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	<title>Richtung &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Kartis weite, lange Reise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Feb 2022 20:13:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Herz]]></category>
		<category><![CDATA[Land]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Richtung]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit dieser Überraschung hatte Emelie wirklich nicht gerechnet. Es war schon viel zu lange her, um noch an ihr Kommen zu glauben. Aber jetzt war sie da, einfach so und ohne Vorankündigung. Emelie brach in einen Jubelschrei aus. Sie streichelte sie zärtlich und rief ihren Mann herbei. „Toni, komm schnell! Du wirst es nicht für möglich halten, aber sie ist endlich da. Sie hat den Weg zu uns gefunden und sie ist wunderschön! Schau sie dir nur an.“ „Nach all den vielen Jahren“, meinte ihr Mann, als er sie sah. Er musste schlucken, so gerührt war er und auch Emilie traten die Tränen in die Augen, &#8211; über ihr Kommen und die damit verbundenen Erinnerungen, aber besonders auch über die Botschaft, die sie mitbrachte.  Sie saßen mittlerweile im Wohnzimmer und schauten sie sich immer wieder an, zwischendurch fielen Toni und Emelie sich in die Arme und küssten sich. Karti hingegen streichelten sie und schenkten ihr liebevolle Blicke. „So viele Jahre, sogar Jahrzehnte sind inzwischen vergangen“, meinte Emilie. „Ich frage mich nur, warum es so lange gedauert hat?“ &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dieser Überraschung hatte Emelie wirklich nicht gerechnet. Es war schon viel zu lange her, um noch an ihr Kommen zu glauben. Aber jetzt war sie da, einfach so und ohne Vorankündigung. Emelie brach in einen Jubelschrei aus. Sie streichelte sie zärtlich und rief ihren Mann herbei.</p>
<p>„Toni, komm schnell! Du wirst es nicht für möglich halten, aber sie ist endlich da. Sie hat den Weg zu uns gefunden und sie ist wunderschön! Schau sie dir nur an.“</p>
<p>„Nach all den vielen Jahren“, meinte ihr Mann, als er sie sah. Er musste schlucken, so gerührt war er und auch Emilie traten die Tränen in die Augen, &#8211; über ihr Kommen und die damit verbundenen Erinnerungen, aber besonders auch über die Botschaft, die sie mitbrachte.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Sie saßen mittlerweile im Wohnzimmer und schauten sie sich immer wieder an, zwischendurch fielen Toni und Emelie sich in die Arme und küssten sich.<span class="Apple-converted-space"> Karti hingegen streichelten sie und schenkten ihr liebevolle Blicke.</span></p>
<p>„So viele Jahre, sogar Jahrzehnte<span class="Apple-converted-space"> </span>sind inzwischen vergangen“, meinte Emilie. „Ich frage mich nur, warum es so lange gedauert hat?“</p>
<p>„Tja, das kann ich euch erzählen“, meinte Karti, die sich nicht sicher war, ob die Beiden ihr überhaupt zuhörten, geschweige denn sie hören konnten. Aber sie berichtete trotzdem von ihrem Schicksal:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Es war eine sehr lange und auch eine äußerst beschwerliche Reise, die ich hinter mir habe. Das Schicksal hat mir Einges aufgebürdet. Geduld musste ich haben, sehr viel Geduld. Auch ohne Quetschungen und Kratzer ging die Sache nicht vonstatten, ihr erkennt sicherlich, wie mitgenommen ich aussehe. Entschuldigt bitte mein Aussehen. So wollte ich eigentlich nicht hier erscheinen, aber ich bin froh endlich bei euch zu sein. Es ist schön euch vereint und glücklich und sehen.“</p>
<p>Karti hoffte, dass das Ehepaar sie verstehen würde, denn sie erhielt wieder eine Streicheinheit von ihnen und so erzählte sie weiter.</p>
