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	<title>Ehrenplatz &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>In die Jahre gekommen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jun 2019 17:45:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenplatz]]></category>
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		<category><![CDATA[Zickzack]]></category>
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					<description><![CDATA[„Jung bin ich nicht mehr, aber immer noch nett anzusehen. Leider ist mein Geburtsdatum irgendwie in Vergessenheit geraten, genauso wie mein Geburtsort. Wenn ich es mal so gedanklich überschlage, dann müsste ich so langsam aber sicher auf die neunzig zugehen. Meine Haube hat schon ein paar Macken und meine kleine Ablagefläche auch, aber eingestaubt bin ich dank der guten Pflege noch nicht. Mit ein bisschen Politur für das Holz, Farbe für mein Gestell, einem neuen Lederriemen, eine neue Nadel und ein paar Tropfen Öl für die Maschine komme ich doch glatt wieder in Schwung.  Naja, mit den jungen Dingern kann ich nicht mehr so recht mithalten. Die sind einfach schneller als ich. Aber in meinem Alter ist man eben ein bisschen langsamer. Auch der ganze neumodische Kram ist mir fremd und programmieren lasse ich mich schon gar nicht. Im Leben kommt es nicht immer auf Schnelligkeit an, aber ich muss sagen, Zickzack und Geradeaus klappt immer noch ganz prima bei mir. Wenn man so wie ich in die Tage gekommen ist, dann denkt man schon &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Jung bin ich nicht mehr, aber immer noch nett anzusehen. Leider ist mein Geburtsdatum irgendwie in Vergessenheit geraten, genauso wie mein Geburtsort. Wenn ich es mal so gedanklich überschlage, dann müsste ich so langsam aber sicher auf die neunzig zugehen. Meine Haube hat schon ein paar Macken und meine kleine Ablagefläche auch, aber eingestaubt bin ich dank der guten Pflege noch nicht. Mit ein bisschen Politur für das Holz, Farbe für mein Gestell, einem neuen Lederriemen, eine neue Nadel und ein paar Tropfen Öl für die Maschine komme ich doch glatt wieder in Schwung. </strong></p>
<p><span class="dropcap">N</span>aja, mit den jungen Dingern kann ich nicht mehr so recht mithalten. Die sind einfach schneller als ich. Aber in meinem Alter ist man eben ein bisschen langsamer. Auch der ganze neumodische Kram ist mir fremd und programmieren lasse ich mich schon gar nicht. Im Leben kommt es nicht immer auf Schnelligkeit an, aber ich muss sagen, Zickzack und Geradeaus klappt immer noch ganz prima bei mir.<br />
Wenn man so wie ich in die Tage gekommen ist, dann denkt man schon gar manches Mal an früher und lässt sein Leben an sich vorüber ziehen. Von Kindheitstagen an habe ich viel gearbeitet, manchmal wurde ich sacht und manchmal schwer und hart getreten. Aber ich habe immer tapfer weiter gearbeitet und unermüdlich meinen Dienst verrichtet. Ja, manchmal gab es kleine Zwischenfälle. Wenn man mir zuviel zugemutet hatte, konnte es schon mal vorkommen, dass es zu Brüchen oder anderen Verschleißerscheinungen kam. In den meisten Fällen jedoch kam nur eine neue Nadel zum Einsatz. Mehrmals wurde ich jedoch in meinem Leben so stark und schnell getreten, dass die Erneuerung des Lederriemens unvermeidbar war. Sparsam war ich mein ganzes Leben lang. Strom und Elektronik sind für mich Fremdwörter. Allein die Antriebskraft meiner Gebieterin und der eigene daraus resultierende Schwung weckte bei mir die Lebensgeister und ließ mich auf Hochtouren laufen. Ohne mich selbst zu loben, kann ich von mir sagen, dass ich meine Arbeit immer zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten erledigt habe. Ich hatte ein erfülltes Leben. Und nun genieße ich meinen wohlverdienten Ruhestand. Doch es hätte auch anders kommen können. Ob es jetzt Glück, Zufall oder Bestimmung war, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Ich bin jedoch froh, dass es so gekommen ist, wie es jetzt ist.<br />
