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	<title>Kennenlernen &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Anton</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jul 2023 21:01:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Eis]]></category>
		<category><![CDATA[Kennenlernen]]></category>
		<category><![CDATA[Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Streifen]]></category>
		<category><![CDATA[unheimlich]]></category>
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					<description><![CDATA[Sabine, genannt Bienchen, ist mit ihren Eltern am Meer. Genauer gesagt am Mittelmeer, auf einer Insel. Bienchen ist erst 5 Jahre und dies ist ihre zweite Reise zum großen Wasser, wie sie das Meer nennt. Heute sind sie auf Besichtigungstour. Das ist ein bisschen langweilig, denn sie spielt am liebsten am Strand und baut mit ihrem Paps Burgen oder plantscht mit Mama und Papa im seichten Wasser. Während ihre Eltern die Aussicht bewundern, schleckt sie ein Eis und sieht sich nach interessanteren Dingen um. Doch hier ist nicht viel. Sie sieht eine kleine Kapelle, ein paar Felsen, das Meer und den Himmel über ihnen. Doch dort vorne huscht etwas um die Ecke. Ein kleines Kätzchen. Sie läuft ihm entgegen, in der Hoffnung, dass es sich streicheln lässt. Dabei verliert sie ihren inzwischen leeren Eisbecher. Achtlos lässt sie ihn liegen. „Hey, du da!“, hört sie auf einmal jemand rufen. „Was soll das denn?“ Sie dreht sich erschrocken um, kann aber niemand erkennen. Doch dann hört sie die leicht verärgerte Stimme schon wieder. „Haben deine Eltern dir &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sabine, genannt Bienchen, ist mit ihren Eltern am Meer. Genauer gesagt am Mittelmeer, auf einer Insel. Bienchen ist erst 5 Jahre und dies ist ihre zweite Reise zum großen Wasser, wie sie das Meer nennt. Heute sind sie auf Besichtigungstour. Das ist ein bisschen langweilig, denn sie spielt am liebsten am Strand und baut mit ihrem Paps Burgen oder plantscht mit Mama und Papa im seichten Wasser.</strong></p>
<p><span class="dropcap">W</span>ährend ihre Eltern die Aussicht bewundern, schleckt sie ein Eis und sieht sich nach interessanteren Dingen um. Doch hier ist nicht viel. Sie sieht eine kleine Kapelle, ein paar Felsen, das Meer und den Himmel über ihnen. Doch dort vorne huscht etwas um die Ecke. Ein kleines Kätzchen. Sie läuft ihm entgegen, in der Hoffnung, dass es sich streicheln lässt. Dabei verliert sie ihren inzwischen leeren Eisbecher. Achtlos lässt sie ihn liegen.<br />
„Hey, du da!“, hört sie auf einmal jemand rufen. „Was soll das denn?“<br />
Sie dreht sich erschrocken um, kann aber niemand erkennen. Doch dann hört sie die leicht verärgerte Stimme schon wieder.<br />
„Haben deine Eltern dir das nicht beigebracht?“<br />
„Was?“, fragt sie ein bisschen ängstlich zurück und blickt sich irritiert um. „Wo bist du überhaupt?“<br />
„Dreh dich ein Stückchen nach links, dann siehst du mich. Ich bin nicht zu übersehen!“<br />
„Aber warum versteckst du dich jetzt vor mir, denn ich sehe niemand.“<br />
„Ich bin ja auch kein Niemand!“, dröhnt es zurück.<br />
„Wer bist du denn? Und komm endlich raus!“, fordert Bienchen den Unbekannten auf. Langsam wird es ihr unheimlich zumute und gerade als sie zu ihren Eltern zurücklaufen will, da sieht sie ihn.<br />
Tatsächlich, er ist eigentlich nicht zu übersehen. Groß und rund mit vielen gelben und grünen Streifen steht er da und scheint sie anzulächeln.<br />
„Na also, hast du mich endlich entdeckt!“, klingt es zu Bienchen herüber.<br />
„Du kannst sprechen?“<br />
„Ja, nur leider hören mich nicht alle Menschen. Viele sind zu unsensibel oder achtlos. Sie wollen mich weder hören, noch sehen. Außerdem, wer gibt sich schon mit einem Mülleimer ab?!“, sagt der gelb-grüne Kerl jetzt mit trauriger Stimme.<br />
„Wieso?“, Bienchen tritt näher und plappert fröhlich darauf los. „Du bist doch sehr hübsch. Ich mag dich!“<br />
„Dann gib mir doch bitte auch ganz schnell was zu essen, ich bin soooo hungrig!“<br />
Bienchen läuft rasch zu ihrem Eisbecher zurück und bringt ihn zum Mülleimer. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und öffnet den Deckel, um den leeren Eisbecher einzuwerfen.<br />
„Dankeschön!“ klingt es fröhlich zurück.<br />
