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	<title>Hochzeitstag &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Unser zweites Kennenlernen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2015 22:15:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Hochzeitstag]]></category>
		<category><![CDATA[Kennenlernen]]></category>
		<category><![CDATA[Paar]]></category>
		<category><![CDATA[Schulzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich habe ja schon in einer der ersten Bloggeschichten erzählt, wie mein Mann und ich uns 1976 kennengelernt haben. Dieses Zusammentreffen fand damals auf dem Schulhof statt und rief bei mir eine Art Verwunderung hervor. Aber wir sollten uns noch ein zweites Mal kennenlernen, obwohl wir uns zu diesem Zeitpunkt schon über drei Jahre hinweg fast täglich gesehen hatten. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: Peter und ich drückten die letzten drei Jahre unserer Schulzeit gemeinsam die Schulbank. Wir waren bis zum Abitur in einer Jahrgangsstufe und besuchten sogar teilweise die selben Kurse, aber auch das habe ich schon erzählt. Wir waren Schulkameraden, ansonsten ging jeder seiner Wege. Aber Peter hatte einen Freund, im Grunde genommen war es sein bester Freund, T. Er war groß und schlank und hatte nur Augen für mich. Ich jedoch nicht für ihn, aber er ließ nicht locker. Immer wieder suchte er meine Nähe. Da ich ihn nicht vor den Kopf stoßen wollte, war ich freundlich und nett zu ihm, allerdings eher auf eine unverbindliche Art. Eines Tages, es &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich habe ja schon in einer der ersten Bloggeschichten erzählt, wie mein Mann und ich uns 1976 kennengelernt haben. Dieses Zusammentreffen fand damals auf dem Schulhof statt und rief bei mir eine Art Verwunderung hervor. Aber wir sollten uns noch ein zweites Mal kennenlernen, obwohl wir uns zu diesem Zeitpunkt schon über drei Jahre hinweg fast täglich gesehen hatten. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht:</strong></p>
<p><span class="dropcap">P</span>eter und ich drückten die letzten drei Jahre unserer Schulzeit gemeinsam die Schulbank. Wir waren bis zum Abitur in einer Jahrgangsstufe und besuchten sogar teilweise die selben Kurse, aber auch das habe ich schon erzählt.<br />
Wir waren Schulkameraden, ansonsten ging jeder seiner Wege. Aber Peter hatte einen Freund, im Grunde genommen war es sein bester Freund, T. Er war groß und schlank und hatte nur Augen für mich. Ich jedoch nicht für ihn, aber er ließ nicht locker. Immer wieder suchte er meine Nähe. Da ich ihn nicht vor den Kopf stoßen wollte, war ich freundlich und nett zu ihm, allerdings eher auf eine unverbindliche Art. Eines Tages, es waren gerade Osterferien, da klingelte unser Telefon. Meine Mutter, die das Gespräch entgegen genommen hatte, reichte mir den Hörer.<br />
„Ach, T., du bist es!“, begrüßte ich den Teilnehmer am anderen Ende der Telefonleitung.<br />
„Ich habe gerade an dich gedacht!“, verkündete er mir. „Ich wollte nur wissen ob du zu Hause bist, denn ich möchte dich gerne besuchen.“<br />
„Ohje“, überlegte ich. „Wie komme ich aus dieser Situation nur wieder raus?“<br />
Zum Glück hatte ich einen Geistesblitz:</p>
<p>„Ach, heute ist doch Ostermarkt bei uns in der Stadt und ich wollte gerade auf den Jahrmarkt gehen.“<br />
„Na prima!“, freute sich T. „Ich hole dich in einer Viertelstunde ab!“<br />
Uff! so war das jetzt aber nicht gemeint gewesen, doch mit meinem zweiten Geistesblitz rettete ich die Lage:<br />
