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	<title>Verhalten &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Familienzuwachs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Oct 2014 19:17:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Katze]]></category>
		<category><![CDATA[Verhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[Lottchen erzählt: „Es ist jetzt genau sechs Jahre und ein paar Monate her. Damals war ich noch ein kleines Baby, genauer gesagt, meine Mama hatte mich und eine Handvoll weiterer Geschwister geboren. Bei Mama war es schön warm und weich. Sie gab uns allen Milch zu trinken und wir wuchsen und wuchsen. Bald schon durften wir das Körbchen verlassen, umherstreifen und die Welt erkunden…“ So oder ähnlich würde der Bericht unseres kleinsten und jüngsten Familienmitgliedes beginnen. Die Rede ist hierbei von unserem lieben Lottchen, einem Kätzchen. Lottchen trat ganz unverhofft in unser Leben, zumindest für meinen Mann und mich: Es war ein schöner Sommertag, als unser Sohn von den Katzenkindern im Hause einer Freundin berichtete: „Die sind so niedlich! Eines von den Kätzchen läuft mir immer nach“, begann er. Noch schwante mir nicht im geringsten, was jetzt kommen würde. „Sie sollen heute verschenkt und abgeholt werden“, erzählte er weiter. Ich war nicht gerade ein Katzenfan und so interessierte mich das Ganze nicht besonders, was sich allerdings schlagartig änderte. „Ich würde dieses eine Kätzchen gerne nehmen!“ &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lottchen erzählt:</strong></p>
<p><strong><span class="dropcap">„E</span>s ist jetzt genau sechs Jahre und ein paar Monate her. Damals war ich noch ein kleines Baby, genauer gesagt, meine Mama hatte mich und eine Handvoll weiterer Geschwister geboren. Bei Mama war es schön warm und weich. Sie gab uns allen Milch zu trinken und wir wuchsen und wuchsen. Bald schon durften wir das Körbchen verlassen, umherstreifen und die Welt erkunden…“</strong></p>
<p>So oder ähnlich würde der Bericht unseres kleinsten und jüngsten Familienmitgliedes beginnen. Die Rede ist hierbei von unserem lieben Lottchen, einem Kätzchen. Lottchen trat ganz unverhofft in unser Leben, zumindest für meinen Mann und mich:<br />
Es war ein schöner Sommertag, als unser Sohn von den Katzenkindern im Hause einer Freundin berichtete:<br />
„Die sind so niedlich! Eines von den Kätzchen läuft mir immer nach“, begann er. Noch schwante mir nicht im geringsten, was jetzt kommen würde.<br />
„Sie sollen heute verschenkt und abgeholt werden“, erzählte er weiter. Ich war nicht gerade ein Katzenfan und so interessierte mich das Ganze nicht besonders, was sich allerdings schlagartig änderte.<br />
„Ich würde dieses eine Kätzchen gerne nehmen!“<br />
„Wie? Hier zu uns? Nein!“ Damals wohnte unser Sohn noch bei uns und so war er notgedrungen auf unsere Erlaubnis angewiesen.<br />
Genau in diesem Moment klingelte es an der Haustür. Ahnungslos öffnete ich, um festzustellen, dass die besagte Freundin mit einem Katzenbaby im Arm davor stand.<br />
„Hallo“, sagte sie, „ich bringe Timo das Kätzchen vorbei.“<br />
Süß war es, das gestand ich mir damals insgeheim ein, aber ich hatte „nein“ gesagt und dabei wollte ich bleiben. Wir setzen uns in die Küche, streichelten abwechselnd das Katzenbaby und eine lebhafte Diskussion entfachte. Vor ein paar Wochen erst war unser Meerschweinchen gestorben, das unser letztes Haustier sein sollte (wir hatten insgesamt 2 Zwergkanninchen und 2 Meerschweinchen gehabt). Endlich brauchten wir niemand mehr aus der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis zu bemühen, um die Pflege zu übernehmen, wenn wir im Urlaub waren.<br />
