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	<title>Kaugummi &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Beim Zahnarzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Aug 2024 21:25:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Anbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bohrer]]></category>
		<category><![CDATA[Kaugummi]]></category>
		<category><![CDATA[Versehen]]></category>
		<category><![CDATA[Zahnarzt]]></category>
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					<description><![CDATA[Meine ziemlich lange Pause ist endlich vorbei. Nun werde ich wieder wie gewohnt in regelmäßigen Abständen Geschichten aus dem Leben einstellen. Ich hoffe, dass Ihr mich nicht ganz vergessen habt und ich euch mit meinen Geschichten erfreuen kann. Meine Blogrunden werde ich ebenfalls wieder drehen, das ist doch klar!!! Also jetzt geht es los: Wir sind gerade mit dem Auto unterwegs. Ich nehme einen Kaugummi aus der kleinen Plastikdose in der Mittelablage und frage meinen Mann, der am Steuer sitzt, ob er ebenfalls einen möchte. &#8222;Ja gerne&#8220;, antwortet dieser und hält mir seine geöffnete Hand entgegen, &#8222;aber bitte gleich drei oder vier Stück.&#8220; &#8222;Na, das ist dann der Rest und wir müssen wieder welche beschaffen. Am besten gleich zwei Dosen mit Kaugummidragees bei deinem Verbrauch,&#8220; versuche ich ihm zu vermitteln, dass man auch weniger nehmen kann. &#8222;Ich brauche jetzt gerade mal so viele Kaugummis&#8220;, erklärt er mir und schiebt sich den Inhalt seiner mit Kaugummidragees gefüllten Hand in den Mund. &#8222;Aha!&#8220; &#8222;Mein Inlay scheint lose zu sein&#8220;, gibt er mir zu verstehen. &#8222;Na prima&#8220;, antworte &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Meine ziemlich lange Pause ist endlich vorbei. Nun werde ich wieder wie gewohnt in regelmäßigen Abständen Geschichten aus dem Leben einstellen. Ich hoffe, dass Ihr mich nicht ganz vergessen habt und ich euch mit meinen Geschichten erfreuen kann. Meine Blogrunden werde ich ebenfalls wieder drehen, das ist doch klar!!! </strong><strong>Also jetzt geht es los:</strong></p>
<p>Wir sind gerade mit dem Auto unterwegs. Ich nehme einen Kaugummi aus der kleinen Plastikdose in der Mittelablage und frage meinen Mann, der am Steuer sitzt, ob er ebenfalls einen möchte.</p>
<p>&#8222;Ja gerne&#8220;, antwortet dieser und hält mir seine geöffnete Hand entgegen, &#8222;aber bitte gleich drei oder vier Stück.&#8220;</p>
<p>&#8222;Na, das ist dann der Rest und wir müssen wieder welche beschaffen. Am besten gleich zwei Dosen mit Kaugummidragees bei deinem Verbrauch,&#8220; versuche ich ihm zu vermitteln, dass man auch weniger nehmen kann.</p>
<p>&#8222;Ich brauche jetzt gerade mal so viele Kaugummis&#8220;, erklärt er mir und schiebt sich den Inhalt seiner mit Kaugummidragees gefüllten Hand in den Mund.</p>
<p>&#8222;Aha!&#8220;</p>
<p>&#8222;Mein Inlay scheint lose zu sein&#8220;, gibt er mir zu verstehen.</p>
<p>&#8222;Na prima&#8220;, antworte ich leicht sarkastisch. &#8222;Da ist Kaugummi genau richtig.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja klar oder denkst du ich will das Goldinlay aus Versehen verschlucken. So zieht der Kaugummi es raus und ich habe es!&#8220;</p>
<p>Gesagt, getan! Wir wickeln es in ein Papiertaschentuch, das immer  im Handschuhfach bereit liegt. So geht es zumindest nicht verloren.</p>
<p>Natürlich erzählt uns der Anrufbeantworter unserer Zahnärztin, dass die Praxis momentan geschlossen ist. Am nächsten Tag haben wir so viel um die Ohren, dass das im Auto sicher verwahrte Inlay vergessen ist. Dann ist Freitag, an dem Peter einen Termin für Montag ausmachen kann:</p>
<p>Heute ist es dann endlich soweit. Ich begleite meinen Mann zu besagtem Termin, da ich sowieso in der Stadt zu tun habe. Von der Dame an der Anmeldung wird er mit freundlichen Worten begrüßt:<br />
&#8222;Bei Ihnen geht es ja ganz flott. Das Einkleben dauert nicht lange, deshalb haben wir Sie schnell dazwischen geschoben!&#8220;</p>
<p>&#8222;Das Einkleben hat sich eigentlich erledigt&#8220;, erklärt mein Mann der erstaunten Angestellten. &#8222;Am Wochenende ist leider auch noch ein Stück vom Zahn abgebrochen.&#8220;</p>
<p>Da dies wohl jetzt eine größere Sache ist, die in Ordnung gebracht werden muss und mit Sicherheit nicht in die Terminplanung der Zahnärztin passt, ziehe ich es vor auf Peter zu warten. Bevor er ins Behandlungszimmer gerufen wird, fällt meinem Göttergatten noch eine kleine Familiengeschichte ein, die ich zwar vor Jahrzehnten schon mal gehört habe, aber trotzdem höre ich sie mir gerne nochmals an:</p>