<p>„Als dein Toni mich in dem südlichen Land kurzerhand mitnahm, mir auftrug die Überbringerin einer Botschaft für dich, liebe Emilie sein zu dürfen, war ich sehr stolz. So eine ehrenvolle Aufgabe bekommen nicht viele. Ich glaubte schon bald bei dir sein zu können und deine Freude erleben zu dürfen. Stattdessen kam alles ganz anders als geplant. Meine Falten und Schrammen zeugen von meinen Erlebnissen in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Widrige Umstände hielten mich immer wieder auf,  erschwerten mir das Überleben und Vorankommen. Wind und Wetter machten mir zu schaffen, die Unzuverlässigkeit und Vergesslichkeit verschiedener Menschen hinderte mich am Weiterreisen. Ich wurde in die falsche Richtung geleitet, man hat mich hin- und hergeschoben und schließlich komplett vergessen. Mein Rufen, Jammern und Flehen hat niemand gehört. Doch ich habe die Hoffnung nie ganz aufgegeben, obwohl mir das alles sehr zugesetzt hat und sich mit der Zeit, die mir aufgetragene Botschaft immer mehr verwischte.“</p>
<p>Gerade<span class="Apple-converted-space">  </span>als Karti diese Worte ausgesprochen hatte, drehte Emilie sie um und lächelte ihren Toni glücklich an.</p>
<p>„Das ist das schönste Geschenk zu unserer heutigen Silbernen Hochzeit“, flüsterte Emilie unter Tränen und versuchte den Text auf Kartis Rückseite zu entziffern:</p>
<p style="text-align: center;"><em>Liebe Emilie,</em></p>
<p style="text-align: center;"><em>eigentlich wollte ich Dir vor meiner Abreise noch eine Frage stellen, aber ich traute mich nicht. Deshalb versuche ich es auf diesem Wege:</em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Ich liebe Dich von ganzem Herzen und möchte mein Leben mit Dir verbringen. Willst du meine Frau werden?</em></p>
<p style="text-align: center;"><em>In der Hoffnung auf ein &#8218;JA&#8216; schicke ich Dir viele liebe Grüße und Küsse.</em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Dein Toni</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="https://lifetellsstories.de/purzel/">Purzel</a></p>
<p><a href="https://lifetellsstories.de/oma-lena-und-ihre-schatztruhe/">Oma Lena und ihre Schatztruhe</a></p>
<p><a href="https://lifetellsstories.de/aus-der-schulzeit-meiner-mutter/">Aus der Schulzeit meiner Mutter</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das bisschen Haushalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Jan 2019 22:25:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Professor Konfusi-Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Abstellkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Fenster]]></category>
		<category><![CDATA[Gardine]]></category>
		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Lappen]]></category>
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					<description><![CDATA[Frau Konfusi hat entsetzt ihren Blick auf das Küchenfenster gerichtet. Die Sonne scheint in den Raum. Das ist eigentlich eine recht erfreuliche Sache, denn jetzt in der Winterzeit ist es draußen eher kalt und trüb. Heute jedoch zeigt sich der Himmel in seinem schönsten Blau und zu allem Überfluss lacht auch noch die Sonne. Sie steht allerdings zu dieser Tageszeit schon recht tief und wirft ihre Strahlen zum Fenster hinein. Das hat zur Folge, dass Frau Konfusi klitzekleine Staubpartikelchen in der Luft schweben sieht und auch bemerkt, dass ihre Scheiben dringend einer Reinigung bedürfen. Allerdings sollte das Fensterputzen bei Minus 5 Grad weder angenehm noch besonders vorteilhaft sein. Zumindest von außen. „Ich könnte aber wenigstens die Scheiben auf der Innenseite putzen“, überlegt sie sich, denn gerade ergreift sie ein unwiderstehlicher Putzzwang. „Und die Vorhänge würden sich auch freuen, wenn sie mal wieder in der Waschmaschine ein paar Runden schwimmen dürften.