Autor: Astrid Berg

Vergessen

  Einst haben sie alle uns geliebt, denn wir waren überall beliebt. Gehütet und gepflegt wurden wir, denn man war stolz auf unsere Zier.   Auf keiner Feier durften wir fehlen, darüber könnten wir viel erzählen. Wir waren gefragt jeden Sonntag, zum Jubiläum oder auch Geburtstag.    Wurde eine festliche Tafel bereitet und weißer Damast ausgebreitet, waren wir immer mit von der Partie und ließen spielen unsere Magie.   Wir waren von schlichter Schönheit, oder auch edel, je nach Feierlichkeit. Ob einfach nur weiß oder verziert, unsere Beliebtheit war garantiert.   Wurden gereicht von Hand zu Hand, ob in der Stadt oder auf dem Land, verströmten in des Räumen Luft des Kaffee besonders köstlichen Duft.   Doch mussten wir warten zu lange, wurde der Hausfrau ganz bange. War der Kaffee dann wohl eiskalt, griff man zur Thermoskanne bald.   Drum haben wir nun ausgedient. Womit haben wir das verdient? Stehen nun vergessen im Schrank, das ist eben der Welten Dank.   Vielleicht in vielen, vielen Jubeljahren, wenn sie uns so lange aufbewahren und uns dann  …

Auf der Suche

Neulich habe ich ja schon von unserer Katze berichtet. Sie hält sich zur Zeit hauptsächlich draußen auf und lässt sich nur noch selten blicken. Auch frisst sie sehr wenig und ist ziemlich abgemagert. Da wir nicht einfach nur warten wollten, dass sie sich wieder einmal bei uns blicken lässt, sind wir auf die Suche nach ihr gegangen. Unsere Katze hört nicht nur auf ihren Namen, sondern auch auf unser Pfeifen. Mein Pfeifen ist ihr zwar manchmal ziemlich egal, aber auf den Pfiff meines Mannes, der sehr intensiv und durchdringend ist und selbst mir in den Ohren weh tut, reagiert sie sofort. Also haben wir uns auf den Weg durch unser Wohngebiet gemacht. Zunächst sind wir die näheren Straßen mit dem Auto abgefahren, denn normalerweise kommt sie sofort aus irgendeiner Ecke hervor, wenn sie das Motorgeräusch unseres Wagens hört. Mit heruntergekurbeltem Fenster ließ mein Mann seinen durchdringenden Pfiff ertönen. Leider blieben wir erfolglos und fuhren etwas traurig wieder nach Hause. Doch so schnell gaben wir natürlich nicht auf. Wir gingen zu dem nahegelegenen kleinen Wäldchen, da …

Sorgen

Heute waren es bei uns wieder 28 Grad. Zum Glück ist die extreme Hitze vorbei und die Temperaturen sind wieder angenehmer. Bei diesem Sommerwetter hält es Mensch und Tier nicht im Haus. Unsere Katze mag zur Zeit nicht im Haus übernachten, sondern zieht es vor draußen die Nacht zu verbringen. Das sind wir eigentlich von den vorangegangenen Sommern schon gewohnt. Auch die Tatsache, dass sie tagsüber viel unterwegs ist, beziehungsweise irgendwo an einem schattigen Plätzchen vor sich hin döst, ist nichts Ungewöhnliches. Während unsere Katze in der kalten Jahreszeit recht gut genährt aussieht und sogar schon 5 Kilogramm auf die Waage bringt, verliert sie im Sommer an Gewicht. Wir lachen immer, denn sie kann im Winter nicht zwischen den Stäben von Nachbars Zaun hindurchschlüpfen, aber im Sommer springt sie locker leicht hindurch. In diesem Sommer ist es aber trotzdem etwas anders. Unsere Katze sieht schon recht dünn und abgemagert aus. Wir machen uns Sorgen, denn sie kommt zwar immer wieder vorbei, aber sie will sofort wieder nach draußen, als hätte sie einen wichtigen Termin. Auch …

