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	<title>Topf &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Töpfe, die es in sich haben&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Feb 2023 16:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Firma]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir haben uns Besuch eingeladen, der bei uns für eine Woche bleiben möchte. Also muss ein Plan gemacht werden, was man so an den verschiedenen Tagen an Gerichten auf den Tisch bringt. Außerdem müssen im Vorfeld die entsprechenden Zutaten besorgt werden und gegebenenfalls Vorbereitungen getroffen werden, damit man möglichst viel Zeit mit den Besuchern verbringen kann und nicht nur mit Kochen und Haushalt beschäftigt ist.&#160; Ich überlege also hin und her und habe mir schon ein paar Ideen aufgeschrieben. Unser Besuch reist am Abend an. „Von der langen Anreise werden sie sicherlich hungrig sein“, sage ich zu Peter. „Ich möchte aber nicht nur mit einem einfachen Abendbrot aufwarten, aber zu üppig sollte es auch nicht sein.“ „Mach doch eine leckere Suppe! Vielleicht eine Gulaschsuppe“, schlägt mir Peter vor. „Ach, die kann man an jeder Autobahnraststätte essen“, schmettere ich seinen Vorschlag nieder. „Ich habe eine andere Idee, wie wäre es mit einer Gyrossuppe?!“ „Genau, die machst du. Die schmeckt super lecker!“, willigt er in meinen Vorschlag ein. „Wenn dann unsere Gäste ankommen, kannst du ihnen die &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="entry-content">
<p><strong>Wir haben uns Besuch eingeladen, der bei uns für eine Woche bleiben möchte. Also muss ein Plan gemacht werden, was man so an den verschiedenen Tagen an Gerichten auf den Tisch bringt. Außerdem müssen im Vorfeld die entsprechenden Zutaten besorgt werden und gegebenenfalls Vorbereitungen getroffen werden, damit man möglichst viel Zeit mit den Besuchern verbringen kann und nicht nur mit Kochen und Haushalt beschäftigt ist.&nbsp;</strong></p>
<p><span class="dropcap">I</span>ch überlege also hin und her und habe mir schon ein paar Ideen aufgeschrieben. Unser Besuch reist am Abend an.<br />
„Von der langen Anreise werden sie sicherlich hungrig sein“, sage ich zu Peter. „Ich möchte aber nicht nur mit einem einfachen Abendbrot aufwarten, aber zu üppig sollte es auch nicht sein.“<br />
„Mach doch eine leckere Suppe! Vielleicht eine Gulaschsuppe“, schlägt mir Peter vor.<br />
„Ach, die kann man an jeder Autobahnraststätte essen“, schmettere ich seinen Vorschlag nieder. „Ich habe eine andere Idee, wie wäre es mit einer Gyrossuppe?!“<br />
„Genau, die machst du. Die schmeckt super lecker!“, willigt er in meinen Vorschlag ein. „Wenn dann unsere Gäste ankommen, kannst du ihnen die jeweiligen Zimmer zuweisen und ich mache in der Zwischenzeit die Suppe warm.“<br />
„Unterstehe dich!“, entfährt es mir.<br />
Plötzlich fangen wir beide an zu lachen, denn jeder von uns weiß, warum ich seine Hilfe diesbezüglich nicht annehmen möchte.<br />
„Ich pass auch auf!“, verspricht er mir.<br />
„So wie damals? Ich weiß schon wie das ausgeht!“<br />
Damals, das war in unserer Studienzeit, genauer gesagt in irgendwelchen Semesterferien. Peter war zu Hause bei seinen Eltern und bereitete sich auf seine Klausur vor. Ich war bei meinen Eltern und verfasste meine Semesterarbeiten.<br />
