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	<title>Gerücht &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Schon gehört?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2015 23:54:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Sicherlich könnt ihr Euch noch an das Spiel „Stille Post“ erinnern. Wir haben es als Kinder geliebt. Der erste flüstert seinem Nebenmann etwas ins Ohr, der es dem Nächsten wiederum flüsternd erzählt und so weiter und so fort …  Am Ende kommt eine ganz andere Botschaft heraus, als anfänglich übermittelt wurde. Genauso funktioniert die Entstehung von Gerüchten. Doch im Gegensatz zum genannten Kinderspiel ist das Resultat der Gerüchteküche in den wenigsten Fällen lustig: Herr X und Herr Y treffen sich zufällig im überfüllten Wartezimmer ihres gemeinsamen Hausarztes: „Ach, guten Tag Herr Y! Auch hier?! Mich plagt mein Rücken. Der Doktor muss mir mal wieder eine Spritze verpassen. Hat mir bisher immer geholfen. Man lässt sich ja nicht unterkriegen.“ Herr Y reicht Herrn X die Hand und begrüßt ihn freundlich: „Ja manchmal kommt man an unserem Doktor nicht vorbei. Wenn die Warterei nicht immer wäre. Ich sitze hier schon seit einer Stunde, dabei will ich gar nicht viel von ihm.“ Was er jedoch von dem Arzt möchte, hat er bisher noch nicht verlauten lassen. Da sein &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><strong>Sicherlich könnt ihr Euch noch an das Spiel „Stille Post“ erinnern. Wir haben es als Kinder geliebt. Der erste flüstert seinem Nebenmann etwas ins Ohr, der es dem Nächsten wiederum flüsternd erzählt und so weiter und so fort …  Am Ende kommt eine ganz andere Botschaft heraus, als anfänglich übermittelt wurde. Genauso funktioniert die Entstehung von Gerüchten. Doch im Gegensatz zum genannten Kinderspiel ist das Resultat der Gerüchteküche in den wenigsten Fällen lustig:</strong></span></p>
<p><span class="dropcap">H</span>err X und Herr Y treffen sich zufällig im überfüllten Wartezimmer ihres gemeinsamen Hausarztes:<br />
„Ach, guten Tag Herr Y! Auch hier?! Mich plagt mein Rücken. Der Doktor muss mir mal wieder eine Spritze verpassen. Hat mir bisher immer geholfen. Man lässt sich ja nicht unterkriegen.“<br />
Herr Y reicht Herrn X die Hand und begrüßt ihn freundlich:<br />
„Ja manchmal kommt man an unserem Doktor nicht vorbei. Wenn die Warterei nicht immer wäre. Ich sitze hier schon seit einer Stunde, dabei will ich gar nicht viel von ihm.“<br />
Was er jedoch von dem Arzt möchte, hat er bisher noch nicht verlauten lassen. Da sein Gesprächspartner ihm aber schon sein eigenes Leiden geklagt hat, entflammt bei diesem jetzt natürlich die Neugierde.<br />
„Ist es bei Ihnen auch der Rücken oder sind es die Knie? In unserem Alter ziept es ja an jedem Eckchen.“<br />
„Ach nein! Mir geht es hervorragend!“<br />
Das kann ja jetzt auch wieder nicht sein. Warum sitzt er denn dann beim Arzt? So geheimnisvoll?! Da steckt doch etwas anderes dahinter. Herr X schaut sein Gegenüber mit gerunzelter Stirn skeptisch an, woraufhin dieser sich genötigt fühlt weitere Erläuterungen folgen zu lassen:<br />
„Ich will nur nachsehen lassen, ob ich und meine Frau alle nötigen Impfungen für unsere Amerikareise haben“, erklärt er und schwenkt dabei als Beweis die beiden Impfpässe.<br />
„So, so! Nach Amerika! Ganz schön weite und auch teure Reise! Wohl im Lotto gewonnen oder geerbt?“<br />
„Ja, ja ist eine ganz schön weite Reise, aber einmal im Leben sollte man es wagen. Und gewonnen oder geerbt haben wir…“<br />
„Herr Y, bitte Sprechzimmer 2!“, tönt es aus dem Lautsprecher.<br />
Herr Y vergisst, was er sagen wollte, steht auf und eilt ohne ein weiteres Wort in Richtung Sprechzimmer. Das ist jetzt allerdings total schlimm für den zurückgelassenen Gesprächspartner, denn seine Neugierde ist in keiner Weise gestillt. Es wurmt in ihm und seine Rückenschmerzen sind wie weggeblasen. Aber er hat Pech, denn er sieht Herrn Y nicht noch einmal und muss nach seiner eigenen Behandlung mit seiner ungestillten Neugierde nach Hause fahren. Vielleicht hat seine Frau ja schon was läuten gehört.<br />
„Ich habe gerade Herrn Y beim Arzt getroffen. Die fliegen nach Amerika. Sie haben im Lotto gewonnen und geerbt und können sich deshalb die Reise leisten.“<br />
„Ja, manche Menschen haben einfach nur Glück!“, erwidert seine Frau.<br />
„Hat nicht Frau Y eine ältere Schwester, die schon vor Jahrzehnten nach Amerika ausgewandert ist? Ich kann mich dunkel an so etwas erinnern“, mischt sich die Oma ein, die in der Küche sitzt und das Gespräch der Eheleute verfolgt hat.<br />
