<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	
	xmlns:georss="http://www.georss.org/georss"
	xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#"
	>

<channel>
	<title>Studenten &#8211; life tells stories</title>
	<atom:link href="https://lifetellsstories.de/tag/studenten/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://lifetellsstories.de</link>
	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
	<lastBuildDate>Fri, 16 Jan 2015 15:20:24 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">123020734</site>	<item>
		<title>Der Geist des Weines</title>
		<link>https://lifetellsstories.de/der-geist-des-weines/</link>
					<comments>https://lifetellsstories.de/der-geist-des-weines/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2015 15:20:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[gute und böse Geister]]></category>
		<category><![CDATA[lieblich]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten-WG]]></category>
		<category><![CDATA[Studentenbude]]></category>
		<category><![CDATA[Vorlesung]]></category>
		<category><![CDATA[Wein]]></category>
		<category><![CDATA[Weintrauben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://lifetellsstories.de/?p=289</guid>

					<description><![CDATA[Es ist verdammt lange her, aber an manche Dinge erinnert man sich, als sei es erst gestern passiert. Wenn der richtige Schlüsselreiz kommt, dann fällt es einem wieder ein. Es ist so, als würde sich im Gehirn irgendwo eine Schublade öffnen, in denen Fotos und die dazu passende Geschichte gut verwahrt liegen, &#8211; und das schon seit Jahrzehnten. Mit dem nötigen Abstand kann man dann möglicherweise sogar über das lachen, was man in dem damaligen Moment gar nicht so witzig fand. „Lass uns etwas Gutes trinken“, fordert mich Peter auf. „Entweder du kochst uns einen guten Tee oder ich hole uns einen edlen Tropfen aus unserem Weinvorrat.“ Komisch, aber genau bei diesen Worten macht es auf einmal bei mir „Zoom“ und schon öffnet sich die besagte Schublade. „Hol mal eine Flasche Wein!“ Während Peter meinem Befehl Folge leistet, stelle ich einen bestimmten Gegenstand aus dem Küchenschrank neben die Weingläser. Ich will mal sehen, ob ich meinem Mann ebenfalls einen Schlüsselreiz liefern kann, damit ihm die Geschichte von damals einfällt. Als Peter zurückkommt, schenkt er den &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist verdammt lange her, aber an manche Dinge erinnert man sich, als sei es erst gestern passiert. Wenn der richtige Schlüsselreiz kommt, dann fällt es einem wieder ein. Es ist so, als würde sich im Gehirn irgendwo eine Schublade öffnen, in denen Fotos und die dazu passende Geschichte gut verwahrt liegen, &#8211; und das schon seit Jahrzehnten. Mit dem nötigen Abstand kann man dann möglicherweise sogar über das lachen, was man in dem damaligen Moment gar nicht so witzig fand.</p>
<p>„Lass uns etwas Gutes trinken“, fordert mich Peter auf. „Entweder du kochst uns einen guten Tee oder ich hole uns einen edlen Tropfen aus unserem Weinvorrat.“<br />
Komisch, aber genau bei diesen Worten macht es auf einmal bei mir „Zoom“ und schon öffnet sich die besagte Schublade.<br />
„Hol mal eine Flasche Wein!“<br />
Während Peter meinem Befehl Folge leistet, stelle ich einen bestimmten Gegenstand aus dem Küchenschrank neben die Weingläser. Ich will mal sehen, ob ich meinem Mann ebenfalls einen Schlüsselreiz liefern kann, damit ihm die Geschichte von damals einfällt.<br />