„Hol doch bitte vorher meine Freundin B. ab und bring sie mit!“, schlug ich geistesgegenwärtig vor. Somit war ich auf alle Fälle nicht mit ihm allein unterwegs. T. sprang sofort auf meinen Vorschlag an und wir beendeten das Gespräch, um uns 20 Minuten später vor meiner Haustür zu treffen.<br />
Wir machten uns dann also zu dritt auf den Weg zum großen Parkplatz in der Stadtmitte, der als Festplatz diente. Fröhlich plapperten wir über Dies und Das und ganz nebenbei erzählte T. : „Peter kommt auch noch!“<br />
„Peter?“, fragte ich verblüfft. „Den habe ich bestimmt schon 3 oder 4 Monate nicht mehr gesehen!“<br />
Man muss dazu sagen, dass es damals bei uns die Möglichkeit gab, unter bestimmten Bedingungen das Abitur ein halbes Jahr vorzuziehen. Und genau das hatte Peter getan. Er hatte also das Abitur bereits in der Tasche und machte ein Praktikum, das er für sein Studium brauchte, während wir gerade in den Prüfungen steckten.<br />
Wir waren noch nicht am Festplatz angekommen, da brauste ein orangeroter VW Käfer auf uns zu, parkte am Straßenrand und zwei junge Burschen stiegen aus.<br />
„Astrid!“, rief der eine.<br />
„Peter!“, rief ich und schon lagen wir uns in den Armen.<br />
Seltsam, was ein bisschen zeitlicher Abstand so alles bewirken kann. Er hatte noch seinen Cousin mitgebracht, der zu Besuch war und wir vier verlebten einen schönen gemeinsamen Nachmittag. Und dann wurde auf einmal alles kompliziert.<br />
Es gab nämlich noch einen jungen Mann, der sich für mich interessierte. J. war kein Schulkamerad, ich hatte ihn über eine Freundin kennengelernt. Inzwischen hatte sich die Zahl meiner Verehrer also auf 3 erhöht und ich war mehr als in einer Zwickmühle. Ehrlich gesagt, es machte schon Spaß so umgarnt zu werden und sich für keinen der Herren entscheiden zu müssen. Ich hatte nämlich dafür gesorgt, niemals mit einem alleine zu sein. Wir gingen immer zu viert, nein zu fünft aus, denn ich nahm meine Freundin B. auch noch mit. Wir unternahmen in den folgenden Wochen viel miteinander. Nur manchmal tat mir B. leid, denn sie meinte:<br />
„Wenn du etwas sagst, sind alle ganz Ohr, bei mir hört keiner richtig hin!“<br />
Das war nun auch wieder nicht beabsichtigt und ich spürte, dass das nicht so weiter gehen konnte. Irgendwann würde ich wohl oder übel &#8222;Hüh&#8220; oder &#8222;Hott&#8220; sagen müssen. Aber jetzt wollte ich das noch nicht! So traten wir immer wieder und überall als Grüppchen auf. Wir gingen zusammen in die Disco, wir trafen uns bei einem von uns zu Hause oder saßen gemütlich bei einem Bier in einer Kneipe. So hätte es weiter gehen können, wenn… Ja wenn, das kleine Wörtchen „wenn“ nicht wäre, …<br />
Eines Samstagabends saßen wir in einer kleinen Kneipe und unterhielten uns. Plötzlich meldete sich einer meiner Verehrer zu Wort und meinte zu mir:<br />
„Du solltest dich langsam mal entscheiden!“<br />
Ich weiß nicht mehr, wer es war und auch nicht wer auf die folgende glorreiche Idee kam. Sie mussten mir jedenfalls meine Verlegenheit angesehen haben und auch, dass mir die Situation äußerst unangenehm war. Ich hatte es ja geahnt, dass irgendwann die Stunde der Wahrheit schlagen würde: Aber warum gerade jetzt?<br />
„Du gehst jetzt bitte mit jedem Einzelnen von uns nach draußen und sprichst jeweils 10 Minuten mit demjenigen. Danach teilst du uns deine Entscheidung mit!“<br />
