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	<title>Tanz &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Mein schönstes Herbstkleid</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2020 18:14:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Für Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Blätter]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Mißmutig schlendert Martin den Weg entlang. Er hat es überhaupt nicht eilig, denn nach dem Wochenende muss er seinen Aufsatz abgeben und er hat noch kein einziges Wort geschrieben. „Und es wird auch kein Wort dazukommen!“, schimpft er und kickt einen Stein in die nächste Ecke.  „Immer diese blöden Aufsätze mit den noch blöderen Themen. ‚Mein schönstes Ferienerlebnis‘, ‚Mein lustigstes Erlebnis‘ ,Frühling, Sommer, Herbst und Winter’, und so weiter, und so weiter…. Als wenn es nichts anderes auf der Welt gäbe.“ Dieses Mal ist der Herbst dran. Sie sollen eine ganz persönliche Herbstgeschichte schreiben. Vom Drachensteigen will schon Hugo, sein Banknachbar, erzählen. Das wäre was gewesen, weil er nämlich ganz allein einen tollen Drachen gebaut hat, den er beim nächsten Herbstwind steigen lassen will. Aber das hat Hugo schon letztes Jahr gemacht und davon will er nun berichten. Also ist für Martin diese Idee schon mal hinfällig. Yvonne hat im Herbst Geburtstag und erzählt wahrscheinlich von ihrer letzten Geburtstagsfeier. Alex stellte bei einer Kindergartenaufführung mal einen Baum im Herbststurm dar und wird darüber schreiben. Aber &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mißmutig schlendert Martin den Weg entlang. Er hat es überhaupt nicht eilig, denn nach dem Wochenende muss er seinen Aufsatz abgeben und er hat noch kein einziges Wort geschrieben.</strong></p>
<p><span class="dropcap">„U</span>nd es wird auch kein Wort dazukommen!“, schimpft er und kickt einen Stein in die nächste Ecke.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Immer diese blöden Aufsätze mit den noch blöderen Themen. ‚Mein schönstes Ferienerlebnis‘, ‚Mein lustigstes Erlebnis‘ ,Frühling, Sommer, Herbst und Winter’, und so weiter, und so weiter…. Als wenn es nichts anderes auf der Welt gäbe.“<br />
Dieses Mal ist der Herbst dran. Sie sollen eine ganz persönliche Herbstgeschichte schreiben. Vom Drachensteigen will schon Hugo, sein Banknachbar, erzählen. Das wäre was gewesen, weil er nämlich ganz allein einen tollen Drachen gebaut hat, den er beim nächsten Herbstwind steigen lassen will. Aber das hat Hugo schon letztes Jahr gemacht und davon will er nun berichten. Also ist für Martin diese Idee schon mal hinfällig. Yvonne hat im Herbst Geburtstag und erzählt wahrscheinlich von ihrer letzten Geburtstagsfeier. Alex stellte bei einer Kindergartenaufführung mal einen Baum im Herbststurm dar und wird darüber schreiben. Aber Martin hat keinen blassen Schimmer wovon er berichten soll. Der Herbst ist für ihn einfach nur eine Jahreszeit ohne große Bedeutung.<br />
„Geh nach draußen in den Park und beobachte das Treiben um dich herum und die schöne Natur, dann wird dir schon was einfallen“, hatte ihm sein größerer Bruder geraten.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Bah! Toller Rat. Als ich im Park ankam, zogen dunkle Wolken auf und es fing an zu schütten. Das einzige Ergebnis war, dass ich pitschnass nach Hause kam und ich mir einen Schnupfen angelacht hatte.“<br />