Als Peter zurückkommt, schenkt er den Wein in die Gläser ein und schiebt dabei den Gegenstand achtlos zur Seite. Anscheinend hat es bei ihm weder „Klick“ noch „Zoom“ gemacht. Also muss ich ihm auf die Sprünge helfen, indem ich ihn nach dem ersten Schluck frage:<br />
„Der ist aber lieblich genug, oder?“ Bei diesen Worten drehe ich scheinbar gedankenverloren an dem besagten Gegenstand ( von dem ich erst später verrate, welcher es ist ).<br />
Peter gibt mir hierauf keine Antwort, sondern stellt eine Gegenfrage: „Kannst du dich noch an den Vermieter meiner Studentenbude erinnern?“<br />
„Es hat geklappt!“, sage ich. Wir prusten beide vor Lachen los und ergänzen uns gegenseitig beim Erzählen der Geschichte:<br />
Peter wohnte damals in einer Studenten-WG in einem Vorort von Darmstadt. Da ich in Gießen studierte, sahen wir uns immer nur am Wochenende, wenn jeder zu seinen Eltern nach Hause fuhr. Das reicht aber bekanntlich Verliebten nicht immer aus und deshalb besuchten wir uns hin und wieder gegenseitig am jeweiligen Studienort. So auch an diesem Tag. Ich war bei Peter zu Gast. Sein Vermieter, der im gleichen Haus wohnte, hatte mich kommen gesehen und ergriff die Gelegenheit, um uns für den Abend auf ein Gläschen Wein einzuladen. Das war jetzt nicht gerade unsere Vorstellung von einem gemeinsamen Abend, aber wie heißt es so schön: „Ein Gläschen Wein in Ehren, kann niemand verwehren!“ Wir sagten also für ein Stündchen zu.<br />
Peter hatte mir bereits schon von seinem Vermieter erzählt. Dieser war ein großer kräftiger Mann, kurz vor dem Rentenalter und als Hausmeister in einem Supermarkt tätig. Das war auch der Grund warum er immer in seinen blauen Arbeitslatzhosen herum lief. Ich kannte ihn jedenfalls nur so und Peter hat ihn in all den Jahren auch niemals anders gesehen. Es war ein netter und freundlicher und lustiger Mensch, der immer von den Buben sprach, wenn er die ausschließlich männliche Studenten-WG in seinem Haus meinte. Manchmal, wenn in unserer Garage eine Aufräumaktion angesagt ist, erinnern wir uns seiner. Bevor dieser nämlich sein Auto in die Garage fahren konnte, musste er zunächst einen großen Karton wegstellen, dann kam das Auto rein und zum Schluss stellte er den Karton auf das Autodach. Am Morgen ging es dann umgekehrt.<br />
Als Mitarbeiter eines Supermarktes erhielt er immer recht günstig Weintrauben, z. T. auch solche, die nicht mehr verkauft werden konnten. Daraus „kreierte“ er dann den Wein für seinen Eigenbedarf.<br />
Wenn an bestimmten Wochentagen aus dem Radio die Sendung „Von Mikrofon zu Telefon“ (oder umgekehrt?) erklang, hörten die Buben ihn immer mitsingen und vermuteten ihn vor seinem Wein sitzend. Keine Ahnung, ob es sich bei den Liedern um Schlager oder Volkslieder handelte, jedenfalls animierten sie zum Mitsingen und zum Anrufen, um den sich eigenen Musikwunsch erfüllen zu lassen.<br />
An diesem Abend waren wir also eingeladen und standen auch pünktlich vor der Wohnungstür. Seine Frau empfing uns freundlich und bot uns an, doch im Wohnzimmer Platz zu nehmen.<br />
„Und jetzt trinken wir ein Gläschen Wein“, verkündete Peters Vermieter und schon eilte seine Frau und holte die Gläser herbei.<br />
„Ich bin eigentlich kein Weintrinker “, versuchte ich es vorsichtig und hoffte etwas Antialkoholisches angeboten zu bekommen. Leider vergebens. Der erste Schluck muss wohl schon meine Geschmacksknospen leicht irritiert haben, denn ich probierte einen neuen Vorstoß aus: „Ich trinke, wenn überhaupt, dann eher etwas lieblicheren Wein.“<br />
