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	<title>nach Hause &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Knut Knopf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Apr 2019 20:09:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Für Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[ängstlich]]></category>
		<category><![CDATA[Brüder]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergarten]]></category>
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					<description><![CDATA[Knut Knopf ist, wie der Name schon sagt, ein Knopf. Er ist aber kein gewöhnlicher Hosenknopf, sondern ein ganz besonderer Knopf. Besonders deshalb, weil ihn sein Aussehen von allen anderen gewöhnlichen Knöpfen abhebt, was ihn aber keineswegs arrogant, überheblich oder gar unsympathisch macht. Nein, im Gegenteil. Er ist ein lustiger kleiner Kerl, der in seinem Leben schon einige Abenteuer erlebt hat. Wie er aussieht, wollt ihr wissen? Knut ist ein kleines schneeweißes Schäfchen, sein Kopf und seine dünnen Beinchen sind schwarz. Und wie es sich für einen Knopf gehört, hat er zwei winzige Löchlein und zwar genau inmitten seines wolligen Fells. Knut blickt ein bisschen verschmitzt in die Welt. Im Sturm erobert er die Herzen aller Kinder, ebenso wie seine beiden Brüder Karl und Klaus. Die drei K’s, wie sie sich selbst nennen, sind Drillinge und gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wo sie wohnen interessiert euch? Sie stehen auf einer grünen und saftigen Wiese und diese ist auf den Kragen eines hübschen Sommerkleidchens gedruckt. Brav steht ein Schäfchen neben dem anderen und Knut &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Knut Knopf ist, wie der Name schon sagt, ein Knopf. Er ist aber kein gewöhnlicher Hosenknopf, sondern ein ganz besonderer Knopf. Besonders deshalb, weil ihn sein Aussehen von allen anderen gewöhnlichen Knöpfen abhebt, was ihn aber keineswegs arrogant, überheblich oder gar unsympathisch macht. Nein, im Gegenteil.</strong></p>
<p>Er ist ein lustiger kleiner Kerl, der in seinem Leben schon einige Abenteuer erlebt hat. Wie er aussieht, wollt ihr wissen? Knut ist ein kleines schneeweißes Schäfchen, sein Kopf und seine dünnen Beinchen sind schwarz. Und wie es sich für einen Knopf gehört, hat er zwei winzige Löchlein und zwar genau inmitten seines wolligen Fells. Knut blickt ein bisschen verschmitzt in die Welt. Im Sturm erobert er die Herzen aller Kinder, ebenso wie seine beiden Brüder Karl und Klaus. Die drei K’s, wie sie sich selbst nennen, sind Drillinge und gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wo sie wohnen interessiert euch? Sie stehen auf einer grünen und saftigen Wiese und diese ist auf den Kragen eines hübschen Sommerkleidchens gedruckt. Brav steht ein Schäfchen neben dem anderen und Knut Knopf genau in der Mitte. Sein Bruder Karl zur Linken und Klaus zur Rechten. Das Sommerkleidchen gehört Tini. Sie ist vier Jahre, hat einen hellbraunen Lockenkopf und geht gerne in den Kindergarten. Sie war es auch, die den Knöpfen Namen gab. Alle sind seitdem glücklich und zufrieden und führen ein schönes Leben, bis zu jenem Tag, der Tinis Leben und das der Knopfdrillinge in Aufregung versetzt…<br />
Es ist 1. August, der Tag an dem Philipp, ihr fünfjähriger Cousin, zu Besuch kommt. Sie gehen mit den Müttern in den Garten und spielen. Sie sitzen im Sandkasten, backen Kuchen und bauen gemeinsam eine Sandburg. Doch irgendwann wird das schönste Spiel langweilig und Philipp macht einen Vorschlag:<br />