Ich habe ganz viele Jahre meine treuen Dienste bei einer lieben und fleißigen Frau geleistet. Sie hat mir viel abverlangt. Manchmal musste ich auch nachts arbeiten, wenn die anderen schon schliefen. Dafür konnte ich dann tagsüber ruhen, aber sie musste auch dann arbeiten. Sie versorgte ihren Haushalt, kümmerte sich um ihren Mann und die gemeinsamen Kinder. Die Zeiten, besonders im Krieg und danach, waren hart und alle Menschen mussten schwer arbeiten. Es fehlte an Geld und oft auch an Nahrung und Kleidung. Ohne mich wäre die Familie jedoch noch ärmer gewesen. Ich half beim Überleben. Damals zum Beispiel als des Schusters Kinder neue Kleider brauchten, war ich da und nähte zwei Nächte und zwei Tage. Dafür bekam die Frau, die mich bediente, ein paar neue Schuhe für sich und ihr Kind. Auch die Bäckersfrau hätte ohne mich keine neuen Gardinen und der Metzger keinen neuen Kittel bekommen. Als Gegenleistung gab es Brot und Wurst dafür.<br />
Später, als die Zeiten besser waren, nähte ich das Hochzeitskleid für die liebe Frau oder das Taufkleid für ihr Kind. Manchmal musste ich stopfen, ändern, kürzen oder etwas weiter beziehungsweise enger nähen, aber nichts machte mir so viel Freude wie etwas neu zu erschaffen und damit Menschen glücklich und anziehend zu machen. Für mich gab es nach getaner Arbeit immer ein sanftes Streichen über meine Oberfläche, was für mich einem großen Lob gleich kam.<br />
Die Jahre vergingen und ehe ich mich versah, wurde ich immer weniger gebraucht. Ich wurde nicht mehr so schnell und auch nicht mehr so hart getreten. Naja, wenn ich ehrlich bin, ein wenig müde war ich inzwischen auch geworden. Aber zum alten Eisen gehörte ich trotzdem noch nicht. Auch sprach man jetzt von den neueren und jüngeren Modellen, die mit allen möglichen Raffinessen ausgestattet waren und flink und fehlerlos ihre Arbeit verrichteten. Allerdings muss ich sagen, ohne Strom geht bei ihnen nichts. Ich hingegen war und bin immer und überall einsatzbereit.<br />
Dann kam, was kommen musste. Ein letztes Mal wurde meine Schublade geöffnet, ein Faden durch das Nadelöhr gezogen. Zum letzten Mal wurde ein Stoff unter meinem Füßchen hindurch gezogen und ein letztes Mal vereinten sich Stoff und Faden und ließen mit Hilfe der Nadel eine saubere und gerade Naht entstehen. Danach schloss sich meine Schublade zum vorerst letzten Mal und senkte sich die Haube endgültig über mich.<br />
Die liebe und fleißige Frau, die mich immer bedient hatte, war für immer gegangen. Man hatte sie zu Grabe getragen und ich stand nun unbeachtet in einer Ecke der Wohnung. Traurigkeit breitete sich aus. Ich dachte schon, dass auch mein letztes Stündlein geschlagen hätte und ich sah mich schon beim Sperrmüll. Sicher würde ich zu irgendwelchem Unrat hinzu geworfen. Teile würden abbrechen, mein Holz würde splittern und mein Leben wäre ausgehaucht.<br />
Doch dann geschah das, was ich heute Fügung nennen möchte. Der Ehemann der lieben verstorbenen Frau wollte nicht mehr einsam sein und wagte sich wieder unter Menschen. Er ging hin und wieder in einen Altenclub. Dort traf er eine Oma dessen Enkelsohn gerade mit seiner zukünftigen Frau eine gemeinsame Wohnung beziehen wollte. Leider mangelte es den jungen Leuten nicht nur an Geld, sondern auch an Möbelstücken und anderen Dingen. Die beiden alten Leutchen kamen miteinander ins Gespräch und noch am selben Tag wechselte ich meinen Wohnort, mitsamt dem kompletten Inhalt meiner Schublade. Zuerst kam ich zu der Oma, wurde aber dann abgeholt und landete im Wohnzimmer bei dem jungen Pärchen. Sie polierten und wienerten mich, so dass ich bald wieder in meiner vollen Schönheit erstrahlte. Ich sollte noch dreimal mit meinen Besitzern umziehen. Ich erlebte wie sie eine Familie wurden und ein Baby kam, das Kind heranwuchs und erwachsen wurde. Doch jetzt hat man mir schon seit mehr als zwanzig Jahren einen Ehrenplatz zugewiesen, an dem ich von jedem der im Haus ein und aus geht, gesehen werde. Ich werde gelobt, gepflegt und gehütet. Man spricht in lobenden Worten über mich und streicht achtungsvoll über meine Haube und manchmal lüftet man diese, um mich stolz zu präsentieren. Und Lottchen, das kleine Kätzchen, streicht schmeichelnd um mein Gestell. Hier bin ich zu Hause, rundum zufrieden und glücklich.“</p>
<p>Und hier noch ein paar Fotos von mir:</p>
