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	<title>Einzelgänger &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Der Einzelgänger (3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2015 23:21:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Hannes Findel hatte sich also mit 19 Jahren, &#8211; gerade das Abitur in der Tasche, aber noch keine Idee, wie es beruflich weitergehen sollte, &#8211; auf die Suche nach einer geeigneten Familie zwecks Adoption gemacht. Das hatte sich als gar nicht so einfach entpuppt. In seiner Vorstellung sollte es am besten ein Ehepaar sein, das so in die Fünfzig, besser vielleicht sogar schon Mitte Sechzig war, denn er wollte sie als Adoptivsohn auch in nicht allzu ferner Zukunft beerben. Kinderlos sollte das Ehepaar auf jeden Fall sein und möglichst keine Verwandtschaft mehr besitzen. „Ich muss mir eine Strategie überlegen, wie ich an ein geeignetes Ehepaar herankomme. Ich kann ja schlecht eine Anzeige aufgeben: ‚Suche kinderloses Ehepaar zwecks Adoption‘.“ Das mit der Anzeige war vielleicht gar nicht so schlecht, nur nicht in dieser Art und Weise. “Vielleicht sollte ich meine Dienste als Gärtner oder so anbieten. Da ein bisschen schnippeln, dort ein bisschen hacken und die Blumen gießen. Nur in Arbeit sollte es nicht ausarten, außerdem sind meine gärtnerischen Fähigkeiten etwas begrenzt“, dachte er. Gärtner, so &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hannes Findel hatte sich also mit 19 Jahren, &#8211; gerade das Abitur in der Tasche, aber noch keine Idee, wie es beruflich weitergehen sollte, &#8211; auf die Suche nach einer geeigneten Familie zwecks Adoption gemacht. Das hatte sich als gar nicht so einfach entpuppt. In seiner Vorstellung sollte es am besten ein Ehepaar sein, das so in die Fünfzig, besser vielleicht sogar schon Mitte Sechzig war, denn er wollte sie als Adoptivsohn auch in nicht allzu ferner Zukunft beerben. Kinderlos sollte das Ehepaar auf jeden Fall sein und möglichst keine Verwandtschaft mehr besitzen.</strong></p>
<p><span class="dropcap">„I</span>ch muss mir eine Strategie überlegen, wie ich an ein geeignetes Ehepaar herankomme. Ich kann ja schlecht eine Anzeige aufgeben:</p>
<p style="text-align: center;">‚Suche kinderloses Ehepaar zwecks Adoption‘.“</p>
<p style="text-align: left;">Das mit der Anzeige war vielleicht gar nicht so schlecht, nur nicht in dieser Art und Weise.<br />
“Vielleicht sollte ich meine Dienste als Gärtner oder so anbieten. Da ein bisschen schnippeln, dort ein bisschen hacken und die Blumen gießen. Nur in Arbeit sollte es nicht ausarten, außerdem sind meine gärtnerischen Fähigkeiten etwas begrenzt“, dachte er.<br />
Gärtner, so hatte sich Hannes Findel überlegt, wurden meist von gutbetuchten Leuten gesucht. Erstens hatte Haus und Garten nur derjenige, der es sich auch leisten konnte und zweitens hielt man nach einem Gärtner Ausschau, wenn man es nicht selbst machen konnte oder wollte und diesen Dienst zu bezahlen in der Lage war.<br />
So hatte er sich mehr oder weniger zielstrebig in Villenvierteln herumgetrieben, ohne jedoch auch nur ansatzweise seinem Ziel näherzukommen. Dann war es allerdings der Zufall gewesen, der ihm zu Hilfe gekommen war und der alles veränderte:</p>