„Lass uns doch Fangen spielen!“<br />
„Fang mich doch!“, ruft Tini ihm zu und läuft weg.<br />
Ihre Beinchen sind zwar noch ein bisschen kürzer als Philipps Beine und so schnell rennen kann sie auch nicht wie er. Aber sie ist wendiger und immer, wenn er denkt, dass er sie gleich gefangen hat, schlägt sie einen Haken und ist schon wieder weg.<br />
„Ich krieg dich schon!“ schreit ihr der Cousin hinterher und macht einen großen Satz.<br />
Fast hätte er sie gehabt. Er hat schon ihren Kragen erwischt, genau dort, wo Knut, Karl und Klaus sitzen. Doch Tini reißt sich los und schwups ist sie wieder weg.<br />
Die drei K’s werden tüchtig durchgeschüttelt und -gerüttelt, so dass es ihnen schon fast schwindelig ist. Während sich Klaus und Karl bald wieder von diesem Schock erholt haben und ruhig an ihren Plätzen stehen, torkelt Knut weiter hin und her. Bleich vor Schreck stellt er fest, dass er nur noch an einem dünnen Fädchen baumelt. Er schreit um Hilfe:<br />
„Tini! Tini! Halt mich fest!“<br />
Doch Tini kann ihn nicht hören. An ihr Ohr dringt nur ein leichter kaum spürbarer Hauch, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings.<br />
Knut wendet sich verzweifelt an seine beiden Brüder, links und rechts von ihm:<br />
„Karl! Klaus! Helft mir doch, ich stürze gleich ab! Schnell!“<br />
Klaus und Knut erschrecken ganz fürchterlich und versuchen ihn festzuhalten. Doch es ist zu spät. Der Faden, welcher Knuts einziger Halt ist, lockert sich immer mehr. Knut rutscht noch ein Stückchen tiefer, so dass ihn Klaus und Karl nicht mehr erreichen können. Und dann geht es ganz schnell. Der Faden lässt ihn endgültig und unbarmherzig los. Er gleitet einfach durch die beiden Löchlein hindurch. Knut Knopf fällt und fällt und fällt. Immer tiefer und tiefer geht es hinab. Knut hält die Luft an und schließt die Augen. Einen winzigen Moment hat er das Gefühl zu fliegen, doch dann folgt der harte Aufprall.<br />
Er ist auf den harten und unnachgiebigen Asphalt des Bürgersteiges gefallen. Erschrocken öffnet er erst ein Auge und dann das zweite. Er schaut an sich herunter und tastet sich ab, ob noch alles an ihm heil geblieben ist. Alles tut ihm weh. Doch scheint nichts gebrochen und auch nichts abgebrochen oder gesplittert zu sein. Selbst seine vier dünnen Beinchen sind noch dran, aber sie zittern und sind ganz schwach. Knut kann sich nicht bewegen und schon gar nicht aufstehen.<br />
„Das ist ja noch einmal gut gegangen“, denkt er trotzdem und schaut nach oben. Doch er kann seine Brüder nicht mehr entdecken, denn Tini ist längst weiter gelaufen.<br />
Noch bevor er sich überlegen kann, was zu tun ist, erhält der arme Knut einen kräftigen Schups von zwei großen Füßen, die ihn achtlos in die Rille neben dem Bürgersteig befördern.<br />
„Hey, was soll das!“, ruft er empört.<br />
„Igitt, ist es hier schmutzig!“, beschwert er sich weiter. „Und nass auch noch!“<br />
Inzwischen hat es angefangen zu regnen. Ein richtiger Wolkenbruch ist das. So füllt sich die Rille, in der Knut liegt, in Sekundenschnelle mit Regenwasser. Knut strampelt mit seinen dünnen Beinchen und versucht zu schwimmen. Aber schon bald verlassen ihn seine Kräfte und er kann sich nur noch treiben lassen. Der Strom reißt ihn einfach mit. Er treibt neben einem kleinen Stückchen Kaugummipapier und hinter einer Vogelfeder dahin. Doch plötzlich gibt es einen Ruck und er bleibt hängen. Ängstlich schaut er sich um. Er stellt fest, dass er von einem kleinen Laubhaufen aufgehalten wurde, der direkt vor ihm liegt.<br />