„Ich muss jetzt weg“, erklärte ihm damals seine Mutter nach dem Frühstück. „Wenn Papa am Mittag heim kommt, dann machst du vorher die Suppe warm, die ich gekocht habe und dann könnt ihr gemeinsam essen.“<br />
„Klar, mach ich. Ist ja kein Problem“, erklärte sich Peter gleich bereit.<br />
Als die Haustür zuklappte und seine Mutter ins Auto stieg, vertiefte er sich in seine Bücher und Mitschriften. Mit voller Konzentration löste er Prüfungsaufgaben aus vergangenen Semestern, die zur Prüfungsvorbereitung freigegeben waren. Irgendwann blickte er auf die Uhr und stellte fest, dass die Zeit schon gewaltig vorangeschritten war. Jetzt musste er sich aber sputen, denn sein Vater würde gleich in der Tür stehen und dann sollte die Suppe warm und dampfend auf dem Tisch stehen, denn die Mittagspause seines Vaters war ja begrenzt.<br />
Jetzt war also der Sternekoch Peter gefragt. Eilig rannte er mit einem Buch unter dem Arm und tausend komplizierten Gedanken im Kopf, die sich weniger auf die Suppe bezogen, sondern mehr auf ein bisher von ihm ungelöstes Problem hinsichtlich der Prüfungsaufgaben, nach oben in die Küche. Gedankenverloren stellte er den Kochtopf mit dem besagten Inhalt auf den Herd und drehte am Schalter, wohlgemerkt alles mit einer Hand, da sich in der anderen ja sein Buch befand. Weil die Suppe nicht mehr kochen sollte, wählte er mehr intuitiv als überlegend nicht gerade die höchste Stufe, aber trotzdem hoch genug, wie sich noch zeigen sollte.<br />
„Dies gewährt mir noch ein wenig Zeit, die ich sinnvoller nutzen kann, als tatenlos neben dem Herd zu stehen“, dachte Peter sich so. Außerdem meldete sich bei ihm gerade ein sehr dringendes Bedürfnis. Grübelnd über sein eigentliches Problem, dessen Lösung ihm immer noch unklar war, marschierte er ins Badezimmer. Die Minuten verstrichen. Langsam aber sicher näherte er sich der Lösung, doch die aufkommenden Glücksgefühle wurden jäh durch einen wütenden Schrei aus der Küche von einer Sekunde auf die andere niedergeschmettert:<br />
„Was ist das denn hier, zum Donnerwetter noch einmal!“<br />
Er erkannte die Stimme seines Vaters und diagnostizierte zielsicher, dass ein gewisser Unmut in dieser Stimme mitklang.<br />
Peter schlug sein Buch zu und eilte zum Ort des Geschehens.<br />
„Komm mal her, junger Mann!“, ereiferte sich sein Vater. „Soll das hier mein Mittagessen sein?“<br />
Betroffen, aber dennoch vorsichtig schaute er in den Topf. Verwundert musste er feststellen, dass von der Suppe nichts mehr zu sehen war und auf dem Grund nur noch verkohlte Nudeln erahnen ließen, was sich möglicherweise in diesem Behältnis befunden hatte.<br />
„Ich frage mich, wie man eine Nudelsuppe derart anbrennen lassen kann?“, donnerte sein Vater weiter. „Wahrscheinlich bist die sogar fähig einfaches Wasser anbrennen zu lassen!“<br />
„Ich war nur kurz auf der Toilette“, entschuldigte sich Peter.<br />
„Was, zum Teufel, ist bei dir kurz?“<br />
Peter blickte auf seine Uhr und musste feststellen, dass allerdings mehr Zeit vergangen war, als nur ein paar Minuten.<br />
Dieses Missgeschick brachte Peter zunächst einmal die Verärgerung seines Vaters ein, dann viele Lacher und später den Vorteil, dass ihm niemand mehr diesbezüglich irgendeine ähnliche Aufgabe übertrug und ich würde dies jetzt auch nicht tun.<br />
„Als hättest du noch nichts anbrennen lassen“, verteidigte er jetzt seine Ehre.<br />