„Du machst demnächst dein Abitur, ziehst in eine andere Stadt und wir haben dann die Katze.“<br />
Versprechungen wurden gemacht, Bitten gestellt, Überlegungen angestellt und Beschlüsse wurden gefasst. Kurz und gut: Das Kätzchen durfte bleiben. Ich kann nur betonen, dass bei allem anfänglichen Widerstand meinerseits die Katze zu diesem Zeitpunkt bereits ein Eckchen meines Herzens erobert hatte und sie sollte sich den Rest auch noch „erschleichen“. Und zwar relativ schnell.<br />
Eine Bedingung knüpfte ich allerdings an die Aufnahme des neuen Familienmitgliedes: Eine Katzenklappe und ein Raum, wo sie nachts schlafen sollte. Damals ging ich naiverweise noch davon aus, dass das Kätzchen auch nur diesen Bereich unseres Hauses bewohnen würde. Doch wie jeder weiß, schleichen Katzen überall hin und erobern sich alles, auch unsere Herzen, was ihnen wiederum Tür und Tor öffnet. Wir beschlossen also ihr den Hausanschlussraum mit angrenzendem und großzügigem Kellerersatzbereich zuzuweisen. Hier steht noch heute ihr Körbchen und ihre Katzentoilette und hier schläft sie. Ansonsten hatten mein Mann und Timo gleich am nächsten Tag einen kleinen Wanddurchbruch nach außen gemacht und eine Katzenklappe eingesetzt, damit unser aller Liebling seither kommen und gehen kann, wann immer er will. Nur nachts wird diese verschlossen und Lottchen schläft friedlich mal in ihrem Körbchen und mal oben auf der Heizung.</p>
<p>An dieser Stelle habe ich eigentlich genug berichtet und möchte sozusagen das Wort an unser Kätzchen übergeben und aus ihrer Sicht weiter erzählen:</p>
<p>„Ich hatte jetzt also eine neue Familie und die meinte, ich müsste unbedingt einen Namen besitzen. Sie nannten mich: Lottchen. Sie sagten der Name komme von einer Lotta aus einem Buch von Astrid Lindgren, aber ich kenne die nicht. Ist mir auch egal. Ich habe jetzt ein Frauchen Astrid, das mir immer Milch gibt, ein Herrchen Peter, der es gar nicht mag, wenn ich Mäuse fange und mein Lieblingsherrchen Timo.<br />
Zuerst einmal musste ich ein paar Tage im Haus bleiben, das aber groß war, außerdem musste ich ja auch alles erkunden. Dann gab es den ersten Freigang im Garten. Ein bisschen Angst hatte ich schon, denn diesen Garten kannte ich nicht und es war keine Katzenmama da und meine Geschwister auch nicht, aber es gab fürchterlich viel zu sehen und zu riechen. Mein Herrchen Timo passte auf, dass ich mich nicht in dem Garten verirrte und brachte mich auch wieder ins Haus.<br />
‚Wir sollten unser Lottchen kastrieren lassen!‘, beschloss mein Frauchen, packte mich in einen Korb und stellte ihn ins Auto. Mir gefiel die Fahrt überhaupt nicht, es schaukelte, ich konnte nicht sehen wohin wir fuhren und ich wusste nicht was jetzt passieren würde. Also jammerte ich und rief ‚Mama, Mama!‘. Mein Frauchen redete auch die ganze Zeit mit mir und wollte mich beruhigen, aber die Angst blieb. (Bis heute hasse ich übrigens das Autofahren.) Im Wartezimmer waren viele verschiedene Gerüche und ich war froh in meinem Korb bleiben zu dürfen. Dann holte mich aber doch jemand heraus, es pikste, ich schlief ein, träumte vom Mäusefangen und als ich wieder aufwachte war es mir ganz seltsam zumute. Ich hatte plötzlich an einer Stelle kein Fell mehr und fühlte mich ganz wackelig und meine Beine hatten keine Kraft mehr zum Laufen.“<br />
„Es sieht aus, als hätte sie ein Batteriefach“, behauptete mein Mann. Die Tierärztin hatte uns erklärt, dass wir aufpassen müssten, dass Lottchen sich nicht an dieser Stelle kratzt und verletzt.<br />
