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	<title>Fräulein &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Fräulein Tussnelda</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2017 22:01:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[eingebildet]]></category>
		<category><![CDATA[Fräulein]]></category>
		<category><![CDATA[gestylt]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich möchte Euch heute eine kleine Persönlichkeit vorstellen, die ich neulich getroffen habe. Sie saß bei meiner Schwiegermutter auf dem Sofa und kam mir ein bisschen verloren vor. Ich setzte mich zu ihr und betrachtete sie ein Weilchen, doch dann kam ich mit ihr ins Gespräch. Sie wurde recht redselig und so ließ ich sie ganz einfach ein bisschen aus ihrem Leben plaudern. Vielleicht möchtet Ihr dem Gespräch lauschen: „Guten Tag“, sagte ich. „Ich habe Sie schon öfter hier gesehen, doch leider hatten wir nie die Gelegenheit uns vorzustellen und uns zu unterhalten. Ich bin die Schwiegertochter von Frau B.“ „Das ist aber nett von Ihnen, dass sie mich ansprechen. Ich habe sie ebenfalls schon oft gesehen, doch leider haben sie noch nie das Wort an mich gerichtet. Das passiert sowieso nie. Das letzte Mal habe ich mich vor vielen, vielen Jahren hier mit einem kleinen Mädchen unterhalten, aber auch nur ein paar Worte. Die Menschen sind sehr schweigsam mir gegenüber.“ Das Fräulein senkte den Blick und schwieg für einen kurzen Moment, doch dann sprach &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich möchte Euch heute eine kleine Persönlichkeit vorstellen, die ich neulich getroffen habe. Sie saß bei meiner Schwiegermutter auf dem Sofa und kam mir ein bisschen verloren vor. Ich setzte mich zu ihr und betrachtete sie ein Weilchen, doch dann kam ich mit ihr ins Gespräch. Sie wurde recht redselig und so ließ ich sie ganz einfach ein bisschen aus ihrem Leben plaudern. Vielleicht möchtet Ihr dem Gespräch lauschen:</strong><br />
<span class="dropcap">„G</span>uten Tag“, sagte ich. „Ich habe Sie schon öfter hier gesehen, doch leider hatten wir nie die Gelegenheit uns vorzustellen und uns zu unterhalten. Ich bin die Schwiegertochter von Frau B.“<br />
„Das ist aber nett von Ihnen, dass sie mich ansprechen. Ich habe sie ebenfalls schon oft gesehen, doch leider haben sie noch nie das Wort an mich gerichtet. Das passiert sowieso nie. Das letzte Mal habe ich mich vor vielen, vielen Jahren hier mit einem kleinen Mädchen unterhalten, aber auch nur ein paar Worte. Die Menschen sind sehr schweigsam mir gegenüber.“<br />
Das Fräulein senkte den Blick und schwieg für einen kurzen Moment, doch dann sprach sie weiter.<br />
„Entschuldigen Sie bitte, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Tussnelda. Ich bin, wie man so schön sagt, eine ‚Hochwohlgeborene‘. Mit meinen Eltern wohnte ich als Kind in einem Schloss mit vielen Bediensteten. Ich trug immer feine Kleider und mir wurde jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Ich hielt mich nur in der besten Gesellschaft auf und alle verneigten sich vor mir und meinen Eltern.“<br />
Ich konnte sehen, wie ein paar Tränen in ihren Augen funkelten. Die Erinnerung an ihre Vergangenheit schien zu schmerzen.<br />
„So wuchs ich zu einem Fräulein heran, das die Nase etwas zu hoch trug. Damit will ich sagen, dass ich mir auf meine Herkunft ziemlich viel einbildete, hochnäsig und eingebildet wurde. Nichts war gut genug für mich. Nur das Beste und Teuerste wollte ich haben. Meine Eltern versuchten mir zu erklären, dass dies nicht gut für mich wäre, doch auf mein Drängen und tränenreiches Bitten hin, erfüllten sie mir doch schweren Herzens jeden Wunsch.“<br />