„Puh!“, schnauft Knut Knopf. „Nur gut, dass ich in keinen Gully gerutscht bin, denn sonst wäre es jetzt aus mit mir.“<br />
Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und die Nacht ist herein gebrochen. Knut Knopf hält die Augen geschlossen und liegt zitternd vor Kälte vor dem Laubhaufen. Ab und zu weht der Wind ein Blatt zu ihm herüber, das sich schützend und wärmend auf ihn legt. Doch der nächste Windstoß fegt es wieder weg.<br />
Endlich bricht der Morgen heran und die Sonne streckt ihre wärmenden Strahlen nach ihm aus. Aber nicht nur die Sonne kommt, sondern auch die städtische Stadtreinigung. Männer mit Besen und Schaufeln bewaffnet, gehen die Straße entlang und beseitigen den Schmutz und das herum liegende Laub.<br />
Auch Knut Knopf wird von einem Besen auf eine Schaufel befördert. Dann geht es in Richtung eines kleinen Lastwagens. Auf der Ladefläche stehen große Behälter, in denen der Unrat hinein gekippt wird. Knut kann gerade noch in letzter Sekunde dem Arbeiter von der Schaufel hüpfen, bevor dieser das Laub in den dafür vorgesehenen Behälter befördert.<br />
So landete Knut Knopf wiederum auf dem Bürgersteig. Er kullert ein paar Meter weiter, bevor er zum Liegen kommt. Von der großen Aufregung und der Müdigkeit überwältigt, schläft Knut ein. Er wacht erst wieder auf, als ihn eine kleine Kinderhand vom Boden aufhebt.<br />
„Ist der niedlich!“, sagt die Kinderstimme, die einem kleinen Mädchen gehört.<br />
Susi wischt den Schmutz von Knut Knopf ab und steckt ihn in ihr Kindergartentäschchen. Dann aber sieht sie ihre Freundin Ilse, die schon vor dem Tor des Kindergartens auf sie wartet. Sie läuft schnell zu ihrer Freundin und hat den niedlichen Knopf auf einmal ganz vergessen.<br />
Erst als alle gemeinsam um den Frühstückstisch sitzen und ihre mitgebrachten Brote und Äpfel auspacken, holt sie den Knopf heraus. Sie legt ihn auf den Tisch und sagt stolz zu ihrer Freundin Ilse:<br />
„Schau mal, was ich gefunden habe. Ist der nicht hübsch?!“<br />
Aber Ilse interessiert sich nicht für den Knopf. Sie will lieber ihr Käsebrot gegen das Wurstbrot von Alex tauschen. Aber die Erzieherin, Frau Fröhlich, hat den Knopf gesehen und kommt zu Susi rüber.<br />
„Stimmt, Susi, da hast du einen richtigen kleinen Schatz gefunden.“<br />
Jetzt werden auch die anderen Kinder neugierig und wollen diesen Schatz ebenfalls sehen. Alle bewundern den kleinen süßen Knopf und jeder möchte ihn einmal in der Hand halten und mit den Fingern sanft darüber streichen. Auch Ilse betrachtet jetzt den Knopf ganz genau. Dann geht sie zu Frau Fröhlich und flüstert ihr etwas ins Ohr. Diese nimmt Ilse an der Hand und beide gehen aus dem Zimmer. Ilse führt Frau Fröhlich in den Nebenraum. Hier sehen sie ein kleines vierjähriges Mädchen mit einem hellbraunen Lockenkopf. Es hat ein wunderschönes Sommerkleidchen mit einem Kragen an. Das Mädchen sitzt still und traurig in der Ecke, während alle anderen Kinder lachen und hüpfen.<br />
„Schau mal“, sagt Ilse zu ihrer Erzieherin. „Das ist Tini und sie hat auch zwei so hübsche Knöpfe an ihrem Kleid.“<br />
Ilse deutet auf Tinis Kragen, an dem zwei kleine Schäfchenknöpfe zu sehen sind.<br />
