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	<title>lernen &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Insiderwissen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jun 2018 20:22:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Bedienung]]></category>
		<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[lernen]]></category>
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					<description><![CDATA[Schon seit Jahren ist es ja üblich auch im Deutschen Begriffe aus anderen Sprachen zu verwenden. Vornehmlich kommen diese aus dem Englischen oder Amerikanischen. Wir deutschen diese Begriffe einfach ein oder kombinieren sie mit einem deutschen Begriff, wie man an meiner Überschrift deutlich erkennen kann. Und das geht dann in den normalen Sprachgebrauch ein, ohne dass uns dies überhaupt noch richtig bewusst ist. Aber auch durch die einzelnen Dialekte innerhalb einer Sprache kommt es zu diesem sogenannten Insiderwissen, wie ich es hier an dieser Stelle einfach mal bezeichnen will. Selbstverständlich habe ich auch eine Geschichte hierfür aus dem eigenen Leben parat: Wieder einmal sind wir in meiner Heimatstadt im schönen Hessenlande. Wir sitzen gemütlich in einem Café auf der Terrasse. Es ist ein sonniger Tag und so zieht es noch mehr Menschen hierher, die Kaffee und Kuchen genießen möchten. Während wir unsere Auswahl schon getroffen haben und vor dem gedeckten Tisch sitzen, lassen sich am Nachbartisch vier Personen nieder. Es scheinen zwei Ehepaare zu sein. „Was darf ich Ihnen bringen?“, fragt die junge nette Bedienung &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schon seit Jahren ist es ja üblich auch im Deutschen Begriffe aus anderen Sprachen zu verwenden. Vornehmlich kommen diese aus dem Englischen oder Amerikanischen. Wir deutschen diese Begriffe einfach ein oder kombinieren sie mit einem deutschen Begriff, wie man an meiner Überschrift deutlich erkennen kann. Und das geht dann in den normalen Sprachgebrauch ein, ohne dass uns dies überhaupt noch richtig bewusst ist.</strong><br />
<strong>Aber auch durch die einzelnen Dialekte innerhalb einer Sprache kommt es zu diesem sogenannten Insiderwissen, wie ich es hier an dieser Stelle einfach mal bezeichnen will. Selbstverständlich habe ich auch eine Geschichte hierfür aus dem eigenen Leben parat:</strong></p>
<p><span class="dropcap">W</span>ieder einmal sind wir in meiner Heimatstadt im schönen Hessenlande. Wir sitzen gemütlich in einem Café auf der Terrasse. Es ist ein sonniger Tag und so zieht es noch mehr Menschen hierher, die Kaffee und Kuchen genießen möchten. Während wir unsere Auswahl schon getroffen haben und vor dem gedeckten Tisch sitzen, lassen sich am Nachbartisch vier Personen nieder. Es scheinen zwei Ehepaare zu sein.<br />
„Was darf ich Ihnen bringen?“, fragt die junge nette Bedienung in einem perfekten Hochdeutsch.<br />
Ungewollt werden wir Ohrenzeuge der Bestellung, obwohl uns diese nicht sonderlich interessiert. Bis zu dem Zeitpunkt als der ältere Herr eine Frage stellt.<br />
„Habe Sie auch Mattekuche?“<br />
Nein, eigentlich hat uns diese Frage noch nicht irritiert, denn als gebürtige Hessen, ist das für uns nichts Außergewöhnliches. Erst der zweite Satz und die Antwort der Bedienung ließ uns schmunzeln.<br />
„Wenn Sie wisse, was das iss!“, fügte der Mann noch hinzu.<br />
„Aber selbstverständlich weiß ich das. Bei meiner Oma zu Hause heißt der Käse- bzw. Quarkkuchen auch noch so. Und selbstverständlich haben wir auch ‚Mattekuche‘!“, antwortet sie freundlich und notiert sich den Wunsch.<br />