Gebannt lauschte ich ihren Worten und fragte mich, wie sie wohl auf das Sofa meiner Schwiegermutter geraten war. Doch ich konnte nicht lange meinen Überlegungen nachhängen, denn Fräulein Tussnelda wischte sich eine Träne ab und erzählte weiter.<br />
„Eines Tages jedoch passierte das Unfassbare. Es begann mit der Krankheit der Schlossherrin, an der sie verstarb. Ihr Mann vernachlässigte nach dem Tod seiner Frau die Arbeit, kümmerte sich weder um das Schloss noch um die Ländereien. So kam, was kommen musste: Das Schloss wurde versteigert. Meine Eltern und ich mussten das Schloss ebenfalls verlassen und selbst konnten wir uns den kostspieligen Lebensstil nicht mehr leisten. Kummer und Gram ließen auch meine Eltern kurz hintereinander sterben.“<br />
Fräulein Tussnelda musste mit ihrer Erzählung innehalten, denn die Erinnerung übermannte sie derart, dass sie ihr Gesicht hinter ihren Händen verbarg. Ich konnte sie leise schluchzen hören. Sanft strich ich ihr über die Schulter, um mein Mitgefühl zu demonstrieren. Dies schien ihr gutzutun, denn sie ließ ihre Hände in den Schoß fallen, suchte in ihrem Täschchen nach einem Taschentuch, das übrigens ihr Monogramm trug, und wischte sich damit die Tränen ab. Nachdem sie tief Luft geholt hatte, berichtete sie weiterhin aus ihrem Leben.<br />
„Jetzt war ich ganz alleine. Zunächst glaubte ich, dass allein meine Herkunft mir meinen Lebensunterhalt sichern würde. Doch die Menschen scherten sich nicht darum, dass ich eine Hochwohlgeborene war und in einem Schloss aufgewachsen war. Mein Stolz und meine Hochnäsigkeit brachten mir nur Verachtung und keinerlei Freunde ein. Nachdem ich alle meine Habseligkeiten, meinen Schmuck und meine schönen Kleider verkauft hatte, denn von irgendetwas musste ich ja leben, wurde mir klar, dass ich für meinen Lebensunterhalt würde arbeiten müssen. Zunächst zierte ich mich ein wenig, mich mit dem gemeinen Volk abzugeben, aber mir blieb nichts anderes übrig. Dann traf ich Grete, die meine Freundin wurde. Sie war ebenfalls alleine und mit ihr gemeinsam ging ich auf Arbeitssuche. Doch niemand wollte uns. Naja, wir sahen ja nicht gerade vertrauenserweckend aus. Das Leben in Armut hatte uns inzwischen gezeichnet. Da wir nur noch das besaßen, was wir auf dem Leib trugen, waren unsere Kleider nicht mehr sauber und schön und unsere Haare nicht gestylt. Die Menschen begannen uns zu verachten.“<br />
Fräulein Tussnelda sank in sich zusammen, doch plötzlich begann sie zu strahlen.<br />
„Wir saßen gerade an eine Hauswand gelehnt, als ein älterer Herr mit Spazierstock vorbei kam. Er blieb stehen und betrachtete uns wohlwollend. Er schien unser Leid zu erkennen, denn er nahm uns mit. Er hübschte uns auf, wusch unsere Kleider und setzte uns auf ein Schränkchen in seinem Wohnzimmer. Leider währte unser Glück nicht lange, denn er verstarb schon nach wenigen Wochen an einem Herzinfarkt. Danach kamen die Nachlassverwalter und wir wurden zusammen mit seinen Möbeln und Habseligkeiten verkauft. Grete und ich wurden auseinandergerissen. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört. Ich selbst landete in einem Antiquitätenladen, wo ich einfach achtlos auf einem Sessel platziert wurde.<br />
Menschen gingen ein und aus, doch niemand wollte mich bei sich aufnehmen. Außerdem sah ich schon wieder etwas zerzaust aus.“<br />
Langsam verstand ich wie Fräulein Tussnelda zu meiner Schwiegermutter gekommen war, doch ich wollte ihr nicht ins Wort fallen.<br />