„Eigentlich waren es einmal drei. Karl, Klaus und Knut Knopf, aber …“, erklärt Tini traurig.<br />
„Ob Tini ihren geliebten Knut Knopf wohl wieder bekommt?“, fragt ihr.</p>
<p>„Und, ob die drei K’s jetzt wieder vereint sind?“, möchtet ihr wissen.<br />
„Was meint ihr denn, wie die Geschichte ausgeht? Ich kann Euch nur eines verraten:<br />
Tini kommt heute Mittag singend und hüpfend nach Hause.“</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Der lange Weg nach Hause</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Feb 2015 21:50:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[daheim]]></category>
		<category><![CDATA[Ende]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[gut]]></category>
		<category><![CDATA[nach Hause]]></category>
		<category><![CDATA[trautes Heim]]></category>
		<category><![CDATA[Weg]]></category>
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					<description><![CDATA[Zu Hause ist da, wo meine Familie ist. Dort wo die Menschen leben, die ich liebe und die mich lieben. Nach Hause gehe ich gerne, denn dort fühle ich mich wohl und ich bin in der glücklichen Lage sagen zu dürfen, dass dies auch für meinen Mann und unseren Sohn zutrifft. Diese Heimkehr ist manchmal kürzer und manchmal länger, je nachdem wo man gerade war. Aber manchmal kann der Weg auch lang sein, wenn er eigentlich kurz ist. Und wir wären nicht Peter und Astrid, wenn wir nicht auch hierzu schon etwas erlebt hätten: Es war an einem schönen Sommertag, ich weiß sogar noch welcher Wochentag es war. Samstag. Wieso ich mich noch daran so genau erinnern kann, wird man jetzt fragen, wenn ich nicht einmal mehr den Monat oder das Jahr nennen kann. Das lässt sich ganz logisch erklären und hängt mit meinem damaligen Anlass für das Verlassen unserer Wohnung zusammen. Ich unterrichtete zu dieser Zeit an einer Grundschule in Darmstadt, allerdings befand sich diese nicht im selben Ortsteil wie unsere Wohnung. Beides lag &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zu Hause ist da, wo meine Familie ist. Dort wo die Menschen leben, die ich liebe und die mich lieben. Nach Hause gehe ich gerne, denn dort fühle ich mich wohl und ich bin in der glücklichen Lage sagen zu dürfen, dass dies auch für meinen Mann und unseren Sohn zutrifft. Diese Heimkehr ist manchmal kürzer und manchmal länger, je nachdem wo man gerade war. Aber manchmal kann der Weg auch lang sein, wenn er eigentlich kurz ist. Und wir wären nicht Peter und Astrid, wenn wir nicht auch hierzu schon etwas erlebt hätten:</strong></p>
<p><span class="dropcap">E</span>s war an einem schönen Sommertag, ich weiß sogar noch welcher Wochentag es war. Samstag. Wieso ich mich noch daran so genau erinnern kann, wird man jetzt fragen, wenn ich nicht einmal mehr den Monat oder das Jahr nennen kann. Das lässt sich ganz logisch erklären und hängt mit meinem damaligen Anlass für das Verlassen unserer Wohnung zusammen. Ich unterrichtete zu dieser Zeit an einer Grundschule in Darmstadt, allerdings befand sich diese nicht im selben Ortsteil wie unsere Wohnung. Beides lag ca. 6 Kilometer auseinander. Das ist ja keine Entfernung wird man denken. Stimmt, &#8211; aber irgendwie auch nicht.<br />
„Ich gehe heute zur Vorabendmesse“, erklärte ich Peter, der gerade einige Renovierungsarbeiten in unserer Wohnung vornahm. Die Kirche, die ich besuchen wollte, befand sich im gleichen Ortsteil wie die Schule.<br />
