen hier unter Strauch und Baum, denn sie geben uns einen gemütlichen Schattenraum. Doch unsere Ruhe wird plötzlich von jemand gestört, das ist unerhört und wir sind darüber ziemlich empört. Auch wenn gar manchem von uns die Neugierde plagt, ist doch vor Fremden und Unbekannten Vorsicht angesagt. Uns hilft kein lautes Meckern und auch kein Rabatz, wir müssen einfach verlassen unseren schönen Platz. Oh Schreck, bisher ist es noch niemand aufgefallen, dass zurück bleibt voller Angst das Kleinste von allen. Es nach Ziegenart ruft ganz laut nach all uns ander’n, die gemeinsam zum nächsten Ruheplatz hin wandern. Mama Ziege hört das laute Jammern und Rufen, beginnt verzweifelt nach dem Jüngsten zu suchen. Wir Ziegen gemeinsam ein großes Meckern starten, aufgeregt auf das Kleine in sicherem Abstand warten. Erst als wir alle sind wieder froh und glücklich vereint, auch Zufriedenheit und Ruhe bei uns zu sein scheint .   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Strandschönheiten Schnulli Liebeserklärung

Insiderwissen

Schon seit Jahren ist es ja üblich auch im Deutschen Begriffe aus anderen Sprachen zu verwenden. Vornehmlich kommen diese aus dem Englischen oder Amerikanischen. Wir deutschen diese Begriffe einfach ein oder kombinieren sie mit einem deutschen Begriff, wie man an meiner Überschrift deutlich erkennen kann. Und das geht dann in den normalen Sprachgebrauch ein, ohne dass uns dies überhaupt noch richtig bewusst ist. Aber auch durch die einzelnen Dialekte innerhalb einer Sprache kommt es zu diesem sogenannten Insiderwissen, wie ich es hier an dieser Stelle einfach mal bezeichnen will. Selbstverständlich habe ich auch eine Geschichte hierfür aus dem eigenen Leben parat: Wieder einmal sind wir in meiner Heimatstadt im schönen Hessenlande. Wir sitzen gemütlich in einem Café auf der Terrasse. Es ist ein sonniger Tag und so zieht es noch mehr Menschen hierher, die Kaffee und Kuchen genießen möchten. Während wir unsere Auswahl schon getroffen haben und vor dem gedeckten Tisch sitzen, lassen sich am Nachbartisch vier Personen nieder. Es scheinen zwei Ehepaare zu sein. „Was darf ich Ihnen bringen?“, fragt die junge nette Bedienung …

Ich beneide dich

„Hey, du da unten auf dem Dach, schläfst du noch oder bist du schon wach?“ „Hey, du da oben am Himmelszelt, betrachtest von oben unsere schöne Welt. Gleitest lautlos majestätisch dahin, mal dort, mal hier, so wie dir steht der Sinn.“ „Ja, mein Leben ist eine Reise, die ich genieße auf meine ganz eigene Weise.“ „Gerne würd‘ ich mit dir kommen, hab vom Herrgott leider keine Flügel bekommen. Bin hier unten festgebunden, drehe nur um mich selbst meine kleinen Runden. Der Wind mir um den Schnabel weht, die Sehnsucht nach Ferne mir im Herzen steht. Voller Neid schau ich auf zu dir, bewundere deinen Flug, der verwehrt ist mir.“ „Ach, du musst nicht beneiden mich, mit deinen Farben bist du hübscher als ich. Gerne wäre ich so bunt wie du, doch dieser Wunsch bleibt ein Traum immerzu. Du musst dich nicht ständig sorgen, ob du kannst das notwendige Futter besorgen. Musst nicht fragen: ‚Was bringt der Tag?‘ Du hast deinen Platz, was auch kommen mag. Warum sollen wir einander beneiden? Zufriedenheit mit dem Sein klingt …

Chilly

Bevor ich Euch heute meine neue Geschichte vorstelle, möchte ich Euch darüber informieren, dass ich mich um den Datenschutz und die neuen Datenschutzerklärung gekümmert und dahingehend Änderungen und Anpassungen auf meinem Blog vorgenommen habe. Ich möchte Euch noch darauf hinweisen, dass der Bezug des Newsletters durch einen Link (unten in der jeweiligen Mail) gekündigt werden kann. Und nun zu meiner neuen Kurzgeschichte:   Ich bin schon ein bisschen in die Jahre gekommen und habe meine besten Zeiten hinter mir. Trotzdem bin ich noch nicht auf dem Abstellgleis gelandet. Gut, ich gebe es zu, dass mein Leben im Gegensatz zu früher inzwischen ruhiger geworden ist.  Wenn ich mich erst einmal vorstellen darf:  Mein Name ist Chilly. Nein, ich habe nichts mit diesem scharfen Gewürz zu tun, obwohl ich schon in meinen jungen Jahren recht scharf aussah. Aber Schönheit liegt sowieso im Auge des Betrachters und ändert sich mit den Jahren und auch mit der Mode. Chilly kommt von „chillen“, diesem neudeutschen Wort, das nichts anderes meint als „entspannen“. Wo ich bin, da entspannt man sich und …

Wenn zwei streiten…

Als wir dieses Jahr im Frühling wieder einmal auf Teneriffa waren, besuchten wir eine Flugshow im Dschungel Park. Hier war es auch, wo uns diese zwei Streitenden begegneten. Sie störten sich nicht daran, dass sie bei ihrer Auseinandersetzung viele Zuschauer hatten: „Hey du, was machst du denn hier? Das ist meine Show.“ „Wieso soll das deine Show sein? Hör mir mal gut zu: Wir gehören alle dazu:“ „Ich sage es dir zum letzten Mal: Mach dich hier vom Acker!“ „Du willst wohl Streit! Den kannst du haben!“ „Jetzt zeig ich dir, wer hier das Sagen hat!“ „Bild dir nur nichts ein. Ich kann solange hier bleiben wie ich will. Verschwinde doch du, wenn dich was stört!“ „Das werden wir noch sehen, wer hier verschwindet!“ „Ach, das ist mir langsam zu dumm. Ich habe keine Lust auf dieses Theater. Ich geh einfach! Aber nicht, weil du es so willst, sondern weil ich es will.“ „Du Feigling, bleib hier! Ich bin noch nicht fertig mit dir! – Jetzt macht es mir auch keinen Spaß mehr hier. Ich verschwinde …

Liebelei

Es stehen sittsam nebeneinander die schöne Anneliese und der fesche Alexander. Sie sind sich völlig unbekannt, doch jeder findet den anderen überaus interessant. Anneliese scheu die Augen senkt. „Ob ich sie anspreche?“, Alexander sich denkt. „Einen schönen Tag“, Alexander spricht, „wünsche ich Ihnen – in jeder Hinsicht!“ Sie erwidert seinen Gruß erfreut und damit sind alle Bedenken restlos zerstreut. Anneliese und Alexander nicht zaudern, sie fröhlich und lebhaft miteinander plaudern. Groß ist die Anziehungskraft. „Sie zu küssen“, Alexander hofft, „wäre fabelhaft!“ So kommen Stück für Stück Alexander und Anneliese näher ihrem Glück. Dann ein Happy End es gibt. Die Beiden haben sich unendlich ineinander verliebt. Zum Abschied einen innigen Kuss und ein baldiges Wiedersehen ist ein unbedingtes Muss. Es ist, wie es scheint, Anneliese und Alexander sind für immer vereint. Es ist einfach wunderbar, sie sind und bleiben ein küssendes Liebespaar.   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Frau Fröhlich und Herr Trüb Gustav von Blech Ich hab so gedacht