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	<title>Lobby &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Opa Heinrich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Nov 2019 09:37:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Apotheke]]></category>
		<category><![CDATA[Cafe]]></category>
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					<description><![CDATA[Opa Heinrich ist zu Besuch bei seiner Tochter Barbara und deren zwölfjährigem Sohn Markus. Sie sitzen am Abend gemütlich im Wohnzimmer und der Enkelsohn zeigt seinem Großvater die Urlaubsaufnahmen auf dem großen Bildschirm an der Wand.  „Wie sich die Welt verändert hat“, meint der rüstige 90jährige, „früher waren unsere Fotos nur Schwarzweiß, erst später wurden sie farbig. Auch haben wir sie noch in einem Schuhkarton gesammelt oder in ein Fotoalbum geklebt. Es ist schon toll, was man heutzutage alles machen kann.“ „Schau mal! Das war unser Hotel und hier ist die Lobby,“ erklärt Markus seinem Opa. „Der Empfangsbereich…“, versucht Barbara zu übersetzen. „Ja, ja!“, meint der ältere Herr nickend. „Das verstehe ich schon. Aber ist da gerade eine Trauerfeier, weil jemand gestorben ist oder warum schaut hier jeder nach unten?“ „Wie jetzt?“, fragt Markus sichtlich verwirrt. „Na, keiner unterhält sich anscheinend mit seinem Gegenüber. Alle haben den Blick nach unten gerichtet und niemand hat ein Lächeln im Gesicht. Im Urlaub sollte man doch erwarten, dass alle gemeinsam fröhlich sind.“ „Ach,“ sagt Markus, denn nun weiß &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Opa Heinrich ist zu Besuch bei seiner Tochter Barbara und deren zwölfjährigem Sohn Markus. Sie sitzen am Abend gemütlich im Wohnzimmer und der Enkelsohn zeigt seinem Großvater die Urlaubsaufnahmen auf dem großen Bildschirm an der Wand.<span class="Apple-converted-space"> </span></strong></p>
<p><span class="dropcap">„W</span>ie sich die Welt verändert hat“, meint der rüstige 90jährige, „früher waren unsere Fotos nur Schwarzweiß, erst später wurden sie farbig. Auch haben wir sie noch in einem Schuhkarton gesammelt oder in ein Fotoalbum geklebt. Es ist schon toll, was man heutzutage alles machen kann.“</p>
<p>„Schau mal! Das war unser Hotel und hier ist die Lobby,“ erklärt Markus seinem Opa.</p>
<p>„Der Empfangsbereich…“, versucht Barbara zu übersetzen.</p>
<p>„Ja, ja!“, meint der ältere Herr nickend. „Das verstehe ich schon. Aber ist da gerade eine Trauerfeier, weil jemand gestorben ist oder warum schaut hier jeder nach unten?“</p>
<p>„Wie jetzt?“, fragt Markus sichtlich verwirrt.</p>
<p>„Na, keiner unterhält sich anscheinend mit seinem Gegenüber. Alle haben den Blick nach unten gerichtet und niemand hat ein Lächeln im Gesicht. Im Urlaub sollte man doch erwarten, dass alle gemeinsam fröhlich sind.“</p>
<p>„Ach,“ sagt Markus, denn nun weiß er, was Opa Heinrich meint. „In der Lobby hat man Internetempfang und alle schicken wahrscheinlich Fotos nach Hause zu ihren Freunden oder unterhalten sich über W&#8230;ap oder F&#8230;k mit ihnen.“</p>
<p>„Die Fotos kann man doch auch später noch zeigen und gemeinsam betrachten. So wie wir jetzt. Ist es nicht schöner im Urlaub neue Bekanntschaften zu machen und sich mit ihnen zu unterhalten?“</p>
<p>„Ja aber“, wendet Markus ein, „die waren doch alle mit ihren Handys oder Laptops beschäftigt. Ist doch ganz normal. Man will ja schließlich aller Welt zeigen, wie toll es im Urlaub ist.“</p>
<p>„Naja“, meint der Großvater, „normal ist was anderes. Zumindest in meinen Augen. Aber zeig mal, was ihr sonst noch alles gemacht habt.“</p>
<p>Als Markus die nächsten Fotos zeigt, gibt sein Handy plötzlich einen Ton von sich. Der Junge unterbricht sofort sein Gespräch, greift nach dem Smartphone und liest die eingegangene Nachricht. In Windeseile gehen seine Finger über das Display und er blickt nur kurz auf, als er an die beiden Erwachsenen gerichtet, sagt:</p>
<p>„Florian, will mit mir chatten. Ich geh dann mal in mein Zimmer. Mutti, du kannst ja Opa Heinrich die Fotos noch zeigen.“</p>
<p>Und schon ist er zur Tür hinaus und in seinem Zimmer verschwunden, aus dem er an diesem Abend auch nicht mehr ins Wohnzimmer zurückkehrt.</p>
<p>Als Opa Heinrich zu Bett gehen will, schaut er noch einmal kurz bei Markus vorbei. Dieser sitzt vor seinem Computer und hämmert auf der Tastatur herum.</p>
<p>„Was machst du?“</p>
<p>„Ich chatte, eh, unterhalte mich mit Florian.“</p>
<p>„Aber hier ist doch niemand!“</p>
<p>„Na, Florian sitzt zu Hause auch vor seinem Computer“, meint Markus und irgendwie sind beide jetzt leicht irritiert über die Aussage des anderen.</p>