„Am besten ist es“, meinte sie zu uns, „wenn sie ihr den kleinsten Babybody oder Strampler anziehen, den es gibt.“<br />
Gesagt, getan! Ich besorgte die entsprechende Babybekleidung und mein Mann erhielt die ehrenvolle Aufgabe ihr dieses Teil anzuziehen. Wer schon einmal versucht hat einer Katze so ein Ding überzustülpen, der weiß wovon ich rede. Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen war es endlich soweit, allerdings nur für einen Bruchteil von einer Sekunde. In null Komma nichts war unser Lottchen durch den Ausschnitt des Bodys entwischt und signalisierte uns ihre Unlust diese Anziehprozedur nochmals zu wiederholen.<br />
„Ist doch alles Quatsch! Außerdem ist das Ding eh’ meilenweit zu groß!“, beendete mein Mann dieses Drama, doch das nächste folgte bereits auf dem Fuße, wie man so schön sagt.<br />
Lottchen wollte nicht länger in der Wohnung eingesperrt sein, denn sie fühlte sich wieder gesund. Da aber beim Freigang die Gefahr einer Verletzung bestand, riet uns die Ärztin:<br />
„Nehmen Sie ihr Kätzchen erst einmal an die Leine!“<br />
Das mögen ja vielleicht andere Katzen machen, aber unser Lottchen hatte da eine eigene Vorstellung vom Spazieren gehen. Gefallen ließ sie sich das Umlegen der Leine gerade noch so. Aber als sich die Haustür öffnete, sie einen Schritt über die Schwelle trat, den Duft der großen weiten Welt in die Nase bekam, da machte sie einen Salto die zwei Stufen hinunter und hast du nicht gesehen, war sie schon raus aus der Leine.<br />
„Das war es dann wohl!“, kommentierten meine beiden Männern die Geschichte.<br />
„Lasst sie doch einfach laufen, es wird schon nichts passieren!“, meinte Timo und er sollte Recht behalten.<br />
„Meine Wunde ist verheilt“, schien sich Lottchen dann auch einige Tage später zu überlegen.<br />
„Jetzt kann ich schon wieder überall herumklettern. Dort drüben zum Beispiel auf dem Garagendach des Nachbarn war ich noch nie. Ich klettere mal auf den Baum und dann springe ich rüber!“<br />
So einfach wie unser Lottchen auf das Garagendach gekommen war, kam sie jedoch nicht mehr herunter. Nachdem sie mehrere Runden am Rande des Daches entlang spaziert war und kläglich um Hilfe gerufen hatte, erbarmte sich der Nachbar ihrer. Unter Zuhilfenahme einer Leiter befreite er Klein &#8211; Lottchen aus der misslichen Lage, denn sie hatte sich offensichtlich zuviel zugemutet.<br />
Überhaupt wurde sie sofort der Liebling aller Nachbarn.<br />
„Wenn ihr mich so gerne habt, dann müsst ihr mir auch etwas geben!“, schien und scheint sie zu denken. Bis zum heutigen Tag (und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern) gibt ihr jeder bereitwillig Leckerlies oder Milch.<br />
Sind wir im Urlaub, so sitzt sie abends brav vor Nachbars Türe und wartet darauf, dass ihr Ersatzfrauchen sie in ihr „Katzenzimmer“ (Hausanschlussraum) in unserem Haus bringt und am Morgen wieder rauslässt. Kommen wir dann wieder zurück, läuft sie erst einmal beleidigt und hoch erhobenen Hauptes an uns vorbei.<br />
„Ihr wart immerhin weg und irgendwie müsst ihr dafür auch bestraft werden“, scheint sie sich zu sagen. Aber dann kommt sie auch sogleich wieder freudig erzählend und möchte gestreichelt werden. Manchmal wartet sie in einer Ecke draußen und wenn sie unser Auto hört, kommt sie sofort angelaufen.<br />
Es ist schön, wie anhänglich Tiere sind. Und ehrlich gesagt, können wir uns gar nicht mehr vorstellen wie es ohne unser Lottchen wäre. Ich hätte nie gedacht, dass ein Kätzchen so viel geben kann. Sie ist zum richtigen Familienmitglied geworden und aus meiner jetzigen Sicht kann ich es nicht mehr verstehen, warum ich damals zuerst „nein“ gesagt habe. Ich hätte echt etwas verpasst!!!<br />