<p>&#8222;Als ich noch ein Kind war, musste mein Vater&#8220;, so erzählt er mir, &#8222;mal dringend zum Zahnarzt und es musste gebohrt werden. Der bereits betagte Zahnarzt hatte scheinbar auch nicht gerade die modernsten Werkzeuge&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Oh Gott, das hört sich ja gruselig an!&#8220;, sage ich mit vorgehaltener Hand.</p>
<p>&#8222;Na warte mal ab&#8230;&#8220;,  erzählt er weiter. &#8222;Der Zahnarzt kannte meinen Vater und wusste, dass er Bauingenieur und Architekt war. Während der Behandlung berichtete der Arzt, dass er gerne einen Anbau machen wollte. Er plapperte fröhlich darauf los und bohrte und bohrte, während sein Patient schweigsam mit geöffnetem Mund mehr oder weniger zuhörte. Gerade als der Bohrer sich tiefer und tiefer in den Zahn versenkte, gab das Material nach. Allerdings nicht der Zahn, so wie es sein sollte, sondern der Bohrer. Dieser brach nämlich ab und somit steckte ein Teil im Zahn fest.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aua!&#8220;, sage ich, denn allein diese Vorstellung beschert mir Zahnschmerzen, wenn auch nur imaginär.</p>
<p>&#8222;Wenn du jetzt denkst&#8220;, fuhr mein Mann fort, &#8222;dass der Zahnarzt sofort den Bohrer aus dem Zahn gezogen hat, dann irrst du dich gewaltig. Mein Vater musste mit dem im Zahn steckenden Bohrer in den Garten des Mediziners marschieren, sich die Pläne bezüglich des Anbaus nochmals und in aller Ausführlichkeit erläutern lassen und dessen so dringliche Fragen beantworten. Der Bohrer schien total vergessen, zumindest auf Seiten des Zahnarztes.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ahhh! Schrecklich!!!&#8220;, kann ich gerade noch sagen, bevor mein Mann ins Behandlungszimmer gerufen wird und ich ihm insgeheim alles Gute wünsche. Zum Glück kommt er circa eine Viertelstunde später wieder gut gelaunt heraus und lässt sich die Folgetermine geben, ohne sich über einen abgebrochenen Bohrer zu beschweren oder eine Gartenbesichtigung machen zu müssen.</p>
<p>&#8222;Hat sich dein Vater dann eigentlich einen anderen Zahnarzt gesucht?&#8220;, frage ich noch leicht geschockt, doch die Antwort bleibt offen. Ich erhalte nur ein Schulterzucken und ein Grinsen.</p>
<p>Man könnte denken, die Geschichte sei erfunden, aber sie entspricht der Wahrheit und ist zu einem Teil unserer Familienüberlieferung geworden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="https://lifetellsstories.de/au-backe/">Au Backe</a></p>
<p><a href="https://lifetellsstories.de/die-kleinen-beisserchen/">Die kleinen Beißerchen</a></p>
<p><a href="https://lifetellsstories.de/jetzt-aergere-ich-mich-aber/">Jetzt ärgere ich mich aber…</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Auch das bin ich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Oct 2017 22:41:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dies & Das und sonst noch Was 2017]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Plauderecke]]></category>
		<category><![CDATA[Über mich]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Gäste]]></category>
		<category><![CDATA[Kaugummi]]></category>
		<category><![CDATA[Tankwart]]></category>
		<category><![CDATA[Tür]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich neulich in einer Buchhandlung stöberte, entdeckte ich ein Buch, das mein Interesse weckte. Ich griff  danach, blätterte es durch und erstand es.  Inzwischen hat es einen Platz in meinem Arbeitszimmer. Es handelt sich um „Das Buch der fast vergessenen Wörter“ von Petra Cnyrim*. Sie erklärt und zeigt den Ursprung bestimmter Wörter auf. Manche davon sind ganz verschwunden, andere sind im Begriff vergessen zu werden. Schon beim Durchblättern kamen Erinnerungen in mir hoch und eine Idee entstand: Ich möchte meinen Namen (Astrid Berg) auf solche Wörter und meine damit ganz persönlichen Erinnerungen durchforsten. Also lasst Euch überraschen, was dabei herausgekommen ist. A &#160; Als Kind trug ich im Winter einen Anorak und raste in einem Affenzahn auf meinem Schlitten den Hügel hinunter. Heute saust man vielleicht in einer mit Fell gefütterten Windjacke, in einer Skijacke oder in einer mit Daunen gepolsterten Kapuzenjacke&#8230; den Schneehang hinunter, aber keinesfalls in einem stinknormalen Anorak. Da ich 1960 geboren bin, war es in meiner Generation üblich, dass man im Laufe seines Weges zum Erwachsenwerden mit der Aussteuer ausgestattet &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als ich neulich in einer Buchhandlung stöberte, entdeckte ich ein Buch, das mein Interesse weckte. Ich griff  danach, blätterte es durch und erstand es.  Inzwischen hat es einen Platz in meinem Arbeitszimmer. </strong><strong>Es handelt sich um „Das Buch der fast vergessenen Wörter“ von Petra Cnyrim*. Sie erklärt und zeigt den Ursprung bestimmter Wörter auf. Manche davon sind ganz verschwunden, andere sind im Begriff vergessen zu werden.</strong><br />
