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	<title>T-Shirt &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Die Schiffsfahrt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Sep 2021 21:54:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[100 Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitän]]></category>
		<category><![CDATA[Kasten]]></category>
		<category><![CDATA[T-Shirt]]></category>
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					<description><![CDATA[Die vierjährigen Zwillinge, Ines und Jens, verbringen mit den Großeltern das Wochenende am See. Beide tragen Matrosen-T-Shirts, als alle an Bord eines Ausflugsschiffes gehen. Jauchzend beobachten sie vom Oberdeck die Wellen und die Möwen. Als sie das Schiff wieder verlassen, dürfen die Beiden ein kleines Dankeschön für dieses schöne Erlebnis in ein Kästchen werfen. „Oma, was machen die Matrosen und der Kapitän mit dem Geld?“, fragt Ines. „Sie kaufen Farbe, zum Streichen des Schiffes“, lautet die Antwort. „Das denkst du“, flüstert Opa, denn sie hat nicht gehört, was er gehört hat: „Das reicht bestimmt für einen Kasten Bier!“]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die vierjährigen Zwillinge, Ines und Jens, verbringen mit den Großeltern das Wochenende am See. Beide tragen Matrosen-T-Shirts, als alle an Bord eines Ausflugsschiffes gehen. Jauchzend beobachten sie vom Oberdeck die Wellen und die Möwen. Als sie das Schiff wieder verlassen, dürfen die Beiden ein kleines Dankeschön für dieses schöne Erlebnis in ein Kästchen werfen.</p>
<p>„Oma, was machen die Matrosen und der Kapitän mit dem Geld?“, fragt Ines.</p>
<p>„Sie kaufen Farbe, zum Streichen des Schiffes“, lautet die Antwort.</p>
<p>„Das denkst du“, flüstert Opa, denn <strong><em>sie</em></strong> hat nicht gehört, was <strong><em>er</em> </strong>gehört hat:</p>
<p>„Das reicht bestimmt für einen Kasten Bier!“</p>
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		<title>Verdrehte Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2016 00:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Haare]]></category>
		<category><![CDATA[Locken]]></category>
		<category><![CDATA[modern]]></category>
		<category><![CDATA[Ostereier]]></category>
		<category><![CDATA[T-Shirt]]></category>
		<category><![CDATA[Temperatur]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[„Irgendwie leben wir in einer verdrehten Welt“, meint mein Mann, als er vor einem Regal im Supermarkt steht. Ich schaue ihn verdutzt an, denn bei mir hat sich gerade nichts verdreht und ich finde meine kleine Welt auch ganz in Ordnung, so wie sie ist. Doch mein Peter scheint das irgendwie anders zu meinen. Er steht nämlich immer noch kopfschüttelnd vor dem besagten Regal. Da ich also momentan seine Gedankengänge nicht nachvollziehen kann, erkundige ich mich nach dem eigentlichen Grund seiner Aussage. „Was meinst du damit?“, frage ich ihn also und schaue ihn erwartungsvoll an. „Na, hier die Ostereier!“, entgegnet er und deutet auf die bunt bemalten und hart gekochten Eier, die es massenhaft in diesem Regal gibt. „Früher gab es das nur zu Ostern. Heutzutage kann man auch an Weihnachten Ostereier kaufen. Wenn das keine verdrehte Welt ist.“ Auch wenn man diese Eier nur zur Kennzeichnung und zur Unterscheidung von gekochten und rohen Eiern derartig bunt gefärbt hat, bleiben sie in unseren Augen und unserem Verständnis doch immer Ostereier. „Wahrscheinlich suchen wir sowieso dieses &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Irgendwie leben wir in einer verdrehten Welt“, meint mein Mann, als er vor einem Regal im Supermarkt steht.</strong></p>