<p>Am nächsten Nachmittag gehen Barbara, ihr Vater und Markus in ein Café. Nachdem sich jeder etwas Süßes an der Kuchentheke ausgesucht hat, setzen sie sich an einen Tisch in der hinteren Ecke.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Von hier aus kann man gut die Cafébesucher beobachten“, denkt sich der ältere Herr, dem dies schon immer Freude bereitet hat. Er schmunzelt still vor sich hin, als er an sich und seine leider schon verstorbene Frau in jungen Jahren denkt. Als Frischverliebte haben sie sich oft im Café getroffen, sich zärtlich einen Kuss zugehaucht und vor allen Dingen viel gelacht. Das hat sich auch in den vielen langen Jahren ihrer Ehe nicht geändert.</p>
<p>Während er sich umschaut, sind seine Tochter und deren Sohn damit beschäftigt, irgendwelche Nachrichten in ihr Handy zu tippen. Und auch sonst scheint jeder im Raum mit sich selbst beschäftigt zu sein, oder besser gesagt, mit seinem Smartphone. Heinrich stellt fest, dass das junge Paar am Nachbartisch kaum ein Wort miteinander wechselt, geschweige denn sich zärtlich küsst.</p>
<p>„Früher hat man noch miteinander geredet und gelacht, wenn man in einem Café saß. Hat denn heutzutage keiner mehr Interesse am anderen?“, wundert er sich und durchschneidet damit die herrschende Schweigsamkeit.</p>
<p>Markus und seine Mutter blicken auf und sehen den Großvater verständnislos an.</p>
<p>„Schmeckt dir der Kuchen nicht?“, fragt Barbara verwirrt.</p>
<p>„Doch, doch, aber…“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Opa Heinrich stockt, scheint zu überlegen und richtet dann an Markus die Frage:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Sag mal, willst du deinen Freund Florian nicht mal einladen?“</p>
<p>„Ja doch, eben gerade habe ich ihn zum Chatten eingeladen.“</p>
<p>„Einfach nur um etwas gemeinsam zu unternehmen und sich ein wenig zu unterhalten, meine ich“, versucht der Großvater seinen Vorschlag zu erklären.</p>
<p>„Sag ich doch: Wir chatten gleich“, antwortet sein Enkel.</p>
<p>„So richtig in der Realität…“, versucht Heinrich es erneut.</p>
<p>„Ist doch in der Realität“.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Kommt er auch mal zu dir nach Hause?“</p>
<p>„Nö, der hat doch keine Zeit.“</p>
<p>„Ach so, die Schulaufgaben…“</p>
<p>„Nö“, wiederholt sich Markus. „Der sitzt am Computer und chattet mit Leuten aus aller Welt. Der kennt echt viele Leute…Toll!“</p>
<p>„Lad ihn doch morgen Nachmittag mal ein!“, fordert der Opa seinen Enkel noch einmal auf.</p>
<p>„Der kommt eh’ nicht…, okay ich versuch es mal…, aber du wirst sehen…“</p>
<p>Schon gehen Markus Finger über die angedeutete Tastatur auf seinem Handy.</p>
<p>Kaum hat er die Nachricht abgeschickt, piept es und Florian hat geantwortet.</p>
<p>„Er hat zugesagt…, na so was,…das gab es ja noch nie…“, wundert sich der Junge.</p>
<p>Am folgenden Nachmittag klingelt es um drei Uhr an der Haustür und der Freund von Markus steht davor.</p>
<p>„Ich hab den alten Laptop meines Vaters dabei, den er mir geschenkt hat“, sagt er zur Begrüßung an der Haustür.</p>
<p>„Gib mal her, ich bringe ihn schon mal ins Wohnzimmer“, meint Großvater Heinrich. „Erst müsst ihr mal für mich zur Apotheke und Hustensaft holen, ich glaube, ich habe mich ein bisschen erkältet.“</p>
<p>Mit diesen Worten drückt der alte Herr seinem Enkel die Jacke, einen Zettel und etwas Geld in die Hand, nimmt Florian den Laptop ab und schließt ganz schnell die Eingangstür hinter den Beiden.</p>
<p>Achselzuckend ziehen die zwei Jungen ab und kurz darauf reicht Markus dem Apotheker den Zettel:</p>
<p>„Soll ich für meinen Opa holen.“</p>
<p>Dieser wirft einen kurzen Blick auf die Notiz des alten Herrn, danach reicht er den Zettel wieder an den Jungen zurück. Lächelnd sagt er:</p>
<p>„Da seid ihr hier aber falsch. Geht mal nebenan in das Geschäft!“</p>
<p>„Wieso? Hier ist doch die Apotheke…“</p>
<p>„Eben drum…!“</p>
<p>Jetzt erst werfen Markus und Florian einen Blick auf<span class="Apple-converted-space">  </span>die handgeschriebene Zeile.</p>
<p style="text-align: center;"><em>„Holt euch für das Geld einen Fußball und habt einen schönen Nachmittag miteinander!</em><br />
<em>Opa Heinrich“</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/astrid-opa-und-das-eis/">Astrid, Opa und das Eis</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/grossvaters-haus/">Großvaters Haus</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/im-garten-meines-opas/">Im Garten meines Opas</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Anmerkung zum Beitragsbild: Leider ist mir der Künstler dieser Darstellung (Wand in einer Hotellobby auf Mallorca) nicht bekannt (Foto: Astrid Berg)</p>
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