Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kaffee

Kommt vorbei

Ich weiß nicht, wer sich hat das ausgedacht, doch einst hat man mich hierher gebracht. Man hat mich erwählt unter etlichen Exemplaren und so liege ich hier nun schon seit vielen Jahren.   Ihr fragt, ob ich mich fühle hier etwas einsam, ohne zu sein mit meinesgleichen gemeinsam? Seid mit eurem Urteil dahingehend nicht voreilig, Ihr könnt es glauben, mir wird niemals langweilig.   Selten geht man an mir einfach achtlos vorüber, es ist egal, ob nachts oder auch tagsüber. Mit mir teilt man sein Glück und auch die Sorgen, und das beginnt meist schon am frühen Morgen.   Beim Gassigehen ruht Frauchen sich dann aus, wirft den Ball, Bello bringt ihn zurück durchaus. Arbeiter stapfen durch Klee, Blätter oder Schnee und genießen hier bei mir ihren heißen Kaffee.   Schulkindern groß und klein diene ich als Tisch, korrigieren die Mathelösung mit einem Wisch. Mein Gast war sogar mancher Schulschwänzer, aber auch der eine oder andere Traumtänzer.   Verliebte hauchen hier zärtlich ihren ersten Kuss, machen hin und wieder aber auch mal Schluss. Es wird …

Einzug mit Hindernissen

Mona räkelt sich behaglichen in ihrem Bett. Neben ihr liegt Lisa, ihre Zwillingsschwester. Sie muss lächeln, denn ihr fällt beim Anblick ihres Ebenbildes wieder einmal ein, wie sie beide zu ihren Namen gekommen sind. Ihre Eltern waren sich vor dem berühmten Ölgemälde von Leonardo DaVinci im Louvre zum ersten Mal begegnet und hatten sich auf den ersten Blick ineinander verliebt. Als ein Jahr später die Zwillinge geboren wurden und es zwei Mädchen waren, kamen keine anderen Namen in Frage als Mona und Lisa. Mona lässt ihren Blick weiter durch das sonnendurchflutete Zimmer schweifen.  „Das ist nun also meine neue Wohnung“, überlegt sie. „Und ich hatte sogar einen wunderschönen Traum, in dem ich meine große Liebe gefunden habe. Was man in der ersten Nacht im neuen Heim träumt, soll ja angeblich in Erfüllung gehen“, denkt Mona und steht leise auf.  Sie schleicht sich aus dem Schlafzimmer, um ihre Schwester nicht zu wecken. Mona möchte ihr neues Zuhause noch ein kleines Weilchen alleine genießen. So schlängelt sie sich zwischen den Kisten, Koffern und Tüten hindurch, die überall verteilt …

Und noch mehr Kindheitserinnerungen

Wir sitzen gerade vor einer Bäckerei in einem kleinen Städtchen. Es ist nicht irgendeine Stadt. Nein, es ist meine alte Heimatstadt, das heißt: Hier habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Es ist kurz nach zehn Uhr und wir haben uns hier gemütlich niedergelassen, um ein verspätetes Frühstück einzunehmen. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und auch wir sind guter Dinge. Es ist ein ganz gewöhnlicher Wochentag und so verfolgen wir das Treiben auf dem kleinen Platz vor uns. Menschen gehen in der gemütlichen Bäckerei ebenso ein und aus wie in der angrenzenden Apotheke. Während wir das Hin und Her beobachten und unser Frühstück genießen, fliegen meine Gedanken ganz weit zurück in meine Vergangenheit. „Dort vorne am Eck war der Zuckerbäcker“, erkläre ich meinem Mann, der meine Heimatstadt auch seit seiner eigenen Kindheit kennt, da unsere Elternhäuser nur fünfzehn Kilometer auseinander liegen. „Ach ja“, fällt es ihm ein, „den haben wir doch neulich getroffen.“ Ich nicke ihm zustimmend zu und erliege weiter meinen Erinnerungen. So sitzen wir ein oder zwei Minuten schweigend vor unserem Frühstück. …

Ein Tässchen Kaffee gefällig?

Es ist jetzt schon fast ein Jahr und acht Monate her. Damals stand ich mitten in einem großen Kaufhaus in Dresden. Besser gesagt man hatte mich zuerst mit dem LKW von „Ich-weiß-nicht-wo“ nach Dresden gefahren und mich eine ganze Weile warten lassen. Es war eine gefühlte Ewigkeit vergangen, bis sie mich endlich auspackten und in eines der vielen Regale stellten. Da stand ich nun und viele Menschen zogen an mir vorüber. Die meisten warfen nicht einmal einen Blick auf mich, sondern gingen zu den einfachen und herkömmlichen Modellen. Auch an meinen Nachbarn zogen sie vorüber. Hin und wieder jedoch blieben auch einige von ihnen stehen und plötzlich war mein Nachbar zur Rechten verschwunden. Die anderen erzählten, dass er nun ein Zuhause gefunden hätte. Ich wunderte mich schon ein wenig, denn eigentlich war er gar nicht so hübsch. Ich fand mich mit meinen silbernen Tasten viel schöner. Nicht mal ausprobieren durfte man mich. Ich konnte also niemand zeigen, was ich so alles drauf hatte. Ich fieberte dem Tag entgegen, an dem ich mein ganzes Können präsentieren …