„Eines schönen Tages kam eine elegante Frau mit einem Herrn in den Laden und sah sich interessiert um. Sie erstanden ein paar Dinge und die Dame entdeckte auch mich. Sie erkannte meine verborgene Schönheit und verhandelte mit dem Besitzer des Antiquitätenladens.“<br />
So ungefähr hatte ich mir das gedacht. Ich nickte Fräulein Tussnelda aufmunternd zu, um auch noch den Rest ihrer Lebensgeschichte zu hören.<br />
„Ihre Schwiegermutter war sehr gut zu mir. Sie wusch mich, meine Haare und meine Kleider. Sie machte mich wieder chic und ich durfte mir einen Ehrenplatz aussuchen. Ja, so bin ich hier auf dem Sofa gelandet, denn von hier aus kann ich das ganze Geschehen beobachten. Gut, es spricht eigentlich niemand mit mir, aber daran habe ich mich gewöhnt. Ich bin glücklich hier zu sein, geachtet, geliebt, versorgt und gepflegt zu werden. Was soll man sich auf seine alten Tage mehr wünschen?!“<br />
Ich lächelte Fräulein Tussnelda zu, bedankte mich für ihre ausführliche Erzählung und strich ihr sanft über das immer noch faltenlose und sehr vornehme Gesicht.<br />
„Ich habe zu danken“, erwiderte sie. „Sie haben mich sehr glücklich gemacht.“<br />
Nach diesen Worten verstummte sie. Ich habe sie niemals mehr sprechen gehört. Immer wenn ich mich neben sie setze, huscht ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht und sie zwinkert mir heimlich zu. Doch niemand außer mir kann dies sehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/anton/">Anton</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/astrid-opa-und-das-eis/">Astrid,Opa und das Eis</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/gut-beschirmt/">Gut beschirmt</a></p>
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		<title>Erinnerungen an die Schulzeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2016 09:48:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Diktat]]></category>
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		<category><![CDATA[Fräulein]]></category>
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					<description><![CDATA[An meine Schulzeit denke ich gerne zurück. Ich wurde am 1. Dezember 1966 eingeschult. Heute würde man denken, dass dies ein seltsamer Einschulungstermin ist. Dieses Datum ergab sich durch eine Umstellung, denn zuvor wurde immer zu Ostern eingeschult, außer in Bayern. Jetzt jedoch wollte man in ganz Deutschland, genauso wie in den europäischen Nachbarländern, den Schulanfang auf den Sommer verlegen. Deshalb führte man 1966 zwei Kurzschuljahre durch (erstmalig vom 01. 04. bis zum 30. 11. 1966). Ich machte also das zweite Kurzschuljahr noch mit, das am 1.12.1966 anfing und mit den Sommerferien am 31. Juli des Folgejahres endete. Ich kann mich noch genau an den Klassenraum der ersten Klasse erinnern. Er befand sich in einem sehr alten Gebäude, das auch heute noch steht. Man nennt es heute &#8222;Das Gelbe Haus&#8220; und in seinem Inneren befindet sich die Stadtbibliothek und die Touristeninformation. Man musste zunächst einige wenige Treppenstufen hochgehen und im Erdgeschoss befand sich dann auch gleich unser Klassenzimmer. Wenn man es betrat, so stand rechts ein Ölofen. Auf diesem wärmten wir immer leicht unsere Schulmilch, beziehungsweise &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>An meine Schulzeit denke ich gerne zurück. Ich wurde am 1. Dezember 1966 eingeschult. Heute würde man denken, dass dies ein seltsamer Einschulungstermin ist. Dieses Datum ergab sich durch eine Umstellung, denn zuvor wurde immer zu Ostern eingeschult, außer in Bayern. Jetzt jedoch wollte man in ganz Deutschland, genauso wie in den europäischen Nachbarländern, den Schulanfang auf den Sommer verlegen. Deshalb führte man 1966 zwei Kurzschuljahre durch (erstmalig vom 01. 04. bis zum 30. 11. 1966). Ich machte also das zweite Kurzschuljahr noch mit, das am 1.12.1966 anfing und mit den Sommerferien am 31. Juli des Folgejahres endete.</strong></p>