Wie alle Katzenbesitzer, denke auch ich, dass unser Lottchen etwas ganz Besonderes ist.<br />
Das ist sie aber auch!</p>
<p style="text-align: center;"><strong>„Miau!“</strong></p>
<p><a href="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2014/10/1200px-DSC00929.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-132 size-full" src="http://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2014/10/1200px-DSC00929.jpg" alt="1200px-DSC00929" width="1200" height="799" srcset="https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2014/10/1200px-DSC00929.jpg 1200w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2014/10/1200px-DSC00929-300x199.jpg 300w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2014/10/1200px-DSC00929-1024x681.jpg 1024w, https://lifetellsstories.de/wp-content/uploads/2014/10/1200px-DSC00929-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></p>
<p style="text-align: center;">Fortsetzung folgt…</p>
<p style="text-align: left;">(Nebenbei bemerkt: Meine Geschichte &#8222;Familienzuwachs&#8220; ist seit 6.2.15 auch unter www.tiergeschichten.de zu finden)</p>
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		<title>Ein besonderer Mensch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Sep 2014 14:47:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Touri]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>
		<category><![CDATA[Verhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Bekannte sagt häufig: “Das ist ein ganz besonderer Mensch.“   Sie meint damit meist einen reichen Menschen oder  jemand, der lieb zu ihr war.  Ich möchte hier jedoch über einen besonderen Menschen berichten, der ziemlich in jedem von uns steckt. Wir verwandeln uns in ihn, indem wir uns ähnlich wie bei der Verwandlung von der  Raupe zum schönen Schmetterling verpuppen. Dann „flattern“ auch wir umher und freuen uns  unseres Lebens. Die Rede ist von einer Gattung Mensch, den wir den Touri nennen. Ich habe mich für eine begrenzte Zeit in ihn verwandelt, habe mich sozusagen zu den anderen Touris gesellt, ihr und mein Verhalten in dieser Zeit beobachtet und festgehalten, denn wenn einer eine Reise macht, hat er was zu erzählen. Was dabei herauskam, ist ein etwas anderer Urlaubsbericht: „Ach, weißt du, eigentlich passt es mir im Moment gar nicht in den Urlaub zu fliegen“, sagt der Touri zu seiner Frau, die ihn mit großen fragenden Augen anschaut. „Ich hätte noch so viele Dinge zu erledigen, die ganze Arbeit bleibt liegen…, ich muss in jedem Fall &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Bekannte sagt häufig: </strong><strong>“Das ist ein ganz besonderer Mensch.“   </strong><strong>Sie meint damit meist einen reichen Menschen oder  jemand, der lieb zu ihr war.  Ich möchte hier jedoch über einen besonderen Menschen berichten, der ziemlich in jedem von uns steckt. Wir verwandeln uns in ihn, indem wir uns ähnlich wie bei der Verwandlung von der  Raupe zum schönen Schmetterling verpuppen. Dann „flattern“ auch wir umher und freuen uns  unseres Lebens. Die Rede ist von einer Gattung Mensch, den wir den Touri nennen.</strong></p>
<p><span class="dropcap">I</span>ch habe mich für eine begrenzte Zeit in ihn verwandelt, habe mich sozusagen zu den anderen Touris gesellt, ihr und mein Verhalten in dieser Zeit beobachtet und festgehalten, denn wenn einer eine Reise macht, hat er was zu erzählen. Was dabei herauskam, ist ein etwas anderer Urlaubsbericht:</p>
