Autor: Astrid Berg

Erste große Liebe

Ein langjähriger Freund der Familie, nennen wir ihn einfach mal ‚Markus‘, ist zufällig vorbei gekommen. Wir sitzen in gemütlicher Runde beim Nachmittagskaffee und plaudern ein bisschen. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste und so fragt er mich: „Du bist doch Grundschullehrerin. Hat sich da nicht einmal ein kleiner Schulanfänger in dich verliebt?“ Ich merke ziemlich schnell, dass unser Bekannter gar keine Antwort erwartet, denn er erzählt einfach munter weiter. „Ich war in der ersten Klasse und unsterblich in meine Lehrerin verschossen.“ In Gedanken schmunzelt er vor sich hin und erweckt damit bei mir und meinem Mann die Neugier. „Da steckt doch noch mehr dahinter!“, wittere ich eine interessante und vielleicht sogar lustige Geschichte. „Und ob da noch mehr dahintersteckt. Ich kann mich noch gut daran erinnern“, grinst Markus und reibt sich die linke Wange, was meiner Beobachtungsgabe nicht entgeht. Ich frage mich insgeheim, ob dies nebensächlich ist oder doch im Zusammenhang mit seinem kleinen Geständnis steht. „Möchtest du noch ein Stückchen Kuchen während du uns die ganze Geschichte erzählst?“, versuche ich ihn zu ködern. „Na …

Abschied

  Ich will hinaus in den Garten, dort werde ich auf ihn warten. Lange schon habe ich ihn nicht mehr gesehen, ich verstehe nicht, was ist nur geschehen.   Wir waren Kumpels eine lange Zeit, doch das ist nun Vergangenheit. Er wohnte dort drüben in des Nachbars Haus, stets auf der Suche nach einem Schmaus.   Um hier meine Milch zu trinken, musste er auf drei Beinen hinken. Geduldig zu warten war seine Strategie, bis mein Frauchen gab ihm ein Leckerlie.   Wir waren Freunde auf Distanz, auf der Hut, aber mit  Akzeptanz. Er kommt nicht mehr auf seinen drei Beinen, um zu fressen aus dem Napf, dem Meinen.   Er ist bestimmt gut aufgehoben, dort im Katzenhimmel, ganz oben. Will mich in Gedanken von ihm verabschieden, denn er schläft nun für immer ganz in Frieden.   Tschüss Dreibein!   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Dreibein & Co Ungebetener Besuch Katzenalarm  

Hallo, Hallo!!!

Professor Konfusi hat heute viel zu tun und ist den ganzen Tag außer Haus. Auch seine Frau ist unterwegs. Sie ist am Nachmittag mit zwei Freundinnen zum Einkaufsbummel verabredet. Da Professor Konfusi trotz des strammen Terminplans nicht auf das gemeinsame Mittagessen mit seiner Frau verzichten möchte, haben sich die Beiden einen Treffpunkt um die Mittagszeit ausgemacht. So ist eine Bäckerei mit einem gemütlichen Café ihr gemeinsamer Anlaufpunkt. „Ich habe ungefähr zwei Stunden Zeit, bevor mein nächster Termin beginnt“, sagt er zu seiner Gemahlin, als sie aufeinandertreffen. „Schön, dass es geklappt hat, so kannst du wenigstens ein Weilchen verschnaufen“, lächelt sie ihn an. Sie studieren die kleine Speisekarte des Cafés und entscheiden sich für jeweils ein Omelett mit Schinken und Käse und einen Durstlöscher. Als Nachtisch teilen sie sich ein Stückchen Kuchen. Es soll ja nicht zu üppig sein und ein bisschen wollen sie auch auf die Kalorien achten. Dazu gehört natürlich noch je eine Tasse Kaffee zum Abschluss. Kurz nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben haben, vibriert es in der Tasche von Frau Konfusi. Da sich …

Die Arbeit ruft

In meiner heutigen Geschichte möchte ich meinen Mann zu Wort kommen lassen, d.h. ich erzähle aus seiner Sicht. Die Empathie, also das Einfühlungsvermögen in andere Menschen und deren Gefühle kommt mir hierbei zugute. In diesem Fall ist es gar nicht so schwierig, denn erstens kenne ich meinen Gatten mittlerweile seit über 40 Jahren und zweitens bin ich selbst schon in die eine oder andere ähnliche Situation geraten. Also lasst Euch überraschen, was mein Peter so erlebt: Es ist Wochenende, genauer gesagt: Sonntag. Für den Nachmittag und Abend haben wir mehrere Gäste zum Kaffeetrinken mit anschließendem Grillen eingeladen. Als ich aufwache, bemerke ich, dass Astrid schon aufgestanden ist, denn aus der Küche dringen eindeutige Laute nach oben an mein Ohr.  „Ach ja, sie ist mit den Vorbereitungen zum Kaffeetrinken beschäftigt, also Kuchenbacken und so“, denke ich mir und habe keine Lust die Augen zu öffnen. Aber irgendwie kommt es mir so vor, als hätte sie mir gestern eine Aufgabe übertragen. „Jetzt fällt es mir wieder ein“, besinne ich mich. „Astrid hat mich gebeten das Wohnzimmer auszusaugen. …