<strong>Schon beim Durchblättern kamen Erinnerungen in mir hoch und eine Idee entstand: Ich möchte meinen Namen (Astrid Berg) auf solche Wörter und meine damit ganz persönlichen Erinnerungen durchforsten. Also lasst Euch überraschen, was dabei herausgekommen ist.</strong></p>
<p><span class="dropcap">A</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als Kind trug ich im Winter einen <strong>Anorak</strong> und raste in einem <strong>Affenzahn</strong> auf meinem Schlitten den Hügel hinunter. Heute saust man vielleicht in einer mit Fell gefütterten Windjacke, in einer Skijacke oder in einer mit Daunen gepolsterten Kapuzenjacke&#8230; den Schneehang hinunter, aber keinesfalls in einem stinknormalen Anorak.<br />
Da ich 1960 geboren bin, war es in meiner Generation üblich, dass man im Laufe seines Weges zum Erwachsenwerden mit der <strong>Aussteuer</strong> ausgestattet wurde. So bekam ich zum Beispiel von meinen beiden Patentanten zu Weihnachten, Ostern, Geburtstagen, Kommunion, Firmung und zu allen passenden Gelegenheiten Geschenke, die für meine Aussteuer bestimmt waren. Sie schenkten mir silberne Löffel, Gabeln, Messer, Bettwäsche, Handtücher, Geschirrtücher etc. . Damit sollte gewährleistet sein, dass ich bei der Hochzeit schon notwendige Utensilien zum gemeinsamen Hausstand beisteuern konnte.<br />
Die Großtante meines Mannes setzte gewissermaßen diese Tradition fort. Sie schenkte mir vor unserer Hochzeit  ebenfalls Handtücher, Geschirrtücher und Gästehandtücher.<br />
Mal ganz ehrlich, wir besitzen viele davon noch. Besonders von den Geschirrtüchern gibt es noch etliche. Ich musste mir bisher noch keine neuen anschaffen. Die Handtücher entsprechen weder unserem heutigen Geschmack, noch passen sie zu unseren Vorstellungen. Aber sie finden noch vielfältige Verwendung, zum Beispiel in der Garage.</p>
<p><span class="dropcap">S</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jedes Jahr zum 30. Oktober, am Weltspartag, marschierte ich als Kind mit meiner <strong>Sparbüchse</strong> zur Bank und zahlte mein gespartes Geld ein.<br />
Sonntags zog man mir mein <strong>Sonntagskeidchen</strong> an und meine Mutter machte den <strong>Sonntagsbraten</strong>. Da ich ein schlechter Esser war, nannte man mich auch manchmal einen <strong>Suppenkasper</strong>.<br />
Später in der Schule machte ich einen <strong>Schreibmaschine</strong>nkurs, den übrigens auch noch unser Sohn als Vorbereitung auf die Computerarbeit in der 10. Klasse belegte. Meine beiden Examensarbeiten (1. und 2. Staatsexamen) schrieb ich damals auf einer Schreibmaschine. Allerdings nutzte ich hierfür eine elektrische Schreibmaschine, was schon ein enormer Fortschritt war und für mich einen gewissen Luxus bedeutete.</p>
<p><span class="dropcap">T</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stellt Euch vor, damals gab es  <strong>Telefonzellen</strong> und man führte seine Telefongespräche noch räumlich abgegrenzt von den anderen Menschen, die sich auf der Straße befanden. Das hatte den Vorteil, dass nicht alle Umstehenden lautstark mitbekamen, was man der Freundin, dem Freund oder anderen Gesprächsteilnehmern am Ende der Leitung mitteilte. Ich erinnere mich, dass der Anruf bei der Telefonauskunft kostenlos war und wir manchmal unsere Späße mit dem Fräulein am anderen Ende machten.<br />
Zwar betankte ich mein Mofa und später mein Auto immer selbst, aber trotzdem lernte ich in meiner Kindheit und Jugend noch die Existenz eines <strong>Tankwart</strong>es kennen.<br />
Aber warum sollten wir denn immerzu nur mit dem Auto fahren? Bewegung war angesagt. Dafür erfand man den <strong>Trimm-dich-Pfad</strong>. Und wenn man abends müde vor dem Fernseher eingeschlafen war, dann wachte man möglicherweise erst beim <strong>Testbild</strong> wieder auf. Ich habe dieses Testbild noch genau vor meinem geistigen Auge.</p>
<p><span class="dropcap">R</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Mann beschwert sich, wenn Studenten statt eines wissenschaftlichen Taschenrechners einfach den im Handy integrierten Taschenrechner benutzen. Wie sich doch die Zeiten ändern. Obwohl wir auch schon zu Schulzeiten mit dem Taschenrechner fleißig rechnen mussten, lernten wir noch den Gebrauch des <strong>Rechenschieber</strong>s kennen. Ich gebe zu, dass ich ganz schön aufgeschmissen wäre, wenn ich jetzt dieses Gerät bedienen müsste. Im Gegensatz zu der heutigen jungen Generation, die keinerlei Vorkenntnisse bezüglich eines Rechenschiebers hat, könnte ich mich sicherlich wieder einarbeiten und das einst Gelernte aus meinem Gedächtnis hervor kramen.</p>