Bienchen wirft einen flüchtigen Blick zu ihren Eltern. Diese stehen unweit der kleinen Kapelle und beobachten eine Hochzeitszeremonie, die dort zufällig stattfindet. Schnell winkt Bienchen ihren Eltern zu. Die Hochzeit interessiert sie im Moment überhaupt nicht. Sie hat hier eine viel interessantere Bekanntschaft gemacht.<br />
„Warum stehst du hier so alleine rum?“<br />
„Oh, ich fühle mich nicht einsam. Ich habe den besten Platz mit der schönsten Aussicht auf das Meer. Und die Sonne wärmt mich jeden Tag. Die Katzen kommen oft und holen sich bei mir ihr Fressen ab, das die Menschen nicht mehr wollen und bei mir entsorgen. Manchmal fliegt auch eine Möwe über mich hinweg und lässt etwas zu mir herunterfallen.“<br />
Sabine kichert, denn sie weiß, was die Möwe da fallen lässt.<br />
„Mama sagt, das bringt Glück!“</p>
<p>Nach einem kurzen Moment des Schweigens macht sie vor der Tonne einen Knicks und stellt sich vor:<br />
„Ich bin Sabine und wie heißt du eigentlich oder soll ich dich nur Mülleimer nennen?“, will sie wissen.<br />
„Gestatten: <strong>Anton</strong>, mein Name!“, erwidert der Gelb-Grün-Gestreifte.<br />
<strong>A</strong> wie Abfall,<br />
<strong>N</strong> wie Nutzloses,<br />
<strong>T</strong> wie Taschentücher, Tüten, Tageszeitungen, Trinkflaschen,<br />
<strong>O</strong> wie Obstschalen, Ohrenstäbchen,<br />
<strong>N</strong> wie Nussschalen,….“</p>
<p>„Bei uns darf man nicht alles in eine Tonne werfen“, erklärt Bienchen. „Wir haben eine Tonne für Plastik, eine für Papier, eine für Obst- und Kartoffelschalen, die Mama Biotonne nennt, eine für den Restmüll und am Parkplatz nebenan steht noch eine für Glas.“<br />
„Du bist aber ein schlaues Mädchen“, lobt Anton sie. Hier bei uns bin ich alleine für Alles zuständig, aber vielleicht bekomme ich ja bald auch ein paar Kumpels, die mir bei der Müllsammlung helfen“, erwidert Anton. „Das wäre nicht schlecht, denn manchmal bin ich so voll, dass alles aus mir herausquillt und auf die Erde fällt.“<br />
Sabine nickt und hebt ein Kaugummipapier von der Erde auf, um es Anton zu schenken.<br />
„Sabine! Komm wir wollen weiter!“, ruft es in diesem Moment.<br />
„Gleich!“, ruft das Mädchen zurück und schließt den Deckel der Tonne.<br />
„Tschüss Anton! Ich werde oft an dich denken!“<br />
Als Sabine eine Woche später mit ihren Eltern zu Hause die Urlaubsfotos betrachtet, da entdeckt sie die gelb-grün gestreifte Abfalltonne ganz klein auf einem der Bilder.<br />
„Hallo Anton!“, ruft sie der Tonne in Gedanken zu. “Schön, dich kennengelernt zu haben!“</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a href="http://lifetellsstories.de/der-geist-des-weines/">Der Geist des Weines</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/chaotische-familie/">Meine ganz normale,chaotische Familie</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/aus-dem-leben-meiner-kuechenuhr/">Aus dem Leben meiner Küchenuhr</a></p>
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		<title>Die Brücke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2020 17:14:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten & Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
		<category><![CDATA[Antwort]]></category>
		<category><![CDATA[Brücke]]></category>
		<category><![CDATA[Kennenlernen]]></category>
		<category><![CDATA[Luft]]></category>
		<category><![CDATA[Service]]></category>
		<category><![CDATA[Symbol]]></category>
		<category><![CDATA[Umleitung]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute ist Isabell zum Adventsbesuch bei ihren Eltern. Sie hat leckeren Kuchen und selbstgebackene Weihnachtsplätzchen mitgebracht. Die Mutter hat bereits den Tisch gedeckt und der Vater brüht gerade den Kaffee nach altgewohnter Manier auf. Zu besonderen Anlässen lässt er die Kaffeemaschine stehen und holt Omas Sonntagsservice heraus. Das macht er schon solange Isabell denken kann und das wird er wohl auch nie mehr ändern. Seitdem sie vor nunmehr fast fünfzehn Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen ist, gehören alle ihre regelmäßigen Besuche ebenfalls zu den besonderen Anlässen. Auch wenn diese im wöchentlichen Abstand erfolgen. „Es tut mir leid, dass ich mich heute verspätet habe“, sagt Isabell, „aber es sind seit heute Brückenbauarbeiten auf meiner Fahrstrecke hierher im Gange. Also gab es eine Umleitung, die für mich allerdings einen Umweg bedeutet hat.