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	<title>Ehemann &#8211; life tells stories</title>
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	<description>Geschichten, die das Leben schreibt</description>
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		<title>Mein Verhältnis zu meinen beiden Lieblingsschränken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Oct 2014 18:31:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[aussortieren]]></category>
		<category><![CDATA[Ehemann]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Kleiderschrank]]></category>
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		<category><![CDATA[Verhältnis]]></category>
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					<description><![CDATA[In unser aller Leben spielen Schränke eine große Rolle, sei es der Küchenschrank, der Aktenschrank, der Werkzeugschrank, der Badezimmerschrank und, und, und. Man könnte diese Aufzählung nahezu unendlich fortsetzen. Dabei wird man feststellen, dass es diese Schränke in allen möglichen Größen, Stilrichtungen und Variationen gibt. Manche hassen wir, andere sind uns egal, aber zwei Arten spielen eine herausragende Rolle, zumindest im Leben einer Frau und damit auch indirekt in dem der Männer. Wir Frauen lieben, neben unserem Mann natürlich, unseren Kleiderschrank und unseren Schuhschrank und haben ein sehr inniges Verhältnis zu ihnen. „Beherbergen sie nicht all die schönen Dinge, die uns Frauen für euch Männer noch hübscher, attraktiver, begehrenswerter und im wahrsten Sinne des Wortes noch anziehender machen?!&#8220;, frage ich meinen Mann und schiebe erklärend nach: „Wir freuen uns über den Inhalt ebenso sehr wie ihr Männer über den Inhalt eures Werkzeugschrankes“. „Damit wären wir wieder einmal quitt, 1:1!“, lächelt mein Mann. „So wie unsere Schränke wollen auch die der Männer gepflegt und gefüttert werden und ebenso wie deren Inhalt, wächst auch der Inhalt unseres &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In unser aller Leben spielen Schränke eine große Rolle, sei es der Küchenschrank, der Aktenschrank, der Werkzeugschrank, der Badezimmerschrank und, und, und. Man könnte diese Aufzählung nahezu unendlich fortsetzen. Dabei wird man feststellen, dass es diese Schränke in allen möglichen Größen, Stilrichtungen und Variationen gibt. Manche hassen wir, andere sind uns egal, aber zwei Arten spielen eine herausragende Rolle, zumindest im Leben einer Frau und damit auch indirekt in dem der Männer. Wir Frauen lieben, neben unserem Mann natürlich, unseren Kleiderschrank und unseren Schuhschrank und haben ein sehr inniges Verhältnis zu ihnen.</strong></p>
<p><span class="dropcap">„B</span>eherbergen sie nicht all die schönen Dinge, die uns Frauen für euch Männer noch hübscher, attraktiver, begehrenswerter und im wahrsten Sinne des Wortes noch anziehender machen?!&#8220;, frage ich meinen Mann und schiebe erklärend nach:<br />
„Wir freuen uns über den Inhalt ebenso sehr wie ihr Männer über den Inhalt eures Werkzeugschrankes“.<br />
„Damit wären wir wieder einmal quitt, 1:1!“, lächelt mein Mann.<br />
„So wie unsere Schränke wollen auch die der Männer gepflegt und gefüttert werden und ebenso wie deren Inhalt, wächst auch der Inhalt unseres Schuh- beziehungsweise Kleiderschrankes. Damit sind wir beim 2:2 angelangt!“, führe ich das nächste Argument an.<br />
Jetzt kommt aus männlicher Richtung die Bemerkung:<br />
„Bei euch Frauen handelt es sich aber gleich um zwei Schränke, Schuh- und Kleiderschrank! Somit geht ein Punkt an die Männer !“<br />
Das kann ich jetzt aber nicht auf mir sitzen lassen und so muss ich diesem Argument ganz rigoros die Tatsache entgegenhalten, dass Männer neben ihrem Werkzeugschrank auch einen Schrank für Materialien, wie z.B. Farben, Kabel, Drähte, Schalter, Schrauben, Nägel … besitzen.<br />
„ Also: 3:3!“, sage ich und füge schnell noch hinzu:<br />
„Mir stellt sich jedoch die Frage: Laufen Männer denn nackt durch die Gegend?“<br />