„Bei uns in Cottbus hätte das jetzt vermutlich niemand verstanden“ meint mein Mann. „Denk nur daran, als du anfangs beim Bäcker &#8218;Kräbbel&#8216; bestellt hast und erst lernen musstest, dass sie dort ‚Pfannkuchen‘ heißen.“<br />
„Stimmt!“, bestätige ich. „Und ‚Kneipche‘ kennt auch niemand in Cottbus.“<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Nein, falsch“, widerspricht mir mein Göttergatte. „Die Freundin unseres Sohnes hat inzwischen auch gelernt, dass ein &#8218;Kneipche&#8216; ein kleines Küchenmesser ist.“<br />
„Trotzdem war sie neulich auch wieder etwas verwirrt und hat nachgefragt, als ich ganz spontan einen hessischen Begriff verwendet habe“, berichte ich.<br />
Da ich am Gesicht meines Mannes ablesen kann, dass er nicht weiß, wovon ich rede und gerne mehr hören möchte, erzähle ich weiter.<br />
„Ich wollte Frikadellen machen und hatte kein hartes Brötchen zu Hause, also suchte ich nach einer Alternative und fragte mich laut: ‚Wo habe ich nur das Weckmehl hingestellt?‘ “<br />
„Ja und? Das weiß doch jeder, was das ist“, wundert sich mein Peter.<br />
„Anscheinend nicht, denn B. konnte mit dem Begriff nichts anfangen und ich ließ sie auch noch ein bisschen zappeln. Ich meinte nämlich nur: ‚Wenn du nicht weißt, was ein &#8218;Weck&#8216; ist, dann kennst du bestimmt auch keine ‚Dodeweck‘!“<br />
„Na, das ist ja auch absolut schwierig, wer soll das außerhalb Hessens denn kennen?!“<br />
„Auch wieder richtig, zumal ich selbst den Begriff &#8218;Dodeweck&#8216; erst durch dich kennengelernt habe und mir nicht sicher bin, ob es sich dabei um eine Eigenkreation von dir handelt“, gebe ich ihm zu verstehen.<br />
„Immer wenn meine Mutter zu einer Beerdigung ging, bat ich sie als Kind mir doch ‚Dodeweck‘ mitzubringen. Ich habe diese süßen Hefebrötchen mit und ohne Rosinen unheimlich gerne gegessen und die gab es nun mal beim Beerdigungskaffee“, erklärt er mir, schiebt aber auch gleich noch eine Frage hinterher:<br />
„Und weiß B. inzwischen, was ‚Weckmehl ist?“<br />
„Ich habe ihr erklärt, dass es Semmelbrösel sind, was aber auch nur einen erstaunten Gesichtsausdruck bei ihr hinterließ.“<br />
„Logisch!“, grinst mein Mann. „Aber mal ehrlich: Wie heißt das jetzt richtig?“<br />
„Paniermehl!“, kläre ich ihn verwundert auf.<br />
„Das hätte ich jetzt wieder nicht gewusst“, grinst er mich an und ich frage mich insgeheim, ob ich ihm das glauben soll. Aber so ist das eben mit dem Insiderwissen. Die einen haben es und die anderen eben nicht. Man muss es nur zugeben, wenn man etwas nicht versteht, dann wird man aufgeklärt und lernt dazu.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/jetzt-faengt-mein-neues-leben-an/">Jetzt fängt mein neues Leben an</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/chaotischer-umzug/">Chaotischer Umzug</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/familienzuwachs/">Familienzuwachs</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Man lernt nie aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jul 2017 20:07:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Plauderecke]]></category>
		<category><![CDATA[Hausaufgaben]]></category>
		<category><![CDATA[Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[lernen]]></category>