“ „Ach ja“, nickt der Vater. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen.“ „Stimmt“, erinnert sich auch die Mutter. „Eigentlich wollte ich dich bei unserem Telefongespräch gestern darauf aufmerksam machen, aber irgendwie haben wir uns so verplappert, dass ich es dann vergessen habe.“ „Die Sanierung dieser &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute ist Isabell zum Adventsbesuch bei ihren Eltern. Sie hat leckeren Kuchen und selbstgebackene Weihnachtsplätzchen mitgebracht. Die Mutter hat bereits den Tisch gedeckt und der Vater brüht gerade den Kaffee nach altgewohnter Manier auf. Zu besonderen Anlässen lässt er die Kaffeemaschine stehen und holt Omas Sonntagsservice heraus. Das macht er schon solange Isabell denken kann und das wird er wohl auch nie mehr ändern.</strong></p>
<p><span class="dropcap">S</span>eitdem sie vor nunmehr fast fünfzehn Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen ist, gehören alle ihre regelmäßigen Besuche ebenfalls zu den besonderen Anlässen. Auch wenn diese im wöchentlichen Abstand erfolgen.<br />
„Es tut mir leid, dass ich mich heute verspätet habe“, sagt Isabell, „aber es sind seit heute Brückenbauarbeiten auf meiner Fahrstrecke hierher im Gange. Also gab es eine Umleitung, die für mich allerdings einen Umweg bedeutet hat.“<br />
„Ach ja“, nickt der Vater. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen.“<br />
„Stimmt“, erinnert sich auch die Mutter. „Eigentlich wollte ich dich bei unserem Telefongespräch gestern darauf aufmerksam machen, aber irgendwie haben wir uns so verplappert, dass ich es dann vergessen habe.“<br />
„Die Sanierung dieser Brücke wird eine ganze Weile dauern“, fügt ihr Gatte hinzu. „Aber diese Verbindung ist sehr wichtig, denn sie überwindet ein natürliches Hindernis, nämlich den Fluss.“<br />
„Ja, Brücken verbinden….“, flüstert Isabells Mutter fast andächtig und springt unvermittelt auf.<br />
Weder Vater noch Tochter können dieses Verhalten deuten. Sie schauen ihr stirnrunzelnd nach, nehmen aber gleich wieder ihr Gespräch auf und kommen vom Hundertsten ins Tausendste. Selbst nach einer gefühlten Ewigkeit kommt die Mutter nicht mehr zurück ins Wohnzimmer.<br />
„Ich gehe mal nach ihr schauen. Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Vielleicht ist ihr schlecht geworden“, mutmaßt Isabell.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
Auch der Vater ist inzwischen beunruhigt und geht mit seiner Tochter auf die Suche. Weder in der Küche, noch im Bad oder im Schlafzimmer gibt es eine Spur von der Mutter. Als sie die Tür zu ihrem Nähzimmer öffnen, finden sie dieses ebenfalls leer vor.<br />
„Möglicherweise ist ihr tatsächlich schlecht und sie ist an die frische Luft gegangen“, überlegt der ältere Herr. Angst spiegelt sich auf seinem Gesicht wider, die sich noch mehr verstärkt als sie auch im Garten nicht fündig werden.<br />
„Marie!“, ruft er mit zittriger Stimme. „Wo bist du denn nur?“<br />
„Hier oben, Toni!“, schallt es plötzlich zurück.<br />
„Wo?“<br />
„Na hier, auf dem Dachboden!“, ruft die Mutter aus der kleinen Dachluke. „Ich hab’s! Ich hab es gefunden!“<br />
„Was hast du gefunden?“, fragen Vater und Tochter wie aus einem Munde, als sie die Tür zum Dachraum öffnen und die Mutter kniend vor einer Truhe vorfinden.<br />
„Das hier! Ich wusste, dass ich es nicht weggeworfen habe.“<br />
„Deshalb durchforstest du den halben Dachboden?“, schüttelt ihr Ehemann den Kopf.<br />
Auch Isabell versteht die Welt nicht mehr. „Das ist ein alter Postkartenblock, der schon ganz vergilbt ist. Den kannst du entsorgen!“<br />
„Wer benutzt heutzutage noch solche Postkarten?! Marie, du hebst doch sonst nicht derartigen Müll auf.“<br />
„Das ist kein Müll, Toni!“, empört sich seine Frau. „Kannst du dich noch an Ute erinnern?“<br />
„Welche Ute?“, will nun auch die Tochter wissen. „Ich habe noch nie etwas von einer Ute gehört.“<br />
„Das war ja auch noch vor deiner Geburt.“<br />
„Ach, meinst du Ute und Franz?“, ereilt den Vater ein Geistesblitz. „Die Zwei haben sich doch scheiden lassen und Ute ist dann wieder in ihre alte Heimat gezogen.&#8220;<br />
„Genau“, bestätigt Marie. „Und beim Abschied hat sie mir diesen symbolträchtigen Postkartenblock geschenkt.“<br />