Gut, darüber könnte man notfalls schreiben, aber irgendwie empfand Martin die Sache ziemlich langweilig.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Das reißt doch niemand vom Hocker“, meint er zu seiner Oma, der er beim Mittagessen sein Herz ausschüttet.<br />
„Da hast du allerdings recht!“, pflichtet sie ihm bei.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Worüber würdest du denn schreiben?“, fragt Martin in der Hoffnung auf einen tollen Vorschlag.<br />
„Ach“, lächelt Oma und bekommt plötzlich einen ganz verträumten Blick. „Ich würde von meinem schönstes Herbstkleid erzählen.“<br />
„Oma!“, ruft Martin entsetzt aus. „Ich ziehe doch keine Kleider an, ich bin ein Junge, falls du es noch nicht bemerkt haben solltest!“<br />
„Ja, ja, aber komm trotzdem mal mit!“, fordert sie ihren Enkel auf, der durch das geheimnisvolle Verhalten seiner Oma neugierig geworden ist.<br />
Oma steigt gefolgt von Martin die Stufen zum Keller hinab und geht geradewegs auf einen alten Schrank zu. Sie öffnet die rechte Schranktür und Martin sieht Wintermäntel, Stiefel und zwei Kleiderhüllen, die dort auf den Bügeln hängen. Bei einer von den Kleiderhüllen zieht Oma nun den Reißverschluss auf und holt etwas heraus.<br />
Martin sieht ein zartes, schwarzes Kleid aus weich fließendem Stoff mit weit fallendem Rock und aufgedruckt leuchtend orange-und rötlichen Herbstblättern. Fast ehrfurchtsvoll streicht seine Oma den Stoff glatt und Martin spürt, dass dies tatsächlich etwas ganz Besonderes sein muss.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Das ist ein hübsches Kleid“, meint er und lächelt seiner Oma zu.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
„Ja und es gehört zu meiner ganz persönlichen Geschichte und damit auch zu deiner Geschichte“, erklärt sie Martin. „Aber lass uns wieder nach oben gehen.“<br />
Martins Großmutter hängt das Kleid zurück in den Schrank und beide gehen nach oben ins Wohnzimmer.<br />
Martin setzt sich voller Erwartung auf das Sofa, denn er hofft, dass Oma ihm diese ganz persönliche Geschichte erzählt.<br />
„Weißt du, mein Junge, auch deine Großmutter war einmal jung. Vor vielen Jahren trug ich dieses Kleid. Es war auf einem Fest. Tanz in den Herbst, so hatten sie es genannt. Deine Uroma hatte mir extra dafür dieses Kleid geschneidert. Ich war gerade einmal 18 Jahre jung.<span class="Apple-converted-space">  </span>Gleich beim ersten Tanz wurde ich von einem feschen jungen Mann aufgefordert, der mir sofort sympathisch war. Wir tanzten den gesamten Abend zusammen und beim Abschied verabredeten wir uns für das darauffolgende Wochenende. Dreimal darfst du raten, wer mein Tanzpartner war!“<br />
„Ich glaube“, meint Martin, „ich brauche nicht zu raten. Das kann nur Großvater gewesen sein!“<br />
„Ja, mein Junge! Und es war Liebe auf den ersten Blick und zwar nicht nur bei ihm, sondern auch bei mir hat es sofort gefunkt. Dieses Kleid wird mich immer daran erinnern“, sagt die Großmutter und kommt Martin plötzlich wie ein verliebtes junges Mädchen vor.<br />
„Oma, hast du ein Foto, das dich in diesem Kleid zeigt?“<br />
„Ja, irgendwo muss ich noch eines haben. Lass uns mal in diesem Fotoalbum nachsehen.“<br />