<p><span class="dropcap">I</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie viele Kinder hörte und las ich gerne Märchen. Im Studium belegte ich sogar ein Seminar zu diesem Thema und mein Erstes Staatsexamen schrieb ich dann auch über Märchen. Wie jeder weiß, begegnete Rotkäppchen dem bösen Wolf. Damals bezeichnete man ihn auch mit dem Namen „<strong>Isegrim</strong>“. Heute taucht diese Bezeichnung höchstens noch im Kreuzworträtsel auf, &#8211; wenn überhaupt.</p>
<p><span class="dropcap">D</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In meiner Kindheit machte man noch <strong>Dauerlauf</strong>. Heute joggt man, geht walken oder läuft einen Marathon, nur Dauerlauf macht niemand mehr.<br />
Wir bezahlten mit der DM (<strong>Deutschen Mark</strong>) und sprachen von einem <strong>Dutzend</strong>, wenn wir zum Beispiel zwölf Brötchen etc. meinten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span class="dropcap">B</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Großvater mütterlicherseits war Frisörmeister, den man damals als <strong>Barbier</strong> bezeichnete. Ganz verschwunden scheint dieses Wort jedoch noch nicht zu sein, denn auch in unserer Stadt gibt es heute wieder einen Barbier.<br />
Auch den Begriff „<strong>Butterberg</strong>“ lernte ich kennen und wusste, dass es einen Überschuss an Butter gab. Das erfuhr ich in den siebziger Jahren als Kind mal so nebenbei, als ich mit meiner Mutter freitags zum Wocheneinkauf ging.<br />
Wenn sich zwei <strong>Bengel</strong> tüchtig stritten, so konnte es schon mal passieren, dass der eine vom anderen eine <strong>Backpfeife</strong> erhielt und dann beleidigt mit seinem <strong>Bonanzafahrrad</strong> davon fuhr. Mein Mann kaufte sich vor ein paar Jahren eine Art „Retro-Bonanzafahrrad, bei welchem der Reifen des Hinterrades ebenso wie beim amerikanischen Original einen größeren Durchmesser hat. So erinnert das Bonanzafahrrad an eine Harley Davidson.</p>
<p><span class="dropcap">E</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir drückten damals unsere Überraschung oder Verwunderung ganz einfach mit einem einzigen Wort aus: &#8222;<strong>Eiderdaus</strong>!&#8220; Wir sammelten beispielsweise <strong>emsig</strong> Autogrammkarten und hielten manche super genauen Menschen für <strong>Erbsenzähler</strong>. Auch das bargeldlose Bezahlen kannten wir schon, allerdings nutzten wir hierfür den <strong>Eurocheque. </strong></p>
<p><span class="dropcap">R</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich kann mich noch genau an den roten <strong>Reisewecke</strong>r erinnern, den meine Tante besaß. Er war sehr handlich und man konnte ihn sozusagen zusammenklappen.<br />
Und mit <strong>Rollschuhen</strong> konnte ich ziemlich gut laufen. Wir trafen uns draußen auf der Straße in unserem Wohngebiet, auf der kaum Autos fuhren und dann liefen wir damit um die Wette. Ich weiß noch, dass eines Tages eine Schulfreundin hinfiel und sich den Arm brach. Und vor noch gar nicht allzu langer Zeit überlegte ich, ob ich es noch einmal versuchen sollte. Die Geschichte hierzu könnte Ihr gerne nachlesen: <a href="http://lifetellsstories.de/wenn-es-dem-esel-zu-wohl-ist/">Wenn es dem Esel zu wohl ist&#8230;</a></p>
<p><span class="dropcap">G</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kennt ihr noch den Kaugummiautomaten, den wir nur mit einem <strong>Groschen</strong> füttern mussten, damit er uns eine Kaugummikugel herausgab? Überhaupt konnte man für einen Groschen in meiner Kindheit noch einige Dinge kaufen, zum Beispiel einen Lutscher oder Brausestangen zum Lecken.<br />
Auch spielten wir in der Pause <strong>Gummitwist</strong> mit ausgedienten und aneinander geknoteten Gummis. Das machte riesigen Spaß.</p>
<p>Und ebenso viel Freude hat mir gerade die Erinnerung an fast oder ganz vergessene Dinge und Wörter gemacht, die in meiner Kindheit und Jugend noch total selbstverständlich waren.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>Sie gehören zu mir, wie mein Name an der Tür.</em></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-bin-ich-und-noch-viel-mehr/">Das bin ich &#8230; und noch viel mehr</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/ich-hab-da-eine-kleine-macke/">Ich hab&#8216; da eine kleine Macke</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/astrid-opa-und-das-eis/">Astrid, Opa und das Eis</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>*Petra Cnyrim, Das Buch der fast vergessenen Wörter, riva Verlag München, 2. Auflage 2017</p>
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		<title>Zwischen Kampf und Unterhaltung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2016 22:22:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Automat]]></category>