<p>„Ach, weißt du, eigentlich passt es mir im Moment gar nicht in den Urlaub zu fliegen“, sagt der Touri zu seiner Frau, die ihn mit großen fragenden Augen anschaut. „Ich hätte noch so viele Dinge zu erledigen, die ganze Arbeit bleibt liegen…, ich muss in jedem Fall noch schnell ein Telefonat machen…“</p>
<p>„Na“, denke ich, „der kann wohl gar nicht abschalten und bei diesem einen Anruf wird es dann auch nicht bleiben.“</p>
<p>Kaum haben die beiden die Sicherheitskontrollen hinter sich, flüchtet die Tourifrau in den Duty Free Bereich, während er sich auf einen Stuhl fallen lässt und augenblicklich sein Handy zückt. Wie sehr er sich in diesem Telefonat engagiert, kann man an seiner Gestik und Mimik ablesen. Er fuchtelt mit den Armen in der Gegend herum, deutet mal hier hin und mal da hin, zeigt mit dem Finger nach oben und unten, tippt sich mit dem Finger an die Stirn und haut mit der Faust auf den Tisch. Hier scheint auch nach Beendigung des Telefonats das letzte Wort noch nicht gesprochen worden zu sein.</p>
<p>Nach langem Suchen hat ein anderer Touri einen freien Sitzplatz zwischen zwei Männern erspäht und will sich mit der rhetorischen Frage</p>
<p>„Ist hier noch frei?“</p>
<p>auch schon hinsetzen, da erhält er prompt die Antwort:</p>
<p>“Hier sitzt meine Frau!“</p>
<p>Erstaunt richtet er sich wieder auf und marschiert zwei Plätze weiter, nur um ebenfalls die Belehrung zu erhalten:</p>
<p>„Hier sitzt <i>meine </i>Frau!“</p>
<p>„Ich sehe aber keine Frau“, kontert er geistesgegenwärtig, da ihm die vielen imaginären Frauen doch spanisch vorkommen. Aber da eilen sie auch schon von allen Seiten herbei und nehmen ihre Plätze ein, also bleibt dem Touri nichts weiter übrig als stehen zu bleiben oder weiter zu suchen bis endlich das Gate geöffnet und zum Einstieg ins Flugzeug aufgefordert wird, wo er zwar auch suchen muss, aber einen zugewiesenen Sitzplatz hat, der nur für ihn reserviert ist.</p>
<p>Endlich im Hotel angekommen, entfacht auch schon der Neid auf die anderen Touris, die liegen nämlich schon in der Sonne, rund um den Pool oder am Strand, also nichts wie hin,- man könnte ja was verpassen. Da man ja den allerersten Flieger aus Deutschland genommen hat, marschiert man jetzt um die Mittagszeit zum Strand. Die Liegen mit den Sonnenschirmen sind vergeben, aber das Handtuch ist ja groß genug und in Null Komma Nichts ist man dann bedingt durch die Strapazen der Reise selig eingeschlafen. Wen wundert es da, dass am Abend im Speisesaal der Neuankömmling wie ein wandelnder Leuchtturm für alle weithin sichtbar und deutlich erkennbar ist.</p>
<p>Hin und wieder trifft man aber auch genau den gegenteiligen Touri an, der allerdings ebenfalls eindeutig zu identifizieren ist. Dieser zeichnet sich durch Vorbildlichkeit und die Angst vor freien Radikalen aus. Er meidet die Mittagssonne und hat sein Schläfchen im vollklimatisierten Hotelzimmer auf höchster Stufe vorgenommen,was ihm drei Tage später eine Erkältung einbringt. Beim abendlichen Gang zum Buffet sticht er durch seine vornehme Blässe hervor. Beide Typen wirken wie ein Magnet, denn zum einen sorgen sie für Gesprächsstoff bei den bereits eingefleischten Touris und zum anderen eröffnet sich die Möglichkeit zur ersten Kontaktaufnahme.</p>
<p>„Na“, kommt es vom Nachbartisch herüber, die selbstverständlich schon mit gespitzten Ohren genau ausgekundschaftet haben, welcher Nationalität der Neuankömmling angehört. „Erst angekommen?!“ Dies klingt dann auch mehr wie eine Feststellung als eine Frage. Jetzt fühlt sich der Touri schon fast wie zu Hause, denn soeben hat er Freunde gefunden. Man spricht die gleiche Sprache, das verbindet.</p>