„Ach, das ist gar kein Problem“, meinte der Vermieter, warf seiner Frau einen Blick zu und wies mit dem Kopf in Richtung Küche. Diese verstand anscheinend sofort, was ihr Gatte damit zum Ausdruck bringen wollte und stand auch schon mit einem kleinen Fläschchen vor mir, aus dem sie einige Tropfen in meinen Wein träufelte und meinte:<br />
„Kosten Sie mal! Ist er jetzt süß genug?“<br />
Ob ich dieses Glas, in welchem sich der mit Süßstoff verfeinerte Wein befand, jemals leer getrunken habe, ist mir entfallen.<br />
„Aber es kam ja noch besser!“, ereifert sich Peter und verräumt den Süßstoff, den ich auf unseren Tisch gestellt habe, um Peter einen Schlüsselreiz für diese Geschichte aus vergangenen Tagen zu liefern.<br />
„Eines Abends stand er vor unserer Wohnungstür“, erzählt Peter. „Er hatte ein Fässchen Wein unter dem Arm und meinte: ‚Ihr Buben, jetzt trinken wir einen zusammen!‘.“<br />
„Und habt ihr das Fässchen geschafft?“, erkundige ich mich bei meinem Mann.<br />
„Klar! Es war ein recht lustiger Abend, aber am nächsten Morgen ging es uns allen total schlecht und das lag ganz bestimmt daran weil die Trauben, die er immer für seinen Wein genommen hat, geschwefelt waren.“<br />
Bevor Peter weiter erzählt, stoßen wir mit den Gläsern an und genießen unseren guten Tropfen Wein.<br />
„Ich habe mich damals trotzdem in die Vorlesung gequält. Mir ging es sooo schlecht, dass ich mich schon am Parkplatz übergeben hatte und dann musste ich auch noch ausgerechnet in die Vorlesung, die sowieso bei allen Studenten äußerst unbeliebt war und eher die Kopfschmerzen und das allgemeine Unwohlsein noch zusätzlich verstärkten. Selbst der Professor hat mich angesprochen und gefragt, ob es mir nicht gut ginge, weil ich so schlecht aussehen würde. Den Rest hat mir dann später ein Kommilitone erzählt, der zufällig am Vorlesungssaal vorbeiging.“<br />
Inzwischen kann ich mir nur noch den Bauch vor Lachen halten, denn ich weiß genau, was dann passiert ist. Auch Peter lacht erst einmal herzhaft, um dann die Geschichte zu vervollständigen:<br />
„Laut dem besagten Kommilitonen, wurde auf einmal die Tür vom Vorlesungssaal aufgerissen und ich kam mit vorgehaltener Hand herausgestürzt, direkt auf einen Mülleimer zu, in den hinein ich dann wohl den bösen Geist des Weines vom Vorabend aus meinem Magen heraus entleert habe. Er meinte später einmal zu mir, es sei ein Bild für die Götter gewesen, zumal er zunächst gedacht hatte, mir sei von der unbeliebten Vorlesung so schlecht geworden, dass ich mich übergeben hätte müssen.“</p>
<p>So ist das eben mit den guten und bösen Geistern und den Geistern, die man selber rief. Seither nehmen wir den Wein, den wir trinken immer genau unter die Lupe und trinken nur noch den mit den guten Geistern.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://lifetellsstories.de/der-geist-des-weines/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">289</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Aus dem Leben meiner Küchenuhr</title>
		<link>https://lifetellsstories.de/aus-dem-leben-meiner-kuechenuhr/</link>
					<comments>https://lifetellsstories.de/aus-dem-leben-meiner-kuechenuhr/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2014 21:41:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Computer]]></category>