Am späten Nachmittag marschiert Martin mit dem Foto in der Hand nach Hause. Jetzt hat er keine schlechte Laune mehr. Im Gegenteil. Seinen Aufsatz wird er gleich nachher mit Freude im Herzen schreiben. Nun hat er eine ganz persönliche Herbstgeschichte, denn ohne diese wäre er nicht da.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a href="https://lifetellsstories.de/nebel/">Nebel</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Tänzchen gefällig?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Mar 2017 10:01:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Hochtouren]]></category>
		<category><![CDATA[Parkett]]></category>
		<category><![CDATA[Supermarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Waschanlage]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammenstoß]]></category>
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					<description><![CDATA[Diese eine Sache passiert mir in gewissen Abständen immer wieder. Man könnte fast schon von einer Regelmäßigkeit sprechen. Man denkt an nichts und zack ist es passiert. Hinterher lachen alle Beteiligten herzlich und schon ist es wieder vorbei. Bis zum nächsten Mal. Es kann jederzeit und nahezu an jedem beliebigen Ort passieren, an dem sich mindestens zwei Menschen befinden. Warum ich gerade jetzt davon berichte, wollt Ihr wissen? Na, weil es eben im Moment schon wieder passiert ist und das gleich mehrmals hintereinander. Ich spreche in Rätseln? Dann will ich für Euch dieses Rätsel auflösen: „Ich fahre mit dem Auto mal schnell durch die Waschanlage“, ruft mir mein Gatte zu, indem er den Kopf in die Küche steckt. „Wenn du noch einen kleinen Moment Zeit hast, dann komme ich mit. Ich muss nämlich noch ein paar Einkäufe machen.“ So machen wir es dann auch. Während mein Göttergatte dafür sorgen will, dass unser Auto wieder im Hochglanz erstrahlt, dafür sich aber erst einmal mit dem Wagen in einer Schlange anstellen muss, gehe ich zum gegenüberliegenden Supermarkt. &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diese eine Sache passiert mir in gewissen Abständen immer wieder. Man könnte fast schon von einer Regelmäßigkeit sprechen. Man denkt an nichts und zack ist es passiert. Hinterher lachen alle Beteiligten herzlich und schon ist es wieder vorbei. Bis zum nächsten Mal. Es kann jederzeit und nahezu an jedem beliebigen Ort passieren, an dem sich mindestens zwei Menschen befinden.</strong><br />
<span class="dropcap">W</span>arum ich gerade jetzt davon berichte, wollt Ihr wissen? Na, weil es eben im Moment schon wieder passiert ist und das gleich mehrmals hintereinander. Ich spreche in Rätseln? Dann will ich für Euch dieses Rätsel auflösen:<br />
„Ich fahre mit dem Auto mal schnell durch die Waschanlage“, ruft mir mein Gatte zu, indem er den Kopf in die Küche steckt.<br />
„Wenn du noch einen kleinen Moment Zeit hast, dann komme ich mit. Ich muss nämlich noch ein paar Einkäufe machen.“<br />
So machen wir es dann auch. Während mein Göttergatte dafür sorgen will, dass unser Auto wieder im Hochglanz erstrahlt, dafür sich aber erst einmal mit dem Wagen in einer Schlange anstellen muss, gehe ich zum gegenüberliegenden Supermarkt. Auf meinem Weg zu den Einkaufswagen, die in einer Ecke des Parkplatzes abgestellt sind, krame ich in meiner Handtasche nach einem Plastikchip, den ich für die &#8222;Entfesselung&#8220; des Einkaufswagens benötige. Da meine Handtasche einerseits alles und anderseits nichts beherbergt, also das reinste Bermudadreieck ist, in dem alles verschwindet, werde ich auch nicht gleich fündig. So laufe ich zwar langsam, aber stetig weiter, während ich in meiner Handtasche herum wühle. Mein Blick ist konzentriert auf den Inhalt meiner Tasche gerichtet.<br />