		<category><![CDATA[Flaschen]]></category>
		<category><![CDATA[Getränke]]></category>
		<category><![CDATA[Kampf]]></category>
		<category><![CDATA[Kaugummi]]></category>
		<category><![CDATA[Schlange]]></category>
		<category><![CDATA[Sortiment]]></category>
		<category><![CDATA[Trick]]></category>
		<category><![CDATA[Überredung]]></category>
		<category><![CDATA[Unterhaltung]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Welt wird mehr und mehr von Automaten beherrscht. Überall stehen sie rum und warten darauf von uns bedient zu werden. Meist funktionieren sie auf Knopfdruck, aber manchmal auch nicht. Dann wehren sie sich irgendwie gegen unsere Behandlung. Vielleicht haben wir die falschen Knöpfe gedrückt, zu leicht, zu fest oder zu lange gedrückt oder die Automaten sind in die Jahre gekommen und reagieren einfach nicht mehr. Möglicherweise führen sie auch eine Art Eigenleben. Ich denke gerade so vor mich hin: „Früher als Kind war unser erster Kontakt mit der Welt der heimtückischen Automaten, derjenige mit den Kaugummiautomaten. Zehner rein, gedreht und schon kullerte der Kaugummi heraus, Klappe auf, Kaugummi raus, in den Mund gesteckt und losgekaut.“ Vor meinem inneren Auge sehe ich mich mit meinen Freundinnen vor einem solchen Kaugummiautomat stehen. „So einfach war das damals“, überlege ich weiter. „Der nächste Kontakt war dann mit den Briefmarkenautomaten, was sich eigentlich auch ganz einfach gestaltete.“ Ich erinnere mich, dass man hierbei eine Kurbel drehen musste. „Dann waren da noch die Zigarettenautomaten, die ebenfalls einfach zu bedienen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Welt wird mehr und mehr von Automaten beherrscht. Überall stehen sie rum und warten darauf von uns bedient zu werden. Meist funktionieren sie auf Knopfdruck, aber manchmal auch nicht. Dann wehren sie sich irgendwie gegen unsere Behandlung. Vielleicht haben wir die falschen Knöpfe gedrückt, zu leicht, zu fest oder zu lange gedrückt oder die Automaten sind in die Jahre gekommen und reagieren einfach nicht mehr. Möglicherweise führen sie auch eine Art Eigenleben.</strong><br />
<span class="dropcap">I</span>ch denke gerade so vor mich hin: „Früher als Kind war unser erster Kontakt mit der Welt der heimtückischen Automaten, derjenige mit den Kaugummiautomaten. Zehner rein, gedreht und schon kullerte der Kaugummi heraus, Klappe auf, Kaugummi raus, in den Mund gesteckt und losgekaut.“ Vor meinem inneren Auge sehe ich mich mit meinen Freundinnen vor einem solchen Kaugummiautomat stehen.<br />
„So einfach war das damals“, überlege ich weiter. „Der nächste Kontakt war dann mit den Briefmarkenautomaten, was sich eigentlich auch ganz einfach gestaltete.“<br />
Ich erinnere mich, dass man hierbei eine Kurbel drehen musste.<br />
„Dann waren da noch die Zigarettenautomaten, die ebenfalls einfach zu bedienen waren“, wandere ich in Gedanken weiter.<br />
Selbst ich als Nichtraucher weiß, dass man das Geld in den Schlitz warf und dann die betreffende Schublade aufziehen musste und schon war die Zigarettenpackung greifbar. Heutzutage weiß ich allerdings nicht mehr, wie diese Automaten überhaupt funktionieren. Ich rauche nicht und habe mich deshalb auch nie mit einem solchen Automat, der jetzt den Personalausweis verlangt, auseinander gesetzt.<br />
Inzwischen bin ich total in Gedanken versunken und stelle so für mich fest, dass ich immer öfter Gespräche oder Kämpfe mit diversen Automaten ausführe.<br />
„Ja“, wandern meine Gedanken weiter, „ich unterhalte mich beispielsweise immer mit dem Ticketautomat am Bahnhof. Beim ersten Mal hat sich dieses Gespräch noch etwas schwierig gestaltet und ich musste ihm alles immer mehrmals sagen, bevor wir unser Gespräch mit dem entsprechenden Erfolg beenden konnten. Inzwischen funktioniert es manchmal auch wortlos. Keine Ahnung, an wem dies nun liegt. Vielleicht hat sich der Automat an mich oder ich mich an ihn gewöhnt. Aber wir kommen miteinander klar.“<br />
Bei diesen Überlegungen muss ich in mich hinein lächeln, anscheinend aber auch nach außen für jedermann sichtbar, denn mein Mann fragt mich plötzlich:<br />
„Was gibt es hier zu grinsen?“<br />
„Ach, eigentlich nichts. Das erzähle ich dir später, aber jetzt muss ich noch schnell in den Supermarkt Getränke holen!“<br />
„Prima, ich komme mit, denn ich will eben noch mal schnell in den Baummarkt.“<br />
Jetzt stelle ich noch Körbe und Taschen mit meinem Leergut in den Kofferraum und schon kann unsere Einkaufstour beginnen.<br />
„Lass mal!“, sagt Peter als wir am Parkplatz vor dem offenen Kofferraum stehen, „das mache ich schon!“<br />
