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	<title>unfassbar &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Unfassbar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2015 02:09:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[grotesk]]></category>
		<category><![CDATA[Herz]]></category>
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		<category><![CDATA[Rollstuhl]]></category>
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					<description><![CDATA[Man sagt, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt. Das ist richtig, aber leider schreibt das Leben auch manchmal Geschichten, die traurig oder sogar nahezu unfassbar sind. Eine davon möchte ich Euch heute erzählen, denn sie ist meinem Schwiegervater widerfahren.  Leider weilt mein Schwiegervater nun schon etliche Jahre nicht mehr unter uns, doch ich könnte mir vorstellen, dass er heute sogar über die Geschehnisse von damals lachen würde. Aufgeregt hat er sich in der besagten Situation jedenfalls auch nicht. Vielleicht liegt es daran, weil sie so unfassbar und schon grotesk ist, dass man ihr nur mit Kopfschütteln begegnen kann. Mein Schwiegervater war schon immer und auch später, trotz seiner schweren Erkrankung ein positiv denkender Mensch. Er war nierenkrank und wurde zum Dialysepatienten. Dies konnte ihn allerdings nicht davon abhalten mit meiner Schwiegermutter die Welt noch zu bereisen. Auf einem großen Traumschiff, das mehrere Dialysestationen an Bord hatte, machten sie Kreuzfahrten. Problemlos! Und ich muss sagen, es ist einfach fantastisch, dass es solche Möglichkeiten gibt. Später war er dann jedoch mobilitätsmäßig mehr eingeschränkt. Folgeerkrankungen führten schließlich &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Man sagt, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt. Das ist richtig, aber leider schreibt das Leben auch manchmal Geschichten, die traurig oder sogar nahezu unfassbar sind. Eine davon möchte ich Euch heute erzählen, denn sie ist meinem Schwiegervater widerfahren. </strong></p>
<p><span class="dropcap">L</span>eider weilt mein Schwiegervater nun schon etliche Jahre nicht mehr unter uns, doch ich könnte mir vorstellen, dass er heute sogar über die Geschehnisse von damals lachen würde. Aufgeregt hat er sich in der besagten Situation jedenfalls auch nicht. Vielleicht liegt es daran, weil sie so unfassbar und schon grotesk ist, dass man ihr nur mit Kopfschütteln begegnen kann.<br />
Mein Schwiegervater war schon immer und auch später, trotz seiner schweren Erkrankung ein positiv denkender Mensch. Er war nierenkrank und wurde zum Dialysepatienten. Dies konnte ihn allerdings nicht davon abhalten mit meiner Schwiegermutter die Welt noch zu bereisen. Auf einem großen Traumschiff, das mehrere Dialysestationen an Bord hatte, machten sie Kreuzfahrten. Problemlos! Und ich muss sagen, es ist einfach fantastisch, dass es solche Möglichkeiten gibt.<br />
Später war er dann jedoch mobilitätsmäßig mehr eingeschränkt. Folgeerkrankungen führten schließlich dazu, dass er innerhalb eines Jahres beide Beine amputiert bekam. Somit saß er fortan im Rollstuhl und war schwerbehindert. Aber seine positive Einstellung dem Leben gegenüber hat er beibehalten. So machte er auch allen möglichen Unsinn mit seinem Rollstuhl und fuhr beispielsweise mit unserem damals noch kleinen Sohn, der sich spaßeshalber in den Zweitrollstuhl seines Opas setzte, um die Wette. Da er mit seiner Behinderung völlig normal umging, taten wir Familienmitglieder dies auch. Doch wegdenken oder gar ignorieren, konnte man sie allerdings nicht. Auch wenn es scheinbar Menschen gibt, die vor dem überaus Offensichtlichen die Augen verschließen und auf Gesetzen beharren, die zwar notwendig, aber in manchen Fällen überflüssig sind.<br />
Ich habe Euch das alles nur im Vorfeld erzählt, damit Ihr Euch ein Bild von meinem Schwiegervater machen könnt. Doch nun zu der eigentlichen Begebenheit.<br />
Meine Schwiegereltern planten einen kleinen Tagesausflug. Ich weiß nicht mehr, wohin sie fahren wollten, aber auf jeden Fall nutzten sie dazu die Bahn. Es war ein schöner Tag und sie freuten sich auf ihre Unternehmung. Ein Bediensteter der Bahn half meinem Schwiegervater mit dem Rollstuhl in den Zug und so genossen sie die Zugfahrt. Allerdings nur bis zu einem bestimmten Moment. Und dieser nahte mit energischen Schritten in Gestalt der Zugbegleiterin. Ich weiß nicht wie sie aussah, denn mein Schwiegervater äußerte sich nie hierüber. Allerdings hat sich in meiner Vorstellung ein ganz bestimmtes Bild heraus kristallisiert: Sie war mit Sicherheit eine sehr ernste und gesetzestreue Dame. Vielleicht etwas streng und gouvernantenhaft wirkend. Dem ersten Anschein nach allerdings erst einmal sehr freundlich, aber dennoch bestimmend. So sagte sie dann auch ohne den Anschein eines Lächelns kurz und bündig:<br />
