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	<title>was &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Was ist das denn?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Aug 2021 10:40:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Ausschlag]]></category>
		<category><![CDATA[Gesicht]]></category>
		<category><![CDATA[lachen]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
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					<description><![CDATA[Ines und ihr Mann Hannes haben sich beide für heute Nachmittag frei genommen, weil sie einige Erledigungen in der Stadt machen müssen. Inzwischen ist fast alles abgearbeitet, nur noch der Hosenkauf von Hannes steht auf dem Plan. Da dieser gar keine Lust darauf hat, unterbreitet er Ines einen Vorschlag: „Lass uns doch dort drüben in dem Cafe noch gemütlich einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen genießen.“ „Du willst dich wohl um den Hosenkauf drücken?“ „Ich doch nicht“, zwinkert ihr Hannes zu. Da Ines ansonsten nichts gegen eine kurze Pause einzuwenden hat, suchen sie sich im Außenbereich des Cafés ein gemütliches Plätzchen. Gerade haben sie ihre erwählten Leckereien serviert bekommen, schaut Hannes seine Frau an und runzelt die Stirn. Ines fasst sich instinktiv an die Nasenspitze. „Habe ich einen Pickel auf der Nase oder warum schaust du mich so seltsam an?“ „Das nicht gerade, aber was ist das denn?“ „Was denn und wo überhaupt?“ „Dein Gesicht. Das fällt mir jetzt erst auf“, spricht Hannes immer noch in Rätseln. „Ich sehe aus wie immer, habe mich geschminkt &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ines und ihr Mann Hannes haben sich beide für heute Nachmittag frei genommen, weil sie einige Erledigungen in der Stadt machen müssen. Inzwischen ist fast alles abgearbeitet, nur noch der Hosenkauf von Hannes steht auf dem Plan. Da dieser gar keine Lust darauf hat, unterbreitet er Ines einen Vorschlag:</strong></p>
<p><span class="dropcap">„L</span>ass uns doch dort drüben in dem Cafe noch gemütlich einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen genießen.“</p>
<p>„Du willst dich wohl um den Hosenkauf drücken?“</p>
<p>„Ich doch nicht“, zwinkert ihr Hannes zu.</p>
<p>Da Ines ansonsten nichts gegen eine kurze Pause einzuwenden hat, suchen sie sich im Außenbereich des Cafés ein gemütliches Plätzchen.<br />
Gerade haben sie ihre erwählten Leckereien serviert bekommen, schaut Hannes seine Frau an und runzelt die Stirn.<br />
Ines fasst sich instinktiv an die Nasenspitze.</p>
<p>„Habe ich einen Pickel auf der Nase oder warum schaust du mich so seltsam an?“</p>
<p>„Das nicht gerade, aber was ist das denn?“</p>
<p>„Was denn und wo überhaupt?“</p>
<p>„Dein Gesicht. Das fällt mir jetzt erst auf“, spricht Hannes immer noch in Rätseln.</p>
<p>„Ich sehe aus wie immer, habe mich geschminkt wie sonst auch und habe keinen Pickel auf der Nase… Also, was stört dich sonst an meinem Gesicht?“</p>
<p>„Irgendwie sieht du anders aus. Hast du vielleicht Rouge aufgelegt?“</p>
<p>„Nein, du weißt doch ich benutze nur Lidschatten oder Eyeliner, Mascara und Lippenstift.“</p>
<p>„Nein, nein, das ist es ja auch nicht, eher der Rest vom Gesicht.“</p>
<p>„Also Hannes, du machst mich total unsicher. Jetzt rück endlich mit der Sprache heraus!“, fordert Ines ihren Mann aufgelöst auf.</p>
<p>„Schau doch einfach mal in den Spiegel!“</p>
<p>„Ich habe keinen dabei, also nun rede endlich Klartext!“</p>