<p>Das &#8222;Singer&#8220;-Zeichen auf der Haube</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Zeichen.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-1162 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Zeichen-1024x682.jpg" alt="1200px-Zeichen" width="840" height="559" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Zeichen-1024x682.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Zeichen-300x200.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Zeichen-840x560.jpg 840w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Zeichen.jpg 1200w" sizes="(max-width: 840px) 100vw, 840px" /></a></p>
<p>Die Nähmaschine</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Maschine-m.-Gestell.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-1155 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Maschine-m.-Gestell-1024x682.jpg" alt="1200px-Maschine m. Gestell" width="840" height="559" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Maschine-m.-Gestell-1024x682.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Maschine-m.-Gestell-300x200.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Maschine-m.-Gestell-840x560.jpg 840w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Maschine-m.-Gestell.jpg 1200w" sizes="(max-width: 840px) 100vw, 840px" /></a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Naehmaschine-1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-1523 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Naehmaschine-1-1024x682.jpg" alt="1200px-Naehmaschine 1" width="840" height="559" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Naehmaschine-1-1024x682.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Naehmaschine-1-300x200.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Naehmaschine-1-840x560.jpg 840w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Naehmaschine-1.jpg 1200w" sizes="(max-width: 840px) 100vw, 840px" /></a></p>
<p>Das Zeichen am Gestell</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Gestell.-JPG.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1158 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Gestell.-JPG-1024x682.jpg" alt="1200px-Gestell. JPG" width="840" height="559" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Gestell.-JPG-1024x682.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Gestell.-JPG-300x200.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Gestell.-JPG-840x560.jpg 840w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Gestell.-JPG.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px" /></a></p>
<p>Das Pedal</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Pedal.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1160 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Pedal-1024x682.jpg" alt="1200px-Pedal" width="840" height="559" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Pedal-1024x682.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Pedal-300x200.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Pedal-840x560.jpg 840w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Pedal.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px" /></a></p>
<p>Der Schubladeninhalt</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Schubladeninhalt.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1161 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Schubladeninhalt-1024x682.jpg" alt="1200px-Schubladeninhalt" width="840" height="559" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Schubladeninhalt-1024x682.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Schubladeninhalt-300x200.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Schubladeninhalt-840x560.jpg 840w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2015/06/1200px-Schubladeninhalt.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
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		<title>Mr. Stoneman’s friend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Mar 2017 22:35:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich traf Mr. Stoneman durch Zufall auf einer Sonneninsel im Atlantik. Er lag dort faul am Strand und sonnte sich. Bis zu diesem besagten Tag hätte ich nicht im Entferntesten gedacht, dass mir einmal die Ehre zuteilwerden würde seine Bekanntschaft zu machen, zumal mir bis dato auch noch nie etwas von seiner Existenz zu Ohren gekommen ist. Aber das Schicksal geht manchmal seltsame Wege, führt zusammen und trennt aber auch wieder. Trotzdem bin