„Wo ist dieses Ding denn nur?“, frage ich mich fast schon verzweifelt. Als ich auch noch den Reißverschluss der inneren Seitentasche öffne, halte ich das gesuchte Teil endlich in der Hand.<br />
„Na also, ich wusste doch, dass ich einen Chip habe“, sage ich in Gedanken zu mir selbst.<br />
Strahlend nehme ich während des Laufens das besagte kleine runde Ding aus meiner Tasche und hebe den Blick wieder in meine Laufrichtung. Abrupt bleibe ich stehen, denn ich werde am Weitergehen gehindert. Vor mir steht ein Mann, der genau in die mir entgegengesetzte Richtung laufen will. Irgendwie sind wir uns in den Weg geraten, er befindet sich sozusagen auf meiner Bahn. Wer jetzt auf wen zugelaufen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, da ja meine Aufmerksamkeit abgelenkt war.<br />
„Entschuldigung“, sage ich trotzdem höflich.<br />
„Kein Problem!“, meint er. „Ist ja nichts passiert.“<br />
Freundlicherweise möchte ich ihm aus dem Weg gehen und trete einen Schritt rechts zur Seite. Genau im selben Moment tritt er einen Schritt nach links. Wieder stehen wir uns genau gegenüber und bilden jeweils für den anderen ein Hindernis. Jetzt wiederum mache ich einen Schritt nach links und er einen Schritt nach rechts. Nicht nur, dass inzwischen wieder jeder an seiner Ausgangsposition steht, auch sonst hat sich nichts an unserer Lage geändert. Wir stehen uns immer noch im Weg. Verlegen lächeln wir uns an, um es noch einmal zu versuchen. Also mache ich einen Schritt nach rechts und er einen nach links.<br />
„Entschuldigung“, sage ich nun zum zweiten Mal, kann mich aber kaum noch vor Lachen halten.<br />
„Bleiben Sie mal ganz ruhig stehen“, fordert mich der fremde Herr ebenfalls lachend auf. „Nicht bewegen, ich gehe jetzt nämlich einfach rechts an Ihnen vorbei.“<br />
„Okay! Das könnte klappen“, grinse ich und bleibe tatsächlich wie angewurzelt stehen.<br />
„Schönen Tag noch!“, rufe ich dem Herrn zu, nachdem wir nun wirklich und wahrhaftig aneinander vorbei gekommen sind.<br />
„Ihnen auch!“, antwortet er. „Er hat zumindest schon lustig angefangen.“<br />
Jetzt kann ich meinen Weg ungehindert fortsetzen, schnappe mir einen Einkaufswagen und marschiere durch die Reihen des Supermarktes. Wie immer oder zumindest meistens habe ich meinen Einkaufszettel zu Hause auf dem Küchentisch liegen gelassen. Deshalb muss ich mich jetzt auch konzentrieren, um nichts zu vergessen und alles in den Wagen zu packen, was ich unbedingt einkaufen muss. Während ich also mit höchster Aufmerksamkeit die Regale durchforste und meine grauen Zellen auf Hochtouren arbeiten, schiebe ich meinen Einkaufswagen den Gang entlang. Ich bemerke nicht, dass eine Frau mit ihrem Einkaufswagen direkt auf mich zukommt. Sie hat im Gegensatz zu mir ihren Einkaufszettel nicht zu Hause vergessen, sondern ist total in diesen vertieft. Gerade noch rechtzeitig bemerken wir uns gegenseitig und können einen direkten Zusammenstoß nur vermeiden, indem wir sofort stehen bleiben oder ein Ausweichmanöver starten. Wir entscheiden uns gleichzeitig für das letztere Verfahren. Und so geht es wieder los: Ein Stückchen mit dem Wagen nach rechts drehen, während mein Gegenüber ein wenig nach links auszuweichen versucht. Da so auch kein Vorbeikommen gewährleistet ist, bewegen wir uns spiegelbildlich weiter, das heißt, sie macht einen Schritt nach rechts und ich nun einen Schritt nach links bei gleichzeitigem Bewegen des Einkaufswagens. Ich kann nicht sagen, wie oft wir diese Schrittfolgen üben, aber irgendwann schiebt jemand seinen Einkaufswagen rechts an mir vorbei, so dass ich keinen Schritt in diese Richtung machen kann und still stehen bleibe. Dies gibt meinem Gegenüber die Chance letztendlich links an mir vorbeizuziehen.<br />