<p style="text-align: left;">Es war an einem Tag Ende April gewesen. Die Sonne lachte fröhlich vom Himmel, als sei der letzte Regenschauer nicht gerade mal erst zwei Stunden her. Hannes Findel war auf dem Rückweg von einem Villenviertel rauchend und gedankenverloren im Stadtpark umhergeschlendert. Es waren viele Leute unterwegs gewesen, die durch den plötzlichen Sonnenschein aus den Häusern gelockt worden waren. Vor ihm war ein älterer Herr mit seinem Hund gelaufen, dessen Interesse durch irgendetwas geweckt worden war, so dass er ruckartig an seiner Leine zog. Der Rentner, der darauf nicht gefasst gewesen war, hatte die Leine fallen lassen und der Hund war quer über den Weg in Richtung einer Baumgruppe gerannt. Just in diesem Moment hatte eine ältere Fahrradfahrerin den Hundehalter überholen wollen und hatte so stark und unvermittelt bremsen müssen, dass sie über die Lenkstange ins Gras gefallen war. Etwas benommen hatte sie aufzustehen versucht, was ihr aber durch einen stechenden Schmerz im Unterschenkel, der sie aufschreien hatte lassen, nicht gelungen war.<br />
„Um Gottes Willen, haben sie sich verletzt?“, hatte der Hundehalter überflüssigerweise gefragt. „Kommen Sie ich helfe Ihnen auf!“<br />
Tja, das war leichter gesagt, als getan, denn der Mann hatte selbst Mühe gehabt auf seinen eigenen Beinen zu stehen.<br />
„Lassen Sie das mal den jungen Herrn dort machen“, meinte die Radfahrerin.<br />
Hannes hätte dies ohnehin getan, denn hilfsbereit konnte er schon sein.<br />
„Kommen Sie, setzen Sie sich erst einmal auf die Bank“, hatte er die Radfahrerin aufgefordert. „Mit dem Rad können Sie nicht mehr fahren und ich fürchte mit Ihrem Bein können Sie nicht auftreten, geschweige denn laufen. Ich rufe erst einmal einen Krankenwagen und ihr Rad bringe ich zu Ihnen nach Hause, wenn Sie mir sagen wo Sie wohnen.“<br />
„Ich werde natürlich für den Schaden an Ihrem Fahrrad aufkommen und für die Arztkosten selbstverständlich auch. Wenn ich dem jungen Mann meinen Namen und die Anschrift nennen darf, damit meine Versicherung alles regeln kann“, hatte der Hundehalter angeboten.</p>
<p style="text-align: left;">Tja, so war Hannes Findler zu einer Familie gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Er hatte der Fahrradfahrerin geholfen und sie anschließend fast jeden Tag zu Hause besucht. Sie hatte ihr Bein zwar nicht gebrochen, aber ruhig halten musste sie es trotzdem und er hatte ihr aus freien Stücken geholfen, wo er nur konnte, im Haushalt, beim Einkauf und im Garten. Er hatte sie auf seine Art gemocht, aber er hatte auch sein Ziel nicht ganz aus den Augen verloren. Die Frau hieß Janna Ziegler, war geschieden, alleinlebend und hatte einen Bruder, der ebenso wie sie gut betucht war.<br />
Hannes hatte Janna erzählt, dass er als Findelkind immer in Heimen gelebt und niemals eine Familie gehabt hatte, was selbstverständlich ihr Mitleid erregte. Gleichzeitig hatte er sie sozusagen umgarnt, ihr gesagt, dass er sich immer eine Mutter wie sie gewünscht hatte, was nicht einmal gelogen war. Janna und auch ihr älterer Bruder sahen in Hannes, den vom Schicksal benachteiligten jungen Mann, dem die Chance auf eine erfolgreiche Zukunft von Geburt an genommen war.<br />
„Ich habe gelernt und das Abitur geschafft, erzählte er ihnen nicht ganz ohne Stolz. „Wäre ich in einer Familie aufgewachsen, wäre alles anders gekommen. Ich könnte studieren, aber so muss ich jetzt einfach nur sehen, dass ich Geld verdiene, egal mit welcher Arbeit. Vielleicht kann ich mir jeden Monat etwas zurücklegen und irgendwann meinen Traum vom Studium erfüllen.“</p>
<p style="text-align: left;">Sein Plan ging auf, zumindest fast. Janna Ziegler hatte den jungen Mann inzwischen ins Herz geschlossen, er tat ihr von Herzen leid. Und Hannes selbst entwickelte ebenfalls eine Art Zuneigung zu der älteren Dame. Letzteres hatte allerdings nicht zu seinem Plan gehört.</p>
<p style="text-align: left;">„Du bist verrückt“, hatte ihr Bruder trotz allen Mitleids versucht ihr die aufkeimende Idee auszureden. „Du kennst ihn doch gar nicht. Die paar Wochen, die er zu dir kommt und die Kleinigkeiten, bei denen er dir geholfen hat, stehen doch in keinem Verhältnis zu deinem Vorhaben. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, was du dir da in den Kopf gesetzt hast.“<br />