		<category><![CDATA[Flohmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Handy]]></category>
		<category><![CDATA[Küche]]></category>
		<category><![CDATA[Küchenuhr]]></category>
		<category><![CDATA[Laptop]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Modelle]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
		<category><![CDATA[Zeiger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://lifetellsstories.de/?p=182</guid>

					<description><![CDATA[Ich stehe um die Mittagszeit in meiner Küche und bereite gerade meinen Auflauf vor.  „So“, denke ich „in einer halben Stunde stelle ich ihn in den Ofen und dann habe ich noch ungefähr 35 &#8211; 40 Minuten Zeit bis das Essen fertig ist.“ Ein Blick auf meine Küchenuhr bestätigt mir, dass ich dann genau pünktlich fertig bin, wenn mein Mann seine Aufräumarbeiten in unserem Garten beendet haben will. Mein Blick bleibt weiter an meiner Küchenuhr hängen.  „Was die wohl schon alles erlebt hat?“, frage ich mich insgeheim. Von ihrem Vorleben weiß ich nichts, nur, dass sie eines hat. Ich fand sie in einer Kiste auf dem Flohmarkt. „Wahrscheinlich stammt sie aus einer Haushaltsauflösung“, überlege ich mir. „Und bestimmt war sie einst ein richtiges Schmuckstück.“ Da lag sie ganz unscheinbar und unbeachtet zwischen anderen altertümlichen Sachen. Mir fiel sie auf. Warum weiß ich selbst nicht so genau. Wahrscheinlich durch ihre grüne Farbe. Diese taucht auch in meiner Bucheküche auf, die Arbeitsplatte, der Apothekerschrank und die beiden kleinen Regale tragen ebenfalls diese Farbe zur Schau. Ich glaube, &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich stehe um die Mittagszeit in meiner Küche und bereite gerade meinen Auflauf vor. </strong></p>
<p><strong>„So“, denke ich „in einer halben Stunde stelle ich ihn in den Ofen und dann habe ich noch ungefähr 35 &#8211; 40 Minuten Zeit bis das Essen fertig ist.“ Ein Blick auf meine Küchenuhr bestätigt mir, dass ich dann genau pünktlich fertig bin, wenn mein Mann seine Aufräumarbeiten in unserem Garten beendet haben will. Mein Blick bleibt weiter an meiner Küchenuhr hängen. </strong></p>
<p><strong>„Was die wohl schon alles erlebt hat?“, frage ich mich insgeheim.</strong></p>
<p><span class="dropcap">V</span>on ihrem Vorleben weiß ich nichts, nur, dass sie eines hat. Ich fand sie in einer Kiste auf dem Flohmarkt.<br />
„Wahrscheinlich stammt sie aus einer Haushaltsauflösung“, überlege ich mir. „Und bestimmt war sie einst ein richtiges Schmuckstück.“<br />
Da lag sie ganz unscheinbar und unbeachtet zwischen anderen altertümlichen Sachen. Mir fiel sie auf. Warum weiß ich selbst nicht so genau. Wahrscheinlich durch ihre grüne Farbe. Diese taucht auch in meiner Bucheküche auf, die Arbeitsplatte, der Apothekerschrank und die beiden kleinen Regale tragen ebenfalls diese Farbe zur Schau. Ich glaube, damals habe ich den Händler auf drei DM runtergehandelt. Immerhin konnte er mir noch nicht einmal glaubhaft versichern, ob sie tatsächlich noch funktionieren würde.<br />
Peter hat sie ebenfalls vom ersten Moment an gemocht, doch er sah auch, dass ihre ehemalige Schönheit zu verblassen begann. Er reinigte sie und polierte ihre Messingzeiger so lange bis sie glänzten. Dann malte er ihre Ziffern 1 bis 12 goldfarben an. Danach erstrahlte die Küchenuhr wieder in ihrem alten neuen Glanz.<br />