<p>„Naja, du siehst…“</p>
<p>„Oh nein!“, ruft Ines plötzlich erschrocken aus. „Dort ist Elene, du weißt schon, die aus unserer Straße, die immer alle Neuigkeiten weiß. Wenn sie mich so sieht, weiß morgen jeder, was ich im Gesicht habe…“</p>
<p>„Huhu!“, ruft es da schon und Elene marschiert schnurstracks auf den Tisch von Ines und Hannes zu.</p>
<p>„Ach, du grüne Neune!“, ruft sie auch sofort aus, als sie neben Ines steht. „Was ist das denn?“</p>
<p>Inzwischen ist Ines fast den Tränen nahe. Ihren Kuchen schiebt sie weit von sich, denn nun verspürt sich keinerlei Appetit mehr.</p>
<p>„Du bist ja total rot!“, kichert Elene, sieht irgendwie lustig aus. Ist das ein Ausschlag? Das ist bestimmt ansteckend!“</p>
<p>„Was ist denn mit mir? Vorhin als ich auf der Toilette war und mir vor dem Spiegel die Haare gekämmt habe, war doch alles noch in Ordnung.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ines versteht die Welt nicht mehr und sie kann kaum noch die Tränen zurückhalten.</p>
<p>„Jetzt reg dich mal nicht auf“, versucht Hannes seine Frau zu beruhigen. „Das ist bestimmt nichts Schlimmes. Wir sollten allerdings den Hosenkauf verschieben.“</p>
<p>„Ist das dein einziges Problem?“, gibt Ines bissig zurück.</p>
<p>„Ist doch gut, Ines! Komm wieder runter von der Palme!“, beschwichtigt nun auch Elene. „Ich war neulich auch in diesem Café und saß auf dem selben Platz wie du jetzt.“</p>
<p>„Na und! Das ist mir jetzt total egal!“, gibt Ines patzig zurück.</p>
<p>„Sollte es dir aber nicht sein!“, ruft Elene aus. „Pass mal auf!“</p>
<p>Mit diesen Worten schiebt Elene sich den Stuhl neben Ines zurecht und setzt sich unaufgefordert hin.</p>
<p>„So, und jetzt schaut mich mal an!“, fordert Ines die Beiden auf.</p>
<p>„Du bist total rot im Gesicht!“, rufen Hannes und Ines wie im Chor aus.</p>
<p>„So schnell ist diese Sache ansteckend“, lacht Elene und zeigt nach oben.</p>
<p>Das Ehepaar folgt ihrem Fingerzeig mit den Blicken und sieht die Sonne durch den roten Sonnenschirm schimmern.</p>
<p>„Komm!“, fordert Elene Ines auf, nimmt diese an der Hand und zieht sie von Tisch und Sonnenschirm weg auf den großen Platz. „Schau, und so schnell sind wir beide wieder geheilt!“</p>
<p>Die vorübereilenden Fußgänger sehen zwei Frauen, die sich in den Armen liegen und lachen, lachen, lachen.</p>
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		<title>Was sagt man dazu?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2017 22:20:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Plauderecke]]></category>
		<category><![CDATA[Flasche]]></category>
		<category><![CDATA[Händler]]></category>
		<category><![CDATA[plaudern]]></category>
		<category><![CDATA[Spucke]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>
		<category><![CDATA[was]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute melde ich mich mal wieder kurz aus meiner Plauderecke, denn ich muss unbedingt etwas loswerden, was ich vor fast zwei Jahren erlebt habe. Ich habe zuerst überlegt, eine Geschichte daraus zu machen, kam dann aber zu dem Entschluss, dass es an dieser Stelle besser platziert ist. Also lasst uns darüber plaudern: Ihr kennt bestimmt die Situation, wenn sich das Leergut so angesammelt hat, dass es endlich wieder einmal zum Händler gebracht werden muss, um Platz für neue gefüllte Flaschen zu schaffen. Ich bin jedesmal wieder erstaunt darüber, wieviel Geld da so