„Geschafft!“<br />
Wir lächeln uns verlegen an und setzen unseren Weg und unseren Einkauf fort. Nach ein paar Schritten steht plötzlich mein Mann vor mir, der mich anscheinend gesucht hat.<br />
„Ich bin noch nicht fertig“, erkläre ich ihm. „Es dauert noch ein Weilchen.“<br />
„Kein Wunder“, meint er grinsend. „Wenn du hier auch andauernd irgendwelche Tänzchen vollführst.“<br />
An meinem ratlosen Gesicht erkennt er anscheinend, dass ich nur Bahnhof verstanden habe. Also fügt er eine Erklärung hinzu:<br />
„Ich habe dich schon draußen auf dem Parkplatz mit dem Mann Tanzschritte üben sehen und jetzt hier drinnen auch noch mit der Sekretärin eines Kollegen. Du solltest Tanzlehrerin werden, immerhin legst du eine flotte Sohle auf das Parkett.“</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a href="http://lifetellsstories.de/der-luemmel-aus-der-letzten-bank/">Der Lümmel aus der letzten Bank</a></p>
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		<title>Clown August und der Ententanz</title>
		<link>https://lifetellsstories.de/clown-august-und-der-ententanz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Mar 2015 00:25:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Clown August]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir waren für ein paar Tage in der alten Heimat und haben die Mütter besucht. Im Moment befinden wir uns auf derAutobahn und fahren in unsere neue und jetzige Heimat. Wir fahren also gewissermaßen von Zuhause nach Hause.  Keine Ahnung, ob jemand diese unsere Logik versteht, aber diese Ausdrucksweise trifft es noch am Besten. Bestimmt ist auch nachvollziehbar, dass wir von so einer Reise in die Vergangenheit auch gewisse Erinnerungen mit in unsere Gegenwart bringen. Gerade fahren wir an einem Pritschenwagen vorbei, da fallen Peter und mir Geschichten ein, die uns an eine ganz bestimmte Person erinnern. „Du hast doch neulich die Geschichte vom Umzug meiner Schwester geschrieben und dabei kam so ein ähnlicher Pritschenwagen vor“, sagt Peter zu mir. „Hast du denn schon mal was von Tante Leni geschrieben?“ „Nein, noch nicht! Aber sag mal, wie war das eigentlich? Wenn ich mich richtig erinnere, dann war sie doch gar nicht deine Tante.“ „Sie war die Schwägerin von meiner Oma, väterlicherseits“, klärt mich Peter auf. „Das war jetzt aber umständlich formuliert. Sie war also die &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir waren für ein paar Tage in der alten Heimat und haben die Mütter besucht. Im Moment befinden wir uns auf derAutobahn und fahren in unsere neue und jetzige Heimat. Wir fahren also gewissermaßen von Zuhause nach Hause.  Keine Ahnung, ob jemand diese unsere Logik versteht, aber diese Ausdrucksweise trifft es noch am Besten. Bestimmt ist auch nachvollziehbar, dass wir von so einer Reise in die Vergangenheit auch gewisse Erinnerungen mit in unsere Gegenwart bringen.</strong></p>
<p><span class="dropcap">G</span>erade fahren wir an einem Pritschenwagen vorbei, da fallen Peter und mir Geschichten ein, die uns an eine ganz bestimmte Person erinnern.<br />