<p><strong>Ich schaue ihn verdutzt an, denn bei mir hat sich gerade nichts verdreht und ich finde meine kleine Welt auch ganz in Ordnung, so wie sie ist. Doch mein Peter scheint das irgendwie anders zu meinen. Er steht nämlich immer noch kopfschüttelnd vor dem besagten Regal. Da ich also momentan seine Gedankengänge nicht nachvollziehen kann, erkundige ich mich nach dem eigentlichen Grund seiner Aussage.</strong><br />
<span class="dropcap">„W</span>as meinst du damit?“, frage ich ihn also und schaue ihn erwartungsvoll an.<br />
„Na, hier die Ostereier!“, entgegnet er und deutet auf die bunt bemalten und hart gekochten Eier, die es massenhaft in diesem Regal gibt.<br />
„Früher gab es das nur zu Ostern. Heutzutage kann man auch an Weihnachten Ostereier kaufen. Wenn das keine verdrehte Welt ist.“<br />
Auch wenn man diese Eier nur zur Kennzeichnung und zur Unterscheidung von gekochten und rohen Eiern derartig bunt gefärbt hat, bleiben sie in unseren Augen und unserem Verständnis doch immer Ostereier.<br />
„Wahrscheinlich suchen wir sowieso dieses Jahr die Ostereier im Schnee, denn Weihnachten hatten wir ja keine weiße Pracht. Ich sag doch, wir leben in einer verdrehten Welt“, schiebt Peter hinterher.<br />
Als wir später in unserem Auto wieder nach Hause fahren, greifen wir dieses Thema noch einmal auf.<br />
„Im Grunde genommen hast du recht“, bestätige ich die Aussage meines Mannes. „Diejenigen Frauen, die lockige Haare haben, wollen einfach nur gerades, ungelocktes Haar. Und umgekehrt wollen Frauen mit ungewellten Haaren plötzlich Locken haben.“<br />
„Ja, und Blondinen färben sie sich schwarz. Und inzwischen versuchen ja zum Beispiel auch schon die thailändischen Frauen ihre dunklen Haare zu blondieren, was überhaupt nicht zu ihnen passt und auch nicht richtig funktioniert. Warum seid ihr Frauen einfach nicht zufrieden mit dem, was ihr habt?“<br />
„Was heißt hier IHR FRAUEN?“, schieße ich zurück. „Denk doch mal an den Sandkasten: Wolltest du nicht auch immer das rote Eimerchen von dem anderen Kind haben, obwohl du kurz vorher noch dein eigenes blaues Eimerchen so toll fandest?“<br />
„Das liegt wohl in den Genen der Menschen, dass sie immer das erstreben, was sie als das Bessere erachten“, antwortet Peter.<br />
Jetzt überlegen wir, ob diese Welt tatsächlich so verdreht ist und finden überraschend viele Beispiele.<br />
Wie oft haben wir uns in Bangkok schon gefragt, warum die Thailänder ihre Wohnungen und öffentlichen Gebäude dermaßen herunter kühlen, dass man förmlich das Gefühl hat, in einem Kühlschrank zu sitzen. Temperieren ist die eine Sache, jedoch alles zu „unterkühlen“ eine andere und für uns Europäer anscheinend eine weitaus unangenehmere Sache als für die Thailänder.<br />
„Denk nur daran, als wir in Thailand mal mit dem Taxi gefahren sind und der Taxifahrer an einer Mautstation das Fenster herunter gekurbelt hat. Während ich zuerst dachte in einem Kühlschrank zu sitzen, stellte ich plötzlich ganz spontan die Frage, ob er die Heizung angestellt hat. Wer braucht in Thailand schon eine Heizung?!“, erinnere ich mich schmunzelnd.<br />
„Genau, und bei uns in Deutschland laufen dann die Thailänder bei 18 Grad Außentemperatur bereits mit Schal und Mütze herum. Das soll mal einer verstehen“, kommentiert mein Mann. „Dabei versuchen sie im eigenen Land alle Räume auf genau diese oder sogar auf eine noch tiefere Temperatur zu bringen.“<br />
Als ich später im Badezimmer stehe und die Sachen aus der Drogerieabteilung verstaue, fällt mein Blick auf die Sonnencreme. Ja, und das ist schon wieder ein Beispiel für die verdrehte Welt, in der wir leben. Wir streben es an, unseren Teint so braun wie nur möglich werden zu lassen. Das finden wir chic. Bei uns Europäern ist es auch irgendwie ein Zeichen dafür, dass man genügend Zeit und vielleicht auch Geld hat, um sich irgendwo auf der Welt bräunen zu lassen.<br />
„So ein Blödsinn“, denke ich. „Bei den Thailändern ist es chic ungebräunt zu sein. Dort kann man sogar eine sogenannte „Whiteningcreme“ kaufen, um die Haut in einem vornehmen hellen Ton erscheinen zu lassen. Oder man benutzt Puder.“<br />
