Für Kinder, Kurzgeschichten
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Opa Rudi und das Sollen und Wollen

Heute Abend ist Opa Rudi wieder an der Reihe. Er muss die beiden Enkelkinder Mia und Basti ins Bett bringen. So ist es mit Oma ausgemacht,- immer schön abwechselnd. Gestern war Oma dran, also hat heute Opa die Ehre. Nur leider hat er überhaupt keine Lust, denn er will eigentlich gleich den Fernseher einschalten.

„Abgemacht ist abgemacht“, meint Oma Karla nur. „Ich wollte gestern auch erst mit meiner Freundin telefonieren und du warst nicht gewillt für mich einzuspringen.“
„Ja, ja ich weiß schon, – gleiches Recht für alle“, antwortet ihr Gatte und marschiert in Richtung Kinderzimmer.
Mia hat sich heute auf dem Spielplatz tüchtig ausgepowert und sie blickt dem Großvater schon ziemlich müde entgegen.
„Himpelchen und …“, beginnt der Opa und endet mit:
„und wackelten mit ihren Zipfelmützen…“, weil Mia nämlich bereits eingeschlafen ist.
Opa Rudi freut sich insgeheim und denkt:
„Das ging aber fix. Wenn Basti auch so schnell einschläft wie seine kleine Schwester, dann bin ich pünktlich zum Start der Fernsehsendung wieder im Wohnzimmer.“
Basti kommt gerade aus dem Badezimmer und kuschelt sich gemütlich unter die Bettdecke. Seine Augen blicken den Großvater hellwach und erwartungsvoll an. Er liebt Opa Rudis Geschichten und heute kann er gerne eine richtig lange Geschichte erzählen, denn Basti ist noch kein bisschen müde.
„Himpelch…“, beginnt der ältere Herr, in der Hoffnung, die Sache mit dem Einschlafen geht genauso flott wie bei Mia.
„Halt, stopp!“, ruft Basti sofort aus. „Ich bin doch schon ein Schulkind. Erinnerst du dich, ich bin letzten Sommer eingeschult worden. So ein Kinderkram ist nichts mehr für mich!“
Basti ist richtig entsetzt und Opa Rudi bleibt nichts anderes übrig, als sich eine andere Geschichte einfallen zu lassen:
„Okay, okay, aber Heinrich, den Rotzipfelmützenträger und Leo, den Blauzipfelmützenträger kennst du bestimmt noch nicht. Das sind zwar auch Zwerge, aber die wohnen in einem unbekannten Land mit dem welthöchsten Berg. Weil es den Beiden aber zu langweilig ist immer nur mit ihren Zipfelmützen zu wackeln, spielen sie Schach….“
„Opa, das glaubst du doch nicht wirklich?!“, fragt Basti leicht irritiert. „Das hab ich ja noch nie gehört, dass Zwerge Schach spielen. Außerdem ist Schachspielen genauso langweilig wie das Wackeln mit den Zipfelmützen.“
Erschrocken schaut der Großvater seinen Enkel an, räuspert sich und sagt:
„Eh,… ich meine,… sie denken sich den ganzen Tag über irgendeinen Schabernack aus.“
„Das hört sich schon besser an“, grinst Basti erwartungsvoll.
 „Sie haben ihrem Zwergenvolk zum Beispiel erzählt, dass sie den Berggeist gesehen haben. Er sei so groß wie ein Turm und mächtiger als ein König. Er wohne in einer Höhle unter der Erde und würde dort einen großen Schatz in einer riesigen Truhe hüten.“
„Und was ist das für ein Schatz?“, erkundigt sich der Enkelsohn neugierig.
„Der Schatz ist ein sehr kostbares und altes Schachspiel und deshalb wird er von den zwei weltbesten Schachspielern bewacht…“
„Halt, stopp!“, ertönt es dieses Mal nicht von Basti, sondern von Oma Karla, die in der Tür steht.
„Ich glaube, wir sollten an dieser Stelle den Geschichtenerzähler auswechseln. Bitte geh‘ in das Wohnzimmer, dort beginnt soeben die Sendung, die du nicht verpassen wolltest.“
Gesenkten Hauptes, aber innerlich frohlockend, verlässt Opa Rudi das Zimmer.
„Oma“, versucht Basti vorsichtig eine Frage zu stellen. „Ist Opa Rudi krank, ich meine, so wie alte Leute manchmal werden und dann wirre Sachen erzählen?“
„Nein, nein“, beteuert Oma Karla. „Dein Großvater ist nicht dement oder verwirrt, er erfreut sich bester geistiger Klarheit. Allerdings geht es ihm im Moment so wie dir, wenn du Hausaufgaben machen sollst, aber lieber Fußballspielen willst.“
„Dann mache ich viele Fehler, weil ich die ganze Zeit an mein Fußballspiel denke“, gesteht der Enkel.
„Ja und Opa Rudi möchte die Schachweltmeisterschaft im Fernsehen sehen, die jetzt beginnt. Deshalb waren seine Gedanken beim Schachspiel und nicht beim Geschichtenerzählen.“