„Das passiert wohl jedem einmal!“<br />
„Sag ich doch!“ Und nach einer vielsagenden Pause, fügt er noch hinzu: „Denk an Darmstadt!“<br />
Der Schreck fährt mir bei dieser Erinnerung direkt in die Glieder. Das hätte damals auch schief gehen können.<br />
Ich kann mich nicht mehr an das Gericht erinnern, das ich zu diesem Zeitpunkt zu kreieren gedachte. Auf alle Fälle musste ich zunächst Zwiebeln anschwitzen. Unter Tränen hatte ich eine große Menge von diesen geschnitten, etwas Fett in einen Topf gegeben und anschließend die Zwiebeln hinzugefügt.<br />
Wie jeder weiß, muss man als Hausfrau ein sogenanntes Multitasking-Talent besitzen. Dies bedeutet schlichtweg, dass man verschiedene Tätigkeiten gleichzeitig ausführt, um möglichst zeitoptimiert und effizient die Hausarbeit zu verrichten. Schließlich gibt es ja noch andere Dinge im Leben. Also habe ich mir damals die leeren Flaschen, die in meiner Küche herumstanden, geschnappt und bin auf den Balkon marschiert, um sie dort in der dafür vorgesehenen Kiste abzustellen. Ein Blick über das Balkongeländer ließ mich erkennen, dass unser damaliger Nachbar gerade im Begriff war die zu uns gerichtete Garagenwand zu streichen.<br />
„Einen schönen guten Tag!“, rief ich zu ihm rüber.<br />
„Ach hallo Frau Berg! …“<br />
Und schon waren wir mitten in einem angeregten Gespräch über dies und das. Es war ein wunderschöner sonniger Tag und so war es äußerst angenehm vom Balkon aus ein kleines Schwätzchen zu halten. Wir lachten und die Welt um uns herum schien in Ordnung bis er auf einmal meinte:<br />
„Seltsam, irgendwie riecht es hier so komisch, als wäre irgendwo ein Feuer!“<br />
„Ach du lieber Gott!“, entfuhr es mir und ich rannte schnurstracks in meine Küche zurück, denn mir schwante nichts Gutes.<br />
Als ich zur Tür hereinstürmte, sah ich auch schon die Bescherung: Aus meinem Topf züngelten die Flammen in die Höhe. Nach einem Hilfeschrei aus voller Kehle, schnappte ich mir geistesgegenwärtig einen Deckel, erstickte die Flammen und riss den Topf von der Herdplatte. Meine flambierten Zwiebel musste ich allerdings entsorgen und damit hatte mein Multitasking nicht zur Zeitersparnis beigetragen, sondern eigentlich nur zu einem zeitlichen und arbeitstechnischen Mehraufwand geführt.<br />
„Manchmal scheint die serielle Bearbeitung der Dinge doch einen gewissen Vorteil zu haben“, dachte ich verärgert.<br />
Obwohl genau genommen unser Nachbar und das Gespräch mit ihm zu einer sogenannte Reizüberflutung aus meiner Umwelt geführt hatten und beide Faktoren damit die Schuld am Scheitern meines Multitasking-Talents darstellten, bedankte ich mich herzlich bei ihm für dessen gute Nase.<br />
„Da ich bei einer Firma arbeite, die Arzneimittel und Chemikalien produziert, habe ich diesbezüglich eine geschulte Nase“, nahm dieser meinen Dank strahlend entgegen.<br />
Bekanntlich wird man ja aus Schaden klug und deshalb sind uns Beiden diese Missgeschicke auch nur einmal passiert. Bei Peter mag dies daran liegen, dass er ganz bereitwillig seiner Ehefrau, sprich meiner Wenigkeit, die Tätigkeiten, welche das Kochen und den Haushalt betreffen, überlässt. Somit erhöht sich allerdings für mich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu solchen oder ähnlichen Situationen kommt erheblich. Obwohl sie bei mir nicht an der Tagesordnung sind, passiert auch mir hin und wieder ein Missgeschick, über das ich mich dann selbst am meisten ärgere. Unter anderem liegt es auch darin begründet, dass ich keine selbstreinigende Küche besitze. An ein Ereignis erinnere ich mich noch sehr lebhaft:<br />