		<category><![CDATA[stolz]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich neulich meine Blogrunde drehte und bei Martina vorbeisah, las ich ihren Post über das &#8222;ß&#8220; (kluempche). Schon bei den ersten Sätzen machte es in meinem Kopf „Klick!“ und ich war in der Vergangenheit. Mein Kopfkino sprang an. Ich sah mich wieder die Schulbank drücken und dreimal dürft ihr raten, um was sich der Unterrichtsstoff drehte. Genau, um das &#8222;ß&#8220;. Ich will Euch die Geschichte erzählen, die mich schon ein bisschen stolz macht. Auch nach so vielen Jahren, beziehungsweise Jahrzehnten: Klein- Astrid sitzt also im Unterricht. Sie ist in der zweiten Klasse und weil sie schon vor ihrem ersten Schulstart wusste, dass sie einmal Lehrerin werden will, sitzt sie ganz aufmerksam und mit „hochroten Wangen“ (Originalwortlaut des Lehrers) im Klassenzimmer und lauscht den Ausführungen des Lehrers. Heute gibt er die Hefte zurück, die er einen Tag zuvor eingesammelt hat. Sie hatten sich Sätze ausdenken und aufschreiben müssen. Klein-Astrid hatte einen Satz gewählt, in dem ein wirklich schwieriges Wort vorkam. Zum Glück hatte ihre Mutter gewusst, wie man es schreibt. Oder doch nicht? Der Lehrer hat &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als ich neulich meine Blogrunde drehte und bei Martina vorbeisah, las ich ihren Post über das &#8222;ß&#8220; (<a href="http://kluempche.blogspot.de">kluempche</a>). Schon bei den ersten Sätzen machte es in meinem Kopf „Klick!“ und ich war in der Vergangenheit. Mein Kopfkino sprang an. Ich sah mich wieder die Schulbank drücken und dreimal dürft ihr raten, um was sich der Unterrichtsstoff drehte.</strong></p>
<p style="text-align: left;"><span class="dropcap">G</span>enau, um das &#8222;ß&#8220;. Ich will Euch die Geschichte erzählen, die mich schon ein bisschen stolz macht. Auch nach so vielen Jahren, beziehungsweise Jahrzehnten:<br />
Klein- Astrid sitzt also im Unterricht. Sie ist in der zweiten Klasse und weil sie schon vor ihrem ersten Schulstart wusste, dass sie einmal Lehrerin werden will, sitzt sie ganz aufmerksam und mit „hochroten Wangen“ (Originalwortlaut des Lehrers) im Klassenzimmer und lauscht den Ausführungen des Lehrers.<br />
Heute gibt er die Hefte zurück, die er einen Tag zuvor eingesammelt hat. Sie hatten sich Sätze ausdenken und aufschreiben müssen. Klein-Astrid hatte einen Satz gewählt, in dem ein wirklich schwieriges Wort vorkam. Zum Glück hatte ihre Mutter gewusst, wie man es schreibt. Oder doch nicht?<br />
Der Lehrer hat schon einige Hefte zurückgegeben und immer auch etwas zu dem betreffenden Schüler gesagt. Klein-Astrid ist ganz aufgeregt, was er wohl zu ihr sagen wird. Ob es ein Lob ist? Eigentlich hat sie sich ja angestrengt. Aber ist auch der Lehrer von ihrer Leistung überzeugt?<br />
Da, er hält das Heft mit dem roten Umschlag in der Hand und blickt in ihre Richtung.<br />
„Astrid“, sagt er zu ihr. „Es war gar nicht so einfach Deine Hausaufgabe zu korrigieren.“<br />
Astrid bekommt einen Schreck. Hat sie doch alles falsch gemacht?<br />
„Aber Mutti hat doch die Hausaufgaben durchgesehen“, denkt sie und bemerkt, wie ihr abwechselnd heiß und kalt wird.<br />
„Wegen dir haben wir extra eine Lehrerkonferenz einberufen“, spricht der Lehrer weiter.<br />
Inzwischen ist es mucksmäuschenstill im Klassenraum. Alle Schüler lauschen und fragen sich insgeheim, was Klein-Astrid angestellt hat. Doch schon mit dem nächsten Satz zerstreut der Lehrer alle Bedenken von Klein-Astrid und schürt gleichzeitig noch ein wenig mehr die Neugier der anderen Schüler.<br />
„Durch dich habe ich wieder einmal etwas gelernt“, richtet er sich an das Mädchen und zu allen sagt er: „Auch ein Lehrer kann nämlich nicht alles wissen und außerdem könnt ihr euch merken, dass man niemals im Leben ausgelernt hat.“<br />
Und dann nimmt er die Kreide und schreibt ein Wort an die Tafel:</p>
<p style="text-align: center;"><em><strong>&#8222;bi?chen&#8220;</strong></em></p>