„Vielleicht hat ihr die liebevolle Behandlung gutgetan“, wandern meine Gedanken weiter, denn man glaubt es kaum, aber die Uhr funktioniert. Brav zeigt sie jedem der es wissen will, wieviel die Stunde geschlagen hat. Manchmal gleiten unsere Blicke in freudiger Erwartung einer bestimmten Uhrzeit auf ihr Zifferblatt, aber manchmal hängen sie auch ängstlich an ihren Zeigern. Dann nämlich, wenn wir uns wünschen, diese würden sich langsamer drehen und uns nicht ständig zur Eile antreiben.<br />
In ihrem Vorleben muss sie jedoch schon eine Art Herzinfarkt erlitten haben, denn man hat ihr mit einem neuen Uhrwerk sozusagen ein neues Herz transplantiert. Und es läuft und läuft, gesetzt den Fall man wechselt hin und wieder den Herzschrittmacher, sprich die Batterien aus.<br />
Inzwischen ist sie zwar schon ein bisschen in die Jahre gekommen, aber unbeirrt zeigt sie uns Tag für Tag die Zeit. Sie gehört noch zur alten Garde, denn sie ist weder digital noch über Funk gesteuert. Deshalb müssen wir ihr zweimal im Jahr ein bisschen auf die Sprünge helfen. Dann nämlich, wenn der Wechsel zur Sommerzeit und dann wieder zur Winterzeit angesagt ist. Doch sie dankt uns diesen Dienst mit ihrer Treue und Beständigkeit. Lautlos drehen sich ihre Zeiger, egal ob Tag oder Nacht. Sie stört uns nicht durch Ticken oder Schlagen, denn Bescheidenheit ist ihre Zier.<br />
Und so hängt sie in meiner Küche und wacht über das Leben innerhalb dieser vier Wände.<br />
Schmunzelnd muss ich mir eingestehen: „Mit Sicherheit ist ihr Leben bei uns nicht langweiliger als in einer Hexenküche oder sogar in des Teufels Küche, denn auch in meiner Küche ist immer etwas los.“<br />
Hier wird gebrodelt und gekocht, manchmal ist Dampf in der Bude und manchmal züngeln die Flammen aus einem Topf empor. Hier wird gekocht und gegessen, gelacht und diskutiert, gearbeitet und gespielt, getanzt und gesungen …. hier vibrieren die Wände voller Leben. Doch meine grüne Küchenuhr hängt fest an ihrem Nagel und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, egal was auch immer in meiner Küche passiert. Und hier passiert ständig was, so auch jetzt:<br />
Inzwischen sind die Zeiger meiner Küchenuhr auf ein Uhr mittags gewandert. Würde sie mit Glockenschlag diese volle Stunde anzeigen, dann wäre ihr Schlag exakt mit dem Klingeln an unserer Haustür zusammengefallen.<br />
Ich stelle den Auflauf in den Ofen und eile dann zur Tür, vor der unser Sohn und eine Kommilitonin stehen. Beide haben vollgepackte Tüten und Taschen in den Händen.<br />
„Hi“, sage ich, „was habt ihr denn vor?“<br />
„Erst mal was zu essen kochen und dann an unserem Projekt weiter arbeiten!“, erklärt mir Timo, während er in meine Küche stürmt und alles dort auf der Arbeitsplatte abstellt.<br />
Seine Kommilitonin begrüßt mich und marschiert ebenfalls in meine Küche. Sie packen ihre Einkäufe aus und beginnen zu werkeln. Wie ich die Sache überschaue, wollen sie sich Schnitzel in die Pfanne hauen, eine Pilzsoße mit Bandnudeln dazu machen und über alles Käse drüber. Innerhalb von zehn Minuten, wie mich meine Küchenuhr wissen lässt, hat sich meine Küche in das reinste Schlachtfeld verwandelt. Ich bin nur froh, dass ich eine Spülmaschine besitze, denn ich kann mir vorstellen, dass hinterher keiner mehr Lust auf den Abwasch verspürt. Ich verziehe mich erst einmal zu meinem Mann in den Garten, denn meine Ratschläge sind hier bestimmt nicht gefragt. Außerdem müssen die jungen Leute selbst ihre Kocherfahrungen machen. Ich werfe ihnen nur noch ein „Macht doch die Dunstabzugshaube an und ruft mich, wenn mein Auflauf im Backofen fertig ist!“ entgegen und verschwinde kurz nach draußen.<br />