Richtige Argumente für seine Skepsis hatte er allerdings nicht nennen können; es war einfach nur ein Bauchgefühl gewesen.<br />
„Vielleicht täusche ich mich ja, vielleicht auch nicht.“</p>
<p style="text-align: left;">Janna Ziegler hatte sich durchgesetzt und Hannes Findel ein Universitätsstudium finanziert. Nachdem Hannes einmal gewechselt hatte, von der Psychologie zur Philosophie, entschied er sich für den Journalismus, der schließlich sein echtes Interesse geweckt hat und der ihm hoffentlich ein besseres Leben ermöglichen wird.</p>
<p style="text-align: left;">Doch die Tatsache ungeliebt, ungewollt und verstoßen worden zu sein, wird ihn niemals ganz zur Ruhe kommen lassen und weiterhin einen Schatten auf sein Leben werfen.</p>
<p style="text-align: left;">Bei einer seiner Recherchen zu einem Artikel über nicht sesshafte Volksgruppen vor 20-30 Jahren in unserem Land, stieß er zufällig auf ein Foto. Dieses war ca. 50 Kilometer von seinem „Fundort“ entfernt und wenige Wochen vor seinem vermuteten Geburtstag aufgenommen worden. Es zeigte eine junge schwangere Frau, deren Gesichtszüge &#8230;</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Vielleicht möchtet Ihr noch diese Geschichten lesen:</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/chaotische-familie/">Meine ganz normale, chaotische Familie</a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/das-familien-b-c-2/">Das Familien &#8211; A B C</a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/chaotischer-umzug/">Chaotischer Umzug</a></p>
<p style="text-align: left;">
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		<title>Der Einzelgänger (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2015 10:59:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[adoptieren]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelgänger]]></category>
		<category><![CDATA[Heim]]></category>
		<category><![CDATA[Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[kriminell]]></category>
		<category><![CDATA[lernen]]></category>
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					<description><![CDATA[Hannes Findel war von allen verlassen worden. Sein Vater hatte noch vor seiner Geburt Reißaus genommen und seine Mutter hatte ihn verstoßen, beziehungsweise einfach vor einer Kirchentür abgelegt. Die Pflegemutter war verstorben und der Pflegevater konnte ihn nicht behalten. Niemand wollte ihn, niemand liebte ihn. Niemand hatte sich seiner erbarmt. So landete er im Kinderheim und wurde zu einem Einzelgänger, den selbst das Glück verlassen hatte und dem das Schicksal nichts Gutes bereit hielt. Im Heim war er nicht gerade der beliebteste Bewohner. Er war zurückgezogen, fühlte sich ungeliebt und machte alle und jeden für sein Schicksal verantwortlich, an erster Stelle seine Mutter. „Hätte sie mich nicht weggeben, dann müsste ich nicht in diesem Heim leben. Hätte mich wenigstens eine Familie aufgenommen, aber jetzt adoptiert mich eh keiner mehr. Die wollen alle nur die niedlichen kleinen Mädchen oder die super braven kleinen Jungs. Mich will keiner.“ Hätte, hätte, hätte… Er hatte die Hoffnung aufgegeben aus dem Heim jemals wegzukommen. Ihn wollte keiner und inzwischen wollte er auch niemand mehr. Er baute eine unsichtbare Mauer um &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hannes Findel war von allen verlassen worden. Sein Vater hatte noch vor seiner Geburt Reißaus genommen und seine Mutter hatte ihn verstoßen, beziehungsweise einfach vor einer Kirchentür abgelegt. Die Pflegemutter war verstorben und der Pflegevater konnte ihn nicht behalten. Niemand wollte ihn, niemand liebte ihn. Niemand hatte sich seiner erbarmt. So landete er im Kinderheim und wurde zu einem Einzelgänger, den selbst das Glück verlassen hatte und dem das Schicksal nichts Gutes bereit hielt.</strong><br />