Unser Sohn war vielleicht so zehn Jahre alt und spielte mit den Nachbarjungs draußen vor unserem Haus, während mein Mann ein kleines Schwätzchen mit dem Nachbarn unterhielt. Ich wollte Gulasch kochen und hantierte in der Küche herum. Gerade stellte ich den Schnellkochtopf auf den Herd, verschloss ihn sorgsam mit dem Deckel und wartete bis das Ventil hoch ging. In der Zwischenzeit bereitete ich die anderen Zutaten für das Mittagessen vor und vergaß vollkommen auf das Ventil zu achten. Plötzlich schoss das Ventil in die Höhe, mein Topf zischte furchterregend, gleichzeitig trat eine gewaltige Menge Dampf aus. Damit aber nicht genug, denn die Soße spritzte ebenfalls aus dem Ventil heraus. Ich schrie aus Leibeskräften, denn ganz geheuer ist mir dieser Dampfkochtopf noch nie gewesen:<br />
„Hilfe! Hilfe, mein Dampfkochtopf.“<br />
Ich riss geistesgegenwärtig den Topf von der Herdplatte und schob ihn an eine andere Stelle auf dem Herd. Das hatte zur Folge, dass Dampf und Soße sich letztendlich in alle Richtungen verteilten. Die Wandfliesen hinter dem Herd, meine Arbeitsplatte, der Fußboden vor dem Herd und selbst das eine Fenster und die Gardinen waren jetzt braun gesprenkelt. Ich fluchte lautstark und ärgerte mich über mich selbst, denn jetzt konnte ich die gesamte Küche und die Fenster putzen und schließlich auch noch die Gardinen waschen. Trotz meinen Schimpfkanonen, die ich in der Küche abfeuerte, bekam mein Mann draußen vor dem Haus nicht das Geringste mit. Allerdings schien der Nachbarjunge Bruchstücke von meinem Küchenunglück und meinen begleitenden Worten aufgeschnappt zu haben, denn er stellte sich vor Peter und meinte:</p>
<p>&#8222;Ich glaube ihrer Frau ist gerade der Dampfkochtopf explodiert!“</p>
<p>Tja, wir Köche, egal ob weiblich oder männlich leben nicht ganz ungefährlich.</p>
</div>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
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		<title>Tausendmal berührt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 May 2021 14:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[100 Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[berühren]]></category>
		<category><![CDATA[Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Socken]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus meinem Küchenradio ertönt der Refrain „Tausendmal berührt“. Plötzlich macht es „Zoom“. Meine Erinnerungen sind da:  Diese Topflappen in meiner Hand sind ziemlich alt, jahrelang lagen sie im Schrank. Ich habe sie damals im Handarbeitsunterricht so fest gehäkelt, dass man sich nicht die Finger am heißen Topf verbrennt. Die große schlanke Handarbeitslehrerin „Fräulein Streckfuß“, wachte über unsere Arbeit, lobte oder tadelte uns dafür. Sie brachte uns auch das Sockenstricken bei. Meine Baumwollsocken waren blau. Eine Liebe zum Sockenstricken wurde nie daraus. Sie blieben die einzigen ihrer Art. Oder sollte ich nur nicht wissen, was mir all die Jahre gefehlt hat?