“ Sofort marschiert sie in den Abstellraum, ergreift sich einen Eimer, einen Lappen und das Fensterleder. Wieder in der Küche angekommen, stellt sie erst einmal das &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Konfusi hat entsetzt ihren Blick auf das Küchenfenster gerichtet. Die Sonne scheint in den Raum. Das ist eigentlich eine recht erfreuliche Sache, denn jetzt in der Winterzeit ist es draußen eher kalt und trüb. Heute jedoch zeigt sich der Himmel in seinem schönsten Blau und zu allem Überfluss lacht auch noch die Sonne. Sie steht allerdings zu dieser Tageszeit schon recht tief und wirft ihre Strahlen zum Fenster hinein.</strong><br />
<span class="dropcap">D</span>as hat zur Folge, dass Frau Konfusi klitzekleine Staubpartikelchen in der Luft schweben sieht und auch bemerkt, dass ihre Scheiben dringend einer Reinigung bedürfen. Allerdings sollte das Fensterputzen bei Minus 5 Grad weder angenehm noch besonders vorteilhaft sein. Zumindest von außen.<br />
„Ich könnte aber wenigstens die Scheiben auf der Innenseite putzen“, überlegt sie sich, denn gerade ergreift sie ein unwiderstehlicher Putzzwang. „Und die Vorhänge würden sich auch freuen, wenn sie mal wieder in der Waschmaschine ein paar Runden schwimmen dürften.“<br />
Sofort marschiert sie in den Abstellraum, ergreift sich einen Eimer, einen Lappen und das Fensterleder. Wieder in der Küche angekommen, stellt sie erst einmal das Radio an, denn mit Musik geht bekanntlich alles viel besser und leichter.<br />
Singend und voller Elan steigt sie auf einen Stuhl, den sie an das Küchenfenster gerückt hat. Sie muss sich allerdings tüchtig strecken, um an die Gardinenstange zu gelangen und die Gardinen abzuhängen.<br />
„Ich hole mir doch lieber mal die Leiter. Immerhin passieren die meisten Unfälle im Haushalt und auf Stühle sollte man nicht steigen. Sie könnten ja kippen“, denkt sie sich, klettert wieder herunter und läuft abermals in die Abstellkammer.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Jetzt ist es ein Kinderspiel die Gardinen abzuhängen“, sagt sie ein paar Augenblicke später zu sich selbst, als sie auf der Leiter steht.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
Wie das nun mal so ist, im ungünstigsten Moment klingelt es. Heute ist es nicht der Postbote oder die Nachbarin vor der Haustür, sondern das Telefon kündigt einen Anruf an.<br />
„Kannst du bitte mal rangehen!“, bittet sie ihren Mann rufend, der im Arbeitszimmer einige Unterlagen sortiert. „Ich kann gerade nicht!“<br />
Beim vierten Klingeln hört sie ihren Gatten in die Diele kommen, wo der Apparat steht.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Ja, Konfusi!?, meldet er sich freundlich und fragend zugleich.<br />
Einen kurzen Augenblick herrscht Stille und Frau Konfusi überlegt sich, wer wohl am anderen Ende der Leitung sein mag. Doch nun hört sie ihren Göttergatten sagen: „Da gebe ich Ihnen am Besten mal meine Frau!“<br />
Schon öffnet sich die Küchentür. Professor Konfusi hält immer noch den Hörer an sein Ohr und gibt dem Gesprächspartner zu verstehen: „Sekunde, &#8211; ich übergebe an meine Frau!“<br />
Mit diesen Worten reicht er seiner verdutzten Gattin den Hörer.<br />
„Ja, bitte?!<br />
„Schön, dass ich Sie erreiche.“<br />
„Aha!?“<br />
„Ich rufe im Auftrag eines Marktforschungsinstitutes an. Wir hätten da ein paar Fragen ….“<br />
„Das ist im Augenblick etwas ungünstig“, unterbricht Frau Konfusi kurzerhand.<br />
„Es dauert auch nur zwei, drei Minuten…“<br />
„Es ist wirklich äußerst ungünstig,…“<br />
„Ich verspreche Ihnen es dauert tatsächlich nicht lange.“<br />