<p><span class="dropcap">I</span>ch kann mich noch genau an den Klassenraum der ersten Klasse erinnern. Er befand sich in einem sehr alten Gebäude, das auch heute noch steht. Man nennt es heute &#8222;Das Gelbe Haus&#8220; und in seinem Inneren befindet sich die Stadtbibliothek und die Touristeninformation.</p>
<p>Man musste zunächst einige wenige Treppenstufen hochgehen und im Erdgeschoss befand sich dann auch gleich unser Klassenzimmer. Wenn man es betrat, so stand rechts ein Ölofen. Auf diesem wärmten wir immer leicht unsere Schulmilch, beziehungsweise den Kakao an, den wir jeden Morgen aus der städtischen Molkerei geliefert bekamen.<br />
Ich ging gerne zur Schule und saß laut meines ersten Klassenlehrers mit hochroten Wangen und hochmotiviert im Unterricht. Ein Streber war ich nicht, aber ich kann sagen, dass ich die gesamte Schulzeit über eine gute Schülerin war. Bereits schon in der ersten Klasse stand mein Berufsziel fest. Ich wollte und bin Grundschullehrerin geworden. Bestimmt hing dies mit der Bewunderung für unseren ersten Lehrer zusammen, den wir wohl ausnahmslos alle verehrt haben.<br />
Wir schrieben in der ersten Klasse noch mit einem Griffel auf kleine Schiefertafeln. Erst in der zweiten Klasse lernten wir das Schreiben mit dem Füller in kleine DIN A5-Hefte.<br />
Unseren Klassenlehrer behielten wir die ersten beiden Grundschuljahre. Der Abschied von ihm fiel uns allen sehr schwer, obwohl wir mächtig stolz waren in die dritte Klasse zu kommen. Jetzt waren wir nicht mehr die Kleinen, sondern schon erfahrene Grundschüler.<br />
Schon vor den Sommerferien wussten wir, wer unsere Klasse durch die nächsten beiden Grundschuljahre führen sollte. Dieses Mal handelte es sich um eine Lehrerin.<br />
„Die ist ziemlich streng!“, so erzählten uns die älteren Schüler auf dem Schulhof.<br />
„Ohje!“, dachten wir und zu unserer Neugierde mischte sich auch noch ein etwas mulmiges Gefühl.<br />
Aber erst einmal waren die Sommerferien angesagt. Ich kann mich nur an sonnige Sommerferien erinnern. Scheinbar hatten wir niemals schlechtes Wetter. Regen hat es in meinen Sommerferien nie gegeben. Zumindest gibt es den in meinen Erinnerungen nicht und die blenden einfach verregnete Sommerferientage aus. Selbst wenn es mal geregnet hat, dann haben wir uns Kinder mit Sicherheit nicht so darüber geärgert, wie wir dies als Erwachsene heutzutage manchmal tun. Wir haben den Tag genommen wie er kam und haben einfach unbedarft und fröhlich gelebt und das war auch gut so.<br />
Nach den Sommerferien waren wir dann naturgemäß auch ziemlich aufgeregt. Als erstes wurde geklärt, ob meine Freundin und ich auch wieder nebeneinander sitzen würden. So drückten wir dann auch tatsächlich im neuen Klassenraum wieder die gemeinsame Schulbank.</p>
<p>Unsere Klassenlehrerin war aus unserer damaligen Sicht schon etwas älter. Wenn ich heute grob nachrechne, müsste sie so Ende Dreißig bis Anfang Vierzig gewesen sein. Naja, so alt dann wohl doch nicht. Sie hatte dunkelblondes etwas gewelltes, kinnlanges Haar und trug eine Brille. Sie war streng, aber auch sie liebten wir. Trotz ihres „fortgeschrittenen Alters“ war sie ledig und wurde daher auch als Fräulein angesprochen.</p>