<p style="text-align: left;">Jetzt erklärt der Lehrer, dass sie sich im Kollegium nicht ganz einig waren, wie man dieses Wort richtig schreibt. Mit „ss&#8220; oder mit „ß“ ? Deshalb haben sie alle ganz genau im Rechtschreibduden nachgeschlagen.<br />
„Ja und wir haben festgestellt, dass Astrid dieses schwierige Wort absolut richtig geschrieben hat“.<br />
Die Wangen von Klein-Astrid werden noch ein wenig röter. Sie ist total stolz, dass sie alles richtig gemacht hat und noch dazu ein Wort geschrieben hat, das der Lehrer selbst falsch geschrieben hätte. Jetzt aber weiß er es, weil sie es ihm beigebracht hat.<br />
Dieses Wort wird sie nie im Leben vergessen, geschweige denn falsch schreiben:</p>
<p style="text-align: center;"><em><strong>„bißchen“</strong></em></p>
<p style="text-align: left;">Ja, ihr habt richtig gesehen. Damals als ich in der zweiten Klasse war und noch viele Jahre danach, schrieb man dieses Wörtchen mit &#8222;ß&#8220;. Viele Kinder und auch Erwachsene haben es falsch geschrieben, weil sie kein &#8222;ß&#8220; sondern &#8222;ss&#8220; eingesetzt haben.<br />
Was damals ein Fehler war, ist heute richtig. Heute schreibt man dieses Wort mit &#8222;ss&#8220; und es ist falsch, wenn man es mit &#8222;ß&#8220; schreibt:</p>
<p style="text-align: center;"><em><strong>„bisschen“</strong></em></p>
<p style="text-align: left;">Man lernt also nie aus.<br />
Und es kommt noch besser: Jetzt gibt es sogar „das große ß“.<br />
Ich kann nur sagen, das Leben ist ein lebenslanger Lernprozess. Wer weiß, wie man dieses Wörtchen in dreißig Jahren schreibt…?!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/deutsche-sprache-schwere-sprache/">&#8222;Deutsche Sprache-schwere Sprache&#8220;</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/haengemattengedanken/">Hängemattengedanken</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/aus-der-schulzeit-meiner-mutter/">Aus der Schulzeit meiner Mutter</a></p>
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		<title>Der Einzelgänger (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2015 10:59:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[adoptieren]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelgänger]]></category>
		<category><![CDATA[Heim]]></category>
		<category><![CDATA[Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[kriminell]]></category>
		<category><![CDATA[lernen]]></category>
		<category><![CDATA[verlassen]]></category>
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					<description><![CDATA[Hannes Findel war von allen verlassen worden. Sein Vater hatte noch vor seiner Geburt Reißaus genommen und seine Mutter hatte ihn verstoßen, beziehungsweise einfach vor einer Kirchentür abgelegt. Die Pflegemutter war verstorben und der Pflegevater konnte ihn nicht behalten. Niemand wollte ihn, niemand liebte ihn. Niemand hatte sich seiner erbarmt. So landete er im Kinderheim und wurde zu einem Einzelgänger, den selbst das Glück verlassen hatte und dem das Schicksal nichts Gutes bereit hielt. Im Heim war er nicht gerade der beliebteste Bewohner. Er war zurückgezogen, fühlte sich ungeliebt und machte alle und jeden für sein Schicksal verantwortlich, an erster Stelle seine Mutter. „Hätte sie mich nicht weggeben, dann müsste ich nicht in diesem Heim leben. Hätte mich wenigstens eine Familie aufgenommen, aber jetzt adoptiert mich eh keiner mehr. Die wollen alle nur die niedlichen kleinen Mädchen oder die super braven kleinen Jungs. Mich will keiner.“ Hätte, hätte, hätte… Er hatte die Hoffnung aufgegeben aus dem Heim jemals wegzukommen. Ihn wollte keiner und inzwischen wollte er auch niemand mehr. Er baute eine unsichtbare Mauer um &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hannes Findel war von allen verlassen worden. Sein Vater hatte noch vor seiner Geburt Reißaus genommen und seine Mutter hatte ihn verstoßen, beziehungsweise einfach vor einer Kirchentür abgelegt. Die Pflegemutter war verstorben und der Pflegevater konnte ihn nicht behalten. Niemand wollte ihn, niemand liebte ihn. Niemand hatte sich seiner erbarmt. So landete er im Kinderheim und wurde zu einem Einzelgänger, den selbst das Glück verlassen hatte und dem das Schicksal nichts Gutes bereit hielt.</strong><br />
