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	<title>reden &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Ach du liebe Zeit!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 22:05:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erdachtes & Erzähltes]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Erschöpft lässt sich Lara auf den Sessel plumpsen. Sie schließt die Augen und denkt erleichtert: „Geschafft! Das war die letzte Umzugskiste!“ Sie ist fertig und kann es kaum glauben. Ein bisschen Stolz mischt sich zu den Gefühlen der Freude und Erschöpfung. Na klar, sie hat auch Helfer gehabt. Gute Freunde gingen ihr die letzten Tage zur Hand und unterstützten sie tatkräftig. Das Auspacken der Umzugskisten wollte sie jedoch alleine bewältigen. Am Anfang machte es ja auch noch Spaß, aber sie hat wohl die Anzahl der Kisten unterschätzt und den Kleinkram, den sie zu Tage förderte ebenso. Aber jetzt ist es endlich geschafft.  Als sie einen Blick zum Fenster hinaus wirft, stellt sie fest, dass es ein herrlicher Spätsommertag ist, den man nicht drinnen verbringen sollte. Schnell hüpft sie unter die Dusche, schlüpft in eine saubere Jeans und eine weiße Bluse, zieht ihre Pumps an und macht sich auf den Weg zur Altstadt. Dort sucht Lara sich in einem hübschen Straßencafe einen unbesetzten Tisch in der Sonne. Sie genießt die vermutlich letzten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Sommers ebenso &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erschöpft lässt sich Lara auf den Sessel plumpsen. Sie schließt die Augen und denkt erleichtert:</strong><br />
<strong> „Geschafft! Das war die letzte Umzugskiste!“</strong><br />
<strong> Sie ist fertig und kann es kaum glauben. Ein bisschen Stolz mischt sich zu den Gefühlen der Freude und Erschöpfung. Na klar, sie hat auch Helfer gehabt. Gute Freunde gingen ihr die letzten Tage zur Hand und unterstützten sie tatkräftig. Das Auspacken der Umzugskisten wollte sie jedoch alleine bewältigen. Am Anfang machte es ja auch noch Spaß, aber sie hat wohl die Anzahl der Kisten unterschätzt und den Kleinkram, den sie zu Tage förderte ebenso. Aber jetzt ist es endlich geschafft. </strong></p>
<p><span class="dropcap">A</span>ls sie einen Blick zum Fenster hinaus wirft, stellt sie fest, dass es ein herrlicher Spätsommertag ist, den man nicht drinnen verbringen sollte. Schnell hüpft sie unter die Dusche, schlüpft in eine saubere Jeans und eine weiße Bluse, zieht ihre Pumps an und macht sich auf den Weg zur Altstadt. Dort sucht Lara sich in einem hübschen Straßencafe einen unbesetzten Tisch in der Sonne. Sie genießt die vermutlich letzten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Sommers ebenso wie das Treiben um sie herum. Sie lächelt zufrieden in sich hinein. Allerdings nur bis Lara <em>sie</em> entdeckt.<br />
„<strong>Ach du liebe Zeit!</strong>“, denkt sie. „Ist das nicht Ludmilla Labermann?! Na hoffentlich sieht sie mich nicht.“<br />
Lara rutscht merklich auf ihrem Stuhl ein wenig nach unten und richtet ihren Blick gebannt auf ihre Kaffeetasse, so als würde sie selbst dadurch unsichtbar.<br />
„Sie wohnt ja auch in dieser Stadt&#8220;, erinnert sich Lara. &#8222;Das hatte ich ja total vergessen.“<br />