<span class="dropcap">I</span>m Heim war er nicht gerade der beliebteste Bewohner. Er war zurückgezogen, fühlte sich ungeliebt und machte alle und jeden für sein Schicksal verantwortlich, an erster Stelle seine Mutter.<br />
„Hätte sie mich nicht weggeben, dann müsste ich nicht in diesem Heim leben. Hätte mich wenigstens eine Familie aufgenommen, aber jetzt adoptiert mich eh keiner mehr. Die wollen alle nur die niedlichen kleinen Mädchen oder die super braven kleinen Jungs. Mich will keiner.“<br />
Hätte, hätte, hätte… Er hatte die Hoffnung aufgegeben aus dem Heim jemals wegzukommen. Ihn wollte keiner und inzwischen wollte er auch niemand mehr. Er baute eine unsichtbare Mauer um sich herum auf und ließ auch niemand wirklich an sich heran. Echte Freunde fand er im Grunde genommen nie.<br />
Eines Tages kam jedoch ein Neuer ins Heim. Robin. Er war drei Jahre älter als Hannes und zeigte Interesse an ihm. Er war nett und schenkte ihm immer irgendwelche Süßigkeiten. Hannes glaubte einen älteren Freund gefunden zu haben. Doch dieser gebrauchte ihn für seine eigenen Zwecke. Um Robin zu imponieren, ließ er sich zu kleineren Diebstählen anstiften.<br />
„Dort drüben im Supermarkt haben sie Zigaretten in Hülle und Fülle. Wenn du da ein paar Päckchen für mich mitgehen lässt, wird das keiner merken. Wir gehen dann auch mal zusammen ins Kino. Wir sind doch Freunde.“<br />
Endlich hatte er jemand, der mit ihm etwas unternehmen würde und er wäre nicht mehr so allein. Und es stimmte schon, er würde niemand damit schaden und merken würde es ganz sicher keiner, wenn er vorsichtig genug war. Ja und so ließ er sich überreden und als Hannes merkte, dass er ausgenutzt wurde und Robin keine wirkliche Freundschaft wollte, steckte er schon zu tief mittendrin. Er war in seinen jungen Jahren zum Dieb und damit kriminell geworden. Er kannte alle Schlupflöcher und Tricks, um heimlich und meist sogar für die ganze Nacht das Heim unentdeckt zu verlassen. Er trieb sich dann durch die Straßen der Stadt, machte kleine Diebstähle und hin und wieder auch einen kleinen Bruch. Erwischt haben sie ihn ab und zu schon, aber es gab letztendlich kaum wirkliche Konsequenzen, jedenfalls keine, die ihn tatsächlich schreckten. Er hätte jemand gebraucht, der ihn wieder aus diesem Sumpf zog und seinen guten Kern entdeckte.<br />
Zweimal schien das Schicksal es gut mit ihm zu meinen. Beim ersten Mal schnappte man Robin bei einem Autoklau und steckte ihn mit 14 Jahren in den Jugendknast. Das befreite Hannes aus dessen Fängen.<br />
Beim zweiten Mal als das Schicksal gnädig mit Hannes war, sah er sie und sein Leben änderte sich schlagartig. Damals war er zwölf. Er war bereits zweimal sitzengeblieben und in seiner neuen Klasse war sie Klassensprecherin und erst zehn Jahre alt. Er war vom ersten Moment an in sie verknallt und er spürte, dass er als Kleinkrimineller, als Rüpel und Klassenclown keinerlei Chancen bei ihr hätte. Er legte sich ins Zeug, wie er von sich sagte. Er paukte, um Eindruck bei ihr zu machen und entwickelte sich innerhalb eines Schuljahres zum Klassenbesten. Seine Lehrer und Betreuer waren überzeugt, dass das Sitzenbleiben seine Wirkung gezeigt hatte. Er ließ sie in diesem Glauben. Tatsächlich aber begann ihm das Lernen Spaß zu machen. Was anfangs eher als eine Art Imponiergehabe angefangen hatte, weil er Eindruck schinden wollte bei dem hübschen Mädchen, entwickelte sich mehr und mehr zum Selbstläufer. Er lernte, weil er merkte wie sich sein Wissen erweiterte und wieviel Freude ihm dies bereitete.<br />
Seine Angebetete blieb seine heimliche Liebe, ein Leben lang, obwohl diese in keiner Weise an ihm interessiert war, sondern an einem Jungen eine Klasse höher. Niemand ahnte etwas von seiner Liebe, nicht einmal die Angebetete selbst bemerkte etwas.<br />