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus meinem Küchenradio ertönt der Refrain „Tausendmal berührt“. Plötzlich macht es „Zoom“. Meine Erinnerungen sind da:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Diese Topflappen in meiner Hand sind ziemlich alt, jahrelang lagen sie im Schrank. Ich habe sie damals im Handarbeitsunterricht so fest gehäkelt, dass man sich nicht die Finger am heißen Topf verbrennt. Die große schlanke Handarbeitslehrerin „Fräulein Streckfuß“, wachte über unsere Arbeit, lobte oder tadelte uns dafür. Sie brachte uns auch das Sockenstricken bei. Meine Baumwollsocken waren blau. Eine Liebe zum Sockenstricken wurde nie daraus. Sie blieben die einzigen ihrer Art. Oder sollte ich nur nicht wissen, was mir all die Jahre gefehlt hat?</p>
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		<title>Igitt! Muss das sein?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2016 22:09:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Für Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Professor Konfusi-Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Ärgernis]]></category>
		<category><![CDATA[Aufsatz]]></category>
		<category><![CDATA[igitt]]></category>
		<category><![CDATA[Kaugummi]]></category>
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		<category><![CDATA[Strafe]]></category>
		<category><![CDATA[Tipp]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Vorgarten der Villa, in der auch Professor Konfusi mit seiner Frau wohnt, steht ein Vogelhäuschen. Oma Schmidt aus dem Erdgeschoss schüttet gerade eine Handvoll Sonnenblumenkerne hinein und befestigt einen neuen Meisenknödel. „So“, sagt sie zufrieden. „Jetzt können sie alle wieder kommen. Es ist genügend für alle Vögelchen da!“ Sie wirft einen Blick nach oben zu den Fenstern im dritten Stock. Dort oben hämmert und rumort es schon seit Wochen. Die Handwerker bauen die Dachgeschosswohnung aus und um. Aber in ein paar Tagen sind sie endlich fertig. Und neue Mieter gibt es auch schon. Ein junges und unverheiratetes Pärchen soll angeblich einziehen. „Naja, so etwas gab es früher bei uns nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert und manches ist einfach anders als früher“, denkt die alte Dame. Oma Schmidt schlurft über den Hof. Alles geht nicht mehr so schnell wie früher und die Beine, besser gesagt die Knie tun ihr bei jedem Schritt weh. Deshalb hebt sie die Füße auch nicht mehr so richtig. Schon als sie wieder das Treppenhaus betritt, merkt sie, dass &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Vorgarten der Villa, in der auch Professor Konfusi mit seiner Frau wohnt, steht ein Vogelhäuschen. Oma Schmidt aus dem Erdgeschoss schüttet gerade eine Handvoll Sonnenblumenkerne hinein und befestigt einen neuen Meisenknödel. </strong><br />
<strong>„So“, sagt sie zufrieden. „Jetzt können sie alle wieder kommen. Es ist genügend für alle Vögelchen da!“</strong><br />
<span class="dropcap">S</span>ie wirft einen Blick nach oben zu den Fenstern im dritten Stock. Dort oben hämmert und rumort es schon seit Wochen. Die Handwerker bauen die Dachgeschosswohnung aus und um. Aber in ein paar Tagen sind sie endlich fertig. Und neue Mieter gibt es auch schon. Ein junges und unverheiratetes Pärchen soll angeblich einziehen.<br />
„Naja, so etwas gab es früher bei uns nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert und manches ist einfach anders als früher“, denkt die alte Dame.<br />
