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	<title>Unterkunft &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Die Begegnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Dec 2015 02:08:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Weihnachten & Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnhof]]></category>
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					<description><![CDATA[Es war kurz vor Weihnachten, dem Fest der Familie, der Liebe, des Friedens und der Stille. Doch die Adventswochen davor, die eigentlich zur Besinnung und zum Sinn des Weihnachtsfestes hinführen sollten, waren vollgepackt gewesen mit Hektik und Stress. So war es auch an diesem Tag spät geworden. Er hatte bis mitten in die Nacht hinein gearbeitet. Da es sich um eine Terminarbeit handelte, die schon in zwei Tagen beendet sein musste, war ihm nichts anderes übrig geblieben, als auch Nachtschichten einzulegen. Der Termin musste gehalten werden, denn sonst wäre das Projekt verloren. Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte ihm an, dass es bereits zwei Stunden nach Mitternacht war und er erst in den frühen Morgenstunden zu Hause sein würde. Er war mit dem Zug unterwegs von der Großstadt in Richtung seines mehr als hundert Kilometer entfernten Wohnortes. Einmal musste er umsteigen. Gerade fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Der junge Mann, noch keine Dreißig, sprang aus dem Zug und marschierte strammen Schrittes über den Bahnsteig. Er musste seinen Anschlusszug erreichen, sonst würde er hier &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es war kurz vor Weihnachten, dem Fest der Familie, der Liebe, des Friedens und der Stille. Doch die Adventswochen davor, die eigentlich zur Besinnung und zum Sinn des Weihnachtsfestes hinführen sollten, waren vollgepackt gewesen mit Hektik und Stress.</strong><br />
<span class="dropcap">S</span>o war es auch an diesem Tag spät geworden. Er hatte bis mitten in die Nacht hinein gearbeitet. Da es sich um eine Terminarbeit handelte, die schon in zwei Tagen beendet sein musste, war ihm nichts anderes übrig geblieben, als auch Nachtschichten einzulegen. Der Termin musste gehalten werden, denn sonst wäre das Projekt verloren. Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte ihm an, dass es bereits zwei Stunden nach Mitternacht war und er erst in den frühen Morgenstunden zu Hause sein würde. Er war mit dem Zug unterwegs von der Großstadt in Richtung seines mehr als hundert Kilometer entfernten Wohnortes. Einmal musste er umsteigen. Gerade fuhr der Zug in den Bahnhof ein.<br />
Der junge Mann, noch keine Dreißig, sprang aus dem Zug und marschierte strammen Schrittes über den Bahnsteig. Er musste seinen Anschlusszug erreichen, sonst würde er hier festsitzen. Er war in Gedanken immer noch bei seiner Arbeit, überlegte, was noch alles zu tun war. Er war ehrgeizig und es war seine erste Arbeitsstelle nach seinem erfolgreichen Studienabschluss. Instinktiv griff er in seine Manteltasche und zog  sein Handy heraus. Schnell wollte er noch seine E-Mails checken, denn dazu war er bis jetzt noch nicht gekommen. So lief er mit auf sein Handy gesenktem Blick seinen Weg entlang.<br />
Ein paar Minuten hatte er nur, um zum nächsten Bahnsteig zu gelangen. Zu dieser Zeit war der Bahnhof recht verlassen. Wenige Menschen waren noch unterwegs. Es war eine sternenklare Nacht, kalt, aber trotzdem noch zu mild für diese Jahreszeit. Er zog leicht fröstelnd seinen Mantel zu.<br />
Gerade lief er an einem Mann vorbei. Er registrierte ihn nur aus den Augenwinkeln heraus. Den Zettel, den dieser ihm entgegenhielt, wischte er mit einer achtlosen Handbewegung zur Seite. „Schon wieder ein Bettler“, dachte er. In der Großstadt gab es viele davon und besonders am Bahnhof. Schnell war der junge Mann an ihm vorüber gehechtet, da durchfuhr ihn ein Gedanke.<br />
„Nein, das war bestimmt kein Bettler. Nicht hier an diesem Bahnhof und auch nicht zu dieser Uhrzeit. Vielleicht war es …“, er hielt inne und drehte sich um.<br />
Der Mann, den er erblickte, passte rein gar nicht in das Bild, das er erwartet hatte. Es war ein älterer Mann mit Schnauzer und von etwas kleinerer Statur. Er stand immer noch da. Allein,- niemand sonst war zu sehen. Reglos hielt er seinen Zettel hoch.<br />
Der junge Mann glaubte Traurigkeit und Einsamkeit in seinem Blick zu sehen, aber auch Herzlichkeit und Wärme. Er kannte ihn nicht, es war ein Fremder. Und doch war er für ihn schon mit diesem ersten Blickkontakt kein Fremder mehr, sondern ein Band der Vertrautheit entspann sich zwischen den beiden sich unbekannten Menschen.<br />
Der junge Mann ging beschämt zurück und sprach ihn an.<br />
„Es tut mir leid… Ich war in Gedanken vertieft&#8230; Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“<br />
Doch der ältere Herr sprach kein Deutsch, auch kein Englisch. Seine Lippen formten jedoch ein Wort und sein Zeigefinger deutete auf eine Stelle seines Zettels. Es war ein amtliches Schreiben, in dem ein Ortsname mit schwarzen fettgedruckten Buchstaben hervorgehoben war. Dem jungen Mann war dieser Ortsname bekannt, denn die genannte Ortschaft lag an der Bahnstrecke, die auch er fahren musste. Also deutete er dem Herrn an, er solle mitkommen und unterstrich seine Gesten trotz der Sprachbarriere mit Worten:<br />