Ich greife mir die Taschen mit den leeren Plastikflaschen und ihm überlasse ich die schweren Glasflaschen. Irgendwie merke ich schon, dass sich seine Schritte beschleunigen, je näher wir den beiden Leergutautomaten kommen. Ich glaube es macht ihm Spaß, die Flaschen in den Automat zu schieben. Nun gut, er macht es ja auch selten, also lasse ich ihm die Freude. Aber eigentlich will ich auch! Absolut kindisch ist das, ich weiß es. Wahrscheinlich ist das noch so ein Relikt aus der Sandkastenzeit, als jeder das Schippchen des anderen haben wollte.<br />
„Mit Sicherheit weiß Peter nicht, dass man diesen Automat mit Vorsicht genießen und diverse Überredungskünste beherrschen muss, damit dieser das Geforderte tut“, überlege ich noch.<br />
Da stehen wir auch schon vor ihm und stecken die Flaschen abwechselnd in die Öffnung. Das klappt aber nur bei den ersten drei Flaschen, dann weigert sich der Automat schon.<br />
„Also auf in den Kampf!“, denke ich mir und sage dann zu meinem Peter:<br />
„Lass mich mal!“ Du machst das nicht richtig. Der Automat ist dein Tempo nicht gewohnt, du machst das viel zu schnell.“<br />
„Ach Quatsch!“, meint mein Göttergatte. „So ein Automat muss das können, immerhin ist er dafür konstruiert.“<br />
„Trotzdem ist er wohl anderer Meinung. Warum sonst schiebt er immer wieder die Flasche zurück?!“<br />
Ich entnehme also die Flasche, um sie ganz vorsichtig und langsam wieder hinein zu legen. Ich warte ab, bis sie fast verschwunden ist und erst dann schiebe ich die nächste langsam nach.<br />
„Siehst du! Klappt doch!“<br />
Denkste! Schon verweigert er wieder den Gehorsam.<br />
„Was ist denn jetzt schon wieder los?“, richte ich meine Frage an den Flaschenautomat.<br />
„Hier steht es doch!“, sagt Peter und deutet mit dem Finger auf das Display. „Die Flasche gehört nicht in das Sortiment des Marktes“, liest er vor. „Wer weiß, wo du die gekauft hast?!“<br />
„Ach so ein Blödsinn“, erkläre ich. „Die habe ich hier gekauft.&#8220; Und zum Automaten gerichtet, füge ich hinzu: „Also nimm sie gefälligst auch wieder zurück!“<br />
Ganz vorsichtig schiebe ich die Bierflasche wieder in die Öffnung. Trotzdem erzählt er mir wieder dasselbe.<br />
„Aha“, kommt mir eine Idee. „Du willst also, dass ich diese Bügelflasche zumache. Okay, aber jetzt nimmst du sie!“<br />
Ja genau! Das funktioniert. Also machen wir jetzt alle Flaschen mit Bügelverschluss erst einmal zu und dann legt mein Mann siegessicher die nächste Flasche rein.<br />
„Die Flasche gehört nicht in das Sortiment des Marktes“, wiederholt der Automat.<br />
„Was willst du denn noch von mir?“, frage ich ihn. „Der Flaschenboden war zuerst drin, der Bügelverschluss ist zu. Was also magst du jetzt nicht?“<br />
Ich überlege kurz, dann erkläre ich meinem Mann: „Wirf erst einmal eine ganz andere Flasche ein und dann wieder eine von den Bierflaschen!“<br />
„Und was soll das bringen? Glaubst du etwa, dass er sich ablenken lässt?“<br />
Trotzdem befolgt mein Mann meine Anweisungen. Und was passiert? Mit diesem Trick funktioniert es plötzlich.<br />
„Du kennst dich wirklich aus!“, sagt Peter jetzt anerkennend zu mir und steckt die nächste Wasserflasche in die runde Öffnung.<br />
Wer glaubt, dass der Automat nun ergeben zu unseren Diensten ist, der täuscht sich gewaltig. Jetzt erklärt er uns nämlich, dass wir uns doch bitte an das Verkaufspersonal wenden sollen, denn der Auffangbehälter sei voll.<br />
„Komm, wir gehen zu dem anderen Automat“, sage ich und deute auf das zweite Exemplar gleich nebenan.<br />
Wir haben Glück, denn niemand steht davor, so dass wir sofort wechseln können. Das geht dann auch bei den ersten vier Flaschen recht flott, doch dann mokiert sich der Herr Automat darüber, dass die Flasche deformiert sei.<br />
„Jetzt hab dich mal nicht so“, versuche ich ihn einzuschüchtern. Vorsichtshalber drehe ich jedoch die Flasche so, dass der Scanner die deformierte Seite nicht erkennt. Ich habe Glück und der Automat ist mit diesem Trick einverstanden. Seltsamerweise akzeptiert er auch die nächsten fünf Flaschen ohne Probleme. Doch dann ist er schon wieder der Meinung, dass das Objekt in seiner Öffnung nicht aus dem Sortiment des Marktes stammt. Allerdings ist er schon befriedigt, als Peter den Scancode nach oben dreht.<br />
Völlig eingeschüchtert beseitigen wir die Deformierung der nächsten Plastikflasche, bevor wir sie mit angehaltenem Atem in die Öffnung schieben.<br />
„Uff!“, atme ich erleichtert auf. „Das wäre wieder einmal geschafft!“<br />
Als wir uns umdrehen, erkennen wir, dass sich hinter uns eine Schlange gebildet hat, die fast bis zum Ausgang des Marktes reicht. Außerdem blicken wir auch noch geradewegs in ein uns bekanntes Augenpaar.<br />
„Seid ihr verantwortlich für diese Schlange?“, fragt uns eine Frau aus dem Nachbarhaus in unserer Straße.<br />