im Keller herumsteht und freue mich, wenn ich dadurch an der Supermarktkasse meine Rechnung schmälern kann. Das ist ja wohl auch der Anreiz, der geschaffen wurde. Man wirft sie nicht einfach weg, sie werden noch verwertet und erhält das gezahlte Pfand zurück. Nun gut, langer Rede kurzer Sinn: Ich stand also wieder einmal am Flaschenrücknahmeautomaten, mit dem ich mich auch manchmal köstlich unterhalte, aber das ist eine andere Geschichte ( Zwischen Kampf und Unterhaltung ). Insgesamt gab es zwei Automaten. Neben mir standen zwei &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute melde ich mich mal wieder kurz aus meiner Plauderecke, denn ich muss unbedingt etwas loswerden, was ich vor fast zwei Jahren erlebt habe. Ich habe zuerst überlegt, eine Geschichte daraus zu machen, kam dann aber zu dem Entschluss, dass es an dieser Stelle besser platziert ist. Also lasst uns darüber plaudern:</strong><br />
<span class="dropcap">I</span>hr kennt bestimmt die Situation, wenn sich das Leergut so angesammelt hat, dass es endlich wieder einmal zum Händler gebracht werden muss, um Platz für neue gefüllte Flaschen zu schaffen. Ich bin jedesmal wieder erstaunt darüber, wieviel Geld da so im Keller herumsteht und freue mich, wenn ich dadurch an der Supermarktkasse meine Rechnung schmälern kann.<br />
Das ist ja wohl auch der Anreiz, der geschaffen wurde. Man wirft sie nicht einfach weg, sie werden noch verwertet und erhält das gezahlte Pfand zurück.<br />
Nun gut, langer Rede kurzer Sinn: Ich stand also wieder einmal am Flaschenrücknahmeautomaten, mit dem ich mich auch manchmal köstlich unterhalte, aber das ist eine andere Geschichte ( <a href="http://lifetellsstories.de/zwischen-kampf-und-unterhaltung/">Zwischen Kampf und Unterhaltung ).</a><br />
Insgesamt gab es zwei Automaten. Neben mir standen zwei Männer, die die Sache mit der Rückgabe der Flaschen sehr ernst nahmen. Sie schienen damit ihr Taschengeld aufzubessern, das sie scheinbar vom Heim bekamen. Sie waren nicht mit Taschen, sondern mit einem gefüllten Karren zum Automaten gepilgert. Auf dem Karren stapelten sich einige Kästen, aber hauptsächlich einzelne Flaschen. Zum großen Teil waren es Bierflaschen, aber auch Wasser- und Limonadenflaschen waren dabei.<br />
Sie schoben also Flasche für Flasche in die vorgesehene Öffnung und freuten sich an dem steigenden Geldbetrag, der auf dem Display sichtbar wurde.<br />
Es dauerte jedoch nicht lange, da stand ein Mitarbeiter des Supermarktes neben ihnen und verwies sie des Marktes. Sie mussten unverrichteter Dinge wieder gehen und durften auch nicht wiederkommen. Auch ihr Bitten half nichts.<br />
Ich war sehr verwundert und fragte nach dem Grund des Verbotes. Als Antwort erhielt ich nur die Auskunft, dass die Flaschen bei einem Fußballspiel gesammelt wurden. Diese und andere Männer würden dies immer wieder tun und sie hätten schon in anderen Märkten Hausverbot. Ich erlaubte mir anzuführen, dass sie ja auch etwas bringen würden, sprich Leergut, wofür sie das Geld bekommen würden. Doch dieses Argument zählte scheinbar nicht, denn man erklärte mir nur, dass die Männer nichts oder nur wenig im Markt kaufen würden und man durch die vielen Flaschen nur mehr Arbeit hätte.<br />
Die beiden Männer mussten mit ihrem gesammelten Leergut gehen und mir blieb sprichwörtlich die Spucke weg.</p>