„Ich fahre dich hin, aber ich  muss gleich wieder zurück, weil ich hier alles noch fertig machen will!“, bot er mir an.<br />
„Gut, aber dann musst du mich auch wieder abholen“, erklärte ich ihm.<br />
Peter fuhr mich also hin und wir verabredeten, dass er in einer Dreiviertelstunde zur Abholung meiner Person wieder da sein würde.<br />
„Sei aber bitte pünktlich!“, sagte ich ihm. „Denn ich möchte ungern hier herum stehen und auf dich warten müssen.“<br />
„Kein Problem!“, versprach er mir hoch und heilig.<br />
„Aber nicht vergessen!“, sagte ich noch als ich die Autotür schloss.<br />
Peter winkte mir zu und fuhr mit dem Auto wieder nach Hause.<br />
In den nächsten 45 Minuten machte ich mir keinerlei Gedanken, allerdings hinterher umso mehr. Wer nämlich nicht da war, das war mein Peter.<br />
„Naja, dann muss ich doch noch etwas warten. Er wird schon in fünf Minuten hier sein“, dachte ich mir.<br />
Fünf Minuten vergingen, &#8211; zehn Minuten verstrichen, &#8211; eine Viertelstunde war inzwischen vorbei. Kein Peter war in Sicht. Damals war das Zeitalter des Handys noch nicht angebrochen, das heißt man hatte keine Möglichkeit mal eben schnell miteinander zu kommunizieren und sich kurzzuschließen. Mein Portemonnaie lag zu Hause, denn ich hatte mir lediglich ein wenig Kleingeld für den Klingelbeutel in die Hosentasche gesteckt. Damit konnte ich auch nicht von einer der damals noch existierenden Telefonzellen aus anrufen. Und die Schüler, die mir ein schönes Wochenende wünschten, wollte ich nicht anpumpen, wie man sich vorstellen kann. Irgendwann war die Straße wie leergefegt, nur ich stand noch herum und wartete auf meinen Peter. Langsam begann ich mich zu ärgern. Und mit dem Ärger setzte auch das Überlegen ein, was ich jetzt tun sollte, denn ich wollte ja schließlich nach Hause. Auf die Idee mit einem Taxi heimzufahren, meine Geldbörse aus der Wohnung zu holen, um den Taxifahrer zu bezahlen, kam ich nicht. Allerdings kam ich auf eine andere Idee, nur leider auf keine gute. Ich dachte mir nämlich, dass ich meinem Peter ja entgegen laufen könnte. Dabei gab es jedoch ein Problem: Viele Wege führen nach Rom und so gab es auch hier verschiedene Möglichkeiten. Keine Ahnung, warum ich mich für den von mir gewählten Weg entschied, möglicherweise weil er eine Abkürzung war, zumindest für Fußgänger.<br />
Ich lief los, immer die Augen auf alle vorbei fahrenden Autos gerichtet, so dass ich meinen Peter auch nicht verpassen könnte. Meine Verärgerung wuchs von Minute zu Minute. Zu allem Unglück hatte ich nicht gerade Wanderschuhe an, sondern neue Sandalen mit hohen Absätzen. Es dauerte also nicht sehr lange und meine Füße begannen zu schmerzen, was wiederum nicht meine Laune hob.<br />
„Das ist eine ganz schöne Gemeinheit! Der hat mich einfach vergessen!“, ärgerte ich mich im Stillen, wobei im Grunde genommen diese innere Stimme alles andere als leise war. Genau in diesem Moment, weit entfernt von den letzten und den nächsten Häusern, brauste ein Mofafahrer an mir vorbei. Besser gesagt er brauste bis zu mir heran, verlangsamte seine Fahrt auf Schrittgeschwindigkeit und fragte mitleidig:<br />
„Kann ich dich ein Stück mitnehmen?“<br />
Obwohl ich den Fahrer nicht kannte, willigte ich ein und setzte mich auf den Gepäckträger. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Zu meinem Leidwesen fuhr er jedoch nicht bis zu meinem Wohnort, aber immerhin hatte ich inzwischen mehr als die Hälfte des Weges bewältigt. Und ich würde den Rest auch noch schaffen.<br />