„Genau, du hast recht. War sie nicht als Zimmermädchen in einem großen und bekannten Hotel tätig?“, überlegt Frau X.<br />
„Haha!“, lacht nun die Tochter, die gerade vom Garten in die Küche gekommen ist. „Vom Zimmermädchen zur Hotelbesitzerin. So was soll es in Amerika alles geben.“<br />
Die Familie wird jetzt jedoch in ihren Vermutungen unterbrochen, da es an der Haustür klingelt und die Nachbarin Elfriede davor steht.<br />
„Ich wollte nur fragen, ob ihr vielleicht noch Schlagsahne zu Hause habt. Wir bekommen nämlich zum Kaffee Besuch und ich habe eine Obsttorte gebacken. Nur habe ich jetzt keine Sahne mehr.“<br />
„Kein Problem. Ich habe noch zwei Becher Schlagsahne im Haus.“<br />
Frau X eilt schon in die Vorratskammer, um das Gewünschte zu holen. Danach muss sie aber unbedingt ihre Neuigkeiten loswerden:<br />
„Habt ihr schon gehört: Die ältere Schwester von Frau Y, &#8211; du weißt schon, die damals nach Amerika ausgewandert ist, sich vom Zimmermädchen zur Hotelbesitzern hochgearbeitet hat, &#8211; ist jetzt gestorben. Die Familie Y hat sie beerbt und jetzt fliegen sie nach Amerika.“<br />
„Ach, sag bloß!“, entgegnet die Nachbarin hoch interessiert mit großen Augen. „Das muss ich gleich meinem Mann erzählen, der kennt doch den Herrn Y gut…, dass der noch nichts gesagt hat.“<br />
„Stell dir mal vor, die Frau Y hat von ihrer Schwester, die übrigens eine Multimillionärin ist und etliche Hotels besitzt, alles geerbt und jetzt wandern sie nach Amerika aus.“<br />
Der Ehemann Siegfried hört allerdings nicht richtig zu, weil er gerade in der Zeitung den Sportteil studiert und kommentiert alles nur mit einem:<br />
„Soso, aha!“<br />
Zu weiteren Ausführungen ist im Moment keine Zeit, weil der Besuch gleich vor der Tür steht und die Sahne noch geschlagen werden muss. Für die nächsten Tage ergibt sich zunächst keine Gelegenheit zur Wiederaufnahme des Gesprächs, aber dann beim Kegelabend mit seinen Kumpanen fällt Siegfried die ganze Geschichte wieder ein. Allerdings kann er sich nicht exakt erinnern, da er seiner Frau ja nicht genau zugehört hatte. Deshalb verdreht er nun ebenfalls  einige Details:<br />
„Wisst ihr eigentlich schon das Neuste?“, fragt er in die Runde, um aber gleich weiter zu erzählen: „Herr Y verlässt seine Frau, wandert nach Amerika aus und heiratet dort eine Multimillionärin.“<br />
Jetzt hat die Kegelrunde das Gesprächsthema Nummer 1 gefunden und alle möglichen und unmöglichen Vermutungen werden angestellt. Man vermutet, dass Herr Y schon lange die Multimillionärin als Geliebte hätte. Und zwar hätte er sie möglicherweise vor fast zwei Jahrzehnten bei einer Kur kennengelernt. Aus dem damaligen Verhältnis könnte sogar ein gemeinsames Kind entstanden sein.</p>
<p>Einer hat immer noch eine bessere Idee als der andere und so kommt, was kommen muss. Man tuschelt in der Stadt, wann immer man das Ehepaar Y oder einen von ihnen irgendwo sieht. Das merken die Betroffenen auch und fragen sich, warum sie von den Leuten so merkwürdig gemustert werden. Schließlich vertraut sich Frau Y ihrer Freundin an und erhält auch eine ehrliche Erklärung:<br />
„Man erzählt sich, dass dein Mann sich von dir scheiden lässt, weil er in Amerika eine Multimillionärin heiratet, von der er schon eine fast zwanzigjährige Tochter hat. Wieso hast du mir nichts davon erzählt? Ich dachte, ihr fliegt gemeinsam nach Amerika, um dort einen schönen Urlaub zu verleben?!“<br />
Frau Y ist entsetzt, mit den Nerven am Ende und glaubt, für sie bricht eine Welt zusammen. Sollte ihr Mann tatsächlich eine Geliebte in Amerika haben? Und was war das für eine Kur? Ihr Mann hatte noch nie eine Kur, auch nicht vor Jahrzehnten. Sie nimmt am Abend all ihren Mut zusammen und stellt ihren Mann zur Rede. Dieser beteuert seine Unschuld und seine Frau glaubt ihm auch, weil so eine haarsträubende und verworrene Geschichte kann gar nicht wahr sein und passt mit ihrem Leben nicht zusammen.</p>
<p>Das Ehepaar hält zusammen, lässt sich von der brodelnden Gerüchteküche nicht beirren und freut sich auf Amerika.</p>
<p>Nachdem sie wohlbehalten in trauter Zweisamkeit wieder zu Hause eingetroffen sind, weit und breit keine Geliebte und auch keine uneheliche Tochter in Sicht ist, verschwindet das Gerücht so schnell wie es gekommen ist. Zum Glück!</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Eine liebe Mitbloggerin (Tanja Fründ) hat ein tolles Gedicht zu diesem Thema geschrieben. Schaut doch mal bei ihr vorbei:</p>
<p><a href="https://fruendlichescherereien.wordpress.com">Gerüchteküche</a></p>
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