<p style="text-align: center;">Was sagt Ihr dazu?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/zwischen-kampf-und-unterhaltung/">Zwischen Kampf und Unterhaltung</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/zwiegespraech/">Zwiegespräch</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-blau-des-himmels/">Das Blau des Himmels</a></p>
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		<title>WER, WIE, WAS, WIESO, WESHALB, WARUM?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2015 10:04:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[bleibt dumm]]></category>
		<category><![CDATA[Briefträgerin]]></category>
		<category><![CDATA[Frage]]></category>
		<category><![CDATA[fremde Umgebung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich glaube, es gibt kaum jemand der diese Art der Aneinanderreihung der genannten Fragewörtern nicht kennt. Und das nicht nur auf der Mattscheibe, sondern auch in der Realität. In meiner Geschichte, die wieder einmal das Leben schrieb, beantworte ich alle diese Fragen und natürlich an erster Stelle steht die Antwort auf das WER: WIR, nämlich Astrid, Peter und Timo, hatten unseren chaotischen Umzug nach Cottbus einigermaßen gut überstanden und nach zwei freien Wochen, hatte uns der Alltag eingeholt und alles sollte wieder seinen zwar neuen, aber geregelten Gang gehen. So kam Peter nach dem ersten Arbeitstag abends nach Hause und fragte mich fast nebenbei: „WIE war dein Tag?“ Ich musste bei dieser Frage plötzlich lachen und mein Peter schob sofort neugierig geworden die zweite und dritte Frage nach: „WAS hast du denn angestellt oder WIESO kringelst du dich fast vor Lachen?“ „Eigentlich habe ich mir vorgenommen, das keinem Menschen zu erzählen.“ „WESHALB?“ „Na, weil ich heute selten dämlich, aber auch wieder schlau war!“, erklärte ich. „WARUM?“ Wie auf Kommando erklang aus dem Wohnzimmer, wo Timo &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich glaube, es gibt kaum jemand der diese Art der Aneinanderreihung der genannten Fragewörtern nicht kennt. Und das nicht nur auf der Mattscheibe, sondern auch in der Realität. In meiner Geschichte, die wieder einmal das Leben schrieb, beantworte ich alle diese Fragen und natürlich an erster Stelle steht die Antwort auf das <strong>WER</strong>:</p>
<p><span class="dropcap">W</span>IR, nämlich Astrid, Peter und Timo, hatten unseren chaotischen Umzug nach Cottbus einigermaßen gut überstanden und nach zwei freien Wochen, hatte uns der Alltag eingeholt und alles sollte wieder seinen zwar neuen, aber geregelten Gang gehen. So kam Peter nach dem ersten Arbeitstag abends nach Hause und fragte mich fast nebenbei:<br />
„<strong>WIE</strong> war dein Tag?“<br />
Ich musste bei dieser Frage plötzlich lachen und mein Peter schob sofort neugierig geworden die zweite und dritte Frage nach:<br />
„<strong>WAS</strong> hast du denn angestellt oder <strong>WIESO</strong> kringelst du dich fast vor Lachen?“<br />
„Eigentlich habe ich mir vorgenommen, das keinem Menschen zu erzählen.“<br />
„<strong>WESHALB</strong>?“<br />
„Na, weil ich heute selten dämlich, aber auch wieder schlau war!“, erklärte ich.<br />
„<strong>WARUM</strong>?“<br />
Wie auf Kommando erklang aus dem Wohnzimmer, wo Timo gerade vor dem Fernseher saß, das Sesamstraßenlied:<br />
<strong>„Wer, Wie, Was, Wieso, Weshalb, Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“</strong><br />
„Genau, und aus diesem Grund erzählst du mir jetzt alles schön der Reihe nach!“, forderte mich Peter auf.<br />