An dieser Stelle brechen wir einfach mal die Punktaufrechnung ab.<br />
Ich sollte jedoch noch hervorheben, dass sich meiner Meinung nach eine Sache ganz klar und deutlich abzeichnet: In diesem Wettstreit sind wir Frauen die Sieger, &#8211; egal von welcher Richtung man es auch betrachten mag, ob nach Punktsieg oder einfach nur durch die Besitzanhäufung in unseren beiden Schränken!<br />
Aber im Leben sind Freud und Leid immer sehr eng beieinander und so ist es nun mal auch mit diesen beiden Schränken von uns Frauen. Trotz deutlicher Überfüllung an den genannten Orten, kennt sicherlich jeder Mann die verzweifelten Hilfeschreie seiner lieben Ehefrau:</p>
<p>„Hilfe, ich hab’ nichts zum Anziehen!“ und:<br />
„Oh Gott, ich habe keine passenden Schuhe!“</p>
<p>Da ein Schrank immer nur eine beschränkte Kapazität bietet, platzen diese Möbelstücke fast aus seiner Verankerung und die Kleiderstange biegt sich bereits unter ihrer Last.<br />
„Ich sollte mir entweder einen weiteren Schrank zulegen oder mich dazu durchringen einige Teile wegzuwerfen“, überlege ich.<br />
Durchringen ist das richtige Wort hierfür, denn es kann z.T. echte Überwindung kosten. Von Fehlkäufen trennt man sich schnell, doch der Rest wird schon schwieriger.<br />
Manchmal wünsche ich mir bei solchen Aussortierarbeiten, ich hätte zugenommen, denn dann müsste ich mich notgedrungen von den Sachen trennen. Aber keines der Teile ist mir zu klein, zu eng und kaputt ist es schon gar nicht.<br />
„Also, was soll ich tun?“, frage ich mich im Stillen.<br />
Gut, ein Vorteil ist die Tatsache, dass die Modeindustrie immer wieder neue Modetrends anbietet. Altmodisch möchte keine Frau gekleidet sein, also weg damit!<br />
„Vielleicht finde ich auch noch ein T-Shirt mit Fleck, bei dem die modernen Waschmittel kapituliert haben“, überlege ich und durchforste meinen Schrank weiter.<br />
Schön, eine Plastiktüte ist jetzt bereits gefüllt, aber Lücke ist in meinem Schrank bisher trotzdem keine entstanden.<br />
Frustriert beschließe ich für heute einfach aufzuhören:<br />
„Ich bin nicht in der entsprechenden Laune“, begründe ich meine Entscheidung.<br />
Ein paar Wochen später, draußen ist schlechtes Wetter, da packt mich plötzlich die sogenannte „Ausmistwut“. Die Gelegenheit muss ich sogleich am Schopfe packen und mich wieder meinem Kleiderschrank widmen. Super, ich kann mich von etlichen Hosen trennen, einem Rock und zwei Blusen, dort noch ein Top und ein T-Shirt. Ruckzuck habe ich wieder zwei Tüten voll. Zur Abwechslung überlege ich, ob ich anstelle zur Altkleidersammlung auch noch was für die Kleiderkammer habe. Gut ich finde noch eine Jacke und einen Pullover und nehme aus den Säcken wieder etwas raus und lege es zu den Sachen für die Kleiderkammer.<br />
„Aber jetzt ist Schluss!“, entscheide ich, denn mein Mut zum Weggeben oder Wegwerfen hat mich ganz schlagartig verlassen. Dann geht nichts mehr, nicht von einem einzigen T-Shirt kann ich mich jetzt noch trennen und wäre es noch so hässlich.<br />
Inzwischen ist mein Kleiderschrank immer noch gut bestückt, aber etwas lockerer scheinen die Sachen zu hängen. Ich bin mächtig stolz auf mich!</p>
<p>Am Abend fragt mich mein Mann, ob ich nicht Lust hätte mal wieder nach Berlin oder Dresden zu fahren. Klar hab ich das! Da kann man so schön shoppen gehen! Das ist die Gelegenheit den Schrank wieder aufzufüllen und die Lücken zu schließen.<br />
Neulich hab ich gehört, dass es neben all den verschiedenen Diäten auch eine sogenannte Shopping &#8211; Diät gibt. Soviel halte ich hiervon (und von den übrigen) allerdings nicht, das hält doch nur zeitweilig an und dann schlägt man wieder doppelt zu. Ich habe mir da etwas anderes überlegt, was mein Gewissen etwas beruhigen und meinen Kleiderschrank (funktioniert übrigens auch beim Schuhschrank) entlasten soll: Kaufe ich mir zwei neue Teile, muss ich zwei alte Teile aussortieren. Ich muss sagen, das klappt (immer öfter).</p>