Waren früher seine kriminellen Energien für seine eigentliche Isoliertheit verantwortlich, so wollte jetzt wiederum niemand wirklich etwas mit ihm zu tun haben.<br />
„Was willst du denn mit dem Streber. Der steckt doch ständig nur seine Nase in die Bücher und wirklich was anfangen kann man sowieso nichts mit ihm“, tuschelten sie untereinander.<br />
Klar holte man sich gerne die eine oder andere Information von ihm, einen wahren Freund fand er jedoch trotzdem nie. Er war und blieb ein Einzelgänger, allerdings ein unfreiwilliger.<br />
„Meine Freunde sind die Bücher“, sagte er zu sich selbst. „Das, was ich weiß und kann, gehört mir und das kann mir keiner nehmen.“<br />
Hannes war jemand, der sich und der Welt immer wieder beweisen wollte, was in ihm steckte. Trotz seiner stetigen Bemühungen und seiner Intelligenz, nahm man ihn nicht oder nicht ausreichend zur Kenntnis. Kurzzeitige Erfolge verliefen im Sand, so dass er nie wirklich zum Zuge kam, geschweige denn Karriere machte. Immer fehlte ihm das sogenannte i -Tüpfelchen, um die anderen auszustechen. Er war kein Versager, aber auch kein Erfolgstyp, im Grunde genommen war er ein Durchschnittstyp und dieses Bewusstsein ließ ihn verzweifeln, ja machte ihn schier krank.<br />
Wäre er in einer Familie aufgewachsen, die ihm Liebe und Ansporn gab, wäre sein Leben anders verlaufen und er hätte wahre, andauernde Erfolge erzielt. Davon war er felsenfest überzeugt. So aber empfand er sich selbst als ungeliebt und keineswegs liebenswert. Dies ließ ihn mit sich und den Menschen hadern. Seine Mutter, die er nie gekannt hatte, hatte ihn als hilfloses kleines Wesen im Stich gelassen und niemand war er soviel wert gewesen, dass man sich ihm liebevoll annahm. Eine Tatsache, die er nie verkraften würde und die aus ihm den Menschen gemacht hatte, der er war: Ein Einzelgänger, zwar ausreichend intelligent, aber immer vom Glück und Erfolg benachteiligt und einem leichten Drang auch einmal illegale Wege zu gehen, um Ziele zu erreichen. Er war nicht wirklich kriminell, aber er konnte ein gewisses Potential nicht verleugnen.<br />
Und dann kam ihm eine, wie er meinte vielversprechende Idee:<br />
„Ich muss mir einfach nur eine Familie suchen. Nicht irgendeine, keine durchschnittliche Familie, nein, wohlhabend und erfolgreich soll sie sein. Auch, wenn ich inzwischen längst erwachsen bin, man konnte auch Erwachsene adoptieren…“, überlegte er sich…</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Fortsetzung folgt</strong></p>
<p style="text-align: left;">Vielleicht möchtet Ihr auch noch diese Geschichten lesen:</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/karl-fridolin-von-tap/">Karl Fridolin von Tap</a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/purzel/">Purzel</a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://lifetellsstories.de/ein-besonderer-mensch/">Ein besonderer Mensch</a></p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
]]></content:encoded>
					
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		<title>Der Einzelgänger (1)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2015 22:08:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelgänger]]></category>