„Die Fahrausweise, bitte!“<br />
Diesen konnte mein Schwiegervater auch vorzeigen. Doch was ihm in der Hektik und der Vorfreude auf diesen Tag entgangen war, war etwas anderes.<br />
„Und wo ist ihr Schwerbehindertenausweis?“, fragte die strenge Dame sogleich als sie das ermäßigte Ticket sah.<br />
Mein Schwiegervater und auch meine Schwiegermutter durchwühlten ihre Taschen, doch leider erfolglos. In der Eile und der Vorfreude auf den Tagesausflug hatten sie vergessen den Behindertenausweis meines Schwiegervaters einzupacken.<br />
„Das sollte ja wohl kein Problem sein“, meinte mein Schwiegervater und lächelte die Dame an. Immerhin war seine Behinderung ja mehr als nur offensichtlich. Gut, in einen Rollstuhl kann sich jeder setzen, aber da ja erkennbar war, dass er beide Beine amputiert hatte, muss man eigentlich schon selbst mit Blindheit beschlagen sein, um die Behinderung nicht zu erkennen.<br />
Die Zugbegleiterin verzog jedoch keine Miene. „Es tut mir leid, aber dann müssen sie nachzahlen und auch noch Strafe zahlen.“<br />
„Also, hören Sie mal, Sie sehen doch …“, setzte meine Schwiegermutter verärgert an.<br />
Die Dame ließ weder mit sich reden, noch schien sie Augen im Kopf zu haben, geschweige denn das Herz am richtigen Fleck.<br />
Mein Schwiegervater, der keine Lust hatte sich über seine offensichtliche Behinderung in ein Streitgespräch einzulassen, winkte nur ab:<br />
„Wenn Sie meinen…“, richtete er sich an die Bahnmitarbeiterin und zückte auch schon seine Geldbörse.<br />
Möglicherweise war die Dame nur sehr darauf bedacht, Recht und Gesetz Genüge zu tun und hat dabei vergessen, dass in ihrer Brust auch ein Herz schlägt, das doch bestimmt nicht aus Stein ist. Allerdings schien sie sich nicht zu trauen diesem zu folgen.<br />
An diese Begebenheit musste ich erst kürzlich wieder denken, als ich in der sogenannten Regenbogenpresse in einem Wartezimmer auf einen Artikel* stieß. Als ich diesen las, wunderte ich mich doch sehr, denn ich hatte bisher angenommen, das geschilderte Erlebnis sei ein Einzelfall. Doch weit gefehlt!</p>
<p>Der Artikel* handelte von einem behinderten Mann, der ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen war. Da an seinem Rollstuhl etwas defekt war, fuhr er mit seinem Auto zu einem Sanitätsgeschäft. Nun kostet es einem Behinderten sicherlich mehr Mühe als einem Menschen ohne Handikap vom Auto in den Rollstuhl und ins Sanitätsgeschäft zu gelangen. Eine der Erleichterungen ist bestimmt der Behindertenparkplatz direkt vor dem Geschäft, den er auch nutzte. Bei seiner Rückkehr nach ungefähr drei Minuten, hatte eine Politesse gerade festgestellt, dass kein Behindertenausweis im Auto lag. Soweit, so gut! Ein gesunder Mensch ohne Gehbehinderung hat auch nichts auf einem Behindertenparkplatz zu suchen. Diesem gehört auch ein Knöllchen. Doch was ist, wenn man plötzlich einem Rollstuhlfahrer gegenübersteht. Ich denke, dann kann man doch ein Auge zudrücken. Die Politesse ließ sich jedoch nicht überzeugen und auch in diesem Fall ließ die besagte Dame nicht ihr Herz sprechen, sondern beharrte auf Recht und Gesetz. Auch dieser Herr kam seiner Geldstrafe nach.<br />
Ich finde, manchmal passieren schon seltsame Dinge auf dieser Welt, über die man sich nur wundern kann.<br />
Ich, anstelle der beiden Damen, hätte am Abend bestimmt keinen Schlaf gefunden, so hätte mich mein schlechtes Gewissen geplagt. <em>(Abgesehen davon,  hätte ich erst gar kein Bußgeld erhoben.)</em></p>
<p>Wie denkt Ihr über diese beiden Vorkommnisse? Bestimmt seid Ihr doch auch der Meinung, dass man das Problem <em>(wenn es überhaupt eines gab)</em> hätte menschlicher lösen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet ihr auch noch das lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/chaotische-familie/">Meine ganz normale, chaotische Familie</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-familien-b-c-2/">Das Familien &#8211; A B C</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/stock-und-weisser-bart/">Stock und weißer Bart</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Anmerkung: Das Foto habe ich in Bangkok aufgenommen und es stellt das Graffiti eines mir unbekannten Künstlers dar.</p>
<p>*vgl.: Knöllchen trotz Rolli, in: tina, Nr.47, 11. November 2015, S.5</p>
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