Knut Knopf

Knut Knopf ist, wie der Name schon sagt, ein Knopf. Er ist aber kein gewöhnlicher Hosenknopf, sondern ein ganz besonderer Knopf. Besonders deshalb, weil ihn sein Aussehen von allen anderen gewöhnlichen Knöpfen abhebt, was ihn aber keineswegs arrogant, überheblich oder gar unsympathisch macht. Nein, im Gegenteil. Er ist ein lustiger kleiner Kerl, der in seinem Leben schon einige Abenteuer erlebt hat. Wie er aussieht, wollt ihr wissen? Knut ist ein kleines schneeweißes Schäfchen, sein Kopf und seine dünnen Beinchen sind schwarz. Und wie es sich für einen Knopf gehört, hat er zwei winzige Löchlein und zwar genau inmitten seines wolligen Fells. Knut blickt ein bisschen verschmitzt in die Welt. Im Sturm erobert er die Herzen aller Kinder, ebenso wie seine beiden Brüder Karl und Klaus. Die drei K’s, wie sie sich selbst nennen, sind Drillinge und gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wo sie wohnen interessiert euch? Sie stehen auf einer grünen und saftigen Wiese und diese ist auf den Kragen eines hübschen Sommerkleidchens gedruckt. Brav steht ein Schäfchen neben dem anderen und Knut …

Danke Hops! (3)

Hops und Rosa konnten aus ihrem Versteck unbemerkt fliehen. Trotzdem gestaltet sich ihre Flucht nicht problemlos. Plötzlich vernimmt Hops Schritte und kann auch hinter einem Baum ein Wesen erkennen, das sie eingehend beobachtet. Rosa ist mucksmäuschenstill. Auch sie hat mittlerweile die Schritte vernommen. Da sie sich allerdings hinter Hops versteckt, sieht sie nicht wer ihnen nun geradewegs entgegen kommt. Sie fürchtet, es könnte das Ungeheuer vom Abend zuvor sein oder irgendeine andere furchteinflößende Bestie. Doch noch bevor sie sich die schlimmsten Vermutungen ausmalen kann, ruft Hops dem Wesen etwas zu. „Hallo!!! Was machst du hier?“ Hops Frage klingt in Rosas Ohren kein bisschen ängstlich. Ja, eher sogar erfreut. „Das ist doch gar nicht dein Revier!“, stellt der Hasenjunge jetzt fest. Neugierig versucht nun Rosa einen Schritt neben ihren Beschützer zu treten, um ebenfalls einen Blick auf den ihr Unbekannten werfen zu können. Dieser ist groß und sieht sehr mächtig aus, aber sein Blick ist freundlich. „Das wollte ich gerade dich fragen. Alle suchen dich, sind in großer Aufregung und Sorge um dich,“ erklingt eine tiefe …

Die Chance (2)

Hops kann in dem Versteck nicht lange schlafen. Seine Gedanken kreisen selbst im Schlaf durch seinen Kopf und so ist er trotz Müdigkeit schon nach kurzer Zeit wieder hellwach. Außerdem hört er das leise Wimmern neben sich. Es kommt von dem kleinen Hasenmädchen, das sich zitternd an ihn gekauert hat. „Nicht weinen“, versucht er es zu trösten. „Wir werden gerettet. Außerdem bin ich auch noch da und ich lasse mir etwas einfallen.“ Das Hasenmädchen schmiegt sich noch ein bisschen mehr an ihn und Hops weiß, dass er bald etwas tun muss, damit keine Panik ausbricht. „Wie heißt du eigentlich?“, will er nun wissen. „Ich bin Hops aus der Familie des Oberosterhasens.“ „Oh“, hört er die erstaunte Stimme des Hasenmädchens. „Mein Name ist Rosa. Mein Vater heißt Robert und meine Mutter Sarah und für mich haben sie einfach jeweils die ersten beiden Buchstaben ihrer Namen zusammengefügt und dabei kam dann Rosa heraus.“ „Das klingt sehr hübsch!“, macht Hops ihr ein Kompliment und hat das Gefühl, dass Rosa lächelt. Nur sehen kann er dieses Lächeln wegen der …