Oma Schmidt schlurft über den Hof. Alles geht nicht mehr so schnell wie früher und die Beine, besser gesagt die Knie tun ihr bei jedem Schritt weh. Deshalb hebt sie die Füße auch nicht mehr so richtig.<br />
Schon als sie wieder das Treppenhaus betritt, merkt sie, dass irgendetwas an ihrer Schuhsohle klebt. &#8222;Igitt!&#8220;, denkt sie und versucht es am Fußabstreicher abzustreifen, aber es gelingt ihr nicht. Nachsehen kann sie auch nicht, denn dafür muss sie sich hinsetzen und die Schuhe erst ausziehen.<br />
Als sie dann in ihrem Wohnungsflur auf dem Stuhl sitzt, den sie extra dort stehen hat, um die Schuhe an- und ausziehen zu können, entdeckt sie die eklige Angelegenheit an ihrer Schuhsohle. Nein, dieses Zeug, in das sie jetzt schon zum dritten Mal innerhalb einer Woche getreten ist, stinkt nicht. Aber es zieht sich in die Länge und klebt dermaßen fest, dass es eine Kunst ist, es von der Schuhsohle wieder zu entfernen.<br />
„Ach“, sagt Frau Konfusi, die gerade für Oma Schmidt einen kleinen Topf mit dampfender Erbsensuppe bringt. „Das ist mir letzte Woche auch zweimal passiert. Die Dinger liegen hier in unserem Hof und auf dem Bürgersteig direkt vor unserem Haus anscheinend massenhaft herum.“<br />
„Ihr Mann, der Herr Professor, sollte unbedingt mal mit Marco sprechen“, fordert Oma Schmidt. „Ich habe den Jungen in Verdacht, dass er überall seine Kaugummis einfach nur in die Gegend spuckt. Und Unsereins sieht nicht mehr so gut und tritt dann hinein. Das muss man den Kindern unbedingt erklären, dass das so nicht geht. Das ist einfach nur ekelig und muss wahrhaftig nicht sein. Früher gab es das nicht.“<br />
Frau Konfusi verspricht Oma Schmidt, dass sie ihrem Mann diese Bitte ausrichtet.  „Mein Mann versteht sich prima mit dem Jungen und er hält große Stücke auf ihn. Er betont immer wieder, dass Marco ein feiner Kerl ist, der genau weiß, was sich gehört. Deshalb kann ich mir gar nicht vorstellen, dass der Junge so rücksichtslos ist und seine Kaugummis einfach auf den Weg spuckt. Aber ich werde es meinem Mann ausrichten, dass Sie diesen Verdacht hegen.“<br />
„Irgendwie müssen die Dinger ja wohl bei uns auf den Weg kommen, vom Himmel fallen sie ja nicht“, sagt Oma Schmidt leicht verärgert. Doch dann löffelt sie ihre Suppe und hat das leidige Thema auch sogleich vergessen.<br />
Der Zufall will es, dass Marco schon am nächsten Tag an der Wohnungstür von Professor Konfusi und dessen Frau klingelt.<br />
„Herr Professor“, beginnt er etwas schüchtern. „Wir haben da in der Schule ein so komisches Aufsatzthema bekommen, mit dem ich nichts anfangen kann. Vielleicht könnten sie mir da einen Tipp geben.“<br />
„Ich bin zwar nicht Allwissend, aber vielleicht kann ich dir doch ein bisschen helfen. Aber erzählen musst du mir schon, worum es eigentlich geht und wie dein Aufsatzthema heißt“, ermuntert der ältere Mann den Jungen.<br />
„Unsere Lehrerin hat nur ein einziges Wort an die Tafel geschrieben und wir sollen was aus dem täglichen Leben dazu schreiben.“<br />
„Und wie lautet dieses Wort? Ich bin schließlich kein Gedankenleser“, zieht Professor dem Jungen sozusagen die Würmer aus der Nase.<br />
„<em><strong>Ärgernis</strong></em>!“, sagt Marco und zuckt mit den Schultern. „Da fällt mir nur ein, dass ich mich jeden Morgen ärgere, dass ich so früh aufstehen muss, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Aber das will mein Banknachbar schon schreiben. Tina schreibt, dass sie sich ärgert, weil sie nicht so lange fernsehen darf und Tom erzählt von einem total verregneten Urlaub. Mir fällt aber rein gar nichts ein“, sprudelt es jetzt aus Marco heraus.<br />