„Kommen Sie! Ich muss in die selbe Richtung.“<br />
Die Beiden bestiegen den Zug und nahmen auf gegenüberliegenden Sitzen Platz. Irgendwie waren sie sich auf Anhieb gegenseitig sympathisch. Der junge Mann war froh, nicht vorüber gegangen zu sein und der ältere Herr war dankbar endlich jemand gefunden zu haben, der sich seiner annahm. Er nahm seinen Rucksack ab, stellte ihn zwischen die Beine, und blickte den jungen Mann mit seinen braunen Augen freundlich an. Sein faltiges Gesicht zierte ein Schnauzer und ein Dreitagebart.<br />
So lächelten sie sich zunächst stumm an, doch dann versuchten sie mit Händen und Füßen eine kleine Unterhaltung zu gestalten. Der Ältere klopfte sich mit der Hand an die Brust und sprach ein paar Worte in seiner eigenen Sprache. Scheinbar handelte es sich um seinen Namen und das Land aus dem er stammte.  Auch der Jüngere tippte sich an die Brust und stellte sich mit seinem Vornamen vor. Gerne hätte er mehr erfahren, doch die gegenseitige Unkenntnis der vollkommen unterschiedlichen Sprachen ließ dies nicht zu. Aber manchmal können Blicke, Mimik und Gesten auch erzählen. So deutete der ältere Mann dem jüngeren mit seitlich auf seine gefalteten Hände geneigtem Kopf an, dass er dort, wo er hin wollte, schlafen könne. Vermutlich wollte er zu einer Unterkunft, die man ihm zugewiesen hatte. Er war nicht aufdringlich, eher zurückhaltend. Seine Ausstrahlung war freundlich. Auch schien er müde zu sein, was jedoch verständlich war, wenn man bedachte, was vermutlich alles hinter ihm lag. Dennoch schämte er sich dafür, dass seine Augen für einen kleinen Moment zufielen.<br />
Der junge Mann machte sich Gedanken, denn der angegebene Ort hatte keinen Bahnhof. Der ältere Herr musste fast noch zehn Kilometer überwinden, um dorthin zu gelangen. Zu Fuß? Er würde einen Fußmarsch von nahezu zwei Stunden vor sich haben, vielleicht sogar länger.<br />
„Und das mitten in der Nacht“, überlegte sich der junge Mann. „Um diese Zeit fährt kein Bus und die Straßen sind teilweise unbeleuchtet.“<br />
Mit den Fingern deutete er das Laufen an und sein Gegenüber nickte. Er fragte den Älteren, ob er Geld für ein Taxi habe, was dieser kopfschüttelnd verneinte.<br />
Spontan griff der junge Mann in seine Tasche. Er wollte ihm wenigstens ein wenig Kleingeld geben, damit der ältere Herr sich ein Taxi nehmen und somit zumindest den größten Teil des Weges damit überbrücken konnte.<br />
Der Jüngere musste feststellen, dass er keinerlei Kleingeld hatte, doch er fühlte in seiner Tasche einen Schein. Ein größerer Schein und für ihn, der noch nicht sein erstes Gehalt erhalten hatte, eine Menge Geld. Trotzdem verschwendete er keinen Gedanken an seine eigene Situation, sondern wollte seinem Gegenüber, das sichtlich erschöpft war, helfen.<br />
„Er braucht es dringlicher!“, dachte er.<br />
So reichte er ihm den Geldschein hinüber und verdeutlichte, dass dieser sich ein Taxi nehmen und den Rest behalten solle. Der Ältere schüttelte jedoch vehement den Kopf und schob die Hand des Jüngeren zurück. Dieser jedoch bestand darauf, dass das Geld angenommen werden sollte. Nur nach mehrmaligen Ablehnen und dann auch noch sehr zögerlich wechselte der Schein seinen Besitzer.<br />
Der Herr erhob sich dankbar und freundlich lächelnd. Er strich dem Jüngeren mit der Hand sanft über die Wange, dann faltete er die Hände und sprach etwas für den jungen Mann Unverständliches, aber dennoch so Herzliches und Schönes aus. Für einen Moment war ihm so, als würde er ihn verstehen.<br />
Nun griff der ältere Herr in seinen Rucksack und holte ein kleines Foto heraus. Es war schon vergilbt, an den Rändern heller und leicht gewellt. Es zeigte ihn und ein kleines Mädchen, das auf seinem Schoß saß. Beide lächelten in die Kamera und hielten sich fest umschlungen. Stolz lächelnd griff der Ältere sich an sein Herz und gab zu verstehen, dass es sich um seine Tochter handelte. Herzlich und gleichzeitig so sehnsüchtig lächelte er das Foto an.<br />
„Ist sie auch hier in Deutschland?“, fragte der junge Mann und gestikulierte zu seiner Frage.<br />
Er schien verstanden worden zu sein, denn ein trauriges Herbeiwinken und ein Schulterzucken, folgte als Antwort.<br />
Inzwischen erreichten sie den Bahnhof, wo der ältere Herr aussteigen musste.  Zum Abschied strich der Jüngere ihm liebevoll über die Schulter. Danach reichten sich beide schweigend, aber lächelnd die Hände. Noch vor weniger als einer Stunde waren sie noch völlig Fremde gewesen, doch beide Männer spürten, dass sie dies schon lange nicht mehr waren.<br />
Dann trennten sich ihre Wege, doch in Gedanken blieben sie noch miteinander verbunden. Für Beide war es eine wahrhaft weihnachtliche Begegnung.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Mit dieser auf einer wahren Begebenheit beruhenden </strong><br />
<strong>Geschichte</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>wünsche ich allen meinen Lesern ein friedliches und besinnliches</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong> Weihnachtsfest voller Liebe, Dankbarkeit, gegenseitiger Achtung</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong> und Zuwendung.</strong></p>
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