Als ich wieder nach gefühlten 25 Minuten in meiner Küche erscheine, wo übrigens alle drei Fenster und die Tür sperrangelweit offen stehen, damit die Rauchentwicklung besser abziehen kann, sagt mir meine Küchenuhr, dass mein Auflauf schnellstens aus dem Ofen muss.<br />
Während Peter und ich auf unserer Terrasse speisen, lassen es sich die beiden jungen Leute in der Küche schmecken. Mir wird beim Anblick des Chaos in diesen vier Wänden fast schwindelig. Teller, Töpfe und Pfannen stapeln sich neben der Spüle.<br />
„Könnt ihr nicht die Sachen gleich in die Spülmaschine stellen?!“, frage ich, woraufhin Timos Kommilitonin die Teller einräumt und mein Sohn achselzuckend erklärt: „Schau doch mal auf die Uhr, es ist schon nach zwei und wir haben noch nicht angefangen.“<br />
„Ach, wie die Zeit vergeht“, sage ich nur und mache mich an die Säuberungsarbeit in meiner Küche.<br />
Plötzlich kommt mein Mann in die Küche gestürmt und starrt erschrocken auf die Küchenuhr. „Ich hab ja in einer halben Stunde eine Besprechung. Wieso ist es denn schon so spät? Das kann doch gar nicht sein. Geht die Uhr denn überhaupt richtig?“<br />
„Exakt“, bestätigt unser Sohn, der die Zeigerstellung der Wanduhr mit der digitalen Anzeige auf seinem Handy verglichen hat.<br />
Mein Mann stürmt nach oben ins Badezimmer und zehn Minuten später wieder in die Küche. Gerade will er zur Haustür hinaus marschieren, da klingelt unser Telefon. Die Besprechung ist abgesagt und weil sie auf einen anderen Termin verschoben wird, beschließt Peter von zu Hause aus zu arbeiten. Er packt seinen Laptop wieder aus und setzt sich zu den beiden jungen Leuten an unseren ausgezogenen Küchentisch. Diese haben neben ihren Laptops noch einen weiteren großen Bildschirm aufgebaut, damit sie ihre Konstruktionen (beide sind Architekturstudenten) besser begutachten und diskutieren können. Da ich jetzt auch noch meinen Laptop auspacke, um zu arbeiten, erinnert dieser Raum inzwischen eher an einen Computerpool als an eine Küche. Zwischendrin schleicht unsere Katze von einem zum anderen, um sich Milch und Leckerlies verabreichen zu lassen.<br />
Mehr als drei Stunden später, ich war mittlerweile noch schnell beim Bäcker um Brot für das Abendessen zu holen, betrete ich wieder meine Küche, um festzustellen, dass sich mein Mann in sein heimisches Büro verzogen und die Anzahl der Studenten sich verdoppelt hat. Zu Viert wird jetzt an mehreren Modellen gearbeitet.<br />
„Wann müsst ihr denn eigentlich fertig sein?“, frage ich die Studenten.<br />
„Morgen haben wir Präsentation und bis genau null Uhr müssen alle CAD Daten via E-mail übermittelt sein“, erklären sie mir.<br />
„Naja, das sind noch gute fünf Stunden und wenn ihr schon beim Modellbau seid, dann reicht euch die Zeit ja“, erwidere ich.„Hoffentlich!“, meint Timo, wir haben da noch ein paar Änderungen in der Konstruktion zu machen.“<span style="line-height: 1.73;">„Und damit läuft wieder einmal der Countdown“, denke ich mir und packe meine Einkäufe aus.</span></p>
<p>„Habt ihr denn keinen Hunger?“, richte ich meine neue Frage an die Studenten.<br />
„Keine Zeit!“, klingt es fast gleichzeitig aus allen Richtungen, d.h. vom Fußboden her, auf dem die Bauteile für die Modelle zugeschnitten werden und vom Küchentisch her, wo man diese Teile zusammenbaut.<br />