Ich stelle die neuen Zahnbürsten in die entsprechenden Zahnputzbecher und schon fällt mir ein weiteres Beispiel ein:<br />
Im Allgemeinen sind die Jugendlichen froh und glücklich, wenn ihnen der Kieferorthopäde verkündet, dass sie keine feste Zahnspange mehr benötigen. In Thailand jedoch ist das Tragen von festen Zahnspangen ganz groß in Mode. Es ist gewissermaßen ein Zeichen von „Reichtum“, denn nur wer genügend Geld besitzt, kann sich die Zähne richten lassen. So wird es als chic empfunden und selbst, wenn man keine derartige Spange benötigt, kann man diese als Modeaccessoire in allen nur denkbaren Farben kaufen. Selbst Models strahlen auf großen Plakaten mit glitzernden Zahnspangen auf uns herab.<br />
Ich muss mir eingestehen, dass mein Mann irgendwie recht hat. Unsere Welt ist schon manchmal etwas verdreht. Oder besser gesagt: Wir Menschen sind es.<br />
Als ich das Badezimmer verlasse und die Treppe nach unten gehe, kommt mir mein Peter entgegen. Ich bemerke sofort, dass er sich ein frisches T-Shirt angezogen hat und muss augenblicklich anfangen zu lachen.<br />
„Deine Welt ist heute tatsächlich verdreht!“, kichere ich.<br />
Jetzt schaut er mich mit großen und überraschten Augen an.<br />
„Du hast dein T-Shirt links herum angezogen“, verkünde ich ihm. „Ist das jetzt modern so?“</p>
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		<title>Mit Brille wäre das nicht passiert, &#8211; oder doch?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2014 12:05:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Bluse]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Kind musste ich immer für meine Mutter den Faden in das Nadelöhr einfädeln. Für mich war es total unverständlich, dass man mit diesem dünnen Fädchen das in meinen Augen große Loch nicht treffen sollte. Später dann in meiner Referendarzeit bot ich sogar dem Schuldirektor an, ihm die Zeitung zu halten, da ich merkte, dass seine Arme anscheinend zu kurz waren, um die Buchstaben, Wörter und Sätze klar und deutlich zu sehen und somit die Zeitung lesen zu können.  Mit Brille wäre das nicht passiert!“, dachte ich mir damals. „Ja, als Nicht- Brillenträger ist das alles schwer nachvollziehbar“, meint Peter, der schon in Kindheitstagen ein Nasenfahrrad verordnet bekam. „Aber anscheinend hilft die Brille nicht immer und überall!“, kontere ich. „Soll das eine Anspielung sein?“, fragt er zurück. „Wieso?“ „Das ist ja wohl schon ewig her und hätte dir auch passieren können“, verteidigt er sich. „Das wiederum muss ich strikt zurückweisen“, erkläre ich ihm. Lange ist es tatsächlich schon her. Es war auf jeden Fall vor Timos Geburt, also mindestens schon vor fünfundzwanzig Jahren. Wir hatten &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als Kind musste ich immer für meine Mutter den Faden in das Nadelöhr einfädeln. Für mich war es total unverständlich, dass man mit diesem dünnen Fädchen das in meinen Augen große Loch nicht treffen sollte. Später dann in meiner Referendarzeit bot ich sogar dem Schuldirektor an, ihm die Zeitung zu halten, da ich merkte, dass seine Arme anscheinend zu kurz waren, um die Buchstaben, Wörter und Sätze klar und deutlich zu sehen und somit die Zeitung lesen zu können. </strong></p>
<p><span class="dropcap">M</span>it Brille wäre das nicht passiert!“, dachte ich mir damals.<br />
„Ja, als Nicht- Brillenträger ist das alles schwer nachvollziehbar“, meint Peter, der schon in Kindheitstagen ein Nasenfahrrad verordnet bekam.<br />
„Aber anscheinend hilft die Brille nicht immer und überall!“, kontere ich.<br />
„Soll das eine Anspielung sein?“, fragt er zurück.<br />
„Wieso?“<br />
„Das ist ja wohl schon ewig her und hätte dir auch passieren können“, verteidigt er sich.<br />
„Das wiederum muss ich strikt zurückweisen“, erkläre ich ihm.<br />