Isabell und ihr Vater betrachten den besagten Gegenstand mit wachsender Neugier.<br />
„Symbolträchtig?! Oh ja! Das kann man wohl sagen“, gibt Isabell zu.<br />
„Brücken!“, schlägt sich Toni gegen die Stirn. „Die Verbindung zwischen euch sollte nicht abbrechen!“<br />
„Und?!“<br />
„Naja, es waren einmal zehn Karten. Drei fehlen. Diese habe ich geschrieben, dann ist die Verbindung doch irgendwie abgebrochen. Das ist sehr schade, aber nachdem jahrelang Funkstille zwischen uns geherrscht hatte, habe ich mich nie wieder getraut. Vielleicht erinnert sie sich gar nicht mehr an mich oder sie will von mir nichts mehr wissen.“<br />
„Möglicherweise traut sie sich aber auch nicht den ersten Schritt zu machen“, erwägt Toni.<br />
„Du solltest ihr eine Brücke bauen!“, schlägt Isabell ihrer Mutter vor. &#8222;Die Adventszeit ist doch ein schöner Anlass.&#8220;<br />
„Ja, ihr habt Recht! Das ist eine gute Idee, die ich auch gleich in die Tat umsetzen sollte.“<br />
Am Abend fährt Isabell wieder nach Hause, doch zuvor wirft sie einen dicken Brief in den Briefkasten der Hauptpost. Hierin befinden sich zwei Brückenmotiv-Postkarten. Eine der beiden Karten ist schon frankiert und mit der Anschrift von Marie versehen. Isabell hofft, dass ihre Mutter von der ehemaligen Freundin eine Antwort erhält. Vielleicht kann sie diese Ute dann auch einmal kennenlernen. Wer weiß?!</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a href="https://lifetellsstories.de/vom-winde-verweht/">Vom Winde verweht</a></p>
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<p><a href="https://lifetellsstories.de/kindheitserinnerungen/">Kindheitserinnerungen</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Unser zweites Kennenlernen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2015 22:15:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Hochzeitstag]]></category>
		<category><![CDATA[Kennenlernen]]></category>
		<category><![CDATA[Paar]]></category>
		<category><![CDATA[Schulzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Verehrer]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich habe ja schon in einer der ersten Bloggeschichten erzählt, wie mein Mann und ich uns 1976 kennengelernt haben. Dieses Zusammentreffen fand damals auf dem Schulhof statt und rief bei mir eine Art Verwunderung hervor. Aber wir sollten uns noch ein zweites Mal kennenlernen, obwohl wir uns zu diesem Zeitpunkt schon über drei Jahre hinweg fast täglich gesehen hatten. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: Peter und ich drückten die letzten drei Jahre unserer Schulzeit gemeinsam die Schulbank. Wir waren bis zum Abitur in einer Jahrgangsstufe und besuchten sogar teilweise die selben Kurse, aber auch das habe ich schon erzählt. Wir waren Schulkameraden, ansonsten ging jeder seiner Wege. Aber Peter hatte einen Freund, im Grunde genommen war es sein bester Freund, T. Er war groß und schlank und hatte nur Augen für mich. Ich jedoch nicht für ihn, aber er ließ nicht locker. Immer wieder suchte er meine Nähe. Da ich ihn nicht vor den Kopf stoßen wollte, war ich freundlich und nett zu ihm, allerdings eher auf eine unverbindliche Art. Eines Tages, es &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich habe ja schon in einer der ersten Bloggeschichten erzählt, wie mein Mann und ich uns 1976 kennengelernt haben. Dieses Zusammentreffen fand damals auf dem Schulhof statt und rief bei mir eine Art Verwunderung hervor. Aber wir sollten uns noch ein zweites Mal kennenlernen, obwohl wir uns zu diesem Zeitpunkt schon über drei Jahre hinweg fast täglich gesehen hatten. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht:</strong></p>
<p><span class="dropcap">P</span>eter und ich drückten die letzten drei Jahre unserer Schulzeit gemeinsam die Schulbank. Wir waren bis zum Abitur in einer Jahrgangsstufe und besuchten sogar teilweise die selben Kurse, aber auch das habe ich schon erzählt.<br />
Wir waren Schulkameraden, ansonsten ging jeder seiner Wege. Aber Peter hatte einen Freund, im Grunde genommen war es sein bester Freund, T. Er war groß und schlank und hatte nur Augen für mich. Ich jedoch nicht für ihn, aber er ließ nicht locker. Immer wieder suchte er meine Nähe. Da ich ihn nicht vor den Kopf stoßen wollte, war ich freundlich und nett zu ihm, allerdings eher auf eine unverbindliche Art. Eines Tages, es waren gerade Osterferien, da klingelte unser Telefon. Meine Mutter, die das Gespräch entgegen genommen hatte, reichte mir den Hörer.<br />