Die Abenteuer des kleinen Hops (1)

Hops sitzt ein wenig traurig auf der Wiese und schaut zu, wie die Schüler aus der Osterhasenschule ihr Ehrenband als diplomierte Osterhasenhelfer erhalten. Er bekommt leider kein solches Band und das dazugehörige Diplom auch nicht. Nicht in diesem Jahr. Hops weiß, dass es seine eigene Schuld ist, denn er hatte letztes Jahr keine Lust zu lernen. So muss er nun die Klasse noch einmal wiederholen. Er kann sich genau an die Worte des Osterhasenoberlehrers erinnern, der auch gleichzeitig sein Vater ist: „Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr, du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr.“ Allerdings trafen damals die Ermahnungen bei Hops auf taube Ohren. Man könnte es auch so ausdrücken: Vaters Worte gingen irgendwie bei dessen Sohn zum einen Osterhasenohr hinein und beim anderen Osterhasenohr wieder hinaus. Seinen Verstand erreichten sie damals nicht. Inzwischen jedoch bereut er seine Faulheit und wäre gerne mit seinen Mitschülern geehrt worden. Als die feierliche Zeremonie vorüber ist, hüpft Hopsina fröhlich zur großen Wiese. Sie will ihrem Bruder stolz das Zeugnis und das Ehrenband zeigen. Verwundert stellt sie aber …

Hops und die Osterhasenkunst

Heute möchte ich noch einmal einen Post vom letzten Jahr einstellen, um Euch an Hops, Hopsina, den Osterhasenpapa und die Osterhasenmama zu erinnern. Mein nächster Beitrag knüpft dann nämlich wieder an die Geschichten rund um die Osterhasenfamilie an.   „Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr, du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr. Für die Kinder solltest du Eier bemalen und auch verstecken, hier, da und dort, auf Feld, Wiese und in allen Ecken.“ „Aber so höre doch, lieber Herr Papa“, Hops nun spricht, „Familie Zwerghuhn von nun an, alle Arbeit für uns verricht’. Sie legen ihre grünen Eier überall in Stadt und Land, brauchen nicht des Osterhasens malende Hand.“ „Hi, hi!“, Hopsina die große Schwester lauthals lacht. „Hops, was hast du dir da wieder mal ausgedacht? Ostern wird dann lediglich ein großes Rühreifest!“ „Bitte“, Hops bettelt, „machen wir einen Test.“ „Mein lieber Junge, höre jetzt deiner Mama gut zu!“ Mutter Hoppel versucht zu vermitteln in aller Ruh’. „Auch wenn des Zwergenhuhn Ei ist schön grün, es ist roh, so sehr sich die Hühner auch …

Im Garten

Jetzt können wir es gar nicht mehr abwarten, die Sonne lockt uns alle hinaus in den Garten. Glaubt mir, ich kann es beschwören, dort kann man das Gras wachsen hören.   Neben ersten Blumen reckt sich etwas ins Licht, ich erkenne, Unkraut vergeht einfach nicht. Muss das Übel an der Wurzel packen, mich bücken, zupfen und tüchtig hacken.   Weil sich niemand will in die Nesseln setzen, darum weiß jeder diese Arbeit zu schätzen. Noch ist kein Blumentopf gewonnen, denn es kommt wieder,- unbenommen.   Ein Wink mit dem Zaunpfahl zum Nachbarn, denn von ihm kann man Hilfreiches erfahr’n. Lobt ihn dafür über den grünen Klee, trinkt mit ihm ein Tässchen Kaffee.   Er sagt: „Nichts stiefmütterlich behandeln, so wird sich alles in Pracht verwandeln!“ Sein Rat bei mir auf guten Boden fällt, denn seine Empfehlung mir gefällt.   Mit den Nachbarn gut Kirschen zu essen, gehört wohl zu beiderseitigen Interessen. Gemeinsam blühende Fantasien haben und sich an der Gartenpracht laben.   Wenn alles wächst und auch gedeiht, sind wir voller Freude und Dankbarkeit. Vergleichen …