Lange ist es tatsächlich schon her. Es war auf jeden Fall vor Timos Geburt, also mindestens schon vor fünfundzwanzig Jahren. Wir hatten damals bei meiner Mutter übernachtet. Ich war bereits schon unten in der Küche, während Peter noch oben im Badezimmer zugange war. Plötzlich wurde die Küchentür aufgerissen und ein verärgerter Peter schneite herein. Ohne einen Morgengruß stand er vor mir und meiner Mutter. Er streckte beide Arme von sich und erinnerte mich an einen Erwachsenen, der sich in seinen Konfirmandenanzug gezwängt hat. Bei seinem Anblick bekam ich einen Lachanfall und meine Mutter konnte sich ebenfalls das Lachen nicht verkneifen.<br />
„Was hast du mit meinem Hemd gemacht?“, fragte er mich total entrüstet. „Das hast du wohl zu heiß gewaschen?“<br />
Tatsächlich stand er in einem weißen Hemd vor mir, das aus allen Nähten zu platzen schien und dessen Ärmel vollkommen zu kurz waren.<br />
„Wenn ich jetzt auch noch versuche die Knöpfe zu schließen, dann ist das Hemd kaputt. Aber das ist ja schon egal, ich kann es so und so nicht mehr anziehen!“, meinte er verärgert.<br />
Ich konnte vor Lachen gar kein Wort herausbringen und hatte schon totale Bauchschmerzen. Das lag nicht nur an der Tatsache, dass Peter urkomisch aussah, sondern auch daran, dass ich genau wusste, was passiert war. Und das war wieder einmal typisch für meinen Peter, der mit seinen Gedanken überall war, aber nicht bei so banalen Dingen, die das Anziehen betreffen.<br />
„Das ist …“, brachte ich gerade unter meinen Lachkrämpfen hervor.<br />
„… in der Tat vollkommen zu klein“, ergänzte meine Mutter meinen abgebrochenen Satz und konnte ihr Grinsen ebenfalls nicht verbergen.<br />
„Hör jetzt endlich auf zu lachen und gib mir bitte was Vernünftiges zum Anziehen.“<br />
„Wo hast du das denn her?“, japste ich vollkommen außer Atem.<br />
„Das hing oben an der Schranktür“, erklärte er mir.<br />
„Genau, da habe ich sie vorhin auch hingehängt“, bestätige ich. „Weil ich sie nachher anziehen will, wenn wir zu deinen Eltern fahren!“<br />
„Seit wann ziehst du denn meine Hemden an?“<br />
„Wer spricht hier von deinen Hemden? Ich habe meine weiße Hemdbluse an den Schrank gehängt und in der steckst du jetzt drin. Dein Hemd hängt auf einem Bügel und der wiederum hängt an einem Garderobenhaken neben dem Schrank.“<br />
Ob dies mit Brille nicht passiert wäre, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, da sich keiner von uns noch erinnern kann wo sich zum besagten Zeitpunkt Peters Sehhilfe befand, ob sie auf seiner Nase saß oder irgendwo herum lag. Bei einer anderen Ankleideaktion, die Jahre später und einige Wochen nach Timos Geburt passierte, befand sich die besagte Brille jedenfalls dort, wo sie auch hingehörte, auf Peters Nase.<br />
Im Zuge der Gleichberechtigung hatte Peter an diesem Tag die Aufgabe übernommen bei unserem Sohn die Windeln zu wechseln und ihm einen neuen Strampelanzug anzuziehen. In der Zwischenzeit hantierte ich in der Küche herum und war mir eigentlich recht sicher, dass mein Mann die ihm übertragene Aufgabe sowohl pflichtbewusst als auch korrekt ausführen würde. Als ich jedoch nach geraumer Zeit unseren Sohn etwas unbehaglich vor sich hin knottern hörte, wunderte ich mich, denn Timo war eigentlich ein recht zufriedener Geselle. Fast gleichzeitig erklang aus dem Badezimmer Peters Stimme:<br />
„Ich brauch dich mal!“<br />
Irgendetwas stimmte hier nicht, also eilte ich meinem Mann und meinem Sohn zur Hilfe.<br />
„Was hast du denn hier für einen neumodischen Mist gekauft? Das passt doch hinten und vorne nicht!“, empörte sich Peter über den Strampelanzug und Timo verzog schon sehr bedenklich sein Gesicht.<br />
Ein Blick und alles war mir klar.<br />
„Stimmt! Das passt hinten und vorne nicht“, bestätigte ich meinem Mann. „Aber das liegt weder an dem neuen Strampler noch an Timo, sondern an dir.“<br />