„Ach, T., du bist es!“, begrüßte ich den Teilnehmer am anderen Ende der Telefonleitung.<br />
„Ich habe gerade an dich gedacht!“, verkündete er mir. „Ich wollte nur wissen ob du zu Hause bist, denn ich möchte dich gerne besuchen.“<br />
„Ohje“, überlegte ich. „Wie komme ich aus dieser Situation nur wieder raus?“<br />
Zum Glück hatte ich einen Geistesblitz:</p>
<p>„Ach, heute ist doch Ostermarkt bei uns in der Stadt und ich wollte gerade auf den Jahrmarkt gehen.“<br />
„Na prima!“, freute sich T. „Ich hole dich in einer Viertelstunde ab!“<br />
Uff! so war das jetzt aber nicht gemeint gewesen, doch mit meinem zweiten Geistesblitz rettete ich die Lage:<br />
„Hol doch bitte vorher meine Freundin B. ab und bring sie mit!“, schlug ich geistesgegenwärtig vor. Somit war ich auf alle Fälle nicht mit ihm allein unterwegs. T. sprang sofort auf meinen Vorschlag an und wir beendeten das Gespräch, um uns 20 Minuten später vor meiner Haustür zu treffen.<br />
Wir machten uns dann also zu dritt auf den Weg zum großen Parkplatz in der Stadtmitte, der als Festplatz diente. Fröhlich plapperten wir über Dies und Das und ganz nebenbei erzählte T. : „Peter kommt auch noch!“<br />
„Peter?“, fragte ich verblüfft. „Den habe ich bestimmt schon 3 oder 4 Monate nicht mehr gesehen!“<br />
Man muss dazu sagen, dass es damals bei uns die Möglichkeit gab, unter bestimmten Bedingungen das Abitur ein halbes Jahr vorzuziehen. Und genau das hatte Peter getan. Er hatte also das Abitur bereits in der Tasche und machte ein Praktikum, das er für sein Studium brauchte, während wir gerade in den Prüfungen steckten.<br />
Wir waren noch nicht am Festplatz angekommen, da brauste ein orangeroter VW Käfer auf uns zu, parkte am Straßenrand und zwei junge Burschen stiegen aus.<br />
„Astrid!“, rief der eine.<br />
„Peter!“, rief ich und schon lagen wir uns in den Armen.<br />
Seltsam, was ein bisschen zeitlicher Abstand so alles bewirken kann. Er hatte noch seinen Cousin mitgebracht, der zu Besuch war und wir vier verlebten einen schönen gemeinsamen Nachmittag. Und dann wurde auf einmal alles kompliziert.<br />
Es gab nämlich noch einen jungen Mann, der sich für mich interessierte. J. war kein Schulkamerad, ich hatte ihn über eine Freundin kennengelernt. Inzwischen hatte sich die Zahl meiner Verehrer also auf 3 erhöht und ich war mehr als in einer Zwickmühle. Ehrlich gesagt, es machte schon Spaß so umgarnt zu werden und sich für keinen der Herren entscheiden zu müssen. Ich hatte nämlich dafür gesorgt, niemals mit einem alleine zu sein. Wir gingen immer zu viert, nein zu fünft aus, denn ich nahm meine Freundin B. auch noch mit. Wir unternahmen in den folgenden Wochen viel miteinander. Nur manchmal tat mir B. leid, denn sie meinte:<br />
„Wenn du etwas sagst, sind alle ganz Ohr, bei mir hört keiner richtig hin!“<br />
Das war nun auch wieder nicht beabsichtigt und ich spürte, dass das nicht so weiter gehen konnte. Irgendwann würde ich wohl oder übel &#8222;Hüh&#8220; oder &#8222;Hott&#8220; sagen müssen. Aber jetzt wollte ich das noch nicht! So traten wir immer wieder und überall als Grüppchen auf. Wir gingen zusammen in die Disco, wir trafen uns bei einem von uns zu Hause oder saßen gemütlich bei einem Bier in einer Kneipe. So hätte es weiter gehen können, wenn… Ja wenn, das kleine Wörtchen „wenn“ nicht wäre, …<br />
Eines Samstagabends saßen wir in einer kleinen Kneipe und unterhielten uns. Plötzlich meldete sich einer meiner Verehrer zu Wort und meinte zu mir:<br />
„Du solltest dich langsam mal entscheiden!“<br />
Ich weiß nicht mehr, wer es war und auch nicht wer auf die folgende glorreiche Idee kam. Sie mussten mir jedenfalls meine Verlegenheit angesehen haben und auch, dass mir die Situation äußerst unangenehm war. Ich hatte es ja geahnt, dass irgendwann die Stunde der Wahrheit schlagen würde: Aber warum gerade jetzt?<br />
„Du gehst jetzt bitte mit jedem Einzelnen von uns nach draußen und sprichst jeweils 10 Minuten mit demjenigen. Danach teilst du uns deine Entscheidung mit!“<br />