Jetzt gab es keinen Ausweg mehr für mich. Ich musste da durch! Eigentlich war für mich die Entscheidung schon längst gefallen. Peter und ich hatten uns schon zu tief in die Augen geschaut. Er war nicht mehr der langhaarige etwas verwunderliche Typ, als den ich ihn bei unserem ersten Zusammentreffen drei Jahre zuvor auf dem Schulhof kennengelernt hatte. Mit ihm konnte man zwar immer noch allen möglichen Blödsinn machen, aber auch ernsthafte Gespräche führen. Ich wusste längst, wem ich mein Herz geschenkt hatte und so bedurfte es für mich eigentlich keiner Entscheidung mehr.<br />
Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, was ich in den jeweiligen 10 Minuten mit dem jeweils betreffenden jungen Mann besprochen habe, jedenfalls am Ende dieses scheinbaren Entscheidungsprozesses waren Peter und ich ein Paar. Er war dann auch derjenige, der mich in dieser Nacht mit seinem VW Käfer nach Hause brachte. Zum Abschied küssten wir uns zum ersten Mal und vor lauter Aufregung rutschte Peters Fuß von der Kupplung.<br />
Das ist jetzt fast auf den Tag genau schon 36 Jahre her ( es war der 18. Mai 1979) und nächstes Jahr haben wir unseren 30. Hochzeitstag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht interessieren Euch auch noch diese beiden Geschichten:</p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/die-sache-mit-der-vorahnung/">Die Sache mit der Vorahnung</a></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/das-familien-b-c-2/">Das Familien-ABC</a></p>
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		<title>Stock und weißer Bart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Jan 2015 18:24:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Antiquitätengeschäft]]></category>
		<category><![CDATA[Bart]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fällt mir gerade eine Fernsehserie aus den Sechzigern ein. John Steel und Emma Peel lösten damals in den Filmen ihre Kriminalfälle „Mit Schirm, Charme und Melone“. Plötzlich passiert in meinem Kopf etwas ganz ohne mein Zutun. Meine Gedanken verselbständigen sich. Als diese sämtliche Gehirnwindungen durchlaufen haben, sind sie auf einmal zu einem anderen Gedanken mutiert. Wie damals bei dem Spiel „Stille Post“ haben sich die Worte verändert. Aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ ist plötzlich „Mit Stock, Witz und weißem Bart“ geworden. Der weiße Bart gehört zu meinem Peter, wie jeder inzwischen wohl schon wissen dürfte. Er ist zu so etwas wie seinem Markenzeichen geworden. Witz hat mein Mann ebenfalls, also muss ich nur noch überlegen, was es mit dem Stock auf sich hat. Diese Detektivarbeit ist im Grunde genommen nicht so schwer für mich, denn ich muss gar nicht weit gehen, um fast über einen Stock zu stolpern. Er steht in unserer Eingangsdiele, links neben der Haustür. Man kann sich denken, dass ich hier keinen einfachen Stock, sprich &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fällt mir gerade eine Fernsehserie aus den Sechzigern ein. John Steel und Emma Peel lösten damals in den Filmen ihre Kriminalfälle „Mit Schirm, Charme und Melone“. Plötzlich passiert in meinem Kopf etwas ganz ohne mein Zutun. Meine Gedanken verselbständigen sich. Als diese sämtliche Gehirnwindungen durchlaufen haben, sind sie auf einmal zu einem anderen Gedanken mutiert. Wie damals bei dem Spiel „Stille Post“ haben sich die Worte verändert. Aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ ist plötzlich „Mit Stock, Witz und weißem Bart“ geworden.</strong></p>
<p><span class="dropcap">D</span>er weiße Bart gehört zu meinem Peter, wie jeder inzwischen wohl schon wissen dürfte. Er ist zu so etwas wie seinem Markenzeichen geworden. Witz hat mein Mann ebenfalls, also muss ich nur noch überlegen, was es mit dem Stock auf sich hat. Diese Detektivarbeit ist im Grunde genommen nicht so schwer für mich, denn ich muss gar nicht weit gehen, um fast über einen Stock zu stolpern.<br />