Ludmilla Labermann ist eine ehemalige Klassenkameradin, die früher ihrem Namen alle Ehre machte. Sie laberte den ganzen lieben langen Tag und niemals stand ihr Mund still. Selbst im Unterricht nicht. Richtige Freunde hatte sie eigentlich nicht, aber Ludmilla selbst hatte dies nie bemerkt. Sie fühlte sich schon immer zu Höherem geboren und glaubte eine große Schauspielkarriere vor sich zu haben.<br />
Das letzte, was sie von Ludmilla wusste, war die Tatsache, dass sie mit einem Jungen aus der Parallelklasse ging, der ebenfalls sehr gesprächig war.<br />
„Wie hieß er nur gleich?“, überlegt Lara angestrengt. „Ach ja, Horst Redner oder so ähnlich.“<br />
Doch plötzlich wird Lara in ihren Gedanken unterbrochen, denn zu ihr dringt eine schrille weibliche Stimme:<br />
„<strong>Ach du liebe Zeit!</strong> Das ist ja Lara! Bist du’s oder bist du’s nicht?“<br />
„Mist!“, hätte Lara fast ausgerufen, aber stattdessen nickt sie und blickt direkt in Ludmillas Gesicht. Diese steht aufgedonnert mit Hut vor ihr und strahlt sie aus ihrem pausbackigem Gesicht an, wie ein Honigkuchenpferd.<br />
„Was machst du denn hier?“, fragt Ludmilla, wartet aber keine Antwort von Lara ab, sondern plappert munter weiter. „Naja, das<strong> war</strong> ja eigentlich <strong>nur eine Frage der Zeit</strong>, bis wir uns wieder einmal über den Weg laufen mussten. Ach, das ist ja jetzt schon <strong>ewige Zeiten</strong> her, dass wir uns gesehen haben. <strong>Das waren noch Zeiten!</strong> <strong>Man müsste</strong> jetzt <strong>alle Zeit der Welt</strong> <strong>haben</strong>, um <strong>das Rad der Zeit zurück</strong>zu<strong>drehen</strong> und über <strong>die guten alten Zeiten</strong> zu plaudern. Wir sollten uns <strong>zu gegebener Zeit</strong> einmal treffen, ich <strong>stehe</strong> nämlich total <strong>unter</strong> <strong>Zeitdruck</strong> im Moment. Aber was soll&#8217;s! Man muss <strong>die Zeit nutzen</strong> und darf <strong>keine Zeit verlieren</strong>.“<br />
Mit diesen Worten zieht Ludmilla den Stuhl heran und lässt sich gemütlich an Laras Tisch nieder. Lara, die bisher noch nicht zu Wort gekommen ist und in deren Kopf sich inzwischen schon alles zu drehen beginnt, öffnet den Mund, um die ehemalige Klassenkameradin zu begrüßen. Allerdings bleibt es bei dem guten Vorsatz, denn Ludmilla ist schon wieder schneller und erzählt einfach weiter.<br />
„Was wollen wir <strong>auf bessere Zeiten hoffen</strong>, ich <strong>nehme mir</strong> jetzt einfach <strong>die Zeit</strong> und wir unterhalten uns ein bisschen. Kinder, wie ich mich freue! <strong>Wie doch die Zeit vergeht!</strong> Es müssen ja jetzt schon bestimmt acht Jahre her sein, dass wir gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. Ja, das kann hinkommen, denn ich bin ja jetzt schon seit sieben Jahren verheiratet. Nein, nein, nicht mit Horst. Von dem habe ich mich schon bald nach unserem Schulabschluss getrennt. Der hat mir zuviel geredet, da bin ich ja gar nicht zu Wort gekommen. Und außerdem ist er gar nicht <strong>mit der Zeit gegangen</strong>, das war mir zu langweilig. Er hat ja an unserer Trennung ziemlich geknabbert, aber <strong>die Zeit heilt alle Wunden</strong>. Naja, <strong>alles hat</strong> eben <strong>seine</strong> <strong>Zeit!</strong> Man muss nur <strong>die Zeichen der Zeit erkennen</strong> und das habe ich getan und habe mich halt von ihm getrennt. Mit ihm wäre ich <strong>der Zeit</strong> immer nur <strong>hinterher gehinkt</strong>. Tja und schwuppdiwupp <strong>hat man seine beste Zeit hinter sich</strong>. Nein, nein, das wollte ich nicht, immerhin habe ich <strong>keine Zeit zu verschenken</strong>!“<br />