		<category><![CDATA[Findelkind]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderheim]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute und in den nächsten Folgen möchte ich Euch eine Person vorstellen, die ich mir vor geraumer Zeit einmal im Zusammenhang mit einer anderen längeren Erzählung erdacht habe. Das Schicksal dieser Person ist zwar rein fiktiv, aber durchaus nicht unvorstellbar, wenn auch in abgewandelter Form. Doch entscheidet selbst: Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Sein Leben stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Seine Eltern waren unbekannt und er selbst konnte sich an nichts erinnern. Alles, was er über sich selbst, beziehungsweise über seine Herkunft wusste, kannte er nur, weil man es ihm erzählt hatte. Er war vermutlich am Tag seiner Geburt, den man auf den 24.6. datierte, vor einer Pfarrhaustür abgelegt worden. Die Pfarrköchin hatte ihn in den frühen Morgenstunden rein zufällig gefunden, weil sie ein lautes Hupen auf der Straße vernommen hatte. Zunächst dachte sie, dass dies schon der Metzger sei, der versprochen hatte bereits in aller Frühe die bestellten Würste und das Fleisch vorbeizubringen. „Oh Gott! Oh Gott!“, stieß sie aus, als sie die Haustüre öffnete. „Frau Löffele, was &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute und in den nächsten Folgen möchte ich Euch eine Person vorstellen, die ich mir vor geraumer Zeit einmal im Zusammenhang mit einer anderen längeren Erzählung erdacht habe. Das Schicksal dieser Person ist zwar rein fiktiv, aber durchaus nicht unvorstellbar, wenn auch in abgewandelter Form. Doch entscheidet selbst:</strong><br />
<span class="dropcap">D</span>as Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Sein Leben stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Seine Eltern waren unbekannt und er selbst konnte sich an nichts erinnern. Alles, was er über sich selbst, beziehungsweise über seine Herkunft wusste, kannte er nur, weil man es ihm erzählt hatte.<br />
Er war vermutlich am Tag seiner Geburt, den man auf den 24.6. datierte, vor einer Pfarrhaustür abgelegt worden. Die Pfarrköchin hatte ihn in den frühen Morgenstunden rein zufällig gefunden, weil sie ein lautes Hupen auf der Straße vernommen hatte. Zunächst dachte sie, dass dies schon der Metzger sei, der versprochen hatte bereits in aller Frühe die bestellten Würste und das Fleisch vorbeizubringen.<br />
„Oh Gott! Oh Gott!“, stieß sie aus, als sie die Haustüre öffnete.<br />
„Frau Löffele, was ist passiert, dass sie so laut nach unserem Herrgott schreien?“ rief der Pfarrer nichts ahnend aus seinem Arbeitszimmer.<br />
„Kommen Sie schnell und schauen sie selbst, Herr Pfarrer! Dieses arme Würmchen lag vor unserer Tür! Fast wäre ich über das Körbchen gestolpert.“<br />
Der arme kleine Kerl lag darin und war in eine zerschlissene Decke eingewickelt. Es gab keinen Brief, keinen Hinweis auf seine Herkunft, einfach nichts.<br />
„Wir sollten den kleinen Jungen taufen und ihm einen Namen geben“, sagte der Pfarrer zu seiner Köchin, bevor der herbei gerufene Arzt kam, um das Kind zu untersuchen. „Sie sind doch eine Frau und kennen sich mit Namen bestimmt aus.“<br />
Tatsächlich hatte die Köchin eine Idee: „Denken Sie doch nur daran, welcher Tag heute ist!“, meinte sie nur. Und so hatte er seinen Namen bekommen:<br />
Da er als Findelkind am Johannistag, der an Johannes den Täufer erinnern soll, gefunden wurde, gab man ihm den Namen Hannes Findel, Hannes von Johannes und Findel von Findelkind. Nicht gerade sehr einfallsreich, wie er selbst später meinte, aber auf diesen Namen war er im Standesamtsregister eingetragen und so blieb es. Und außerdem hatte er sich irgendwie mit der Zeit daran gewöhnt.<br />
In Windeseile hatten sich die Ereignisse herumgesprochen und jeder hatte eine eigene Meinung dazu.<br />
„Da liegt ein Baby einfach so vor der Pfarrhaustür, weil irgendwo eine Frau in Not war und nicht wusste wohin mit dem Kind.“<br />
„Wie kann man nur sein eigenes Kind weggeben?“<br />
„Unvorstellbar, wenn der kleine zu spät gefunden worden wäre!“<br />