Der Anruf

„Ja, ja, der liebe April“, denke ich gerade, als ich meine Termine für diesen Monat in meinen Timer eintrage. „Eigentlich ist er gar nicht so ein beliebter Monat, denn man sagt ihm nach, dass er immer nur macht was er will“, überlege ich weiter. Es stimmt schon, er ist sehr eigensinnig. Normalerweise ist er doch der Monat, welcher uns dem Sommer ein Stückchen näher bringen soll. Aber so recht will das nicht klappen. Manchmal ist es in diesem Monat schon sommerlich warm und dann wieder herbstlich grau. Aber auch wenn sich der April schon manchmal ein bisschen unbeliebt bei uns macht, er ist doch guten Willens. Trotzdem nimmt er uns immer wieder auf den Arm, d.h. er macht sich ein bisschen lustig über uns mit seinem ewigen Hin und Her. Aber nicht nur der Monat April erlaubt sich Scherze, nein auch wir nutzen speziell den Monatsanfang, um uns zu amüsieren. „Weshalb heißt es eigentlich, dass wir jemand in den April schicken, wenn wir eine Person mit einem kleinen Scherz überraschen?“, frage ich urplötzlich meinen Peter, …

Knöpflein

Flori ist sechs Jahre und besucht die erst Klasse. Seit ein paar Tagen darf er den Schulweg ganz alleine gehen. Zuerst hat ihn die Mutter immer bis zur Schule begleitet, dann bis zur großen Kreuzung und gewartet, bis er ordnungsgemäß den mit einer Ampel versehenen Fußgängerüberweg überquert hat. Dann aber hat sie gesagt: „Flori, ich möchte jetzt wieder halbtags arbeiten. Und weil ich schon vor dir aus dem Haus gehen werde, musst du von nun an alleine zur Schule marschieren. Du kennst den Weg und weißt, wo man besonders gut aufpassen sollte und auch wann du dort sein musst.“ „Endlich hat sie kapiert, dass ich inzwischen ein großes Schulkind bin“, hat Flora sich gedacht und ihr versprochen nicht zu trödeln und immer pünktlich zu sein. Fünf mal wöchentlich geht er nun den selben Weg, der ihn an einer Baustelle vorbeiführt. Das Haus jeen Tag ein bisschen mehr und er winkt den Bauarbeitern immer freundlich zu. Aber er bleibt nie stehen, denn er hat es ja eilig. Eines Tages jedoch ist die Baustelle verlassen, das Haus …

Dreibein & Co

  Heute habe ich eine Geschichte eingestellt, die ich vor langer Zeit geschrieben habe und die ich Euch nun vorstellen möchte: Wir frühstücken auf unserer Terrasse. Es ist Wochenende und die Sonne strahlt vom Himmel. Ich träume noch ein bisschen vor mich hin, da meint mein Mann: „Hier ist ganz schön was los!“ Verwirrt schaue ich ihn an. Irgendwie scheine ich gerade etwas verpasst zu haben. „Hörst du nichts?“ Ich lausche! Schulterzucken! Kopfschütteln! „Hör einfach genau hin!“ Wieder lausche ich. Es ist kein Krach oder Lärm zu vernehmen, weder der Rasenmäher unseres Nachbarn noch das Motorgeräusch eines Autos ist zu hören. Nichts! Jedenfalls nichts Außergewöhnliches. Und jetzt erkenne ich plötzlich was mein Mann meint: Dort oben im Baum zwitschert ein Vogel, davor sitzt lauernd unsere Katze Lottchen und macht gurrende Laute. Aus unserem Teich, der nebenbei bemerkt etwas mehr ist als eine überdimensionale Pfütze, höre ich einen Frosch quaken. Eine Wespe ist gerade im Anflug auf mein Nutellabrötchen, im Gras zirpst eine Grille und gerade kommt ein kleines Wollknäuel, Nachbars Mischlingshund, schwanzwedelnd und freudig bellend …

Besser oder schlechter?

  „Früher war alles besser“, sagt der Mann, „nicht immer, aber so dann und wann. Die Welt scheint komplizierter geworden zu sein, vieles ist heutzutage nur noch Schein.   Der Mensch ist geworden zum Konsument, der die wahren Werte nicht erkennt. Jedermann ist tagein, tagaus in ständiger Eile, oft fehlt die Zeit zu rasten eine kleine Weile.   Geld regiert die Welt, so erkennt man, jeder jagt ihm nach, so schnell er kann. Früher gab’s kein Handy, kein Internet zwar, niemand war ständig erreichbar, na klar.“   „Doch manche Dinge“ sagt die heutige Frau, „sind besser, hilfreich und auch schlau. So hilft Tante Google immer und überall weiter, dank Internet ist unsere Sicht weltweiter.   Früher war der Haushalt so aufwendig, Mann fühlte sich dafür nicht zuständig, das ist heutzutage viel, viel besser, ja klar! Das kannst du nicht bestreiten, das ist wahr!   Mit dem Flugzeug geht es auf Reisen, Oma und Opa können noch verreisen.  Ferne Länder will man heute erkunden und die Welt einmal im Leben umrunden.“   Besser oder schlechter?  Wer …