ich froh seine Bekanntschaft gemacht zu haben und ich muss sagen, dass ich ohne ihn nicht da wäre, wo ich heute bin. Zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens war ich ein Niemand, verloren unter vielen Gleichgesinnten. Allein die Tatsache in seiner Nähe zu sein, war ein Glückstreffer, der meinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte. Zuvor war mein Leben nicht immer einfach gewesen, es gab viele Höhen und Tiefen und verlief ziemlich planlos. Ich erwartete nichts mehr vom Leben und glaubte nicht mehr daran, dass das Leben mir noch bessere Tage bescheren sollte. Ich würde in alle Ewigkeit irgendwo vor mich hinexistieren. Doch das Zusammentreffen mit &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich traf Mr. Stoneman durch Zufall auf einer Sonneninsel im Atlantik. Er lag dort faul am Strand und sonnte sich. Bis zu diesem besagten Tag hätte ich nicht im Entferntesten gedacht, dass mir einmal die Ehre zuteilwerden würde seine Bekanntschaft zu machen, zumal mir bis dato auch noch nie etwas von seiner Existenz zu Ohren gekommen ist. Aber das Schicksal geht manchmal seltsame Wege, führt zusammen und trennt aber auch wieder. Trotzdem bin ich froh seine Bekanntschaft gemacht zu haben und ich muss sagen, dass ich ohne ihn nicht da wäre, wo ich heute bin.</strong></p>
<p><span class="dropcap">Z</span>um Zeitpunkt unseres Kennenlernens war ich ein Niemand, verloren unter vielen Gleichgesinnten. Allein die Tatsache in seiner Nähe zu sein, war ein Glückstreffer, der meinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte. Zuvor war mein Leben nicht immer einfach gewesen, es gab viele Höhen und Tiefen und verlief ziemlich planlos. Ich erwartete nichts mehr vom Leben und glaubte nicht mehr daran, dass das Leben mir noch bessere Tage bescheren sollte. Ich würde in alle Ewigkeit irgendwo vor mich hinexistieren. Doch das Zusammentreffen mit Mr. Stoneman gab mir wieder Hoffnung, die sich auch erfüllen sollte, allerdings anders als gedacht.<br />
Wer das Foto von Mr. Stoneman genau betrachtet, kann mich sogar entdecken. Ich befinde mich in der äußersten linken Ecke und bin einer der drei unscheinbaren Steine.<br />
Einst war ich Bestandteil eines gewaltigen Felsens im Atlantik. Dieser Fels trotzte allen Naturgewalten, egal ob es sich um Stürme, unwetterartige Regengüsse, den Himmel durchzuckende Blitze oder riesige Wellen handelte, die ihn zu zerstören drohten. Die Jahrhunderte vergingen, doch dann kam der Tag, an dem die Naturgewalten siegten. Der Fels wurde durch ein Seebeben in seinen Grundfesten erschüttert und verlor an Substanz. Gestein bröckelte ab und fiel ins tiefe dunkle Meer. Auch ich brach von dem Fels ab. Viele Jahrhunderte lag ich in den Tiefen und wurde vom Meer überspült. Weitere Seebeben kamen und gingen. Ich wurde weiter und weiter gespült und meine Form veränderte sich. Ich wurde kleiner, runder und glatter geschliffen. Fische und Schiffe schwammen über mich hinweg. Ich ahnte nicht, dass ich mich nach vielen weiteren Jahrhunderten in der Nähe einer Atlantikinsel befand. Bei einem gewaltigen Sturm, der ein erneutes Seebeben auslöste, wurde ich kurz vor die Küste gespült. Inmitten von vielen anderen tausend und abertausenden von Steinen wurde ich immer wieder durchgerüttelt. Bedingt durch die Wellen prallte ich mit den anderen Steinen zusammen und landete nach einer halben Ewigkeit am Strand. Inzwischen war ich nur noch handtellergroß. Ich war keine besondere Schönheit, schlicht und einfach nur ein grauer Stein. Ich glitzerte nicht im Sonnenlicht und war mehr als nur unscheinbar. Doch das Schicksal meinte es gut mit mir.<br />
Wie ich schon bald erkennen sollte, war ich auf einer Urlaubsinsel gestrandet. So kam es, dass eine Familie mit einem etwa fünfjährigen Jungen den Strand entlang spazierte.<br />
„Mir ist langweilig und mir tun die Füße weh“, hörte ich den Jungen zu seinen Eltern sagen.<br />
„Ich hab da eine Idee“, meinte der Vater zu dem Jungen, um ihn von seinen schmerzenden Füßen und der Müdigkeit abzulenken. „Du musst aber ganz viele große und kleine Steine sammeln, aus denen wir dann etwas bauen.“<br />