 

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6 Kommentare

  1. Liebe Astrid,
    hihi, wir sagen immr „Gleiches Unrecht für alle!“ ;-D denn hier gibt es auch diese Art von Arbeitsteilung – z.B., wenn es darum geht, unsere Katze Nina von den Nachbarn abzuholen o.ä.
    Ich finde, der Opa hat sich doch eine sehr originelle Geschichte ausgedacht – Märchen mit Schachspielereien gibt es vermutlich noch nicht viele …
    Vielen Dank für deinen Kommentar, der diesmal offenbar auch wieder auf „normale“ Weise geklappt hat! Du hast mich nach einem Rezept gefragt: Das Kürbisgulasch machen wir eigentlich genau so wie unser Kartoffelgulasch. Hier ist das Rezept: https://rostrose.blogspot.com/2009/10/eintopfzeit.html
    Einfach die Kartoffeln durch Kürbis ersetzen 😉 Kürbis haben wir genommen, was da war, in unserem Fall waren das ein kleiner Jarrahdale und ein noch kleinerer Butternuss.
    Gute Besserung für deinen Rücken. Vielleicht habe ich da einen Tipp für dich? Seit ich Bauchmuskelübungen mache (vor allem Übungen für den Psoas-Muskel) geht es meinem Rücken nämlich viel besser…
    Alles Liebe und ein schönes Wochenende!
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/01/fruhlingshaftes-winter-picknick-in.html

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      danke für das Rezept und den Tipp. Ich glaube, das hilft wirklich. Unser Sohn hat nämlich von seiner Physiotherapeutin den selben Tipp bekommen. Ich werde mir ein paar Übungen heraussuchen.
      Ja, wie durch ein Wunder hat das Kommentieren plötzlich geklappt. Ich versuche es ja immer und habe auch dieses Mal vorsorglich den Kommentar vor dem Klick auf Versenden erst kopiert. Und siehe da,… es geschehen noch Zeichen und Wunder 😀.
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Ja, Gute Nacht-Geschichten erzählen können oftmals anstrengend werden, wenn sie kein Ende nehmen sollen. Ich laß keine mehr vor, als die Jungs lesen konnten. Da mußten sie die Märchen selbst lesen und dadurch hatten sie schnell fließend lesen gelernt. Ich saß trotzdem auf der Bettkante und hörte zu und korrigierte manchmal.
    Alles Gute, tschüssi Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Ja, so ähnlich habe ich es auch gemacht. Meist habe ich mich mit unserem Sohn beim Lesen abgewechselt. Wie ich es einmal bei unseren Enkelkindern handhaben werde, kann ich noch nicht sagen. Das lasse ich auf mich zukommen. Es müssen erst mal Enkelkinder dasein😉. Wir sind ja noch keine Großeltern .
      Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche.
      LG
      Astrid

  3. Da muss ich lachen und an das Gedicht denken, da muss man die Hände dazu bewegen:
    Himpelchen und Pimpelchen saßen auf einem Berg.
    Himpelchen war ein Heinzelman und Pimpelchen ein Zwerg.
    Sie blieben lange da oben sitzen und wackelten mit ihren Zipfelmützen.
    Doch nach 76 Wochen sind sie in den Berg gekrochen.
    Schlafen dort in tiefer Ruh, sei mal still und hör schön zu.
    Hchhhh, hchhh …
    Man bewegt die Daume dazu und am Ende steckt man sie in die Faust.
    Kennst du das?
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Genau, liebe Kerstin, das kenne ich. Irgendwie sind mir Himpelchen und Pimpelchen in den Sinn gekommen. Warum weiß ich selbst nicht. Auf jeden Fall war dann die Geschichte in meinem Kopf. Wie so oft kam die Idee beim Einschlafen und erst am nächsten Tag habe ich sie geschrieben.
      Liebe Sonntagabendgrüße von mir zu Dir.
      Astrid

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