Ludmilla hebt während des Redens ihren Arm und ruft der Bedienung zu: „Einen Milchkaffee für mich, bitte!“ Und schon setzt sie ihren Redefluss ungehindert fort:<br />
„<strong>Die Zeit war</strong> einfach <strong>reif</strong> und als ich meinen Emil getroffen habe, da haben wir wahrlich <strong>keine Zeit verschwendet</strong> und sofort geheiratet. Damit haben sich dann auch für mich <strong>die Zeiten geändert</strong>. <strong>Die Saure- Gurken-Zeit</strong> war vorbei. Wir führen ein tolles Leben, <strong>dem Zeitgeist entsprechend</strong>, wenn du verstehst was ich meine.“<br />
Lara versteht gar nichts, sie würde am liebsten aufstehen und sich verabschieden. Nur leider bietet ihr Ludmilla keinerlei Gelegenheit zur Verabschiedung, sie hat sie ja noch nicht einmal begrüßen können. Also denkt sie sich: „<strong>Kommt Zeit, kommt Rat!</strong>“, und <strong>sitzt</strong> sozusagen <strong>ihre Zeit ab</strong>.<br />
Ludmilla geht richtig in der Gesprächsführung auf und erzählt weiter und weiter:<br />
„Was machst du denn so beruflich? Wolltest du nicht Lektorin werden? Naja, ich habe meine Pläne geändert. Die Schauspielerei hätte mich doch nur immer wieder von meinem Emil getrennt und er braucht mich doch so sehr und so <strong>schenke ich ihm meine Zeit</strong>. Du musst wissen, er hat eine Firma und da ist meine Hilfe gefragt. <strong>Wir investieren sozusagen  unsere Zeit</strong>.“<br />
Ludmilla holt tatsächlich kurz Luft, doch Lara ist inzwischen so erschöpft, dass sie die Gelegenheit verpasst und weiter schweigsam bleibt.<br />
„Ach, <strong>die Zeit vergeht</strong> doch tatsächlich <strong>wie im Fluge</strong>! Ich habe mir für heute Nachmittag <strong>einen zeitlichen Rahmen gesetzt</strong> und <strong>meine Zeit erlaubt es</strong> leider<strong> nicht</strong> diesen zu überschreiten. Deshalb muss ich mich jetzt leider von dir verabschieden. Es war nett mit dir geplaudert zu haben. Das sollten wir <strong>von Zeit zu Zeit</strong> wiederholen. Ich melde mich <strong>zu gegebener Zeit</strong> bei dir. Du stehst doch sicherlich im Telefonbuch?! <strong>Es ist jetzt </strong>aber<strong> höchste Zeit</strong>, ich muss gehen!“<br />
Ludmilla erhebt sich tatsächlich und wendet sich zum Gehen. Bevor sie jedoch den Tisch verlässt, muss Lara noch eine dringende Frage loswerden:<br />
„Darf ich dich noch etwas fragen?“ sagt Lara schnell, doch wieso sollte Ludmilla dieses Mal darauf eingehen?!<br />
„Tschüss, ich muss weg! <strong>Mir läuft </strong>sonst<strong> die Zeit davon</strong>!“, ignoriert Ludmilla wie erwartet die Frage der ehemaligen Klassenkameradin.<br />
„Was ist eigentlich…?<br />
„<strong>Die Zeit drängt!</strong>“, sagt Ludmilla eilig und geht schon.<br />
„… dein Mann von Beruf?“, beendet Lara die Frage, obwohl sie schon alle Hoffnung auf eine Antwort aufgegeben hat.<br />
Ludmilla dreht sich ein letztes Mal um und winkt grinsend. Im Weitergehen ruft sie Lara nur noch zu:<br />
„Uhrmacher! Was dachtest du denn?!“</p>
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