<p>Fräulein U. kannte ihre Pappenheimer genau. Erklärte ihr O. beispielsweise, dass er sein Hausaufgabenheft zu Hause vergessen habe, so marschierte sie sogleich forschen Schrittes zu seiner Schulbank. Sie schnappte sich seinen Ranzen und leerte ihn unter unseren wachsamen Augen auf seinem Tisch aus. Zielsicher griff sie dann nach dem betreffenden Heft, das selbstredend nicht die geforderte Hausaufgabe enthielt. Manchmal entlarvte sie unter den Jungs auch einen Lügner, der vorgab seine Hausaufgaben selbst erledigt zu haben, erkannte aber die Handschrift des Vaters des betreffenden Schülers. Dann konnte das Heft schon mal um die Ohren des betreffenden Burschen flattern und der Vater erhielt eine schriftliche Einladung.<br />
Naja, vielleicht war sie dann doch nicht ausnahmslos bei allen Schülern so beliebt.<br />
Ich kann mich an einen Tag während dieser zwei Schuljahre noch genau erinnern. Nein, nicht an den gesamten Tag, aber an eine bestimmte Unterrichtsstunde. Am Ende der jeweiligen Unterrichtsstunde mussten wir immer so lange sitzen bleiben, bis uns die Lehrerin die Hausaufgaben zum Eintragen in das Hausaufgabenheft diktiert hatte. Erst nach diesem Eintrag durften wir in die Pause entschwinden. An diesem Tag jedoch meinte sie lächelnd:<br />
„Heute bekommt ihr mal keine Hausaufgaben!“<br />
„Toll!“, rief ich aus, klatschte freudig in die Hände und meiner Freundin und Banknachbarin sagte ich strahlend: „Dann kommst du heute Nachmittag aber zum Spielen zu mir nach Hause. Ach, ist das ein schöner Tag!!!“<br />
„Astrid“, meinte unser Fräulein U., das alles laut und deutlich vernommen hatte.<br />
„Denk immer daran, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!“<br />
Wahrscheinlich dachte ich nur: „Schöner Spruch! Hauptsache wir können heute den ganzen Nachmittag spielen!“<br />
Vielleicht dachte ich mir auch nichts dabei und wir gingen einfach nur in die Pause, um Gummitwist zu spielen. Dieses Hüpfspiel war nämlich unter uns Mädchen total in, wie man es heute ausdrücken würde.<br />
Die Schulglocke rief uns am Ende der Pause wieder von draußen nach drinnen in den Klassenraum. Wir saßen schon artig auf unseren Plätzen als Fräulein U. mit einem Stapel Hefte durch die Reihen ging. Sie teilte jedem das entsprechende Heft aus. Und jetzt verstand ich auch plötzlich was sie mit ihrem Ausspruch gemeint hatte. Vor uns lagen nämlich unsere Dikatathefte, die wir aufschlagen sollten. Danach folgte ein unangekündigtes und unvorbereitetes Diktat. Das war es also, was sie mir und meinen Klassenkameraden verschlüsselt durch die Redewendung mitgeteilt hatte. Wir alle sollten nämlich lernen, dass noch nicht aller Tage Abend war und noch viel passieren konnte.<br />
Ich kann mich nicht mehr an den Text des Diktates erinnern, auch nicht, welche Note ich erhielt. Den Ausspruch „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ habe ich jedoch über all die Jahrzehnte hinweg nie vergessen. Immer wenn etwas besonders schön ist, fällt er mir wieder ein und Fräulein U. steht in Gedanken vor mir.</p>
<p>Schön war es trotzdem, auch dass es an diesem Tag keine Hausaufgaben gab!!!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch noch das lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/kindheitserinnerungen/">Kindheitserinnerungen</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-sofa-der-kueche/">Das Sofa in der Küche</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-bin-ich-und-noch-viel-mehr/">Das bin ich&#8230;und noch viel mehr</a></p>
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