Wie die Zeit vergeht

Heute melde ich mich wieder einmal aus meiner Plauderecke, um Euch einen lieben Gruß zu schicken. Ich hatte die letzten Tage wenig Zeit, um meine Blogrunden zu drehen, denn bei uns gab und gibt es große Ereignisse, in erfreulicher und nicht erfreulicher Hinsicht. Sehr ärgerlich war, dass wir im Haus einen Rohrbruch hatten. Wir saßen ungefähr eine Dreiviertelstunde auf dem Balkon, als es passierte und unser gesamtes Erdgeschoss plötzlich unter Wasser stand. Als ich die Treppe hinunter ging, stand ich mit den Füßen im Wasser. Eine echte Havarie. Wir hatten Glück im Unglück, denn knappe zwei Wochen vorher waren wir noch im Urlaub. Ich mag nicht darüber nachdenken, was dann passiert wäre. Das Ausmaß der „Überflutung“ wäre auf alle Fälle wesentlich größer gewesen. Nächste Woche kommt der Gutachter und die Trocknungsphase mit großen Trocknungsgeräten beginnt. Dann sehen wir weiter. Viel erfreulicher war ein großes Ereignis in unserer Familie. Meine Mutter hatte am Siebenschläfer ihren 90. Geburtstag, den sie bei uns in Cottbus verbrachte. Ich hatte für sie eine große Überraschungsfeier bei uns geplant, die auch …

Wege des Lebens

  Jeder Mensch befindet sich im Leben, auf den unterschiedlichsten Wegen. Auf manchen kann er vor Glück schweben, auf anderen ist er von Steinen umgeben.   Es gibt Weggabelungen und Kreuzungen, Überlegungen und Entscheidungen, die er dann notwendigerweise treffen muss, die erfordern des Menschen Entschluss.   Angetrieben von Hoffen und Sehnen, heißt es annehmen oder ablehnen, zu schreiten mit Elan, Mut und Kraft vorwärts oder ein paar Schritte zu gehen rückwärts.   Fragen über Fragen zermartern das Gehirn, legen in Falten des Menschen Stirn. An den einzelnen Etappen und Standorten, sucht er die passenden Antworten.   Wird dieser Weg zum ersehnten Ziel schwierig oder ein Kinderspiel? Geht er daraus hervor mit Erfolg und Applaus? Niemand weiß dies so genau im Voraus.   Wie er sich auch entscheiden mag, Eines steht sicher außer Frag’: Entschieden durch Überlegung, Glück oder Zufall, lernen und klüger wird er in jedem Fall.     Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen: Anton Das Blau des Himmels Der Geist des Weines  

Ich war mal kurz weg

Ich war mal kurz weg mit Mann und Gepäck. Sind entflohen ein paar Tage in eine schmucke Hotelanlage.   Eine Insel mit Bergen, Palmen und Ziegenherden, mit dem Flieger nicht allzu fern, wo wir sind immer wieder gern.   Einfach nur entspannen und den Alltag verbannen, kein Stress und auch keine Eile, eine Auszeit für eine kleine Weile.   Tief einatmen die Luft, der Blumen zarter Duft. Still lauschen der Wellen Klang, erfreuen am Sonnenuntergang.   Spaziergänge am Strand, Burgenbauen im weißen Sand und eine Schifffahrt sind Muss, bieten Seele und Auge Genuss.   Nehmen dann mit zurück Erinnerungen voller Glück. Dankbar für des Alltags Pause, sichten wir die Fotos zu Hause.   So schön es auch war, eines ist doch ganz klar: Am Schönsten ist es daheim! Das passt auch zu meinem Reim. 😉   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Das Blau des Himmels Anton Mit Schaufel und Eimer  