Meine Verärgerung hatte sich inzwischen in Sorge um meinen Peter verwandelt, denn ich begann mir auszumalen, dass ihm etwas zugestoßen sei. Entweder er hatte einen Unfall mit dem Auto oder es war bei den Renovierungsarbeiten etwas passiert. So stellte ich mir bildlich vor, er sei von der Leiter gefallen oder er habe beim Anschließen der neuen Deckenlampe einen Stromschlag bekommen oder sogar beides.<br />
Mit nackten und blutigen Füßen, die Sandalen in der Hand kam ich völlig aufgelöst an. Ich schloss die Haustüre auf und schlich mit letzter Kraft die Treppe hoch. Auf den letzten Stufen vor unserer Wohnungstür traf ich auf einen Bekannten von uns, der gerade mit einer Straßenkarte in der Hand auf dem Weg treppab war.<br />
„Gott sei Dank“, stieß er erleichtert aus. „Da bist du ja! Wir suchen dich schon die ganze Zeit!“<br />
Jetzt stand auch Peter plötzlich vor mir. „Wo warst du denn?“, fragte er mich zwischen Verärgerung und Erleichterung schwankend.<br />
„Das frag ich dich! Ich hab schon befürchtet es ist was passiert!“, gab ich zurück.<br />
„Was denkst du denn, welche Befürchtungen wir hatten“, meinte Peter und warf einen Blick zuerst auf meine Schuhe und dann auf meine Füße.<br />
„Bist du etwa gelaufen?“<br />
„Was soll ich denn machen, wenn du nicht kommst, weil du mich einfach vergessen hast!“<br />
„Ich habe dich nicht vergessen, das war nämlich so: …“<br />
Und dann erzählte mir Peter seine Version der Geschichte:</p>
<p>Peter hatte zunächst fleißig weiter gearbeitet, aber dann klingelte es plötzlich an der Haustür und der besagte Bekannte stand vor ihm. Er hatte eine freudige Nachricht zu verkünden, denn er kam gerade aus dem Krankenhaus, wo seine Frau eine gesunde Tochter entbunden hatte. Darauf musste man natürlich anstoßen und so öffneten sie jeder eine Flasche Bier, weil wir keinen Sekt zu Hause hatten. Darüber vergaß Peter die Zeit und als er auf seine Uhr schaute, war er eine Viertelstunde über den vereinbarten Zeitpunkt hinaus. Er sprang in sein Auto und fuhr auf der für Autos schnellsten Strecke (die aber für mich zu Fuß der längere Weg gewesen wäre) zur Kirche im Nachbarort, um festzustellen, dass ich nicht da war. Zunächst war er nur etwas verwundert gewesen, denn weder Unpünktlichkeit noch Unzuverlässigkeit war er von mir gewohnt. Also fragte er im Pfarrhaus nach, aber da der dortige Pfarrer an diesem Tag vertreten wurde, kannte diese Vertretung mich nicht und wusste auch nichts von meinem Verbleib. Allerdings meinte dieser sofort:<br />
„Oh Gott!“<br />
Beide Männer, mein Peter und der Vertretungspfarrer, waren sichtlich beunruhigt, da es inzwischen schon zu dämmern begann. Kurzentschlossen schnappte sich der Geistliche eine Taschenlampe und dann starteten sie die Suche nach mir. Keine Ahnung, was sie sich ausmalten, auf jeden Fall durchsuchten er und Peter jedes Gebüsch im Umkreis der Kirche, allerdings ohne Erfolg.<br />
Peter fuhr völlig nervös wieder nach Hause und alarmierte den Bekannten, der sofort eine Straßenkarte für die weitere Suchaktion organisierte.</p>
<p>Alles Weitere meiner Odyssee ist bekannt und somit haben sich zwei Sprichwörter bewahrheitet:</p>
<p style="text-align: center;">Ende gut, &#8211; alles gut!</p>
<p style="text-align: center;">Trautes Heim &#8211; Glück allein!</p>
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