<p>Mein Mann hat es da viel einfacher. Erstens geht er nicht so gerne Klamotten und Schuhe kaufen, zweitens will er nicht alles in fünf verschiedenen Farben und Ausführungen und drittens wirft er nichts weg und laut seinen eigenen Aussagen braucht er daher auch nichts. Aber auch sein Kleiderschrank ist gut gefüllt, vielleicht etwas lockerer, aber Frau (sprich meine Wenigkeit) arbeitet an der Komplettierung.</p>
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		<title>Die Sache mit der Vorahnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Astrid Berg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2014 19:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Ehemann]]></category>
		<category><![CDATA[Kennenlernen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorahnung]]></category>
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					<description><![CDATA[Zurückblickend hätte ich es eigentlich vom ersten Moment an ahnen müssen. Aber so ist es nun einmal im Leben, &#8211; hinterher weiß man immer alles besser. Und überhaupt, wie war das noch einmal mit dem Spruch, den meine Mutter mir ins Poesiealbum geschrieben hat? „Wenn du einst in deinem Leben fest auf einen Menschen baust, geh’ mit Vorsicht ihm entgegen, eh’ du dich ihm anvertraust…“ ( Überlieferung / Der Verfasser ist mir unbekannt). So ähnlich war er wohl. Läge das Poesiealbum nicht noch in meinem ehemaligen Kinderzimmer zu Hause bei meiner Mutter, ich würde die Stufen hinaufeilen, um nachzuschlagen, doch 600 Kilometer überbrückt man nicht eben mal so in 5 Minuten. Unbekümmert legte ich damals das Büchlein zur Seite. Irgendwie gefiel mir der Vers jedoch und bei jeder neuen Liebelei oder Schwärmerei kam er mir immer kurzzeitig ins Gedächtnis zurück, um mich dann letztendlich dem Richtigen anzuvertrauen. Ich könnte jetzt noch viel philosophieren und die Zeichen der Zeit zu erklären versuchen, um dann zu erkennen, dass von Anfang an eigentlich alles auf mein Leben mit &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zurückblickend hätte ich es eigentlich vom ersten Moment an ahnen müssen. Aber so ist es nun einmal im Leben, &#8211; hinterher weiß man immer alles besser.</strong></p>
<p><span class="dropcap">U</span>nd überhaupt, wie war das noch einmal mit dem Spruch, den meine Mutter mir ins Poesiealbum geschrieben hat?</p>
<p>„Wenn du einst in deinem Leben fest auf einen Menschen baust,<br />
geh’ mit Vorsicht ihm entgegen,<br />
eh’ du dich ihm anvertraust…“ ( Überlieferung / Der Verfasser ist mir unbekannt).</p>
<p>So ähnlich war er wohl. Läge das Poesiealbum nicht noch in meinem ehemaligen Kinderzimmer zu Hause bei meiner Mutter, ich würde die Stufen hinaufeilen, um nachzuschlagen, doch 600 Kilometer überbrückt man nicht eben mal so in 5 Minuten.<br />
Unbekümmert legte ich damals das Büchlein zur Seite. Irgendwie gefiel mir der Vers jedoch und bei jeder neuen Liebelei oder Schwärmerei kam er mir immer kurzzeitig ins Gedächtnis zurück, um mich dann letztendlich dem Richtigen anzuvertrauen.<br />
Ich könnte jetzt noch viel philosophieren und die Zeichen der Zeit zu erklären versuchen, um dann zu erkennen, dass von Anfang an eigentlich alles auf mein Leben mit zwei lieben, aber chaotischen Männern hindeutete.<br />
Da aber dieses Hin- und Hersinnen lediglich auch in meinem Kopf ein riesengroßes Wirrwarr, &#8211; sprich Chaos &#8211; erzeugen würde, ziehe ich es nun doch vor ganz von vorne anzufangen:<br />
Nein, keine Angst, ich greife nicht zurück bis zu meiner Geburt, &#8211; obwohl ich als Baby hinreißend gewesen sein muss, &#8211; ich springe mit meiner Erzählung sozusagen mitten hinein in das Leben:<br />
Damals war ich gerade süße 16 Jahre und betrat gemeinsam mit meinen Freundinnen den Schulhof unserer neuen Schule, die wir nunmehr drei Jahre bis zum Abitur besuchen sollten.<br />