„…ich stehe gerade auf einer Leiter“, vollendet Frau Konfusi ihren zuvor angefangenen Satz.<br />
„Oh, dann beenden wir doch besser das Gespräch!“, klingt es blitzschnell und fast ein wenig ängtlich aus dem Telefonhörer und augenblicklich vernimmt Frau Konfusi ein Tuten, das ihr das Beenden des Gespräches signalisiert.<br />
Sie reicht ihrem Gatten das Mobilteil zurück und fragt:<br />
„Wieso übergibst du mir immer diese Meinungsumfragen, &#8211; noch dazu, wenn ich auf der Leiter stehe. Ich habe gar nicht richtig hingehört. Was wollte er eigentlich?“<br />
„Ich glaube, es ging um eine Umfrage zur Unfallverhütung im Haushalt“, grinst Professor Konfusi und versucht sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, da ihm ein feuchter Putzlappen entgegenfliegt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/professor-konfusi/">Professor Konfusi</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/aerger-mit-dem-verflixten-kleinen-ding/">Ärger mit dem verflixten kleinen Ding</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/fraeulein-tussnelda/">Fräulein Tussnelda</a></p>
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		<title>Mister Tremblehand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Sep 2017 19:13:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Mister]]></category>
		<category><![CDATA[neu]]></category>
		<category><![CDATA[Richtung]]></category>
		<category><![CDATA[Schneckentempo]]></category>
		<category><![CDATA[Schublade]]></category>
		<category><![CDATA[tapfer]]></category>
		<category><![CDATA[zittern]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich stelle mir manchmal vor, dass es in einer Ecke meines Gehirns einen riesigen Schrank mit unzähligen Fächern und Schubladen gibt. Manchmal öffnet sich ganz unvermittelt sozusagen auf Knopfdruck eine dieser Laden. Hierin liegen wahre Schätze verborgen. Sie verweilen dort zum Teil schon seit mehreren Jahrzehnten. Es sind meine Erinnerungen. Eine davon glaubte ich schon verloren zu haben, doch dann geschah etwas, das sie auf wundersame Weise wieder  zum Leben erweckte. Plötzlich stand diese Erinnerung wieder klar und deutlich vor meinem geistigen Auge. Es war als hätte man den passenden Schlüssel gefunden, das Fach öffnete sich und gab frei, was darin so lange verborgen war. So geschah es auch neulich mitten in Potsdam. Ich besuchte mit meinem Mann diese schöne Stadt und inzwischen waren wir mit einigen Tüten und Taschen bepackt. Als ich nur noch schnell einmal einen Blick in ein Schuhgeschäft werfen wollte, dachte mein Mann sich wohl, dass dies etwas länger dauern könnte und machte mir einen Vorschlag: „Ich bringe schon einmal die Einkäufe ins Auto, dann kannst du in aller Ruhe das &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich stelle mir manchmal vor, dass es in einer Ecke meines Gehirns einen riesigen Schrank mit unzähligen Fächern und Schubladen gibt. Manchmal öffnet sich ganz unvermittelt sozusagen auf Knopfdruck eine dieser Laden. Hierin liegen wahre Schätze verborgen. Sie verweilen dort zum Teil schon seit mehreren Jahrzehnten. Es sind meine Erinnerungen. </strong></p>
<p><span class="dropcap">E</span>ine davon glaubte ich schon verloren zu haben, doch dann geschah etwas, das sie auf wundersame Weise wieder  zum Leben erweckte. Plötzlich stand diese Erinnerung wieder klar und deutlich vor meinem geistigen Auge. Es war als hätte man den passenden Schlüssel gefunden, das Fach öffnete sich und gab frei, was darin so lange verborgen war.<br />
So geschah es auch neulich mitten in Potsdam.<br />