<p>Spätestens am nächsten Morgen beginnt für den Touri der Urlaubsstress: Gemäß den beiden oben beschriebenen Typen (Rothaut und Bleichgesicht)  fällt die erste Entscheidung. Unser Leuchtturm muss sich gezwungenermaßen einer Sonnenpause unterziehen, also legt er heute erst einmal einen Kulturtag ein. Unser Bleichgesicht hat sich für Pool, Sonnenschirm und Sonnencreme entschieden, damit aus der vornehmen Blässe eine leichte Tönung entsteht, die bis zur Abreise sorgfältig gepflegt wird. Diese Entscheidung hat er natürlich schon in aller Frühe gefällt, um für den Ansturm auf die begrenzte Anzahl von Liegen und Sonnenschirmen rund um den Pool gewappnet zu sein. Ausschlafen im Urlaub wird somit zum großen Nachteil, denn jetzt beginnt der Kampf um den besten Liegenplatz. Wenn morgens der Startschuss fällt, sollte das eigene Handtuch schon auf der Liege liegen. Danach kann er dann alles andere machen, unter Umständen auch mit dem Bus in den nächsten Ort zum stundenlangen Bummeln fahren, denn er hat ja seinen Liegeplatz inclusive Sonnenschirm reserviert und damit sein Revier markiert.</p>
<p>Dass der Mensch und besonders auch der Touri (wohlgemerkt wir sprechen hier immer vom Pauschalreisenden) ein Herdentier ist, kommt gleich beim ersten Ausflug voll zum Tragen. Steht der Touri alleine an der Bushaltestelle, überfällt ihn sogleich ein etwas mulmiges Gefühl und er fragt sich insgeheim: „Geht hier tatsächlich der Bus in die Inselhauptstadt ab oder muss ich zu einer anderen Haltestelle marschieren?“</p>
<p>Die Erleichterung überkommt ihn dann sofort, wenn weitere Urlauber eintreffen und er den aufgefangenen Gesprächsfetzen entnehmen kann, dass sie in die gleiche Richtung zu fahren gedenken. Dann stellt er sich auch bereitwillig in der Schlange an, doch seine gerade gewonnene Sicherheit verlässt ihn sofort wieder wenn sich plötzlich auf der Gegenseite ein Bus nähert und eine ganze Menschenhorde von der einen Straßenseite (auf der er steht)  zur gegenüberliegenden wechselt. Was macht der Touri nun? Keine Frage: Er wechselt ebenfalls die Straßenseite, um sogleich festzustellen, dass mindestens ein Drittel der Menschen, denen er gefolgt ist ihren Irrtum erkennen und nochmals die Straßenseite wechseln, ebenfalls wieder gefolgt von unserem Touri, der jetzt wieder da steht, wo er vorher auch stand.</p>
<p>Nun gut, er sitzt im richtigen Bus und erreicht auch die Inselhauptstadt. Die Entscheidung, ob er nach dem Verlassen des Busses seinen Weg nach rechts oder links fortsetzt, entscheidet wiederum die Masse. Fehlt diese, so fühlt er sich letztendlich genötigt aus seinem Rucksack den Stadtplan zu kramern und eine eigenständige Entscheidung zu fällen.</p>
<p>Sogleich verwandelt sich sogar der größte „Kulturbanause“ in einen von der   dortigen Kultur und Geschichte faszinierten und hochinteressierten Menschen. Alles, selbst die noch so unscheinbare im Reiseführer ausgewiesene Sehenswürdigkeit wird besichtigt und selbstverständlich aus allen nur denkbaren Blickwinkeln fotografiert.</p>
<p>Überhaupt liebt der Touri das Fotografieren und  Filmen. Sind das doch neben den schönsten Erinnerungen auch die besten Beweise gegenüber Nachbarn und Freunden, was man so alles Tolles im Urlaub gesehen und erlebt hat.</p>
<p>Gibt es eigentlich nichts zu fotografieren, weil man schlichtweg einfach nur mal für ein paar Minuten auf einer Bank vor sich hin träumen will, zückt man halt mal schnell die Kamera, wenn man aus seinem Tagtraum wieder erwacht ist und fotografiert zum Spaß mal eben den linken eigenen und den rechten Fuß des Partners. Hauptsache der Touri hat auch diesen Moment in irgendeiner Art und Weise dokumentiert und festgehalten.</p>