Jetzt gab es keinen Ausweg mehr für mich. Ich musste da durch! Eigentlich war für mich die Entscheidung schon längst gefallen. Peter und ich hatten uns schon zu tief in die Augen geschaut. Er war nicht mehr der langhaarige etwas verwunderliche Typ, als den ich ihn bei unserem ersten Zusammentreffen drei Jahre zuvor auf dem Schulhof kennengelernt hatte. Mit ihm konnte man zwar immer noch allen möglichen Blödsinn machen, aber auch ernsthafte Gespräche führen. Ich wusste längst, wem ich mein Herz geschenkt hatte und so bedurfte es für mich eigentlich keiner Entscheidung mehr.<br />
Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, was ich in den jeweiligen 10 Minuten mit dem jeweils betreffenden jungen Mann besprochen habe, jedenfalls am Ende dieses scheinbaren Entscheidungsprozesses waren Peter und ich ein Paar. Er war dann auch derjenige, der mich in dieser Nacht mit seinem VW Käfer nach Hause brachte. Zum Abschied küssten wir uns zum ersten Mal und vor lauter Aufregung rutschte Peters Fuß von der Kupplung.<br />
Das ist jetzt fast auf den Tag genau schon 36 Jahre her ( es war der 18. Mai 1979) und nächstes Jahr haben wir unseren 30. Hochzeitstag.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a href="http://lifetellsstories.de/die-sache-mit-der-vorahnung/">Die Sache mit der Vorahnung</a></p>
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		<title>Die Sache mit der Vorahnung</title>
		<link>https://lifetellsstories.de/die-sache-mit-der-vorahnung/</link>
					<comments>https://lifetellsstories.de/die-sache-mit-der-vorahnung/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2014 19:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Ehemann]]></category>
		<category><![CDATA[Kennenlernen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorahnung]]></category>
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					<description><![CDATA[Zurückblickend hätte ich es eigentlich vom ersten Moment an ahnen müssen. Aber so ist es nun einmal im Leben, &#8211; hinterher weiß man immer alles besser. Und überhaupt, wie war das noch einmal mit dem Spruch, den meine Mutter mir ins Poesiealbum geschrieben hat? „Wenn du einst in deinem Leben fest auf einen Menschen baust, geh’ mit Vorsicht ihm entgegen, eh’ du dich ihm anvertraust…“ ( Überlieferung / Der Verfasser ist mir unbekannt). So ähnlich war er wohl. Läge das Poesiealbum nicht noch in meinem ehemaligen Kinderzimmer zu Hause bei meiner Mutter, ich würde die Stufen hinaufeilen, um nachzuschlagen, doch 600 Kilometer überbrückt man nicht eben mal so in 5 Minuten. Unbekümmert legte ich damals das Büchlein zur Seite. Irgendwie gefiel mir der Vers jedoch und bei jeder neuen Liebelei oder Schwärmerei kam er mir immer kurzzeitig ins Gedächtnis zurück, um mich dann letztendlich dem Richtigen anzuvertrauen. Ich könnte jetzt noch viel philosophieren und die Zeichen der Zeit zu erklären versuchen, um dann zu erkennen, dass von Anfang an eigentlich alles auf mein Leben mit &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zurückblickend hätte ich es eigentlich vom ersten Moment an ahnen müssen. Aber so ist es nun einmal im Leben, &#8211; hinterher weiß man immer alles besser.</strong></p>
<p><span class="dropcap">U</span>nd überhaupt, wie war das noch einmal mit dem Spruch, den meine Mutter mir ins Poesiealbum geschrieben hat?</p>
<p>„Wenn du einst in deinem Leben fest auf einen Menschen baust,<br />
geh’ mit Vorsicht ihm entgegen,<br />
eh’ du dich ihm anvertraust…“ ( Überlieferung / Der Verfasser ist mir unbekannt).</p>
<p>So ähnlich war er wohl. Läge das Poesiealbum nicht noch in meinem ehemaligen Kinderzimmer zu Hause bei meiner Mutter, ich würde die Stufen hinaufeilen, um nachzuschlagen, doch 600 Kilometer überbrückt man nicht eben mal so in 5 Minuten.<br />
Unbekümmert legte ich damals das Büchlein zur Seite. Irgendwie gefiel mir der Vers jedoch und bei jeder neuen Liebelei oder Schwärmerei kam er mir immer kurzzeitig ins Gedächtnis zurück, um mich dann letztendlich dem Richtigen anzuvertrauen.<br />
Ich könnte jetzt noch viel philosophieren und die Zeichen der Zeit zu erklären versuchen, um dann zu erkennen, dass von Anfang an eigentlich alles auf mein Leben mit zwei lieben, aber chaotischen Männern hindeutete.<br />