Ich ließ mich erweichen und erstattete Bericht, obwohl mir die ganze Sache doch etwas peinlich war und ich mir Peters abschließenden Kommentar schon wortwörtlich vorstellen konnte:<br />
„Kennst Du noch das Lied von Rolf Zuckowski, das Timo immer gehört hat? Du weißt schon, das mit ….“<br />
„Meinst du Timos Geburtstagslied?“, fiel mir Peter ins Wort.<br />
„Nein, das mit der Postbotin!“<br />
„Kann mich jetzt nicht erinnern. Mach es nicht so spannend, erzähl halt einfach!“<br />
Und dann legte ich los:<br />
„Ich dachte mir, dass ich es heute doch mal wagen könnte ganz alleine auf Tour zu gehen. Ich wollte einkaufen und wollte versuchen zu dem Einkaufszentrum zu fahren, das du mir neulich gezeigt hast.“<br />
Wir hatten schon nichts mehr im Kühlschrank und irgendwann musste ich es wagen, mich auf diese neue Stadt und diese fremde Umgebung einzulassen. Wohlgemerkt ohne Navi, denn vor fast 20 Jahren besaßen wir dieses Wunderding noch nicht. Mein Orientierungsvermögen ist jedoch nicht gerade das Beste. Um ehrlich zu sein, wenn man mich in der Fremde dreimal um die eigene Achse dreht, weiß ich nicht mehr woher ich gekommen bin, wohin ich will und wo ich überhaupt bin. Irgendwann fragte ich einmal in einem Einkaufszentrum die Kassiererin: „Wo geht es hier zur Nordsee!“ Ihr verdutzter Blick verriet mir sofort, dass sie nicht wusste, was ich wollte. Ich hatte mich in den Gängen des Einkaufszentrums so verheddert, dass ich nicht mehr den Weg zu dem besagten Fischrestaurant fand, in welchem ich mit Peter verabredet gewesen war.<br />
Aber nun zurück zu meinem ersten kleinen Ausflug in Cottbus. Ich hatte mir alles exakt eingeprägt, so dass ich mit meinem Auto doch tatsächlich den Weg in das angepeilte Einkaufszentrum fand. Ich war überglücklich, kaufte ein und machte mir weiter keine Gedanken. Wer so gut wie ich, seinen Weg hin findet, der findet auch ohne Probleme wieder zurück. Dachte ich mir zumindest so, doch das Leben sucht sich nicht immer den einfachsten Weg aus und schon gar nicht, wenn ich mit meinem Orientierungsvermögen am Steuer sitze. Ich fuhr also den Weg, den ich gekommen war, zielstrebig wieder zurück. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Ich konnte mich an nichts mehr richtig erinnern. Manche Dinge kamen mir zwar bekannt vor, aber ich hatte keine Ahnung, ob ich irgendwann mit Peter mal da entlang gefahren war oder erst vor gut zwei Stunden. Also drehte ich wieder um und versuchte noch einmal mein Glück. Jetzt stand ich in einem Dorf und war völlig ratlos, welchen Weg ich einschlagen sollte. Straßenkarte hatte ich auch keine dabei. Und jetzt kann es mir jemand glauben oder auch nicht: Mir fiel plötzlich ein Kinderlied von Rolf Zuckowski ein und ging mir nicht mehr aus dem Sinn:</p>
<p>Fremde Straßen, fremde Häuser, fremde Leute,<br />
was ist denn hier nur los?<br />
Meine Freunde sind zu Hause, aber ich bin hier allein,<br />
was mach ich bloß?<br />
Ich hab mich verlaufen und find nicht nach Haus. Wer kann mir nur helfen? Wer kennt sich hier aus? Ich hab mich verlaufen, doch mit etwas Glück zeigt mir irgendjemand den Weg zurück.<br />
Mama hat gesagt:<br />
&#8222;Frag &#8217;nen Polizist&#8220;,<br />
doch was nützt mir der, wenn hier keiner ist.<br />
Mama hat gesagt:<br />
&#8222;Geh in ein Geschäft&#8220;,<br />
doch davor sitzt ein Hund, der mich anknurrt und kläfft. Ich hab &#8217;ne Idee:<br />