Schnell schütteln wir den Kopf und lächeln total unschuldig. Im Grunde genommen sind wir das ja auch nicht, denn immerhin war es der Automat, der alles so verkompliziert hat.<br />
Aber ehrlich gesagt, hat es auch Spaß gemacht, denn: Wer außer uns führt schon eine solch interessante und anregende Unterhaltung mit einem Getränkeautomat?</p>
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		<title>Igitt! Muss das sein?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2016 22:09:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Für Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Vorgarten der Villa, in der auch Professor Konfusi mit seiner Frau wohnt, steht ein Vogelhäuschen. Oma Schmidt aus dem Erdgeschoss schüttet gerade eine Handvoll Sonnenblumenkerne hinein und befestigt einen neuen Meisenknödel. „So“, sagt sie zufrieden. „Jetzt können sie alle wieder kommen. Es ist genügend für alle Vögelchen da!“ Sie wirft einen Blick nach oben zu den Fenstern im dritten Stock. Dort oben hämmert und rumort es schon seit Wochen. Die Handwerker bauen die Dachgeschosswohnung aus und um. Aber in ein paar Tagen sind sie endlich fertig. Und neue Mieter gibt es auch schon. Ein junges und unverheiratetes Pärchen soll angeblich einziehen. „Naja, so etwas gab es früher bei uns nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert und manches ist einfach anders als früher“, denkt die alte Dame. Oma Schmidt schlurft über den Hof. Alles geht nicht mehr so schnell wie früher und die Beine, besser gesagt die Knie tun ihr bei jedem Schritt weh. Deshalb hebt sie die Füße auch nicht mehr so richtig. Schon als sie wieder das Treppenhaus betritt, merkt sie, dass &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Vorgarten der Villa, in der auch Professor Konfusi mit seiner Frau wohnt, steht ein Vogelhäuschen. Oma Schmidt aus dem Erdgeschoss schüttet gerade eine Handvoll Sonnenblumenkerne hinein und befestigt einen neuen Meisenknödel. </strong><br />
<strong>„So“, sagt sie zufrieden. „Jetzt können sie alle wieder kommen. Es ist genügend für alle Vögelchen da!“</strong><br />
<span class="dropcap">S</span>ie wirft einen Blick nach oben zu den Fenstern im dritten Stock. Dort oben hämmert und rumort es schon seit Wochen. Die Handwerker bauen die Dachgeschosswohnung aus und um. Aber in ein paar Tagen sind sie endlich fertig. Und neue Mieter gibt es auch schon. Ein junges und unverheiratetes Pärchen soll angeblich einziehen.<br />
„Naja, so etwas gab es früher bei uns nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert und manches ist einfach anders als früher“, denkt die alte Dame.<br />
Oma Schmidt schlurft über den Hof. Alles geht nicht mehr so schnell wie früher und die Beine, besser gesagt die Knie tun ihr bei jedem Schritt weh. Deshalb hebt sie die Füße auch nicht mehr so richtig.<br />
Schon als sie wieder das Treppenhaus betritt, merkt sie, dass irgendetwas an ihrer Schuhsohle klebt. &#8222;Igitt!&#8220;, denkt sie und versucht es am Fußabstreicher abzustreifen, aber es gelingt ihr nicht. Nachsehen kann sie auch nicht, denn dafür muss sie sich hinsetzen und die Schuhe erst ausziehen.<br />
Als sie dann in ihrem Wohnungsflur auf dem Stuhl sitzt, den sie extra dort stehen hat, um die Schuhe an- und ausziehen zu können, entdeckt sie die eklige Angelegenheit an ihrer Schuhsohle. Nein, dieses Zeug, in das sie jetzt schon zum dritten Mal innerhalb einer Woche getreten ist, stinkt nicht. Aber es zieht sich in die Länge und klebt dermaßen fest, dass es eine Kunst ist, es von der Schuhsohle wieder zu entfernen.<br />
„Ach“, sagt Frau Konfusi, die gerade für Oma Schmidt einen kleinen Topf mit dampfender Erbsensuppe bringt. „Das ist mir letzte Woche auch zweimal passiert. Die Dinger liegen hier in unserem Hof und auf dem Bürgersteig direkt vor unserem Haus anscheinend massenhaft herum.“<br />
„Ihr Mann, der Herr Professor, sollte unbedingt mal mit Marco sprechen“, fordert Oma Schmidt. „Ich habe den Jungen in Verdacht, dass er überall seine Kaugummis einfach nur in die Gegend spuckt. Und Unsereins sieht nicht mehr so gut und tritt dann hinein. Das muss man den Kindern unbedingt erklären, dass das so nicht geht. Das ist einfach nur ekelig und muss wahrhaftig nicht sein. Früher gab es das nicht.“<br />
Frau Konfusi verspricht Oma Schmidt, dass sie ihrem Mann diese Bitte ausrichtet.  „Mein Mann versteht sich prima mit dem Jungen und er hält große Stücke auf ihn. Er betont immer wieder, dass Marco ein feiner Kerl ist, der genau weiß, was sich gehört. Deshalb kann ich mir gar nicht vorstellen, dass der Junge so rücksichtslos ist und seine Kaugummis einfach auf den Weg spuckt. Aber ich werde es meinem Mann ausrichten, dass Sie diesen Verdacht hegen.“<br />