Da aber dieses Hin- und Hersinnen lediglich auch in meinem Kopf ein riesengroßes Wirrwarr, &#8211; sprich Chaos &#8211; erzeugen würde, ziehe ich es nun doch vor ganz von vorne anzufangen:<br />
Nein, keine Angst, ich greife nicht zurück bis zu meiner Geburt, &#8211; obwohl ich als Baby hinreißend gewesen sein muss, &#8211; ich springe mit meiner Erzählung sozusagen mitten hinein in das Leben:<br />
Damals war ich gerade süße 16 Jahre und betrat gemeinsam mit meinen Freundinnen den Schulhof unserer neuen Schule, die wir nunmehr drei Jahre bis zum Abitur besuchen sollten.<br />
Es war ein wunderschöner Sommermorgen Ende August, so gegen acht Uhr. Die Sonne lachte vom strahlend blauen Himmel, die Vögel zwitscherten… So oder ähnlich mögen viele Romane beginnen, &#8211; schon seltsam, aber so war es tatsächlich. Nur eine Person fehlte: Der Prinz auf seinem weißen Pferd.<br />
Stattdessen trat auf unser kleines Weibergrüppchen ein uns allen unbekannter langhaariger Teenager in Jeans zu. Schweigend und stirnrunzelnd sahen wir Mädchen uns den Jüngling an. Was wollte dieses unbekannte Wesen vom anderen Geschlecht von uns? Diese Frage sollte sich eigentlich in Sekundenschnelle klären, &#8211; oder auch nicht.<br />
Der Langhaarige steuerte mit seiner ausgestreckten Hand genau auf mich zu, &#8211; oh Gott, was wollte der nur?<br />
„Grüß dich, Sabine!“, schmetterte er mir entgegen. „Wie geht’s denn so?“<br />
Mit diesen Worten schüttelte er kräftig und dabei lächelnd wie ein Honigkuchenpferd, meine Hand, die ich ihm wohl in einer Art Reflexbewegung gereicht hatte. Innerlich aufatmend, flötete ich zuckersüß zurück:<br />
„Du musst mich wohl verwechseln, ich heiße nicht Sabine, &#8211; ich heiße Astrid!“<br />
„Na, macht ja nichts, &#8211; du kannst ja nichts für deinen Namen. Wir seh’n uns dann wohl noch!“<br />
Mit diesen Worten verschwand er wieder in der Menge und ließ mich sprachlos und ratlos, die Welt nicht begreifend, stehen.<br />
„Was war das denn jetzt?“, wandte ich mich an meine drei Freundinnen. „Wenn die hier alle so sind, dann sollten wir gleich besser wieder verschwinden.“<br />
Erst jetzt sah ich, dass meine Freundinnen hinter vorgehaltener Hand zu grinsen und zu gickeln anfingen.<br />
„Seid ihr jetzt auch schon übergeschnappt?“, wollte ich von ihnen wissen.<br />
„Merkst du denn gar nichts mehr?“, fragte mich eine von ihnen zurück.<br />
„Was soll ich denn merken? Dass der ein Rad ab hat, oder was? Das merkt wohl ein Blinder mit Krückstock!“ (Dummer Spruch! Aber so war damals unsere Ausdrucksweise.)<br />
„Der hätte aber sicherlich gemerkt, dass dieser Typ da nur deinen richtigen Namen wissen wollte“, klärte mich eine andere Freundin auf.<br />
„Ihr meint, das war eine plumpe Anmache?“ Ich schlug mich selbst mit der Hand gegen die Stirn, denn da hätte ich auch selbst draufkommen können.<br />
Jetzt konnte ich mich ebenfalls nicht mehr halten und fiel in das Gelächter der Drei mit ein. Fast hätten wir die Schulglocke überhört.<br />
„Den sind wir erst einmal los“, stellte ich fest, als wir gemeinsam unseren neuen Klassenraum betraten. Neue Lehrer, neue Bekanntschaften, all das war so aufregend, dass ich die ersten Schrecksekunden in der neuen Schule schnell vergessen hatte.<br />
Bis sich am 3. Tag ca. 10 Minuten nach Schulbeginn ruckartig die Tür öffnete und ein seltsam anmutender Typ den Klassensaal betrat.<br />
„Tschuldigung!“, sagte er lässig in Richtung Lehrerpult blickend. „Meine Mutter konnte ihre Perücke nicht gleich finden.“<br />
Der Lehrer blickte stirnrunzelnd über den Rand seiner Brille hinweg auf den Jungen, der inzwischen einige Stühle rechts neben mir Platz genommen hatte.<br />
„Sie steht dir aber ausgesprochen gut, Peter! Doch das nächste Mal solltest du deine Verschönerungsaktionen besser auf den Nachmittag legen!“, meinte der Lehrer leichtfertig. Der gesamte Kurs brüllte vor Lachen und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Sein Bankhintermann griff nämlich nach vorne und zog dem Typ den Skalp ab und zum Vorschein kam der Langhaarige vom Schulhof.<br />
„Ich glaube es kaum“, raunte ich meiner Banknachbarin zu.<br />
„Na, den wirst du wohl so schnell nicht mehr los“, grinste sie mich an.<br />
„Danke, mein Bedarf ist gedeckt“, flüsterte ich zurück und widmete mich weiter dem Unterrichtsstoff.<br />