Er steht in unserer Eingangsdiele, links neben der Haustür. Man kann sich denken, dass ich hier keinen einfachen Stock, sprich einen passend geformten Ast aus dem Wald stehen habe, so wie man ihn manchmal auf Wanderungen benutzt. Wenn es kein Wanderstock ist, dann vermutlich ein Spazierstock, wird jetzt jeder denken. Ja und nein. Es ist auch kein gewöhnlicher Spazierstock, so wie ihn Charlie Chaplin immer bei sich hatte und von dem er sagte, dass dieser für die Würde des Menschen stehe (vgl.: http://www.tagesschau.de/ausland/charlie-chaplin100.html / Stand: 9.1.2015).<br />
Er hat keinen gebogenen Griff, sondern einen silbernen und reich verzierten Knauf, auf dem die Hand des Gehenden liegt.<br />
„Das ist ein Stock mit Geschichte!“, meint Peter, der gerade aus seinem heimatlichen Büro in unsere Küche marschiert und sieht, wie ich den Stock in die Hand nehme und genauestens betrachte.<br />
„Ganz sicher stammt er nicht aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, in dem überwiegend Könige und der Adel derartige Stöcke besaßen und ob er aus dem Mittelstand des 19. oder 20. Jahrhunderts ist, lässt sich auch nicht mit Sicherheit sagen.“<br />
„Aber darauf kommt es bei diesem Stock auch nicht an“, füge ich hinzu. Seine Geschichte ist für uns eine ganz persönliche Geschichte, die uns viel wichtiger ist und ihn damit für uns auch wertvoller macht, als seine eigentliche Historie:<br />
Vor inzwischen dreieinhalb Jahren hatten wir Silberhochzeit und flogen nach Venedig, sozusagen als Silberhochzeitsreise (an anderer Stelle werde ich irgendwann einmal ausführlich davon berichten). Für mich war es das erste Mal, dass ich Venedig besuchte. Peter war als kleiner Junge einst mit seinen Eltern mitten im Hochsommer und bei brütender Hitze dort gewesen und hatte Venedig auf eine sehr eigentümliche Art beeindruckend empfunden: „Venedig ist schmutzig, stinkt und Ratten gibt es auch!“<br />
In diesem Glauben ließ er mich mehr als dreißig Jahre. Trotzdem wollte ich diese Stadt, deren historisches Zentrum, die Lagune von Venedig und einige nahe Inseln sehen, bevor ihr viel beschworenes Ende angesagt ist. Selbst Peter musste bei unserem Besuch zugeben, dass sich uns Venedig mehr als traumhaft präsentierte und wunderschöne Kulissen für unser gebuchtes Fotoshooting bot.<br />
Am Tag nach unserem 25jährigen Hochzeitstag erkundeten wir die besagte Stadt auf eigene Faust. Auch entschlossen wir uns mit dem Wasserbus nach Murano zu fahren, die Insel, die für ihre Glaskunst weltweit bekannt ist. Erst als wir uns im Wasserbus hinsetzten, spürten wir, dass unsere Füße vom vielen Laufen bereits zu schmerzen begannen.<br />
„Weißt du, was Venedig und Capri gemeinsam haben?“, fragte mich Peter.<br />
Ich konnte mir nun überhaupt nicht vorstellen, was es hier an Gemeinsamkeiten geben sollte und schüttelte den Kopf.<br />
„Die vielen Stufen, die zu erklimmen sind“, erklärte er mir.<br />
Ich konnte mich erinnern, dass er mich auf Capri voran gehen hatte lassen, da er Probleme mit seinen Knien und damit einhergehend mit dem Treppensteigen hatte.<br />
Doch die Neugierde und der Wissensdurst des Menschen war auch jetzt unser Motivator die schmerzenden Füße und Knie zu vergessen. So kamen wir an einem Antiquitätengeschäft vorbei, das Peter magisch anzog und in mir die schlimmsten Befürchtungen aufkommen ließ. Ich kenne nämlich meinen Mann, seine Vorliebe für alte Sachen und stellte mir schon vor, was er alles an Kostbarkeiten finden würde. Ich muss zugeben, es war ein interessanter Laden, doch mich drängte es eher nach draußen.<br />