Es war ein wunderschöner Sommermorgen Ende August, so gegen acht Uhr. Die Sonne lachte vom strahlend blauen Himmel, die Vögel zwitscherten… So oder ähnlich mögen viele Romane beginnen, &#8211; schon seltsam, aber so war es tatsächlich. Nur eine Person fehlte: Der Prinz auf seinem weißen Pferd.<br />
Stattdessen trat auf unser kleines Weibergrüppchen ein uns allen unbekannter langhaariger Teenager in Jeans zu. Schweigend und stirnrunzelnd sahen wir Mädchen uns den Jüngling an. Was wollte dieses unbekannte Wesen vom anderen Geschlecht von uns? Diese Frage sollte sich eigentlich in Sekundenschnelle klären, &#8211; oder auch nicht.<br />
Der Langhaarige steuerte mit seiner ausgestreckten Hand genau auf mich zu, &#8211; oh Gott, was wollte der nur?<br />
„Grüß dich, Sabine!“, schmetterte er mir entgegen. „Wie geht’s denn so?“<br />
Mit diesen Worten schüttelte er kräftig und dabei lächelnd wie ein Honigkuchenpferd, meine Hand, die ich ihm wohl in einer Art Reflexbewegung gereicht hatte. Innerlich aufatmend, flötete ich zuckersüß zurück:<br />
„Du musst mich wohl verwechseln, ich heiße nicht Sabine, &#8211; ich heiße Astrid!“<br />
„Na, macht ja nichts, &#8211; du kannst ja nichts für deinen Namen. Wir seh’n uns dann wohl noch!“<br />
Mit diesen Worten verschwand er wieder in der Menge und ließ mich sprachlos und ratlos, die Welt nicht begreifend, stehen.<br />
„Was war das denn jetzt?“, wandte ich mich an meine drei Freundinnen. „Wenn die hier alle so sind, dann sollten wir gleich besser wieder verschwinden.“<br />
Erst jetzt sah ich, dass meine Freundinnen hinter vorgehaltener Hand zu grinsen und zu gickeln anfingen.<br />
„Seid ihr jetzt auch schon übergeschnappt?“, wollte ich von ihnen wissen.<br />
„Merkst du denn gar nichts mehr?“, fragte mich eine von ihnen zurück.<br />
„Was soll ich denn merken? Dass der ein Rad ab hat, oder was? Das merkt wohl ein Blinder mit Krückstock!“ (Dummer Spruch! Aber so war damals unsere Ausdrucksweise.)<br />
„Der hätte aber sicherlich gemerkt, dass dieser Typ da nur deinen richtigen Namen wissen wollte“, klärte mich eine andere Freundin auf.<br />
„Ihr meint, das war eine plumpe Anmache?“ Ich schlug mich selbst mit der Hand gegen die Stirn, denn da hätte ich auch selbst draufkommen können.<br />
Jetzt konnte ich mich ebenfalls nicht mehr halten und fiel in das Gelächter der Drei mit ein. Fast hätten wir die Schulglocke überhört.<br />
„Den sind wir erst einmal los“, stellte ich fest, als wir gemeinsam unseren neuen Klassenraum betraten. Neue Lehrer, neue Bekanntschaften, all das war so aufregend, dass ich die ersten Schrecksekunden in der neuen Schule schnell vergessen hatte.<br />
Bis sich am 3. Tag ca. 10 Minuten nach Schulbeginn ruckartig die Tür öffnete und ein seltsam anmutender Typ den Klassensaal betrat.<br />
„Tschuldigung!“, sagte er lässig in Richtung Lehrerpult blickend. „Meine Mutter konnte ihre Perücke nicht gleich finden.“<br />
Der Lehrer blickte stirnrunzelnd über den Rand seiner Brille hinweg auf den Jungen, der inzwischen einige Stühle rechts neben mir Platz genommen hatte.<br />
„Sie steht dir aber ausgesprochen gut, Peter! Doch das nächste Mal solltest du deine Verschönerungsaktionen besser auf den Nachmittag legen!“, meinte der Lehrer leichtfertig. Der gesamte Kurs brüllte vor Lachen und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Sein Bankhintermann griff nämlich nach vorne und zog dem Typ den Skalp ab und zum Vorschein kam der Langhaarige vom Schulhof.<br />
„Ich glaube es kaum“, raunte ich meiner Banknachbarin zu.<br />
„Na, den wirst du wohl so schnell nicht mehr los“, grinste sie mich an.<br />
„Danke, mein Bedarf ist gedeckt“, flüsterte ich zurück und widmete mich weiter dem Unterrichtsstoff.<br />
Lustig hatte er ja wirklich ausgesehen, auch machte es ihm nichts aus, dass die anderen über ihn lachten. Es schien ihm regelrecht Freude zu bereiten, Menschen auf seine Kosten zum Lachen zu bringen. Das sollte ich im Laufe unserer gemeinsamen Schulzeit mehr als einmal feststellen können. Er konnte und kann herzhaft mitlachen und sich köstlich über seinen eigenen Blödsinn amüsieren, aber auch über die Naivität der anderen zu glauben, er sei so vertrottelt.<br />