Gut beschirmt

Da liegt er nun. Mitten in der Stadt hat man ihn ausgesetzt. Niemand achtet wirklich auf ihn. Nur ein Junge, der vorbeikommt, gibt ihm noch einen Fußtritt, damit er den Bürgersteig frei macht. Verschreckt bleibt er an einer Mauer liegen. Ein verwelktes Blatt hat sich zu ihm gesellt. „Wieso liegst du hier so rum?“, fragt das Blatt. „Ich bin traurig, denn mich mag keiner mehr! Man hat mich einfach weggeworfen.“ „Wieso? Stimmt mit dir irgendetwas nicht?“ „Ach“, sagt er, „das ist eine lange Geschichte. „Dann erzähle sie mir doch! Ich kann gut zuhören und außerdem habe ich viel Zeit.“ „Na gut: Am Anfang stand ich in einem Geschäft mit anderen Kollegen zusammen. Viele Menschen gingen täglich in dem Laden ein und aus. Keiner würdigte uns eines Blickes, denn draußen war Sommer und die Sonne brannte vom Himmel. Uns brauchte niemand, wir waren überflüssig.“ „So ein Quatsch, wie kann jemand wie du überflüssig sein. Du bist total nützlich!“ „Das dachte ich auch immer, aber schau her, wie ich enden muss!“, schnieft der Schirm total traurig. „Erzähl …

In die Jahre gekommen

„Jung bin ich nicht mehr, aber immer noch nett anzusehen. Leider ist mein Geburtsdatum irgendwie in Vergessenheit geraten, genauso wie mein Geburtsort. Wenn ich es mal so gedanklich überschlage, dann müsste ich so langsam aber sicher auf die neunzig zugehen. Meine Haube hat schon ein paar Macken und meine kleine Ablagefläche auch, aber eingestaubt bin ich dank der guten Pflege noch nicht. Mit ein bisschen Politur für das Holz, Farbe für mein Gestell, einem neuen Lederriemen, eine neue Nadel und ein paar Tropfen Öl für die Maschine komme ich doch glatt wieder in Schwung.  Naja, mit den jungen Dingern kann ich nicht mehr so recht mithalten. Die sind einfach schneller als ich. Aber in meinem Alter ist man eben ein bisschen langsamer. Auch der ganze neumodische Kram ist mir fremd und programmieren lasse ich mich schon gar nicht. Im Leben kommt es nicht immer auf Schnelligkeit an, aber ich muss sagen, Zickzack und Geradeaus klappt immer noch ganz prima bei mir. Wenn man so wie ich in die Tage gekommen ist, dann denkt man schon …

Was wird nur aus mir?

Ich kann mich nur noch wundern. Man hat mich hier einfach abgelegt. Ich habe keine Ahnung warum und was das soll. Außerdem bin ich hier alleine. Naja, nicht ganz alleine. Es sind noch eine Menge anderer da, aber trotzdem fühle ich mich verlassen. „Hallo!“, rufe ich und hoffe, dass mich jemand hört. „Wo ist eigentlich meine zweite Hälfte?“ Das ist nämlich mein bester Freund, ohne den ich nicht leben kann. Wenn er fehlt, ist meine ganze Existenz und meine Berufung hinfällig. Ich bin dann ein Nichts. Keiner wird mich jemals wieder beachten. „Hallo?“, rufe ich noch einmal. „Gebt mir bitte meinen Kameraden wieder.“ Alle anderen um mich herum sind plötzlich nicht mehr still. Um mich bricht Tumult aus. Jeder hat etwas zu berichten. „Uns geht es genauso wie dir!“ „Von Zeit zu Zeit verlässt uns einer!“ „Man munkelt, man habe seine zweite Hälfte wieder gefunden und Beide vereint.“ „Andere verschwinden auf Nimmerwiedersehen.“ „Manche gehen zurück zu ihrem Partner und später schicken sie ihn manchmal sogar alleine zu uns.“ Das alles macht mich ziemlich nervös. Meine …

Familie von Stein

  Einst vor vielen, vielen Jahren, überlegt, wo wir damals waren. Lagen einfach so am Straßenrand, zugedeckt von Gras, Schutt und Sand.   Unscheinbar und einfach nur grau, Steine, unansehnlich und auch rau. Viele gab es da von unserer Sorte, überall und so auch an diesem Orte.   Doch dann ein Junge ist gekommen, hat uns sanft in die Hand genommen. Obwohl wir waren angeschlagen, hat er uns alle nach Hause getragen.   Er hat uns in einer Kiste versteckt, so hat uns auch niemand entdeckt. Als er dann wieder ist aufgetaucht, hat er uns das Leben eingehaucht.   Wir sind nun die Familie von Stein, Papa, Mama und die Kinderlein. Und soll ich euch was verraten? Wir wohnen beim Efeu im Garten.   Dort hat der Junge uns vergessen, hat jetzt wohl andere Interessen. Wir blicken ihm immer hinterher, doch er sieht uns nimmermehr.   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Frühlingsgruß Ein Falke, zwei Prinzessinnen und meine Heimatstadt Kleidersammlung  