Die Briefträgerin.<br />
Die zeigt mir den Weg<br />
und hilft mir bestimmt… *<br />
Und <strong>wer</strong> kam mir da auf einmal in einem gelben Auto entgegen gefahren? Man glaubt es kaum: Es war die Briefträgerin. Sie kam direkt auf mich zu, parkte ihr Auto am Straßenrand und wollte gerade die Post in einen Briefkasten stecken. Also, so schlau wie ich bin, ging ich hin zu ihr und fragte sie:<br />
„Entschuldigen Sie bitte, aber ich bin fremd hier und habe mich irgendwie verfahren. <strong>Wie</strong> komme ich nach ABC? Können Sie mir vielleicht den Weg beschreiben?“<br />
„Ja natürlich, denn ich kenne mich hier doch aus!“, antwortete sie mir freundlich. Sie stehen schon in der richtigen Richtung. Wenn sie jetzt hier durch das Dorf fahren, dann kommen Sie nach einer Weile an Bungalows vorbei. Die lassen Sie rechts liegen und…“<br />
Genauso war ich vorhin gefahren, allerdings Bungalows hatte ich keine gesehen. Diese eingeschossigen Häuser wären mir doch aufgefallen. Bevor ich jedoch nachfragen konnte, <strong>was</strong> sie damit meinte, erzählte sie weiter:<br />
„Sie fahren dann immer die Staße entlang und irgendwann stehen sie automatisch vor der Kirche von ABC.“<br />
„Ja“, sagte ich. „Die Kirche von ABC kenne ich und dann kenne ich mich auch wieder aus. Von dort finde ich wieder nach Hause.“<br />
Überglücklich startete ich wieder mein Auto und fuhr los. Ich hielt die Augen offen, um die besagten Bungalows nicht zu verpassen, denn dann wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Bungalows, so wie ich sie mir vorgestellt hatte, fand ich nicht, aber rechts von mir lagen Schrebergärten. Ja, und in diesen Schrebergärten standen tatsächlich eingeschossige kleine Häuschen. <strong>Wieso</strong> die Briefträgerin diese sogenannten Datschen als Bungalows bezeichnet hatte, leuchtete mir zwar nicht ganz ein. Aber mir blieb nichts anderes übrig, als dies zu glauben und weiter den Weg entlang zu fahren. Tatsächlich nach ungefähr fünf Minuten kam ich bei unserer Dorfkirche an. Tja und jetzt ging es mir wie dem Kind in dem Lied von Rolf Zuckowski:</p>
<p>„…doch jetzt hab ich Glück<br />
und finde ganz einfach<br />
den Weg zurück.<br />
Unsre Straße, unsre Häuser, meine Freunde,<br />
ja, hier kenn ich mich aus,…“ *</p>
<p>„Das war ja wieder einmal typisch Astrid! Wie kann man nur so ein mangelndes Orientierungsvermögen haben?! Und <strong>weshalb</strong> nimmst du keine Straßenkarte mit, wenn du dich noch nicht auskennst?“<br />
Die Frage, <strong>warum</strong> ich keinen anderen Kommentar von meinem Peter erwartet hatte, stellte ich mir gar nicht erst und warum ich keine Straßenkarte mitgenommen hatte, wusste ich selbst nicht.  So zuckte ich nur mit meinen Schultern und grinste ihn unschuldig an.<br />
Inzwischen kenne ich mich hier prima aus, verfahre mich auch nicht mehr und kann sogar anderen, die orientierungslos durch die Gegend fahren, helfen ihren richtigen Weg zu finden. Und für deren Fragen habe ich vollstes Verständnis, denn <strong>wer nicht fragt, bleibt dumm</strong>!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* Lied von Rolf Zuckowski: <a href="http://www.songtexte.com/songtext/rolf-zuckowski/ich-hab-mich-verlaufen-6bc206c2.html">http://www.songtexte.com/songtext/rolf-zuckowski/ich-hab-mich-verlaufen-6bc206c2.html</a> (Stand: 30.4.15)</p>
<p>&nbsp;</p>
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