Ich besuchte mit meinem Mann diese schöne Stadt und inzwischen waren wir mit einigen Tüten und Taschen bepackt. Als ich nur noch schnell einmal einen Blick in ein Schuhgeschäft werfen wollte, dachte mein Mann sich wohl, dass dies etwas länger dauern könnte und machte mir einen Vorschlag:<br />
„Ich bringe schon einmal die Einkäufe ins Auto, dann kannst du in aller Ruhe das Schuhgeschäft durchforsten. Wir treffen uns gleich wieder hier.“<br />
&#8222;In Ordnung“, meinte ich zufrieden, denn ich brauchte unbedingt noch ein Paar Schuhe, die ich meinen vielen anderen Exemplaren zu Hause hinzufügen konnte. „Es dauert bestimmt nicht lange.“<br />
So ging jeder seines Weges. Unser Auto stand nur wenige Gehminuten entfernt und das Schuhgeschäft war relativ klein und überschaubar. Es würde also alles zeitlich hervorragend passen. So dachte ich es mir zumindest, doch es kommt im Leben meistens anders als man denkt.<br />
Ich probierte mal diesen und mal jenen Schuh an und wurde schließlich auch fündig.<br />
„Das klappt ja prima!“, überlegte ich als ich an der Kasse bezahlte. „Bestimmt steht Peter schon vor der Tür und wartet auf mich.“<br />
Als ich an diesem unerwartet sonnigen Tag wieder auf die Straße hinaus trat, sah ich mich nach allen Richtungen um. Weder links noch rechts konnte ich meinen Mann erblicken.<br />
„Ob er wohl selbst noch in einem Geschäft etwas besorgt?!“, stellte ich mir selbst die Frage.<br />
Die Minuten vergingen und langsam wurde ich ein bisschen ärgerlich. Immerhin hatte ich mich vorhin im Schuhgeschäft ziemlich beeilt und jetzt stand ich hier herum und musste auf ihn warten. Je länger ich meinen Blick in die Richtung schweifen ließ, aus der er kommen müsste, umso unwohler wurde es mir. Mittlerweile war es mir schon ganz flau im Magen. Gerade als ich dachte: „Da stimmt etwas nicht!“, sah ich ihn um die Straßenecke biegen. Ein freudiges Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, das allerdings gleich in ein Stirnrunzeln überging.<br />
„Warum läuft er denn im Schneckentempo? Er kommt ja gar nicht voran.“, fragte ich mich insgeheim.<br />
Langsam und bedächtig kam er näher und ich konnte ihn auch besser erkennen. Sein Bewegungsapparat irritierte mich.<br />
„Was ist denn mit seinem Bein los? Wieso läuft er so komisch?“<br />
Mein Peter schleifte sein rechtes Bein irgendwie nach und setzte den Fuß sehr seltsam auf. Der Fuß war ziemlich schräg nach außen gerichtet.<br />
„Da ist was passiert!“, durchfuhr es schlagartig meine Gehirnwindungen.<br />
Beunruhigt ging ich ihm entgegen. Jetzt konnte ich auch sein schmerzverzerrtes Gesicht erkennen.<br />
„Was ist denn mit dir los? Warum läufst du so seltsam?“, überschüttete ich ihn mit Fragen.<br />
Er deutete allerdings nach unten auf seinen Fuß und meinte tapfer:<br />
„Och, halb so wild. Ich hab mir nur den Fuß angestoßen.“<br />
Als ich allerdings meinen Blick senkte, sah ich sofort das ganze Ausmaß. Aus seinen bequemen offenen Sommerschuhen, die er gern zu seinen kurzen Hosen trägt, ragte ein blutüberströmter großer Zeh hervor.<br />
„Um Himmels Willen!“, entfuhr es mir. „Du musst sofort zum Arzt! Das muss bestimmt genäht werden!“<br />
„Quatsch!“, erklärte mir mein Mann heldenhaft. „Ich brauch nur was zum Verbinden, sonst mach ich mir die ganzen Schuhe blutig. Wenn ich eine Art Druckverband mache, dann stillt sich die Blutung schon und das abstehende Stückchen Fußzeh wächst auch wieder an.“<br />
Während ich meinen Mann die Straße entlang schleifte und nach einem Hinweisschild für einen Arzt oder zumindest nach einer Apotheke Ausschau hielt, erzählte er mir, was ihm in den wenigen Minuten, die ich nicht an seiner Seite geweilt hatte, passiert war.<br />