Der Junge war sofort Feuer und Flamme und sammelte in seinem Eimerchen ein paar Steine. Auch mich legte er in seinen Eimer, allerdings ohne mir große Beachtung zu schenken. Vater und Mutter trugen ebenfalls Steine zum Sandstrand und legten sie an einer Stelle ab.<br />
„Was wollen wir bauen?“, fragte der Vater, „Einen Turm oder wollen wir nur eine Sandburg bauen und die Steine als Mauer benutzen?“<br />
„Nein!“, sagte der Junge entschieden. „Ich will, dass wir einen Steinmann bauen.“<br />
Tja, was soll ich lange erzählen? So entstand Mr. Stoneman. Für mich hatte man allerdings keinerlei Verwendung. Mr. Stoneman war auch ohne mich vollkommen und perfekt. Achtlos ließ man mich mit zwei anderen Steinen einfach links liegen. Eigentlich war ich zufrieden und schloss mit Mr. Stoneman eine wunderbare Freundschaft. Doch das Schicksal hatte noch etwas anderes mit mir vor.<br />
Viele Menschen marschierten an Mr. Stoneman vorbei und bewunderten ihn. Niemand beachtete mich. Doch das sollte sich ändern, als ein Studentenpärchen unweit von uns auf einer Bank saß. Ich konnte ihre Unterhaltung hören, denn der Wind trug die Worte zu mir herüber.<br />
„Unser Geld geht langsam zur Neige“, sagte die junge Frau. „Wenn wir unsere Reise nicht abbrechen wollen, sollten wir uns überlegen, wie wir ein bisschen Geld verdienen können.“<br />
„Du hast recht. Lass uns Ideen sammeln!“, pflichtete der junge Mann seiner Freundin bei.<br />
„Ich hab’s!“, rief er plötzlich aus.<br />
Leider konnte ich seine Worte jetzt nicht mehr verstehen, da sich der Wind gedreht hatte und sie nun in eine andere Richtung trug. Doch ich sollte seine Idee sozusagen am eigenen Leib erfahren. Ein paar Minuten später hob mich nämlich die Frau auf und betrachtete mich eingehend. Sie warf mich mit ein paar anderen ausgewählten Steinen in ihren Rucksack. Hier herrschte ein heilloses Durcheinander. Ich konnte allerdings nicht erkennen, was alles so herum lag, denn es war sehr dunkel in diesem Rucksack.<br />
Nach einer kleinen Weile wurde ich mit den anderen Steinen ausgepackt und neben einen Pinsel und mehrere Farbtöpfe gelegt. Nun fing die Frau an mich zu bemalen. Sie malte eine Landschaft, bestehend aus einem Berg, dem Meer, Palmen auf einer Wiese und einem kleinen weißen Haus. Auch die anderen Steine wurden derartig verziert. Nachdem wir alle in der Sonne getrocknet waren, wurden wir wieder im Rucksack verstaut. Am nächsten Tag breitete man uns auf einer Decke in der Fußgängerzone aus.<br />
„Schau mal, die sind aber hübsch!“, rief plötzlich eine Frau aus und kam auf uns zu.<br />
„Wollen wir uns ein kleines Mitbringsel mit nach Hause nehmen?“, fragte ihr Mann. „Schau mal dieser hier ist doch sehr hübsch und würde sich sicherlich auf der Fensterbank oder sogar in einem Blumentopf sehr schön machen.“<br />
Der Mann nahm mich in die Hand und reichte mich nach ausgiebiger Betrachtung an seine Frau weiter, die mich ebenfalls als hübsch befand. Für ein paar Münzen kauften sie mich dem Studentenpärchen ab und schon wurde ich wieder in eine Tasche gesteckt. Dieses Mal war es die Hosentasche des Mannes. Von dort wanderte ich auf einen Tisch in einem Hotelzimmer, danach in einen Koffer, der zuerst im Laderaum eines Flugzeuges und danach im Kofferraum eines Autos verstaut wurde. Als ich wieder aus dem Koffer heraus genommen wurde, befand ich mich in einem anderen Land. Jetzt legte man mich mal da hin und mal dort hin, bis man meinen endgültigen Platz fand. Nun liege ich unter einer wunderschönen grünen Zimmerpflanze. Ich bin angekommen, rundum glücklich und freue mich meines Lebens. Und das habe ich alles nur meiner Freundschaft mit Mr. Stoneman zu verdanken. Ohne ihn wäre ich sicherlich nicht das, was ich heute bin, &#8211; ein wunderschöner Stein an einem Ehrenplatz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-4077 size-large" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/03/1200px-IMG_5784-1024x768.jpg" width="840" height="630" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/03/1200px-IMG_5784-1024x768.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/03/1200px-IMG_5784-300x225.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/03/1200px-IMG_5784-768x576.jpg 768w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2017/03/1200px-IMG_5784.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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