„Du hast doch neulich die Geschichte vom Umzug meiner Schwester geschrieben und dabei kam so ein ähnlicher Pritschenwagen vor“, sagt Peter zu mir. „Hast du denn schon mal was von Tante Leni geschrieben?“<br />
„Nein, noch nicht! Aber sag mal, wie war das eigentlich? Wenn ich mich richtig erinnere, dann war sie doch gar nicht deine Tante.“<br />
„Sie war die Schwägerin von meiner Oma, väterlicherseits“, klärt mich Peter auf.<br />
„Das war jetzt aber umständlich formuliert. Sie war also die Schwester von deinem Opa und damit die Tante von deinem Vater und deine Großtante. Richtig?“, versuche ich den Verwandtschaftsgrad zu ermitteln.<br />
„Ja stimmt schon. Ich komme mit diesen ganzen Verwandtschaftsbezeichnungen immer nicht ganz klar. Ist ja auch egal, denn jeder,  ob verwandt oder bekannt, nannte sie nur Tante Leni.“<br />
Als ich sie kennenlernte, eilte ihr der Ruf einer kleinen Berühmtheit voraus, zumindest innerhalb der Familie meines Mannes. Sie war eine zierliche kleine Person mit kurzem dauergewellten Haaren und immer guter Laune.<br />
„Mein Vater hat mir erzählt, dass ihr Mann eine Schreinerei hatte“, berichtet Peter. „Und jetzt komme ich auf den Pritschenwagen zu sprechen. Wenn sie zu einem Kunden unterwegs waren, der beispielsweise in Mainz wohnte, wollte sie immer mitfahren.“<br />
„Dagegen ist ja wohl nichts einzuwenden!“, verteidige ich Tante Leni.<br />
Peter grinst mich an und erzählt weiter: „Wenn im Sommer die Sonne vom Himmel lachte, dann stellte man einen Liegestuhl auf die Ladefläche.“<br />
„Wozu sollte das denn gut sein?“, frage ich überrascht.<br />
„Na, ganz einfach: Tante Leni setzte sich in den Liegestuhl und sonnte sich während der Fahrt!“<br />
„Das passt ganz genau zu der Tante Leni, die ich kennengelernt habe“, erwidere ich. „Unkonventionell, immer für ein Späßchen zu haben und in keiner Hinsicht langweilig.“<br />
„Tante Leni war auch für alles, was modern war zu begeistern. Sie war die erste im gesamten Familien- und Bekanntenkreis, die sich einen Farbfernseher kaufte. Alle wunderten sich wozu sie so ein neumodisches Dinge brauchte und später besorgte sich jeder so ein Gerät.“<br />
„Ach, der Farbfernseher“, falle ich Peter ins Wort. „Den haben wir doch nach Tante Lenis Tod sozusagen geerbt, der stand in unserer ersten gemeinsamen Wohnung und hat noch lange Jahre gute Dienste geleistet.“<br />
Tante Leni war bei jeder Familienfeier mit von der Partie, ob Geburtstag oder unsere Verlobung. Sie saß an der Kaffeetafel, erzählte und liebte es, wenn die anderen sich amüsierten. Sie aß gerne Kuchen, aber bitte mit Sahne, trotz Medikamente gegen einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Damals war ein ganz spezieller Sahnespender neu auf den Markt gekommen, ein Sahnesyphon. Hierfür wurde die flüssige Sahne mit Distickstoffmonoxid (einer N2O &#8211; Patrone) sozusagen aufgeschäumt.<br />
„Tante Leni saß in ihrem besten Sonntagskleid am Kaffeetisch und forderte mich auf, ihr aus dem Sahnespender eine ordentliche Portion Sahne auf ihren Kuchen zu spritzen.“ Peter kann sich bei der Erinnerung an diese Feier kaum noch vor Lachen halten. Nachdem er tief Luft geholt hat, berichtet er weiter. „Ich habe dieses Wunderwerk in die Hand genommen, gezielt und den Hebel fest runtergedrückt.“</p>
<p><span style="line-height: 1.73;">„Na und?“</span></p>