„Wieso an mir? Das Ding hat einen ganz seltsamen Schnitt. Wenn ich Timos Arme drin habe, dann kriege ich die Beine nicht mehr rein und wenn ich die Beine drin habe, passen die Arme nicht mehr rein!“, erklärte er mir und wusste sich nicht mehr anders zu helfen, als mir zu sagen:<br />
„Mach du das mal! Ich hab es schließlich nicht gekauft. So was Unpraktisches habe ich noch nie gesehen. Alles neumodischer Kram.“<br />
„Ach Quatsch“, erklärte ich dem jungen Vater. „Wenn du auch die Arme durch die Beinöffnung und die Beine durch die Armöffnung zu stecken versuchst, brauchst du dich über nichts zu wundern.“<br />
Das mit dem Anziehen scheint schon eine schwierige Sache zu sein. Ist es mit Brille schon nicht einfach, so erweist es sich ohne diese Sehhilfe als ein noch größeres Problem. Jedenfalls für meinen lieben Peter.<br />
In regelmäßigen Zeitabständen muss ich jedenfalls feststellen, dass er eine gewisse Vorliebe beim Tragen von T-Shirts und Schlafanzugoberteilen hegt. Zunächst einmal setzt er seine Brille ab, denn diese könnte ja beim Anziehen von der Nase rutschen, was die einschlägige Erfahrung über die Jahrzehnte hinweg schon bewiesen hat. Nach dieser Vorbereitung greift mein Mann sich das Teil ohne es näher unter die Lupe zu nehmen und stülpt es sich über den Kopf. Jetzt folgt der dritte Schritt der Ankleidephase, nämlich das mehrmalige Drehen des Oberteils um den Hals, ähnlich einem kreisenden Karussell. Im vierten Schritt stoppt er diese Drehungen, welche Kriterien ihn dazu veranlassen, ist mir etwas schleierhaft. Im fünften und letzten Schritt schlüpft er dann mit den Armen durch die dafür vorgesehenen Öffnungen. Geschafft! So denkt er jedenfalls!<br />
Nicht immer fällt es mir sofort auf, aber immer öfter. Ich weiß nämlich inzwischen, dass mein Mann eine ganz bestimmte Vorliebe zu besitzen scheint. Aber ich glaube es ist eher Unachtsamkeit, dass er seine T-Shirts und Schlafanzugoberteile mal von der linken und mal von der rechten Seite trägt.<br />
Ist Unachtsamkeit noch kombiniert mit Neugierde, dann nutzt auch eine Brille nichts mehr. Das schönste Beispiel hierfür ist schon wieder mein Mann.<br />
„Ich glaube, ich würde immer wieder darauf reinfallen“, erklärt mir Peter als ich eine Andeutung mache, die ihm eine zurückliegende Begebenheit ins Gedächtnis rufen soll.<br />
Damals wohnten wir noch in Darmstadt und machten an einem Samstag einen Einkaufsbummel durch die Innenstadt. In einem Kaufhaus war ein Tisch aufgebaut auf dem kleine Haushaltshelfer lagen. Einige Frauen standen rund herum und betrachteten die Teile. Wäre ein kleiner Schimpanse zugegen gewesen, so hätte er sicherlich das gleiche Verhalten an den Tag gelegt, das auch mein Peter beim Anblick dieses Verkaufstisches zeigte: Er marschierte geradewegs auf den Tisch zu und griff sich verschiedene Teile, um diese zu begutachten. Ein kleines rot- weißes Ding erregte allerdings seine Neugier und damit einhergehend seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Er drehte es zwischen seinen Fingern hin und her, konnte sich allerdings keinen Reim daraus machen, wozu dieses Etwas von Nutzen sein könnte. Schließlich begann er es nicht nur zu drehen und zu wenden, sondern auch noch abzutasten und zu drücken.<br />
„Au!“, hörte ich ihn plötzlich schreien. „Verflixt noch einmal!“<br />
Peter hielt mir seinen Finger hin, von dem ein Blutstropfen auf den Boden fiel.<br />
„Was hast du denn gemacht?“<br />
Wortlos hielt er mir das Ding hin und zuckte nur mit den Schultern. Ich musste jedoch fürchterlich lachen, denn mein Mann hatte auf einen Eierpikser gedrückt und dessen Nadel hatte ihn in den Finger gestochen.</p>
<p>Sehhilfe hin, Sehhilfe her.</p>
<p>Peter passieren diese Dinge, &#8211; egal ob mit oder ohne Brille.</p>
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