Erste große Liebe

Ein langjähriger Freund der Familie, nennen wir ihn einfach mal ‚Markus‘, ist zufällig vorbei gekommen. Wir sitzen in gemütlicher Runde beim Nachmittagskaffee und plaudern ein bisschen. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste und so fragt er mich: „Du bist doch Grundschullehrerin. Hat sich da nicht einmal ein kleiner Schulanfänger in dich verliebt?“ Ich merke ziemlich schnell, dass unser Bekannter gar keine Antwort erwartet, denn er erzählt einfach munter weiter. „Ich war in der ersten Klasse und unsterblich in meine Lehrerin verschossen.“ In Gedanken schmunzelt er vor sich hin und erweckt damit bei mir und meinem Mann die Neugier. „Da steckt doch noch mehr dahinter!“, wittere ich eine interessante und vielleicht sogar lustige Geschichte. „Und ob da noch mehr dahintersteckt. Ich kann mich noch gut daran erinnern“, grinst Markus und reibt sich die linke Wange, was meiner Beobachtungsgabe nicht entgeht. Ich frage mich insgeheim, ob dies nebensächlich ist oder doch im Zusammenhang mit seinem kleinen Geständnis steht. „Möchtest du noch ein Stückchen Kuchen während du uns die ganze Geschichte erzählst?“, versuche ich ihn zu ködern. „Na …

Abschied

  Ich will hinaus in den Garten, dort werde ich auf ihn warten. Lange schon habe ich ihn nicht mehr gesehen, ich verstehe nicht, was ist nur geschehen.   Wir waren Kumpels eine lange Zeit, doch das ist nun Vergangenheit. Er wohnte dort drüben in des Nachbars Haus, stets auf der Suche nach einem Schmaus.   Um hier meine Milch zu trinken, musste er auf drei Beinen hinken. Geduldig zu warten war seine Strategie, bis mein Frauchen gab ihm ein Leckerlie.   Wir waren Freunde auf Distanz, auf der Hut, aber mit  Akzeptanz. Er kommt nicht mehr auf seinen drei Beinen, um zu fressen aus dem Napf, dem Meinen.   Er ist bestimmt gut aufgehoben, dort im Katzenhimmel, ganz oben. Will mich in Gedanken von ihm verabschieden, denn er schläft nun für immer ganz in Frieden.   Tschüss Dreibein!   Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Dreibein & Co Ungebetener Besuch Katzenalarm  

Hallo, Hallo!!!

Professor Konfusi hat heute viel zu tun und ist den ganzen Tag außer Haus. Auch seine Frau ist unterwegs. Sie ist am Nachmittag mit zwei Freundinnen zum Einkaufsbummel verabredet. Da Professor Konfusi trotz des strammen Terminplans nicht auf das gemeinsame Mittagessen mit seiner Frau verzichten möchte, haben sich die Beiden einen Treffpunkt um die Mittagszeit ausgemacht. So ist eine Bäckerei mit einem gemütlichen Café ihr gemeinsamer Anlaufpunkt. „Ich habe ungefähr zwei Stunden Zeit, bevor mein nächster Termin beginnt“, sagt er zu seiner Gemahlin, als sie aufeinandertreffen. „Schön, dass es geklappt hat, so kannst du wenigstens ein Weilchen verschnaufen“, lächelt sie ihn an. Sie studieren die kleine Speisekarte des Cafés und entscheiden sich für jeweils ein Omelett mit Schinken und Käse und einen Durstlöscher. Als Nachtisch teilen sie sich ein Stückchen Kuchen. Es soll ja nicht zu üppig sein und ein bisschen wollen sie auch auf die Kalorien achten. Dazu gehört natürlich noch je eine Tasse Kaffee zum Abschluss. Kurz nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben haben, vibriert es in der Tasche von Frau Konfusi. Da sich …