<span class="dropcap">I</span>m Heim war er nicht gerade der beliebteste Bewohner. Er war zurückgezogen, fühlte sich ungeliebt und machte alle und jeden für sein Schicksal verantwortlich, an erster Stelle seine Mutter.<br />
„Hätte sie mich nicht weggeben, dann müsste ich nicht in diesem Heim leben. Hätte mich wenigstens eine Familie aufgenommen, aber jetzt adoptiert mich eh keiner mehr. Die wollen alle nur die niedlichen kleinen Mädchen oder die super braven kleinen Jungs. Mich will keiner.“<br />
Hätte, hätte, hätte… Er hatte die Hoffnung aufgegeben aus dem Heim jemals wegzukommen. Ihn wollte keiner und inzwischen wollte er auch niemand mehr. Er baute eine unsichtbare Mauer um sich herum auf und ließ auch niemand wirklich an sich heran. Echte Freunde fand er im Grunde genommen nie.<br />
Eines Tages kam jedoch ein Neuer ins Heim. Robin. Er war drei Jahre älter als Hannes und zeigte Interesse an ihm. Er war nett und schenkte ihm immer irgendwelche Süßigkeiten. Hannes glaubte einen älteren Freund gefunden zu haben. Doch dieser gebrauchte ihn für seine eigenen Zwecke. Um Robin zu imponieren, ließ er sich zu kleineren Diebstählen anstiften.<br />
„Dort drüben im Supermarkt haben sie Zigaretten in Hülle und Fülle. Wenn du da ein paar Päckchen für mich mitgehen lässt, wird das keiner merken. Wir gehen dann auch mal zusammen ins Kino. Wir sind doch Freunde.“<br />
Endlich hatte er jemand, der mit ihm etwas unternehmen würde und er wäre nicht mehr so allein. Und es stimmte schon, er würde niemand damit schaden und merken würde es ganz sicher keiner, wenn er vorsichtig genug war. Ja und so ließ er sich überreden und als Hannes merkte, dass er ausgenutzt wurde und Robin keine wirkliche Freundschaft wollte, steckte er schon zu tief mittendrin. Er war in seinen jungen Jahren zum Dieb und damit kriminell geworden. Er kannte alle Schlupflöcher und Tricks, um heimlich und meist sogar für die ganze Nacht das Heim unentdeckt zu verlassen. Er trieb sich dann durch die Straßen der Stadt, machte kleine Diebstähle und hin und wieder auch einen kleinen Bruch. Erwischt haben sie ihn ab und zu schon, aber es gab letztendlich kaum wirkliche Konsequenzen, jedenfalls keine, die ihn tatsächlich schreckten. Er hätte jemand gebraucht, der ihn wieder aus diesem Sumpf zog und seinen guten Kern entdeckte.<br />
Zweimal schien das Schicksal es gut mit ihm zu meinen. Beim ersten Mal schnappte man Robin bei einem Autoklau und steckte ihn mit 14 Jahren in den Jugendknast. Das befreite Hannes aus dessen Fängen.<br />
Beim zweiten Mal als das Schicksal gnädig mit Hannes war, sah er sie und sein Leben änderte sich schlagartig. Damals war er zwölf. Er war bereits zweimal sitzengeblieben und in seiner neuen Klasse war sie Klassensprecherin und erst zehn Jahre alt. Er war vom ersten Moment an in sie verknallt und er spürte, dass er als Kleinkrimineller, als Rüpel und Klassenclown keinerlei Chancen bei ihr hätte. Er legte sich ins Zeug, wie er von sich sagte. Er paukte, um Eindruck bei ihr zu machen und entwickelte sich innerhalb eines Schuljahres zum Klassenbesten. Seine Lehrer und Betreuer waren überzeugt, dass das Sitzenbleiben seine Wirkung gezeigt hatte. Er ließ sie in diesem Glauben. Tatsächlich aber begann ihm das Lernen Spaß zu machen. Was anfangs eher als eine Art Imponiergehabe angefangen hatte, weil er Eindruck schinden wollte bei dem hübschen Mädchen, entwickelte sich mehr und mehr zum Selbstläufer. Er lernte, weil er merkte wie sich sein Wissen erweiterte und wieviel Freude ihm dies bereitete.<br />