„Ich lief zum Auto, das ja nur ungefähr drei Minuten von hier entfernt steht. Kurz bevor ich den Wagen erreichte, kollidierte meine große Fußzehe plötzlich mit einer riesigen quadratischen Betonplatte, die mitten auf dem Gehweg stand. Es war eine Betonplatte, in der normalerweise ein großer Sonnenschirm platziert wird. Da aber weder ein Sonnenschirm darin steckte, noch Tische oder Stühle darum herum standen, muss ich dieses Ding glatt übersehen haben. Die Kollision war derart heftig, dass ich stolperte und hinfiel. Passanten wollten mir sofort auf die Beine helfen, aber ich musste mich erst einmal mit dem Schmerz in meinem Zeh auseinandersetzen.“<br />
„Warum stand dieses Monstrum denn mitten auf dem Bürgersteig?“, wollte ich genauer wissen.<br />
„Da war vermutlich mal ein Café. Ich habe auch geklopft, aber es war niemand da. Es sah ziemlich leer und verlassen aus.“<br />
Inzwischen hatten wir zwar keinen Arzt, aber eine Apotheke ausfindig gemacht, wo ich Verbandsmaterial kaufte, man mir Desinfektionsmittel zur Verfügung stellte und die Fußzeh meines Mannes einen schönen dicken Verband erhielt.<br />
Als wir kurz danach den Zeh bewundernd wieder auf dem Gehweg standen, machte es plötzlich in meinem Kopf „Klick!“ und es öffnete sich einer dieser geheimnisvollen Schubladen in meinem Kopf. Vor dem geistigen Auge zeichnete sich sofort ein Bild aus einem ehemaligen Englischbuch aus meiner eigenen Schulzeit ab. Da wir unsere ersten Englischkenntnisse nur fünfzehn Kilometer voneinander entfernt, erlangt haben, benutzten wir auch die gleichen Bücher. Deshalb fragte ich meinen Mann, der mittlerweile mit seinem Verband wieder recht glücklich in die Welt blickte:<br />
„Kennst Du noch &#8222;Mister Tremblehand&#8220; aus unserem Englischunterricht? Zumindest sieht dein Fußzeh im Moment so aus, wie wohl seiner auch ausgesehen haben mag.“<br />
Ich konnte deutlich erkennen, wie es im Gehirn meines Mannes zu rattern begann. Anscheinend suchte er gerade nach der richtigen Schublade, in der auch bei ihm das Bild von Mister Tremblehand versteckt lag.<br />
Und stellt Euch vor: Er fand sie auch und konnte sie öffnen!<br />
„Das war doch der ängstliche Mann, der immer eine Pistole unter seinem Kopfkissen liegen hatte“, begann er.<br />
„Ja genau. Eines nachts wachte er auf und sah in der Dunkelheit etwas am Fußende des Bettes. Er dachte, es sei ein Einbrecher, zog die Pistole unter seinem Kopfkissen hervor und schoß mit zitternder Hand.“<br />
„Er traf seinen Fußzeh!“, grinste jetzt auch mein Mann und warf einen fast stolzen Blick auf seine eigene dick eingewickelte Fußzeh.<br />
Beide wissen wir nicht, was aus Mister Tremblehand und seinem dicken Onkel geworden ist, aber zumindest der Fußzeh meines Mannes sieht inzwischen fast wieder wie neu aus.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4610 size-medium" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/09/1200px-IMG_7926-e1506159459687-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/09/1200px-IMG_7926-e1506159459687-225x300.jpg 225w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/09/1200px-IMG_7926-e1506159459687-768x1024.jpg 768w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/09/1200px-IMG_7926-e1506159459687-420x560.jpg 420w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/09/1200px-IMG_7926-e1506159459687.jpg 900w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch diese Geschichten noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/zwiegespraech/">Zwiegespräch</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/mein-verhaeltnis-zu-meinen-beiden-lieblingsschraenken/">Mein Verhältnis zu meinen beiden Lieblingsschränken</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/familienausflug/">Familienausflug</a></p>
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