<p>Im Zeitalter der Digitalfotografie ist dies ja auch kein Problem. Während er früher den Moment einfach nur genossen und in der eigenen Erinnerung festgehalten hat (immerhin Filme und deren Entwicklung kosteten ja Geld und das war nach einem Urlaub etwas knapper) fotografiert er heute los was das Zeug nur so hält. Kostet ja nichts mehr, wird einfach auf CD gebrannt oder auf dem PC ausgelagert. Doch wer schaut sich die Bilderflut von manchmal 1000 Fotos noch an? Also druckt der Touri  einige wenige Fotos aus und schon ist man wieder soweit wie früher als alle noch analog fotografierten. Und das sind dann auch unsere wahren Schätze und Urlaubserinnerungen, verbunden mit den Erlebnissen drumherum. Denn, schaut der Touri nur noch durch das Objektiv, so nimmt er die Welt um sich herum kaum noch wirklich wahr. Schnell ist da auch einmal ein kleines Kind in Höhe seines Bauchnabels übersehen. Und zu  Hause stellt er dann plötzlich fest, was er so alles gesehen hätte, wenn er nicht immer nur durch das Objektiv geschaut hätte.</p>
<p>Seien wir Touris mal ehrlich! Handelt es sich bei diesem Urlaub z.B. um einen reinen Badeurlaub am Meer, so plätschern die Tage einfach so dahin ( es sei denn wir sind aktiv und unternehmen viel auf eigene Faust) und der Touri ist froh um jede noch so kleine Abwechslung, die den Urlaubstag bereichert. Da wird der Oberkellner, der sich beim Rausziehen der Besteckschublade diese auf den Fuß fallen lässt, zum großen Helden gekürt und die streitenden Kellner aus benachbarten Tavernen ebenso Objekte unserer Neugier wie das Brautpaar, dem man bei der Besichtigung einer Sehenswürdigkeit begegnet.</p>
<p>Über Hunde,  Katzen oder Babies gelingt selbst dem ansonsten vielleicht schüchtern veranlagten  Urlauber der Kontakt zu Einheimischen spielend. Der etwas forscher auftretende Touri interviewt schon mal Einheimische bezüglich irgendwelcher Feste oder zwecks  Wegbeschreibung, die dann meist mit Händen und Füßen und Bruchstücken der fremden Sprache zusammengebastelt werden.</p>
<p>Der absolute Höhepunkt für den Urlaubsbericht zu Hause ist dann natürlich das unvermittelte und überraschende Zusammentreffen mit Touris, die man auch noch aus der Heimat kennt und sei es noch so flüchtig. Mit Sonnenbrille vor den Augen und der Kamera vor dem Bauch hängend marschiert der eine Touri unvermittelt an dem anderen Touri vorbei und erkennt ihn gerade noch so im Augenwinkel. Beide verharren in ihrem Schritt und nun folgt die freudige Begrüßung. Nie hat man sich so gefreut einander zu begegnen wie in diesem Augenblick. Aus dem gleichen Land kommend, passiert ständig, aus der gleichen Stadt schon seltener, aber wenn man denjenigen auch noch kennt, dann ist das die Krönung und Sensation im Tourileben, zumindest für den Moment und bei der Berichterstattung zu Hause.</p>
<p>Nachdem der Touri zwei Wochen lang alle Sehenswürdigkeiten erforscht hat, überall hingefahren ist, alle diejenigen Dinge für schön  befunden hat, die er eigentlich daheim grässlich findet und Dinge gekauft hat, für die er im eigenen Heim nicht den passenden Platz findet (von wegen Wohnstil etc.), tritt  der Touri seine Rückreise an, um spätestens mit der Landung den schönen Urlaubsstress gegen den leidigen Alltagsstress einzutauschen.  Doch was wäre der Urlaub ohne den Alltag?</p>
<p>Zum Abschluss danken dem Pilot noch alle Touris mit einem kräftigen Applaus für die gelungene Landung auf dem Heimatflughafen, denn irgendwie ist es zu Hause doch am schönsten.</p>
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