Eine Babyklappe gab es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in der Stadt und so war das Pfarrhaus die einzige Rettung. Gott sei Dank! Erst nach diesem Vorfall hörte man in allen Ecken und Winkeln den Ruf nach einer Babyklappe. Vorher war man darüber geteilter Meinung gewesen, außerdem war so etwas vielleicht andernorts von Nöten, aber doch nicht in dieser Stadt. Hier passierte doch so etwas nicht. Doch jetzt war plötzlich schon jeder von Anfang an dafür gewesen. Wie das eben so ist mit der Meinungsbildung. Das Gerede überschlug sich förmlich:<br />
„Ich habe es ja immer schon gesagt: So was kann überall passieren. Man weiß ja nie welche Leute hierher kommen.“<br />
„Das kann nur eine Fremde gewesen sein.“<br />
„Warum man nicht schon längst eine Babyklappe in unserer Stadt eingerichtet hat?! Man liest es doch allerorts.“<br />
„Es könnte doch auch mal einer jungen Frau von hier passieren!“<br />
„Es gibt inzwischen so viele Fremde hier in der Gegend, von denen man nichts weiß.“<br />
Man vermutete tatsächlich, dass die Mutter des Findelkindes eine Durchreisende gewesen sein musste, denn man kannte keine Frau in der näheren Umgebung, die als Mutter in Frage gekommen wäre. Auch in den Hotels und Pensionen war keine Hochschwangere in Erscheinung getreten. Im Krankenhaus hatte es an diesem Tag keine Entbindung gegeben und auch sonst gab es keinerlei Anzeichen für eine plötzliche Geburt auf einer öffentlichen Toilette oder dergleichen. Man tappte völlig im Dunkeln.<br />
Auch gesehen hatte niemand etwas, jedenfalls nicht wirklich. Der eine oder andere glaubte ein fremdes Auto, also mit einem nicht ortsüblichen Kennzeichen gesehen zu haben, doch die Aussagen unterschieden sich hinsichtlich des Wagentyps, der Farbe des Fahrzeuges und an das Kennzeichen konnte sich schon keiner erinnern. Aber vom Himmel gefallen, konnte das Kind ja auch schlecht sein.<br />
Anfangs ging man der ein oder anderen vermeintlichen Spur nach, doch irgendwann gab man die Suche nach der Mutter auf, so hatte man jedenfalls den Eindruck. Auch die Medien zogen sich nach den ersten auf Hochtouren laufenden Berichten und den fehlenden Ergebnissen zurück. Der Vorfall wurde sozusagen ad acta gelegt. Man klappte gewissermaßen den dafür eigens angelegten Ordner zu und setzte lediglich den Vermerk „Mutter und Vater nicht auffindbar“ darunter.<br />
„Wir werden in jedem Fall weiter ermitteln“, versprach man. „Doch im Moment haben wir noch keinen neuen Anhaltspunkt. Aber wir gehen jedem Hinweis nach. Jederzeit! Manchmal dauert es Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Doch die Erfolgsquote ist hoch.“<br />
Nach ein paar Tagen im Pfarrhaus kam der kleine Junge, dessen Gesundheit festgestellt worden war, bei einer Pflegefamilie unter. Die ganze Geschichte hätte einen glücklichen Verlauf nehmen können, wenn es das Schicksal nicht anders für den kleinen Jungen vorgesehen hätte. Leider konnte ihn die Pflegefamilie nur einige Monate behalten. Zu allem Unglück war die Mutter der Pflegefamilie plötzlich und unerwartet verstorben und ihr Mann musste beruflich für längere Zeit ins Ausland und konnte den kleinen Jungen nicht mitnehmen. Man versuchte ihn anderweitig unterzubringen, doch das fremde Kind, von dem niemand wusste, welcher Herkunft es war und welche Gene ihm innewohnten, wollte niemand haben.<br />
„Wer weiß aus welchem Milieu er stammt und was Vater und Mutter ihm vererbt haben“, so redeten die Leute unter vorgehaltener Hand.<br />
Man erzählte sich dies und das, dichtete dazu und malte die ganze traurige Geschichte in den trübsten Farben aus. Und so kam er ins Kinderheim und galt fortan als schwer vermittelbar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet ihr auch noch diese Geschichten lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/professor-konfusi/">Professor Konfusi</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-meerjungfraeulein/">Das Meerjungfräulein</a></p>
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