Mehr als einmal fiel ich selbst auf seine Tricks herein:<br />
„Hallo Astrid“, begrüßte er mich einmal freundlich im Englischunterricht. „Du hast doch sicher das Essay gelesen. Ich habe es gestern versehentlich unter der Bank liegengelassen. Sag mir doch bitte nur kurz, was drin stand. Es interessiert mich echt brennend. Ich könnte mich selbst ohrfeigen, wo das Thema doch so hochaktuell ist und genau auf meiner Wellenlinie liegt.“<br />
„Ja, das ist wirklich ein interessantes Thema, das viele Diskussionspunkte bietet“, sprang ich sofort drauf an. „Also pass mal auf: …“<br />
Zunächst mitleidig und dann immer mehr hineinsteigernd erzählte ich kurz den Inhalt, um dann auf meine eigene Interpretation des Gelesenen einzugehen.<br />
„Ja, ja“, meinte Peter zustimmend, „das ist genau meine Meinung!“<br />
Kaum hatte er mir in überzeugender Weise beigepflichtet, betrat auch schon unser Englischlehrer den Klassenraum. Dieser hatte sich kaum gesetzt, da schnellte auch schon Peters Finger in die Höhe. Prompt nahm der Lehrer ihn dran und somit gab dieser genau das zum Besten, was ich ihm bereitwillig einige Minuten zuvor unterbreitet hatte. Man kann sich sicherlich meine Verärgerung vorstellen. Ich war einfach zu gutgläubig gewesen. Mein Ärger wurde nicht gerade besser, als ich die Lobeshymnen des Lehrers hörte:<br />
„Man merkt, dass du dir Gedanken gemacht hast“, lobte er Peter. In mir brodelte es, aber man konnte ihm jedoch nicht lange böse sein. Immerhin: Geschickt eingefädelt hatte er die Sache ja und ich konnte eigentlich nur mir selbst die Schuld geben, wieder einmal auf Trick 17 hereingefallen zu sein. Während ich in der Stunde fleißig mitarbeitete, um mein Können unter Beweis zu stellen, hatte er offensichtlich sein Soll bereits erfüllt. Man hörte in den restlichen Minuten keinen einzigen Beitrag mehr von ihm.<br />
Meine Schulzeit war eine schöne Zeit und Peter tangierte darin immer wieder mein Leben, ohne jedoch tatsächlich darin eine Rolle zu spielen. Er war einfach nur ein Schulkamerad für mich, obwohl er öfters mal ein bewunderndes Auge auf mich warf.<br />
Ich war sogar einmal bei einem Konzert seiner Rockgruppe, in der er als Organist spielte. Ich klatschte auch Beifall, obwohl die Vorführung der mir scheinbar Verrückten und deren wirres Getrommel, Gekrächze und Getöne in keinem Fall auf meiner Wellenlänge lagen. Gut, ich bin nicht sehr musikalisch und vielleicht war mein Musikgeschmack ja verkehrt, denn ganz im Gegensatz zu mir, fand die winzige Fangemeinde in den ersten Reihen den aufgeführten Katzenjammer so genial, dass sie am Ende jeder Darbietung in eine regelrechte Verzückung und Ekstase geriet. Allerdings muss es doch noch einige kritikfähige Zuhörer gegeben haben, denn bei einer dieser Vorführungen der mit Musikinstrumenten kämpfenden Horde, wurde ihnen einfach der Saft (sprich: Strom) abgedreht. Denn nur so konnten die die Musik vergewaltigenden und von der Erde abgehobenen „Irrsinnigen“ gestoppt werden. So waren irgendwann der Sänger, dem man das Singen erst beibringen musste, der Trommler, der immer urplötzlich ein 10 minütiges Trommelsolo einbaute, der Organist, der auf die Tasten hämmerte und der Gitarrist, der am liebsten das Instrument zerfetzt hätte, zur Aufgabe gezwungen. Das war in meinen Augen zum Glück gerade noch rechtzeitig das Ende der Band.<br />
Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass ausgerechnet der Organist dieser Band noch vor Beginn unserer Studienzeit mein Freund und später mein Ehemann und Vater unseres gemeinsamen Sohnes werden sollte. Zu seiner Rehabilitation muss man sagen, dass er bereits schon zum Zeitpunkt unserer Freundschaft seine Flegeljahre hinter sich hatte. Heute ist er ein seriöser Universitätsprofessor, der viel Verständnis für seine Studenten hat und immer für einen Spaß zu haben ist.</p>
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