Um unsere Studenten, meinen Mann und mich nicht verhungern zu lassen und so wenig wie möglich zu stören, schmiere ich leckere Brote, viertele Tomaten und richte diese mit Gürkchen auf einem Teller an. Der einzige freie Platz in meiner Küche ist jetzt nur noch mein Cerankochfeld, also stelle ich hier alles zusammen mit Getränken hin und lade alle ein zuzugreifen.<br />
Kauend wird weitergearbeitet und immer wieder wandern die Blicke zu unserer Küchenuhr. Irgendwie ahne ich jetzt schon, dass es wieder einmal spannend und ein Wettlauf mit der Zeit wird.<br />
Während Peter und ich uns ins Wohnzimmer verziehen, dringen aus der Küche unterschiedliche Laute herüber. Anscheinend läuft der Küchenfernseher und gleichzeitig die Stereoanlage. Hin und wieder höre ich irgendwelche Diskussionen, die sich um das eine oder andere Bauteil drehen, zwischendurch ertönen in gewissen Abständen immer wieder Zeitdurchsagen, bis dann eine Dreiviertelstunde vor Abgabetermin laute Schimpfkanonen losgelassen werden. Verwundert schauen wir uns an und erkennen, dass sich dort in der Küche irgendwelche Probleme auftun, die anscheinend den Zeitplan in Frage stellen. Schon stürmen auch Timo und seine Kommilitonen in unser Wohnzimmer. Ihnen ist die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben.<br />
„Werdet ihr nicht rechtzeitig fertig oder was ist los?“, will ich wissen.<br />
„Das wird nichts“, erklärt Timo und als ich stirnrunzelnd auf die betrübten Gesichter blicke, fügt ein Student hinzu: „Wir sind fertig, aber die E-mail geht nicht raus! Das „nudelt“ jetzt schon 5 Minuten, aber die Datenmenge ist zu groß und die Verbindung zu langsam.“<br />
„Los, auf!“, kommandiert Timo plötzlich. „Packt zusammen, wir düsen in die Uni und schicken von dort die Mail raus!“<br />
In Windeseile schultern alle ihre Rucksäcke und schnappen sich ihre Laptops, Timo sitzt schon im Auto und startet den Motor, dann rasen sie los. Ich marschiere in die Küche, werfe einen Blick auf meine Küchenuhr, die genau 15 Minuten vor Mitternacht anzeigt, bevor mich fast der Schlag trifft. Hier liegt alles kreuz und quer: Papierschnitzel, Kleber, fast fertige Modelle, aufgeschlagene Notizblöcke und Bücher, dazwischen Getränke und verstreute Gummibärchen. So gut es geht versuche ich etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Zwischendurch heftet sich mein Blick immer wieder an meiner Küchenuhr fest. Unbarmherzig gleiten die Zeiger der Zwölf entgegen. Noch drei Minuten. Noch zwei Minuten. Mein Mann fängt meinen Blick auf und sagt nur:<br />
„Wird schon!“<br />
„Noch eine Minute!“, entgegne ich nur.<br />
Ich wage kaum zu atmen, da stehen auch schon beide Zeiger übereinander. Ich lasse mich gerade auf einen Küchenstuhl sinken, da piepst mein Handy:<br />
„Geschafft!“, steht auf dem Display und ich hole erst einmal tief Luft und ein Strahlen erscheint auf meinem Gesicht.<br />
Zehn Minuten später erscheinen die Studenten wieder und bauen bis in die frühen Morgenstunden an ihren Modellen weiter, um nach drei Stunden Schlaf in unseren Gästebetten und einem kurzen Frühstück zur Präsentation in die Uni aufzubrechen.<br />
Unaufhaltsam drehen sich währenddessen die Zeiger unserer treuen Küchenuhr weiter.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://lifetellsstories.de/aus-dem-leben-meiner-kuechenuhr/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">182</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