<p><span style="line-height: 1.73;">„Leider habe ich nicht auf den Kuchen gezielt, sondern auf Tante Lenis Sonntagskleid. Ich kann mich noch ganz genau an ihr „Huch!“ erinnern. Ob sie sauer war und geschimpft oder gelacht hat, weiß ich heute nicht mehr. Aber bei allen kommenden Kuchenschlachten erinnerte man sich lachend an diese Sahneorgie und forderte mich immer auf doch vorsichtig mit diesem Wunderwerk umzugehen.“</span></p>
<p>Am meisten Freude hatten sie und alle Anwesenden jedoch, wenn ein ganz spezielles Lied und dazu eine Aufforderung an Tante Leni erklang und daran kann ich mich ebenfalls noch haargenau erinnern. Nachdem die Kuchenteller und Kaffeetassen geleert waren, setzte sich mein Schwiegervater an seine selbstgebaute Orgel und begann Schlager zu spielen. Die Stimmung stieg und plötzlich rief jemand:<br />
„Tante Leni, jetzt kommt der Ententanz!“<br />
Ohne zu zögern marschierte sie in die Mitte des Wohnzimmers und legte zu Frank Zanders Schlager „Ja, wenn wir alle Englein wären…“ einen filmreifen Ententanz hin, den keiner besser konnte als Tante Leni. Mit ihren Ellbogen schlug sie wie mit Flügeln im Rhythmus des Liedes, führte mit zusammengedrückten Knien einen Twist ähnlichen Tanz auf und klatschte dann viermal in die Hände. Sie war die Stimmungskanone Nummer Eins und obwohl wir alle versuchten es ihr gleichzutun, konnte niemand mit der fast Achtzigjährigen mithalten. Und weil ihre Tanzvorführung mit großem Applaus und Zugaberufen belohnt wurde, blieb es niemals nur bei einem Tänzchen.<br />
Und selbstverständlich tanzten wir und sangen alle den Refrain mit:<br />
„Ja, wenn wir alle Englein wären,<br />
dann wär die Welt nur halb so schön…“ *</p>
<p>„Wir haben übrigens noch drei Andenken an Tante Leni!“, sage ich.<br />
„Ja genau“, bestätigt Peter. „Das Bild von Clown August, das im Hauswirtschaftsraum über unserer Waschmaschine hängt. Der lacht genauso lustig und scheint genauso viel Freude am Leben zu haben wie Tante Leni es hatte.“<br />
„Und im Schrank steht noch eine große und eine kleine gläserne Blumenvase, die sind beide ebenfalls von ihr“, ergänze ich meinen Mann.<br />
Wir hatten immer eine Menge Spaß, wenn Tante Leni dabei war und freuten uns schon im Vorfeld auf ihren Tanz. Doch leider konnte sie irgendwann nicht mehr mitfeiern. Sie wurde von einem Mofa angefahren und verstarb im Krankenhaus, allerdings so viel wir uns erinnern können, nicht an den Unfallfolgen. Aber man sieht, irgendwie ist sie doch noch bei uns. Jedesmal, wenn irgendwo Frank Zanders „Ententanz“ gesungen und getanzt wird, erinnern wir uns an Tante Leni und auch jetzt auf der Fahrt lasse ich bei You Tube das Lied erklingen.<br />
Auch heute hat uns die Erinnerung viel Freude bereitet und uns unsere Fahrt über 600 Kilometer zumindest gefühlsmäßig verkürzt. Danke Tante Leni.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine liebe Mitbloggerin (Tanja Fründ) hat zum Thema &#8222;Dummer August&#8220; ebenfalls einen Beitrag geschrieben.</p>
<p><a href="https://fruendlichescherereien.wordpress.com/2015/05/09/der-dumme-august-und-seine-verwandten" target="_blank">Der Dumme August und seine Verwandten</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>*  aus: http://www.golyr.de/frank-zander/songtext-ententanz-339823.html (Stand: 12.3.2015)</p>
<p><a href="http://www.golyr.de/frank-zander/songtext-ententanz-339823.html">Ententanz</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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