„Irgendwie müssen die Dinger ja wohl bei uns auf den Weg kommen, vom Himmel fallen sie ja nicht“, sagt Oma Schmidt leicht verärgert. Doch dann löffelt sie ihre Suppe und hat das leidige Thema auch sogleich vergessen.<br />
Der Zufall will es, dass Marco schon am nächsten Tag an der Wohnungstür von Professor Konfusi und dessen Frau klingelt.<br />
„Herr Professor“, beginnt er etwas schüchtern. „Wir haben da in der Schule ein so komisches Aufsatzthema bekommen, mit dem ich nichts anfangen kann. Vielleicht könnten sie mir da einen Tipp geben.“<br />
„Ich bin zwar nicht Allwissend, aber vielleicht kann ich dir doch ein bisschen helfen. Aber erzählen musst du mir schon, worum es eigentlich geht und wie dein Aufsatzthema heißt“, ermuntert der ältere Mann den Jungen.<br />
„Unsere Lehrerin hat nur ein einziges Wort an die Tafel geschrieben und wir sollen was aus dem täglichen Leben dazu schreiben.“<br />
„Und wie lautet dieses Wort? Ich bin schließlich kein Gedankenleser“, zieht Professor dem Jungen sozusagen die Würmer aus der Nase.<br />
„<em><strong>Ärgernis</strong></em>!“, sagt Marco und zuckt mit den Schultern. „Da fällt mir nur ein, dass ich mich jeden Morgen ärgere, dass ich so früh aufstehen muss, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Aber das will mein Banknachbar schon schreiben. Tina schreibt, dass sie sich ärgert, weil sie nicht so lange fernsehen darf und Tom erzählt von einem total verregneten Urlaub. Mir fällt aber rein gar nichts ein“, sprudelt es jetzt aus Marco heraus.<br />
„Na, das ist ja wohl auch schon ein Ärgernis!“, lacht Professor Konfusi. „Wenn auch ein ziemlich langweiliges.“<br />
„Sehen Sie“, bestätigt Marco, „mir fallen nur solche langweiligen Kinkerlitzchen ein. Aber wenn ich eine gute Note haben will, dann muss es schon etwas Besonderes sein. Immerhin war mein letzter Aufsatz nicht so berühmt. Ich brauche also was zum Ausgleich.“<br />
Marco sieht den Professor flehend an. Dieser kratzt sich nachdenklich am Kopf und fragt den Jungen:<br />
„Sag mal Marco, möchtest du einen Kaugummi?“<br />
„Wieso?“, antwortet Marco völlig verdutzt mit einer Gegenfrage und fügt dann kopfschüttelnd hinzu: „Ich trage doch eine Zahnspange und da hängt sich Kaugummi immer so rein und das ist total ärgerlich. Deshalb darf ich überhaupt keinen Kaugummi kauen.“<br />
„Siehst du, das wäre doch schon was“, meint Professor Konfusi, erntet aber von Marco nur ein einsilbiges<br />
„Mmmh?!“<br />
„Zugegeben, das ist auch noch nicht der Hit, aber ich habe da neulich was gelesen. Wo ist denn nur der Artikel. Irgendwo in einer Zeitung von meiner Frau stand das doch“, murmelt der Professor gedankenverloren vor sich hin und sucht im Zeitungsständer. „Wo hast du nur die Illustrierte von letzter Woche hingelegt?“, fragt er seine Frau, die gerade das Wohnzimmer betritt.<br />
„Ach“, antwortet Frau Konfusi, „die liegt auf dem Tischchen neben dem Fernsehsessel. Ich habe vorhin erst das Kreuzworträtsel darin gelöst.“<br />
„So, hier ist der Artikel!“<br />
Professor Konfusi reicht dem Jungen die aufgeschlagene Zeitung und meint nur:<br />
„In Großbritannien bezahlt jeder, der einen Kaugummi auf die Straße spuckt und dabei erwischt wird, umgerechnet 110 Euro Strafe. Lies mal, was hier in dem rot umrandeten Kasten steht! Wenn <em>das</em> kein Ärgernis ist!“<br />
Marco greift nach der Illustrierten und liest laut vor:</p>
<p><em><strong>„Kaugummi-Beseitigung kostet deutsche Kommunen jährlich 900 Millionen Euro. </strong></em></p>
<p><em><strong>Ein einziges Kaugummi zu entfernen dauert zwei Minuten. </strong></em></p>
<p><em><strong>Auf einem Quadratmeter Fußweg kleben im Schnitt 80 ausgespuckte Kaugummis.“*</strong></em></p>
<p>&#8222;Wahnsinn!&#8220;, schiebt Marco total überrascht hinterher.<br />
„Ja, ja!“, meint Frau Konfusi. „Und Oma Schmidt ist diese Woche in unserem Hof dreimal in so ein klebriges Ding getreten. Sie ist total verärgert.“<br />
„Ich auch!“, bestätigt Marco. „Das ist übrigens der Handwerkslehrling aus dem dritten Stock, der spuckt die ausgekauten Dinger überall rum. Total eklig ist das! Und obendrein ärgerlich, wenn man reintritt!“<br />
„Womit auch dieses Rätsel gelöst und Marco rehabilitiert wäre“, sagt Professor Konfusi lächelnd. Doch Marco hört dies schon gar nicht mehr. Er ist bereits an der Wohnungstür und ruft Herrn und Frau Konfusi nur noch ein<br />
„Dankeschön für den prima Tipp!“ zu. Dann fällt auch schon die Wohnungstür ins Schloss.</p>
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<p>*Zitat aus: Winnie Beckmann und Lena Köster, &#8222;Kaugummis gehören in den Müll, nicht auf die Straße&#8220;,  in: Bild der Frau, Nr. 47/2015 S. 82</p>
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