„Lass uns doch noch zu den Glasmanufakturen und Ausstellungen gehen“, bat ich ihn.<br />
„Schau doch mal!“, forderte er mich auf, ohne auf meine Bitte einzugehen. „Der ist doch hübsch!“<br />
„Ja, stimmt“, bestätigte ich, fügte jedoch beim nächsten Atemzug hinzu: „Lass uns gehen, ich will noch was anderes sehen!“<br />
Peter drehte einen Spazierstock mit silbernem Knauf in der Hand hin und her, betrachtete ihn ein wenig wehmütig, steckte ihn jedoch wieder in den bereitstehenden Schirmständer, in welchem noch andere Spazierstöcke ihren Platz hatten.<br />
„Das war der Schönste von allen“, erklärte mir mein Gatte beim Verlassen des Geschäftes. Höchstens zehn Minuten später verkündete er mir:<br />
„Ich kann überhaupt nicht mehr laufen. Mir tut schon alles weh! Und überhaupt, meine Knie sind vom vielen Treppensteigen heute ganz schlimm!“<br />
Da wir inzwischen in einer Ausstellung mit vielerlei verschiedenen Produkten aus Muranoglas waren, vergaß er kurzzeitig seinen Jammer. Doch kaum betraten wir wieder die Straße, ging die Sache von vorne los:<br />
„Das wird immer schlimmer!“<br />
„Was?“<br />
„Na, meine Knie, &#8211; erzähl ich doch dauernd!“<br />
„Sollen wir uns irgendwo hinsetzen?“, fragte ich ihn mitleidig.<br />
„Nö, nö!“<br />
Und zwei Minuten später meinte er: „Vielleicht kauf ich mir einen Stockschirm, da kann ich mich abstützen.“<br />
Jetzt hatte ich es kapiert! Er hatte die ganze Zeit rumgejammert wie ein kleines Kind, das etwas haben möchte, es aber nicht bekommt.<br />
„Kann es sein, dass du den Stock haben möchtest, den wir vorhin gesehen haben?“, erkundigte ich mich.<br />
„Ach Quatsch! Brauch ich doch nicht!“<br />
„Anscheinend aber doch! Komm wir gehen noch mal in den Antiquitätenladen, bevor er schließt“, schlug ich ihm vor.<br />
„Den Stock hat bestimmt eh schon jemand gekauft“, murmelte er in seinen weißen Bart.<br />
Seltsamerweise hatte er mich schon in die Nähe des Geschäftes gelotst und so brauchten wir nur noch um zwei Ecken zu gehen, um vor dessen Tür zu stehen. Dort hielt er sich auch gar nicht lange mit Umschauen auf, sondern marschierte geradewegs auf den Ständer mit den Spazierstöcken zu. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben den besagten Stock erstanden und Peter hatte fortan weder beim Marschieren, noch beim Treppensteigen Probleme. Er genoss es sichtlich mit diesem zwar altmodischen, aber dekorativen Accessoire umher zu marschieren.<br />
„Männer sind wie kleine Kinder“, dachte ich mir so, als mein Gatte strahlend verkündete:<br />
„Der ist perfekt! Wo wollen wir noch hingehen?“<br />
Als wir am Abend mit dem Wasserbus wieder zurück nach Venedig fahren wollten, zeigte dieser auch seine Wirkung. Peter ließ mir beim Betreten des überfüllten Wasserfahrzeuges den Vortritt. Da ich keinen Sitzplatz finden konnte, suchte ich mir irgendwo eine Lücke zum Hinstellen und signalisierte Peter durch Winken meinen Standort. Dieser kam jedoch gerade einmal bis zur zweiten Sitzreihe, dann stand ein junger Mann auf und bot meinem Göttergatten den Platz an. Dieser bedankte sich, warf mir einen grinsenden Blick zu und ließ sich ohne Zögern in den Sitz fallen. Ganz offensichtlich genoss er den Status eines scheinbar alten und gehbehinderten Mannes.<br />
„Siehst du“, meinte Peter nach dem Aussteigen, „mit Stock und weißem Bart hat man so seine Vorteile.“</p>
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