„Na, das ist ja wohl auch schon ein Ärgernis!“, lacht Professor Konfusi. „Wenn auch ein ziemlich langweiliges.“<br />
„Sehen Sie“, bestätigt Marco, „mir fallen nur solche langweiligen Kinkerlitzchen ein. Aber wenn ich eine gute Note haben will, dann muss es schon etwas Besonderes sein. Immerhin war mein letzter Aufsatz nicht so berühmt. Ich brauche also was zum Ausgleich.“<br />
Marco sieht den Professor flehend an. Dieser kratzt sich nachdenklich am Kopf und fragt den Jungen:<br />
„Sag mal Marco, möchtest du einen Kaugummi?“<br />
„Wieso?“, antwortet Marco völlig verdutzt mit einer Gegenfrage und fügt dann kopfschüttelnd hinzu: „Ich trage doch eine Zahnspange und da hängt sich Kaugummi immer so rein und das ist total ärgerlich. Deshalb darf ich überhaupt keinen Kaugummi kauen.“<br />
„Siehst du, das wäre doch schon was“, meint Professor Konfusi, erntet aber von Marco nur ein einsilbiges<br />
„Mmmh?!“<br />
„Zugegeben, das ist auch noch nicht der Hit, aber ich habe da neulich was gelesen. Wo ist denn nur der Artikel. Irgendwo in einer Zeitung von meiner Frau stand das doch“, murmelt der Professor gedankenverloren vor sich hin und sucht im Zeitungsständer. „Wo hast du nur die Illustrierte von letzter Woche hingelegt?“, fragt er seine Frau, die gerade das Wohnzimmer betritt.<br />
„Ach“, antwortet Frau Konfusi, „die liegt auf dem Tischchen neben dem Fernsehsessel. Ich habe vorhin erst das Kreuzworträtsel darin gelöst.“<br />
„So, hier ist der Artikel!“<br />
Professor Konfusi reicht dem Jungen die aufgeschlagene Zeitung und meint nur:<br />
„In Großbritannien bezahlt jeder, der einen Kaugummi auf die Straße spuckt und dabei erwischt wird, umgerechnet 110 Euro Strafe. Lies mal, was hier in dem rot umrandeten Kasten steht! Wenn <em>das</em> kein Ärgernis ist!“<br />
Marco greift nach der Illustrierten und liest laut vor:</p>
<p><em><strong>„Kaugummi-Beseitigung kostet deutsche Kommunen jährlich 900 Millionen Euro. </strong></em></p>
<p><em><strong>Ein einziges Kaugummi zu entfernen dauert zwei Minuten. </strong></em></p>
<p><em><strong>Auf einem Quadratmeter Fußweg kleben im Schnitt 80 ausgespuckte Kaugummis.“*</strong></em></p>
<p>&#8222;Wahnsinn!&#8220;, schiebt Marco total überrascht hinterher.<br />
„Ja, ja!“, meint Frau Konfusi. „Und Oma Schmidt ist diese Woche in unserem Hof dreimal in so ein klebriges Ding getreten. Sie ist total verärgert.“<br />
„Ich auch!“, bestätigt Marco. „Das ist übrigens der Handwerkslehrling aus dem dritten Stock, der spuckt die ausgekauten Dinger überall rum. Total eklig ist das! Und obendrein ärgerlich, wenn man reintritt!“<br />
„Womit auch dieses Rätsel gelöst und Marco rehabilitiert wäre“, sagt Professor Konfusi lächelnd. Doch Marco hört dies schon gar nicht mehr. Er ist bereits an der Wohnungstür und ruft Herrn und Frau Konfusi nur noch ein<br />
„Dankeschön für den prima Tipp!“ zu. Dann fällt auch schon die Wohnungstür ins Schloss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>*Zitat aus: Winnie Beckmann und Lena Köster, &#8222;Kaugummis gehören in den Müll, nicht auf die Straße&#8220;,  in: Bild der Frau, Nr. 47/2015 S. 82</p>
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