Lustig hatte er ja wirklich ausgesehen, auch machte es ihm nichts aus, dass die anderen über ihn lachten. Es schien ihm regelrecht Freude zu bereiten, Menschen auf seine Kosten zum Lachen zu bringen. Das sollte ich im Laufe unserer gemeinsamen Schulzeit mehr als einmal feststellen können. Er konnte und kann herzhaft mitlachen und sich köstlich über seinen eigenen Blödsinn amüsieren, aber auch über die Naivität der anderen zu glauben, er sei so vertrottelt.<br />
Mehr als einmal fiel ich selbst auf seine Tricks herein:<br />
„Hallo Astrid“, begrüßte er mich einmal freundlich im Englischunterricht. „Du hast doch sicher das Essay gelesen. Ich habe es gestern versehentlich unter der Bank liegengelassen. Sag mir doch bitte nur kurz, was drin stand. Es interessiert mich echt brennend. Ich könnte mich selbst ohrfeigen, wo das Thema doch so hochaktuell ist und genau auf meiner Wellenlinie liegt.“<br />
„Ja, das ist wirklich ein interessantes Thema, das viele Diskussionspunkte bietet“, sprang ich sofort drauf an. „Also pass mal auf: …“<br />
Zunächst mitleidig und dann immer mehr hineinsteigernd erzählte ich kurz den Inhalt, um dann auf meine eigene Interpretation des Gelesenen einzugehen.<br />
„Ja, ja“, meinte Peter zustimmend, „das ist genau meine Meinung!“<br />
Kaum hatte er mir in überzeugender Weise beigepflichtet, betrat auch schon unser Englischlehrer den Klassenraum. Dieser hatte sich kaum gesetzt, da schnellte auch schon Peters Finger in die Höhe. Prompt nahm der Lehrer ihn dran und somit gab dieser genau das zum Besten, was ich ihm bereitwillig einige Minuten zuvor unterbreitet hatte. Man kann sich sicherlich meine Verärgerung vorstellen. Ich war einfach zu gutgläubig gewesen. Mein Ärger wurde nicht gerade besser, als ich die Lobeshymnen des Lehrers hörte:<br />
„Man merkt, dass du dir Gedanken gemacht hast“, lobte er Peter. In mir brodelte es, aber man konnte ihm jedoch nicht lange böse sein. Immerhin: Geschickt eingefädelt hatte er die Sache ja und ich konnte eigentlich nur mir selbst die Schuld geben, wieder einmal auf Trick 17 hereingefallen zu sein. Während ich in der Stunde fleißig mitarbeitete, um mein Können unter Beweis zu stellen, hatte er offensichtlich sein Soll bereits erfüllt. Man hörte in den restlichen Minuten keinen einzigen Beitrag mehr von ihm.<br />
Meine Schulzeit war eine schöne Zeit und Peter tangierte darin immer wieder mein Leben, ohne jedoch tatsächlich darin eine Rolle zu spielen. Er war einfach nur ein Schulkamerad für mich, obwohl er öfters mal ein bewunderndes Auge auf mich warf.<br />
Ich war sogar einmal bei einem Konzert seiner Rockgruppe, in der er als Organist spielte. Ich klatschte auch Beifall, obwohl die Vorführung der mir scheinbar Verrückten und deren wirres Getrommel, Gekrächze und Getöne in keinem Fall auf meiner Wellenlänge lagen. Gut, ich bin nicht sehr musikalisch und vielleicht war mein Musikgeschmack ja verkehrt, denn ganz im Gegensatz zu mir, fand die winzige Fangemeinde in den ersten Reihen den aufgeführten Katzenjammer so genial, dass sie am Ende jeder Darbietung in eine regelrechte Verzückung und Ekstase geriet. Allerdings muss es doch noch einige kritikfähige Zuhörer gegeben haben, denn bei einer dieser Vorführungen der mit Musikinstrumenten kämpfenden Horde, wurde ihnen einfach der Saft (sprich: Strom) abgedreht. Denn nur so konnten die die Musik vergewaltigenden und von der Erde abgehobenen „Irrsinnigen“ gestoppt werden. So waren irgendwann der Sänger, dem man das Singen erst beibringen musste, der Trommler, der immer urplötzlich ein 10 minütiges Trommelsolo einbaute, der Organist, der auf die Tasten hämmerte und der Gitarrist, der am liebsten das Instrument zerfetzt hätte, zur Aufgabe gezwungen. Das war in meinen Augen zum Glück gerade noch rechtzeitig das Ende der Band.<br />
Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass ausgerechnet der Organist dieser Band noch vor Beginn unserer Studienzeit mein Freund und später mein Ehemann und Vater unseres gemeinsamen Sohnes werden sollte. Zu seiner Rehabilitation muss man sagen, dass er bereits schon zum Zeitpunkt unserer Freundschaft seine Flegeljahre hinter sich hatte. Heute ist er ein seriöser Universitätsprofessor, der viel Verständnis für seine Studenten hat und immer für einen Spaß zu haben ist.</p>
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