Seine Angebetete blieb seine heimliche Liebe, ein Leben lang, obwohl diese in keiner Weise an ihm interessiert war, sondern an einem Jungen eine Klasse höher. Niemand ahnte etwas von seiner Liebe, nicht einmal die Angebetete selbst bemerkte etwas.<br />
Waren früher seine kriminellen Energien für seine eigentliche Isoliertheit verantwortlich, so wollte jetzt wiederum niemand wirklich etwas mit ihm zu tun haben.<br />
„Was willst du denn mit dem Streber. Der steckt doch ständig nur seine Nase in die Bücher und wirklich was anfangen kann man sowieso nichts mit ihm“, tuschelten sie untereinander.<br />
Klar holte man sich gerne die eine oder andere Information von ihm, einen wahren Freund fand er jedoch trotzdem nie. Er war und blieb ein Einzelgänger, allerdings ein unfreiwilliger.<br />
„Meine Freunde sind die Bücher“, sagte er zu sich selbst. „Das, was ich weiß und kann, gehört mir und das kann mir keiner nehmen.“<br />
Hannes war jemand, der sich und der Welt immer wieder beweisen wollte, was in ihm steckte. Trotz seiner stetigen Bemühungen und seiner Intelligenz, nahm man ihn nicht oder nicht ausreichend zur Kenntnis. Kurzzeitige Erfolge verliefen im Sand, so dass er nie wirklich zum Zuge kam, geschweige denn Karriere machte. Immer fehlte ihm das sogenannte i -Tüpfelchen, um die anderen auszustechen. Er war kein Versager, aber auch kein Erfolgstyp, im Grunde genommen war er ein Durchschnittstyp und dieses Bewusstsein ließ ihn verzweifeln, ja machte ihn schier krank.<br />
Wäre er in einer Familie aufgewachsen, die ihm Liebe und Ansporn gab, wäre sein Leben anders verlaufen und er hätte wahre, andauernde Erfolge erzielt. Davon war er felsenfest überzeugt. So aber empfand er sich selbst als ungeliebt und keineswegs liebenswert. Dies ließ ihn mit sich und den Menschen hadern. Seine Mutter, die er nie gekannt hatte, hatte ihn als hilfloses kleines Wesen im Stich gelassen und niemand war er soviel wert gewesen, dass man sich ihm liebevoll annahm. Eine Tatsache, die er nie verkraften würde und die aus ihm den Menschen gemacht hatte, der er war: Ein Einzelgänger, zwar ausreichend intelligent, aber immer vom Glück und Erfolg benachteiligt und einem leichten Drang auch einmal illegale Wege zu gehen, um Ziele zu erreichen. Er war nicht wirklich kriminell, aber er konnte ein gewisses Potential nicht verleugnen.<br />
Und dann kam ihm eine, wie er meinte vielversprechende Idee:<br />
„Ich muss mir einfach nur eine Familie suchen. Nicht irgendeine, keine durchschnittliche Familie, nein, wohlhabend und erfolgreich soll sie sein. Auch, wenn ich inzwischen längst erwachsen bin, man konnte auch Erwachsene adoptieren…“, überlegte er sich…</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Fortsetzung folgt</strong></p>
<p style="text-align: left;">Vielleicht möchtet Ihr auch noch diese Geschichten lesen:</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/karl-fridolin-von-tap/">Karl Fridolin von Tap</a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/purzel/">Purzel</a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/ein-besonderer-mensch/">Ein besonderer Mensch</a></p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
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